Die Revolution ist in Bamberg ausgeblieben. So sehr hatte ich auf den Song Blind Willie McTell gehofft, den Altmeister Bob Dylan nach rund 120 Konzerten bei dem Vorgängerkonzert am 21. Juni in Tübingen gespielt hat. Am 23. Juni kam der Klassiker aus den Infidels-Sessions nicht vor. Aber das tat der Stimmung in der ausverkauften Brose-Arena in Bamberg keinen Abbruch.
Dylan verschlug es bei seiner Europa-Tour in die fränkische Provinz und lieferte eine gute, nein – eine sehr gute Show ab. Der Song-and-Dance-Man nahm uns Zuschauer auf eine musikalische Reise durch die amerikanische Musikkultur mit: Rock’n Roll, Country, Blues, sogar Walzer. Wie in den vergangenen Jahren gewohnt, lieferte er auch in Bamberg keine Best-of-Show ab. Natürlich waren ein paar Klassiker dabei, aber Dylan hätte mit einer klassischen Best-of-Show locker das Publikum unterhalten können, doch kein Rolling Stone, erst recht freilich kein Knocking On Heaven‘s Door. Dass er dies nicht macht, das wissen die Dylan-Fans und freuen sich auf Neuinterpretationen. So mancher Bamberger im fortgeschrittenen Alter schaute aber verständnislos, wenn er erst am Refrain einen Dylan-Song erkannte, nachdem ihn der Meister komplett umgebaut hat. Immer wieder Diskussionen in meiner Umgebung, welcher Song das nun sei. Meine Sitznachbarn waren zudem mehr damit beschäftigt, warum in der Brose-Arena Oettinger Bier ausgeschenkt wird und nicht ein Bier einer lokalen Brauerei. OMG, habt ihr Probleme!
Der Dylan-Shop im Vorraum.
Die Performance des 74jährigen Bob Dylan war in Bamberg ausgezeichnet. Stimmlich ist der Mann voll auf der Höhe seiner Songs. Wer während des Konzerts die Augen schloss und sich auf die Stimme von Dylan einließ, der empfand: Dieser Mann singt und spielt für mich, ganz allein für mich. Seine assoziative Lyrik steigt im Kopf auf und vermischt sich mit der unglaublich tiefen Musik. Und seine Band erst: Es ist ein hervorragendes eingespieltes Team. Hier stimmte jeder Ton, jeder Takt, jedes Solo, jede Note. Den Meister immer im Blick hatten Stu Kimball (Gitarre), Charlie Sextons (Gitarre), George Recile (Drums), Tony Garnier (Bass). Dylan selbst sang und spielte Mundharmonika und Klavier. Nach diesem Bühnensound muss Dylan lange gesucht haben. Wir haben schon viele Experimente von Dylan zu hören bekommen, dieser Sound gefällt mir. Er passt fantastisch zur Stimmung des Songwriters, der sich zuletzt mit Sinatra-Interpretationen in mein Herz gesungen hat. Die Pause gab es dann auch passend nach I’m a Fool to Want You. Autumn Leaves aus der Sinatra-Phase gab es dann eher gegen Ende des Konzerts und zeigt deutlich, in welcher Grundstimmung der Meister ist.
Am Ende gab es von den Franken das höchste Lob: Passt scho und ich sage auch: Vielen Dank your Bobness, bis zum nächsten Mal.
Hier die Setlist von Bamberg:
Things Have Changed
She Belongs To Me
Beyond Here Lies Nothin‘
Workingman’s Blues #2
Duquesne Whistle
Waiting For You
Pay In Blood
Tangled Up In Blue
I’m a Fool to Want You
High Water (For Charley Patton)
Simple Twist Of Fate
Early Roman Kings
Forgetful Heart
Spirit On The Water
Scarlet Town
Soon After Midnight
Long And Wasted Years
Autumn Leaves
Blowin‘ In The Wind
Love Sick
Die Nachricht kam am frühen Morgen über Twitter. William Shatner, seines Zeichens ehemaliger Captain Kirk, bedauerte, dass James Horner im Alter von 61 Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Nach dem Lesen des Tweets im Bett war ich sofort hellwach.
Um 6:22 Uhr erfuhr ich vom Tode Horner via Twitter durch William Shatner.
Als Soundtrack-Fan gehört James Horner zu meinen Helden. Es gibt die Helden des Olymp wie John Williams und Jerry Goldsmith. Und dann gibt es eine Ebene darunter, dazu gehört für mich der Komponist James Horner. Sofort hatte ich die Melodie seines sicherlich bekanntesten Werkes My Heart will go on aus Titanic im Ohr.
