Ich habe Netflix – was soll ich nun schauen?

22. Januar 2018
Netflix in meiner Unterkunft. Im Moment läuft The Crown. Was soll ich dann schauen?

Netflix in meiner Unterkunft. Im Moment läuft The Crown. Was soll ich dann schauen?

Am Freitag war es soweit. Netflix zog auch in unsere Familie ein. K2 war der Auslöser dafür, weil K2 eine Übernachtungsparty machen und Anime-Filme schauen wollte, die es in guter Auflösung nur bei Netflix gab. Begeistert gab ich dem Streben von K2 nach und bestellte das Probe-Abo des Streaming-Dienstes.
Es ist ja nicht so, dass wir keine Streaming-Dienste abonniert haben. Amazon Prime Video finde ich hervorragend und K2 liebt zudem ihre Apple Music-Flatrate. Nun haben wir mit Netflix einen weiteren Dienst im Programm. Die App läuft auf den Smartphone und Tablets der Familie und am Apple TV im Wohnzimmer. Apple TV nutzte ich bisher nur für die Apple Keynotes oder wenn ich selbst präsentieren muss. Lineares Fernsehen spielt bei uns zu Hause keine Rolle mehr. Das letzte Mal, das wir bewusst ARD und Co geschaut haben, war beim Kanzlerduell Merkel gegen Schulz. Selbst meine 24 Stunden von Le Mans habe ich mir am Rechner angeschaut und nicht mehr auf der Glotze. Der große 55 Zoll Flatscreen dient zum Zocken und Anschauen von BluRays/DVDs und eben zum Genießen von Streaming-Diensten.
Nun, jetzt haben wir Netflix und K2 weiß sofort, was alles geschaut werden muss. Das sind in erster Linie Anime-Filme rauf und runter. Gut ist die Zuordnung der Filme zu Personen, um personalisierte Vorschläge zu erhalten. Ich habe gelesen, dass der Algorithmus sehr gut funktionieren soll. Und mal sehen, wann Apple den Laden übernimmt.
Ich schaue mich bei den Netflix-Eigenproduktionen um. Es ist Wahnsinn, dass ein Streaming-Sender eigene hochwertige Serien produzieren kann. Ebenso wie Amazon greift Netflix den TV-Markt an und das Angebot überzeugt mich auf dem ersten Blick. Ich habe The Man in the high Castle bei Amazon geliebt. Aber jetzt mal sehen, was Netflix zu bieten hat.
Meine erste Wahl bei Netflix ist die Serie The Crown. Ich liebe die Welt des britischen Königshauses und werde mir die Queen Elisabeth II am iPad ansehen. Ich bin viel unterwegs und kann im Zug Elisabeth, Churchill, Prinz Philipp und Charles anschauen. Gut, dass meine Unterkünfte WLAN haben. Für die Zugreisen nutze ich die Download-Möglichkeiten von Videos wie bei Amazon Prime Video. Dann steht als nächstes die neue Star Trek Serie auf dem Programm. Ich habe von Discovery viel gelesen und bin sehr neugierig. Bei House of Cards fehlen mir auch noch ein paar Folgen.

Und dann? Was soll ich noch schauen? Habt ihr Empfehlungen für Netflix-Serien? Könnt ihr mir helfen? Was lohnt sich noch, dass ich einmal hineinschauen soll? Bitte keine Film-Vorschläge, da kenn ich mich gut aus, aber in Sachen Serien habe ich Nachholbedarf. Ich freue mich auf die Kommentare von euch. Vielen Dank und jetzt muss ich wieder zu The Crown – ich habe noch ne Stunde Zeit bis in mein Seminar muss.

 

Buchtipp: Hammer Glamour von Marcus Hearn

21. Januar 2018

Dieses Buch ist der Hammer. Verzeiht mir diesen doofen Witz, aber er musste bei diesem Buch einfach sein. Es geht um das Filmbuch Hammer Glamour, das ich wieder entdeckt habe. Im Grunde geht es um die zum Teil leicht bekleideten jungen Damen, die in den Hammer-Filmen aufgetaucht sind.
Hammer war eine Filmgesellschaft, die Ende der fünfziger Jahre den Horrorfilmmarkt aufrollte. Produktionen wie Dracula, Frankenstein und Mumie ließen die Jugend in die Kinos strömen und die Stars wie Christopher Lee oder Peter Cushing hochleben. Hammer brachte Farbe, Gewalt und Sex in den Horrorfilm. Tja und zu Sex gehörten eben die jungen Damen dazu, die sich vom Grafen Dracula beißen lassen müssen.

