DIY – Produktion von Wachstafeln für Latein Unterricht

18. Juli 2021

Ich bin als Vater begeistert, was K2 auf die Beine stellt. Es galt für ein Schulprojekt in Latein Schreibtafeln aus Wachs in Do ist yourself herzustellen, wie es auch die alten Römer getan hätten. Als stolzer Papa beobachtete ich, wie K2 systematisch und konzentriert vorgegangen ist.

Zunächst wurden Holzrahmen hergestellt, in denen das Wachs einfließen soll. Das sind dann die späteren Holztafeln. Dazu besorgte sich K2 Sperrholzplatten und schnitt sie unter Lehreraufsicht mit dem schuleigenen Lasercutter zurecht, den der Förderverein der Schule finanziert hat. Die Tafeln haben etwas die Größe eines iPad.

Anschließend besorgte sich K2 einen Block von 2,5 Kilogramm Bienenwachs von einer örtlichen Imkerin. Insgesamt brauchte K2 zwar nur 600 Gramm, aber es war beruhigend Bienenwachs auf Vorrat zu haben falls etwas schief geht. Das übrige Wachs konnte K2 wieder zurückgegeben.

In einem separaten Topf, der bei Ikea erworben wurde, schmolz das Wachs in rund 20 Minuten. Der Geruch von goldenen Bienenwachs ist wunderbar und erfüllte die Küche.

Anschließend den Topf gut abtrocknen und vorsichtig das flüssige heiße Bienenwachs in die Rahmen gießen. Das muss schnell und beherzt gehen, dann das Wachs soll auf einmal trocknen. K2 ist geschickt und so verteilt sich das Wachs gleichmäßig im Rahmen. Ist man mit dem Ergebnis zufrieden, muss die Wachtafel rund sechs Stunden austrocknen und kann kann vorsichtig in die Schule transportiert werden. Holzstifte werden als Schreibgerät verwendet.

Hier noch ein Video, das den gesamten Prozess zeigt.

Buchtipp: Corona ante portas von Isolde Stöcker-Gietl

15. Juli 2021

Als langjähriger Tageszeitungsjournalist weiß ich, wie schwer es ist, eine Glosse zu schreiben. Ich konnte meinen Volontären alle journalistischen Darstellungsformen beibringen, doch für die Glosse muss der Verfasser Talent haben. Die einen haben es, die anderen – und das sind die meisten, – haben es eben nicht. Mit dieser Tatsache müssen sich der Journalist und der Leser abfinden.

Daher war ich entsprechend nervös und neugierig zugleich, als mir der battenberg gietl Verlag mir das Buch Corona ante portas – eine Redaktion lüftet durch zur Verfügung stellte. Das Buch Corona ante portas: Eine Redaktion lüftet durch, herausgegeben von Isolde Stöcker-Gietl, umfasst Glossen aus der Mittelbayerischen Zeitung zum Thema Corona. Also nicht berichtende Artikel über Infektionszahlen und Intensivbetten, sondern meinungsbildende Geschichten aus dem Alltag im HomeOffice mit Familie, Arbeit und Alltag.

Von den schreibenden Kollegen kenne ich leider keinen persönlich. Aber durch ihre kurzen Geschichten bin ich ein Stück näher an ihren Alltag und ihr Leben herangerückt. Bei einigen der Geschichten musste ich schmunzeln, bei anderen lachte ich sogar laut auf. Aber bei wiederum anderen verstand ich die Glosse und das dahinterstehende Weltbild nicht. Es kann eben nicht jeder ein begnadeter Glossist und Edelfeder sein.
Ich stelle mir bei der Lektüre die Frage: Darf man sich über Corona lustig machen? Darf man über die Pandemie lachen? Ja, ein klares Ja, denn diese Glossen nehmen Corona ernst, halten uns aber einen Spiegel vor unser Leben. Wir glauben und auch die Autoren des Buches glauben, dass wir einfach so weitermachen können, trotz dieser Einschnitte. Das alte Leben muss auch unter neuen Voraussetzungen weiterlaufen und dies muss zwangsläufig scheitern. Diese Einstellung vermitteln diese Geschichten und daraus kommt der Wortwitz: Weitermachen, aber unter anderen Umständen. Jeder kommt mit Corona anders zurecht.
Jetzt ist eine Glosse nicht das Medium für nachdenkliche Zeilen wie Ausführungen in einem Kommentar oder einem Essay. Vielmehr überzeichnet die Glosse den Alltag des Einzelnen mit der Jagd nach Toilettenpapier oder Hefe.

