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Buchkritik: High Times von Uschi Obermaier

15. Mai 2018
Die Uschi Obermaier Biografie ist sehenswert, aber nicht unbedingt lesenswert.

Die Uschi Obermaier Biografie ist sehenswert, aber nicht unbedingt lesenswert.

In einem Bücherschrank bei uns im Dorf entdeckte ich die Autobiografie von Uschi Obermaier und nachdem ich damals das Buch kaufen wollte und es aber vergessen hatte, nahm ich das Taschenbuch High Times: Mein wildes Leben gerne mit. Nun – innerhalb eines Tages hatte ich das Buch gelesen und es war gut, dass ich es mir nicht gekauft hatte, denn große Literatur ist es sicher nicht. Uschi, du kannst viel, aber sicherlich nicht schreiben. Da half Co-Autor Olaf Kraemer schon ziemlich viel mit. Und dennoch: Der Stil gefällt mir nicht. 

Ich bin mir aber sicher, die Klatsch-Kolumnisten hatten sich auf das Buch damals gestürzt. Obermaiers Bekenntnisse mit wem sie alles im Bett war: Und es ist ein Who-is-Who der Sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Das lebenshungrige Fotomodell stand auf bekannte Männer und holte sich die ins Bett, die sie wollte. APO-Theoretiker Rainer Langhans, die Musiker Jimi Hendrix und Mick Jagger, wohl auch Keith Richards, die Deutschrocker von Amon Düul und viele mehr. Wir erfahren, dass sie es zu einem flotter Dreier mit Bowie und Jagger nicht gekommen ist. Sie traf auch allerhand Polit-Promis der linken Szene wie Fritz Teufel, Kunzelmann, Horst Mahler und Holger Meins. Für das hübsche Mädchen aus Sendling war alles ein großer Spaß: Sex, Drugs und Rock‘n Roll. Ausführlich berichtet sie in ihrem Buch über die Sex- und Drogenexperimente – Politik lässt sie im Großen und Ganzen außen vor. Kein Bekenntnis zur Aktivistenszene aber auch keine Distanzierung – ich hätte eigentlich auf mehr Reflexion gehofft, aber die Bettgeschichten waren ihr wohl lieber. 

Ich finde Uschi Obermaier als Modell attraktiv und hätte mehr über ihre Arbeit mit den großen Modefotografen gehört. Aber das spart sie aus: Sie schreibt mehr, wie sie sich beim Shooting und in der Modelszene von New York gefühlt hat, über die Arbeit als begehrtes Fotomodell schreibt sie kaum etwas. Es kommt ein wenig Helmut Newton zur Sprache, aber der Tiefgang hält sich in Grenzen. Der Leser erfährt, dass Newton kein Menschenfreund gegenüber seinen Modellen war. Ach ja, das Buch hat einzige schöne Bilder von Obermaier zu bieten, mal mit Klamotte, mal ohne. Und ja, Uschi Obermaier war eine schöne Frau. 

Der zweite und größere Teil des Buches geht um die große Liebe von Uschi Obermmaier: Dieter Bockhorn. Bockhorn war ein typischer Lude, ein Mitglied des Hamburger Kiez. Als Nachtclubbetreiber machte er sich einen Namen auf der Hamburger Reeperbahn und er war ein ganzer Kerl in den Augen von Uschi Obermaier. Im Grunde war der Typ voll auf Droge und Uschi Obermaier folgte ihm, verfiel ihm nahezu. Die beiden gingen auf ausgedehnten Reisen mit umgebauten Bussen durch Pakistan, Afghanistan und Indien, wo sie rituell heirateten. Die Reisegeschichten lesen sich flüssig und interessant, vor allem wenn das Schlitzohr Bockhorn seinen Stoff über die Grenze schmuggelte – einmal sogar in Person eines Bundeswehroffiziers. 

Für mich ist die Liebe Obermaiers aber ein schrecklicher Typ, aber manche Frauen fühlen sich zu solchen Typen hingezogen. Bockhorn betrug Obermaier, schlug sie auch und dennoch war sie ihm hörig. Nach den Drogen folgte der Alkohol und es kam zum Zusammenbruch. Er starb bei einem Motorradunfall in Mexiko und hinterließ eine gebrochene Uschi Obermaier. 

Absolut schockiert hat mich sein Verhalten gegenüber einem 14jährigen Kind mit Namen Nadine. „Ich ficke die nur ein“, sagte Bockhorn in dem Buch von Obermaier. Ich finde so etwas verabscheuungswürdig und auch Uschi Obermaier war auf ihren Typen sauer, distanzierte sich aber nicht von diesem Kinderschänder.

Nun, das Fazit: Uschi Obermaier wollte viel, wollte aus dem Trott und Mief ausbrechen und das hat sie gemacht. Sie hat sich das genommen, was sie wollte und wartete nicht darauf, dass es ihr die Männerwelt zuteilte. Damit hat sie ihren Beitrag zur Emanzipation in Deutschland geleistet und dies ist wohl am Ende auch ihr Verdienst.