Marcus Hearn hat mit Hammer Glamour ein Bilderbuch mit schönen Frauen vorgelegt. Allerdings musste ich schmunzeln, denn Glamour erinnert mich eher an die Zeiten des alten Hollywoods mit Stars wie Marlene Dietrich, Jane Russell, Greta Garbo, Bette Davis oder Rita Hayworth. Die Arbeit in den Schnellproduktionen bei Hammer war sicherlich nicht glamourös, sondern harte Fließbandarbeit. Es musste schnell gehen und preiswert musste die Sache auch sein. Und dennoch haben die Filme einen besonderen Charme, was sicherlich auch den entzückenden Damen zu verdanken ist. Und dieses Buch ist ein Streifzug und zeigt die weiblichen Stars und Sternchen bei Hammer. Das Cover ziert Madeleine Smith, die in drei Hammer-Produktionen auftauchte und mit ihren Reizen spielt.
Mal mit weniger Bekleidung, mal in provokanten Posen, mal klassische Setcards, mal Filmszenen – alles ist zu finden in diesem schön gemachten Bilderbuch mit ergänzendem Text. Es ist ein Wiedersehen mit Caroline Munro, mit Ingrid Pitt, Ursula Andress, Stefanie Powers, Raquel Welch oder der Hammer-Star Barbara Shelley. Es waren auch ein paar Deutsche darunter wie Hildegard Knef oder Nastassja Kinski.
Das Buch ist hochwertig, schön gedruckt und hervorragend von Marcus Hearn recherchiert und dennoch: Es ist Trash und ich mag diesen Trash. Diese britischen Horrorklassiker sind einfach Kult und zu diesem Kult gehören einfach die Hammer-Girls, wie ich sie jetzt einmal bezeichnen will. Später wurde diese Tradition wieder in Großbritannien aufgenommen, als es 1962 an die Reihe der James Bond Filme ging. Neben Bond gab es auch immer ein oder mehrere Bond-Girls. Und es war Hammer-Girl Ursula Andress, die zum ersten Bond-Girl der Geschichte wurde als sie mit ihrem weißen Bikini den Fluten entstieg. Eigentlich war es ja anders herum. Andress war zuerst bei Bond und dann 1965 bei Hammer in dem Film She. Hammer-Girl Joanna Lumley tauchte übrigens auch in einem Bond-Film auf: Im Geheimdienst ihrer Majestät gehörte die Schönheit zur bösen Truppe um Blofeld.
Auf jeden Fall ist Hammer Glamour ein schönes Buch für den Fan des britischen Horrors, der dann in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu Ende ging. Hammer verlor den Anschluss an die Jugend. Der Horror kam nun von geistesgestörten Killern wie Leatherface oder Michael Meyers. Da waren die Dracula und Frankensteins und Mumien auf verlorenen Posten – und es halfen auch die leichtbekleideten Hammer-Girls nichts.

Retrogamer-Tasse Nintendo Game Boy mit Thermoeffekt

20. Januar 2018

K2 weiß, dass ich ein Retro-Gamer bin und so bekam ich von Kind 2 eine Nintendo Game Boy Tasse geschenkt. Das Besondere: Die Tasse hat einen Thermoeffekt.
Ich besaß früher schon einmal eine ähnliche Tasse wie diese. Es war eine Tetris-Tasse, die ich aufgrund eines Vortrags in einem Studentenfernsehen erhalten habe. Leider ist mir diese Tasse heruntergefallen und zu Bruch gegangen. Daher kam die Nintendo Game Boy Tasse von K2 genau zur richtigen Zeit. Das Kind denkt eben mit.

Was ist nun das Besondere an der Tasse? Das Bild auf der Tasse zeigt ein Motiv aus Super Mario aus dem Zeitalter des Game Boys. Wenn jetzt eine heiße Flüssigkeit in die Tasse kommt, dann verfärbt sich der Bildschirm und es treten zwei Szenen aus Super Mario zu Tage. Ich finde es einen netten Effekt und als Retro-Game liebe ich solche harmlosen Spielereien. Danke nochmals an Kind 2 für die Aufmerksamkeit und es gilt: Retrogaming forever.
Schaut euch in dem Video an, wie das Ganze funktioniert:

Eine Tastatur für mehrere Devices: Logitech K780 Keyboard

19. Januar 2018

In meinem Arbeitszimmer bin ich umgehen von mobilen Macs. Im Moment stehen zwei MacBook Pros und ein MacBook Air sowie ein PowerMac G5 und zahlreiche Monitore um mich herum. Jedes Gerät hat zugewiesene Aufgaben. Die mobilen Rechner stehen auf Ständern, damit ich den Inhalt der Bildschirme aufgrund schlechter Augen besser sehen kann. Mein Problem waren die externen Tastaturen, die allerhand Platz auf dem L-förmigen Schreibtisch wegnehmen. Meine Lösung: eine Tastatur von Logitech – das K780 Keyboard.

Drei Macs mit einer Tastatur steuern - das ist meine Lösung,

Drei Macs mit einer Tastatur steuern – das ist meine Lösung,

Bisher hatte ich nur die Original Apple Bluetooth-Tastaturen im Einsatz. Wenn man sich an den Tastenanschlag gewöhnt hat, sind es wunderbare Tastaturen. Wenn ich ehrlich bin, dann trauere ich den alten beigen Tastaturen Beines Quadras hinterher, aber diese Zeiten sind vorbei. Die Apple Bluetooth-Keyboards sind wunderbar und auch das Aufladen des Akkus via Lightning Kabel ist gut gelöst. Eben magisch, daher auch Apple Magic Keyboard.

