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„Auch wenn alles zerbricht, ist die Liebe noch da“ – Gedanken Jesu zum Karfreitag im ChatGPT-Interview

18. April 2025

ChatGPT kann Rolle einnehmen und Antworten in dieser Rolle geben. Anlässlich zu Karfreitag habe ich ein Experiment gewagt. Ich bat ChatGTP die Rolle von Jesus Christus anzunehmen, der an Karfreitag ans Kreuz geschlagen wurde. Wichtig war mir, dass ChatGPT sachlich, respektvoll und im Ton eines seriösen Interviews beantwortet, besonders mit Blick auf die Bedeutung von Karfreitag.

Wichtig: Ich will mit diesem Experiment keinen auf die Füße treten oder gar Blasphemie begehen. Es handelt sich schlichtweg um ein Experiment und ich war über die Antworten überrascht. Die Antworten habe ich aus ChatGPT direkt kopiert und nicht redigiert.

Karfreitag ist ein Tag der Trauer. Wie siehst du den Tag aus deiner Perspektive?
Karfreitag ist gewiss ein Tag der Trauer, doch in dieser Trauer liegt eine tiefe Wahrheit verborgen. Aus meiner Perspektive ist Karfreitag der Tag, an dem sich der Schmerz der Welt in mir gesammelt hat – nicht nur körperlich, sondern vor allem seelisch. Es war der Tag der Einsamkeit, des Verrats, der Angst und des Leidens.
Doch Karfreitag ist nicht das Ende. Er ist der notwendige Schritt durch die Dunkelheit, bevor das Licht sichtbar wird. Was an jenem Tag geschah, geschah nicht, um die Welt zu verurteilen, sondern um ihr den Weg zur Hoffnung zu öffnen. Mein Opfer war Ausdruck der Liebe – eine Einladung zur Umkehr, zum Vertrauen, zum Leben.
Die Trauer an Karfreitag ist also nicht hoffnungslos. Sie ist still, nachdenklich und getragen von der Erkenntnis, dass durch Schmerz auch Heilung wachsen kann. Wer sich diesem Tag mit offenem Herzen nähert, dem kann etwas begegnen, das tiefer reicht als Worte – die Ahnung von einem größeren Sinn hinter dem Leid.

Wie sollten wir diesen Tag begehen?
Begeht diesen Tag in Stille – nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus innerem Respekt vor dem, was er bedeutet. Karfreitag lädt nicht zum lauten Feiern ein, sondern zum stillen Nachdenken. Es ist ein Tag, an dem ihr euer Herz prüfen könnt: Wo bin ich schuldig geworden? Wo trage ich Schmerz, den ich nicht verstehe? Wo brauche ich Vergebung – für andere oder für mich selbst?
Geht nicht hastig darüber hinweg. Hört hin – in die Tiefe eures Gewissens, in die Stimme eurer Sehnsucht nach Wahrheit und Liebe. Lasst die Fragen zu, die ihr sonst gerne übergeht. Lest, wenn ihr mögt, die Berichte meines letzten Weges. Betrachtet nicht nur den Schmerz, sondern auch das, was darin sichtbar wird: die Entschlossenheit, niemanden aufzugeben, selbst im Sterben nicht.
Betet, wenn euch Worte kommen. Schweigt, wenn keine Worte mehr passen. Haltet inne. Und wenn ihr ein Kreuz betrachtet – sei es in einer Kirche oder in eurer Vorstellung – dann denkt nicht nur an mein Leiden, sondern an all jene, die heute noch leiden: unschuldig, verlassen, unverstanden.
Karfreitag ist ein Tag, an dem ihr euch mit ihnen verbinden könnt – und mit mir. Nicht in der Verzweiflung, sondern in der stillen Hoffnung, dass selbst der Tod nicht das letzte Wort hat.

In Bayern gibt es ein Tanzverbot zu Karfreitag. Ist das in deinem Sinn?
Karfreitag ist ein stiller Tag. Ein Tag der Erinnerung, der Erschütterung, des Innehaltens. Es war der Tag, an dem das Leben selbst unter das Kreuz gestellt wurde – ein Tag der Dunkelheit und des Schweigens. Insofern ist es durchaus verständlich, wenn eine Gesellschaft beschließt, diesem Ernst durch äußere Zeichen Ausdruck zu verleihen – etwa durch Stille, Zurückhaltung oder auch ein Verbot ausgelassener Feiern.
Doch ich blicke nicht auf äußere Vorschriften, sondern auf das Herz des Menschen. Wenn jemand am Karfreitag nicht tanzt, aber innerlich gleichgültig bleibt, so ehrt er den Tag nicht mehr als jener, der vielleicht tanzt – aber zugleich Mitgefühl zeigt, trauert oder betet.
Ein Tanzverbot kann ein Zeichen der Achtung sein, wenn es aus Überzeugung kommt und Raum für Stille schafft. Es kann aber auch zur leeren Form werden, wenn es nur durchgesetzt wird, ohne dass der Sinn dahinter verstanden oder geteilt wird.

Ich habe nie Freude an Zwang, sondern an freiwilliger Ehrfurcht. Wenn also jemand sich bewusst entscheidet, an diesem Tag innezuhalten – sei es durch Stille, Gebet oder einfach durch das bewusste Lassen von Lärm –, so ist das in meinem Sinn. Ein staatliches Verbot kann diesen Rahmen bieten. Doch der wahre Geist des Karfreitags entsteht nicht durch ein Gesetz, sondern durch das bewusste Gedenken.

