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Corona-Virus: Tag 7 der Ausgangsbeschränkung – Maisach hinter Plexiglas

28. März 2020

Grundsätzlich gilt: Bleiben Sie zu Hause – vor allem wenn Sie zu den betroffenen Risikogruppen gehören, dann sollten Sie nicht zum Einkaufen gehen. Das dürfte doch nicht so schwer sein. Es gibt genügend hilfsbereite Mitmenschen in der Gemeinde Maisach, die Besorgungen machen.
Wer zum Einkaufen in Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck geht, stellt aber fest, dass sich Läden optisch verändert haben. Zum einen heißt es ganz klar Abstand halten. Zum anderen haben viele Geschäfte Plexiglasscheiben aufgebaut, um ihre Mitarbeiter zu schützen.

Ein bisschen Glaskäfig, aber egal. Plexiglas beim Edeka.

Ein bisschen Glaskäfig, aber egal. Plexiglas beim Edeka.

Beispielsweise hat Toni Leich vom Edeka in Maisach Plexiglaskästen für seine Kassenkräfte aufgebaut. Auf bei der Fleisch- und Wursttheke sind die freundlichen Mitarbeiter hinter Glas. Es sieht ein wenig gewöhnungsbedürftig aus, dient aber zum Schutz. Zudem tragen die Kassenkräfte jetzt auch Handschuhe. Da ich in der Regel kontaktlos mit dem iPhone via ApplePay bezahle, sind mir die Änderungen beim bar kassieren erst einmal nicht aufgefallen. Das Geld wird nicht mehr direkt überreicht, sondern kommt in eine orange Schale. Das Wechselgeld kommt wieder in die Schale. So wird der körperliche Kontakt vermieden – gute Idee. Ich bitte alle Gewerbetreibenden im Dorf auf so eine Art von kontaktlosen Bezahlen umzustellen.

Ähnliche Plexiglas-Varianten habe ich in der Birken-Apotheke gesehen. Es dürfen nur noch wenige Leute in die Apotheke. Gerade in so sensiblen Bereichen wie Apotheken oder Arztpraxen begrüße ich solche Schutzvorrichtungen.

Bei einem Lungenarzt in Fürstenfeldbruck habe ich sogar eine Variante mit durchsichtiger Folie gesehen – sieht zwar nicht toll aus, funktioniert aber großartig. Die komplette Rezeption war in Folie verpackt. In Zeiten von Corona muss Design wohl in den Hintergrund treten.


Wir wissen ja, das es wichtig ist, Abstand zu halten. Und so gibt es vermehrt Aufkleber oder Markierungen am Boden, die den Abstand der Kunden einfordern. Im Supermarkt, beim Bäcker, bei Auto Walter  – eigentlich überall. Wenn mir persönlich jemand zu nah auf die Pelle rückt, dann erlaube ich mir freundlich aber entscheiden darauf hinzuweisen. Im großen und ganzen klappt das Einhalten des Abstands in den Geschäften sehr gut. 1,5 Meter sind Pflicht.

Ich war gespannt, wie es auf dem Maisacher Wochenmarkt funktioniert. Als ich nachmittags vorbeischaute, staunte ich über die Disziplin nicht schlecht. Vor den drei Ständen hatten sich Reihen mit großzügigen Abständen gebildet. Es gab kein Gedränge, kein Geschupse oder böse Worte der Hatz. Die Einkäufer brachten Geduld mit. Es entzerrt sich, alle haben Zeit bei der Ausgangsbeschränkung eingeplant. Alles läuft bei uns im Dorf entspannter ab – so soll es sein. Gemeinsam überstehen wir die Krise.

 

Corona-Virus: Tag 2 der Ausgangsbeschränkung – die Versorgungslage im Dorf

23. März 2020

Sonntag morgen in Maisach. Es hat geschneit. Es ist kalt, also einfach nochmal umdrehen und die Bettdecke über den Kopf ziehen. Erst als später die Sonne herauskommt, wacht das Dorf langsam auf.

Der Kirchgang fällt aus. Die katholische Kirche St. Vitus ist um 10 Uhr leer. Es findet kein Gottesdienst statt und die Besucher bleiben aus, die Kirche selbst ist geöffnet. Jeder verarbeitet die Corona-Krise auf seine Art. Pfarrer Terance zelebriert jeden Tag um 19:00 Uhr einen privaten Gottesdienst und schließt die Intentionen und Sorgen der Menschen im Pfarrverband ein. „Verbinden Sie sich jeden Abend mit Pfarrer Terance und vielen von uns durch die gemeinsame Aktion, täglich um 19:00 Uhr eine Kerze ins Fenster zu stellen und ein Vaterunser (oder auch weitere Gebete) zu sprechen.“

Vereinzelt begegnet man Spaziergänger – freilich mit dem notwenigen Abstand. Die Ausgangsbeschränkung funktioniert.

Nachmittags, nach weiteren Netflix-Folgen am Sofa, beobachte ich im Garten die vorbeiziehenden Wolken und hänge meinen Gedanken nach.

 

Am Montag wird unser kleines Dorf wieder mit mehr Leben erfüllt. Der Lebensmitteleinzelhandel hat wieder geöffnet. Daher habe ich einfach mal bei unserem Betreiber des Edeka-Supermarktes im Dorfzentrum angeklopft und ihn um ein Interview gebeten. Toni Leich betreibt den Edeka Leich im Zentrum von Maisach.

