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Dracula im Film (8): Jonathan (1970) – Vampire sterben nicht

12. August 2020
Jonathan war Geißendörfers zweite Regierarbeit.

Jonathan war Geißendörfers zweite Regierarbeit.

Ein sehenswerter deutscher Beitrag zur Verfilmungen rund um den Mythos stammt von Hans W. Geißendörfer. 1970 brachte der Vater der Lindenstraße den erschreckenden Vampirfilm Jonathan in die Kinos. Es war seine zweite Regiearbeit nach dem Fall Lena Christ.
Aber natürlich können die deutschen Autorenfilmer nicht einfach einen Vampirfilm drehen, nein er musste eine politische Botschaft haben, schließlich stammt der unheimliche Streifen aus dem Jahre 1970. Alle Elemente des klassischen Vampirfilms sind vorhanden: Zähne, Gräber, Kreuze, Pfahl – auch der Name Jonathan verweist auf Jonathan Harker aus Bram Stokers Dracula. Doch der Film ist mehr als ein Vampirfilm – es ist eine politische Parabel in wunderschönen Bildern.

Es zeigt den Aufstand des unterdrückten Volkes gegen den Adel, der dem Volk das Blut aussaugt.
Die Handlung: Ein junger Mann mit Namen Jonathan wird von den Intellektuellen, den Professoren und Studenten, zu den bösen Vampiren geschickt, um zu spionieren. Dort wird er allerdings erwartet und muss Folter und Tortur über sich ergehen lassen. Dann aber die Wendung: Das Volk, die Bauernschaft, die bisher sich selbst quälte und ihre Wut an Schwächeren ausließ – dieses Volk erwacht nun und übt blutige Vergeltung an den Herrschenden und treibt die Blutsauger schließlich ins Meer.
Der Film ist keine leichte Kost, aber wunderschön von Geißendörfer fotografiert. Es gibt kaum Dialoge, dafür eine Kombination von Bildern und Musik und die Farben des Setdesigns sind aufeinander abgestimmt. Die dominanten Farben sind Schwarz, Weiß, Rot – diese Farben kennen wir doch, oder? Gedreht wurde auf Schloss Pommersfelden bei Bamberg, der Gründungsbau des fränkischen Barocks. Die Einstellungen sind meist Totale, kaum Details. Geschnitten wird nur dann, wenn es notwendig ist, also für die jüngeren Zuschauer eine Tortur. Gerne würde ich den Regisseur mal zu seinem Film befragen, vielleicht ergibt sich die Gelegenheit. Auf der DVD gibt es ein aufschlussreiches Interview mit Geißendörfer.

Im Film sind allerhand Anspielungen auf die Kapitalismuskritik der linken siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts wahrzunehmen. Auch das Kommunardenleben wird visuell zitiert, die Kommune 1 mit freier Liebe lässt grüßen. Bauern schauen einem jungen Paar beim Sex zu.
Übrigens: der Film wurde ein finanzieller Erfolg. Rund eine Millionen Zuschauer gingen 1970 ins Kino.
Eine Kopie des Films zu bekommen, ist übrigens ziemlich schwer. Es gab mal eine Arthaus-Kollektion auf DVD. Dort ist auch das Presseheft als PDF hinterlegt. Im Interview wird auch von einer härteren japanischen Version gesprochen, die ich allerdings noch nie wirklich gesehen habe. Im Interview betont Geißendörfer, dass hier exzessiv mit Kunstblut gearbeitet wurde. Gerne würde diese Version in die Finger bekommen.
Es ist an der Zeit, dass eine restaurierte Bluray-Version auf den Markt kommt.

 

Schminktipps zu Halloween

27. Oktober 2015

Halloween kommt und ich muss arbeiten. Ich darf ein Seminar halten und kann mich nicht als Zombie, Vampir oder Mumie verkleiden. Meine Familie fiebert derweil einer Hausparty entgegen und wenn ich die Timeline in Facebook sehe, dann üben einige Freunde schon das Schminken. Und natürlich gibt es wieder die Spaßbremsen, die den Zeigefinger oberlehrerhaft nach oben richten und den Kulturverfall beklagen.

Ich (nicht maskiert) im Horrorladen - Maskworld.com in Berlin.

Ich (nicht maskiert) im Horrorladen – Maskworld.com in Berlin.

Experten für Halloween sind für ich die Typen von maskworld.com in Berlin. Wenn ich in der Hauptstadt bin, besuche ich immer das Fachgeschäft. Ich habe bereits darüber gebloggt. Jetzt gab Julia Kirchner, die Maskenbildnerin von maskworld.com ein Interview zum Thema Halloween. Übrigens – hier der Werbeblock: Wer bei maskworld.com am 30.10. bis 19:30 Uhr per Express bestellt, bekommt übrigens sein komplettes Halloween-Outfit auch noch pünktlich zur Party am 31.10. zugestellt.

Hohe Wirkung. Foto: maskworld.com

Hohe Wirkung. Foto: maskworld.com

Halloween, Karneval, Mottopartys, Cosplay… die Gelegenheiten sich zu schminken und zu verkleiden sind heute vielfältiger denn je. Was glaubst Du, woher die in den vergangenen Jahren so enorm gestiegene Begeisterung fürs Verwandeln kommt?


Julia Kirchner: Die Leute sind offener und lockerer geworden, sie wollen gerne mal jemand anderes sein. Es gibt heute viel mehr Auswahl im Bereich Verkleidung und Schminke als früher. Außerdem macht es einen Riesenspaß, gemeinsam in andere Rollen zu schlüpfen und zu feiern – man kann einfach mal wieder Kind sein! Und bei der Vielzahl von Kostüm-Events ist heutzutage für jeden Menschen was dabei.

