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Universalkünstler Wenzel Hablik und seine expressionistischen Utopien

11. Januar 2018
Der Weg zur Südseite des Martin Gropius Baus zur Installation Unterton.

Der Weg zur Südseite des Martin Gropius Baus zur Installation Unterton.

Wer sich für den deutschen Expressionismus interessiert, der sollte sich sputen. Nur noch bis 14. Januar 2018 ist im Berliner Martin Groupius Bau die absolut sehenswerte Ausstellung über Wenzel Hablik zu sehen. Bei einem Kurztripp nach Berlin bin ich eingetaucht in die expressionistischen Utopien von Wenzel Hablik. Leider war es untersagt Fotos von der Ausstellung zu machen und die Museumsleitung vergibt sich damit die Chance, die breite Öffentlichkeit auf die Ausstellung aufmerksam zu machen. Das ist schade, denn Kunst muss raus dem Elfenbeinturm zu den Menschen.


In den Ausstellungsräumen war bei meinem Besuch nicht viel los. So hatte ich Zeit, mich den ausgestellten Werke zu widmen. Zur Ausstellung ist auch ein ausgezeichneter Katalog Wenzel Hablik – Expressionistische Utopien bei Prestel erschienen. Wer war Wenzel Hablik? Bis zu der Ausstellung hatte ich von diesem Maler, Zeichner und Schreiner, Raumausstatter und Universalkünstler nichts gehört, aber ein Teil seiner Bilder waren mir vertraut. Ich habe seine Kristallpaläste als Jugendlicher als Illustration von Science Fiction-Romanen wahrgenommen und als ich nun das Veranstaltungsplakat zur Ausstellung sah, war klar: Da muss ich hin.
Und ich war fasziniert von dem Gesamtkunstwerk. Es schlug mich sofort in seinen Bann. Utopische Architekturentwürfe, expressionistisches Interieur, fantastische Farbwelten – all dies ist nur ein Teil des Werkes von Wenzel Hablik (1881–1934), der sich als Universalkünstler dem Gesamtkunstwerk verschrieb. Das Wort Universalkünstler passt bei ihm auf jeden Fall. Hablik gilt, so habe ich nachgelesen, als einer der wichtigen Vertreter der deutschen expressionistischen Architektur- und Gestaltungsavantgarde. Es ist die erste umfassende Einzelausstellung seines Werkes in Berlin und daher muss man die Ausstellung eigentlich gesehen haben.


Im Mittelpunkt der Berliner Ausstellung im Martin Gropius Bau stehen seine Architekturvisionen und sein 1923 farbig gestaltetes Meisterwerk eines Raumkonzepts als Rekonstruktion. Sie werden durch die Präsentation von Malerei und Design ergänzt, denn erst in der Kombination wird der Grundgedanke des Gesamtkunstwerkes, wie Hablik es verfolgte, nachvollziehbar. Das alles machte mich neugierig.
Die Ausstellung ist didaktisch gut aufgebaut. Von Raum zu Raum wird die Entwicklung des Künstlers deutlicher. Beeinflusst durch seine Studienzeit an der Wiener Kunstgewerbeschule und der Kunstakademie in Prag lässt sich seine Entwicklung vom Jugendstil über den Expressionismus und die farbbegeisterten frühen 1920er-Jahre bis hin zur Neuen Sachlichkeit nachvollziehen. Mein erster großer Stop waren die Kristallbilder. Aus seiner Liebe zu den Bergen schuf Hablik fantastische Welten. Hier kamen sofort die Erinnerungen an meine Jugend wieder hoch.
Als Hablik auf seinen Reisen einst alleine den Mont Blanc bestieg und dann 1906 den Sonnenuntergang über den Bergmassiv malte, war ich fasziniert. Hablik hatte mich mit seiner Kunst gefangen und ich wusste, dass die Ausstellung für mich länger dauern würde.
Ich will jetzt nicht Bild für Bild beschreiben, dazu gibt es den Katalog. Lasst mich ein paar Highlights herausheben: Wellen, Gewitter – dann blieb ich an dem Bilderzyklus Schaffende Krähe hängen und sinnierte über den Ausspruch „Der Mann, der Raum, zwei Ewigkeiten.“ 1909 und 1913 kamen Bilder des Sternenhimmels hinzu.


Dass Wenzel Hablik aber auch ein zerrissener Künstler war, zeigte sich 1913 mit dem Bild Woher – Wohin. Im Grunde ist es eine Hommage an Auguste Rodins Der Denker. Hablik schafft es, seine Selbstzweifel visuell darzustellen.
Dann kam der große Krieg, der erste Weltkrieg. Wie alle Künstler, die an diesem Irrsinn teilgenommen haben, musste er es verarbeiten. Er tat es mit einem gewalttätigen Bild Zerstörung aus dem Jahre 1917. Expressionistische Explosionen, Farben und Formen zerbersten. Als ich das Bild gesehen hatte, versetzte es mir einen Schock, wie kraftvoll sich hier die Bildsprache entlädt. Ruhiger ging es dann 1921 bei der Architekturlandschaft und 1924 bei der freitragenden Kuppel zu.
Und dann kam für mich der Höhepunkt der Ausstellung: Wenzel Hablik entwarf komplette Räume. Farben und geometrische Formen überall. Im Martin Gropius Bau wurde das Esszimmer Habliks nachgebaut. Hier verschlug es mir die Sprache. Obwohl es untersagt war, ein Foto zu machen, schoss ich ein 360 Grad Bild, um meiner Frau einen Eindruck von diesem Gesamtkunstwerk zu geben.


Es kam damals einer kleinen Sensation gleich, dass das farbige Raumkonzept eines von Wenzel Hablik 1923 gestalteten Esszimmers 80 Jahre weitgehend unbeschadet überstanden hat. Bunt und in streng geometrischen Formen vom Boden bis zur Decke gestaltete er damals das Speisezimmer seiner Villa in Itzehoe. 1933 ließ er es unter neutralen Tapeten verbergen. 2013 wurden die wertvollen Malereien freigelegt. Eine Rekonstruktion dieses Kunstwerks ist im Martin Gropius Bau noch bis 14. Januar 2018 zu sehen. Oder zumindest den Katalog Wenzel Hablik – Expressionistische Utopien kaufen.

Vor 27 Jahren gestorben: Andy Warhol

22. Februar 2014

warhol

Heute vor 27 Jahren starb der Künstler Andy Warhol. Den meisten ist Warhol als Pop Art-Künstler bekannt, die Suppendose von Campell’s oder die Farbvariationen von Marilyn Monroe seien genannt. Andere kennen Warhol als Filmer oder Musiker, wie beispielsweise als Protegé für die genialen Velvet Underground. Ich möchte heute an den Grafiker und Zeitungsdesigner Warhol erinnern. Das Buch Warhol: Headlines vom Presel-Verlag zeigt die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Massenmedien.

In einem Vor-digitalen-Zeitalter war Warhol mit Schere und Kleber zu Gange. Das Buch zeigt 80 Arbeiten des Künstlers, die von damaligen Boulevardzeitungen und anderen Massenmedien beeinflusst sind. Ich denke, vor allem der Boulevard-Journalismus der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hat es Warhol angetan. In den Warhol-Exponaten, darunter Gemälde, Zeichnungen, Drucke, Fotografien, Skulpturen und Videos, geht es um Sensationslust. Zeitungsausschnitte, Fotos, Schnipsel wurden verwendet und von Warhol neu interpretiert. – beleuchten seinen einprägsamen Umgang mit der Sensationslust zeitgenössischer Medien. Andy Warhol, der als einer der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts gilt, konzentrierte sich vor allem in den 1960er-Jahren auf triviale Sujets der Popkultur, sammelte Zeitungsausschnitte sowie Pressebilder aus Tageszeitschriften, Kinoheften und Flugblättern. Die Beschäftigung mit den Printmedien nimmt eine herausragende Stellung in seinem Schaffen ein und wird jetzt erstmals umfassend und gebührend gewürdigt.

Autorin Molly Donovan ist Kuratorin der Modern and Contemporary Art an der National Gallery of Art in Washingtonon. Sie hat ganze Arbeit geleistet und erstmals alle Arbeiten in den Buch Warhol: Headlines zusammengefasst, die von Zeitungen und Massenmedien beeinflusst sind. Von Februar bis Mai 2012 war eine Ausstellung im Frankfurter Museum für moderne Kunst zu sehen, zu der dieses Buch auf Deutsch erschien. Ich bekam das Buch leider jetzt erst zum 27. Todestag des Künstlers in die Hände. Leider habe ich die Ausstellung nicht gesehen, was mich im Nachhinein ärgert. Warhol hat mir immer Anregungen gegeben, obwohl mir vieles nicht gefallen hat. Filme und Musik waren immer eine Provokation und es waren sicherlich seine vorliegenden Arbeiten über die Massenmedien auch. Das Buch befasst sich intensiv mit den Zeitungsallegorien, den frühen Zeitungsbildern, die Film-, Fernseh- und Videowelten sowie die Scrapbooks von Warhol. Ausführlich werden die Arbeiten von fachkundigen Kunstprofessoren besprochen und analysiert und interpretiert. Auch hier stimme ich nicht mit allen Interpretationen überein, dennoch lasse ich mich auf die Kunst von Warhol immer wieder aufs neue ein.

Schade lieber Warhol, dass du so früh von uns gegangen bist. Was hättest du heute mit den digitalen Medien machen können?