Posts Tagged ‘Stanley Kubrick’

Buchtipp: George Lucas Star Wars: Frames

23. November 2013

Im Frühjahr 2014 starten die Dreharbeiten vom neuen Star Wars-Film. Bis es soweit ist, genieße ich die alte Serie und hab mir ein persönliches Weihnachtsgeschenk schon heute gemacht: Die legendäre Frames-Box von George Lucas allerdings in der preiswerten Volksausgabe und nicht die 3000 US-Dollar Variante.

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Star Wars: Frames ist im Grunde ein hochwertiges Bilderbuch. Es umfasst 1416 Szenenbilder aus allen sechs Star Wars-Filmen, auf hochwertigen Papier gedruckt. In zwei Bänden sind die Bilder der beiden Dreiteiler auf über 730 Seiten zusammengefasst. Lucas selbst, so wird uns als Leser erklärt, habe die Bilder von den Negativen der Filme ausgewählt und J.W. Rinzler hat den Begleittext verfasst. Rinzler gehört zur Star Wars-Familie und hat einige Filmbücher für LucasFilm geschrieben.

Wenn ich die Bilder ansehe, höre ich die Dialoge der Schauspieler in meinem Kopf. Das Kopfkino ist voll da und ich genieße die Filme auf ein neues. Durch die umfangreichen Standbilder finde ich aber immer wieder neues, entdecke viele Details, die im bewegten Bild einfach untergingen. Das ist für mich eine große Bereicherung und stimmt mich gleichzeitig sehr traurig. Ich hätte Frames auch gerne von anderen Filmen, die mir viel bedeuten. Wie beispielsweise die Werke von Stanley Kubrick oder auch von Peter Jackson. Aber im Moment sitze ich eben Stunde um Stunde und durchlebe das Star Wars-Fieber. Für mich ist die Sammelbox auch eine Möglichkeit, mir dem ungeliebte Prequel wieder zu näheren. Ich machte die Teile nicht so sehr, sie waren mir einfach zu glatt und die Darsteller zu oberflächlich. An den Tricks und der Ausstattung kann man aber nicht herummeckern.

Dort sind es vor allem die Kostüme von Königin Amidala, die mich faszinieren. Kostümdesignerin Trisha Biggar hat ganze Arbeit für das Prequel geleistet und steht für mich ganz in der Tradition von meiner Lieblingsdesignerin Eiko Ishioka. Durch die Bilder zeigt sich, wie sauber hier von Trisha Biggar gearbeitet wurde, denn die Bilder legen ein ungeheures Detailreichtum an den Tag.

Star Wars: Frames ist für mich das ideale Geschenk für Star Wars-Fans und sicher ein heißer Tipp für das Christkind.

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Kubricks Kameramann Gilbert Taylor verstorben

27. August 2013

Gilbert Taylor ist im Alter von 99 Jahren auf der Isle of Wight gestorben. Die wenigsten Kinozuschauer werden Taylor kennen, haben aber sicherlich sein Werk gesehen. Gilbert Taylor war einer der wichtigsten britischen Kameramänner. Er stand bei unendlich vielen Filmen hinter der Kamera, wie zum Beispiel bei den Beatles-Klassiker Yeah, Yeah, Yeah – A Hard Day’s Night.

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Er begann in der Branche in den 20er Jahren beim Stummfilm.  Später er drehte mit vielen wichtigen Filmgöttern wie Alfred Hitchcock (Frenzy), Roman Polanski (Macbeth), Richard Donner (Das Omen) und John Badham (Dracula). Und er schuf für George Lucas die gewaltigen Bilder zu Krieg der Sterne und prägte sich in mein Filmgedächtnis ein. Für mich war seine absolute Meisterleistung die Zusammenarbeit mit Regie-Guru Stanley Kubrick für Dr. Seltsam oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben . Die Kriegskamera in diesem Film ist einmalig. Hier konnte Gilbert sein Wissen als Kameramann aus dem Zweiten Weltkrieg einbringen. Er filmte den Abwurf britischer Bomben auf deutsche Städte, um den Erfolg der Angriffe zu dokumentieren.