Eins, zwei, drei und alle Geräte werden mit einem Keyboard gesteuert.

Eins, zwei, drei und alle Geräte werden mit einem Keyboard gesteuert.

Um Platz zu sparen will ich aber ein Keyboard für alle drei mobilen Macs verwenden. Da hört die Magie beim Apple Magic Keyboard auf und das Logitech K780 kommt ins Spiel. Mit dieser Tastatur kann ich drei Bluetooth-Devices per Knopfdruck ansteuern. Die Funktionstasten F1 bis F3 sind dafür vorgesehen.
Wie geht das? Zuerst muss ich die Tastatur ganz klassisch mit den Devices koppeln. Taste F1 mit dem ersten Mac usw. Und nun kann ich reibungslos zwischen meinen mobilen Macs hin und her springen. Ich muss nur die jeweilige Funktionstaste drücken und zack ist die Tastatur mit dem jeweiligen Mac verbunden. It’s just like Magic würde Apple dazu sagen, waren aber selbst bisher nicht in der Lage, so eine Tastatur auf den Markt zu bringen.
Die Idee von Logitech war eine andere. Ursprünglich sollte man seinen Rechner mit dem Smartphone und dem Tablet leichter koppeln können. Dazu gibt es auf der Tastatur auch eine Vertiefung in der die iOS-Geräte Platz finden sollen. Die integrierte Halterung brauche ich nicht. Mein iPad Pro hat eine eigene Tastatur und ist meist auf Reisen unterwegs und auf dem iPhone diktiere ich den Text anstatt zu tippen.

Nette Idee, aber den Ständer für das iPhone brauche ich nicht.

Nette Idee, aber den Ständer für das iPhone brauche ich nicht.

Logitech sagt, dass die Tastatur für verschiedene Betriebssysteme ausgelegt sei, also MacOS, iOS, Windows und Android. Das mag sein, kann ich aber aufgrund der homogenen Mac- und iOS-Umgebung nicht bestätigen. Mir fällt die Hand ab, wenn ich einen Windows-Rechner nutzen sollte.
Die Datenübertragung ist mit 128 Bit verschlüsselt und die Reichweite der Tastatur zum Gerät kann bis zu zehn Meter betragen. Auch das kann ich nicht bestätigen, denn bei zehn Meter Entfernung sehe ich bei meinen Augen den Rechner nicht mehr, geschweige ich kann etwas erkennen, was ich da tippe.
Also, ich kann das Multi-Device von Logitech absolut empfehlen. Ich brauchte ein paar Tage, um mich an die runden Tasten des Keyboards zu gewöhnen. Ist das passiert, dann steht dem Schnelltippen und Wechseln der Geräte nichts mehr im Wege. Durch diese Lösung habe ich Platz auf meinem Schreibtisch gewonnen, wofür ich Logitech sehr dankbar bin.

Hier das Unboxing-Video:

Buchtipp: Star Wars Art Comics von Dennis O’Neil

18. Januar 2018
Ein Buch für Comic-Freunde. Star Wars Art Comics

Ein Buch für Comic-Freunde. Star Wars Art Comics

Star Wars VII hat mich enttäuscht. Der Verkauf meiner Jugend an Disney hat der Serie nicht gut getan. Daher habe ich ein Buch aus meinen Archiv herausgesucht, das mir meine Jugend zurückbringt. Star Wars Art: Comics.
Als 1977 Krieg der Sterne in die Kinos kam, kaufte mir meine Mutter die begleitenden Comics. Das Buch Star Wars Arts Comics bringt die glorreiche Zeiten zurück. Das Buch zeigt die verschiedenen Comic-Künstler und deren Stile aus dem Star Wars-Universum. Nicht alles, was veröffentlicht wurde, gefällt mir. Aber ich finde es unterhaltsam, die verschiedenen Zeichenrichtungen in einem Buch vereinigt zu haben. Natürlich reden wir nur von den alten Filmen, schließlich ist das Buch 2011 erschienen und wurde nicht mehr aktualisiert. Es war die glorreiche Zeit der Star Wars Comics, als George Lucas noch darüber wachte, was und wie es erschien. Die Künstler in diesem Buch Star Wars Art: Comicssind ein Who-is-Who der US-Comic-Szene: Al Williamson, Howard Chaykin, Adam Hughes, Bill Sienkiewicz, Dave Dorman, John Cassaday, Sam Kieth, Mike Mignola, Paul Pope, Frank Quitely oder Jim Steranko.