In den nächsten Stunden stellte sich heraus, dass die Meldung vom Tode des Komponisten wohl wahr war. Mehr und mehr Newsdienste verbreiteten die Meldung – Hollywood wurde durch das Fachblatt Variety vom Verlust des Komponisten informiert Mit seinem Kleinflugzeug stürzte Horner in Kalifornien ab. Das ist traurig. Die Welt der Filmmusik verliert damit wieder einen wichtigen Vertreter und einen begnadeten Komponisten.
Hollywood trauert.
Horner erhielt zwei Oscars für Titanic, was neben dem hörenswerten Braveheart wohl das kommerziell erfolgreiche Album ist.
Persönlich lernte ich James Horner 1983 durch seinen Soundtrack zu den Douglas Trumbull Project Brainstorm lieben. Der Film des Trickspezialisten Trumbull war zwar ein Flop, aber der letzte Film der wunderschönen Natalie Wood, die während der Dreharbeiten verstarb. Mit dem Film wurde ich zum ersten Mal mit der tonalen Filmmusik von Horner vertraut. Wochenlang suchte ich als Jugendlicher den Soundtrack und bestellte ihn schließlich kompliziert über den Schallplattenhandel in den USA – das war die Zeit lange vor dem Internet.
Als Star Trek-Fan liebte ich die Musik von Jerry Goldsmith und als 1982 James Horner den zweiten Teil Zorn des Khan komponierte war ich zunächst enttäuscht. Paramount wollte den teueren, aber genialen Goldsmith nicht bezahlen und vergab den Auftrag der Komposition an Horner. Das gefiel mir als Trekkie nicht, aber als ich den Film im Kino sah und die Musik von Horner hörte, da war ich versöhnt. Der Mann kann es, auf jeden Fall. Inzwischen ist die Langfassung des Khan-Soundtracks veröffentlicht. Und er zeigte bei Star Trek III auch wieder sein Können.
Es kamen noch viele Soundtracks von James Horner und jüngere Kinofans kennen sicher seine Musik aus Avatar (sehr weltmusikmäßig) oder The Amazing Spider-Man. Meine persönlichen Lieblingssoundtracks sind neben Brainstorm eindeutig Willow und A Beautiful Mind sowie der komplett unterschätzte Aliens . Gerade der zweite Teil der Alien-Reihe zeigt, welch großartiger Komponist James Horner war. Normalerweise wird zum fertigen Film der Soundtrack komponiert, aber Regisseur James Cameron war mit Aliens – die Rückkehr in Verzug und schnitt den Film immer wieder um. Musik für einen unfertigen Film geht gar nicht. Dennoch musste Horner in zwei Wochen 97 Minuten Musik komponieren, die aber schließlich nicht dort eingesetzt wurde, wie sie geplant war. Horner war verständlicherweise stinksauer, aber das Publikum hat wohl davon nichts gemerkt.
Nun ist James Horner im Alter von 61. Jahren bei einem Flugzeugunglück verstorben.
Zu lange war das One mir Thing für meinen Geschmack.
Ich hab Apple Music in der dargereichten Form nicht verstanden. Jetzt bin ich wirklich ein Fanboy von Apple, aber das One more Thing auf der gestrigen WWDC war für mich zu lang und zudem für mich völlig unnötig. Ich brauchte (bisher) kein Streaming und ich höre kein Radio bis auf einen Nachrichtensender und Deutschlandfunk. Und ich will auch nicht, dass mir irgendwelche Künstler mit Mixes und Ankündigungen meine Zeit stehlen. Ich stelle für mich fest: Ich brauche wohl Apple Music nicht.
Die Keynote von Tim Cook & Kollegen war bis zum Ende vielversprechend. Die WWDC ist ja eine Software-Konferenz und interessante Software hat Apple gebracht: neue Ankündigungen von OS X El Capitan, einen anderen Ausblick auf iOS 9 und watchOS 2. Die Programmierumgebung Swift 2 gibt es zudem als OpenSource. ApplePay wird weiter ausgerollt und wir Deutschen spielen noch nicht mit. Das wäre für meinen Geschmack an Neuerungen genug gewesen.