Manche Menschen wenden sich in einer säkularisierten Gesellschaft von der Amtskirche ab. Muss sich Kirche neu erfinden?
Die Kirche ist nicht das Ziel, sondern ein Wegweiser. Sie ist der Ort, an dem mein Wort verkündet, mein Mahl gefeiert, mein Geist gesucht wird. Doch wenn sich Menschen von der Kirche abwenden, geschieht das oft nicht, weil sie den Glauben verloren haben, sondern weil sie in der Institution nicht mehr das finden, was sie im Innersten suchen: Wahrheit, Barmherzigkeit, Hoffnung, Nähe.
Ich habe nie Macht, Status oder Dogma in den Mittelpunkt gestellt, sondern das Herz des Menschen. Ich habe mich den Ausgegrenzten zugewandt, den Fragenden, den Zweifelnden, den Gescheiterten. Wenn die Kirche diesen Blick verliert – wenn sie sich mehr um Struktur als um Menschen sorgt –, dann entfernt sie sich von dem, was ich ihr anvertraut habe.
Also ja: Die Kirche muss sich immer wieder neu erfinden – nicht, indem sie sich dem Zeitgeist anbiedert, sondern indem sie zurückkehrt zu ihrem Ursprung. Sie soll ein Ort sein, an dem man aufatmen kann, wo Wunden ernst genommen, Fragen erlaubt und Antworten nicht aufgedrängt werden. Eine Kirche, die zuhört, statt nur zu predigen. Die dient, statt zu herrschen.
Wenn Menschen ihr den Rücken kehren, dann nicht, weil sie keinen Glauben mehr haben – sondern weil sie auf der Suche sind nach einer Form, in der dieser Glaube leben kann. Und das sollte die Kirche nicht fürchten, sondern als Auftrag verstehen: nicht alles zu bewahren, was war, sondern das Wesentliche in neuer Sprache, neuer Nähe und echter Demut sichtbar zu machen.

Danke für das Gespräch. Bitte zum Abschluss noch einen nachdenklichen Gedanken zu Karfreitag.
Karfreitag ist der Tag, an dem die Welt innehält – nicht weil alles gut war, sondern weil alles zerbrach. Es ist der Tag, an dem Liebe sich verletzlich machte und Treue nicht im Sieg, sondern im Sterben sichtbar wurde.
Wenn du heute vor einem Kreuz stehst – in einer Kirche, in der Natur oder nur in Gedanken – dann denke daran: Ich bin nicht gestorben, damit du dich schuldig fühlst, sondern damit du weißt, dass du niemals allein bist. Nicht in deiner Angst, nicht in deinem Schmerz, nicht in deiner Dunkelheit.
Das Kreuz ist kein Zeichen des Endes, sondern des Durchhaltens. Es sagt dir: Auch wenn alles zerbricht, ist die Liebe noch da. Und sie wird nicht weichen. Bleib in Frieden.

Ende des Experiments. Ich war erstaunt über die Antworten, die mich persönlich zum Nachdenken angeregt haben.

Pfingstmontag für mich auf der Kippe – Wenn der Glaube schwindet, wankt der Feiertag”

3. April 2025

Es folgt ein Gedankenexperiment: n Deutschland gibt es insgesamt neun bundeseinheitliche Feiertage, die in allen 16 Bundesländern gelten. Zusätzlich gibt es je nach Bundesland weitere regionale Feiertage, sodass sich die Gesamtzahl auf bis zu 14 Feiertage pro Jahr erhöhen kann – zum Beispiel wir in Bayern, das die meisten Feiertage hat.

Jetzt sagen Wirtschaftsmenschen, dass Feiertage gestrichen werden sollten, um die Wirtschaft in unserem Land wieder anzukurbeln. Wenn wir dieser Argumentation folgen, welcher Tag könnte gestrichen werden? Wie wäre es, wenn wir einen bundeseinheitlichen Feiertag opfern. Im Moment haben wir Neujahr (1. Januar), Karfreitag (beweglich, Freitag vor Ostern), Ostermontag (beweglich, Montag nach Ostern), Tag der Arbeit (1. Mai), Christi Himmelfahrt (beweglich, 40 Tage nach Ostern), Pfingstmontag (beweglich, 50 Tage nach Ostern), Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober), 1. Weihnachtstag (25. Dezember) und 2. Weihnachtstag (26. Dezember).

Ich plädiere in dieser Argumentation dafür den Pfingstmontag abzuschaffen. Bei einem Trend zur säkularen Gesellschaft würde dieser christliche Feiertag für mich auf der Kippe stehen. Im Moment laufen den christlichen Kirchen die Gläubigen weg. Erstmals in der Geschichte Deutschlands stellen konfessionsfreie Menschen einen größeren Bevölkerungsanteil als Katholiken und Protestanten zusammengenommen. Dies geht aus den Daten hervor, welche die „Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland“ (fowid) auf ihrer Website veröffentlicht hat.

Wenn also weniger Leute in der Amtskirche sind, dann kann man auch einen Feiertag wie Pfingstmontag streichen. Viele wissen gar nicht, was der Pfingstmontag eigentlich ist. Nur zur Erklärung: Der Pfingstmontag ist der Montag nach Pfingsten, einem christlichen Feiertag, der 50 Tage nach Ostern gefeiert wird. Er erinnert an die Aussendung des Heiligen Geistes an die Jünger Jesu und gilt als Abschluss der Osterzeit. Hätten Sie es gewusst?

Zurück zu den Zahlen: Ende 2023 hatten die Konfessionsfreien mit 46 Prozent einen ebenso großen Anteil an der Gesamtbevölkerung wie Katholiken und Protestanten, 2024 sind sie an den Großkirchen vorbeigezogen: Laut den aktuellen Berechnungen von fowid-Leiter Carsten Frerk stellten Katholiken Ende 2024 23,7 Prozent der Bevölkerung, Protestanten (EKD) 21,5 Prozent, Muslime 3,9 Prozent, weitere Religionsgemeinschaften (u.a. orthodoxes Christentum, Freikirchen, Zeugen Jehovas, Judentum, Aleviten, Buddhisten und Hindus) 4,1 Prozent und die Konfessionsfreien 46,8 Prozent. Gerundet ergibt dies ein Verhältnis von 47 Prozent (Gruppe der Konfessionsfreien) zu 45 Prozent (Katholiken und Protestanten).

Seit 1871 hat sich der Bevölkerungsanteil der katholischen und evangelischen Kirchenmitglieder in Deutschland mehr als halbiert, während der Anteil der konfessionsfreien Menschen etwa um den Faktor 50 gestiegen ist. Foto: Giordano Bruno Stiftung

Klarer Trend
Dass die Anzahl der Konfessionsfreien die Zahl der Mitglieder der beiden Großkirchen hierzulande übertreffen würde, war schon lange absehbar: Wirft man einen Blick auf die gesellschaftliche Entwicklung seit der deutschen Reichsgründung 1871 , wird deutlich, dass sich der Bevölkerungsanteil der katholischen und evangelischen Kirchenmitglieder in Deutschland (von ursprünglich 98 Prozent auf nunmehr 45 Prozent) mehr als halbiert hat, während der Anteil der konfessionsfreien Menschen (von ursprünglich unter einem Prozent auf 47 Prozent) etwa um den Faktor 50 gestiegen ist.