Wie geschrieben: Mir gefällt nicht alles, was hier veröffentlicht wurde. Als Kind mochte ich die opulenten Farbbilder, später die schwarz-weiß-Detailzeichungen. Heute mag ich eher den reduzierten Manga-Stil, was wohl daran liegt, dass K1/2 zu Hause voll auf die japanischen Manga-Zeichnungen abfahren. So kann ich das Buch immer wieder hervorziehen und neue Stile entdecken, denn mein Geschmack ändert sich immer wieder. Und ich bewundere Comic-Zeichner für ihre Kunst. Gerne würde ich mehr in diese Szene eintauchen und taste mich vorsichtig vor. Immer wieder wird diskutiert, ob Comics eine Kunstform sind. Ja, für mich sind Comics Kunst und basta.
Was dieses Buch zu einem besonderen Buch macht, sind nicht nur die Zeichnungen, sondern es ist auch ein mehrseitiger Text. Es wird zum ersten Mal ein Gespräch von George Lucas mit Zeichner Howard Chaykin abgedruckt, das bei Marvel stattfand. Hier wird die Grundlage für die Comic-Reihe gelegt. Die Abschrift des Gesprächs lag bei Lucas und wurde in diesem Buch zum ersten Mal freigegeben. Ich habe noch den Nachdruck der gesamten Comicreihe, die bei uns bei Panini erschienen ist. K1 und ich haben die Comics verschlungen und sie machen Lust auf mehr.

70. Geburtstag von John Carpenter – meine Erinnerungen

17. Januar 2018

Einstmals stand John Carpenter für den Horrorfilm der siebziger und achtziger Jahre des vergangenen Jahrhundert. Jetzt ist der Regisseur und Musiker 70 Jahre alt geworden. Für mich bedeutete in meiner Jugend der Name Carpenter eine neue Art von fantastischen Film.

Das erste Mal, dass ich einen Film von John Carpenter gesehen habe, war wohl the Fog – Nebel des Grauens. Es war ein solider Gruselfilm, der spannend gemacht war. Das Böse blieb zumeist im Nebel verborgen und fand mehr in meinem Kopf statt. Der Film war eine klassische Fortsetzung des Gruselfilms aus alten Zeiten. Als ich meine Liebe zu Stanley Kubrick entdeckte, übertrug sich diese Zuneigung auch auf Carpenter. Sein Dark Star war eine großartige Antwort auf Kubricks 2001 mit all seinen philosophischen und religiösen Aspekten. „Es werde Licht“ ist einfach ein fulminantes Ende eines Films und die Diskussion mit einer Bombe halte ich für ein Highlight der Filmgeschichte.
Dann führte John Carpenter die Figur Michael Myers ein und änderte den Horrorfilm komplett. Das Böse kam nicht mehr aus fernen Landen, sondern war mitten unter uns. Horror zog in die Nachbarschaft ein. Mit Halloween lieferte Carpenter einen Slasher-Film ab, der Folgen für die ganze Branche haben sollte. Die Hauptdarstellerin Jamie Lee Curtis, die Queen of Scream, überlebte das Morden, weil sie brav, verantwortungsvoll und zurückhaltend war. Viele Stunden konnte ich über den Film und seine Hintergründe diskutieren. Halloween II war deutlich schwächer, es gab mehr Brutalitäten und Blut. Es war der erste Film, den ich alleine als Jugendlicher im Kino angeschaut habe. Natürlich war ich noch keine 18 Jahre alt und schaffte es trotzdem in meiner Heimatstadt ins Capitol-Kino. Ich hatte mehr Angst erwischt zu werden als Angst vor Michael Myers und trotzdem es kein guter Film ist, verbinde ich gute Erinnerungen daran.
Dann kam Snake Plissken, die Coolness pur. Er war für uns 1981 eine Ikone, der Vorläufer des Cyberpunks. Wir Jugendliche lachten uns über den deutschen Titel schlapp „Die Klapperschlange“, dabei hatte Snake doch eine Kobra auf den Bauch tätowiert. Snake war einfach cool, erinnerte an John Wayne und nicht diese Typen von heutigen Actionstars. Carpenter machte auf Fritz Lang und immer wieder schaue ich mir die Sache gerne an, die Fortsetzung war allerdings für die Tonne.
Christine mochte ich wegen des tollen Autos und als damaliger Stephen King-Fan musste ich mir den Film im Kino ansehen. Horrorfeeling kam keines mehr auf, dafür war der Film zuviel Pop Corn-Kino. Heimlicher Star war natürlich das Auto. Zweifel hatte ich, ob mir Carpenters Version von Das Ding aus einer anderen Welt gefallen würde. Ich mochte den alte schwarzweiß-Streifen mit seiner Angst vor der sowjetischen Bedrohung und der außerirdischen Rübe. Carpenter war ohne Politik, dafür ein wunderbares Kammerspiel mit erstaunlichen Effekten – und das vor CGI.
Dann kamen und gingen die Filme von Carpenter. Es gab immer noch große Momente in Sie leben, eine Mediensatire. Dann der Absturz mit Ghosts from Mars, Dorf der Verdammten und kleinere Independent Sachen und ein paar gute Szenen aus Vampire. Aber für mich war das Zeitalter von John Carpenter vorbei. Neue Stars hatten den Regiestuhl bestiegen. Rob Zombie setzte das Erbe von Carpenter fort.
Ab und zu schaue ich mir noch einen seiner Filme auf DVD oder Blu ray an. Und trotzdem ist Carpenter bei mir ständig präsent und zwar durch seine Musik. Die Scores zu seinen Filmen sind genial und laufen immer wieder. Assault, Halloween und der ganze Spaß. Ich suche noch immer die Musik von The Thing und habe die beiden Lost Themes 1 und 2 gehört, mit denen Carpenter samt Sohnemann auf Tour geht. Ich merke schon, ich muss einen eigenen Blogpost mal über die Musik von Carpenter machen. Aber jetzt erst einmal: Alles Gute zum 70. Geburtstag lieber John Carpenter.

