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Leidenschaft: Retrogames – Videospiele aus der 8 Bit-Ära

2. April 2016

Was brachte mich ins digitale Zeitalter? Ich wurde angefixt durch Videospiele oder Telespiele, wie ich sie damals nannte. In den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts machte ich als Jugendlicher mit meinen Eltern Urlaub am Gardasee in Italien. Mich interessierte weniger Pizza oder Kultur, mich interessierte ein faszinierender, fast magischer Ort – eine Spielhölle. Spielhölle – so nannten meine Eltern zumindest diese kleine Spelunke in einer Seitenstraße, die mit allerlei Arkadeautomaten vollgestopft war. In Italien durfte ich anders als in Deutschland diesen magischen Ort betreten und an Videospielautomaten zocken. Während meine Eltern sich der Kultur hingaben, gab ich einer neuen Spielkultur hin, die ich bis dato nicht kannte. Videospiele

Ich bin ein Retrogamer - das ist eine meiner Leidenschaften.

Ich bin ein Retrogamer – das ist eine meiner Leidenschaften.

Die Automaten wurden mit Lire (die damalige Währungseinheit in Italien) gefüttert und ich versank in der 8 Bit-Welt. Diese Spielhöllen hatten einen bestimmten Sound und heute bin ich noch immer von diesem Sound fasziniert.
Wieder in Deutschland angekommen, stellte ich fest, dass das Spielen von Videogames an Automaten sehr teuer war. 1 Mark – da bekam ich in Italien fünf Spiele à 200 Lire dafür. Eine Arkademaschine stand bei uns im Kaufhaus X in Fürstenfeldbruck in der Spielwarenabteilung: Asteroids – ein dreieckiges Rauschiff musste sich gegen den Ansturm von digitalen Felsbrocken erwehren – und das alles in Schwarzweiß. Es war das leidenschaftliche Zentrum unserer Jugend. Meine Kumpels kamen zusammen und wir verzockten unser Taschengeld. Außerdem stellten wir fest, dass Münzen aus Griechenland, die Drachme, ein ähnliches Gewicht wie die D-Mark hatte, aber nur einen Bruchteil des Wertes der D-Mark hatte. Also tauschten wir bei allen griechischen Gastarbeiter in unserem Ort D-Mark gegen Drachme und konnten zu günstigem Kurs Asteroids zocken. Erwischt wurden wir nie.

Asteroids
Eines Tages waren meine Eltern beim Einkaufen und ich lümmelte mich auf dem Familiensofa herum. Aufgeregt rief mich meine Mutter über ein Münztelefon an – das war das Zeitalter lange vor Handy und Smartphone. In einem Einkaufszentrum hätte sie ein Telespiel entdeckt, das im Preis gesenkt war. Sie wüsste nicht genau, ob ich es wollte und ich sollte vorbeikommen. Also schnappte ich mein Fahrrad und radelte wie ein Besessener zu einem Café, wo meine Eltern auf mich warteten. Gemeinsam besichtigten wir das Telespiel.
Ich hatte Angst, dass es so eine simple Art von Videospiel war, das ein paar Spiele im Speicher hatte. Aber nein, meine Eltern führten mich zu dem Klassiker schlechthin – sie führten mich zum Atari 2600.
Ich verliebte mich in das schwarze Plastikdesign mit Holzimitat. So wurde das Atari 2600 meine erste Gameskonsole. Über den Antennenstecker schloss ich das Atari 2600 an meinen Schwarzweiß-Fernseher an, den ich im Kinderzimmer stehen hatte. Diesen Fernseher hatte mir meine Großmutter zu Weihnachten gekauft – Farbe war damals zu teuer. Und aus meinen Kinderzimmer wurde eine Spielhölle. Die Spiele waren auf Cartridge gespeichert, eine Art Steckmodul. Diese wurden in das Atari 2600 gesteckt, dann Neustart und dann zocken. Auf den Cartridges waren bunte Bildchen, die einen Spielspaß versprachen.
Und es sage noch einer, dass Videospiele einsam machen. Wir spielten, wenn es möglich war, immer in Gruppen. Freunde kamen zu mir und im Laufe der Zeit bekamen diese Freunde von ihren Eltern auch ein Atari 2600 und wir zogen dann um. Bei einem Kumpel durften wir sein Atari 2600 sogar an den Grundig-Farbfernseher im elterlichen Wohnzimmer anschließen – ein Antennenumschalter machte es möglich. Die 16 Grundfarben des Gerätes hauten mich vom Hocker und der 8 Bit-Sound aus den TV-Boxen zogen mich in die digitale Welt. Hammer.

Atari 2600 als Darth Vader-Edition in meinem Arbeitszimmer.

Atari 2600 als Darth Vader-Edition in meinem Arbeitszimmer.

Jeder von uns hatte seine Lieblingsspiele. Ich hatte zwei: Es handelte sich um Defender und später dann um Empire strikes back. Beide Spiele hatten das gleiche Prinzip. Ballern bis der Finger wehtat.


