Karnevalist aus Unterfranken: Peter Kuhn

20. Juli 2022
Peter Kuhn

Die erfolgreichste Sendung im Bayerischen Fernsehen ist nicht der Nockherberg und kommt nicht aus Oberbayern. Der Zuschauermagnet kommt aus Unterfranken mit der Sendung Fastnacht in Franken. Das Quotenhighlight ist wichtig für die bayerische Politik und Gesellschaft. Der Marktanteil Bayern liegt bei 40,6 Prozent, bundesweit 10,4 Prozent.
Ich geb es zu, dass mir dieser Humor nicht liegt und ich die Star der Fastnacht nicht so richtig auf dem Schirm habe. Daher war es sehr schön, dass mir der Münchener Verein bei einer Sitzung in Würzburg einen Karnevalisten näher gebracht hat: Peter Kuhn

Der Karnevalist steht recht.

Peter Kuhn tritt seit 1991 als Büttenredner bei der Fastnachtsgesellschaft „Schwarze Elf Schweinfurt“ auf. Überregional bekannt wurde er durch seine alljährliche Mitwirkung in der Sendung „Fastnacht in Franken“ des Bayerischen Rundfunks. Seine Büttenreden sind politischer und gesellschaftskritischer Art und zeichnen sich durch ein gehobenes Niveau, viele Anspielungen und Doppeldeutigkeiten in den stets gereimten Vorträgen aus.

Bei seinem Auftritt bei der Veranstaltung des Münchener Verein zeigte er rund 15 Minuten eine hervorragende Kostprobe seiner Kunst, die auf den Versicherungskonzern zugeschnitten war. Dabei sprach Kuhn die Probleme im Handwerk sehr deutlich an und nahm seinen Kunden die Versicherungsgruppe kritisch auf dem Arm.

Adam und Eva von Tilman Riemenschneider an der Marienkapelle Würzburg

19. Juli 2022

Wer nach Würzburg kommt, der stellt vor allem fest: Diese Stadt hat Kirchen, ganz viele Kirchen. Eine Besonderheit ist hier die Marienkapelle. Es ist eine bürgerliche Kirche, das bedeutet, sie wurde von einem aufstrebenden Bürgertum in Auftrag gegeben und nicht von der Kirche.

Daher ist der gotischer Kirchenbau auch nur eine Kapelle. Trotz ihrer Größe ist sie kirchenrechtlich eine Kapelle, da der von der Bürgerschaft errichtete Bau nicht mit pfarrkirchlichen Rechten ausgestattet wurde. Die Architektur der rot-weißen Marienkapelle ist eine hauptsächlich in der Spätgotik verbreitete Mischform zwischen Basilika und Hallenkirche. Die Kirche steht auf den Ruinen der ehemaligen Synagoge, nachdem die Würzburger die Juden im Mittelalter aus der Stadt vertrieben haben und ein Pogrom an der jüdischen Bevölkerung verübten.

Interessant für mich war das Südportal am Marktplatz. Dort sind die zwölf Apostel aus der Werkstatt von Tilman Riemenschneider zu sehen. Der Meister selbst schuf die beiden Figuren Adam und Eva – die Originale sind heute in der Veste Marienberg im Museum für Franken.

Und eben diese Figuren Adam und Eva sind kunstgeschichtlich etwas Besonderes. Es werden nackte junge und unsichere Figuren gezeigt. Nicht wie sonst im Mittelalter ein Adam mit langem Bart und in Fell gekleidet. Die Sandsteinfiguren Adam und Eva am Südportal sind heute Kopien des Werks von Tilman Riemenschneider, der 1490 vom Stadtrat einen der letzten großen Aufträge in der Tradition der Kathedralskulptur erhielt. Der Stadtrat forderte von ihm eine „meysterliche“, sprich eigenhändige Fertigung.

Die Mühsal des irdischen Lebens sieht man den Figuren Adams und Evas von Tilman Riemenschneider nicht an. „Jugendlich und unschuldig erscheinen sie, weich modelliert, mit sanftmütigen, von gelockter Haarpracht gerahmten Gesichtern und labilen Stand wirken sie wie aus einer anderen Welt“, so das Museum für Franken. Die Aktfiguren sind nicht anatomisch korrekt gestaltet, es sind Idealgestalten. Es sind auch Bauchnabel vorhanden, was natürlich der Bibel widerspricht. Adam aus Lehm geschaffen und Eva aus der Rippe Adams geschaffen.

Bürgerspital Würzburg: Der älteste Wein der Welt

18. Juli 2022

Eine besondere Atmosphäre haben Weinkeller für mich. In Oberbayern kenne ich Gewölbe, die von den Mönchen zum Kühlen des Bieres genutzt wurden, aber mit den Weinkellern Frankens bin ich weniger vertraut. Daher war es wieder ein Erlebnis den einzigartigen Weinkeller des Bürgerspitals zu durchstreifen und die Atmosphäre der Holzfässer zu genießen, die Reihe an Reihe stehen. Und eine besonderes Erlebnis: ein Blick in die drei Schatzkammern des Weingutes mit dem ältesten Wein der Welt von dem bekannt ist, wo die Reben geerntet wurden. Ich habe ein paar VR 360 Filme gedreht, die den Rundgang durch den Weinkeller zeigen.