Doch dann kam das One more Thing. Die Verhandlungen um Filmrechte dauern noch, also wurde Apple TV verschoben. Aber der Sony-Musik-Chef Doug Morris riss im Vorfeld den Mund auf und verriet die Ankündigung von Apple.
Jimmy Iovine konnte mich nicht überzeugen.
Musikmanager Jimmy Iovine mag zwar ein Musikcrack sein, ein Bühnenmensch auf der Keynote war er nicht. Dafür kann er nichts, aber seine Show war einfach öde. Eddy Cue, Senior Vice President Internet Software und Services von Apple, kasperte anschließend auf der Bühne herum und spielte Musik vor. Schön, wenn der Mann lateinamerikanisch Musik hört, ich tue es nicht, Cue lauthals: „Apple Music ist ein revolutionärer Streaming-Dienst für Musik, ein zukunftsweisender, weltweiter Live-Radiosender von Apple, der täglich 24 Stunden sendet und zugleich ein großartiger neuer Weg für Musikfans mit ihren Lieblingskünstlern in Verbindung zu treten.“
Ich habe Spotify bisher nicht gebraucht und ich brauche wohl Apple Music auch nicht. Ich höre keine Playlists, sondern ganze Alben von Musikern. Ich mag Musik besitzen. Ich bin ein Jäger und Sammler. Für mich ist Apple Music nichts.
Aber Apple hat alles richtig gemacht – auch mit der Präsentation von Joan Jett.
Aber genug meiner subjektiven Emotionen. Es ist genau der richtige Schritt, den Apple hier mit Apple Music gemacht hat. Wäre ich Spotify und Co, dann würde ich echt Angst haben, dass mein Geschäftsmodell baden geht. Die rund 10 Euro kosten alle Dienste, aber Apple hat einen ganz, ganz klaren Vorteil. Sie sind in Besitz der Kreditkarten von iTunes, mindestens 800.000.000 Stück. Sie alle sind nur einen Klick von Apple Music entfernt und dieser Klick ist verlockend. Apple wird eine Werbekampagne lostreten, von denen andere Streamingdienste nur träumen können. Zudem bietet Apple ein interessantes Familienangebot – sechs Familienmitglieder bekommen Apple Music für rund 15 Euro. Das ist günstig. Und Apple öffnet Apple Music für Android und erschließt sich hier einen neuen Markt.
Siri als Geheimwaffe bei Apple Music.
Außerdem hat Apple Siri als Geheimwaffe. Siri wird mich unterstütze mit Apple Music meinen Spaß zu haben. Beispielsweise kann man Siri fragen „Spiele mir die besten Songs des Jahres 1994 vor“, „Spiele den besten Song von FKA twigs ab“ oder „Was war der Nummer 1-Hit im Februar 2011?“. Als Statistikfan gefällt mir so ein Service.
Für 3 Milliarden US-Dollar hat Apple das Unternehmen Beat gekauft, jetzt wird sich die Investition auszahlen, wobei Apple wohl seine höchsten Umsätze mit der Hardware-Seite macht. Streaming ist bisher bei allen Anbietern noch kein großes Geschäftsmodell.
Eddy Cue meint: „Apple Music kombiniert die größte und abwechslungsreichste Musiksammlung des Planeten mit der Expertise von Musikfachleuten von Weltrang, die Wiedergabelisten für Nutzer von iPhone, iPad, iPod touch, Mac, PC, Apple TV und Android Phones zusammengestellt haben.“ Bei uns zu Hause hört Kind 2 bisher nur Spotify. K2 denkt einen Tag nach der Keynote über einen Wechsel nach, zumal Apple Music drei Monate kostenlos sein soll.
Weltweites Radio mit Beats 1 – hier taucht der Name Beat wieder auf.
Außerdem kommt Beats 1, der bisher erste Live-Radiosender von Apple der sich vollständig der Musik und Musikkultur widmet. Er wird live in über 100 Länder senden. Beats 1 ist eine 24-stündige Hörerfahrung unter der Federführung von DJs wie Zane Lowe in Los Angeles, Ebro Darden in New York und Julie Adenuga in London, die ich als alter Mann freilich nicht kenne. Hörer auf der ganzen Welt werden die Programmgestaltung zum selben Zeitpunkt hören – globales Radio, ein interessanter Gedanke.
