Archive for the ‘Aufgelesen’ Category

Granitzentrum Hauzenberg – Granit aus Niederbayern

22. Oktober 2019
Der Eingang zum Besucherzentrum.

Der Eingang zum Besucherzentrum.

Ich las mal eine Zeitschrift über die Studentenproteste der 60er Jahre des vergangenen Jahrhundert, als Demonstranten das Pflaster einer Straße aufrissen und mit den 10×10 Zentimeter großen Pflastersteinen die Polizei bewarfen. Die Steine wurden als 1,5 Kilogramm Meinungsfreiheit bezeichnet. Der Slogan war: Unter dem Pflaster der Strand, wie der Titel der anarchistische Kulturzeitschrift hieß, die von 1974 bis 1985 erschien. In Hauzenberg in Niederbayern besuchte ich ein Besucherzentrum, dass sich um die Meinungsfreiheit dreht: Das Granitzentrum Hauzenberg.

Auf den ersten Blick ein etwas ungewöhnlicher Besichtigungspunkt auf der Herbstreise des PresseClubs München nach Ostbayern. Doch beim zweiten Hinschauen eröffnete sich mir eine faszinierende Welt der Schönheit, der Technik und der Geschichte. Und: Was mich außerdem begeisterte, eine hervorragende Museumsdidaktik des 21. Jahrhunderts mit einer Erlebnisführung und Multimedia-Elementen – sehr eindrucksvoll.

Geführt wurden wir von einem Original: Ludwig Bauer, gelernter Steinmetzmeister und ein Experte in Sachen Granit. Sein Vater Max Bauer war Steinhauer und er schrieb ein interessantes Buch Kopfsteinpflaster, das später auch unter dem Titel Brotzeit erschien und die Geschichte des Niederbayern erzählte.
Bis das Granitzentrum Hauzenberg im Jahre 2005 eröffnet wurde, war es ein langer, steiniger (Wortwitz) Weg. Das Zentrum wird privatwirtschaftlich betrieben. Ludwig Bauer und seine Kollegen nutzen den Wahlkampf 1996 und nahmen einen Vorstoß beim damaligen bayerischen Kultusminister Hans Zehetmaier vor. Der willigte ein und dann ging es schnell. 3,6 Millionen Euro war das Volumen, wobei 60 Prozent Förderung durch die Europäische Union beigesteuert wurde.
Das Geniale an der Architektur war: Man konnte über die Inhalte ein Haus bauen. Oft ist es bei Museen anders herum. Doch in Hauzenberg hatte man eine klare Idee, eine klare Konzeption und Ausstellungsstücke, so dass die Architekten Brückner & Brückner aus Tirschenreuth ein eindrucksvolles Bauwerk um die Inhalte schaffen konnten. „Wir werden weltweit beneidet“, so Ludwig Bauer. „Wir bauen wie ein Fels aus dem Steinbruch heraus.“ Materialien sind Holz, Stahl und Stein.

Das Museum zeigt zahlreiche Exponate, zum Teil ungewöhnlich beleuchtet, sowie anschauliche Schaubilder. Beeindruckt hat mich vor allem eine Multimedia-Show in einem Steinforum. Das Video gibt nur einen kleinen Einblick, wer in dem Forum sitzt, kann die gesamte Show besser genießen.

Bewegend waren auch die Ausführungen von Ludwig Bauer zur Geschichte der Steinmetzarbeiten. Dabei berichtete er von den Erfahrungen der Kreuzritter, die im Heiligen Land auf bunte Gläser in Moscheen stießen. Die Folge war, dass in gotischen Kathedralen auch bunte Gläser mit christlichen Motiven verbaut wurden. Was muss es für eine Show für die Menschen des Mittelalters gewesen sein, wenn die Sonne durch die nach Osten gerichteten bunten Gläser scheint? „Eine perfekte Licht- und Farbinszenierung.“ Menschen, die weder lesen noch schreiben konnten, die den lateinischen Gottesdienst nicht verstanden, bekamen in der Kirche die perfekte Show geliefert. „Die Kirche macht Marketing mit Licht und Farbe“, so Ludwig Bauer. Hier war dann eine perfekte Steinmetzarbeit gefragt, die das Glas in den Fenster hielt.

Woher kommt der Begriff 08/15 ?

20. Oktober 2019

Kennen Sie den Ausdruck 08/15 ? Als Filmfan weiß ich natürlich, dass es eine Spielfilm-Serie 08/15 – Die komplette Filmtrilogie aus dem Jahr 1954 mit Joachim „Blacky“ Fuchsberger ist, zu dem Rolf Wilhelm die Musik schrieb. Aber im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg wurde mir aber bewusst, woher der Begriff stammen könnte.

Das Maschinengewehr 08/15

Das Maschinengewehr 08/15

Auf der Herbstreise des Münchner Presseclubs nach Regensburg besuchte ich die Dauerausstellung im Haus der Bayerischen Geschichte. Dort stieß ich auf ein Maschinengewehr aus dem Ersten Weltkrieg. Das Maschinengewehr 08/15
Die Waffe aus der MAN-Fabrik in Augsburg steht für die industrielle Kriegsführung des Ersten Weltkriegs. Es kann 400 bis 450 Schuss pro Minute abgeben. Die Leihgabe kommt aus dem Ingolstädter Armeemuseum. Seine Bedienung erfolgte durch standardisierte Abläufe. Und von den standardisierten Abläufen kommt der Ausdruck 08/15: Bis heute bezeichnet man gewöhnliche und normale Sachverhalte oder standardisierte Vorgänge mit dem Begriff 08/15.