Der Herr der Affen ist tot

26. Februar 2013
    Die Affen der Welt trauern. Wie ich am Rande der Oscar-Verleihung aufschnappte, ist der Herr der Affen im Alter von 99 Jahren verstorben. Stuart Freeborn zog in den Affen-Himmel ein. Kaum jemand kennt wohl Stuart Freeborn. Er war einer prägendsten Maskenbildner Hollywoods.
    Wer den Kubrick Klassiker 2001 gesehen hat, wird die Affen-Szene zu Beginn nicht vergessen. Die genialen Masken schuf Stuart Freeborn. Die Masken sahen so verdammt realistisch aus. Durch die Regie von Kubrick entstand für uns Zuschauer die Illusion einer echten Affenhorde. Das hat mich im Kino immer beeindruckt. Stuart Freeborn arbeitete zuvor schon mit Kubrick bei Dr. Seltsam.
    Den heutigen Kinogängern bleibt Stuart Freeborn durch seine Make up-Arbeit an Yoda und Chewbacca in Erinnerung. Diese Star Wars-Figuren eroberten sofort das Herz der Fans. Der Jedi-Meister und der Copilot von Han Solo waren perfekt. Peter Mayhew spielte den Chewbacca nahezu perfekt. Und hier zeigte sich, wie hervorragend die Arbeit von Stuart Freeborn war. Mal schauen, ob er jetzt im Himmel die Engel zu Affen schminkt.

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Buchkritik: Andrej Tarkovskij: Schriften, Filme, Stills

18. Januar 2013
Chance vertan - das Buch über Tarkovskij ist eine Frechheit.

Chance vertan – das Buch über Tarkovskij ist eine Frechheit.

Es gibt ein paar Regisseure, die ich wirklich verehre. Dazu gehört mit Abstand Stanley Kubrick, dicht gefolgt von Alfred Hitchcock und der dem Massenpublikum meist verborgene Russe Andrej Tarkovski. Seine Filme wie Stalker, der Spiegel, Solaris oder das Opfer (um nur einige zu nennen) gehören zu den schönsten und eindringlichsten Werken, die je auf Film gebannt wurden. Dazu kommt eine poetische und persönliche Auseinandersetzung mit Kunst. Dieser großartige Künstler verstarb mit 54 Jahren in Paris. Einen guten Überblick auf DVD liefert diese DVD Collection.

Ich kann mich nicht sehr gut, an seinen letzten Film 1985 das Opfer erinnern. In einem vollbesetzten Studentenkino in München sah ich das Meisterwerk. Vor mir saß ein Paar: Sie eine intellektuelle Studentin, die sich für den Film interessierte. Er war mehr an ihr interessiert und ging ihr zuliebe wohl in den Film mit – ohne zu wissen, auf was er sich da einließ. Als seine Hand immer wieder zu seiner Freundin wanderte und sie seine Hand mit den Worten „Ich will den Film sehen!“ wegstieß. Das ging einige Zeit so und irgendwann platze ihm der Kragen. Sie gerieten in Streit. Er: „Du immer mit diesen komischen Filmen“. Sie: „Ich will nicht immer das Actionzeug von dir sehen!“ Schreierei im Kino und dann Trennung unter Applaus des gesamten Kinopublikums. Endlich konnten wir das Opfer wieder in Ruhe genießen.

Inzwischen hab ich viel Material über Tarkovski gelesen und gesehen. Immer wieder tauchen Bücher zu diesem visionären Genie auf. So auch das Buch Andrej Tarkovskij: Schriften, Filme, Stills beim renommierten Schirmer/Mosel-Verlag. Ich freute mich wirklich darauf und war sauer, als ich das Buch in den Händen hielt. Auf 319 Seiten werden zwar sehr interessante Familienfotos und Texte angeboten, aber die abgebildeten Filmbilder sind eine Frechheit. Das Buch ist mit 68 Euro nicht gerade ein Billigprodukt und wird sowieso nur von Tarkovski-Sammlern gekauft. Die kann ich über die Bildqualität nur warnen. Es sind kaum bessere Screenshots von DVD und das seitenweise. Unscharf, Farbverschiebungen – lächerlich. Bei der Produktion wurde nicht das 35 Millimeter Material verwendet. Die Auflösung der DVD-Prints reicht nicht für den hochwertigen Druck, den ich bei Schirmer/Mosel gewohnt bin und leider macht der Bildteil einen Großteil des Buches aus. Das ist schlampig und einem Andrej Tarkovski nicht würdig.

Szene aus Stalker - wunderbares Set, wunderbarer Film.

Szene aus Stalker – wunderbares Set, wunderbarer Film.

