Buchkritik: High Times von Uschi Obermaier

15. Mai 2018
Die Uschi Obermaier Biografie ist sehenswert, aber nicht unbedingt lesenswert.

Die Uschi Obermaier Biografie ist sehenswert, aber nicht unbedingt lesenswert.

In einem Bücherschrank bei uns im Dorf entdeckte ich die Autobiografie von Uschi Obermaier und nachdem ich damals das Buch kaufen wollte und es aber vergessen hatte, nahm ich das Taschenbuch High Times: Mein wildes Leben gerne mit. Nun – innerhalb eines Tages hatte ich das Buch gelesen und es war gut, dass ich es mir nicht gekauft hatte, denn große Literatur ist es sicher nicht. Uschi, du kannst viel, aber sicherlich nicht schreiben. Da half Co-Autor Olaf Kraemer schon ziemlich viel mit. Und dennoch: Der Stil gefällt mir nicht. 

Ich bin mir aber sicher, die Klatsch-Kolumnisten hatten sich auf das Buch damals gestürzt. Obermaiers Bekenntnisse mit wem sie alles im Bett war: Und es ist ein Who-is-Who der Sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Das lebenshungrige Fotomodell stand auf bekannte Männer und holte sich die ins Bett, die sie wollte. APO-Theoretiker Rainer Langhans, die Musiker Jimi Hendrix und Mick Jagger, wohl auch Keith Richards, die Deutschrocker von Amon Düul und viele mehr. Wir erfahren, dass sie es zu einem flotter Dreier mit Bowie und Jagger nicht gekommen ist. Sie traf auch allerhand Polit-Promis der linken Szene wie Fritz Teufel, Kunzelmann, Horst Mahler und Holger Meins. Für das hübsche Mädchen aus Sendling war alles ein großer Spaß: Sex, Drugs und Rock‘n Roll. Ausführlich berichtet sie in ihrem Buch über die Sex- und Drogenexperimente – Politik lässt sie im Großen und Ganzen außen vor. Kein Bekenntnis zur Aktivistenszene aber auch keine Distanzierung – ich hätte eigentlich auf mehr Reflexion gehofft, aber die Bettgeschichten waren ihr wohl lieber. 

Ich finde Uschi Obermaier als Modell attraktiv und hätte mehr über ihre Arbeit mit den großen Modefotografen gehört. Aber das spart sie aus: Sie schreibt mehr, wie sie sich beim Shooting und in der Modelszene von New York gefühlt hat, über die Arbeit als begehrtes Fotomodell schreibt sie kaum etwas. Es kommt ein wenig Helmut Newton zur Sprache, aber der Tiefgang hält sich in Grenzen. Der Leser erfährt, dass Newton kein Menschenfreund gegenüber seinen Modellen war. Ach ja, das Buch hat einzige schöne Bilder von Obermaier zu bieten, mal mit Klamotte, mal ohne. Und ja, Uschi Obermaier war eine schöne Frau. 

Der zweite und größere Teil des Buches geht um die große Liebe von Uschi Obermmaier: Dieter Bockhorn. Bockhorn war ein typischer Lude, ein Mitglied des Hamburger Kiez. Als Nachtclubbetreiber machte er sich einen Namen auf der Hamburger Reeperbahn und er war ein ganzer Kerl in den Augen von Uschi Obermaier. Im Grunde war der Typ voll auf Droge und Uschi Obermaier folgte ihm, verfiel ihm nahezu. Die beiden gingen auf ausgedehnten Reisen mit umgebauten Bussen durch Pakistan, Afghanistan und Indien, wo sie rituell heirateten. Die Reisegeschichten lesen sich flüssig und interessant, vor allem wenn das Schlitzohr Bockhorn seinen Stoff über die Grenze schmuggelte – einmal sogar in Person eines Bundeswehroffiziers. 

Für mich ist die Liebe Obermaiers aber ein schrecklicher Typ, aber manche Frauen fühlen sich zu solchen Typen hingezogen. Bockhorn betrug Obermaier, schlug sie auch und dennoch war sie ihm hörig. Nach den Drogen folgte der Alkohol und es kam zum Zusammenbruch. Er starb bei einem Motorradunfall in Mexiko und hinterließ eine gebrochene Uschi Obermaier. 

Absolut schockiert hat mich sein Verhalten gegenüber einem 14jährigen Kind mit Namen Nadine. „Ich ficke die nur ein“, sagte Bockhorn in dem Buch von Obermaier. Ich finde so etwas verabscheuungswürdig und auch Uschi Obermaier war auf ihren Typen sauer, distanzierte sich aber nicht von diesem Kinderschänder.