Und ich finde, Apple Music Connect ist im Grunde MySpace. Künstler können sich mit ihren Fans vernetzen. Über Connect können Künstler Liedtexte, Backstage-Fotos und Videos teilen oder sogar ihren neuesten Song unmittelbar an Fans direkt von ihrem iPhone aus veröffentlichen. Fans können sämtliche Posts eines Künstlers kommentieren oder liken und über Messages, Facebook, Twitter und E-Mail teilen. Und auf Kommentare kann der Künstler direkt dem Nutzer antworten. Also im Grunde MySpace von Apple.
Also, nüchtern gesehen hat Apple wohl alles richtig gemacht und wenn ein großer Player wie Apple am 30. Juni in den Streaming-Markt eintritt, dann bewegt sich dieser Markt. Apple wird Musikstreaming zum Mainstream machen. Die interessante Kombi Streaming, Radio und Connect wird am Markt wohl überzeugen, die Präsentation von One more Thing tat es nicht.
Es gibt Zeiten, da höre ich Yes rauf und runter und es gibt Zeiten, da kann ich das komplizierte Gedudel und das Engelstimmchen von Jon Anderson einfach nicht hören. Im Moment befindet ich mich in der Yes-Phase – ein klares Ja zu Yes. Das liegt vor allem daran, dass ich die Box Progeny: Seven Shows from Seventy-Two höre und kaum davon lassen kann.
Progeny: Seven Shows from Seventy-Two bietet wie der Name es schon sagt, sieben Yes-Shows aus der äußerst kreativen Zeit von 1972. Die Box mit 14 CDs umfasst sieben Konzerte der Nordamerika-Tour und sie sind eine ideale Ergänzungen zu den bisherigen offiziellen Veröffentlichungen Yessongs und Yesshows. Der Unterschied zu den bisherigen Live-Material: Der Sound ist voll fett und stellt die bisherigen Scheiben klangtechnisch weit, weit in den Schatten. Wer Yes mag, der sollte unbedingt hier reinhören und kaufen. Das Jahr 1972 bedeutete für Yes Kreativität pur und absolute Spielfreude und nicht wie die spätere Yes-Phase Popmusik auf hohem Niveau.
Der Zuhörer von Progeny kann genau erschließen, wie die Musiker an ihren Stücken von Show zu Show wachsen und welche Schwerpunkte sie jedes Mal legen. Mal darf Gitarrist Steve Howe den Ton angeben, mal der Tastenmann Rick Wakeman. Die Gruppe lebt, sie variiert ihr Material, wechselt aus und probiert neu. Da die Konzerte als Folge veröffentlicht sind, können wir Fans hören, wie sich die Band verändert und das Publikum mitreißt.
Auch schön, wenn man die CDs sein eigen nennt und nicht nur die MP3-Version hat, ist die Entwicklung des Covers von Roger Dean. Über die einzelnen CDs hinweg, entwickelt er sein Grafikkonzept. Über Roger Dean muss man nicht viel Worte verlieren – entweder liebt man seinen Stil oder man verachtet ihn. Dazwischen gibt es nichts, entweder oder – wobei ich klar zu den Liebhabern gehöre.
Ein Wort noch zu den Aufnahmen selbst, die man zufällig in einem Karton entdeckt hat. Dieser Schatz wurde gehoben und uns Fans zur Verfügung gestellt. Dazu wurde analoges Equipement verwendet, nicht heutige PC-Technik. Der Klang von Progeny: Seven Shows from Seventy-Two ist warm, rein und eben wie damals. Schön ist das 38-seitiges Booklet mit einem Essay von Brian Kehew zu lesen. Ein paar (schlechte) Bilder gibt es dazu – da hätte ich gerne gutes Bildmaterial von den Shows gehabt, aber was soll es.
Ich weiß nicht, ob es ein schlechtes Omen ist, wenn ich einen Tag nach dem Tod von Cynthia Lennon das Buch Double Fantasy erhielt und mich wirklich darüber gefreut hatte. Es ist ein sehr intimes Foto-Buch über John Lennon aus seiner Double Fantasy-Phase. Die Bilder schoss der japanische Fotograf Kishin Shinoyama, die sicherlich zu den persönlichsten Bildern von John Lennon zählen.
Drei Monate nach den Aufnahmen war der Ex-Beatles tot, erschossen von den Volldeppen Mark Chapman am Eingang vom Dakota Building, in den auch schon Roman Polanski sein Rosemaries Baby gedreht hatte. Der Taschen-Verlag hat nun die Fotos von Kishin Shinoyama in einer edlen Sammleredition herausgebracht und lässt uns zu Spannern von Lennons Leben werden.