Buchtipp: Extrablatt von Michael Graeter

3. Januar 2013

Extrablatt

Klatsch gehört zu den Medien einfach dazu. Jeder Zeitungsmacher weiß um die richtige Mischung aus Klatsch, Sex, Gesundheit und Geld. Wer das richtige Verhältnis kennt, der hatte zumindest früher eine Goldgrube. Und der Klatschreporter schlechthin war für mich immer Michael Graeter.

Sein Buch und Autobiografie Extrablatt ist für mich ein Lehrbuch für angehende Klatschkolumnisten oder Dekolleté-Detektive wie sich Graeter selbst bezeichnet. Das Lesen des unterhaltsamen Buches war für mich wie eine Reise in die Vergangenheit. Graeter berichtet von seinen Anfängen als Volontär bei der Mindelheimer Zeitung. Richtig, im Lokaljournalismus lernte man das Schreiben, das Produzieren und Recherchieren. Immer wieder erinnerte mich die Ausführungen von Graeter an meine eigene Zeit bei der Lokalzeitung. Es war eine harte Schule, aber es hat unglaublich Spaß gemacht. Und das scheint es Graeter auch gemacht zu haben. Er wechselte dann zum Boulevard und durfte nach dem Verleger Curt Frenzl nun mit Werner Friedmann und Schreiberlegende Sigi Sommer zusammenarbeiten. Es war eine schöne Zeit, das liest man aus jeder Zeile heraus.

Die Münchner Zeit war auch die Vorlage für die Helmut Dietl-Serie Kir Royal, die ich damals im TV und später auf DVD verschlungen haben. In seinem Buch Extrablatt  berichtete Graeter viele schlüpfrige Details aus der Welt der Reichen und Schönen und begeht immer wieder Streifzüge in die Politik (soweit sie das Thema Klatsch betrifft). Vielleicht liegt darin auch ein Fehler des Buches: Es sind zu viele Namen, es ist eine Marathon der damaligen Größen. Auch wenn der eine oder andere in der Versenkung verschwunden ist, der Graeter-Stil ist gut zu lesen.

Graeter berichtet stolz in seinem Buch, dass er bei seinen Verträgen darauf achtete, dass ein Graeter nicht redigiert wird. Ja, aus seiner Sicht verstehe ich das. Dennoch kann ich aus meiner Erfahrung als Textchef für zahlreiche Publikationen sagen: Besser wäre es gewesen, wenn das Buch besser lektoriert gewesen wäre. Es schleichen sich einfach Fehler ein, die nicht sein müssten. Beispiel gefällig? So behauptet Graeter, dass der legendäre Steve McQueen zu Beginn seiner Karriere mit dem Film „Gesprengte Ketten“ in der Münchner Bavaria mit dem Regisseur Stanley Kubrick gearbeitet habe. Das ist definitiv falsch. Regisseur von „Gesprengte Ketten“ war John Sturges und nicht Kubrick. Der McQueen-Film wurde 1963 in Bayern gedreht. Kubrick drehte 1957 zum letzten Mal in München seinen Wege zum Ruhm. Solche Fehler müssen nicht sein. Wenn man aber solche Sachen bemerkt, wirft das kein gutes Licht auf das Buch. Könnte es vielleicht sein, dass die eine oder andere Geschichte auch nicht stimmt?

Viel erfahren wir von seiner Cafe-Kette „Extrablatt“. In der Leopoldstraße saß ich auch als Student und war von der Atmosphäre des französischen Cafes begeistert. Endlich erfahre ich die Hintergründe, wie es zu dem Cafe kam und warum die heutige Gattin von Christian Ude, die SPD-Stadträtin Edith von Welser, nie eine Freundin von Graeter wurde. Von seinen Knast-Erfahrungen und Problemen mit der bayerischen Justiz handelt das Buch ebenso.

Aber das Wichtigste sind für einen Journalisten doch die sieben W-Fragen: Wer, was, wann, wo, wie, wie und warum gemacht und welche Quelle haben wir. Die Quelle war immer Michael Graeter selbst, der sich in der Society wunderbar bewegt, die Durchwahlnummern seiner Kontakte hat. Herrlich, wie er das Verhältnis von Caroline mit Ernst August von Hannover aufdeckt. Und auch interessant zu lesen, wie Graeter so manchen Promi auf die Füße tritt und Verhältnisse aufdeckt, sei es Edmund Stoiber, Franz Beckenbauer usw. Endlich weiß ich die Graeter-Variante, warum der Stoiber nicht nach Berlin wollte/durfte.