Heute, fast 35 Jahre später bin ich meiner alten Leidenschaft wieder erlegen. Trotz Next-Gen Konsolen wie Playstation 4 kaufte ich mit meinem Sohn ein altes Atari 2600 mit ein paar Spielen. Ich beobachte meinen Sohn beim Spielen – er hat die gleiche Leidenschaft wie ich in seinem Alter. Und was mich besonders freute, trotz grottiger Grafik und Sound des Atari 2600 verglichen mit der Playstation 4 hat mein Sohn das Retro-Spielprinzip verstanden und akzeptiert. So zocken wir an einem alten Röhrenfernseher, den ich bei meinen Eltern im Keller gefunden habe. Wir spielten zunächst Pac Man und im Laufe der Zeit kaufte ich die alten Cartridges nach. Auch Defender war dabei und meine alte Leidenschaft war wieder voll entbrannt.

Retrogaming_
In einem Laden entdeckte ich die Darth Vader-Edition des Atari 2600. Sie hieß so, weil sie ganz in Schwarz war. Gesehen, probiert und gekauft. Also nun steht dieser Klassiker im Arbeitszimmer und es darf gerne gezockt werden. Mein zweites Lieblingsspiel Empire strikes back war selten, aber ich machte ein gutes Geschäft und erwarb die Cartridge von Parker. Der Kampf Luke Skywalker gegen die ATAT auf Hooth – was gab es damals cooleres? Nichts! Das Spiel war der Hammer und heute erklären mir Erwachsene Spieletipps zu diesem Klassiker, ist das nicht stark? Ich hatte ein Foto bei Instagram gepostet und der Zuspruch war enorm. Leidenschaft pur.

Empire als Zifferblatt auf meiner Apple Watch.

Empire als Zifferblatt auf meiner Apple Watch.

Auf ZDFinfo kam im linearen Fernsehen ein Themenabend über Videogames, den ich mir zusammen mit meinen Kindern anschaute. Sie interessieren sich sehr für die Spiele meiner Jugend. Dort kam auch ein Spiel vor, dass eine tiefe Wunde in mein Spielerdasein riss. ET – der Außerirdische auf dem Atari 2600, basierend auf den Filmklassiker von Steven Spielberg. Meine Eltern wollten mir die Cartridge von ET damals zu Weihnachten nicht kaufen. Sie hatten schon etwas anders besorgt – einen schönen Pullover (OMG). Ich konnte ET nur bei Kumpels spielen. Und was soll ich sagen: Das Spiel war hundsmiserabel. ET fiel in Löcher und kam wieder heraus – das war es dann. Wir waren alle damals enttäuscht. Das Spiel war Müll und Atari hatte sich verzockt. Bei uns kamen auch langsam die ersten Home Computer und eine neue digitale Ära begann. Bei mir waren es der ZX81 und dann der Commodore 64. Atari hatte dem nichts entgegenzusetzen.
Atari verschrottete das ET-Spiel auf einer Deponie. Die Aktion wurde zum Mythos. Als Journalist dachte ich immer wieder daran, auf die Deponie zu fahren und den ET-Schatz zu heben. Andere Leute hatten wohl auch diesen Traum und vor ein paar Jahren wurden die Tausenden Cartridges des ET-Spiels wieder von der Mülldeponie ausgegraben und als schlechtestes Videospiel aller Zeiten verkauft. Ich habe mir auch endlich meine Version von ET gekauft und was muss ich sagen. Nach all den Jahren ist das ET-Spiel für das Atari 2600 nicht besser geworden. Es war damals Müll und es ist heute noch Müll. Aber mein Atari 2600 liebe ich noch immer.

Leidenschaft bei den IronBloggern München

Leidenschaften hab ich viele, ganz viele: Musik, Film, Kochen, Foto und vieles mehr. Dieser Blogpost ging über die Leidenschaft Atari 2600. Die IronBlogger München, eine Vereinigung von Bloggern, haben eine Blogparade zum Thema Leidenschaft ausgerufen und dies ist der erste Beitrag dieser Parade. Jeden Tag im April wird ein IronBlogger einen Blog über Leidenschaft erstellen – viel Spaß beim Lesen. Morgen ist Alexander an der Reihe in seinem Blog. Ich bin gespannt.

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Marc Dietel inszeniert Ritter Heinrich zu Halloween

1. November 2015
Bei uns im Dorf macht der örtliche Künstler eine Halloween-Aufführung.

Bei uns im Dorf macht der örtliche Künstler eine Halloween-Aufführung.

Bei uns im Dorf Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck wohnt ein paar Häuser weiter der Künstler Marc Dietel. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählte das „KRAFTFELD“, eine Installation aus 2500 blauen Ähren, die sich mit dem Thema Ausgrenzung beschäftigte und von der Deutschen AIDS-Hilfe sowie kirchlichen und politischen Verbänden als Thema aufgegriffen und begleitet wurde. Zu sehen war das „Kraftfeld“ unter anderem in der Münchner Lukas-Kirche, anlässlich der documenta 11 in der Markus-Kirche in Kassel, im Atrium in Berlin und im Hamburger Seegerichtshof.


Immer wieder überrascht Marc Dietel die Anwohner unserer Gemeinde mit kleinen künstlerischen Einlagen. Dieses Mal auch zu Halloween. Er kündigte ein paar Tage zuvor den Auftritt von Ritter Heinrich auf seiner Garage an. Gleich drei Aufführungen sollte es geben. Nachdem ich arbeiten musste, drehte meine Frau ein Video von dem gelungenen Event. Mit Theaterzauber und künstlichen Nebel schuf er er gruseliges Event zu Halloween. Den Kindern des Dorfes hat es gefallen. Danke Marc Dietel.