Die Herzen der Beatles-Fans schlagen bei dem Anblick des Buches und der Fotografien höher. Insgesamt wurde 1980 Bücher gedruckt – 1980 das Todesjahr von Lennon. Yoko Ono und Kishin Shinoyama haben die Bücher alle unterschrieben. Zudem erschien eine limitierte Ausgabe A und B mit signiertem Foto. Ich habe eine Ausgabe der limitierte Art Edition B ergattern können – eben mit einem von Kishin Shinoyama signierten Print – ich habe die Nummer 197.
Ich habe das Kussfoto mit John Lennon und Yoko Ono gewählt, weil es für mich am besten die Stimmung von Double Fantasy widerspiegelt. Wie ja bekannt ist, schoss Kishin Shinoyama auch das sinnliche Cover von Double Fantasy mit dem Ehepaar im Zentrum. Lennon hatte sich gefangen, war zu seiner zweiten Frau und Kind zurückgekehrt und konnte als Musiker wieder durchstarten. Die Musik von Double Fantasy zeigte nach langer Zeit das künstlerische Potenzial von Lennon und Ono und ich hörte das Album beim Durchblättern des Buches immer und immer.
Die Fotos der beiden Turteltauben und des Musikers haben eine schöne Stimmung. Die Kamera stört nicht, kein blödes Gepose oder Starallüren, sondern ein Einblick in das Privat- und Arbeitsleben des Künstlerpaares. Für diese Art Fotos ist Kishin Shinoyama ja bekannt. Kishin Shinoyama – aufgrund seines Faibles für provokativ-sinnliche Aktaufnahmen einer der bekanntesten und umstrittensten Fotografen Japans – wurde von der Kritik gefeiert und gleichzeitig wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses angeklagt. Seine Gabe, berühmte Menschen unbefangen und in intimer Atmosphäre abzubilden, kommt mit Sicherheit bei diesem Buch sehr zur Geltung.
Insgesamt entstanden rund 800 Aufnahmen an fünf Tagen von den Arbeiten an Double Fantasy und dem Leben von Lennon/Ono. Viele von den Bildern, die hier zu sehen sind, erscheinen diesem Buch zum ersten Mal. Sie alle erzählen eine Geschichte der beiden extrem starken Persönlichkeiten. Der gewaltsame Tod von Lennon durch den Fanatiker Chapman erhöhen sicherlich noch einmal das Interesse an diesem Fotobuch.
Wie ich die britische Rockmusik mag: Beatles und Stones und in deren Windschatten immer wieder die genialen Kinks. Die Band um die Gebrüder Davies hatte zwar nie den weltweiten Erfolg von Beatles und Stones, aber für meine musikalische Entwicklung waren die Kinks ebenso wichtig wie andere britische Bands wie beispielsweise The Who. Ich liebe die Hits der Kinks wie You Really Got Me, Stop Your Sobbing, All Day And All of the Night, Till The End of The Day, A Well Respected Man, Sunny Afternoon, Dead End Street, Waterloo Sunset, David Watts, Autumn Almanac, Days, Picture Book und The Village Green Preservation Society. Letzterer stammt von dem gleichnamigen unterschätzen Album, das in einer Sonderedition wieder aufgelegt wurde. The Village Green Preservation Society trat damals gegen das weiße Album der Beatles und Beggars Banquet der Stones an und zog den Kürzeren.
Meine Frau kennt meine musikalischen Vorlieben und schenkte mir vor kurzem das Box-Set The Anthology 1964-1971. Nach dem ersten paar Mal durchhören kann ich sagen: Es sogar noch besser als die The Ultimate Collection von 2008 und dem Picture Book von 2008. Die Anthology-Box umfasst fünf CDs und wirklich die wichtigen über 100 Stücke der kreativen Pye-Jahre. Die Songs wurden sorgfältig neu poliert, remixed und remastered. Und auch der Stereo-Klang hat den Songs gut getan, obwohl ich im Grunde meines Herzens ein Mono-Fan bin. Zudem dabei sind Interviews und für den Sammler wichtig: Es sind sogar 25 bisher noch nie veröffentlichte Songs, Demos und Outtakes dabei. Für die Vinyl-Fraktion gibt es noch eine Single von You Really Got Me. Liebevoll ist das Booklet gestaltet und lädt zum Schmökern ein.