Nun, das Fazit: Uschi Obermaier wollte viel, wollte aus dem Trott und Mief ausbrechen und das hat sie gemacht. Sie hat sich das genommen, was sie wollte und wartete nicht darauf, dass es ihr die Männerwelt zuteilte. Damit hat sie ihren Beitrag zur Emanzipation in Deutschland geleistet und dies ist wohl am Ende auch ihr Verdienst. 

Was macht der Bearbrick in 2001 Odyssee im Weltraum?

14. Mai 2018
Meine 2001-Bearbrick-Bären stehen neben Maria aus Metropolis.

Meine 2001-Bearbrick-Bären stehen neben Maria aus Metropolis.

In der sehenswerten Ausstellung im Frankfurter Filmmuseum zum legendären Stanley Kubrick-Film 2001 Odyssee im Weltraum ist im Foyer des Filminstituts eine kleine Ausstellung von Spielzeug rund um diesen Science Fiction-Klassiker zu sehen. Ich werde Zug um Zug darüber bloggen. Die Ausstellung ist bis 22. September 2018 zu sehen.
Die Ausstellung und das Spielzeug hat mich sehr inspiriert und ich bin selbst auf die Suche nach Spielzeug rund um den Film 2001 gegangen. Die Erben von des legendären US-Regisseurs sind sehr restriktiv, wenn es um die Rechtevermarktung geht – zu recht. Aber ab und zu (und wenn der Preis stimmt) geben sie eine Lizenz heraus. Auf japanischen Websites habe ich eine sehr schöne Variante von 2001 entdeckt: Die Bearbrick-Version von 2001: Odyssee im Weltraum.
Herausgegeben wird der Bearbrick oder be@rbrick von der Firma Medicom Toys, die auch andere Actionfiguren aus 2001 im Angebot hat. Das Zeug musste ich haben und ein Kollege fliegt in Kürze nach Japan und hat einen großen Einkaufszettel mit dabei, denn es kommt noch weitere Versionen von Kubrick-Filmen. Es ist wohl ein Shining-Bearbrick in Arbeit.
Bearbrick ist eine Sammlerserie für den japanischen Markt, ins Ausland verschicken will das Unternehmen nicht, also ist man auf teure Zwischenhändler angewiesen, wenn man nicht gerade japanische Freunde hat. Die Plastikfiguren bestehen aus neun Einzelteilen und es gibt zahlreiche Versionen dieser Bärchenfigur. Vorbilder kommen aus den Bereich der Populärkultur, also Film, Musik, Kunst. Die erste Bearbrick-Figur entstand im Jahre 2001 (ha,ha Wortspiel zu 2001) und es kamen im Laufe der Jahre Hunderte Figuren hinzu. Es gibt verschiedene Größen der Bären. Der Standard-Bär ist sieben Zentimeter groß und hat die interne Größenangabe 100 Prozent. Dann und dann gibt es sogar Bären mit 1000 Prozent also 70 Zentimeter Größe.
Ich habe meinen 2001: A Space Odyssey-Bärchen in den Versionen 100 und 400 Prozent. Als Farbe wird Orange angegeben, aber ich sehe eher Rot. Der Bär trägt einen roten Raumanzug und hat damit den Raumanzug von Astronaut Dave Bowman, der im Film durch das Sternentor reist. Hier das Unbeboxing-Video:

Die Bemalung des Bärs ist detailreich. Atemgerät, Helm (mit Ohren), dickes Bäuchlein alles ist nett gemacht. Aber am meisten begeistern mich die Abzeichen an den Schultern. Hier steht „United States Astronautics Agency Clavius“ und in der Mitte die Position der Erde, wie sie bei Voyager 1977 als Goldene Schallplatte zu sehen war. Kubricks Film entstand 1968 und er sah diese Beschreibung unserer Erde im Universum voraus – noch bevor Neil Armstrong den Mond betrat. Clavius ist Ort an dem der Monolith gefunden wurde.
Die Verpackung von Bearbrick orientiert sich an der DVD-Ausgabe der Stanley Kubrick Collection, also weiß mit blauem Streifen im oberen Feld. Das bedeutet, die Verpackung darf der Fan nicht wegwerfen, sondern muss aufgehoben werden.
Ich habe ein wenig mit meinen beiden Bären herumgespielt und einen Stop Motion-Film mit der iStopMotion-Software von Boinx gedreht – nicht gerade große Kunst, aber Spaß hat es dennoch gemacht.

Gratis Comic Tag – kurz beim Hugendubel reingeschaut

13. Mai 2018

Gestern war der Gratis Comic Tag und ich hab es fast verpennt. Händler verschenkten an diesem Tag Comics und nur durch Zufall bekam ich von diesem schönen Event etwas mit. Das kam so: Wir mussten für K1 eine Hose kaufen, streiften durch die Pasing Arcaden in München und schauten kurz vor Ladenschluss noch beim Buchladen Hugendubel herein, weil K1/2 noch einen bestimmten Manga haben wollten. Ich selbst lese Romane meist nur noch auf dem Kindle, aber die Kinder wollen Mangas in Papierform. 