Und als ich so beim Durchblättern von Soundtracks war, fiel mir ein schönes Buch in die Hände, das ich schon fast vergessen hatte: On Set with John Carpenter. Es ist eine Art Familienfotobuch mit den frühen Filmen von Carpenter. Die Fotografin Kim Gottlieb-Walker machte viele schöne Bilder hinter den Kulissen und war die offizielle Set-Fotografien von frühen Produktionen, die ich so gerne mag. Die meisten Fotos sind in Schwarzweiß und es gibt viele Anekdoten von den Schauspielern und Produktionsmenschen. Es ist keine tiefgründige Filmtheorie, zeigt aber, wie früher Carpenter-Filme ohne große Hollywood-Maschinerie funktioniert haben. Ein empfehlenswertes Buch und gerade zum 70. Geburtstag ein schönes Geschenk für Filmfans.

 

Herbst-Motiv als Armband für die Apple Watch

16. Januar 2018

Ich brauch einen neuen Look am Arm. Ich brauche ein neues Band für meine Apple Watch. Nachdem mein beiges Nylon-Band den Geist aufgegeben hat, hielt ich Ausschau nach einem neuen Band für die Apple Uhr Series 2. Ich hab zwar ein braunes Lederband, das rote Sport Band und ein wunderschönes Milanaise-Band. Aber ich hab ich sattsehen und brauch etwas neues.


Ich entschied nach ein wenig Suche für ein Band von X-cool, die eine Serie nach den Jahreszeiten herausgebracht haben: Frühling, Sommer, Herbst und Tod, nein Winter. Ich habe mir das Herbst-Band zugelegt, weil das Motiv mir als erstes ins Auge gesprungen ist. 15 Euro Kosten ist nicht die Welt und ich wollte das Band mit Herbstmotiven einfach mal ausprobieren.

Es ist aus Kunstleder gefertigt und kommt natürlich nicht an die Qualität meines Lederarmbandes heran. Braucht es für den Preis auch nicht. Aber die Qualität passt, soweit ich es nach den ersten Tagen Tragen beurteilen kann. Es wiegt knapp 100 Gramm, aber vor allem hat mich das Motiv gereizt. Ich hatte ein wenig die Befürchtung, dass es zu Damenhaft wäre, aber es ist mir eigentlich egal. Was meint ihr?
Eigentlich ist es interessant. Das Armband meiner Omega war jahrelang das gleiche Band: Schwarzes Leder. Seit ich die Apple Watch trage, tausche ich die Armbänder, die nach Laune. Als Mann trage ich nur bedingt modisches Accessoires. Ich habe ein Faible für Schuhe, aber trage nur wenige Ringe, keine Ketten, keine Ohrringe – ich mag auch kein Tattoo und meine farbige Brille trage ich aus medizinischen Gründen. Da bleibt nicht mehr viel im modischen Alltag. Bei offiziellen Anlässen trage ich nur weiße Hemden mit wechselnden Manschettenknöpfen, farbige Fliegen und passende Einstecktücher. Die Jacke ist in der Regel aus Tweed, also eher langweilig. Also darf ich mit den bunten Armbändern eine farbige Note setzen.
Vielleicht schaffe ich mir noch ein rotes Lederarmband an. Mal sehen, ob ich mich durchringen kann.

Universalkünstler Wenzel Hablik und seine expressionistischen Utopien

11. Januar 2018
Der Weg zur Südseite des Martin Gropius Baus zur Installation Unterton.

Der Weg zur Südseite des Martin Gropius Baus zur Installation Unterton.

Wer sich für den deutschen Expressionismus interessiert, der sollte sich sputen. Nur noch bis 14. Januar 2018 ist im Berliner Martin Groupius Bau die absolut sehenswerte Ausstellung über Wenzel Hablik zu sehen. Bei einem Kurztripp nach Berlin bin ich eingetaucht in die expressionistischen Utopien von Wenzel Hablik. Leider war es untersagt Fotos von der Ausstellung zu machen und die Museumsleitung vergibt sich damit die Chance, die breite Öffentlichkeit auf die Ausstellung aufmerksam zu machen. Das ist schade, denn Kunst muss raus dem Elfenbeinturm zu den Menschen.