Graeter ist auch ein Medienmensch. Er kopierte die Idee einer täglichen TV-Seite. Aber noch besser: Seine Idee, das Format Seitenblicke vom ORF in abgewandelter Form in die ARD vor der Tagesschau zu bringen, wäre revolutionierend gewesen. Stattdessen wählte die ARD einen Quatsch wie die Börse im Ersten. Dabei habe ich die Seitenblicke oder der bayerische Ableger Leo‘s Magazin mit Leo Lukoschik geliebt. Die Saat wurde damals von Graeter gelegt, die Ernte fahren aber andere ein. Heute haben wir Boulevard-Magazine wie Brisant, Leute heute oder private Ableger Exklusiv. Ich denke, ein Graeter hätte mehr daraus gemacht.

Und heute? Graeter ist noch immer im Geschäft. Allerdings haben sich die Zeiten für Journalisten geändert. Promis twittern selbst, Whistleblower verraten Geheimnisse. Eher halbherzig betreut Michael Greater einen WordPress-Blog. Es wäre viel Potenzial mit Klatsch auch im Web 2.0. Aber Graeter tut sich wohl mit Technik schwer, wie sich am fälschlichen Ausdruck Fotoshop in seinem Buch zeigt. Ein Extrablatt  im Web wäre ein interessanter Format, vielleicht wäre Michael Graeter der richtige Mann dafür.

Hitchcock kommt ins Kino

13. Oktober 2012

Alfred Hitchcock ist für mich ein Genie-Gott. Für mich steht er auf der gleichen Ebene wie Stanley Kubrick. Und daher reagiere ich empfindlich, wenn News über Hitchcock auftauchen. Vor langer Zeit fanden Archivare einen verschollen geglaubten Film. Das fand ich gut. Jetzt kommt Hitch mit zwei Filmen selbst ins Kino und ich bin sehr gespannt darauf.

Film Nummer eins ist die BBC/HBO-Koproduktion „The Girl“. Film Nummer zwei ist für mich interessanter: Er heißt: „Alfred Hitchcock and the Making of Psycho“. Der Film zeigt die Dreharbeiten zum Meisterwerk „Psycho“. Die Rollen versprechen eine interessante Schauspielleistung: Sir Anthony Hopkins spielt Hitchcock, Helen Mirren seine liebe Ehefrau Alma, Scarlett Johansson die Janet Leigh und den irren Anthony Perkins/Norman Bates verkörpert James D’Arcy. Soeben ist der Trailer zu dem Film erschienen. Der Film arbeitet viel mit archetypischen Aufnahmen von Hitch. Bilder, die sich in das Gedächtnis des Kinozuschauers eingebrannt haben, werden neu interpretiert. Der Film geht auch auf das Marketinggenie von Hitchcock ein. Er war einer der ersten Regisseure, dessen Name zur Marke wurde. Er wusste um seinen Marktwert als Person und nutzte ihn aus.

Wer die Dreharbeiten aus dem Bonusmaterial der Psycho Blu ray kennt, weiß, dass die Dreharbeiten ohne Glamour verliefen. Dafür war die Geheimhaltung riesig. Auch als der Film ins Kino kam, waren die Kinobesitzer angewiesen, keinen Zuschauer nach Start des Films mehr ins Kino zu lassen. Der Billigfilm Psycho brach die Rekorde und spielte Millionen in die Taschen von Alfred Hitchcock. Die Kritiker seiner Zeit lehnten den Film ab, was wohl damit zusammenhing, dass es keine extra Sondervorstellungen für Filmkritiker gab und sie sich mit dem normalen Kinobesucher ins Filmtheater begeben mussten.

Berühmt wurde der Film natürlich durch die Duschszene. Der Hammer: Hauptdarstellerin Janet Leigh, der Star des Films, wurde im ersten Drittel des Filmes brutal niedergemetzelt. Der Duschmord mit der genialen Musik von Bernhard Hermann hat Filmgeschichte geschrieben. Jeder Filmstudent analysiert sie Schnittfolge und hier zeigt sich das Genie von Hitchcock. Von der Duschszene von „Alfred Hitchcock and the Making of Psycho“war bisher nur zu erfahren, dass Johansson nackt posierte. Wir dürfen also gespannt sein.