Als wir die Manga-Ecke – mittlerweile sind es zwei Regale – in dem Buchladen betraten, sprach mich eine engagierte Verkäuferin an, ob ich denn einen kostenlosen Comic haben wolle. Und da fiel mir wieder die Bedeutung des Tages ein: Gratis Comic Tag 2018. Von den teilnehmenden Händler werden 35 verschiedene Comics verschenkt, die sie natürlich vorher von den Verlagen kaufen mussten.

Ein Regal, ursprünglich waren hier Jugendromane zu finden, mit den Restexemplaren war mit einem rot weißem Absperrband abgetrennt. Das Band hatte den Grund, dass nicht das Regal mit den Gratis-Comics geplündert wird. Oben waren noch drei Luftballons rot, blau, gelb angeklebt. Die engagierte Buchverkäuferin sprach die Kunden an und ich freute mich auf ein Schwätzchen. Während K1/2 nach ihren Mangas Ausschau hielten, blätterte ich zwei, drei gratis Comics durch. Leider war die Show in München begrenzt. In London bei Forbitten Planet gab es fette Aktionen: Eines kaufen, eines umsonst dazu und die Massen rückten an – aber da gibt es auch nicht so ein Zeug wie Buchpreisbinding. In Pasing beim Hugendubel war die Resonanz überschaubar, lag aber auch an der Uhrzeit.

Leider schnappte mir eine andere Kundin das letzte Star War-Comic weg und so entschied ich mich für Battle Angel Alita und Usagi Yojimbo. Beide Serien stehen als Kaufentscheidung bei mir schon länger fest, da kamen die gratis Ausgaben zum Reinlesen gerade recht. Bei Battle Angel Alita warte ich auf Juni, dann schnapp ich mir die teure Gesamtbox.

Also wie der World Record Shop Day, gab es jetzt zum neunten Mal einen Gratis Comic Tag und mir gefällt ja so etwas. Im nächsten Jahr bin ich etwas intensiver bei der Sache und nicht nur, wenn K1 mal wieder eine Hose braucht. 

Neo Tokyo – Meine Anlaufstellen für K-Pop-Fans in München und Berlin

12. Mai 2018

Nachdem K2 voll in der Manga-, Anime- und K-Pop-Welt versunken ist, muss der Fan sich mit dem entsprechenden Equipment ausrüsten. Natürlich ist das Internet die Hauptquelle für den Bezug des Asia-Hobbys, aber auch im realen Welt müssen entsprechende Läden abgeklappert werden, um zu shoppen und zu fachsimpeln. In München und bei dem jüngsten Berlin-Besuch sind es die Läden von Neo Tokyo, die von uns regelmäßig besucht werden (müssen).
Auffällig war bei den zahlreichen Besuchen, dass sich vor allem weibliche Kunden die Zeit in den Geschäften vertreiben, auch viele asiatische Kundinnen waren darunter. K2 nutzt die Besuche, um in Mangas reinzulesen, ich nutze die Besuche um nach asiatischen Soundtracks Ausschau zu halten. Wir hatten in München schon einige Comic-Läden abgegrast, aber K2 ist eher Manga-Fan und daher sind die Läden von Neo Tokyo die optimale Fundgrube für dieses spezielle asiatische Hobby.

Im direkten Vergleich habe ich das Gefühl, dass der Münchner Laden etwas größer ist als die Berliner Zweigstelle.
In Berlin findet sich Neo Tokyo in der Schönhauser Allee 188 und die nächste U-Bahn ist die U-Bahn-Station Rosa-Luxemburg-Platz. Als wir unlängst dem Geschäft einen Besuch abstatteten, kam gerade neue Ware in unzähligen Kartons an. Da musste K2 genau aufpassen, was es neues gibt. Vor allem die CD-Boxen hatten es K2 angetan. Kritisch wurde überprüft, welche Veröffentlichung von K-Pop-Alben noch nicht in unseren Besitz ist.

In München ist der Shop in Schwabing an der U-Nahnhaltestelle Münchner Freiheit und dann in der Haimhauserstraße 3. Hier ein paar Bilder:

Profi-Tipp: Vorsicht bei Bundles von CD und DVD im K-Pop-Bereich. Die koreanischen DVDs haben einen anderen Regionalcode und man braucht einen entsprechenden DVD-Player, um die silbernen Scheiben abspielen zu können. K2 ist damit ausgestattet und so können wir uns Konzerttouren aus Asien zu Gemüte führen.
Im Grunde gibt es das klassische Merch-Material in beiden Läden und der Fan kann sich stundenlang in den Geschäften wohlfühlen. CDs, DVDs, Bücher, Mangas, Süßigkeiten, Klamotten, Merch, Anstecker, Kuscheltiere, Schwerter. Es gibt ein paar Figuren, aber hier hätte ich mir mehr Auswahl gewünscht, aber das ist natürlich subjektiv. Ich freue mich immer über Tipps, wo es weitere Shopping-Möglichkeiten gibt, die wir besuchen können.