Kuscheltiere gegen Kriegstrauma

21. August 2015
Kuscheltiere sollen das Leid von traumatisierten Kindern lindern.

Kuscheltiere sollen das Leid von traumatisierten Kindern lindern.

Auch kleine Gesten können helfen, davon bin ich überzeugt. Wir sind in unserem Land mit Flüchtlingen konfrontiert und es ist unsere Pflicht als Mensch zu helfen. Dies haben sich auch meine Kinder K1 und K2 gedacht. Nachdem wir in unserer Familie über Flüchtlinge und den Krieg in Syrien gesprochen haben, erklärten sich K1/2 spontan bereit, einen Teil ihrer Kuscheltiere an Kinder zu spenden. Viele Kinder sind durch den Krieg traumatisiert, haben schreckliche Erlebnisse hinter sich und viele haben alles verloren. Da kann vielleicht ein Kuscheltier etwas helfen.
Wir waren dann doch überrascht, wie viele Kuscheltiere sich im Laufe der Zeit bei uns angesammelt haben. Bei einem Zoobesuch hier, bei einem Volksfest dort, bei einem Vergnügungspark, von Großeltern und Freunden – wir haben einen Haufen Kuscheltiere. Hasen, Hunde, Katze, Löwe, Schafe, Affen, sogar Fische und exotisches Viehzeug wie Fledermäuse, Schlangen. Noah wäre begeistert über unsere Artenvielfalt und hätte Platz auf seiner Arche gehabt.

Ab zum Karussellfahren.

Ab zum Karussellfahren.

Nachdem die Entscheidung gefallen ist, dass wir Kuscheltiere spenden, ging es ans Aussortieren. K1/2 entschieden, welcher ihrer Tiere auf die Reise gehen dürfen und welche hier bleiben. Steiff-Tiere oder Kuscheltiere, zu denen meine Kinder oder meine Frau und ich einen besonderen persönlichen Bezug haben, wurden aussortiert. Die Spendertiere wanderten in große Waschkörbe.

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Im nächsten Schritt durften die Tiere Karussell fahren. Das bedeutet, sie wanderten in die Waschmaschine. Runde um Runde drehten sie in der Maschine. Anschließend wurden die Tiere getrocknet. Bei den heißen Temperaturen sah unserer Garten für einen Betrachter schon etwas seltsam aus. Im Garten und in den Kinderzimmern wurden Wäscheständer aufgebaut und Tiere zum Trocknen ausgelegt. Friedlich lag Löwe neben Tiger neben Lamm neben Fisch nebeneinander.


Anschließend wurden die Kuscheltiere nach Größe sortiert und in Plastiktüten verpackt. Als Empfänger unserer Kuscheltier-Spende wählten wir den Verein des Kabarettisten Christian „Fonsi“ Springer Orienthelfer. Orienthelfer e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der 2012 in München gegründet wurde. Ziel ist unter anderem die humanitäre Unterstützung der Opfer des Syrienkonfliktes. Die Orienthelfer haben in der Kreisstadt Fürstenfeldbruck in einem Architekturbüro eine Sammelstelle. Dorthin brachten wir unsere Säcke mit Kuscheltiere. Wir hoffen, dass das eine oder andere Tier einem Kind eine Freude macht und wir mit dieser kleinen Aktion etwas helfen konnten.

Am Mythos Franz Josef Strauß wird weiter gearbeitet

13. August 2015

Lange Zeit hing dieses Bild in Wildbad Kreuth bei der Hanns Seidel Stiftung.

Lange Zeit hing dieses Bild in Wildbad Kreuth bei der Hanns Seidel Stiftung.

Die CSU feiert ihren Übervater Franz Josef Strauß. Ich bin gespannt auf eine Podiumsdiskussion mit dem Weggefährten von FJS Wilfried Scharnagl, die nächste Woche bei der Hanns Seidel Stiftung in München stattfinden wird. Scharnagel war dicke mit Strauß: „Er schreibt, was ich denke, und ich denke, was Scharnagl schreibt“, soll Strauß gesagt haben. Kritisches wird bei der Veranstaltung zum 100. Geburtstag sicher nicht herauskommen. Wahrscheinlich aber viele kleine und große Geschichten, die den Ruhm des bayerischen Politikers mehren sollen.
Um mich den Phänomen FJS zu nähern, kramte ich in meiner Erinnerung. Ich war zu den Zeiten des Politikers noch ein Jugendlicher. In der Schule hatten ein paar Mitschüler die legendären Stopt Strauß Buttons auf ihren Bundeswehrparkas, die damals in Mode waren. Von Bayerns Finanzminister Markus Söder kursierte vor kurzem ein Jugendbild in Facebook. Söder hatte in seinem Jugendzimmer übers Bett ein FJS-Poster aufgehängt – Heldenverehrung der besonderen Art. Er bekam über 1400 Likes in Facebook und von mir ein Kopfschütteln für diese Glorifizierung.

Ich kann nur den Kopfschütteln bei dieser Heldenverehrung. Medial aber wieder ein Coup von Söder.