Massensterben im Ersten Weltkrieg.

Massensterben im Ersten Weltkrieg.

Die Einführung des Maschinengewehrs als moderne Kriegswaffe führte zum Massensterben im Ersten Weltkrieg. Es war der erste industriell geführte Krieg, der Millionen Tote führte. Das 08/15-Maschinengewehr hatte bei den deutschen Soldaten allerdings keinen guten Ruf. Es klemmte und hatte zweitweise eine Ladehemmung.

Glifftschmier in der ältesten Apotheke Bayerns

19. Oktober 2019

Die älteste Apotheke Bayerns befindet sich in Passau – die Hofapotheke zum Schwarzen Adler. Seit 1384 steht sie am Residenzplatz und wurde 2010 zur schönsten Apotheke Deutschlands gekürt. Bei der Herbstfahrt des Internationalen PresseClub München besuchten die Journalisten das bayerische Venedig. Gästeführerin Annemarie Hertel zeigte die Highlights der Stadt und damit auch die Hofapotheke zum Schwarzen Adler.

Die Apotheke wird von Wolfgang Zormaier in der achten Generation geführt und wer in Passau ist, sollte unbedingt kurz in das Geschäft hinschauen. Es gibt dunkelbraune Apothekerschränke mit kunstvoll verzierten Schnitzereien zu stehen. Darüber ein großzügiges Gewölbe mit buntem Stuck an der Decke.

Und wer etwas erwerben will, der soll unbedingt nach dem Glifftschmier fragen. Glifftschmier ist eine Salbe und beruht auf ein über 140 Jahre altes Rezept für offene Wundstellen an Hand und Fuß. Preußen verstehen allerdings Giftschmiere, was zu netten Verwechslungen führt. Die Glifftschmier ist Inhalt eines alten Apothekerbuches, dass in Besitz der Familie Zormaier ist. Es ist ein Rezept aus Bienenwachs, Fette und Öle, das in einem so genannten Manuale gesammelt ist. Hier haben die Apothekenahnen von Zormaier ihre Rezepte notiert.

Ostbayern: Auf die Transformation vorbereiten

18. Oktober 2019
Noch gibt es in Ostbayern, wie hier in Landshut, blühende Landschaften. Noch gibt es in Ostbayern, wie hier in Landshut, blühende Landschaften.

Überall wo der PresseClub München im Oktober 2019 auf seiner Herbstreise durch Ostbayern Station machte, wurde stolz verkündet: Aus dem einstmals armen Ostbayern ist eine blühende Landschaft geworden. Die Zeiten der Arbeitslosigkeit im Winter ist der ganzjährigen Vollbeschäftigung gewichen. Dennoch ziehen dunkle Wolken auf und die Region wird sich auf andere Zeiten einstellen müssen.
Der fränkische Autozulieferer Brose will in den nächsten drei Jahren in Deutschland 2.000 Arbeitsplätze abbauen, so eine Meldung von gestern. Die Transformation und der Strukturwandel sind erkennbar. Die alten Industrien des 20. Jahrhunderts müssen sich verändern, sonst werden sie verändert. Die klassische Automobilindustrie und ihre Zulieferindustrie gerät ins Stracheln und alle Beteiligten fragen sich, ob BMW und Co richtig aufgestellt sind und den Wandeln meistern. Für mich gilt es als sicher, dass Entlassungen in irgendeiner Art folgen werden. Für Elektromobilität brauche ich nicht mehr so viel Ingenieure wie bei Verbrennungsmotoren.

Die Einschläge kommen näher. Die Einschläge kommen näher.

Für die Politik ist die Digitalisierung das Zauberwort. Ich bin zwar Fan der Digitalisierung, unterrichte auch das Thema in meinen Seminaren, doch ich sehe auch, dass bei vielen Leuten das Thema Digitalisierung als Problem und nicht als Chance gesehen wird. Und das nicht nur, wenn ein ranghoher Politiker den Beamer über Clickshare nicht zum Laufen bekommt und einen Techniker rufen muss.
Der Regierungspräsident von Niederbayern Rainer Haselbeck war sichtlich stolz, dass es in Niederbayern Vollbeschäftigung gibt. Die einzige Klage, die er von den Unternehmen höre, sei die Klage über den Fachkräftemangel. Das Personal sei der begrenzende Faktor.

Der Aufstieg Niederbayerns ist wesentlich geprägt durch die Automobilindustrie“, so Haselbeck weiter. In Dingolfing steht eines der größten Werke von BMW mit rund 20000 Mitarbeiter. Hinzu kommen mehrere Tausend Mitarbeiter in der Zulieferindustrie. Aber: „Wenn BMW hustet, dann hat Niederbayern die Grippe“, so beschrieb Haselbeck diese Abhängigkeit.