Hier ein paar Eindrücke aus Berlin:

Wenn die Digital Natives auf ein Wählscheibentelefon treffen

8. Mai 2018
Dieses Telefon bekam ich von einer Bekannten geschenkt.

Dieses Telefon bekam ich von einer Bekannten geschenkt.

Von einer Bekannten meiner Frau habe ich ein altes Wählscheibentelefon geschenkt bekommen, weil ich ihr mit einem Facebook-Problem aus der Patsche geholfen habe. Das schwarze Telefon der Post stand auf dem Wohnzimmertisch und K1/2 wurden mit alter Technik konfrontiert.
Ich erklärte nichts und ließ meine beiden Digital Natives mal ausprobieren und Fragen stellen. K1 war vor allem von dem Anschlusskabel fasziniert und wusste mit den drei farbigen Drähten aus dem Kabelstrang nichts anzufangen. „Wir haben keinen Stecker, wo diese drei Drähte hineinpassen“, so das Fazit von K1.

Wo kommen die Drähte hin?

Wo kommen die Drähte hin?

K2 war mehr an der Funktionsweise interessiert. K2 nahm den schweren, schwarzen Hörer ab, lauschte, legte den Hörer wieder auf die Gabel und nahm wieder ab. Interessiert betrachte K2 dann die Wählscheibe. Zunächst wurde mit den Finger auf die Nummern getippt. Nach ein paar Sekunden wurde der Wählmechanismus herausgefunden. Es wurde gewählt, was das Zeug hielt und bis die Finger von K2 schmerzten. „Das tut weh“, stellte K2 fest und fragte zugleich vergeblich nach der Wahlwiederholungstaste. Und nein, man musste innerorts keine Vorwahl wählen. „Muss man eigentlich warten, bis die Wählscheibe wieder ganz zurückgelaufen ist? – Das dauert ja ewig“, so das Fazit von K2. Und wo denn die Abbruchtaste sei, wurde im gleichen Moment gefragt. K1 erklärte K2, dass es dafür die Gabel gibt und so wurde der Hörer aufgelegt und abgenommen. K2 entdeckte, dass man die Gabel auch mit dem Finger herunterdrücken konnte und sich so das lästige Auflegen sparten konnte. In US-amerikanischen Filmen hatten sie gesehen, dass man auf die Gabel hämmern konnte, wenn im Film die Verbindung zusammengebrochen ist. Cool war das Klemmen des Hörers zwischen Schulter und Ohr, das klappt mit dem Smartphone weniger gut.

Erst tippen, dann wählen

Erst tippen, dann wählen

„Wie kann man eine Zahl löschen, wenn man sich verwählt hat“, so die praktische Frage von K2. Und es gibt ja überhaupt keinen Nummernspeicher und keine Rufnummernerkennung. „Da weiß man ja gar nicht, wer anruft und ob man es annehmen soll oder nicht. Das ist ja blöd.“
Langsam begriffen K1/2 in welcher Welt ihre Eltern groß geworden sind. Meine Eltern hatten ein graues Wählscheibentelefon von der Deutschen Bundespost. Meine Mutter kaufte irgendwann einen potthässlichen Überzug aus Samt für das Telefon. Jahre später mieteten wir dann ein grünes Tastentelefon von der Bundespost. Der Grund dafür war die Wahlwiederholungstaste, damit man bei den Wählversuchen zur damaligen DDR-Verwandtschaft nicht scheiterte. Später wurde aus dem grünen ein weinrotes Telefon. Als das Postmonopol fiel gaben wir das Telefon an die Bundespost zurück, schließlich hatten wir es jeden Monat gemietet. Ich versuchte dann meinen Kindern die Tarife der Post zu erklären und als ich so was wie Mondscheintarif rekapitulierte, drehten sich meine Kinder weg, als ob ich komplett bekoppt war.

Der Hörer passt ideal zwischen Schulter und Ohr.

Der Hörer passt ideal zwischen Schulter und Ohr.