Maskenbildnerin Julia Kirchner. Foto: maskworld.com

Maskenbildnerin Julia Kirchner. Foto: maskworld.com

Es ist kurz vor der Party und ich habe noch keine Verkleidung. Was mache ich, wenn die Zeit so knapp ist? Hast Du einen Last-Minute-Schminktipp? 


Julia Kirchner: Ja, es gibt durchaus ein paar schnelle Kostüm- und Make-up-Ideen: Man kann etwas Weißes anziehen und eine Flasche Blut über den Kopf kippen. Hört sich radikal an, ist aber schnell und effektiv. Mit Wundschorf kann man auch ohne Übung täuschend echte Verletzungen zaubern. Einfach mit einer Messerrückseite oder einem Spatel ein paar Kratzer auf die Wange auftragen und etwas Blut unter den Nasenlöchern verteilen. Dazu noch mit Creme Make-up in den Farben Blau, Lila und Braun ein blaues Auge schminken und schon kann man sich sehen lassen.


Was würdest Du anspruchsvollen Leuten empfehlen, die im Hinblick auf ihre Verkleidung sehr ambitioniert und im Umgang mit Make-up geübt sind?


Julia Kirchner: Wer etwas Ausgefallenes sucht und sich mit der Materie insgesamt schon recht gut auskennt, dem lege ich unsere Special FX-Masken aus Schaumlatex ans Herz. Diese haben den Vorteil, dass sie die Mimik des Trägers auf die Maske übertragen und dadurch extrem realistisch aussehen. Sie werden selbst eingeschminkt und gestaltet, weshalb sie zwar etwas mehr Arbeit machen, dafür aber neue Maßstäbe in Sachen Verkleidung setzen. Ultra-realistische 3D-Klebewunden bescheren sowohl Profis als auch Laien extrem echt wirkende, dreidimensionale Verletzungen. Diese hat der amerikanische Maskenbildner Christian Tinsley für Hollywood-Filmproduktionen entwickelt und wurde damit sogar mit einem Oscar prämiert.

Welche Vorbereitung empfiehlst Du für das Make-up?


Julia Kirchner: Auf jeden Fall sollte man sich vorher sicher sein, was man machen will. Extrem wichtig, um unliebsame Überraschungen oder Enttäuschungen zu vermeiden, ist ein Probeschminken. So ein Testlauf hilft ungemein, die Zeit für das Schminken am Tag der Party abzuschätzen. Außerdem kann man dann eher noch Dinge korrigieren, die einem nicht gefallen und man sieht auch gleich wie viel Zeit man braucht. Je aufwändiger der Look, desto mehr Zeit sollte man einplanen. Ich selbst lege viel Wert auf gutes Licht, einen großen Tisch und einen großen Spiegel. Und es ist auf jeden Fall hilfreich, alle benötigten Sachen übersichtlich zu platzieren und in Reichweite zu haben.

Vielleicht dieses Mal als Reptil ? Foto: maskworld.com

Vielleicht dieses Mal als Reptil ? Foto: maskworld.com

10 Tipps für ein gelungenes Halloween-Make-up

Julia Kirchner gibt 10 Tipps für ein gelungenes Halloween-Make-up. Da ich viel für das Friseurhandwerk und die Beautybranche arbeite, gebe ich die Tipps gerne weiter – die Tipps zu Halloween klappen auch, wenn man ein Make-up-Experte ist.

1. Entscheidet Euch für einen Charakter, dessen Make-up einfach gehalten ist, z.B. Saw Puppet.

2. Sucht Inspiration und Hilfe im Internet. maskworld.com hat z. B. einen eigenen YouTube-Kanal mit Schminktipps und auch beim Online-Magazin Halloween.de gibt es jede Menge Schritt-für-Schritt-Anleitungen.

3. Haltet es schlicht: Ein paar weiße Kontaktlinsen zusammen mit Wundschorf (wirkt wie verkrustetes Blut) und Blutspray ergeben schon einen tollen Effekt.

4. Setzt bei Kunstblut eher auf kleine Akzente anstatt zu übertreiben. Ein paar gut platzierte Kratzer mit Kunstblut machen oft mehr her, als wenn man sich das ganze Gesicht lieblos vollschmiert.

5. Benutzt einfach anzuwendende Spezialeffekte, z.B. Scary Skin (wirkt wie abgeplatzte, rissige Haut), Horrorhaut (eignet sich sehr gut, um aufgerissene Haut zu modellieren) oder Collodium Narbenfluid (erzeugt realistische Narben). Diese erzeugen überzeugende Ergebnisse.

6. Nehmt fertige Klebewunden. Die Latexwunden sehen täuschend echt aus und kommen mit Blut und Hautkleber, so dass Ihr schon alles für eine perfekte Wunde habt.

7. Begnügt Euch mit wenigen Schminkfarben (aqua make-up oder Creme Make-up), allein mit Schwarz und Weiß kann man sich schon prima als Skelett schminken.

8. Tragt Zahnlack auf Eure Zähne auf oder besorgt Euch Horror-Zähne, um ein echt gruseliges Gebiss zu bekommen.

9. Setzt Euch eine Perücke auf oder nehmt farbiges Haarspray für eine Typverwandlung.

10. Greift zu temporären und praktischen Gesicht-Klebetattoos, wenn Ihr Euch nicht schminken wollt. Die Klebetattoos sind eine einfache und zeitsparende Alternative.