Ich muss trotz aller Begeisterung über das Box-Set The Anthology 1964-1971 sagen, dass ich die CDs nur einmal gehört habe. Ich habe sie gleich gerippt und auf meinem Musikserver geladen. Grund ist die Verpackung des Box-Sets. Die CDs wurden in Pappschlitze gezwängt, die bei unvorsichtigem Aufreißen sofort kaputt gehen. So eine Verpackung haben die Kinks wirklich nicht verdient.
Im September 20515 erscheint diese Bowie-Fotobuch bei Taschen. Die Fotos stammen von Mick Rock. Foto: Taschen
Bis September muss ich wohl warten, bis ich das opulente Bilderwerk The Rise of David Bowie 1972-1973 in den Händen halten kann. Zwischen 500 und 1250 Euro will der Taschen-Verlag für dieses Buch mit den Fotografien von Mick Rock haben. Mick Rock war der offizielle Tourfotograf der Auftritte des David Bowie-Albums The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars. Was bisher an Fotos von Taschen veröffentlicht wurde, ist eine Augenweide. Das Rock’n Roll-Chamäleon David Bowie faszinierte und schockte als Ziggy Stardust die Musikwelt. Der Konzertfilm zeigt eindringlich, wie sich Bowie inszenierte und zu einem besten Bestandteil der britischen Rockmusik wurde.
So wird das Fotobuch von Taschen wohl aussehen. Foto: Taschen
Bowie gibt in der Popkultur den Ton an und das Buch von Mick Rock wird es zeigen. Diese limitierte Collector’s Edition zeigt das Beste aus Mick Rocks Bowie-Portfolio, Bilder von spektakulären Liveshows, Porträts aus dem Backstagebereich, Coverfotos und Standbilder aus Promofilmen; rund fünfzig Prozent dieser Aufnahmen werden hier erstmals gezeigt und gewähren neue und überraschende Einblicke in die vielen Facetten von Bowies schillernder Persönlichkeit. Aber bis September muss ich wohl warten, bis ich das Buch in den Händen halte – ich freue mich schon darauf.
Ausstellungskataloge zur Berliner Bowie-Ausstellung: Hard- und Softcover.
Die Zeit des Warten überbrücke ich mit einem anderen wunderbaren Buch über David Bowie. Diejenigen, die die große David Bowie Ausstellung in Berlin verpasst haben, bleibt der Kauf des großartigen Kataloges der Ausstellung David Bowie, erschienen bei Knesebeck. Die Restauflage gibt es noch. Der Katalog ist in zwei Versionen erschienen. Einmal in einer preiswerten Softcover-Version, und dann eine etwas aufwändigeren Hardcover Version.
Ich habe mir den Katalog vor allem wegen der Kostüme von David Bowie gekauft. Bowie war immer und zu jeder Zeit eine Mode- und Stil-Ikone. So ist es kein Wunder, dass der Mode Hersteller Gucci einer der Sponsoren der Ausstellung war.
Ich liebe die verschiedenen Stile, die Bowie kreiert hat: begonnen als Ziggy über Aladdin Sane bis hin zum Thin White Duke. Was muss es eine Provokation gewesen sein, als David Bowie als androgyner Außerirdischer auf die Bühne kam und das Publikum schockierte. Das Spiel der Geschlechter beherrschte Bowie perfekt und die Ausstellung zeigte hervorragend dieses Spiel. Wer Lady Gaga oder ähnliche Pop-Sternchen heute bewundert, sollte sich bewusst machen, woher die Ideen kommen. Bowie hatte sie, inszenierte sich, veränderte sich, provozierte und interpretierte. Für mich ist David Bowie einer der wenigen dauerhaften Künstler, die sich immer wieder neu erfinden. Und dabei will ich erst gar nicht auf seinen enormen Einfluss auf die Musik sprechen, die in diesem Ausstellungskatalog freilich auch nicht zu kurz kommt.
Na, wer kann mitsingen?
Und ich merke, es wird Zeit wieder ein wenig mehr von David Bowie zu hören. Ich entscheide mich mal für die Berliner Phase mit Low (1977), Heroes (1977) und Lodger (1979).
Ein Musiker, mit dem ich mich immer wieder schwer tue, ist Mike Oldfield. Im Grunde habe ich über die Jahre sein komplettes musikalisches Oeuvre zusammengekauft, darunter auch zahlreiche seltene Singles und Maxis. Viele seiner Aufnahmen höre ich gerne, wie beispielsweise die sinfonischen Ergüsse zu Beginn seiner Karriere. Auch den Pop-Liedlichen aus den achtziger Jahren wie Moonlight Shawdow kann ich vieles abgewinnen. Ratlos bin ich dann über den Murks der neunziger Jahre mit Ausnahme von Amarok (1990), seiner Rache an Richard Branson.