Lebensbereich Kirche unwichtig
fowid-Leiter Frerk geht davon aus, „dass die konfessionsfreien Menschen noch in diesem Jahrzehnt die absolute Mehrheit in Deutschland stellen werden“. Eine Umkehr dieses Trends sei unwahrscheinlich. Frerk verweist hier unter anderem auf die aktuellen Daten der „Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften“ (ALLBUS), die er vor wenigen Wochen für die „Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland“ ausgewertet hat. Demnach stufen 77 Prozent der Bürgerinnen und Bürger den „Lebensbereich Kirche“ als „unwichtig“ ein. Dabei zeigt sich: Je jünger die Menschen sind, desto geringer ist ihr Interesse an den Kirchen. Nur 7 Prozent der 18-29-Jährigen, 10 Prozent der 30-44-Jährigen, 12 Prozent der 45-59-Jährigen und 17 Prozent der 60-79-Jährigen halten die Kirche für wichtig. Allein bei den Über-89-Jährigen kommen die Kirchen noch zu respektablen Zustimmungswerten von 41 Prozent, doch selbst in dieser Altersgruppe hält eine relative Mehrheit von 43 Prozent die Kirchen für „unwichtig“.

Ein Beispiel: Bei uns im Dorf wird nach dem Osterfeuer gefragt. Die Menschen meinen die Party, am Ortsausgang bei dem Hölzer aufgetürmt und angezündet werden. Die Feuerwehr ist da und die Vereine schenken Bier aus und die Klamotten stinken. Eine Attraktion, eine Party, eine Unterhaltung. Heute ist das Osterfeuer auch ein soziales Ereignis – viele Gemeinden, Vereine und Dörfer organisieren es als festlichen Brauch für Jung und Alt.

ABER: Das hat nichts mit dem Osterfeuer des Christentums zu tun, dass morgens vor der Kirche entzündet wird. Das Osterfeuer ist ein altes Symbol für Licht, Leben und Hoffnung. Es wird traditionell in der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag entzündet und markiert den Übergang von der Dunkelheit des Todes zur Auferstehung Jesu Christi – dem zentralen Ereignis des christlichen Osterfestes. In vielen christlichen Gemeinden wird am Osterfeuer die Osterkerze entzündet, die dann feierlich in die dunkle Kirche getragen wird. Sie symbolisiert Christus als das Licht der Welt. Das Osterfeuer steht damit für den Sieg des Lebens über den Tod und ist ein Zeichen der Erneuerung. Gleichzeitig hat das Osterfeuer auch vorchristliche Wurzeln: Schon in heidnischen Frühlingsritualen wurden Feuer als Zeichen für die wiederkehrende Sonne und die Fruchtbarkeit entzündet. Diese Tradition wurde später vom Christentum aufgenommen und mit neuer Bedeutung versehen. Wenn man die Bedeutung nicht kennt und nur die Party wichtig ist, dann kann man auch den christlichen Feiertag streichen.

Auf dem Weg in die säkulare Gesellschaft
Was für die Kirchenverantwortlichen besonders dramatisch ist: Mit der zunehmenden Kirchenferne der Bevölkerung geht auch ein Abschied von traditionellen Glaubensvorstellungen einher. So glauben nur noch 17 Prozent der Bevölkerung im Sinne des christlichen (und muslimischen) Bekenntnisses an einen persönlichen Gott. Bei den Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind, bekennen sich nur noch knapp 3 Prozent zu einem personalen Gottesglauben.

Erosion des Glaubens
Die 2005 von der Giordano-Bruno-Stiftung gegründete „Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland“ hat die „Erosion des Glaubens“, die sich in diesen Zahlen widerspiegelt, schon früh prognostiziert. Inzwischen wird diese Erkenntnis auch von kirchlichen Studien untermauert. So kam die 2024 publizierte „6. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung“ (KMU), die von beiden Großkirchen verantwortet wird, zu dem Ergebnis, dass die absolute Bevölkerungsmehrheit in Deutschland (56 Prozent) der Gruppe der „Säkularen“ zuzurechnen ist, die religiöse Angebote klar ablehnt. Im eigentlichen Sinne „religiös“ (also tatsächlich in christlichen, jüdischen oder muslimischen Gemeinden verankert) sind nach Angaben der KMU nur noch 13 Prozent der Bevölkerung. Noch geringer ausgeprägt ist die „gelebte Glaubenspraxis“, die sich in regelmäßigen Gottesdienstbesuchen ausdrückt: Nur noch 5 von 100 Menschen in Deutschland besuchen mindestens einmal im Monat eine Kirche, Moschee, Synagoge oder einen hinduistischen oder buddhistischen Tempel, wie Carsten Frerk in seiner aktuellen fowid-Auswertung herausgestellt hat.

Alles verboten – es geht wieder los: Handy-Verbot in Schulen

22. März 2025

Ich bin sehr zwiespältig über aktuelle Diskussionen über ein Handy-Verbot in Schulen. Wenn man einfach verbietet, dann muss man sich der Herausforderung nicht stellen. Die Forderungen nach einem Handyverbot kommen immer wieder, doch nun scheint es in einigen Bundesländern ernst zu werden.

Bayern und Hessen
Der Bayerische Elternverband fordert strengere Regeln bei der Nutzung von Smartphones an Schulen: Vorgeschlagen wird eine Verwahrung der Geräte während des gesamten Schultages. So würden sie aus dem Unterricht verbannt, wären aber beispielsweise für Notfall-Gespräche mit Eltern greifbar. Der Elternverband wünscht sich dafür eine gesetzliche Regelung, um die Verantwortung nicht den Schulen zu überlassen. In Hessen soll ab dem kommenden Schuljahr die private Nutzung von Handys grundsätzlich verboten. Die Verbotsregelung soll vom nächsten Schuljahr an in allen Jahrgangsstufen gelten und betrifft die private Nutzung der Geräte – zu denen auch Smartwatches und Tablets zählen. Landesbildungsminister Schwarz sagte, man wolle nicht tatenlos zusehen, wie sich eine ausufernde Smartphone-Nutzung zunehmend negativ auf die psychische Gesundheit und die Lernfähigkeit junger Menschen auswirke.