Ich kann nur den Kopfschütteln bei dieser Heldenverehrung. Medial aber wieder ein Coup von Söder.

Zwei Geschichten zu FJS, die mir eingefallen sind:
Bei uns in Fürstenfeldbruck, westlich von München, stand nach dem Volksfest das Festzelt leer und wurde von den Parteien zu politischen Veranstaltungen genutzt. Auch FJS hielt dort Hof. Es warben Plakate mit der Aufsschrift „Strauß spricht“ für den Event. Darunter das Datum, Zeit und Ort – mehr nicht. Keine Themen wurden proklamiert, sondern die Ankündigung allein reichte aus, das Festzelt zu füllen. Das war wahrlich eine starke Marke.
Zweite Geschichte: Bei einem Abendessen mit einem Freund meiner Eltern erinnerte er sich an seine Soldatenzeit, die in die Zeit der Wiederbewaffnung der Bundeswehr fiel. Dort lief er bei einem Manöver als einfacher Soldat auch FJS über den Weg. Minister Strauß setzte sich zu den einfachen Soldaten und speiste mit ihnen Erbsensuppe. Drei Wochen später traf bei einer anderen Veranstaltung der Soldat den Minister zufällig wieder. Strauß löste sich aus seiner Entourage und ging auf den Soldat zu, begrüßte ihn mit Namen. Für den Freund meiner Eltern war dieses Erlebnis prägend und zeigte das Namensgedächtnis von Strauß – Strauß ein Netzwerker.
Aber genug der Verklärung. Ich wollte mich mit der Person näher beschäftigen und besuchte die Ausstellung im Münchner Stadtmuseum Fanz Josef Strauß Die Macht der Bilder. Selten habe ich so ein Aufschaukeln von Gefühlen wahrnehmen können: Von seinen Freunden vergöttert, von seinen Gegnern verdammt, polarisierte er die öffentliche Debatte wie kein Zweiter. Wer sich durch YouTube klickt, wird diese Emotionen spüren.

Ein Besuch im Stadtmuseum brachte mich dem medialen Phänomen FJS näher.

Ein Besuch im Stadtmuseum brachte mich dem medialen Phänomen FJS näher.

Anhand von Fotografien, Plakaten, Zeitschriften und Filmdokumenten wurden Strategien der medialen Darstellung wie auch der visuellen Demontage aufgezeigt. Eine zentrale Bedeutung kam dabei den gestalterischen Mitteln zu, mit denen die inhaltlichen Aussagen transportiert werden. An ihnen ließen sich exemplarisch Fragen der Wirkungsästhetik und politischen Ikonografie behandeln, die weit über die Person Strauß hinausreichen. Ich platze bei Dreharbeiten von Erich Lejeune für tv München im Stadtmuseum herein, der Interview anlässlich FJS aufnahm. Auch hier zeigt sich, wie medial das Thema Strauß noch heute ist.

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Am politischen Lebensweg von Franz Josef Strauß lässt sich eindrücklich nachvollziehen, wie bereits seit den 1950er Jahren ein Trend zur Personalisierung einsetzte und sich dieser zunehmend verstärkte. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, wie wichtig die Imagebildung von Politikern für den Machterwerb und Machterhalt ist. Spätestens seit 1953, als Strauß in der Funktion eines Ministers für besondere Aufgaben dem Bundeskabinett angehörte, wurde das Interesse auch überregionaler und internationaler Medien an seiner Person geweckt. Es entstand eine Beziehung, die ihn zu einer öffentlichen Person machte und die sein gesamtes politisches Leben hindurch bis weit über seinen Tod hinaus andauern sollte. Viele der heute etablierten Bildstrategien der Repräsentation eines Politikers finden sich in den Darstellungen von Franz Josef Strauß wieder. Darunter klassische Rollen, wie die des Landesvaters, des „Mannes von nebenan“, die ihn in einer vorgeblich authentischen Privatsphäre bei einer Home Story zeigen, aber auch die des Visionärs und einflussreichen Staatsmanns.

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Nachdem die Vorwürfe gegen Netzpolitik.org wegen Landesverrat aufkamen, kommt natürlich die Spiegel-Affäre wieder auf den Tisch. „Bedingt abwehrbereit“ lautete der Titel eines Spiegel-Artikels, der den Zustand der Bundeswehr zeigte. Auf Initiative von Strauß und Adenauer wurden die Spiegel-Redakteure festgenommen und die Bundesrepublik gegen für die Pressefreiheit auf die Straße. Vor dem Bundestag log Strauß und musste zurücktreten. Strauß war ein Lügner, da gibt es nichts zu rütteln. Ja, die Sache mit der Wahrheit, damit hatte Strauß zeitlebens wohl seine Probleme.