Daher achte er sorgfältig auf die Debatten über die Zukunft der Automobilindustrie. „Da kann man, da muss man sich viele Sorgen machen, aber froh bin ich darüber“, dass BMW die Grundsatzentscheidung getroffen habe, dass das Auto als Mobilität der Zukunft in Niederbayern gebaut werde. Dem Regierungspräsidenten war auch klar, dass Elektromobilität zu weniger Beschäftigten führt.
Auf Nachfrage sieht Haselbeck einen Ausweg aus der drohenden Krise durch Bildung und Forschung. „Wir haben inzwischen eine starke Hochschullandschaft in Niederbayern.“ Neben der Universität in Passau hat der Regierungsbezirk Hochschulen Landshut und Deggendorf mit jeweiligen Außenstandorten wie Pfarrkirchen. Es sei wichtig, sich in diesem Bereich gut aufzustellen.
Zudem werde man die Wirtschaftsförderung mit Geldern vom Freistaat Bayern gezielt einsetzen, versprach der Regierungspräsident. Auch im Bereich Digitalisierung gibt es eine ganze Reihe staatlicher Förderprogramme. Haselbeck sieht aber auch, dass sich in Zeiten der Vollauslastung so mancher Betrieb schwer tut, sich neu auszurichten und an die Zukunft zu denken.

Kommentar
Meiner Meinung ist das der richtige Weg. Die Wirtschaft und die Gesellschaft muss sich auf die neue Zeit einstellen. Dabei spielt Digitalisierung eine wichtige Rolle. Dennoch darf das Thema Handwerk und kleiner Mittelstand nicht vergessen werden. BMW und die Industrie haben in der Vergangenheit Mitarbeiter im Handwerk abgezogen und nun gibt es Gegenden, in denen kein handwerklicher Bäcker oder Metzger mehr vorhanden sind. Wenn das Handwerk stirbt, gab es keinen Aufschrei. Wenn jetzt die Industrie den Wandel nicht packt, wird der Aufschrei groß sein. In Zeiten der Regionalisierung und der Klimadebatte wäre es meiner Meinung nach wünschenswert sich auf die regionale Wirtschaft wieder zu konzentrieren – auf ein Handwerk mit seinen familiären Strukturen.

Wenn es einfach zuviel wird: Schiffkreuzfahrten in Passau

15. Oktober 2019

Passau ist eine Tourismusstadt – doch mehr und mehr leidet die Drei-Flüsse-Stadt unter dem modernen Massentourismus. Als Problem kristallisiert sich das Thema Schiffkreuzfahrten heraus. Waren es im Jahr 1992 16 Schiffe, die in Passau anlegten, sind es 2019 schon 189 Kreuzfahrtschiffe, die 3500 Mal an den Uferbauwerken von Passau festmachen. Aus den Schiffen, die die Donau Richtung Wien bereisen, steigen 350-400.000 Passagiere ein und aus.

Auf der Herbstfahrt des Internationalen PresseClubs München im Oktober 2019 machten die Mitglieder im Venedig Bayerns Station und informierten sich aus erster Hand bei Gästeführerin Anneliese Hertel und Tourismusdirektorin Pia Olligschläger.

Die Passagiere von Kreuzfahrtschiffen bringen nur bedingt Geld in die Stadt. Natürlich übernachten die Gäste auf den Schiffen und nicht in den zahlreichen Hotels der Stadt. Zudem werden die Passagiere mit Lunch-Paketen ausgestattet, wenn sie Passau besichtigen. So gehen viele Passauer Gaststätten leer aus. Tourismusexperten sprechen von 15 bis 20 Euro, die pro Passagier in Passau gelassen werden. Das ist nicht viel für die Tourismusmetropole an Donau, Ilz und Inn. Morgens gehen die Passiere von Bord und Schlusspunkt der Tour ist oftmals das Orgelkonzert im Passauer Dom um 12 Uhr. Dann heißt es wieder einschiffen und weiter geht es zum nächsten Haltepunkt an der Donau.

Die Gästeführer von Passau haben das Nachsehen, weil die Kreuzfahrtschiffe einige Guides an Bord haben und die Passiere mit Audioguides ausgestattet sind. Per Funk werden die Touristen von Guides in der Landessprache über die Geschichte der Stadt unterrichtet.
Was bleibt für die Passauer Wirtschaft? Zum einen sind es die Reinigungskräfte, die vom Land angefordert werden. Aber auf Müllentsorgung kann man keine Stadt finanzieren. Zum anderen kommen frische Waren von ausgewählten Einzelhändlern an Bord.

Bei unserem Besuch in Passau fiel mir auf, dass die Schiffsmotoren der Schiffe oft im Leerlauf laufen. Es waren hauptsächlich Dieselmotoren. Ob das in Zeiten der Klimadiskussion noch opportun ist? Elektromotoren sind mir nicht aufgefallen, soll es aber auch bei den Kreuzfahrtschiffen geben. Berichtet wurde mir, dass es auch vorkommt, dass mancher Passagier seinen Abfall in die Donau illegal kippt, gesehen hab ich es aber nicht. In Passau sind die Liegeplätze für die Kreuzfahrtschiffe begrenzt, so dass bis zu drei Schiffe nebeneinander liegen. Die Schiffe werden auch immer größer. Passten früher vier Schiffe in eine Schleuse, so ist heute ein Schiff pro Schiff.

So kommt es vor, dass Schiffe beispielsweise in Österreich anlegen und die Passagiere per Bus nach Passau kommen. Doch die Parkplätze für Busse in Passau sind begrenzt und die Busse dürfen am Ufer nur 20 Minuten stehen.
Ich bin gespannt, wie die Stadt das Problem lösen will. Das Thema soll bei der Kommunalwahl 2020 eine Rolle spielen.