Genauso gespannt bin ich auf neue Blu ray-Veröffentlichungen von Hitchcocks Werken. Am 1. November kommt die Alfred Hitchcock – Collection . Bis auf Psycho waren die Filme bisher nicht auf Blu ray erhältlich. Es handelt sich um: Cocktail für eine Leiche, Das Fenster zum Hof, Der Mann, der zu viel wusste, Der zerrissene Vorhang, Die Vögel, Familiengrab, Frenzy, Im Schatten des Zweifels, Immer Ärger mit Harry, Marnie, Saboteure, Topas und Vertigo. Dazu gibt es in Alfred Hitchcock – Collection  die Making of, die von den DVDs schon bekannt sind, und ein Büchlein mit Fotos und Skizzen. Amazon gibt das Buch mit 15 Seiten an, was mich schon etwas stutzig macht. Marnie und die Vögel sollen als Uncut vorliegen, Topas aber nur in der europäischen Schnittfassung.

Dracula im Film 3: Dracula 1979

11. Juni 2012

Dieser Dracula ist anders. Nach den Hammer-Produkten in Primärfarben war lange Zeit Ruhe um den Beißer aus Transsilvanien bis sich Star-Regisseur John Badham an den Stoff erinnerte und neu interpretiert in Szene setzte. Badham orientierte sich dabei mehr am Theaterstück von Hamilton Deane und John L. Balderston als an den Schauerroman von Bram Stoker. Das Wichtigste: Er interpretierte die Rolle des Grafen anders. Nicht die Bestie wie in den Hammer-Filmen stand im Mittelpunkt, sondern der verführerische, gnadenlose Graf.

Die Schauspieler waren perfekt: Der junge Frank Langella spielt den Grafen, schön, zielstrebig und ohne Gnade. Vor allem sein Spiel mit den Händen ist verführerisch. Zur Schauspielleistung von Sir Laurence Oliver braucht man nichts zu verlieren außer WUNDERBAR. Und dass obwohl die Zeit von Sir Laurence abgelaufen war und er sterbenskrank war. Auch dem Spiel des ewigen Dr. Loomis aus Halloween Donald Pleasence ist es ein Genuss anzusehen. Große Schauspielkunst der Truppe.

Trotz preiswerter Produktion ist die Ausstattung wunderbar. Hauptsächlich in Cornwall gedreht hat Dracula eindrucksvolle Locations: Die Irrenanstalt ist das Camelot Castle Hotel in Tintagel, Draculas Schloss ist St. Michael Berg, eine halbe Meile vor der Küste – es ist durch einen Damm verbunden – von Marazion an der Südwestspitze von Cornwall. Ungewöhnlich ist in einem Dracula-Film der Einsatz von Strom und sogar eines schnittigen Automobils. Hier bricht der Film wohltuend aus der Tradition der klassischen Filme aus, zeigt aber auch, dass Technik einen Grafen nicht zur Strecke bringen kann.

Die Innenausstattung orientiert sich derweil am Gothic Horror der alten Lugosi-Filme. Und auch wie bei Lugosi sieht der Zuschauer bei Langella keine Vampirzähne. Dennoch ist der Film keineswegs unblutig. Immer wieder schockieren den Zuschauer der Liebesgeschichte brutale Szenen, wie das Durchtrennen von Hälsen oder ein Genickbruch. Richtig angsteinflößend ist die lebende Tote Lucy. Hier hat später Francis Ford Coppola genau hingeschaut als er seine Dracula-Version drehte. Badhams Tote war nicht anmutig oder gar schön, sondern ihr zerfetztes Totenhemd mit zerfetzten bleichem Gesicht ist wahrlich erschreckend. Hier wurde die Maske von Linda Blair aus Exorzist von 1973 wieder aufgenommen. Der lebende Tote wird nicht romantisiert oder verkitscht, sondern es ist ein kalter, bleicher, muffiger Tod in nassen Gräbern. Der wahrhaftige Teufel ist in den Leib von Lucy gefahren – übrigens werden bei Badham die Rollen von Lucy und Mina vertauscht und auch die Familienverhältnisse geändert.