Die Lektüre dieses Buches hat mich erschreckt,

Die Lektüre dieses Buches hat mich erschreckt,

Da ich viel für die bayerische Verwaltung arbeite, wählte ich aus den Unmengen von Strauß Biografien eine kritische Bestandsaufnahme aus: Macht und Missbrauch: Franz Josef Strauß und seine Nachfolger. Aufzeichnungen eines Ministerialbeamten von Wilhelm Schlötterer. Es ist die Autobiografie eines Finanzbeamten, der das Machtsystem Strauß darstellte. Die Lektüre hat mich erschreckt, denn wir alle sind vor dem Gesetz alle gleich, manche aber gleicher. Rechtsbeugung wirft das CSU-Mitglied Schlötterer dem ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten vor. Mit viel Zivilcourage warnt Schlötterer vor dem System Strauß: Filz und Korruption. Detailreich und mit viel Hintergrundwissen legt der Staatsbeamte Schlötterer seine Argumente dar und zeichnet ein anderes Bild als des treusorgenen Landesvaters. Ich rate unbedingt zur Lektüre des Buches, wenn man das politische System des damaligen Bayerns verstehen will. und viele, der damals handelnden Personen sind heute noch politisch aktiv.

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Letzte Geschichte zum Schluss: Ich erinnere mich an den Todestag und die Beerdigung in München. Ich hatte noch nie der Beerdigung eines Monarchen beigewohnt, aber eindruchsvoller hätte es nicht sein können. Sechs Pferde zogen die Lafette mit dem von einer bayerischen Fahne bedeckten Sarg von der Residenz über den Odeonsplatz und die Ludwigstraße zum Siegestor. Leider finde ich meine Fotos von damals nicht mehr. Am Mythos wird weiter gearbeitet – auch nach dem 100. Geburtstag von Franz Josef Strauß.

Tristan und Isolde – Wagner im Kino Scala Fürstenfeldbruck

8. August 2015
Zusammen mit meiner Frau genoss ich Tristan und Isolde im Scala Fürstenfeldbruck.

Zusammen mit meiner Frau genoss ich Tristan und Isolde im Scala Fürstenfeldbruck.

Darf man Richard Wagner im Kino genießen? Ja, man darf, mann sollte sogar. Nachdem ich mir Siegfried live in Bayreuth angeschaut habe, genoss ich Tristan und Isolde im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Es ist die düsterste Oper des großen Richard Wagner in der interessanten Inszenierung von Katharina Wagner und mit dem großartigen Christian Thielemann am Dirigentenpult.

Ich versuche immer beides zu machen: Wagner auf dem grünen Hügel und Wagner im Kino – und beides hat dieses Jahr auch wieder geklappt.
Zwar putze ich mich nicht so heraus, wie beim modischen Schaulaufen in Bayreuth, aber weißes Hemd und Fliege müssen auch im Kino bei dieser Art von Hochkultur sein. Die Reaktionen der anderen Kinobesucher, die sich einen Actionfilm in einem anderen Saal ansehen, war einfach göttlich. So bringt Kino die Menschen zusammen und wir haben alle was zu reden.


Während es im Festspielhaus in Bayreuth deutlich über 30 Grad Celsius hatte und der Fächer die warme Luft nur verteilte, herrschten im Scala Kino Fürstenfeldbruck angenehme Temperaturen. Die bequemen Kinositze waren kein Vergleich zu den engen und unbequemen Klappstühlen im Festspielhaus. Ich habe in Bayreuth dieses Jahr gelitten, aber dazu gibt es einen anderen Blogpost.


Darf man eigentlich Nachos, Popcorn und Cola bei Wagner genießen? Im Kino auf jeden Fall – was in Bayreuth eine Todsünde wäre, ist im Kino für mich kein Problem. Die Kino-Karte kostet auch nur 30 Euro, die Bayreuth-Karte 300 Euro – Unterschiede müssen sein. Schön ist, dass das Libretto im Kino eingeblendet wird. Das Verfolgen der Handlung ist also kein Problem, wobei Handlung des Tristans schnell erzählt ist.
Störend ist nur, dass der ein oder andere der 70 Kinozuschauer in Fürstenfeldbruck während der Vorstellung die Toilette besuchte oder Biernachschub holte. Tür auf, Licht rein – das stört. In Bayreuth gilt: Wer raus geht, der bleibt bis zum nächsten Aufzug draußen und das aus guten Grund. Ich will bei der göttlichen Musik nicht gestört werden und das meine ich ernst. Der Tristan-Akkord hat das Tür auf/Tür zu nicht verdient. Geht vorher pinkeln oder in der Pause, aber nicht während der Aufführung!
Die Kinoübertragung via Satellitenlink zeigte uns Kinozuschauer mehr Content. Es gab Blicke hinter die Kulissen, allerhand Interviews (sehr schön mit Christian Thielemann im obligatorischen quergestreiften Polo-Shirt und Goldkettchen), die Handlung und eine sogar Überraschung. 2016 wird der Parsifal neu inszeniert und diese Neuinszenierung wird gleich ins Kino übertragen. Parsifal ist persönlich meine Lieblingsoper von Wagner und ich hoffe, dass ich Karten für Bayreuth bekomme. Wenn nicht, dann geh ich wieder ins Kino.