 

UPDATE: Mich erreichte am 18. November 2019 folgende Informationen durch das  Passau Tourismus und Stadtmarketing, die ich hier anfügen möchte:

Im Jahr 2018 haben 188 verschiedene Kreuzfahrtschiffe in der Stadt Passau 2.431 mal angelegt. Die Mehrheit davon 60% an der Lände Lindau und 40% = 971 an den Anlegestellen Altstadt. Für das Jahr 2019 werden 186 Schiffe erwartet, 2.980 Anlegungen und ca. 380.000 Passagiere.
Quelle: Stadtwerke Passau als Liegenstellenbetreiber

Die Kreuzfahrtsaison ist von März-Anfang Januar(ca. bis Heilige Drei Könige 6.01.). In der Altstadt haben wir 7 Anlegestellen für Kreuzfahrtschiffe, alle mit Stromanschluss und Wasser. Zurzeit erfolgt ein Ausbau der Liegeplätze Altstadt mit zusätzlichen Power-Lock Stromanschlüssen.
In der Lände Lindau, stehen 4 Liegeplätze bereit.

Von der Kreuzschifffahrt profitieren in Passau zahlreiche Wirtschaftsbereiche.
Die Wertschöpfungsanalyse Kreuzschifffahrt ist angefügt. Passau ist sowohl Stop-over Hafen als auch Anfangs- bzw. End Hafen für die Schiffe.
Bei Hoch- oder Niedrigwasser ist Passau zudem eine besonders frequentierte „Switch-Stelle“, d.h. hier werden die Gäste von den einzelnen Schiffen getauscht wenn das schiff nicht weiter fahren kann. Die Lände Lindau ist auch bei Hoch- bzw. Niedrigwasser anfahrbar.

Die Stadt Passau profitiert sowohl von Übernachtungsgästen als auch von Tagestouristen in den Bereichen
a) Gastronomie Einige Gastronomiebetriebe verköstigen zahlreiche Kreuzfahrtgäste nicht nur bei Ausnahmewasserstand.
b) Übernachtungssektor Aufgrund, dass zahlreiche (ca. 40% aller Fahrten) Kreuzfahrten in Passau beginnen, profitieren auch die Übernachtungsbetriebe von den Kreuzfahrtschiffen. Der Anteil der Kreuzfahrtgästen an den Gesamtübernachtungen beträgt schätzungsweise in der Hochsaison 30%.
574.000 Übernachtungen konnte Passau im Jahr 2018 registrieren. Rechnerisch= : 12 Monat3 = 47.833 / Monat – davon 30% = 14.350 x 9 Monate Saison = ca 130.000 Übernachtungen durch Kreuzfahrtgäste.
c) Einzelhandel. 95% aller Kreuzfahrtgäste besuchen die Stadt bevor, nach oder während ihres Stops bzw. zu Beginn oder Ende der Schifffahrt. Die Wertschöpfung können Sie der Studie entnehmen. In Passau ist der Ausgabenanteil etwas höher als der Durchschnitt.
d) Zulieferer / Logistik. Zahlreiche Kreuzfahrten beginnen in Passau. Zahlreiche Gäste reisen mit dem Auto an und stellen ihre PKW’s während ihrer Abwesenheit in Passau ab. Es fallen Einnahmen durch Parkgebühren an.
e) Gästeführungen. 95% aller Schiffe die in Passau Stop-Over in Passau machen, buchen auch eine Stadtführung in Passau. Eine große Reederei hat schon ein Tag vor Abfahrt in Passau boarding und bietet sogar 2x Führungen an. Bei Ankunft und am nächsten Tag. Die Sehenswürdigkeiten und Museen von Passau profitieren von diesen Gästen. Es stehen über 150 Gästeführer in Passau zur Verfügung, die in über 15 Sprachen führen. Die Nachfrage ist sehr groß.
Leider verfügen wir nicht mehr über eine diesbezügliche Statistik.
Im Jahr 2017 hatten wir 169 Schiffe (17 weniger als 2019 erwartet werden) und es wurden 6.583 Gruppenführungen für Kreuzfahrtschiffe durchgeführt. Es waren ca. 132.000 Teilnehmer. Man kann sicherlich davon ausgehen, dass sich die Zahl der Gruppenführungen erhöht hat.
Es werden Führungen sowohl in der Stadt Passau als auch in die Region angeboten. Die größte Reederei Viking, hat pro Schiff mindestens 2 Stadtführungen in Passau optional im Angebot. Spezielle Führungsangebote für Kreuzfahrtgäste wurden aufgrund der hohen Nachfrage z.B. im Dom und auf der Veste Oberhaus entwickelt und weisen eine hohe Nachfrage auf.
Z.B. findet im St. Stephans Dom, auf der größten Domorgel der Welt, in der Saison fast täglich zusätzliche Sonderkonzerte für Kreuzfahrtgäste statt.
Passau bietet zahlreiche speziell für die Kreuzfahrtschiffe entwickelte Programme an.
In der Weihnachtszeit werden zudem spezielle Angebote im Bereich Gastronomie in Anspruch genommen, z.B. in Konditorei.

Keine rechtsextremistischen Anfeindungen an die Regierungspräsidenten von Niederbayern und der Oberpfalz

14. Oktober 2019

Das feige rechtsextremistische Attentat von Halle war erst ein paar Tage her, als der Presseclub München zu seiner Herbstreise nach Ostbayern startete. Hier trafen die Journalisten auf die Regierungsdirektoren von Niederbayern und der Oberpfalz Rainer Haselbeck und Axel Bartelt.Vor wenigen Wochen, am 2. Juni 2019, wurde ein Kollege Haselbecks und Bartelts ermordet: Walter Lübcke. Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) wurde vor seinem Wohnhaus mit einem Pistolenschuss aus nächster Nähe in den Kopf getötet. Als dringend tatverdächtig wurde am 15. Juni 2019 der hessische Rechtsextremist Stephan Ernst festgenommen, der gestand und später widerrief. Als Tatmotiv nannte Ernst darin Äußerungen Lübckes während der Flüchtlingskrise 2015.