Die allerheiligste Schatzkammer
In der Schatzkammer des Bürgerspitals werden Weine aus allen Jahrgängen und wichtigen Weinlagen der verschiedenen Rebsorten und Qualitätsstufen in kleinen Mengen gelagert. Anhand dieser Weine soll der Reifeprozess und die Haltbarkeit über längere Zeiträume beobachtet werden. Einzelne Spezialitäten und Raritäten, die auch Sammlerwert haben, werden zu gegebener Zeit zur Versteigerung gebracht.

Leider ist die Schatzkammer 1945 nach der Zerstörung Würzburgs geplündert worden. Ein lückenloser Bestand ist erst ab dem Jahrgang 1958 vorhanden. Die ältesten Weine des Bürgerspitals stammen aus den Jahren 1893, 1909, 1911, 1926. Sie sind in Weinregalen liegend gelagert und mit Zellophan umwickelt, damit sich das Etikett nicht löst. Der optische Zauber von verstaubten Weinflaschen wie in Schauerfilmen gibt es nicht, denn wenn sich das Etikett auf der Flasche löst, dann wird die Datierung schwierig.

Der älteste Wein der Welt
Der älteste Wein der Welt von dem bekannt ist, wo er geerntet wurde, ruht hinter Panzerglas in der Schatzkammer des Bürgerspitals – ein 1540er Würzburger Stein. Dieser Wein aus der Zeit Shakespeares, Kaiser Karl V. und des Reformators Martin Luther gilt bis heute als sogenannter Jahrtausendwein. Er ist als der „allerrareste und kostbarste Wein in diesem Seculo“ in die Geschichte eingegangen.

Im Jahre 1961 wurde im Rahmen einer Raritätenprobe in London die damals noch zweite vorhandene Flasche dieses Weines von dem großen Weinkenner und Autor Hugh Johnson verkostet. Der Johnson ist die Bibel für Weinliebhaber. Johnson berichtet: „Die zur Zelt älteste Flasche Wein, die je mit Genuss getrunken wurde – sie war 421 Jahre alt – es war ein Steinwein, also ein Wein aus der stellen Lage Stein oberhalb von Würzburg, der schönen Barockstadt am Main.“

Und wie schmeckte der Wein?
Wie war er nun, dieser über 400jährige Wein? Johnson beschreibt ihn so: „der 1540er Würzburger Stein war noch lebendig, Nichts hatte mir bis dahin so klar vor Augen geführt, dass Wein wahrhaftig ein lebendiger Organismus ist, denn diese braune madeiraähnliche Flüssigkeit vor mir hielt noch immer die aktiven Lebenselemente in sich fest, die sie von der Sonne jenes längst vergangenen Sommers in sich aufgenommen hatte.
Auf nur schwer fassbare Weise ließ dieser Wein sogar seinen deutschen Ursprung ahnen. Etwa zwel Schluck konnten wir von der jahrhundertealten Substanz nehmen, ehe sie durch die
Berührung mit der Luft verging, ihren Geist aufgab …“ Wunderbare Zeilen, wie ich meine, die den Zauber eine Raritätenverkostung beschreiben.

Dieser 1540er Wein ist neben vier weiteren Weinen und einem Champagner aus den Jahren 1822, 1857, 1921 eine Dauerleihgabe von Henry G. Simon, der aus einer alten Weinhandelsfamilie aus Wiesbaden stammt.

Modernes Unternehmen
Natürlich gibt es in dem Weinkeller neben dem historischen Teil mit alten Eichenfässern auch einen moderne Abteilung mit Stahlbehältern. Auch sie haben eine Atmosphäre, allerdings weniger romantisch als vielmehr technisch. Schließlich ist das Bürgerspital ein moderner Weinbaubetrieb mit zeitgemäßen Onlinehandel.

Bürgerspital Weingut
Ein Erlebnis war für mich der Rundgang in den romantischen Kellergewölben des Bürgerspitals. Es ist einer der größten Holzfasskeller Deutschlands. Das Bürgerspital Weingut in Würzburg ist ein modernes, der Qualität und Tradition verpflichtetes, 700 Jahre altes Spitzenweingut in Franken. Auf 120 Hektar Rebfläche werden in erster Linie die klassischen Rebsorten Riesling, Silvaner und Burgunder angebaut und in Bocksbeutel gefüllt. Wertvollster Schatz sind die einzigartigen Weinlagen, allen voran der Würzburger Stein und die Stein-Harfe. Das Weingut selbst ist Teil der Stiftung Bürgerspital zum Hl. Geist, deren ursprünglicher Stiftungszweck, die Pflege von Bedürftigen, bis heute fortgeführt wird. Mit jeder verkauften Flasche Wein wird dieses soziale Engagement unterstützt.
Ich durfte die Tour durch den Weinkeller auf Einladung des Münchener Vereins machen.