In den Ausstellungsräumen war bei meinem Besuch nicht viel los. So hatte ich Zeit, mich den ausgestellten Werke zu widmen. Zur Ausstellung ist auch ein ausgezeichneter Katalog Wenzel Hablik – Expressionistische Utopien bei Prestel erschienen. Wer war Wenzel Hablik? Bis zu der Ausstellung hatte ich von diesem Maler, Zeichner und Schreiner, Raumausstatter und Universalkünstler nichts gehört, aber ein Teil seiner Bilder waren mir vertraut. Ich habe seine Kristallpaläste als Jugendlicher als Illustration von Science Fiction-Romanen wahrgenommen und als ich nun das Veranstaltungsplakat zur Ausstellung sah, war klar: Da muss ich hin.
Und ich war fasziniert von dem Gesamtkunstwerk. Es schlug mich sofort in seinen Bann. Utopische Architekturentwürfe, expressionistisches Interieur, fantastische Farbwelten – all dies ist nur ein Teil des Werkes von Wenzel Hablik (1881–1934), der sich als Universalkünstler dem Gesamtkunstwerk verschrieb. Das Wort Universalkünstler passt bei ihm auf jeden Fall. Hablik gilt, so habe ich nachgelesen, als einer der wichtigen Vertreter der deutschen expressionistischen Architektur- und Gestaltungsavantgarde. Es ist die erste umfassende Einzelausstellung seines Werkes in Berlin und daher muss man die Ausstellung eigentlich gesehen haben.


Im Mittelpunkt der Berliner Ausstellung im Martin Gropius Bau stehen seine Architekturvisionen und sein 1923 farbig gestaltetes Meisterwerk eines Raumkonzepts als Rekonstruktion. Sie werden durch die Präsentation von Malerei und Design ergänzt, denn erst in der Kombination wird der Grundgedanke des Gesamtkunstwerkes, wie Hablik es verfolgte, nachvollziehbar. Das alles machte mich neugierig.
Die Ausstellung ist didaktisch gut aufgebaut. Von Raum zu Raum wird die Entwicklung des Künstlers deutlicher. Beeinflusst durch seine Studienzeit an der Wiener Kunstgewerbeschule und der Kunstakademie in Prag lässt sich seine Entwicklung vom Jugendstil über den Expressionismus und die farbbegeisterten frühen 1920er-Jahre bis hin zur Neuen Sachlichkeit nachvollziehen. Mein erster großer Stop waren die Kristallbilder. Aus seiner Liebe zu den Bergen schuf Hablik fantastische Welten. Hier kamen sofort die Erinnerungen an meine Jugend wieder hoch.
Als Hablik auf seinen Reisen einst alleine den Mont Blanc bestieg und dann 1906 den Sonnenuntergang über den Bergmassiv malte, war ich fasziniert. Hablik hatte mich mit seiner Kunst gefangen und ich wusste, dass die Ausstellung für mich länger dauern würde.
Ich will jetzt nicht Bild für Bild beschreiben, dazu gibt es den Katalog. Lasst mich ein paar Highlights herausheben: Wellen, Gewitter – dann blieb ich an dem Bilderzyklus Schaffende Krähe hängen und sinnierte über den Ausspruch „Der Mann, der Raum, zwei Ewigkeiten.“ 1909 und 1913 kamen Bilder des Sternenhimmels hinzu.


Dass Wenzel Hablik aber auch ein zerrissener Künstler war, zeigte sich 1913 mit dem Bild Woher – Wohin. Im Grunde ist es eine Hommage an Auguste Rodins Der Denker. Hablik schafft es, seine Selbstzweifel visuell darzustellen.
Dann kam der große Krieg, der erste Weltkrieg. Wie alle Künstler, die an diesem Irrsinn teilgenommen haben, musste er es verarbeiten. Er tat es mit einem gewalttätigen Bild Zerstörung aus dem Jahre 1917. Expressionistische Explosionen, Farben und Formen zerbersten. Als ich das Bild gesehen hatte, versetzte es mir einen Schock, wie kraftvoll sich hier die Bildsprache entlädt. Ruhiger ging es dann 1921 bei der Architekturlandschaft und 1924 bei der freitragenden Kuppel zu.
Und dann kam für mich der Höhepunkt der Ausstellung: Wenzel Hablik entwarf komplette Räume. Farben und geometrische Formen überall. Im Martin Gropius Bau wurde das Esszimmer Habliks nachgebaut. Hier verschlug es mir die Sprache. Obwohl es untersagt war, ein Foto zu machen, schoss ich ein 360 Grad Bild, um meiner Frau einen Eindruck von diesem Gesamtkunstwerk zu geben.


Es kam damals einer kleinen Sensation gleich, dass das farbige Raumkonzept eines von Wenzel Hablik 1923 gestalteten Esszimmers 80 Jahre weitgehend unbeschadet überstanden hat. Bunt und in streng geometrischen Formen vom Boden bis zur Decke gestaltete er damals das Speisezimmer seiner Villa in Itzehoe. 1933 ließ er es unter neutralen Tapeten verbergen. 2013 wurden die wertvollen Malereien freigelegt. Eine Rekonstruktion dieses Kunstwerks ist im Martin Gropius Bau noch bis 14. Januar 2018 zu sehen. Oder zumindest den Katalog Wenzel Hablik – Expressionistische Utopien kaufen.