Keine Bedrohung verspürt Regierungspräsident Rainer Haselbeck.

Keine Bedrohung verspürt Regierungspräsident Rainer Haselbeck.

Auf die Frage, ob sich auch Rainer Haselbeck bedroht fühlt, antwortete der Regierungspräsident aus Niederbayern: „Ich habe vergleichbares bisher nicht erlebt.“ Die größten verbalen Auseinandersetzungen waren bisher, ob an einem gewissen Ort eine Flüchtlingsunterkunft entstehen soll oder nicht. „Es gab intensive Kontakte mit der Bevölkerung, aber Anfeindungen dieser Art haben wir nicht erlebt.“

Auf die Nachfrage von PresseClub-Vorsitzender Peter Schmalz nach einer Verrohung der Gesellschaft meinte Haselbeck: Er bemerke, dass sie Bereitschaft behördliche Entscheidungen des Staates zu akzeptieren, auch wenn sie einem nicht passen, deutlich zurück geht.

Rief auf zur Gedenkminute: Regierungspräsident Axel Bartelt

Rief auf zur Gedenkminute: Regierungspräsident Axel Bartelt

Ein tiefergehende Problem mit dem Rechtsextremismus stellte der Regierungspräsident der Oberpfalz Axel Bartelt bei einem Empfang im Spiegelsaal der Regierung fest. Er appellierte an die Mitglieder der Presseclubs München und Regensburg als „Gewissen der Nation“ Bewusstseinsbildung zu betreiben. „Wir sind an einem Wendepunkt angekommen.“

Axel Bartels will jetzt einen gemeinsamen Empfang von „bayerischen und jüdischen Mitbürgern“ durchführen, was für mich unverständlich ist, denn Bayern sind Juden und Juden sind Bayern. Hier hat sich der Regierungspräsident meines Erachtens unglücklich ausgedrückt, bei dem richtigen Zeichen, das er setzen möchte. Zum Gedenken an die Opfer von Halle bat der Regierungspräsident die anwesenden Pressevertreter sich von ihren Plätzen für eine Gedenkminute zu erheben.

Flüchtlingssituation 2015 im Landkreis Passau
Der Landrat von Passau, Franz Meyer, erinnerte an einem Empfang in Hauzenberg in Niederbayern an die Flüchtlingsbewegung von 2015. 8000 Flüchtlinge pro Tag kamen damals über die grüne Grenze von Österreich nach Bayern. „Wir haben in dieser Phase mehr Flüchtlinge im Landkreis gehabt als acht europäische Staaten“, so Meyer. Die Österreicher haben die Flüchtlinge aktiv an Deutschland weitergeleitet. „Die größten Schleuser sind die Österreicher“, so Meyer auch damals in einem Interview mit den Tagesthemen.

Der Landrat von Passau Franz Meyer ist ein Freund deutlicher Worte.

Der Landrat von Passau Franz Meyer ist ein Freund deutlicher Worte.

Ein große Herausforderung damals war eine hohe Anzahl von unbegleiteten minderjährigen Jugendlichen. Rund 4000 Jugendliche mussten vom Passauer Kreisjugendring betreut werden. Die Anstöße zur Verteilung dieser Jugendliche nach Bayern und ins ganze Bundesgebiet kamen von Passau und wurden von den Behörden schnell umgesetzt. „Wenn es pressiert, gehts schnell“, so Meyer. „Danke an die vielen Hunderte von Leuten bei uns, die ehrenamtlich rund um die Uhr gearbeitet haben.“ Meyer weiter: „Wir haben das mit großer Humanität geschafft.“ Bei aller deutlichen Worten in dieser Phase sei es wichtig, was man sagt. Nicht anheizen, sondern die Dinge klar formuliert.

Landrat Meyer bedankte sich ausdrücklich beim Freistaat und dem damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer. „Auf Horst Seehofer war Verlass in all diesen Fragen.“
Heute kommen an der Grenze zwischen 50 und 100 Flüchtlinge pro Tag an. Meyer unterstützt die Grenzkontrollen, aber nicht an der jetzigen Form. Die Grenzkontrollen finden an einer ungeeigneten Stelle mitten auf der Autobahn statt und behindern die Berufspendler nach Passau.

Und wie bezahlt ihr eure Urlaubsreise? Aktuelles Zahlenmaterial

26. September 2019
Trotz Kritik stehen Reisen hoch im Kurs.

Trotz Kritik stehen Reisen hoch im Kurs.