Ich hatte den Dracula-Film einstmals im Fernsehen gesehen und war damals enttäuscht. Es war mir als Jugendlicher zuviel Gefühl, zuviel Tragik im Film. Ich wollte Action, wie ich sie aus den Hammer-Filmen kannte. Vor allem Frauen erliegen der Faszination des dunklen Fürsten. Der bissige Gentleman als Herzensbrecher, der aber nur seine Interessen durchsetzen will. Der alte gierige Mann sucht sich junge Frauen aus, die er verführen und beherrschen kann. Und sie verfallen dem Manipulator willenlos. Der Liebesakt in Rot bedient gängige Klischees. Heute kann ich die vermittelte Tragik mit dem Leid besser verstehen und die 2009 veröffentlichte DVD-Fassung unterstützt die traurige Stimmung des Films noch mehr. Durch geschicktes Color-Grading wurde die Farbe im Film reduziert, so dass Dracula dunkel, leblos wirkt. Der Blutverlust des Films wirkt sich auf das Bild aus. Aus dem Film entweicht die Farbe, das Leben, die Freude. Die Stimmung der Szenerien überträgt sich auf den Zuschauer durch eine eindrucksvolle Kameraleistung von Gilbert Taylor, der schon mit Regiegenie Stanley Kubrick Dr. Seltsam, mit Polanski Macbeth und mit Hitchcock Familiengrab gedreht hat.

Aber den absoluten Kick des Films bringt der Score von John Williams. Der Soundtrack Dracula wird zu Höchstpreisen unter Sammlern gehandelt und wer ihn gehört hat, der weiß warum. Williams liefert einen Höhepunkt seines Schaffens ab. Star Wars, Indiana Jones, Superman und Jaws sind großartig – Dracula reiht sich in dieses Werk ein.

Für mich ist Dracula ein reifer Film für gereifte Zuschauer. Wer Trashkino braucht, der greift zu Wes Craven. Wer aber schaudern will, der greift zu John Badhams Dracula.

Kein Filmtipp: Zombieland auf Blu ray

26. Juni 2011

Was ist aus dem guten, alten Zombiefilm geworden? Zombie waren immer untere Schublade des Kinos. Verrufen, verbannt, verachtet. Ich habe mir gestern als Fan des fantastischen Films den Streifen „Zombieland“ angeschaut und mich mit Grausen abgewendet. Nein, nicht wegen der zahlreichen Gore-Effekte, sondern als ich merke, dass ich für diese Art von Humor nicht geschaffen bin. Verdammt, ich bin für solche Teenagerfilme wohl zu alt. Was soll dieses Erstlingswerk von Werbefilmer Ruben Fleischer denn überhaupt sein? Komödie? Horrorfilm? Roadmovie? Oder von jedem etwas? Aber er ist nichts von alldem.

Zugegeben die Masken sind fein, ab und zu ist ein guter Lacher dabei (ich sag nur Willie Nelson). Den Schnitt beherrscht der Herr Filmregisseur perfekt, schließlich kommt der Herr ja aus der Werbung. Schön war die Erzählweise im Kubrick-Stil, die dann in einer Zerstörungsorgie in einem Indianderfan-Shop endet. Das war schon ein wenig Horrorshow im Stil von Alex à la Uhrwerk Orange – schön mit Klassik unterlegt. Aber ich denke, die Zielgruppe des Films hat es nicht bemerkt, genauso wie das Banjospiel aus „Beim Sterben ist jeder der erste“.

Immer feste drauf - sind ja nur Zombies.

Immer feste drauf - sind ja nur Zombies.

Aber ich vermisse die künstliche übertriebene Ernsthaftigkeit der Romero-Streifen und natürlich der billigen italienischen Nachahmer wie Lucio Fulci. Bei Filmen wie „Über dem Jenseits“ The Beyond – haben sich noch ganze Heerscharen von Jugendschützern den Mund fusselig diskutiert und dann Filme verboten und zumindest indiziert. Politiker sind darauf angesprungen und haben den Zombieschund verurteilt. Elternverbände sind Sturm gelaufen. Und dann gibt man heute einen Brutalofilm wie Zombieland eine FSK ab 16 Jahren. Wahrscheinlich weil in dem Film gelacht werden kann. Ja Lachen relativiert und dann kann man locker Untote niederwalzen, mit dem Baseballschläger traktieren, mit der Schrotflinte Köpfe wegpusten – ja ja, selten so gelacht wie in Zombieland. Wo sind wir denn hingekommen?

Zombieland schwimmt auf einer neuen Zombiewelle, die seit einigen Jahren das Genre bereichert, wobei mir persönlich „Shaun of the Dead“ deutlich besser gefallen hat. Wahrscheinlich weil der Humor nicht US-Mainstream war, sondern von der Insel kam.