Blue Man Group in Berlin

10. Januar 2018

Ich hatte die Plakate der Blue Man Group schon so oft gesehen, auch bei einem Aufenthalt in Las Vegas und in New York. Ich kannte sie von Intel. Bei einem Berlin-Besuch schaute ich mir die Show der blauen Männer endlich im eigens gebauten Stage Bluemax Theater an. Fazit: Großartige Unterhaltung, was auch daran liegt, dass das Publikum miteinbezogen wird.

Schon die Auffahrt via Rolltreppe hoch ins Bluemax Theater am Marlene Dietrich Platz verspricht Spannung. Alles ist in Blau gehüllt. Blaue Scheinwerfer sorgen dafür, dass wir als Publikum in die richtige Stimmung versetzt werden. Nach der obligarorischen Taschenkontrolle geht es ins Foyer. Mäntel abgeben, Merch schauen und auf den Einlass warten.

Für K2 und mich habe ich super Plätze in der zweiten Reihe auf der linken Seite gekauft. Rund 90 Euro pro Karte sind wahrlich kein Schnäppchen. Aber ich wollte die Show hautnah erleben und zudem sehe ich schlecht, da muss ich ganz vorne ran an die Bühne, sonst kann ich mir den Abend sparen und mir die DVD kaufen.
Bei den ersten acht Reihen liegen über den Klappstühlen des Bluemax Theaters blaue Plastikponchos. Es scheint also nass zu werden und deshalb ziehen wir die Plastikumhänge über – sicher ist sicher. Wir haben die 21 Uhr Show gebucht und wir freuen uns auf den Start. Nur noch 5 Minuten, dann soll es losgehen.
Plötzlich kommt eine sympathische Einlasskontrolleurin auf uns zu und bittet uns höflich uns von unseren Plätzen zu erheben und mitzukommen. Verwirrt blicken k2 und ich uns an. Was hatten wir denn getan?


Wir werden zu den obersten Rängen des Bluemax Theaters geführt, außer Sicht des Publikums und dann gebrieft. Wir seien ausgewählt worden, einen Showgag mitzumachen. Wir sollen die Show ne knappe halbe Stunde von hier oben beobachten und würden dann von einem jungen Mann während der Show zu unseren Plätzen in der zweiten Reihe geführt. In der Show der Blue Man Group sei es nämlich üblich, dass kein Zuschauer mehr in die Show kommt, wenn die Türen geschlossen sind. Ich kenne das vom Grünen Hügel aus Bayreuth beim göttlichen Richard Wagner. Wer zu spät kommt oder den Saal verlassen muss, der bleibt draußen. Ganz so streng geht es bei einer US-Show nicht zu, der VIP-Gag kann also klappen. Blue Man Group ist nicht Richard Wagner, also stimmen wir zu.
Die Show beginnt mit intensiver Performance. Drums, Percussion, Licht – alles sehr intensiv und laut. Das Programm setzt sich aus Teilen der Shows in London und Amsterdam zusammen.

Vier Musiker sorgen für eine perfekte Show. Allerdings bekomme ich nur akustisch davon etwas mit. Auf der Bühne werden Farbbälle geworfen, den den blauen Männern mit dem Mund aufgefangen und dann Bilder humorvoll gemalt. So erzählt es mir K2. Ich selbst sehe kaum etwas die erste halbe Stunde, denn meine Augen sind einfach zu schlecht. Da ist was verwaschenes Blaues auf der Bühne. Na toll. Da zahl ich für die teuersten Karten und sehe die erste halbe Stunde der Show nicht, weil mein Augenleiden mich eingeschränkt. Ich hätte nicht zusagen soll, aber muss jetzt das Spiel mitmachen. Nach einer halben Stunden wird die Show unterbrochen, wir werden mit dem Ruf „Ihr seid zu spät“ von einem freundlichen Platzanweiser zu unseren Plätzen geführt und das Publikum lacht. Die steilen Stufen des Theaters muss ich bedächtig heruntergehen. Die Zuschauer empfinden mein Schreiten wohl als Show, ich schwitz aber Blut und Wasser, dass ich bei dem blauen Licht nicht die Stufen herunterpurzelte, weil ich nichts sehe. Das wäre ein Showact gewesen.
Platz genommen und weiter geht die Show. Und ich muss sagen, es macht wirklich Spaß. Es wird auf verschiedenen Klangkörpern Musik gemacht. Am meisten beeindrucken mich die Regenrohre, aus denen unterschiedliche Klänge hervorkommen. Die drei Blue Man auf der Bühne haben ihre blauen Masken übergezogen, ein bisschen wie Fantomas Es sind blaue Latexmasken, die die Haare verdecken. Das restliche Gesicht ist mit fettiger blauer Schminke bedeckt, die immer feucht erscheinen.