Aber es war nicht alles toll bei der Kinoübertragung. Der Ton ist klar in Bayreuth mit Abstand besser. Zwar verfügt das Scala Kino in Fürstenfeldbruck über ein hervorragendes Soundsystem, aber die Akustik im Festspielhaus ist nochmals um Klassen besser. Der alte Richard Wagner wusste, was er da macht. Schlimmer waren die Bildstörungen in der Übertragung. Vor allem gegen Ende war es entsetzlich störrend. Bei „in des Welt-Atems wehendem All“ musste ich die Augen schließen, um Isoldes Verklärung genießen zu können. Freunde in Bayreuth, das war einfach schlecht.
Und richtig daneben waren erst die Werbeeinblendungen der Allianz Versicherung, die den Pausencontent finanzierten. Der Fächer mit dem Allianz-Logo ging ja noch, aber der Tomaten-Werbetrailer aus den 80ern von der Allianz vor dem zweiten Aufzug war schlichtweg eine Frechheit.

Friseurwallfahrt nach Andechs – der Tradition verpflichtet

3. Juli 2015

Die Mischung macht es. Das merke ich bei meinen Kunden besonders deutlich. Einer meiner Kunden ist der Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks, also die Arbeitgeberorganisation der bayerischen Friseure. Neben der klassischen Verbandsarbeit wie Tarife und Stellungnahmen in arbeitsrechtlichen Fragen sind die Friseure natürlich wichtiger Teil der Beauty-Branche und führen Modeveranstaltungen durch. Ach ja und sie feiern gerne, sie sind gesellig und sich ihrer Tradition bewusst. Das gefällt mir. Und daher veranstaltet der Landesinnungsverband einmal im Jahr eine Wallfahrt nach auf den Heiligen Berg nach Andechs. „Als modernes und modisches Handwerk sind wir Friseure unserer Tradition verpflichtet“, so der Landesinnungsmeister Christian Kaiser.
Eine Wallfahrt und geselliges Feiern passt das zusammen? Ja tut es, wie die jüngste Wallfahrt mit rund 150 Friseurinnen und Friseuren aus ganz Bayern wieder zeigte. Ich war dabei und half bei der Dokumentation der Veranstaltung mit.

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Der Hintergrund zur Friseurwallfahrt ist ein sehr ernster: Im Jahre 2003 drohte das Friseurhandwerk aus der Liste der Vollhandwerke gestrichen zu werden. Der Bundesgesetzgeber war am Streichen, viele Gewerbe blieben auf der Strecke. Das bedeutet: Bei einem Rauswurf aus der Anlage A der Handwerksrolle braucht es keinen Meister als Voraussetzung, um sich selbstständig zu machen. Die Qualität im Friseurhandwerk stand auf dem Spiel.
Auf Initiative des LIV-Vorstandsmitglied Josef Wieser veranstaltete der Verband einen Bittgang nach Andechs, um auch göttlichen Beistand zu erbeten. Mit allerlei Plakaten und Transparenten bauten sich die Friseure vor der Wallfahrtskirche in Andechs auf und veranstalteten dann einen Festgottesdienst.
Ob die Pakete, die Gespräche im Hintergrund, der Druck der Öffentlichkeit, der Bittgang oder der Festgottesdienst am Ende ausschlaggebend war, weiß ich nicht. Fest steht, die Friseure sind in der Anlage A der Handwerksrolle geblieben.

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Seitdem veranstaltet der Landesinnungsverband jedes Jahr eine Friseurwallfahrt nach Andechs, wobei einmal auch Vierzehnheiligen bei Staffelstein auch das Ziel der Pilger war. Die Wanderung von Herrsching nach Andechs durch das schöne Kiental dauerte eine Stunde. Dann war der heilige Berg erklommen. Nach dem obligatorischen Gruppenbild vor der Kirche ging es in den Gottesdienst. Mit dabei waren zahlreiche Fahnendelegationen verschiedener Friseurinnungen. Auch der LIV hat eine eigene Fahne. Sehr schön war auch, dass die Zunftfahne der Münchner Friseure in Andechs im Einsatz war. Vor kurzem wurde auch die historische Zunftfahne von 1927 der Friseurinnung München aufwendig restauriert. Sie wurde in alter Tradition geweiht. Der kirchliche Segen wurde am Schrein von St. Cosmas und St. Damian, den Schutzpatronen des Friseurhandwerks, in der Münchner Jesuitenkirche St. Michael erteilt.


Zu Andechs gehört auch der Biergarten mit Bier und Haxn. Und zum bayerischen Biergarten gehört eigentlich auch Blasmusik. Die ist im Biergarten des Heiligen Bergs von den Geistlichen nicht so gerne gesehen, aber die Friseure verhandeln geschickt und so spielt jedes Jahr zur Freude aller eine bayerische Kapelle. Und mitten drin ist auch LIV-Vorstandsmitglied Josef Wieser.

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Der Friseurmeister aus Mammendorf im Landkreis Fürstenfeldbruck ist nicht nur erfolgreicher Friseurunternehmer, er ist im auch Musiker. Nach jahrelangen Einsätzen auf dem Oktoberfest in der Vergangenheit greift er auch bei der Friseurwallfahrt zur Posaune. Dabei kommt es vor allem auf die Stimmung an. Viele Bilder gibt es hier.
Wie eingangs gesagt: Die Mischung macht es und hier stimmt die Mischung.

Nachruf: Meine Begegnung mit Alvin Lee

6. März 2013

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Er sagte die legendären Sätze „I’m going home – by helicopter.“ Und dann brach das Blues-Inferno los. Diese harte Blues war sicher einer der Gründe, weshalb ich zur Gitarre gegriffen habe. Und ist es Zeit, die alte Klampfe wieder hervorzuholen, denn Alvin Lee ist tot.