Trotz der Pleite von Thomas Cook und Co stehen Urlaubsreisen ist bei den Deutschen noch immer hoch im Kurs. Zu meiner Jugend fuhr meine Familie einmal in Jahr in den Urlaub. Heute ist es trotz bedenklicher CO2 Bilanz für viele wichtig, zwei-, dreimal in die Ferne zu reisen. Gingen meine Eltern früher ins Reisebüro, geht die junge Generation ins Netz, um eine Reise zu buchen.
80 Prozent der deutschen Bevölkerung haben schon mal online mindestens eine Urlaubsreise (Flug und Hotel in einer Buchung) gebucht. Etwa jeder zweite Verbraucher sogar eine bis zwei Urlaubsreisen in den vergangenen 12 Monaten. Gemäß den Ergebnissen der aktuellen Verbraucherumfrage der Creditreform Boniversum GmbH gewinnen Online-Buchungen von Urlaubsreisen – ob längerfristig geplant oder „last minute“ – immer mehr an Bedeutung.
Zwei von drei Verbrauchern gaben dabei einem Reisevermittlungsportal den Vorzug vor einem klassischen Reiseveranstalter. Doch gemäß der Studie ist das Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft: Mehr als 70 Prozent der Befragten würden häufiger im Internet Urlaubsreisen buchen, wenn sie die Bezahloptionen „Lastschrift“ oder „Kauf auf Rechnung“ wählen könnten. Bei unserer Familie wird dagegen in der Regel via Kreditkarte gebucht. Sind „Lastschrift“ oder „Kauf auf Rechnung“ typisch deutsch?

Online-Buchungen sind auf dem Vormarsch.

Online-Buchungen sind auf dem Vormarsch.

Acht von zehn Verbrauchern buchten bereits einmal online eine Urlaubsreise
Der Trend zur zunehmenden Urlaubsbuchung im Internet ist klar erkennbar. 80 Prozent aller Umfrageteilnehmer haben schon einmal eine Urlaubsreise online im Paket (Hotel + Flug) gebucht. Viele buchten mehr als einmal. Die Umfrage von Boniversum ergab, dass rund 59 Prozent das Internet für Reisebuchungen ein- oder zweimal in den vergangenen 12 Monaten genutzt haben. 10 Prozent buchten in diesem Zeitraum dreimal oder auch häufiger ihre Reisen online.

Jeder Dritte bucht seine Urlaubsreise heute kurzfristig
Gut 33 Prozent aller befragten Verbraucher haben den jüngsten Urlaub erst 30 Tage oder kürzer vor Reiseantritt online gebucht. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) tätigte die Buchung zwischen 31 Tagen und sechs Monaten vor Antritt der Reise. 14 Prozent planten weit im Voraus und buchten bereits früher als sechs Monate vor dem Reisedatum.

Flugreisen trotz Klimakiller.

Flugreisen trotz Klimakiller.

Reiseportale beliebter als Reiseveranstalter-Websites
Online-Buchungen über Reisevermittlungsportale sind besonders beliebt. Sie vergleichen die Angebote mehrerer Veranstalter und geben einen schnellen Überblick. 70 Prozent der Befragten haben ihre letzte Urlaubsreise in einem entsprechenden Portal gebucht. 23 Prozent setzten auf die Online-Auftritte konventioneller Reiseveranstalter.

Innerdeutsch reise ich mit der Bahn.

Innerdeutsch reise ich mit der Bahn.

Traditionelle Bezahlverfahren deutlich bevorzugt
Rund 69 Prozent der deutschen Bevölkerung möchten auch bei ihrer Reisebuchung im Internet nicht auf gewohnte Bezahlmethoden verzichten. Traditionelle Zahlungsarten wie Kreditkarte, Lastschriftverfahren, Rechnung, Vorauskasse und Ratenzahlung genießen bei Reisebuchungen große Popularität. Neuere Verfahren wie Bezahlsysteme (PayPal, Sofortüberweisung etc.) sowie digitale Rechnungsanbieter (Klarna, Billsafe etc.) werden von 31 Prozent aller befragten Online-Bucher favorisiert. Da fällt mir ein, meine Sparkasse bietet noch immer kein Apple Pay an.

70 Prozent würden bei „Lastschrift“ oder „Rechnung“ häufiger online buchen
Die Vorliebe für traditionelle Bezahlmethoden birgt Potenzial für Mehrumsatz. Rund 70 Prozent würden ihre Urlaubsreisen häufiger online buchen, wenn sie die Bezahloptionen „Lastschrift“ oder „Kauf auf Rechnung“ wählen könnten.
Bei identischem Angebot würden rund 24 Prozent zu dem Anbieter wechseln, der die gewünschte Zahlart Lastschrift anbietet. Bei Bezahlung per Rechnung wären sogar 44 Prozent bei „normalen“ Urlaubsreisen und 43 Prozent bei „Last-Minute-Reisen“ wechselbereit.

Gabriel Filmtheater: Das Ende des ältesten Kinos der Welt

22. September 2019
Eine Ära geht zu Ende.

Eine Ära geht zu Ende.

Ich weiß nicht, wie viele Stunden ich in diesen Räumen verbracht habe. Ich weiß aber, dass es nun vorbei ist. Das Gabriel Filmtheater, das älteste Kino in München und zugleich das älteste Kino der Welt, ist Geschichte. Mit einem Tag der offenen Tür konnte sich das Publikum vom Kino und seinen Betreibern verabschieden. Es war für mich ein sentimentales Ereignis und eine Selbstverständlichkeit dabei zu sein.

Das Gabriel Filmtheater war für mich als Filmfreund und Filmkritiker in erster Linie ein Ort der Arbeit, aber auch ein Ort der Inspiration. Nun, ich gehöre schon lange nicht mehr zum engen Pulk der eingeschworenen Münchner Filmkritiker, die Tag ein, Tag aus ins Kino zu den Pressevorführungen gehen. Ich bekomme nur noch ab und zu Einladungen zu den Vorführungen und schreibe meine Kritiken u.a. in meinem Blog. Und ein Ort dieser exklusiven Filmvorführungen war das Gabriel Filmtheater in der Dachauer Straße 16 in München.