18,9 Millionen Euro für ein Fass Ardbeg Whisky

17. Juli 2022

Ich will es gleich mal klarstellen: Ich war es nicht und hab damit nix zu tun. Aber ich würde so gerne mal ein Glas davon kosten. Ein Fass Ardbeg Islay Single Malt Scotch Whisky aus dem Jahr 1975, das zwei Destillerie-Schließungen überstand, ist an eine private Sammlerin in Asien für 16 Millionen Pfund (ca. 18,9 Millionen Euro) verkauft worden.

Foto: Ardbeg

Das „Cask No. 3“ ist die älteste Abfüllung von Ardbeg bislang und so kostbar, da die Destillerie in den 1970ern Jahren nur wenigen Single Malt herstellte. In den 1980ern und 1990ern Jahren war Ardbeg die meiste Zeit komplett geschlossen. Vom bekannten Whiskyexperten Charles MacLean als ein „bemerkenswertes Stück flüssiger Geschichte“ beschrieben, wird das Cask No. 3 in den nächsten fünf Jahren für die Sammlerin in Flaschen teilabgefüllt. Damit entsteht eine vertikale Sammlung gereifter Ardbegs, nicht wiederholbar für mindestens ein Jahrzehnt. Mit einer Spende von 1 Mio. Pfund (ca. 1,18 Mio.€) für mildtätige Zwecke an die Kommune der Insel Islay, der Heimat von Ardbeg, honoriert die Destillerie die fünfzigjährige Geduld und die Generationen der Destillerie-Mitarbeiter hinter dieser äußerst raren Abfüllung.

Foto: Ardeg

Der Verkauf des Cask No. 3 übertrifft bei weitem alle bisherigen Auktionsrekorde für ein Single Malt-Fass. Trotz ihrer Berühmtheit für die rauchigsten und meistprämierten Whiskys war der Weg der Destillerie oft turbulent. In den 1970ern Jahren wurde der größte Teil des erzeugten Whiskys an die Blending-Industrie verkauft und nur ein kleiner Teil für Single Malt Abfüllungen reserviert. Entsprechend rar sind die Bestände aus diesem Jahrzehnt. In den 1980ern Jahren war die Destillerie überwiegend geschlossen und die Zukunft von Ardbeg hing in der Schwebe. Wiedereröffnet und im Jahr 1996 erneut geschlossen, dachten viele, dass dies es für immer sei. Im folgenden Jahr wurde die Destillerie vor dem Aus gerettet und hat sich seitdem stetig weiterentwickelt. Heute hat Ardbeg viele glühende Anhänger, unzählige Preise gewonnen und wird in den renommiertesten Bars der Welt genossen. Doch die dunkelsten Tage von Ardbeg sind seinen Fans auch heute noch sehr bewusst.

Foto: Ardbeg

Vorstandsvorsitzender Thomas Moradpour sagt laut Pressemitteilung: „Dieser Verkauf erfüllt die gesamte Ardbeg Community, die unseren Weg begleitet, mit großem Stolz. Vor 25 Jahren stand Ardbeg kurz vor dem Zusammenbruch und heute zählen die Abfüllungen zu den begehrtesten Whiskys der Welt. Ein Ergebnis harter Arbeit mehrerer Generationen: Von den Stillmen an den Brennblasen, die unsere rauchigen Destillate herstellen, über die Mitarbeiter in den Warehouses, die die Fässer über Jahrzehnte pflegen, bis hin zu den Teams in aller Welt, die den Ruf unseres Whiskys bei Fans, Bartendern und Sammlern pflegen.“
Der rauchige, ausgewogene Single Malt des Cask No. 3 wurde am Dienstag, dem 25. November 1975 destilliert – damals mälzte Ardbeg seine Gerste noch vor Ort – und in ein Bourbon- und ein Oloroso-Sherry-Fass abgefüllt. Über 38 Jahre hinweg reiften die beiden Fässer im Ardbeg Warehouse unter aufmerksamer Kontrolle mehrerer Generationen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Am 31. März 2014 ließ Dr. Bill Lumsden, Ardbegs renommierter Director für Whisky-Kreation, beide Fässer vermählen, um einen noch außergewöhnlicheren Single Malt zu komponieren. Der Whisky reifte weiter in einem Single Refill Oloroso-Sherry-Fass, das nur geringste Holznoten abgab. Heute, mehr als 46 Jahre nach seiner Geburtsstunde, verströmt dieser Single Malt ein wahres Potpourri an Sherry- und Raucharomen sowie einen reichhaltigen, eleganten Geschmack.
Das Cask No. 3 wird für die neue Besitzerin in den kommenden fünf Jahren an einem sicheren Ort auf Islay weiterreifen. Jedes Jahr werden 88 Flaschen aus diesem Fass abgefüllt und bis zum Jahr 2026 erhält die Sammlerin eine einzigartige Reihe seltener Ardbegs aus dem Jahr 1975, die dann 46, 47, 48, 49 und 50 Jahre alt sein werden.
Experten sehen im Verkauf des Cask No. 3 einen weiteren Beweis für die besondere Anziehungskraft von Ardbeg und den Anlagewert von Single Malt Scotch generell. Charles MacLean, der Autor und international bekannte Whisky-Experte lobt die herausragende Qualität des Cask No. 3: „Dieser wirklich einzigartige Whisky ist ein bemerkenswertes Stück flüssiger Geschichte – eine eindrucksvolle Kostprobe aus einer Zeit, als Ardbeg seine Gerste noch selbst mälzte. Viele alte Whiskys können an Geschmack verlieren im Laufe der Jahre. Das Cask No. 3 hingegen ist ein wirklich wunderschöner Whisky. Er ist sehr komplex und auch nach fast einem halben Jahrhundert noch sehr lebendig.“
Zur Faszination von Ardbeg für Sammler meint er: „Es gibt drei Faktoren, die einen bestimmten Whisky als Anlage interessant machen: Seltenheit, Geschmack und Besonderheit. Sammler lieben schottischen Whisky aufgrund seiner Herkunft und Geschichte, zudem besteht großes Interesse an rauchigen Islay-Whiskys. Und Ardbeg ist besonders rar – es gibt einfach kaum mehr Abfüllungen aus dieser Zeit.“
Becky Paskin, Whisky-Expertin und Gründerin von OurWhisky, sagt, dass die Begehrlichkeit von Ardbeg noch gewachsen ist: „Das Cask No. 3 ist zweifellos faszinierend, nicht nur aufgrund seiner Rarität. Es stammt aus einer Destillerie, die den Ruf hat, hervorragende Abfüllungen zu erschaffen, weltweit Kultstatus genießt und einen festen Platz in den Herzen der Whiskyliebhaber einnimmt. Ardbeg zählt zu den wenigen Destillerien in Schottland mit Vermächtnis, Geschichte und Charme, die solch ein seltenes Fass für diesen Preis verkaufen können. Das Faszinierende ist, dass die Sammlerin nicht einfach ein Ardbeg-Fass kauft, sondern eine vertikale Reihe, die in den nächsten fünf Jahren weiterreift und sich entwickelt. Das ist eine seltene Gelegenheit, die Entwicklung eines Fasses im Laufe der Zeit zu beobachten.“