Alvin Lee war der Frontmann von Ten Years After und er starb für mich überraschend im Alter von 68 Jahren. Er starb an einem chirurgischen Routineeingriff. Den ersten Kontakt mit ihm hatte ich eben mit Going Home vom Woodstock-Festival. Knappe 10 Minuten Blues pur, das haute mich vom Hocker. Erst auf der Doppel-LP des Woodstock-Festivals, später im Kino beim Woodstock-Film. Leider ist er auf dem neuesten Woodstock-Sampler nicht dabei. Jahre später traf ich den Künstler privat. Als ich für das Fürstenfeldbrucker Tagblatt/Münchner Merkur als Reporter unterwegs war, traf ich Mitte der 1990 Jahre Alvin Lee beim Rolling Thunder Festival in Moorenweis. Neben der Kläranlage bei einem Kuhdorf im Landkreis Fürstenfeldbruck fand ein Biker-Treffen statt: Ein bisschen Sex, Drugs & Rock’n Roll in der bayerischen Provinz. Eric Burdon trat später dort einmal auf, aber Alvin Lee war einer der ersten Stars. In Woodstock spielte er vor 500.000 Leuten, im Moorenweis waren es vielleicht 200. Aber die Stimmung war gut. Hinter der Bühne traf ich auf einen Aufschneider, der wusste, was er auf der Gitarre kann. Er spielte weiterhin seine Gibson ES-335 mit dem Peace-Zeichen. Die Gitarrenläufe waren der Hammer, er war ein Zauberer. Aber Alvin Lee kam sympathisch herüber. Er liebte das bayerische Bier, trank auch mehr als ein halbes Glas. Wenn ich ehrlich bin, war er aber mehr an der Reporterin der Konkurrenzzeitung interessiert als an den Fragen eines Nachwuchsreporters. Dennoch bekam ich meine Antworten, ein Autogramm und ein paar Fotos und einen Woodstock-Star zum Anfassen. Lieber Alvin Lee: Spiel mit Hendrix ein Duett, rock die himmlische Hütte und zeig Petrus was Bluesrock wirklich bedeutet.

Verpackungsservice wie in den USA im deutschen Supermarkt – genial

30. Dezember 2012
Friendly Service heißt der Verpackungsservice im AEZ.

Friendly Service heißt der Verpackungsservice im AEZ.

„Das ist ja wie in den USA“, platzt es aus einer älteren Dame heraus. Eine junge Frau mit gelben T-Shirt und der Aufschrift „Friendly Service“ nimmt die Waren vom Einkaufsband, verpackt sie in braune Papiertüten und stellt sie behutsam in den Einkaufswagen zurück. Diesen besonderen Verpackungsservice in einem Supermarkt gibt es derzeit im AEZ – Amper Einkaufszentrum im Fürstenfeldbrucker Stadtteil Buchenau. Was in den USA in jedem Drugstore alltäglich ist, kennt der Kunde im deutschen Einzelhandel eher nicht. Bisher musste ich meine Waren selbst vom Band nehmen und einpacken. Das übernehmen im AEZ nun junge Damen und sie wissen, was sie tun. Eier und Obst kommen nicht auf den Boden der Tüte, sondern Tetrapack mit Milch und Konserven.

Das Angebot im Supermarkt wird hervorragend von den Einkäufern angenommen. Viele Familie sind Freitag und Samstag beim Wochenendeinkauf. Das nervt. Kinder wollen der Kasse Süßigkeiten. Da kommt so ein Service für gestresste Eltern gerade recht. Da sage noch einer, Deutschland sei eine Dienstleistungswüste. Ich finde es eine prima Idee.

Die Waren kommen in brauen Tüten in den Einkaufswagen zurück.

Die Waren kommen in brauen Tüten in den Einkaufswagen zurück.

Nur beim Trinkgeld sind die Fürstenfeldbrucker sichtlich noch etwas unsicher. Es steht eine gelbe Spardose bei der jungen Frau im T-Shirt mit der gleichen gelben Farbe. Entweder geben die Leute kein Trinkgeld und blicken verschämt weg (Deutschland eben) oder sie geben der jungen Frau die Münzen direkt in die Hand, die es dann in die Dose wirft.

Wie lange dieser Service im AEZ aufrecht erhalten bleibt, das weiß ich nicht. Wahrscheinlich wird er nur an Stoßzeiten angeboten. Cool wäre es, wenn die amerikanischen Verhältnisse bei uns dauerhaft einziehen würden.

Nur ins Auto muss ich die Tüten noch selbst tragen.

Nur ins Auto muss ich die Tüten noch selbst tragen.