The Ultimate Edition von Tubular Bells.
Nachdem nun Mike Oldfields Sohn Dougal im Alter von 33 Jahren am 17. Mai 2015 plötzlich verstorben ist, stand Mike Oldfield wieder im Mittelpunkt meines Interesses. Zunächst aber mein Beileid für den Tod des Sohns. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn Eltern ihr Kind begraben müssen.
Ich schaute meine Aufnahmen von Oldfield durch und blieb mal wieder bei seinem Debüt-Album Tubular Bells hängen. Es gibt ja zig verschiedene Versionen der Aufnahme der Röhrenglocken, aber ich möchte die Tubular Bells – the Ultimate Edition besonders hervorheben. Über das Album selbst, braucht man nicht viel schreiben. Es ist DER Klassiker aus dem Jahre 1972. Der damals 19jährige nahm im Alleingang dieses wichtige Werk der Rockgeschichte auf und spielte zahlreiche Instrumente selbst. Es war Oldfields erstes Album bei Richard Bransons Virgin und wurde ein Kassenschlager. Virgin kam mit dem Pressen der Vinyl-Alben gar nicht hinter her. Ich lernte Tubular Bells durch meinen inzwischen verstorbenen Freund Michael kennen. Als ich dann im Kino den Exorzisten anschaute, erkannte ich die Musik von Oldfield wieder und wurde sofort Fan des Musikers. Das Thema im 7/8-Takt von Tubular Bells hatte mich gefangen und wenn ich Tubular Bells – the Ultimate Edition auflege, dann ist dieses elektrisierende Feuer wieder da.
Die Tubular Bells – the Ultimate Edition erschien bereits im Jahr 2009 und ist eher etwas für den Sammler. Wer nicht soviel Oldfield braucht, der sollte die Deluxe Edition wählen. the Ultimate Edition bringt Tubular Bells als Vinyl-Platte sowie drei CDs und eine DVD. Die CDs sind die Originalaufnahmen der Röhrenglocken und der geniale Stereo Mix von 2009. Hier hat der Meister selbst gemixt und der versteht den Umgang mit Nuendo. Er kitzelt Instrumentierungen heraus, die auf dem Original-Album verborgen waren. Hier hat sich die Überarbeitung und das Warten wirklich gelohnt. Oldfield konnte nach der Loslösung von Branson endlich wieder über seine Musik verfügen und hat bei Tubular Bells ganze Arbeit geleistet.
Ein absoluter Schatz sind allerdings die Demo-Aufnahmen von Tubluar Bells mit dem sich Oldfield damals bei Branson und Virgin vorgestellt hat. Die technische Qualität ist eher bescheiden, aber die musikhistorische Erkenntnisse sind phänomenal. Der 19jährige Oldfield hatte Talent, ein Wahnsinnstalent. Zum ersten Mal konnten wir Fans die Demos und Rohmaterial hören und die Komplexität des späteren Meisterwerkes erahnen. Dafür hat sich die Anschaffung der Ultimate Edition absolut gelohnt.
Humor von 1973.
Musikalisch und aufnahmetechnisch allerste Sahne ist die DVD mit einem 5.1. Mix des Albums und Videomaterial der BBC 2 Serie „2nd House“, einer Tubular-Bells-Session aus dem Jahre 1973. Als Fan-Artikel liegen noch bei u.a. Poster, Fotos und zwei Gitarrenplektren.
Tja und dann haben wir noch en fettes 60seitiges Buch mit einem Vorwort von Mike Oldfield. Das Hardcoverbuch im LP-Format beschreibt mit seltenen Fotos die Entstehungsgeschichte von Tubular Bells. Einige der Fotos waren komplett neu und zeigen die Atmosphäre in Studio The Manor. Besonders interessierte mich die Einteilung der Aufnahmespuren von 1972 und von 2009 – einmal handschriftlich, einmal digital in Nuendo von Steinberg. Ich habe mit dem Coffee Table-Book eine schöne Zeit auf dem Sofa verbracht und die Kopfhörer mit der 5.1-Aufnahme auf den Ohren.
Also eine klare Kaufempfehlung von mir für alle Freunde der guten Musik.
Heute feiert einer meiner Helden seinen 74. Geburtstag: Happy Birthday Bob Dylan. Ich gratuliere von ganzem Herzen.