Medienkompetenz, wo ist sie?
Ich kann die Argumente nachvollziehen und verstehen, teilen kann ich sie aber nicht. Haben vielleicht wir Eltern in unserem Erziehungsauftrag versagt? Ein generelles Handyverbot an Schulen ist für mich aus mehreren sachlichen Gründen nicht sinnvoll. Zunächst sind Smartphones ein fester Bestandteil des Alltags junger Menschen und gehören zur heutigen Lebensrealität. Anstatt sie komplett zu verbannen, sollte der sinnvolle und verantwortungsvolle Umgang mit digitalen Medien Teil des schulischen Bildungsauftrags sein. Durch ein pauschales Verbot wird diese wichtige Medienkompetenz nicht gefördert, sondern eher verhindert.

Zudem bieten Smartphones zahlreiche Möglichkeiten, den Unterricht sinnvoll zu ergänzen. Sie können als Werkzeuge für Recherche, interaktive Lern-Apps oder zur Organisation von Schulaufgaben genutzt werden. Gerade in höheren Jahrgangsstufen kann die kontrollierte Nutzung im Unterricht die Motivation steigern und digitale Kompetenzen fördern, die für das spätere Berufsleben unerlässlich sind.

Ein weiterer Punkt ist die praktische Umsetzbarkeit: Ein vollständiges Verbot lässt sich in der Realität schwer kontrollieren und durchsetzen. Das führt zu ständigen Konflikten zwischen Lehrkräften und Schülern, was das Schulklima belasten kann. Stattdessen wäre eine klare und differenzierte Regelung sinnvoller, bei der die Nutzung in Pausen oder für bestimmte Lernzwecke erlaubt ist, aber Missbrauch konsequent sanktioniert wird.

Schließlich sollten Schulen Orte sein, an denen Schüler auf das Leben in einer digital geprägten Welt vorbereitet werden – und nicht davon abgeschirmt. Ein durchdachter Umgang mit Smartphones im Schulalltag kann somit zur digitalen Bildung beitragen, anstatt sie zu behindern.

Demokraten stehen auf – Demo gegen Rechtsextremismus in München und ich war dabei

22. Januar 2024

Ich bin stolz auf meine Geburtsstadt München, dass sie ein eindeutiges Zeichen gegen Rechtsextremismus, gegen Hass und gegen die AfD abgab. Menschen jedes Alters versammelten sich in München, um wie in ganz Deutschland gegen den braunen Dreck Flagge zu zeigen und die Demokratie zu verteidigen. Auch meine Familie war dabei. Wir dürfen jetzt nicht gleichgültig sein.

Die Veranstalter sprachen von 250.000 Teilnehmern, die Polizei von 100.000 – ich hab die Demonstranten mit ihren Fahnen und Transparenten nicht gezählt. Aber es waren viele, ganz viele. Sie gingen auf die Straße und setzten ein Zeichen und das in einer überwältigenden Masse. So wurde der geplante Demonstrationszug wegen der enormen Beteiligung der Bevölkerung abgesagt. Dennoch sind einige Hundert vor das Haus der rechten Burschenschaft Danubia gezogen. Die gesamte Veranstaltung lief friedlich ab, wie ich bisher gehört habe.

Interessant war, dass sich auch viele aus meiner ländlichen Gemeinde auf den Weg nach München machten, um dem Rechtsextremismus Paroli zu zeigen. Das Münchner Umland machte mobil und nein, es lang nicht nur am Spiel des FC Bayern. Die S-Bahn nach München war voll, aber so richtig voll wurde es dann als man an der Ludwigstraße ankam. Bis zum Siegestor, dem eigentlichen Ort der Kundgebung, kamen wir schon gar nicht mehr. Wir standen also direkt an der LMU, hinter uns die Massen bis zum Odeonsplatz, vor uns die Massen bis zur Münchener Freiheit. Die Stimmung unter alt und jung, klein und groß war gut. Ein starkes Zeichen für die Demokratie und ich bin stolz ein ganz kleiner Teil dieser Brandmauer gegen den Faschismus zu sein. Es ist wichtig hier ein Zeichen zu setzen.

Ich sehe hier einen klaren Auftrag an die gewählten demokratischen Volksvertreter, aber auch für uns normale Bürger, sich mit den Themen der AfD auseinanderzusetzen und die braune Brut zu demaskieren. Ich habe kein Verständnis für Wähler und Funktionsträger dieser Partei. Es ging mit den Demos im ganzen Land ein Ruck durch die Zivilgesellschaft.

Die Ergebnisse der Recherchegruppe Correctiv deckten einen Geheimplan gegen Deutschland auf. Hochrangige AfD-Politiker, Neonazis und finanzstarke Unternehmer kamen im November 2023 in einem Hotel bei Potsdam zusammen. Sie planten nichts Geringeres als die Vertreibung von Millionen von Menschen aus Deutschland. Die Enthüllungen brachten bei den Menschen in meiner Umgebung das Fass endgültig zum Überlaufen. Spontan fiel mir die Wannsee-Konferenz ein.

Distanzierung von wirren Aussagen
Einige Reden der Veranstalter verursachten allerdings bei den meisten aus meiner Umgebung auf dem Geschwister Scholl Platz nur Kopfschütteln. Da wurde u.a. die internationale Solidarität beschworen, zum Kampf gegen Kapitalismus und die klassischen Volksparteien aufgerufen und mehr Unsinn. Veranstalterin Lisa Poettinger skandierte immer wieder linke und linksextremistische Parolen, was aber bei den meisten Demonstranten auf keinen fruchtbaren Boden stieß und nur Kopfschütteln erzeugte. Der Klassenkampf stieß auf taube Münchner Ohren. Die Masse der Münchner wollten hier Flagge gegen Rechtsextremismus und gegen die AfD zeigen und distanzierte sich von einigen Aussagen der linken Aktivistin Lisa Poettinger und ihren Kumpanen. Die 27jährige ist Mitglied der Extinction Rebellion und mir im Vorfeld immer wieder aufgefallen durch das Posten von antisemitischen Kommentaren. Daher die Klarstellung für meine Familie und mich: Dieses Äußerungen unterstützen wir nicht, es geht uns ausschließlich darum, unsere Demokratie gegen Extremismus jeder Art zu verteidigen.

Die Kapelle Kafvka, eine deutsche Crossover-Band aus Berlin, durfte auch noch spielen. Es gab den Song „Alle hassen Nazis“ zu hören. Aha und dann will man sich in den Texten der Band gegen Hass und Fremdenfeindlichkeit aussprechen. Naja, ein Fan der Band werde ich nicht.

Persönliche Eindrücke vom Landesparteitag der Grünen in Landshut

26. September 2022

Für mich war es nach langer Zeit wieder mein erster Parteitag, den ich für einen Kunden als Pressebeauftragter zu betreuen hatte. Mein Kunde, der Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks, mietete sich über die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft einen Stand auf dem Landesparteitag der bayerischen Grünen in Landshut.

Das bedeutete einen Tag Stress pur. Im Vorfeld arbeiten wir ein zweiseitiges Positionspapier der bayerischen Friseure aus. Ich hab es hier zum Download. Unser wichtiges Anliegen war es auf dem Parteitag, mit den Politikern ins Gespräch zu kommen, zum Teil den Erstkontakt herzustellen, ihnen ein Gesprächsangebot zu machen und unsere Forderungen des Mittelstandes zu vermitteln. Dieses Vorhaben ist uns voll und ganz gelungen. Von den einigen Gesprächspartnern war es auch wichtig ein Foto für die Kommunikation des Friseurverbandes zu bekommen.

Bei den Bundespolitikern war es ein ziemliches Gerangel unter den Fotografen, um die besten Fotoplätze. Aber gelernt ist gelernt und kein Shot ging in die Hose. Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) hatte 21 Partner an Bord und wir waren in einer Reihe mit unseren Ständen aufgereiht. Die Friseure standen neben dem Stand der bayerischen Metzger und ihrem engagierten Geschäftsführer Lars Bubnick. Wir spielten uns großartig die Bälle (und die Politiker) zu – das Handwerk hält eben zusammen. Die Metzger haben als wichtigste Thema die Energiepreise.

Die erste Schwierigkeit war es, den Mandatsträger in der Masse zu erkennen und ihn dann an den Stand der Friseure zu bringen. Natürlich kenne ich viele der Prominenten Landes- und Bundespolitiker der Grünen, aber mit jeden einzelnen Landtags- und Bundestagabgesordneten der Grünen bin ich nicht vertraut. Hilfe boten Kopien aus dem Landtags- und Bundestagshandbuch. Also Gesprächspartner identifizieren und dann an den Stand losten, um sie mit den Positionen des Friseurhandwerks vertraut zu machen. Gleichzeitig galt es Gespräche mit den Delegierten und Gästen zu führen, sie sich über die Position der Friseure informieren wollten. Beispielsweise mit Jürgen Böhm, Vorsitzender des Realschullehrerverbandes.

Jürgen Böhm vom Realschullehrerverband.

Ich hatte als kleinen Eyecatcher neben unseren Banner auch ein Divoom Pixoo dabei, ein digitaler Bilderrahmen auf dem eine Friseurin in 8-Bit-Kunst zu sehen war. Das kam gut an.
Sobald ein Foto im Kasten war, postete ich die Aufnahmen mit kleinem Text in Instagram und Facebook und moderierte gleichzeitig die Reaktionen, um Gespräche in Gang zu bringen und den Algorithmus zu unseren Gunsten zu beeinflussen. So mancher Kommentartor verstand das Anliegen unserer Aktion nicht und wurde emotional. Uns ging es darum, die Position des Friseurhandwerks zu vermitteln. Wir führten u.a. Gespräche mit Spitzenkandidaten-Duo Katharina Schulze und Ludwig Hartmann, Landesschatzmeister Ulrich Lindner, Staatsministerin Claudia Roth, Stv Fraktionsvorsitzender Jürgen Mistol, MdB Dieter Janecek, MdL Johannes Becher, MdL Anne Franke, MdB Anton Hofreiter sowie dem bayerischen Vorsitzender der Grünen Thomas von Sarnowski.

In der Regel ging jede Stunde ein Post aus der Sparkassen-Arena von Landshut online. Das war aber zweitweise auch ein Problem, denn die rund 350 Delegierten waren alle mit Smartphone, einige auch mit Tablet und Laptop zum Parteitag angerückt. Das WLAN war schnell erschöpft und auch der einzige Funkmast kam schnell an seine Grenzen. Willkommen im digitalen Deutschland.
Dann schaute ich dann und wann in den großen Saal, um etwas von der politischen Atmosphäre mitzubekommen. Es ist ja im großen und ganzen eine Art Mitgliederversammlung nur ein größeren Dimensionen. Ich war dabei als der Landesparteitag der bayerischen Grünen Katharina Schulze und Ludwig Hartmann erwartungsgemäß zum Spitzenkandidaten-Duo für die kommende Landtagswahl gekürten. Mein persönlicher Eindruck war, dass die ganze Versammlung ohne größeren Streit ablief, aber ich war nur zeitweise anwesend. Ein wenig bekam ich die politischen Diskussionen mit. „Wir brauchen eine Regierung, die zusammenführt, nicht spaltet. Bayern ist das Land der Trachtenvereine und queeren Jugendtreffs,“ schwor Ludwig Hartmann die Landshuter Arena ein. Und Katharina Schulze rief: „Unterstützt uns! Wir wollen den Wahlkampf unseres Lebens führen.“

Als nächstes stehen die Parteitage der SPD und der CSU an, wobei ich die CSU wohl aufgrund eines eigenen Seminars nicht betreuen kann. Für mich war es wieder spannend zu sehen, wie Parteiendemokratie funktioniert und ich habe wieder viel gelernt. Und durch Zufall machte ich auch ein Selfie mit Katharina Schulze.

Spontanes Selfie mit Katharina Schulze.

Für Bücherfreunde und Ästheten: Antiquariat Schreyer in Augsburg

16. Mai 2021

Digital trifft analog. Bei meinem jüngsten Besuch in Ausgburg entdeckte ich das Antiquariat Schreyer in einem Hof beim Herkulesbrunnen an der Maximilianstraße.