Und es sind drei Männer auf der Bühne. Es wird mit der magischen Zahl drei gespielt. Wie in jedem guten Witz sind drei Akteure wichtig. Dann funktioniert der Witz. Dieses Prinzip liegt auch bei der Blue Man Group zu Grunde und es funktioniert tadellos.
Und dann spielen die Herrschaften noch mit dem Unerwarteten. Da fliegt ein Wackelpudding ins Publikum, da werden Leute aus dem Publikum auf die Bühne gebeten (ob Fake oder nicht, kann ich nicht beurteilen). Und irgendwann fallen große Luftballons von der Theaterdecke und alle können mitmachen. Stark – K2 und ich haben viel Spaß. Mal trifft uns so ein Ball, mal können wir einen in die Lüfte stoßen. Interaktion ist angesagt und wenn die Blue Man ins Publikum zu Selfies kommen, ist es auch ein Spaß. Ich habe sogar eines machen können.
Und als Zuschauer ist man immer auf der Acht. So wird beispielsweise ein animiertes Filmchen über die Kanalisation eingespielt und mit der Möglichkeit gespielt, dass bei einem Überdruck die Fäkalien den Weg zurück finden. Und dann treten die Blue Man mit einem Röhrensystem auf und machen Musik. Der Zuschauer zieht sich seine Regenponochs über und schaut nervös auf das Rohrsystem. Die werden doch nicht …


Nach rund einer Stunde und vierzig Minuten war die Show aus. Das Publikum ist begeistert und auch uns hat die Show gefallen. Und weil es eine US-Show ist, gibt es im Foyer noch die Möglichkeit mit der Blue Man Group ein Foto zu machen. Touristen wie wir sind, haben wir die Möglichkeit wahrgenommen und Selfies geschossen. Mir hat es Spaß gemacht und ich habe gehört, dass die Blue Man Group auch einen Abstecher nach München machen will. Vielleicht gehe ich dann mit meiner Frau dahin – aber ich weiß, dass ich nicht wieder das Opfer des Nachzüglers sein will. Dieses Mal will ich die ganze Show sehen.

Musiktipp: Versatile von Van Morrison

9. Januar 2018

Er hat es wieder getan. Van the Man – Van Morrison hat im Jahr 2017 einfach mal so zwei Alben veröffentlicht. Zuerst kam am 22. September Roll with the Punches und nun folgte am 5. Dezember Versatile. Da frag ich mich: Musikalischer Ausverkauf oder kreative Schaffensphase?
Nun, ich habe beide Alben ausführlich gehört. Roll With the Punches hatte ich bereits besprochen und den Blues für gut befunden und nun kommt mit Versatile ein Album ganz anderer Art. Van Morrsion ist hier in den Jazz eingetaucht, ganz, ganz tief und verdammt, der Mann kann es einfach. Van Morrison hält Rückschau auf seine Geschichte des Jazz und steuert selbst sechs neue Songs bei. Er zelebriert, es lässt sich nicht anders ausdrücken – also er zelebriert die Klassiker von Nat King Cole („Makin‘ Whoopee“), von den Righteous Brothers („Unchained Melody“), von Frank Sinatra („A Foggy Day“) oder von Tony Bennett („I Left My Heart In San Francisco“). Wenn euch mal richtig Gänsehaut spüren wollt, dann hört euch die Unchained Melody an. Es ist wirklich ein Wahnsinn, was Van Morrsion aus diesem Song herausholt. Ich dachte, die Originalversion von den Righteous Brothers ist genial. Denkste, Van Morrison hängt die hohe Latte noch etwas höher.
Das Album startet laut mit Broken Record. Ich hab den Song laut, ganz laut aufgedreht und bin durch die Hütte geswingt (hoffentlich hat mich keiner gesehen, aber es tat wirklich gut). Der alte Mann weiß noch, wie es geht mit der Musik.
Beim Anhören von Versatile habe ich mich an Morrisons Kollegen Dylan erinnert gefühlt. Er hatte in seinen jüngsten offiziellen Veröffentlichungen das American Songbook durchgearbeitet und Van Morrison folgt seinem Freund Dylan und interpretiert Sinatra auf seine Weise. Vielseitig ist der Mann und seine Musik, daher auch der Albumtitel Versatile. Morrison ist ein Sturschädel und wer eine schöne Jazz-Stimme erwartet, der wird enttäuscht. Morrison passt sich keinem Geschmack an, sondern zieht wie immer sein Ding durch. Vielleicht ist nicht alles schön, was der großartige Eigenbrödler macht, aber es ist auf jeden Fall authentisch. Er macht, was ihm gefällt – und wenn ich ehrlich bin, das gefällt mir auch. Versatile ist kein Album zum Stillsitzen, sondern mir geht dieser Jazz in die Beine und ich will mich bewegen. Und das geht sogar auch ohne die prägende Stimme des Meisters. Das Lied „Skye Boat Song“, ist eigentlich ein schottisches Volkslied und dann kommt Van the Man daher und macht Swingjazz daraus – das ist Können.