Update: Nach ein wenig Recherche und einen Hinweis von Carmen zeigt sich, dass Friendly Service ein sehr interessantes Geschäftsmodell hat. Es arbeiten Schüler und Studenten dort. Auf der Website steht: „Unsere Auftraggeber zahlen pro Wochenende ein vertraglich vereinbartes Entgelt an die Genossenschaft. Davon bezahlt die Friendly Service eG zunächst ihre Kosten für Verwaltung, Schulungen, Vermittlung etc. Am Ende eines Geschäftsjahres kann der Überschuss anteilig an alle Genossenschaftsmitglieder ausgeschüttet werden. Das beschließt die Generalversammlung. Die Genossen arbeiten als selbstständige Mini-Unternehmer oder kurzfristig Angestellte (bis 50 Tage pro Jahr) auf reiner Trinkgeldbasis. Ihr Verdienst liegt in der Regel zwischen 7 und 13 EUR pro Stunde und bleibt zu 100 % bei den Servicekräften. Zeitgleich sind sie mit einer Vergütung Mindestlohn von 7 EUR pro Stunde über die Genossenschaft abgesichert – das heißt, keiner verdient bei seinen Einsätzen weniger als 7 Euro pro Stunde im Monat.“

 

Marketing: QR-Code im Weihnachtsgewinnspiel

20. Dezember 2012

Vor dem Spielwaren Reindl in Fürstenfeldbruck bildete sich vor kurzem eine Traube von Kindern, die aufgeregt auf ihren Handys herumtippten. Beim näheren Hinschauen standen sie alle am Schaufenster und diskutierten über einen ausgehängten QR-Code. Von 6. bis 24. Dezember hatte sich der Fürstenfeldbrucker Einzelhandel entschlossen, auf mobile Kommunikation zu setzen und das örtliche Spielwarengeschäft machte mit. Wer einen QR-Reader besitzt (und das hatten die meisten Kinder vor dem Schaufenster) konnte den Code einscannen. Programmiert wurde es von einer flotten IT-Bude QR–Promotions in Fürstenfeldbruck, die sich u.a. auf QR-Codes spezialisiert haben.

QR-Code scannen und gewinnen - nette Idee des Fürstenfeldbrucker Einzelhandels.

QR-Code scannen und gewinnen – nette Idee des Fürstenfeldbrucker Einzelhandels.

Wer Glück hatte, bekam einen Einkaufsgutschein, den er im Laden einlösen konnte. Leider hatten die Kinder und auch ich kein Glück. Der Zufallsgenerator wählte uns nicht aus und so bekamen wir keinen Gutschein.

Leider Pech gehabt.

Leider Pech gehabt.

Schlitzohren wie es Kinder nun mal sind, wollten es gleich noch einmal probieren, doch Fehlanzeige. Erst nach 1,5 Stunden ist es wieder möglich, an diesem Weihnachtsgewinnspiel teilzunehmen. Über einen zeitlichen Cokie wurde es wohl gelöst. Wer es dennoch probiere, bekam einen entsprechenden Hinweis. Nun gut, bin ich also zum Einkaufen gegangen und meine 1,5 Stunden herumgebracht, Leider war die Glücksfee mir dann immer noch nicht hold und ich scannte wieder eine Niete. Enttäuscht zog ich ab, dennoch war die Aktion ein schönes Beispiel für den sinnvollen Einsatz von QR-Codes im Marketing. Übrigens, das Löschen der Cokies hatte auch nichts gebracht, ich hatte wohl einfach kein Glück.

Erst nach 1,5 Stunden kann ich wieder mitspielen.

Erst nach 1,5 Stunden kann ich wieder mitspielen.

Geschäftsidee: Regalmeter zu vermieten

16. Dezember 2012
Floh am Markt in Fürstenfeldbruck.

Floh am Markt in Fürstenfeldbruck.

Eine interessante Geschäftsidee begegnete mir neulich in Fürstenfeldbruck. Mitten in der Kreisstadt eröffnete ein Laden mit Namen „Floh am Markt“. Eigentlich dachte ich, es ist nur ein weiterer Ramschladen mit Second-Hand-Produkten. Im Grunde war es das auch, aber die Geschäftsidee dahinter gefällt mir. Der Ladeninhaber vermietet Regalfläche. Die Regalmeter werden pro Woche an Verkäufer vermietet. Es beginnt bei 8 Euro pro Meter und geht hoch bis 11 Euro pro Meter. Der Kunde, der das Regal mietet, kann wie auf einem Flohmarkt sein Zeug verkaufen. Gehandelt wird nicht. Der Ladenbesitzer muss nur dafür sorgen, dass der Laden offen ist und abkassiert wird. Durch die gute Innenstadtlage kommen immer wieder neue interessierte Kunden.

Kunden können die Regale mieten und ihre Waren verkaufen.

Kunden können die Regale mieten und ihre Waren verkaufen.

In dem Laden waren alle Regale vermietet, also der Ladenbesitzer wird auf seinen Schnitt kommen. Die Kalkulation scheint für ihn zu stimmen. Für die Ware sind die Kunden selbst zuständig. Leider war die Masse der Waren wertloses Zeug: Mit Büchern ist kein Geld zu machen und auch DVDs und Videocassetten (!) ist nicht viel Kaufkraft zu binden. Ich habe in dem Laden nichts interessantes gefunden, werde aber immer wieder kommen, denn die Regalmieter wechseln ja ständig. Ob der Floh am Markt eine dauerhafte Verkaufsidee ist, das weiß ich nicht. Aber ich werde die Geschäftsidee weiter beobachten.

Der Ladenbesitzer hat auf jeden Fall seinen Schnitt gemacht.

Der Ladenbesitzer hat auf jeden Fall seinen Schnitt gemacht.