Im April diesen Jahres musste das Gabriel Filmtheater schließen. Nun gab es die Möglichkeit, sich von den Räumlichkeiten zu verabschieden und tief in die Geschichte eines der ältesten Kinos einzutauchen. Diese Möglichkeit wollte ich mir nicht entgehen lassen und ich musste mich persönlich verabschieden.
Die ehemaligen Betreiber Alexandra Gmell und ihr Vater Walter Büche sowie die Schauspielerin Selma Schwesig erzählten Geschichten aus dem traditionsreichen Haus und das Filmpublikum konnte alle Räumlichkeiten – einschließlich der Katakomben – alte Filmrollen und -Plakate bestaunen.
Das Gabriel Filmtheater galt als eines der ältesten Kinos der Welt. Am 21. April 1907 wurde es von Carl Gabriel unter dem Namen „The American Bio-Cie. – Carl Gabriels Theater lebender Bilder“ eröffnet. Seit 1936 war das Kino in der Hand von Alexandra Gmells Familie. Ihre Urgroßeltern Ludwig und Franziska Büche kauften das Haus, der Sohn Hans übernahm den Kinobetrieb, ihm folgte seine Frau Beatrix nach. Später übernahm ihr Sohn Hans Walter Büche, der das Gabriel bis zuletzt mit seiner Tochter betrieb.

Das Kino hatte ursprünglich einen großen Saal. Der Balkon wurde 1964 abgetrennt und es wurde das Kino 2 daraus. Hier liefen dann die Filme, die weniger Publikum anzogen. Ach ja Filme: Das Gabriel war einst auch ein Kino für Erwachsene. Das Aki im Hauptbahnhof und das Gabriel lieferten die Pornos der siebziger und achtziger Jahre. Im Keller vom Gabriel gab es noch viele Filmrollen und Plakate mit Sex-Filmchen: Die Nymphomanin Catrice, Event L’amour, Wild Lovers, Villa der Perversionen und viele mehr. Auch der sexy Historienschinken der Turm der verbotenen Liebe mit Uschi Glas war dabei.
Als Kino-Fan bin ich traurig, wenn ein Lichtspielhaus oder Filmtheater stirbt. Ich mag die Paläste der Träume. Hier bin ich ein verklärter Träumer. In meiner Heimatstadt Fürstenfeldbruck hat sich ein Verein gebildet, der das örtliche Lichtspielhaus als Kulturkino trägt. Ich bin hier Mitglied geworden und unterstützte das Programm mit meinem Eintritt und Mitgliedsbeiträgen. In München ist so eine Umwandlung bisher gescheitert, trotz Aufschrei der Politik.
Aber zurück zum Gabriel: Danke, dass wir in den Keller absteigen durften. Dort liegt noch allerhand Filmmaterial, Rollen, Plakate – ein Schatz für Trash-Filmfreunde. Ich hab Material zu B- und C-Movies gesehen. Viel nackte Haut, Sexfilmchen und ein bisschen Western mit Django und Franco Nero. Die Rollen stauben ein. Was mit den Schätzen passiert, wusste Alexandra Gmell noch nicht. Vielleicht gibt es eine Versteigerung. Ich habe mich auf jeden Fall auf eine Interessentenliste setzen lassen.
Die Projektoren sind schon lange abgebaut. Es gab einst noch 35 Millimeter Projektoren, die Mitte der 90er durch Beamer und Server ersetzt wurde. Zunächst gab es Festplatten, dann Download-Links für Filme – die Romantik war verschwunden.

In aller Form möchte ich mich bei den Betreibern des Gabriel für die vielen angenehmen Stunden in Ihrem Hause bedanken und wünsche alles Gute auf dem weiteren Lebensweg. – Und wir Filmkritiker müssen uns eine neue Heimat suchen. Und hier noch die Demontage des Gabriel-Schriftzugs in voller Länge.

Ausflugtipp: Längste Hängebrücke im Tibetstyle highline179 in Tirol

21. September 2019
Na, wer traut sich?

Na, wer traut sich?

Im modernen Tourismus gibt es ein Problem. Es muss immer eine neue Sau durchs Dorf getrieben werden, um attraktiv zu blieben. Eine solche Neuerung gibt es in Tirol bei Reutte, die ich ausprobieren wollte.

Es gibt dort eine sehr interessante Burgruine Ehrenberg, die mit EU-Fördergeldern restauriert wurde. Es macht Spaß, durch das Burggelände zu laufen. Der Blick von den Burgzinnen ist enorm und ich setzte mich ein wenig Abseits, um meinen Gedanken nachzuhängen. Die Burg Ehrenberg ist die Ruine einer Höhenburg in 1100 m Höhe südlich über Reutte im Außerfern in Tirol. Die Burgruine ist der Mittelpunkt eines der bedeutendsten Festungsensembles Mitteleuropas. Die Burg wird von der barocken Festung Schlosskopf überragt, unterhalb sperrt die Ehrenberger Klause das Tal. Östlich der Bundesstraße vervollständigt das Fort Claudia das Befestigungssystem.