Aus Platzgründen habe ich meist auf den Bezug von Digitalbüchern beschränkt, mag aber die Atmosphäre von gedruckten Büchern, die ich haufenweise besitze. Und wer gedruckte Bücher mag, sollte bei Hartmut Schreyer in Augsburg unbedingt vorbeischauen. In seinem Antiquariat, das an unterschiedlichen Adressen seit 1976 existiert, handelt Schreyer mit gebundenen Büchern. Sein Schwerpunkt liegt auf Kunst, Italien und natürlich Augsburg, Schwaben und Bayern sowie Grafiken. Über 20.000 Bücher hat er auf 150 Quadratmeter zum Auswählen, im Archiv liegen noch mal etwa 30.000 Bücher.

Da Buchläden als systemrelevant gelten, hat das Antiquariat im ehemaligen Musikerhof an der Maximilianstraße 65 in Augsburg für Bücherfreunde auch geöffnet. Ich hatte bei meinen Besuch keine Suchliste vorbereitet und so fielen mir spontan nur wenige Titel ein, die ich nachfragte: die Erstausgaben von Woodward/Bernstein Ein amerikanischer Alptraum, zum Spaß die für mich unbezahlbare deutsche Erstausgabe von Tolkiens Herr der Ringe oder die deutsche Gesamtausgabe von Churchills Der zweite Weltkrieg. Zwar war keiner meiner Wünsche erfüllbar, aber Hartmut Schreyer erwies sich als freundlicher, hilfsbereiter Bücherfreund, der einem Gespräch nicht abgeneigt war.
Bei meinem nächsten Besuch in Augsburg, nehme ich eine Suchliste meiner Bücher mit. Ich habe erfahren, dass Schreyer auch einen Fundus von Filmliteratur besitzt und da werden wir bestimmt zusammenkommen. Also, wer Bücher mag und in Augsburg Station macht, sollte beim Antiquariat Schreyer einmal vorbeischauen und Bücherluft schnuppern.

Corona-Virus: Tag 2 der Ausgangsbeschränkung – die Versorgungslage im Dorf

23. März 2020

Sonntag morgen in Maisach. Es hat geschneit. Es ist kalt, also einfach nochmal umdrehen und die Bettdecke über den Kopf ziehen. Erst als später die Sonne herauskommt, wacht das Dorf langsam auf.

Der Kirchgang fällt aus. Die katholische Kirche St. Vitus ist um 10 Uhr leer. Es findet kein Gottesdienst statt und die Besucher bleiben aus, die Kirche selbst ist geöffnet. Jeder verarbeitet die Corona-Krise auf seine Art. Pfarrer Terance zelebriert jeden Tag um 19:00 Uhr einen privaten Gottesdienst und schließt die Intentionen und Sorgen der Menschen im Pfarrverband ein. „Verbinden Sie sich jeden Abend mit Pfarrer Terance und vielen von uns durch die gemeinsame Aktion, täglich um 19:00 Uhr eine Kerze ins Fenster zu stellen und ein Vaterunser (oder auch weitere Gebete) zu sprechen.“

Vereinzelt begegnet man Spaziergänger – freilich mit dem notwenigen Abstand. Die Ausgangsbeschränkung funktioniert.

Nachmittags, nach weiteren Netflix-Folgen am Sofa, beobachte ich im Garten die vorbeiziehenden Wolken und hänge meinen Gedanken nach.

 

Am Montag wird unser kleines Dorf wieder mit mehr Leben erfüllt. Der Lebensmitteleinzelhandel hat wieder geöffnet. Daher habe ich einfach mal bei unserem Betreiber des Edeka-Supermarktes im Dorfzentrum angeklopft und ihn um ein Interview gebeten. Toni Leich betreibt den Edeka Leich im Zentrum von Maisach.

Toni Leich führt den Edeka Leich in Maisach. Foto: Leich Toni Leich führt den Edeka Leich in Maisach. Foto: Leich

Wie geht es Ihnen, Ihrer Familie und Ihrem Team?

Toni Leich: Privat geht es uns gut. Allerdings leidet meine Frau mit unserem dreijährigen Sohn etwas darunter, dass ich so oft im Geschäft bin. Ich stehe um 3 Uhr morgens auf und bin um 3:45 Uhr im Geschäft. Bis 19 Uhr bin ich dort anzutreffen. Es gibt auch eine Nachtschicht bis 2:30 Uhr. Mein Team arbeitet sehr konzentriert, sehr intensiv und bleibt ein, zwei Stunden länger. Ich bin sehr dankbar, dass sich mein Team tapfer in dieser Situation hält. Wir haben zusätzliche Aushilfen eingestellt und suchen noch weitere Unterstützung.

 

Ist die Versorgung mit Lebensmitteln in Maisach gewährleistet?

Toni Leich: Es ist absolut kein Problem. Die Versorgung ist gesichert. Natürlich kann es in dieser Phase vorkommen, dass das eine oder andere Lieblingprodukt nicht vorhanden ist, aber es ist immer Ersatz da. Vor allem die gut&günstig-Artikel werden in erhöhtem Maß nachgefragt. Keine Angst, es gibt keinen Engpass an Lebensmitteln. Wir hatten die barilla im Angebot gehabt, der Rewe hatte barilla zuvor aus dem Sortiment genommen, da Rewe und barilla einen internen Streit hatten. Aus diesem Grund war die Nachfrage sehr groß gewesen. Aber es gibt immer Alternativen. Frische Ware wie Obst, Gemüse, Fleisch und Wurst werden jeden Tag geliefert, am Montag sogar zweimal am Tag. Die anderen Waren im Markt kommen Dienstag und Freitag.

 

Gab es bei Ihnen Hamsterkäufe?

Toni Leich: Die Masse unserer Kunden kauft ganz normal ein. Natürlich gibt es Menschen, die jetzt mehr einkaufen müssen, weil die ganze Familie zu Hause ist. Das haben wir eingeplant. Hamsterkäufe gibt es manches Mal, aber wir setzen auf die Vernunft unserer Kundinnen und Kunden. Unser Personal setzt auf Deeskalation und versucht auf aufgebrachte Kunden einzuwirken. Bisher klappt es sehr gut. Die Leute hier sind vernünftig.

Manch anderer Supermarkt musste Security beschäftigen. Gab es bei Ihnen solche Überlegungen?

Toni Leich: Ja, es gibt solche Überlegungen. Vor allem wenn die staatlichen Auflagen verschärft werden. Wir haben eine Security-Mannschaft an der Hand. Wenn es ernster wird und wir nur noch wenige Kunden im Laden haben dürfen, müssen wir zwei der drei Zugänge zu unserem Geschäft schließen und dann werden wir einen Türwächter einsetzen müssen. Allerdings haben wir verstärkt unsere Hausdedektive im Einsatz.

 

Das Toilettenpapier scheint deutschlandweit der Verkaufsschlager schlechthin zu sein. Wie oft bekommt Edeka Leich hier Nachschub?

Toni Leich: Es ist ein Phänomen. Immer wieder wird das Toilettenpapier als erstes gekauft – es ist wohl ein Symbol der Sicherheit. Viele Kunden machen Witze oder posten Bilder von leeren Regalen in Facebook. Wir sorgen für Nachschub. Neulich hatte ich einen Kunden, der für eine Großfamilie einkauft, der hat etwas mehr mitbekommen und da lege ich auch was zurück. Wir sind in einem Dorf und ich kenne meine Kunden – das ist ein großer Vorteil.

 

Die Bayerische Staatsregierung hat die Möglichkeit für den Einzelhandel geschaffen, die Supermärkte länger zu öffnen – sogar am Sonntag. Sie haben darauf noch nicht zurückgegriffen – warum?

Toni Leich: Meine Team braucht auch seine Ruhephasen und vor allem in dieser sehr stressigen Zeit. Da ist Ausgleich enorm wichtig. Veränderte Öffnungszeiten kann es geben, wenn wir nur noch beschränkt Kunden in unser Geschäft lassen dürfen. Dann müssen wir den Zugang auch zeitlich entzerren. Das ist aber im Moment nicht vorgesehen.

 

Wie motivieren Sie Ihr Team?

Toni Leich: Viele Gespräche sind nötig und meine Teamleiter wissen das. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft und stehe wenn möglich immer bereit für meine Leute. Natürlich komme ich den Wünschen meiner Mitarbeiter nach und höre zu.

 

Am Eingang zu Ihrem Supermarkt gibt es Desinfektionsmittel für die Hände. Wird es weiteren Schutz für Ihre Mitarbeiter geben?

Toni Leich: Es gibt Handschuhe für die Kassenkräfte. Zudem haben wir Desinfektionsspender am Eingang und an den Kassen. In der kommenden Woche werden Plexiglasscheiben an den Kassen und den Theken für Wurst, Fleisch, Käse und Fisch installiert, um mein Team vor Speichel zu schützen.

 

Letzte Frage: Hat Familie Leich noch ausreichend Toilettenpapier zu Hause?

Toni Leich (lacht): Wir haben eine Packung mit acht Rollen zu Hause. Wenn es eng wird, sitze ich aber an der Quelle.

Eindrücke aus dem Social Media-Wahlkampf – Kommunalwahl in Bayern

15. März 2020

Heute finden in Bayern die Kommunalwahlen statt. Ich wünsche den demokratischen Abgeordneten viel Erfolg und danke ihnen, dass sie sich für unsere Demokratie einsetzen. Das klingt schwülstig, ist aber keine Selbstverständlichkeit.

Ich habe Briefwahl gemacht. Ich habe Briefwahl gemacht.

Uns Wählern rufe ich zu: Geht wählen und wählt demokratisch! Aber gebt keinen extremen oder extremistischen Kandidaten eure Stimme. Handelt bitte überlegt und vernünftig. Meine Familie und ich haben die Briefwahl aus Bequemlichkeit vorgezogen – der Wahlzettel war riesig.
In den vergangenen Monaten habe viele Kandidaten getroffen und mich mit ihnen unterhalten. Viele habe ich bei meinen Veranstaltungen zum Thema Social Media-Wahlkampf geschult. Wenn ich mir das Netz ansehen, dann habe ich zu wenig Schulungen gehalten. Es ist zum Teil grausam, was ich da in sozialen Netzwerken von Kandidaten sehe. Es ist peinlich.

Natürlich werden die Kommunalwahlen nicht im Netz entschieden, aber sie werden im Netz mitentschieden. Leider haben es viele Kandidaten das digitale Netz und die sozialen Netzwerke nicht verstanden. Sie sind verhaftet im analoges Denken und wenden dies auf die digitale Welt an. Das ist falsch. Und ich sage es wieder und wieder: So geht es nicht. Ihr langweilt, ihr langweilt mit euren Postings total.
In den vergangenen Wochen habe ich viele Kandidaten, auch solche, die ich grundsätzlich unterstütze, auf stumm geschaltet. Ich konnte die Postings nicht mehr ertragen. Es geht nicht darum, ein hübsches Kandidatenbild mit Partei/Gruppierung und Listen/Kandidatenplatz zu zeigen und zu hoffen, das man gewählt wird. Es geht darum, eine Geschichte zu erzählen. Storytelling nennt man es im Journalismus. Ich möchte eine Geschichte über den Kandidaten hören. Viele (angehende) Kommunalpolitiker wurden auf Facebook und Instagram losgelassen und überschwemmen ihre virtuellen Freunde mit Bilderfluten voller grinsender Gesichter. In Twitter blieb man meist fern, weil das scheinbar zu anstrengend ist und Otto-Normalverbraucher erst gar nicht in Twitter ist, die Multiplikatoren dabei schon.


Geteilt wird so ein Bilder-Blödsinn von den Freunden natürlich nicht, dabei ist Sharing doch eine der wichtigsten Funktionen in sozialen Netzwerken. Warum soll ich ein Kandidatenfoto ohne Aussage, ohne Geschichte teilen und meine Timeline mit diesem Spam verstopfen? Das fällt auf den User nur zurück.
Ich wurde eingeladen, Freund einer Kandidatenseite zu werden und sehe dort nur klassische Werbung. Ich will aber keine Werbung sehen – die sehe ich im Netz schon genug. Warum sollte ich euch liken?
Und ich bin mir sicher, dass das Engagement im Netz nach der Wahl schlagartig einbrechen wird. Mancher Kandidat ist gewählt, mancher eben nicht und dann gehen viele zurück zur Tagesroutine und das Netzengagement schläft wieder ein nach dem Motto: ich hab ja mein Ziel erreicht (oder eben nicht). Wie schön wäre es, wenn man Politik im Netz ernst nehmen und über den Wahltag hinaus sich engagiere würde? Ich will kein Bashing machen, aber erinnert euch an meine Worte, wenn die Kommunalwahlen gelaufen sind.