Meine Erinnerungen an 20 Jahre iMac von Apple

6. Mai 2018
20 Jahre iMac - hier bin ich mit meinem Yum-Poster.

20 Jahre iMac – hier bin ich mit meinem Yum-Poster.

20 Jahre ist es nun her als es bei mir zu Hause auf dem Schreibtisch bunt wurde. Der Tupper-Mac wurde von iCEO Steve Jobs von Apple präsentiert und ich war hin und weg vom ersten iMac.
So etwas hatte ich noch nie gesehen: Ein bunter Computer mit farbigen Kunststoff löste schlagartig die beigen Macs bei mir zu Hause ab. Sir Jonathan Ive sicherte sich mit seinem Design einen Platz im Olymp der Industriedesigner und in meinem Herzen. Im Mai wurde der Bondi, so hieß der erste iMac vom damaligen Apple-Guru Steve Jobs präsentiert, der Apple aufräumte und auf Gewinnkurs brachte. Der iMac war etwas komplett neues und die Computerwelt stand Kopf. Auch Leute, die sich nicht mit Computer beschäftigen wollten, brauchten unbedingt so einen iMac. „Hello again“ war es auf der Keynote und Apple-Fans der ersten Stunde wissen um diese Aussage, denn es war „Hello“, das der Mac von 1984 sprach und eine Revolution auslöste. Der iMac löste ebenso eine Revolution aus – lange bevor iPhone und iPad die Welt wiederum veränderten.
Ausgepackt, Tastatur und Maus ran, an die Steckdose anschließen und schon war das iMac bereit. Ob das i für Internet steht, wurde nie so richtig von Apple bestätigt, aber auf jeden Fall war man durch das interne 56k-Modem schnell im WorldWideWeb. Ich hatte bis dahin ein Leonardo-Modem im Einsatz, das schlagartig ausgedient hatte.

iMac Yum
In den späteren Jahren wurde der iMac noch bunter, ich liebte vor allem meinen roten iMac, der eine fette Multimedia-Mschine zu seiner Zeit war – schließlich hatte er ein DVD-Laufwerk an Bord. Als meine Frau schwanger war, arbeitete sie an der Maschine. Sie lag in ihrem Benz-Sessel und auf einen Stuhl stand neben ihr der rote iMac. Das war ihre Arbeitsumgebung in der Schwangerschaft. Der iMac war und ist ein All in One Computer und ich machte alle Designwechsels des Gerätes mit – und ich mochte alle meine iMacs. Den aktuellen schwarzen iMac hab ich mir allerdings nicht mehr gekauft.

Der All-one-One-Computer war eine Revolution. Meine Frau arbeitete gerne mit ihrem iMac während ihrer Schwangerschaft.

Der All-one-One-Computer war eine Revolution. Meine Frau arbeitete gerne mit ihrem iMac während ihrer Schwangerschaft.

In meinem Archiv habe ich noch ein Außenbanner Yum gefunden. Es zeigt die bunte Vielfalt der damaligen iMacs. Ich hab noch noch einen etwas verblasten Anstecker mit dem Aufdruck Yum und einen Wecker in Form eines frühen iMacs. Das ist war kein offizielles Lizenzprodukt von Apple, stand aber einige Jahre neben meinem Bett als Wecker.

iMac Sonnenblume
Bei der Präsentation der Sonnenblume war ich selbst in San Francisco auf der MacWorld Expo und konnte ein paar Worte mit einem stocksaueren Steve Jobs wechseln. Das Time-Magazin hatte damals den iMac auf dem Cover, veröffentlichte aber das Titelbild schon während die Keynote von Apple-Chef noch lief. Jobs war sauer, aber mir war es egal.

2002 präsentierte Steve Jobs den Sonnenblumen iMac.

2002 präsentierte Steve Jobs den Sonnenblumen iMac.

Mir gefiel der iMac von 2002 mit seinem schwenkbaren Display. An ihm ist heute noch ein Masterkeyboard zu Hause angeschlossen. In SF hörte ich die Geschichte, dass Jobs und Ive durch den Garten marschiert sind und Sonnenblumen betrachteten. Das soll die Grundlage für den iMac 2002 gewesen sein – ob es stimmt, weiß ich nicht, aber die Geschichte klingt gut.

Heute ist der iMac der Computer von K1. Es wurde auf ihm gearbeitet und gespielt, Steam sei Dank und Boot Camp sorgt für ein Windows auf dem Mac, was allerdings die Gattin installieren musste. Windows fasst ich nach wie vor nicht an.
Im Archiv stehen meine alten iMacs herum und verstauben. Ich hatte mal gesehen, das Bastler Beleuchtungskörper in die Maschinen bauen. Gute Idee, aber leider habe ich zwei linke Hände. Vielleicht lerne ich mal so einen IT-Bastler kennen

iMac Wecker und iMac Anstecker

iMac Wecker und iMac Anstecker

200. Jahre Karl Marx – meine Gedanken zu seinem Geburtstag

5. Mai 2018

Heute hat der Mann mit dem Rauschebart seinen 200. Geburtstag. Bärte sind wieder in, ist es Marx auch? Der deutsche Philosoph Karl Marx feiert seinen Geburtstag und ich erinnere mich an ihn. Mit seinem Kapital hat er die Welt verändert und die Interpretationen von Duo Marx/Engels haben Unglück über die Menschheit gebracht. Sozialismus, Kommunismus, Unterdrückung, Massenmord – all das waren die Folgen der Interpretationen von Karl Marx.