Toni Leich führt den Edeka Leich in Maisach. Foto: Leich Toni Leich führt den Edeka Leich in Maisach. Foto: Leich

Wie geht es Ihnen, Ihrer Familie und Ihrem Team?

Toni Leich: Privat geht es uns gut. Allerdings leidet meine Frau mit unserem dreijährigen Sohn etwas darunter, dass ich so oft im Geschäft bin. Ich stehe um 3 Uhr morgens auf und bin um 3:45 Uhr im Geschäft. Bis 19 Uhr bin ich dort anzutreffen. Es gibt auch eine Nachtschicht bis 2:30 Uhr. Mein Team arbeitet sehr konzentriert, sehr intensiv und bleibt ein, zwei Stunden länger. Ich bin sehr dankbar, dass sich mein Team tapfer in dieser Situation hält. Wir haben zusätzliche Aushilfen eingestellt und suchen noch weitere Unterstützung.

 

Ist die Versorgung mit Lebensmitteln in Maisach gewährleistet?

Toni Leich: Es ist absolut kein Problem. Die Versorgung ist gesichert. Natürlich kann es in dieser Phase vorkommen, dass das eine oder andere Lieblingprodukt nicht vorhanden ist, aber es ist immer Ersatz da. Vor allem die gut&günstig-Artikel werden in erhöhtem Maß nachgefragt. Keine Angst, es gibt keinen Engpass an Lebensmitteln. Wir hatten die barilla im Angebot gehabt, der Rewe hatte barilla zuvor aus dem Sortiment genommen, da Rewe und barilla einen internen Streit hatten. Aus diesem Grund war die Nachfrage sehr groß gewesen. Aber es gibt immer Alternativen. Frische Ware wie Obst, Gemüse, Fleisch und Wurst werden jeden Tag geliefert, am Montag sogar zweimal am Tag. Die anderen Waren im Markt kommen Dienstag und Freitag.

 

Gab es bei Ihnen Hamsterkäufe?

Toni Leich: Die Masse unserer Kunden kauft ganz normal ein. Natürlich gibt es Menschen, die jetzt mehr einkaufen müssen, weil die ganze Familie zu Hause ist. Das haben wir eingeplant. Hamsterkäufe gibt es manches Mal, aber wir setzen auf die Vernunft unserer Kundinnen und Kunden. Unser Personal setzt auf Deeskalation und versucht auf aufgebrachte Kunden einzuwirken. Bisher klappt es sehr gut. Die Leute hier sind vernünftig.

Manch anderer Supermarkt musste Security beschäftigen. Gab es bei Ihnen solche Überlegungen?

Toni Leich: Ja, es gibt solche Überlegungen. Vor allem wenn die staatlichen Auflagen verschärft werden. Wir haben eine Security-Mannschaft an der Hand. Wenn es ernster wird und wir nur noch wenige Kunden im Laden haben dürfen, müssen wir zwei der drei Zugänge zu unserem Geschäft schließen und dann werden wir einen Türwächter einsetzen müssen. Allerdings haben wir verstärkt unsere Hausdedektive im Einsatz.

 

Das Toilettenpapier scheint deutschlandweit der Verkaufsschlager schlechthin zu sein. Wie oft bekommt Edeka Leich hier Nachschub?

Toni Leich: Es ist ein Phänomen. Immer wieder wird das Toilettenpapier als erstes gekauft – es ist wohl ein Symbol der Sicherheit. Viele Kunden machen Witze oder posten Bilder von leeren Regalen in Facebook. Wir sorgen für Nachschub. Neulich hatte ich einen Kunden, der für eine Großfamilie einkauft, der hat etwas mehr mitbekommen und da lege ich auch was zurück. Wir sind in einem Dorf und ich kenne meine Kunden – das ist ein großer Vorteil.

 

Die Bayerische Staatsregierung hat die Möglichkeit für den Einzelhandel geschaffen, die Supermärkte länger zu öffnen – sogar am Sonntag. Sie haben darauf noch nicht zurückgegriffen – warum?

Toni Leich: Meine Team braucht auch seine Ruhephasen und vor allem in dieser sehr stressigen Zeit. Da ist Ausgleich enorm wichtig. Veränderte Öffnungszeiten kann es geben, wenn wir nur noch beschränkt Kunden in unser Geschäft lassen dürfen. Dann müssen wir den Zugang auch zeitlich entzerren. Das ist aber im Moment nicht vorgesehen.

 

Wie motivieren Sie Ihr Team?

Toni Leich: Viele Gespräche sind nötig und meine Teamleiter wissen das. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft und stehe wenn möglich immer bereit für meine Leute. Natürlich komme ich den Wünschen meiner Mitarbeiter nach und höre zu.

 

Am Eingang zu Ihrem Supermarkt gibt es Desinfektionsmittel für die Hände. Wird es weiteren Schutz für Ihre Mitarbeiter geben?

Toni Leich: Es gibt Handschuhe für die Kassenkräfte. Zudem haben wir Desinfektionsspender am Eingang und an den Kassen. In der kommenden Woche werden Plexiglasscheiben an den Kassen und den Theken für Wurst, Fleisch, Käse und Fisch installiert, um mein Team vor Speichel zu schützen.

 

Letzte Frage: Hat Familie Leich noch ausreichend Toilettenpapier zu Hause?

Toni Leich (lacht): Wir haben eine Packung mit acht Rollen zu Hause. Wenn es eng wird, sitze ich aber an der Quelle.