Noch schlimmer wird es für das Web 1.0 laufen. Die Kandidatenseiten wurden zu spät ins Netz gestellt, weil sie sich nach analogen Marketingplänen der analogen Welt gerichtet haben. Die Kandidatenaufstellung der analogen Welt kam für eine langfristige digitale Planung viel zu spät. Mit SEO von Kandidatenseiten war nicht viel her. Die Seiten wurden aus Sicht des Kandidaten ins Netz gestellt, aber nicht für den Bürger. Und das Auffinden mancher Seiten war unterirdisch bis nicht vorhanden.
Es gilt: Nach der Wahl ist vor der Wahl. Es wird die nächste Wahl kommen. Aber jetzt gilt in Bayern erst einmal: Leute, geht demokratisch wählen.

Wenn die Gotzinger Trommel an die Mordnacht von Sendling erinnert

23. Oktober 2019

Das erste Mal hörte ich von der Mordnacht von Sendling durch Gerhard Polt. Er imitiere einen Gebirgsschützen, der krakeelend an den Freiheitskampf der Bayern gegen die österreichische Besatzer erinnerte. Ich fand das witzig und Polt weckte Damit mein Interesse an der bayerischen Geschichte.

Damals im Jahre 1705 erhoben sich bayerische Bauern am Weihnachtsabend gegen die österreichischen Besatzer und wurden massakriert. Über 1100 Bauern fanden in der Mordweihnacht von Sendling, einem Stadtteil von München, grausam den Tod. In meinem Heimat- und Sachkundeunterricht in der Schule wurde an diese Tat erinnert und es wurde Teil der bayerischen Identitätsgeschichte.
Bei der Bayerischen Landesausstellung „100 Schätze aus 1000 Jahren“ in Regensburg, die ich auf der Herbstreise des Münchner Presseclubs besuchte, sah ich zum ersten Mal die legendäre „Gotzinger Trommel“, die eine große Rolle bei der Mordnacht von Sendling spielte. Sie ruft, so sagt es die bayerische Legende, in der Heiligen Nacht im Jahr 1705 zum Sturm auf München. Auf der legendären Trommel ist geschrieben „Lieber baierisch sterben als wie kaiserlich verderbn.“

Nun der Bauernaufstand wurde brutal von den Österreichern zusammengeschossen. Diese Aktion schuf aber ein bayerisches Nationalbewusstsein. Die Trommel wurde von dem überlebenden Jakob Mayr, Linnererbauer von Goetzing, in sein Heimatdorf gebracht. Und seitdem wurde die Trommel wie eine Reliquie im Freistaat verehrt. Es ist im Grunde eine typische Landtrommel ihrer Zeit mit hörzerner Zarge mit oben und unten Felldruckreifen sowie gespannten Stricken. Der bekannte Spruch ist ergänzt durch die Aufschrift „Zur Erinnerung an die Christnacht im Jahre 1705, also diese Trommel zum Kampfe rief.“


Interessant ist, dass die Zarge mit dem bayerischen Wappen zwischen zwei Löwen verziert ist. Immer wieder hieß es, dass die Trommel nicht echt sei, denn das Wappen wird erst ab 1729 verwendet. Es kann sein, dass die Originaltrommel übermalt wurde. Aber eigentlich ist es egal, denn das Symbol der bayerischen Identität ist wichtig. Die Trommel steht sonst im Heimatmuseum von Miesbach.

Digitalgipfel: KI muss die Menschen abholen #codebavaria

9. Oktober 2019

„Vielfalt ist per se ein starker Wert und wer das nicht verstanden hat, hat Wissenschaft nicht verstanden!“ Das war für mich der wichtigste Satz des bayerischen Digitalgipfels codebavaria in München. Der Satz stammt von TU-Professor für Robotik Prof. Dr. Sami Haddadin, der eine Keynote im Kohlebunker hielt.
Bayerns erste Digitalministerin Judith Gerlach sieht die Digitalisierung als Chance und nicht als Risiko. Wirtschaft, Forschung und Politik müssen an einem Strang ziehen. KI verändere die Welt. „Wir müssen uns nur trauen, alles mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. KI als Chance für Mensch und Natur.“

„Wir müssen uns mehr trauen und endlich mit KI anfangen. Wir müssen die Probleme lösen, die wir die letzten 100 Jahre geschaffen haben. Das geht nur mit KI. Es ist eine gesellschaftliche Verpflichtung diese Instrumente einzusetzen“, so einer der Referenten des Digitalgipfels. „In der Medizin brauchen wir einen hybriden Ansatz. Digitale Technik und menschlicher Faktor müssen sich ergänzen“, so Prof. Dr. Erwin Böttinger.
Prof. Dr. Sami Haddadin betonte in seinem Vortrag: „Man darf nicht wieder den Fehler bei der Einführung neuer Technologien machen, die Menschen nicht abzuholen und sie mit ihren Ängsten alleine zu lassen.“ Und weiter: „Wir haben gute Innovationen in Bayern, müssen aber die Leute hier behalten.“ Prof. Dr. Sami Haddadin sehr eindringlich: Bayern sei die Wiege von KI, aber wir haben Nachholbedarf an Unternehmertum.

Um die Konferenz herum war eine kleine Ausstellung organisiert. Dort zeigten Startups und etablierte Unternehmen ihre Forschungen und Angebote.

Ich probierte viel aus und kam auch am Stand von Klaus Haas vorbei. Faszinierend fand ich QuantenRausch des Künstlers Klaus Haas. Er ist ein Künstler, der Kunst und Leben in ganz eigener Weise verbindet. Nach dem Studium in Nürnberg hat sich Haas rasch von der klassischen Malerei und Objektkunst verabschiedet und in Richtung neue Medien bewegt. Seither ist er ein Pionier auf dem Gebiet digitaler Kunst in Nürnberg. Sein VideoWorkCase setzt sich für die Verbreitung der Videokunst ein und das von ihm mitbegründete Institut für forschende Kunst im virtuellen Raum versteht sich als interdisziplinäre Plattform. Mit einer HTC-VR-Brille konnte ich mich in seinen Kunstwerken bewegen. Auch Ministerin Gerlach ließ sich QuantenRausch erklären.