Das Kapital von Karl Marx

Als ich mit meinen Eltern unsere Verwandtschaft in der damaligen DDR besuchte, Mitte der siebziger Jahre, gab es einen Zwangsumtausch im realexistierenden Arbeiter- und Bauernstaat. Die starke D-Mark wurde gegen die wertlose Ost-Markt getauscht und es gab kaum etwas, was ich in der DDR davon kaufen konnte. Ich besorgte mir Orwo-Filme, Orwo-Fotopapier und ich kaufte mir hervorragende Fachbücher über Mathe und Chemie. Und in einem Buchladen sah ich eine große Ecke mit Schriften von Karl Marx und Friedrich Engels sowie Übersetzungen von Lenin. Ich erwarb das Kapital und das kommunistische Manifest (Ein Gespenst geht durch Europa …) und blätterte meine Bücher durch. Als Jugendlicher verstand ich die Ideen von Marx nicht, reduzierte und verkürzte, interpretierte die Thesen über die Entfremdung der Arbeit, die Macht von Produktionsmitteln und vieles mehr. Ich bin mir sicher, Marx wurde falsch verstanden und ins Unkenntliche verdreht, was in den Massenmord eines Pol Pots und anderen endete. Das hat der alte Karl Marx nicht verdient.

Begegnungen mit Karl Marx in Berlin

Als ich vor kurzem mal wieder durch Berlin streifte, begegnete mir immer wieder Karl Marx. Ich schaute in der Karl-Marx-Buchhandlung vorbei und sah, dass der Marx zumindest noch in Buchform vorhanden ist und gekauft wird. Der Sozialismus der DDR ist Gott sei Dank gescheitert und hinterließ tiefe Spuren in der Stadt und in den Menschen, auch in unserer Familie. 

Natürlich traf ich auf das Marx-Engels-Forum. Es ist eine in den 1980er Jahren errichtete Denkmalanlage in Berlin-Mitte und besteht aus zehn Tonnen Bronze. Das Denkmal wurde am 27. September 2010 an den Rand der Grünfläche zur Liebknechtbrücke hin versetzt. Wo das Denkmal am Ende enden wird, müssen die Berliner entscheiden. Aber das Gezerre um den Standort zeigt das gespaltene Verhältnis zu Marx und Engels. Ich war vom jetzigen Standort begeistert, denn das Denkmal ist ein schöne Pokestop für Pokémon Go. Pervers, die Geistesgrößen als Pokestop zu verwenden. Kommunismus trifft auf Kommerz. Aber Karl Marx macht auch Spaß. Touristen aus aller Welt besteigen die Statuen immer wieder und machen – wie ich auch – Selfies vor Marx. Der Respekt vor Marx und Engels ist verloren gegangen. Andere legen Blumen nieder, je nach Weltbild. 

Interessant ist die Interaktion bei dem Denkmal. Dort ist eine Plakette von Talking Status Berlin mit Webadresse und QR-Code angebracht. Den QR-Code mit dem Smartphone gescannt und es erfolgt ein Anruf von Gregor Gysi, der die Geschichte der Theoretiker erzählt. Ich finde es eine nette Idee einer Stadtführung und obwohl ich Gregor Gysi politisch nicht mag, ist er ein schillernder Politiker unserer Zeit.

Karl Marx bei Reclam 

Zum 200. Geburtstag wurde es für mich Zeit, mich wieder ernsthafter mit Karl Marx zu beschäftigen. Die Bände des Kapitals liegen noch immer bei mir im Keller und ich habe nicht den Nerv und die Zeit die Wälzer zu lesen. Und da kommt das Buch Karl Marx. 100 Seiten von Dietmar Dath Karl Marx 100 Seiten gerade recht.

Gut geschrieben auf 100 Seiten. Karl Marx bei Reclam.

Gut geschrieben auf 100 Seiten. Karl Marx bei Reclam.

Es ist auf der einen Seite ein persönliches Buch von Diemtar Dath über Marx geworden, auf der anderen Seite bringt er mir als Leser die Theorien des Denkers näher. Die 100 Seiten mit ein paar Abbildungen sind schnell gelesen und brachten mir Karl Marx zum 200. Geburtstag näher. Ich kann immer noch nicht sagen, dass ich ein Fan von Karl Marx bin, aber genauso wenig bin ich ein Fan von Ludwig Feuerbach oder Georg Friedrich Hegel. Ich halt es einfach mit dem Philosophie Song der großen Monty Python. 