Raritäten-Whiskys
Raritäten-Whiskys sind in den vergangenen Jahren für Investoren immer beliebter geworden. Andrew Shirley, Herausgeber des renommierten Knight Frank Wealth Report, sagt: „In den vergangenen zehn Jahren ist seltener Whisky die Anlageklasse mit der höchsten Wertentwicklung in unserem Luxury Investment Index gewesen. Unser Index mit Auktionsergebnissen rarer Flaschen verzeichnete in den letzten 10 Jahren einen Wertzuwachs von 428 Prozent, allein im vergangenen Jahr 9 Prozent. Diese Rekordsumme für ein verkauftes Fass hat eine sehr interessante neue Höchstmarke gesetzt, auch wenn der äquivalente Preis für eine Flasche – 36.000 Pfund (ca. 42.500€) mit Auktionsergebnissen von seltenen Flaschen gut vergleichbar ist.“ Wisst ihr was, ich trinke meinen Whisky in erster Linie und stell ich nicht in den Tresor.

Wenn ein Toter mit dir aus Amazon Echo spricht

15. Juli 2022

Bei uns zu Hause stehen in verschiedenen Zimmern Amazon Echo Geräte unterschiedlicher Generationen, im Volksmund Alexa genannt. Im Moment haben wir eine weibliche Stimme eingestellt mit der Alexa spricht. So weit so gut.

Im Moment schaut nur Kater Atari aus dem Echo raus, aber was wäre wenn …

Nun geht Amazon einen Schritt weiter. Amazon verleiht seiner Sprach­assistentin Alexa nun auf Wunsch nun die Stimme Verstorbener. Wie gerne würde ich die Stimme meines verstorbenen Vaters hören. Wenn ich eine Minute Ton hätte, dann könnte die neue Technik von Amazon helfen. Alexa-Forschungschef Rohit Prasad präsentierte vor kurzem ein neues Feature, bei dem Alexa einem Kind mit der Stimme der verstorbenen Groß­mutter ein Märchen vorliest. Dazu gibt es ein Video. Dafür habe weniger als eine Minute Aufnahmen der Verstorbenen als Trainings­material gereicht. So weit so gut.

Jetzt kommt ein Gedankenexperiment: Ich vermisse meinen Vater und ich habe von meinen Vater eine Audioaufnahme und füttere damit mein Amazon Echo System. Alexa spricht damit mit der Stimme meines Vaters. Ich kann also – theoretisch – Gespräche mit meinen verstorbenen Vater Gespräche führen, weil Alexa die Sprache meine Vaters angenommen hat und auf meine Anfrage spricht. Gespenstisch.

Und jetzt wird es dramatisch. Was würde passieren, wenn ich nicht akzeptieren will, dass mein Vater verstorben ist und in einer Scheinwelt lebe, täglich mit seinen Fotos an der Wand spreche. Wenn ich bei meinem Echo Show nun das Bild meines Vaters einblende und das Echo Show Gerät mit der Stimme meines Vaters sprechen lasse, bekomme ich dann einen Knacks?

Analog kann man natürlich statt Vater, die beste Freundin, den Bruder usw einsetzen – wie gesagt, es ist ein Gedankenexperiment.

Solarpanels für meine (kleine) Energiewende

14. Juli 2022

Das Thema Energieversorgung beschäftigt uns alle. Im Moment prüfen wir innerhalb der Familie die Anschaffung einer Solaranlage. Ein Kunde von mir hat die Umrüstung für seinen Betrieb fast hinter sich.

Abseits der großen politischen Diskussionen glaube ich, dass wir unser Leben verändern müssen und Veränderung ist schwer. Ein „Weiter so“ halte ich für falsch. Und so taste ich mich langsam vor. Ich habe mir beim Amazon Prime Day ein System von EcoFlow bestellt, was in den nächsten Tagen eintreffen wird. Die EcoFlow-Powerstation soll mit ihren Solarpanels für den notwendigen Strom für MacBook Pro, iPads, iPhones und eBook-Reader in der Familie sorgen. Wir wollen auf diese Gerätschaften nicht verzichten und ich suche eine Möglichkeit wenigstens einen kleinen Teil der persönlichen Energiewende beizutragen. Kleine Schritte, denn Veränderung beginnt bei der eigenen Person.

Links Anker, rechts BigBlue.

Bis wir uns für die große Solaranlage entschieden haben und das EcoFlow-System läuft, spiele ich seit Wochen mit Solarpanels herum, um die verschiedenen Powerbanks im Hause aufzuladen. Diese Powerbanks versorgen im Moment einige elektronische Geräte im Haushalt. Es funktioniert, weil die Sonne gerade richtig Power liefert und ich ein Kreislaufsystem mit meinen Powerbanks entwickelt habe – und die Familie damit nerve.

Ich probierte zwei Solarpanels für die Powerbanks aus: Das waren von Anker PowerSolar 24W 3-Port USB Solarladegerät und das BigBlue 28W Tragbar Solarladegerät 2-Port USB.

Parsifal ist skeptisch.

Ich bin ein Fan des chinesischen Herstellers Anker und habe zahlreiche Produkte aus dem Hause. Allerdings war ich vom Anker PowerSolar 24W nicht überzeugt. Zwar verfügt das Teil über drei USB-Anschlüsse und kann damit drei Powerbanks laden. Allerdings machte mir die Überhitzung des Geräts einen Strich durch die Rechnung. Das erste Panel gab nach einem Tag Arbeit aufgrund von Überhitzung den Geist auf. Der sehr freundliche und kompetente Support von Anker schickte mir sofort ein Ersatzgerät zu, was allerdings am zweiten Arbeitstag wieder aufgrund Überhitzung seinen Dienst einstellte. Schade, aber ein Solarpanel, das nicht lädt, bringt nichts. Also ging das PowerSolar 24W 3-Port USB Solarladegerät zurück an Amazon/Anker. Vielleicht haben andere User bessere Erfahrungen.

Deutlich besser schlägt sich seit Wochen das BigBlue 28W Tragbar Solarladegerät. Es hat zwar nur zwei USB-Schnittstellen für die Powerbanks, macht aber bisher keine Probleme. Das Produkt hat ein digitales Amperemeter, das die Menge an Ampere anzeigt und einen inneren Chip, der eine stabile Ladung sicherstellt. Laut Hersteller wandeln die Solarzellen bis zu 21,5% bis 24% der Sonnenenergie in Strom um. Es kann maximal 5V/4A bei zwei Ports ausgeben. Ich habe das alles nicht nachgemessen. Ich stelle nur fest: Das System funktioniert bei Sonneneinstrahlung. Ich hatte keine Ausfälle. Am Gerät ist eine Tasche mit Reißverschluss, um Powerbanks oder Smartphones zu verstauen. Darauf verzichte ich und habe lieber längere USB-Kabel besorgt und meine Powerbanks außerhalb der Sonneneinstrahlung verstaut. In der Sonne werden trotz netten Täschchens die Powerbanks zu heiß.

Das nächst größere Gerät ist das BigBlue 36W Solar Ladegerät PD20W mit mehreren Anschlüssen. Das sieht gut aus. Auf den Kauf habe ich aber verzichtet, weil ich ja künftig alles über das EcoFlow mit eigenen EcoFlow-Solarpanels laufen lassen will. Ich werde von meinen Erfahrungen berichten.

Ausstellung: Design für Olympia – Olympische Spiele 1972

13. Juli 2022

Zum 50. Jubiläum der Olympischen Spiele in München 1972 nimmt Die Neue Sammlung – The Design Museum Designentwicklungen für Olympische Spiele und Paralympics in den Fokus. Vor kurzem war die Vernissage von der Direktorin Angelika Nollert eröffnet. Die Ausstellung ist bis 3. Oktober zu besichtigen.

Als größte Sportereignisse der Welt sind die Spiele seit jeher Motor und Ziel von Innovationen. Nicht nur internationale Athleten konkurrierten miteinander. Die Hersteller von Sportgeräten versuchten sich in der Ausstattung der Sportler genauso zu übertreffen wie die austragenden Länder über die visuelle und architektonische Gestaltung der Spiele. Dabei werden die Spiele trotz ihrer Ursprungsidee als Botschafter der friedlichen, unpolitischen Völkerverständigung häufig zum Vehikel politischer und gesellschaftlicher Aussagen. Das zeigen die Spiele 1972 sehr deutlich. Als friedliche, farbenfrohe Spiele waren sie geplant, nachdem Olympia 1936 unter dem faschistischen Naziregime stattfand. Diese Unterschiede sieht der Besucher auch im Design und in den Farben.

Die Ausstellung „Design für Olympia“ will die vielfältigen Verflechtungen von Design und Olympia abbilden. Die Olympischen Spiele in München 1972 mit ihrem zukunftsweisenden Erscheinungsbild von Otl Aicher sind dabei Ausgangspunkt für Betrachtungen zu vorherigen und nachfolgenden Spielen. Otl Aicher war genau der richtige Mann dafür. Nachdem er mit der Schwester von Sophie Scholl verheiratet war, zeigte er mit seinem Designteam auf der einen Seite die strengen Richtlinen, auf der anderen Seite die Fröhlichkeit der Spiele. Für mich ist Otl Aicher ein wahrer Designgott.

Die Ausstellung zeigt, wie sich Ideenreichtum und Innovationsgeist im Design für die Olympischen und Paralympischen Spiele spiegeln und welche Werte und Ziele in der Gestaltung für Olympia zum Ausdruck kommen. Der Fortschritt spielt hier eine ebenso große Rolle wie die politische Agenda, Nachhaltigkeit und Inklusion. Mit diesem Fokus auf das Design der Olympischen Spiele und seine historische Entwicklung setzt Die Neue Sammlung einen wichtigen und einzigarten Akzent in der politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit Olympia im Jubiläumsjahr 2022.

So nimmt die Ausstellung ganz bewusst die Olympischen und Paralympischen Spiele gemeinsam in den Blick und zeigt anhand von Maskottchen, Medaillen, Plakaten und Sportgeräten, wie sich diese beiden Wettbewerbe aus sehr unterschiedlichen Startbedingungen langsam einander annähern. Sportgeräte aus hundert Jahren, von Boxhandschuhen der Spiele in Paris 1924 bis zum Mountainbike der Spiele in Tokio 2021 zeugen ebenso von der Veränderung der Sportgeräte wie der Sportarten. Welche Disziplinen bei den Spielen vertreten sind, ist ein Spiegel der Wechselbeziehungen zwischen Amateur- und Profisport.

Olympia-Waldi als Maskottchen
Und Olympia 1972 ist für mich vor allem der Olympia-Waldi. Als 1970 der Olympia-Waldi als offizielles Maskottchen der Olympischen Spiele 1972 in München vorgestellt wurde, war die Begeisterung für den gestreiften Dackel nahezu grenzenlos. Auf dem Markt erschienen schnell verschiedenste Nachahmungen, die ohne Lizenz produziert wurden. So entstanden zahlreiche Ausführungen, die kleine oder größere Unterschiede zum Original aufweisen, am häufigsten sind Abweichungen in der Form und in der Farbigkeit. Und ich muss zugeben, ich finde meinen Waldi von damals nicht mehr.

Olympia-Waldi als Maskottchen
Und Olympia 1972 ist für mich vor allem der Olympia-Waldi. Als 1970 der Olympia-Waldi als offizielles Maskottchen der Olympischen Spiele 1972 in München vorgestellt wurde, war die Begeisterung für den gestreiften Dackel nahezu grenzenlos. Auf dem Markt erschienen schnell verschiedenste Nachahmungen, die ohne Lizenz produziert wurden. So entstanden zahlreiche Ausführungen, die kleine oder größere Unterschiede zum Original aufweisen, am häufigsten sind Abweichungen in der Form und in der Farbigkeit. Und ich muss zugeben, ich finde meinen Waldi von damals nicht mehr.

Verbotene Bekleidung
Einzigartige Sportgeräte, wie ein Rennrollstuhl der Spiele in Rio 2016 oder der Monobobski der mehrfachen Paralympics-Siegerin Anna Schaffelhuber zeigen auf, welche Entwicklungen und Innovationen den Amateurbereich erst noch durchdringen müssen. Die Ausstellung zeigt auch Sportgeräte und -bekleidungen, die für den Wettkampf verboten oder nicht zugelassen wurden. Kopfbekleidungen wie die Badekappe Soul Cap, die speziell für voluminöses Haar entwickelt wurde, oder der eierförmige Helm der deutschen Bobmannschaft von 1976 zeugen vom Ringen um Gleichberechtigung und faire Normen im Sport und verweisen auf die politische Dimension des Sportgerätedesigns.

Die Plakate von Otl Aicher
An der großen historischen und thematischen Vielfalt an Plakaten in der Ausstellung lässt sich exemplarisch die Geschichte grafischer Gestaltung ablesen. Das erste offizielle Plakat Olympischer Spiele, das als seltenes Original von 1912 in der Ausstellung zu sehen sein wird, wurde von Olle Hjortsberg gestaltet, einem akademischen Maler und Mitglied der schwedischen Akademie der Künste. Mit Yūsaku Kamekuras Plakat der Olympischen Spiele in Tokio 1964 vollzog sich der Wandel hin zu einer minimalistischen, internationalen Formensprache des Grafikdesigns, deren Entwicklung bis in die Gegenwart verfolgt werden kann. Cho Young-Jaes Plakat für Seoul 1988 zeigt zum ersten Mal am Computer erzeugte grafische Elemente.
Und es sind die kompletten Plakate von Otl Aicher zu sehen. Gerne hätte ich ein Buch über diese Plakate. Im Katalog zur Ausstellung werden sie zwar abgebildet, aber zu klein.

Wegweisende Piktogramme
Ein besonderes Highlight der Ausstellung bildet die vollständige Serie an historischen Piktogrammen der Olympischen Spiele in Tokio 1964. Als im Original erhaltene Serie bilden sie einen in Europa einzigarten Sammlungsbestand, der mit großzügiger Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung für die Ausstellung restauriert werden konnte.

Neben diesen für die Spiele entstandenen Grafiken zeigt die Ausstellung auch Arbeiten der Protestbewegungen gegen Olympische Spiele und lädt so zur Auseinandersetzung mit einer kritischen Haltung gegenüber diesem Großsportereignis ein. Plakate, wie sie beispielweise der chinesisch-stämmige Gestalter Badiucao zu den Winterspielen in Peking 2022 gestaltet hat, spielen auf drastische Weise mit der Formensprache olympischer Plakate und bringen so gesellschaftskritische Themen in den Diskurs, die in der offiziellen Kommunikation der Spiele ausgeblendet werden.

Die richtigen Sitze
Über Grafiken und Sportgeräte hinaus präsentiert die Ausstellung auch Raumausstattungen und deren Entwürfe, die ebenfalls im Zuge der Olympischen Spiele entstanden sind. Zu ihnen gehört die Duscheinheit Nizza, die von Günther Eckert und Werner Wirsing für die Athletenunterkünfte der Spiele in München 1972 entworfen wurde, die ich im Grunde in vielen Hotels später wieder gesehen habe. Oder auch die Sitzschale für das Münchener Stadion, die in Kooperation mit Behnisch Architekten von der Arbeitsgruppe Ausstattung unter Nick Roericht entwickelt wurde. Gerade diese Sitze haben für mich eine persönliche Verbindung, nachdem ich im Olympiastadion viele Konzerte und ein paar Fußballspiele auf diesen Sitzen verbracht habe, ohne ihren Designaspekt zu würdigen.

Videospiele: Versoftungen von Filmen

6. Juli 2022

Als Retrogamer habe ich ein seltsames Hobby. Ich sammle Videospiele für das Atari 2600 mit Filmhintergrund. Da gibt es wunderbare Sachen wie King Kong, flammendes Inferno, Superman und natürlich Star Wars.

Aber ich blicke auch gerne in die Gegenwart von Versoftungen von Filmtiteln. Es stehen für mich zwei interessante Videospielversionen an: Der Herr der Ringe: Gollum und Texas Chainsaw Massacre

Am 1. September 2022 geht es wieder auf nach Mittelerde: Der Herr der Ringe: Gollum von Daedalic Entertainment und NACON erscheint für PC, PlayStation4, PlayStation5, Xbox One und Xbox Series X|S. Die Version für Nintendo Switch kommt später im Jahr. In Der Herr der Ringe: Gollum schlüpfen Spieler in die Rolle von Gollum, der auf der Suche nach seinem Schatz das Nebelgebirge verlässt. Um die Gefahren zu überleben, die ihn auf seiner Reise von Barad-dûr in den Düsterwald erwarten, muss Gollum schleichen, klettern und von all seinem Scharfsinn Gebrauch machen.

Auch sein Hobbit-Alter-Ego Sméagol ist mit von der Partie: Es liegt an den Spielern, ob sie in verzwickten Situationen lieber dem hinterlistigen Gollum oder dem freundlicheren Sméagol die Kontrolle überlassen.

Bei Texas Chainsaw Massacre ist der Erscheinungstermin noch unklar. Das Spiel von Gun, die Macher des Videospiels von Friday the 13th., haben einen Trailer mit Liebe zum Detail ins Netz gestellt.

Fans haben schon mal einen Vergleich zum 1974 erschienenen Film von Tope Hopper gezogen. Das zeigt die Detailbessenheit des Produktionsstudios Gun. Meine Bitte: Lasst euch Zeit und nehmt euch die Ruhe, damit das Spiel die Fans nicht enttäuscht.
Für mich ist Hoopers Film der Klassiker des Terrorfilms, der ein neues Zeitalter im Horrorfilm einläutete.

Meine Probleme mit „Die Nacht der reitenden Leichen“

5. Juli 2022

Zum spanischen Horrorfilm „Die Nacht der reitenden Leichen“ habe ich eine gespaltene Meinung. Zum einen finde ich die Idee und das Thema faszinierend innovativ und absolut grandios, zum anderen finde ich die Umsetzung absolut stümperhaft, das ich mich jedes Mal ärgere, wenn ich mir den Film aus dem Jahre 1971 anschaue.

Unter Freunden des Genres genießt der Film einen seltsamen Kultstatus. Diese Einschätzung kann und mag ich nicht teilen. Ein wenig talentierter Regisseur Amando de Ossorio, ein konfuses Drehbuch und Laienschauspieler sorgen dafür, dass ich regelmäßig Puls über die Umsetzung des überaus interessanten Stoffs habe. Der Film zog mehrere Teile nach sich, die aber eine ähnlich schlechte filmische Qualität haben, wie der erste Teil der Reihe. Amando de Ossorio blieb dem Horrorgenre treu, konnte aber keine wertvollen Beiträge zum Genre beisteuern. Ich bin ja wirklich kein Freund von Neuverfilmungen und bevorzuge im Grunde immer das Original, besonderes wenn es um Horror geht. Das war bei Omen, Carrie, Texas Chainsaw Massacre oder King Kong so, aber nicht bei der Nacht der reitenden Leichen. Dieses Vampirthema verdient eine gute Neuverfilmung.

Ich sah den Film vor Jahren auf einem Retro-Festvial und sah in den blutgierigen Templer eine interessante Vampir-Interpretation. Die Idee gefiel mir so gut, dass ich mir sogar ein Aushangfoto kaufte und aufging. Aber es war schon dahin mit der Logik, denn die geblendeten Templer sind nur noch als Skelette vorhanden, können aber seltsamerweise das Blut ihrer Opfer riechen. Der Film heißt im Original auch die Nacht des blinden Schreckens, also nix mit reitenden Leichen. Obwohl diese Szene mit den reitenden Templer sicherlich zu den eindrucksvollsten Szenen des Films gehört.

Mir wurde eine DVD-Box mit den vier Teilen geschenkt, die unglaublich geschnitten war, also Finger weg. Erst später kaufte ich mir in Österreich die ungeschnittene blutige Version auf DVD. Inzwischen ist der Film ja auch auf Bluray herausgekommen und ich warte auf ein entsprechendes Angebot, denn obwohl ich den Film nicht mag, werde ich mir die Bluray irgendwann kaufen.

Bis es soweit ist, habe ich mir die Comic-Ausgabe des Film gekauft. Die Auflage aus dem Hause Weissblech zeigt mir, dass das Thema und der Film weiterhin populär ist und seine Freunde hat. Ich mag den Comic, was vor allem daran liegt, dass ich hier nicht die Laienschauspieler unter einer durchschnittlichen Regie ertragen muss. Und es handelt sich um eine Adaption der spanischen Schnittfassung, die sich in einigen Szenen von der deutschen Filmversion unterscheidet.

Dracula im Film (26): Dracula 1931 von Tod Browning

4. Juli 2022

Wer ist der beste Dracula Darsteller? Ich denke, die Frage müsste besser lauten: Wer ist der beste Dracula-Darsteller für welche Generation? Nach Max Schreck in Murnaus Nosferatu kam bei Universal Belga Lugosi als Dracula zum Zuge und dufte unter der Regie von Tod Browning ins Kostüm des Grafen schlüpfen. Carl Laemmle jun. bekam von Papa und Universal Gründer grünes Licht und produzierte die Universal Monster-Klassiker: Dracula, Frankenstein, Wolfsmensch und die Mumie.

Ich liebe Lugosi als Dracula – allerdings nur, wenn man den Film im englischen Original ansieht. Der ungarische Emigrant Lugosi mit seinem Akzent spielt den Dracula einfach wunderbar, ganz ohne spitze Zähne, aber mit viel Erotik (was die Zeit damals so zuließ).

Allerdings war Lugosi nicht die erste Wahl, weil er zu sehr Theaterdarsteller in Dracula war. Der große Ausnahmedarsteller Lon Chaney senior sollte ursprünglich den Vampir spielen. Er war der Star der Stummfilmzeit – angemerkt sei nur sein Phantom der Oper und der leider verschollene London After Midnight. Damals spielte er unter der Regie von Tod Browning – leider ist er Film bis auf ein 200 Standbildern verschollen. Aber aus Dracula wurde nichts, weil Lon Chaney senior 1930 verstarb.

Kameramann Karl Freund schuf ikonenhafte Bilder des Gothic Horror. Vor allem im ersten Teil des Films waren die Kulissen des Schlosses eindrucksvoll und schauderhaft. Das Hereinschweben von Draculas Bräuten gehört für mich zu den besten Szenen der Filmgeschichte. Der zweite Teil des Films ist eher konventionell und abgefülltes Theater, aber die Szenen in Transsilvanien sind einfach großartig. Es kam eine 4K-Version des Films heraus, die optisch überarbeitet wird.

Dracula war übrigens die erste offizielle Verfilmung des Romans von Bram Stoker, die Filme davor waren im Grunde Urheberrechtsverletzungen. Der Film hatte einen unglaublichen Erfolg, dass es ein wenig später zu Draculas Tochter kam. Übrigens, die ersten Worte im Film sprach Carla Laemmle, die Nichte von Carl Laemmle.

Es gibt von Dracula auch eine spanische Fassung, die nachts in den Kulissen gedreht wurde. Es gab damals noch keine Synchronisationstechnik. Zudem ist sie 30 Minuten länger. Beide Versionen sind auf den Datenträgern zu sehen, wobei die spanische Version in einigen Teilen experimenteller in der Kameraführung ist. Zudem ist er etwas gewalttätiger. Es galt für die spanische Version nicht der strenge US-Sittenkodex. Der Graf wird von Carlos Villarías gespielt, Regie führte George Melford. Der Film war lange verschollen und wurde erst 1990 in Kuba wiederentdeckt.