Über die Brücke highline179
Zur Burg kann man zu Fuß aufsteigen, aber seit wenigen Monaten gibt es auch eine Gondel, die den Fußkranken in die Höhe bringt. Oben angekommen kommt die Herausforderung: Die highline179, die längste Fußgängerbrücke der Welt im Tibetstyle in 114 Meter Höhe. Diesen Titel wurde der Konstruktion im Dezember 2014 vom Guinnessbuch der Rekorde verliehen.

 

Am 22. November 2014 wurde die highline179 für alle Besucher offiziell eröffnet. Und ich muss sagen: Es ist wirklich hoch. Die Brücke verbindet die Burgruine Ehrenberg mit dem Fort Claudia. 406 Meter ist der Fußweg über die Brücke lang und es weht und schwankt wirklich. Ich habe viele Besucher gesehen, die verweigerten. So mancher Hund an der Leine scheute den Weg. Nicht umsonst hat man den Hashtag BlickmitKick vergeben. Insgesamt können 500 Personen gleichzeitig über die 70 Tonnen schwere Brücke spazieren. Na, wer traut sich?

Europäisches Hansemuseum – so muss Museum heute sein

18. September 2019
Die Kaufleute der Hanse.

Die Kaufleute der Hanse.

So stelle ich mir ein Museum mit moderner, zeitgemäßer Museumskonzeption vor. Am Ende meines Aufenthalts in Lübeck besuchte ich das Europäische Hansemuseum und es war schlichtweg ein Erlebnis.
Die Hanse ist eine Mischung aus EU, NATO und OPEC des Mittelalters und nachdem ich bereits in zahlreichen Hansestädten war, war Lübeck das Zentrum dieses Reichs von Kaufmänner. Ich war von dem Museum so begeistert, dass ich mir gleich den Museumskatalog und zwei Bücher Die Hanse und Die Deutsche Hanse: Eine heimliche Supermacht im Shop kaufte und auf der 6 stündigen Heimfahrt nach Bayern verschlang.

Der Eingang zum Museum.

Der Eingang zum Museum.

Was begeisterte mich an dem Europäischen Hansemuseum? Es begann mit dem Ticket. Der Preis von 13 Euro beinhaltete das Museum und das Burgklosters, was aber aufgrund von Renovierungsarbeiten und Aufbau einer Tanzveranstaltung nur teilweise zu besichtigen war. Einen Preisnachlass gab es aber nicht. Nun, mir ging es erst mal um das Hansemuseum. Ein Eintrittskarte beinhaltet einen NFC-Code. Im Eingangsbereich mache ich meine Karte scharf, wähle aus einer von vier Sprachen. Bei mir war es Deutsch, aber es gibt auch Englisch, Schwedisch und Russisch – interessant, denn in Bayern hätte Italienisch oder Französisch dazu gehört und sicherlich Chinesisch. Dann kann ich eine von 50 europäischen Städten wählen unter deren Sichtweise meine Führung steht und zum Schluss kann ich noch ein Interessengebiet auswählen. So stelle ich mir eine individuelle Führung durch das Hansemuseum zusammen. Ich halte meine Karte vor die Monitore und ein individueller Inhalt wird angespielt – so muss Museum heute sein.

An einem Einführungsmonitor am Anfang jeder Szene gibt es einen Überblick über die dort dargestellte historische Situation. Sie wurde auf Basis aktueller Forschungsergebnisse rekonstruiert, wird mir von den Guides zu Beginn meiner Tour vermittelt. Der Rundgang ist didaktisch hervorragend aufgebaut. Es gibt so genannte Kabinette mit historischem Material und zahlreichen Erläuterungen. Dem schließen sich Räume mit Szenen in historischen Kulissen an.
Der Rundgang startet mit einer Fahrt eines Aufzugs nach unten. Hier gibt es eine Art Luftschleuse, damit die historische Grabung nicht beschädigt wird. Es zeigt die Ursprünge Lübecks und historische Schichten des Burghügels.

Dann folgen Informationen über den wegweisenden Zusammenschluss an der Newa um 1193. So geht es weiter mit Lübeck um 1226, London 1550, Hansetag 1518, Handel & Glaube, die Pest um 1367 und Brügge um 1361. Mir als Filmfreund kamen die Setbauten von Filmbau Decotec entgegen. Auch das Filmstudio Babelsberg Potsdam schuf Figuren. Den Vorwurf von „erdachten Welten“ halte ich für nicht angebracht, basiert die Konzeption und Darstellung auf historischen Fakten. In dieser Art kann ich historisches Wissen vermitteln – und es macht auch noch Spaß. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus und kann gar nicht sagen, welcher Raum mir am besten gefallen hat. Wahrscheinlich war es die Idee der Hanse: Der Zusammenschluss von Menschen mit gleichem Interesse, die die Welt verändern.

Leider hatte ich nur 2,5 Stunden Zeit, die sollte man sich aber auch nehmen. Beim nächsten Lübeck-Besuch nehme ich mir einen Tag Zeit, denn alle Tafeln und Hinweise konnte ich vor Ort nicht lesen – aber ich habe ja den exzellenten Ausstellungskatalog gekauft und verschlungen. Bald fahre ich nach Riga und werde mein Hanse-Wissen dort angeberisch anbringen.

Ein paar Zahlen und Fakten um das Hansemuseum. Das Hansemuseum war im April 2015 Tagungsort der Außenminister der G7-Staaten. Offiziell eröffnet wurde es am 27. Mai 2015 von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der Museumsbetrieb wurde am 30. Mai 2015 aufgenommen.

Hier mein Videorundgang in drei Teilen: