Verpackungsservice wie in den USA im deutschen Supermarkt – genial

Friendly Service heißt der Verpackungsservice im AEZ.

Friendly Service heißt der Verpackungsservice im AEZ.

„Das ist ja wie in den USA“, platzt es aus einer älteren Dame heraus. Eine junge Frau mit gelben T-Shirt und der Aufschrift „Friendly Service“ nimmt die Waren vom Einkaufsband, verpackt sie in braune Papiertüten und stellt sie behutsam in den Einkaufswagen zurück. Diesen besonderen Verpackungsservice in einem Supermarkt gibt es derzeit im AEZ – Amper Einkaufszentrum im Fürstenfeldbrucker Stadtteil Buchenau. Was in den USA in jedem Drugstore alltäglich ist, kennt der Kunde im deutschen Einzelhandel eher nicht. Bisher musste ich meine Waren selbst vom Band nehmen und einpacken. Das übernehmen im AEZ nun junge Damen und sie wissen, was sie tun. Eier und Obst kommen nicht auf den Boden der Tüte, sondern Tetrapack mit Milch und Konserven.

Das Angebot im Supermarkt wird hervorragend von den Einkäufern angenommen. Viele Familie sind Freitag und Samstag beim Wochenendeinkauf. Das nervt. Kinder wollen der Kasse Süßigkeiten. Da kommt so ein Service für gestresste Eltern gerade recht. Da sage noch einer, Deutschland sei eine Dienstleistungswüste. Ich finde es eine prima Idee.

Die Waren kommen in brauen Tüten in den Einkaufswagen zurück.

Die Waren kommen in brauen Tüten in den Einkaufswagen zurück.

Nur beim Trinkgeld sind die Fürstenfeldbrucker sichtlich noch etwas unsicher. Es steht eine gelbe Spardose bei der jungen Frau im T-Shirt mit der gleichen gelben Farbe. Entweder geben die Leute kein Trinkgeld und blicken verschämt weg (Deutschland eben) oder sie geben der jungen Frau die Münzen direkt in die Hand, die es dann in die Dose wirft.

Wie lange dieser Service im AEZ aufrecht erhalten bleibt, das weiß ich nicht. Wahrscheinlich wird er nur an Stoßzeiten angeboten. Cool wäre es, wenn die amerikanischen Verhältnisse bei uns dauerhaft einziehen würden.

Nur ins Auto muss ich die Tüten noch selbst tragen.

Nur ins Auto muss ich die Tüten noch selbst tragen.

Update: Nach ein wenig Recherche und einen Hinweis von Carmen zeigt sich, dass Friendly Service ein sehr interessantes Geschäftsmodell hat. Es arbeiten Schüler und Studenten dort. Auf der Website steht: „Unsere Auftraggeber zahlen pro Wochenende ein vertraglich vereinbartes Entgelt an die Genossenschaft. Davon bezahlt die Friendly Service eG zunächst ihre Kosten für Verwaltung, Schulungen, Vermittlung etc. Am Ende eines Geschäftsjahres kann der Überschuss anteilig an alle Genossenschaftsmitglieder ausgeschüttet werden. Das beschließt die Generalversammlung. Die Genossen arbeiten als selbstständige Mini-Unternehmer oder kurzfristig Angestellte (bis 50 Tage pro Jahr) auf reiner Trinkgeldbasis. Ihr Verdienst liegt in der Regel zwischen 7 und 13 EUR pro Stunde und bleibt zu 100 % bei den Servicekräften. Zeitgleich sind sie mit einer Vergütung Mindestlohn von 7 EUR pro Stunde über die Genossenschaft abgesichert – das heißt, keiner verdient bei seinen Einsätzen weniger als 7 Euro pro Stunde im Monat.“

 

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2 Antworten to “Verpackungsservice wie in den USA im deutschen Supermarkt – genial”

  1. fneumeier Says:

    Beim Marktkauf in Unterföhring gibt’s das schon eine ziemliche Weile und ich seh‘ das etwas zweischneidig … Der große Unterschied zu den USA ist, dass es eben kein Service des Supermarkts ist, wo auch kein Trinkgeld erwartet oder gezahlt wird. Der „Friendly Service“ hier lebt komplett vom Trinkgeld der Kunden, die Mädels und Jungs, die da Einpacken, kriegen keinerlei Grundgehalt o.ä.

    Das bringt mich als Kunden in eine moralische Zwickmühle, was ich vom Betreiber der Supermarktes nicht sehr nett finde: Ich persönlich packe meine Sache lieber selber ein. Nicht aus Knausrigkeit, sondern u.a. auch deshalb, weil der „Friendly Service“ eben auch schonmal die reifen Bananen unten rein legt und dann die schweren Dosen obendrauf packt …

    Packe ich aber selbst ein (und geben dementsprechend auch kein Trinkgeld, weil ich die Leistung ja auch nicht in Anspruch nehme und auch nicht darum gebeten habe), raube ich meinem „Friendly Service“ ein paar Minuten seiner Zeit, in der er nur herumsteht und keine Chance hat, etwas zu verdienen.

    Ganz ehrlich: Ich will eigentlich nicht, dass mich der Supermarkt derart in Gewissensnöte bringt, bei einem so trivialen Vorgang wie dem wöchentlichen Einkauf. Wenn der Markt echten Service anbieten will, dann soll er die Leute bitte auch dafür bezahlen und das nicht mit sanft nötigendem Druck auf die Kunden abwälzen.

  2. redaktion42 Says:

    Zumindest im AEZ haben die Damen genau darauf geachtet, dass die Konserven und das Zeug unten sind und die Bananen oben. Die weiteren Anmerkungen gilt es zu diskutieren.

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