Seit meiner Jugend verfolge ich die Karriere von His Bobness, besuche seine Konzerte und kaufe seine Alben. Er schuf den Soundtrack zu meinem Leben. Ich habe alle Richtungsänderungen des Meisters brav mitgemacht und alle Masken ertragen. Zuletzt habe ich den hervorragenden Auftritt eines nervösen alten Mannes bei der David Letterman-Show angeschaut. Wunderbar finde ich seine Hommage an Sintra und die alte Zeit.
Und immer wieder die Frage: Wer ist nun Bob Dylan? Ich weiß es nicht und im Grunde ist es auch egal. Der Mann zieht mit 74 Jahren sein Ding durch und das ist gut so. Und immer wieder die andere Frage: Was ist das beste Bob Dylan-Album? Ich weiß es auch nicht und es auch das egal. Dylan hat Alben für jede meiner Stimmungen aufgenommen und so kann ich ihn immer wieder hören. Damit wird Dylan nie langweilig. Mal brauche ich den Aufschneider, den Demütigen, den Liebhaber, den Spotter und mal brauche ich einfach den Musiker. Er ist nicht auf einen Stil festgelegt, auch wenn es wir Fans gerne mal so wollen. Im Moment höre ich wieder The Basement Tapes Complete und das punkige Hard Rain Konzert.
Dylan selbst scheint in seiner Sinatra-Phase zu sein und ich sehe ihn bald live auf seinem Konzert in Bamberg. Meine jüngsten Konzerte von ihm in München und Düsseldorf fand ich grandios – der Song and Dance-Man hat Hof gehalten und wir Jünger sind gekommen. Der Meister war hervorragend bei Stimme, gut in Form, gut gelaunt und über die phänomenale Begleitband muss man seit Jahren nichts mehr verlieren.
Wie wird Dylan seinen Geburtstag verbringen? Ich denke nicht, dass er auf einer der Bühnen dieser Welt stehen wird. Am 17. Mai spielte er noch in South Bend, Indianapolis und dann kommt er schon im Juni nach Deutschland. Zum Geburtstag macht er von seiner Never Ending Tour eine Pause. Würde mich für ihn freuen, wenn seine Kinder bei ihm vorbeischauen oder gar eine seiner Ex-Frauen bei ihm anrufen. Aber im Grunde muss uns die Privatperson Dylan egal sein. Der Song und Dance Man interessiert uns und aus diesem Grunde: Alles Gute zum Geburtstag lieber Bob. May You Stay Forever Young
Als Fan der britischen Prog Rock-Gruppe Emerson, Lake & Palmer habe sich so einiges an offiziellen und inoffiziellen Aufnahmen der Band angehäuft. Seit heute habe ich wieder ein Album mehr – Trilogy im Stereo Mix 2015. Das Album erschien bereits am 24. April 2015.
Diese 3fach Box umfasst zwei CDs und eine DVD im 5.1-Sound. Und wie schon bei den anderen überarbeiteten Versionen der Band wie das erste Album, Tarkus oder Brain Salad Surgery (dazu meine Blogartikel) hat der Tonmeister alle Arbeit geleistet. In diesem Fall saß King Crimson-Gitarrist Jakko M. Jakszyk an den Reglern in Hertfordshire. Es ist nicht ganz so perfekt, wie bei den anderen Alben, aber vielleicht liegt es daran, dass ich persönlich Trilogy nicht zu dem stärksten ELP-Alben zähle. Aber ich gebe zu, ich muss mich wieder reinhören. Trilogy erschien 1972 und war das dritte Album der Band. Ich hatte die Aufklapp-LP, die Nice Price-LP und später die verschiedenen CD-Veröffentlichungen. Und ich muss im Vergleich zu den bisherigen Trilogy-Versionen sagen: Wahnsinn, was Jakko M. Jakszyk aus den Bändern da herausgeholt hat. Ich habe den 5.1-Sound mit meinem Shure SRH1540 genossen.
Die Box Trilogy umfasst drei Datenträger. Die erste CD ist das Original-Album. Mein besonderes Interesse galt beim Kauf der zweiten CD. Hier gibt es die 2015 Stereo-Mixes von Trilogy und es eröffnet mir das Album in einer neuen Dimension. Das zeigt sich noch mehr auf der Audio-DVD im 5.1-Sound: Kopfhörer auf und die Experimentierfreude von ELP hören.