 

Einen schönen Star Wars-Tag May the 4th

4. Mai 2018
May the 4th - ich wünsche einen schönen Star Wars-Tag.

May the 4th – ich wünsche einen schönen Star Wars-Tag.

Heute ist wieder Star Wars-Tag: May the 4th. Als Fan der ersten Stunde von Krieg der Sterne denke ich gerne zurück an die alten Zeiten und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr Unwohlsein habe ich über die kommenden Entwicklungen. Der neue Solo steht vor der Tür und der Trailer reizt mich überhaupt nicht. Aber am heutigen Feiertag will ich nicht meckern, nicht zaudern. Heute am 4. Mai will ich mich freuen über den Kampf Gut gegen Böse. Ich danke George Lucas und seiner Crew für die Idee und für die Inspiration. Ich wünsche euch einen wunderschönen Star Wars-Tag May the 4th – und morgen geht es mit der Meckerei weiter. 

Blogparade #SchlossGenuss in Kloster Banz

3. Mai 2018

Als Referent komme ich viel herum. Ich reise zu Tagungszentren und Businesshotels und halte in meine Vorträge rund um Digitalisierung. 

Ein Seminar von mir für den LIV Friseure in Kloster Banz.

Ein Seminar von mir für den LIV Friseure in Kloster Banz.

Ein treuer Kunde von mir ist die Hanns Seidel Stiftung und diese CSU-nahe Stiftung besitzt in Oberfranken das Kloster Banz. Die Franken sagen auch Schloss Banz zu dem imposanten Sandsteingebäude. Und als ich von der Blogparade #SchlossGenuss meiner Bloggerclub-Freundin Tanja Praske erfuhr, wurde mir schlagartig bewusst, in welchem schönen Gebäude ich ab und zu arbeite. Vor lautet Arbeit habe ich manches Mal vergessen, welch schöner und inspirierender Ort das ist. Ihre Blogparade von Tanja dreht sich um die Frage: Was fesselt dich beim Besuch eines Klosters/Schosses? Und ich bin Tanja sehr dankbar für diese Blogparade. 

Der Zauber von Kloster Banz 

Immer wieder verzaubert mich Kloster Banz mit seinem speziellen Charme. Ich komme immer wieder gerne nach Oberfranken, reise in der Regel mit dem Zug an. Gegenüber dem Wallfahrtsort Vierzehnheiligen und dem Staffelberg erhebt sich  das Kloster Banz in die Höhe. Schon bei der Anreise zeigt sich die Schönheit des Klosters. Die HSS hat das baufällige Kloster im Jahre 1978 gekauft und zum Bildungszentrum hergerichtet.

Natürlich ist vieles Routine, wenn ich als Referent nach Banz, die Franken sagen auf Banz, komme. Einchecken, freundliches Schwätzchen mit der Empfangscrew, Zimmer beziehen (meist im Hauptgebäude) und dann wird mir schlagartig bewusst, an welchem wunderbaren Ort ich mich befinde:

Ich öffne mein Fenster und schaue in den Gottesgarten. Ein großartiger Blick in das Obermainland. Meine Batterie laden sich auf. Minutenlang bleibe ich stehen und genieße den Blick. Als Gottesgarten wird eine Region im Obermainland bezeichnet. Sie erstreckt sich von der Gemeinde Ebensfeld das Maintal entlang über Bad Staffelstein bis zur Kreisstadt Lichtenfels. Gegenüber ist die Basilika Vierzehnheiligen zu erkennen – der Ausflug zu den 14 Nothelfern lohnt sich (auch das Bier).

Und ich blicke auf den Staffelberg und das Frankenlied kommt mir in den Sinn. Die vierte Strophe lautet: 

Zum heil’gen Veit von Staffelstein

komm ich empor gestiegen,

und seh’ die Lande um den Main

zu meinen Füßen liegen.

Von Bamberg bis zum Grabfeldgau

umrahmen Berg und Hügel

die breite stromdurchglänzte Au.

Ich wollt’, mir wüchsen Flügel,

valeri, valera, valeri, valera,

ich wollt’, mir wüchsen Flügel.

Die anderen Strophen, die sich gegen die Bayern richten, habe ich als Oberbayer freilich vergessen.

Abwechslung auf Kloster Banz

Dann schalte ich in meinen Arbeitsrhythmus und halte meine Vorträge. Abends steht der Besuch des Bierstüblas, des SPA-Bereichs oder des Fitnessraums an. Meistens stehe ich um 5:30 Uhr auf und laufe eine halbe Stunde auf dem Laufwand. Danach geht es in Schwimmbad bis 7 Uhr.

Ab und zu mache ich einen auf Kultur und betrachte die zahlreichen Gemälde in dem Gebäude. Oft übersehen, aber wirklich eindrucksvoll ist das Museum in Banz. Es beinhaltet die Petrefaktensammlung, die auch zahlreiche andere Exponate wie beispielsweise ägyptische Mumien und ein versteinerten Fischschädel enthält. Ich hab mal über das Museum gebloggt. 