So richtig Splatter ist er dann auch wieder nicht. Da hat „Braindead“ von Peter Hobbit Jackson oder sein Frühwerk „Best Taste“ besseres abgeliefert. Diese Filme waren einfach zynischer und hatten eine klare Zielgruppe. Ich weiß eben nicht, was Zombieland sein soll. Wurden bei Romeros Zombie noch Diskussionen über Faschismus geführt und die Konsumgesellschaft in Frage, dürfen die Protagonisten heute in Zombieland die Untoten einfach so abknallen. Hauptsache man befolgt ein paar Regeln. Freunde, das haben wir alles schon mal gesehen und zwar besser: Werbefilmer Ruben Fleischer hat geklaut, hier ein wenig Tarantino, hier ein wenig Danny Boyle. „28 days later“ hatte als moderner Zombiefilm wirkliche Atmosphäre.

Ich habe neulich die ganz alten Heuler mir wieder angesehen und mich schön gegeruselt: Jacques Tourneurs „Ich folgte einem Zombie“ oder der atmosphärisch dichte Horrorfilm von Victor Halperin „White Zombie“. Wenn ich Gore wollte, griff ich in die Mottenkisten und schaute mir den grottenschlechten „Ein Zombie hing am Glockenseil“ an. Und wenn ich mich aufregen wollte, legte ich die DVDs von George „dicke Brille“ Romereo ein. Und wenn ich lachen wollte, dann greif ich zur 2004-Verfilmung Dawn of the Dead oder natürlich zu „Shaun of the Dead“. Zombieland ist für mich ein unnötiger Beitrag zum modernen Horrorfilm nach Pop Corn-Art wie die unsägliche „Scream“-Reihe von Wes „ich kann nix richtig machen“ Craven. Wem der eine Film gefällt, dem gefällt der andere auch. Mir gefallen beide nicht. Und daher dreht man jetzt Zombieland 2 – diesmal in 3D.

Steadicam für das iPhone

21. Mai 2011
Meine Steadicam für das iPhone 4.

Meine Steadicam für das iPhone 4.

Für kleine Drehs bin ich einfach zu faul die großen HD-Kameras mitzuschleppen. Für manche Aufträge, die nur auf YouTube veröffentlicht werden, reicht mein iPhone 4 durchaus als Kamera aus. Der Nachteil ist natürlich die enorme Verwacklung beim Filmen. Selbst der Puls oder der Herzschlag ist bei den iPhone-Aufnahmen zu bemerken. Diese Wackelei kann ja manchmal ein Underground-Feeling erzeugen, manchmal stört sie einfach nur. Aus diesem Grunde habe ich mir eine Steadicam-Halterung Steadicam Smoothee für das iPhone 4 zugelegt. Ich bin rundum zufrieden.

Das System federt Stöße ab und sorgt für verwacklungsfreie Aufnahmen. Nun kann ich eindrucksvolle Aufnahmen mit dem iPhone in Szene setzen. Das erste Mal als ich Steadicam-Aufnahmen im Kino gesehen habe, war das bei Stanley Kubricks The Shining im Jahre 1980. Hier erzeugte die Kamera einen wahren Sog und zog mich in das Geschehen. Damals war die Steadicam-Ausrüstung sauschwer und sauteuer, aber Garrett Brown, der auch Erfinder des Systems – eine Art Daniel Düsentrieb der Kameratechnik, war, überzeugte mich.  Auf vielen Veranstaltungen wie die NAB oder die IBC schaute ich mir Steadicam-Versionen an. Das deutsche Unternehmen P+S-Technik hatte sogar ein FreeStyle Rig für Stereo3D-Kameras. Das ist natürlich völlig überdimensionalisiert für meine Bedürfnisse. Mir reicht die low End Version Steadicam Smoothee erst einmal aus. Die Betonung liegt auf erst einmal.

Wichtig ist, dass der Kopfhöreranschluss frei bleibt, um Mikros anzuschließen.

Wichtig ist, dass der Kopfhöreranschluss frei bleibt, um Mikros anzuschließen.

Buchkritik: A.I. Artificial Intelligence

9. Mai 2011
Geniales Buch - Kaufbefehl!

Geniales Buch - Kaufbefehl!

Irgendwie drängt es mich immer wieder zu diesem Film und Buch hin. Der Film, den Stanley Kubrick nicht gedreht hatte, wurde von Steven Spielberg in Szene gesetzt und schrieb (Roboter-)Geschichte. Nachdem ich gerade ein Seminar über Spielzeugroboter gehalten habe, bei dem die Suche nach Menschlichkeit im Vordergrund stand, ist es nur folgerichtig, dass ich wieder zu A.I. Artificial Intelligence greife. Ich weiß, es gibt viele Sachen, die gegen den Film sprechen – der Schluss ist übertrieben kitschig, die Robos der Zukunft haben zu viel E.T. gesehen. Egal, es ist ein Spielberg, der seinem verstorbenen Freund Kubrick einen Gefallen getan hat und ich glaube, Kubrick kann zufrieden sein.

Ich habe das Buch A.I. Artificial Intelligence from Stanley Kubrick to Steven Spielberg: The Vision Behind the Film bei einem meiner USA-Aufenthalte gekauft und in den Koffer gepresst. Ich musste es einfach haben, obwohl Amazon ja auch nach Deutschland lieferte. Auf dem Rückflug vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten in alte Europa hörte ich den genialen Soundtrack von Altmeister John Williams und blätterte in diesem Buch. Da der Flieger nicht so stark besucht war, hatte ich zwei Plätze und die brauchte ich bei den Dimensionen des Buches (29,8 x 41,9 cm) auch.

Das Buch gibt mir einen Blick in die Visionen der Filmemacher und erschien erst acht Jahre nachdem der Film in den Kinos kam. Aber die Bilder haben nichts von ihrer Wirkung und Faszination verloren. Es beginnt mit Ausführungen des Meisters über den Film, Scripts und Notizen und geht dann über in die Vorproduktion. Besonders eindrucksvoll: Die komplette Kurzgeschichte „Super-Toys Last All Summer Long“ von Brian Aldiss wurde gescannt und abgedruckt und zwar in der von Brian Aldiss editierten Fassung. Das bekommen Normalos wie ich nie zu sehen.

Kluge Ausführungen gibt es von klugen Leuten, wie zum Beispiel dem Robo-Chef des MIT. Hier schaut der Robo-Fan in mir genau hin. Neben zahlreichen Filmszenen und seltenen Produktionsbildern macht der Reiz des Buches natürlich die Konzeptzeichnungen von Chris Baker aus. Sie zeigen, welch kreative Köpfe hinter diesem Film und Buch standen. Als Leser erlebe ich durch die 250 Illustrationen, davon 103 in Farbe die Welt der Filmemacher, die ein modernes Robotermärchen zum Leben erweckten. Leben, Gefühlen, Menschlichkeit – darum geht es in dem Film der Maschinen. Ein maschinelles, liebendes Kind auf der Suche nach Menschlichkeit. Am Ende steht die Maschine zum Menschen und findet seine Erlösung. „I love you Mommy“ ist der wichtigste Ausruf, der sich durch den gesamten Film hindurchzieht. Und wenn sich die menschlichen Eltern abwenden, stockt einem der Atem und ein verängstigtes Kind bleibt allein zurück. Das kann nur ein Steven Spielberg in Szene setzen. Diese Szenen berühren den Zuschauer und machen den Film zum Meisterwerk. Um Menschen zu erwecken genügt übrigens der Zauberspruch „Cirrus, Socrates, Particle, Decibel, Hurricane, Dolphin, Tulip“, der noch von Kubrick übernommen wurde.

Mir hat der Film A.I. Künstliche Intelligenz [Blu-ray] rundum gefallen. Nicht zuletzt durch die wahnsinnig eindrucksvollen VFX-Szenen. Die ersten Szenen mit Robotern im Labor gehören zu den besten Sachen, die ILM je gemacht hat. Und natürlich darf wieder Altmeister Stan Wilson mitmischen. Der kreative Mr. Monster von Jurassic Park gestaltete die Figuren und besonders eindrucksvoll den Teddy. Der Kampf der irrsinnige Kampf Gladiatoren offenbart die menschlichen Abgründe und der Zuschauer schämt sich für seine Rasse. In dem vorliegenden Buch werden die Effekte erläutert. Gerade diese VFX-Effekte waren es, die Kubrick abhielt, die Kurzgeschichte zu verfilmen. Er bat Spielberg um die Verfilmung, da dieser deutlich mehr Erfahrungen mit VFX hatte als der Regiealtmeister, der Computertechnik wenig einsetzte und bei 2001 lieber Modelle baute – es war auch eine andere Zeit.