Wenn das Wetter passt, setze ich mich in die Anlagen, um etwas zu lesen, meine Seminare vorzubereiten oder meinen Gedanken nachzuhängen. Hier gehe ich meist Seminarteilnehmern aus dem Weg. Ich sammle Kraft für die Seminare, denn die Weitergabe von Fachwissen ist anstrengend. Bei Hitze ist der kleine Brunnen für mich ein Ort an dem ich mich gern aufhalte. Das Geplätscher beruhigt mich und fördert meine Kreativität. Banz hat viele solcher Orte, die meine Kreativität unterstützen – dafür bin ich sehr dankbar.

 

Immer wieder nutze ich auch diesen abgeschiedenen Ort, um Interviews zu führen. So beispielsweise ein Gespräch mit der jungen Poetry-Slammerin Coco aus Franken. Die damals Elftklasslerin erzähle mir fasziniert über ihr Hobby und ich drehte dazu ein 360 Grad Video. 

Die Orte in Kloster Banz

Kloster Banz hat aber auch interessante Räume, die nicht jedem offen stehen. Die HSS steht der CSU nah, aber es ist keine CSU-Stiftung. Und die CSU führt ab und zu Veranstaltungen durch und auch der Ministerpräsident übernachtet dann hier. Und wer jetzt glaubt, dass die Volksvertreter in Saus und Braus leben, der wird enttäuscht. Ich hatte mal die Chance, eine Suite in Banz zu besuchen.  

Interessanter ist das Arbeitszimmer des Abtes, das nur noch in Führungen besichtigt werden kann. Der kleine Raum zur Uhr über den Haupteingang von Banz ist mittlerweile für die Öffentlichkeit tabu. Vor Jahren hatte ich einmal die Möglichkeit, den Raum zu besichtigen. 

 

Buchkritik: Schantall, tu ma die Omma winken! Aus dem Alltag eines unerschrockenen Sozialarbeiters von Kai Twilfer

2. Mai 2018

Ich brauchte ein Buch für die Zugfahrt – nichts fachliches, nur pure Unterhaltung. Es gibt so viel leichte Lektüre und ich wählte das Büchlein Schantall, tu ma die Omma winken! Nach dem Abschluss der Lektüre bin ich gespalten. Es sind zum Teil wunderbare Beobachtungen der deutschen Unterschicht und ich habe köstlich gelacht. Und dann hab ich mich geschämt, mir ist das Lachen im Halse stecken geblieben. Wie kann man sich so über Mitmenschen erheben? 

Gibt es wirklich diese beschriebene RTL-2-Unterschicht? Die Person eines imaginären Sozialarbeiters wird vom Autoren im Ruhrpott angesiedelt. Es sind humorvolle Beschreibungen einer bildungsfernen Schicht, die in ihrer eigenen Welt der Klisches leben. Gibt es diese einfachgestrickte Paralellwelt zum Bildungsbürgertum? Ich denke schon – die Gesellschaft ist vielfältig.

Wie weit geht man jetzt als Autor? Wo ist die Grenze zwischen Humor und Gesellschaftskritik? Und warum erhebt sich Autor Kai Twilfer über diese Menschen mit seinem Buch? Das Buch ist aus zwei Perspektiven geschrieben. Da wäre auf der einen Seite die Erlebnisse der konsumorientierten Schantall als alleinerziehende Mutter, die bei den Eltern wohnt und sich nach einem Leben im Glitzerwohlstand sehnt, mit dem Reisebus in den Massentourismus fährt, auf der Suche nach einem Partner ist, der ihr Sicherheit und Einkommen gibt. Die scharfsinnigen, zum Teil humorvollen Analysen des imaginären Sozialarbeiters über sein Schäfchen Schantall treffen den Nerv, aber dann kommt die zweite Ebene des Autors.

Er erweitert seine Analyse über Schantall hinaus. Er stellt sich über Schantall und übt klassische Gesellschaftskritik. Er analysiert beispielsweise den Drang zu Tätowierungen – das Arschgeweih darf nicht fehlen, zu billigen Wohneinrichtungen aus Pressspan, schreibt über Paarungsriten, analysiert das Verhalten von B- und C-Prominenz oder das Freizeitverhalten. Viele der Kritikpunkte treffen und halten einen Spiegel vor, aber durch diesen Ebenenwechsel bricht das Buch auseinander. Das hat mir nicht gefallen und obwohl ich zeitweise auf meiner Bahnfahrt schallend gelacht habe, werde ich mir kein Buch mehr von Kai Twilfer kaufen, obwohl er auf den Bestsellerlisten steht. Er wird es verschmerzen und ich auch.