Ich habe mich bei vielen Geschichten dieses Büchleins Corona ante portas: Eine Redaktion lüftet durch amüsiert, aber auch Systemkritik gefunden: Digitalisierung ist bei vielen noch ein Fremdwort, HomeOffice am Küchentisch funktioniert nur bedingt. HomeSchooling zeigt die brutalen Lücken in unserem Bildungssystem. Die familiären Situationen, die zwar hier humorvoll beschrieben sind, zeigen aber auch die angespannte soziale Situation der Familien. Und auch das Thema Tod wird nicht ausgespart.
In dem Moment, wenn ich diese Zeilen schreibe, gehen die Infektionen wieder hoch. Wenn wir nicht aufpassen, dann droht uns die vierte Welle. Sind wir denn dafür gerüstet?

Was die Bienen mit KI zu tun haben?

14. Juli 2021

Ein Hightech-Bienenstock sammelt Umweltdaten auf dem Dach des bayerischen Digitalministeriums. In dem mit Sensoren vernetzten Bienenstock befinden sich rund 15.000 Insekten. Mittels künstlicher Intelligenz werden die hochsensiblen Biosensoren der kleinen Tiere unter anderem dazu genutzt, Vorhersagen über Unwetter, Trockenperioden oder andere Wetterextreme zu machen.

Ministerin Judith Gerlach (Mitte), Wolfgang Schwirz (r.) und ich links im Digitalministerium vor interessanter Tapete.

Die bayerische Staatsministerin für Digitales Judith Gerlach stellte sich in einem Online-Seminar den Fragen von Wolfgang Schwirz, Referatsleiter Landwirtschaft, Umweltschutz, Energie, Verbraucherschutz bei der HSS und mir. Es war eine hybride Veranstaltung. Die Teilnehmer des Seminars waren online über ein iPad zugeschaltet.

„Klimaschutz ist eine Generationenfrage“, so Judith Gerlach. Das Bienenprojekt sei ein kleines Projekt und stehe symbolhaft für Nachhaltigkeit. Wichtig sei das Generieren der KI-Daten durch die Bienen. Bei dem vom Digitalministerium unterstützten Projekt des Unternehmens we4bee in Kooperation mit der Julius-Maximilians-Universität Würzburg werden mit Hilfe eines Netzwerks digital überwachter Bienenstöcke Informationen über die Bedürfnisse der Bienen zum Schutz unserer Umwelt gesammelt. Da Bienen außerdem hochsensible „Biosensoren“ sind, können Datenauswertungen mittels Künstlicher Intelligenz sogar für Vorhersagen über Unwetter, Trockenperioden und andere Naturkatastrophen genutzt werden. „Die digitale Beobachtung der Bienen und KI-gestützte Auswertung der Daten liefern wertvolle Erkenntnisse über Umweltereignisse.

Insgesamt erfasst das Projekt inzwischen Daten aus mehr als 100 Bienenstöcken weltweit, darunter Standorte in Österreich, Liechtenstein, Luxemburg, Italien, Ungarn und Mexiko. Mithilfe von Big-Data-Analysen und Prognosemethoden für maschinelles Lernen werden die Daten ausgewertet. Ziel sei es, Erkenntnisse über die Bienen und ihre jeweiligen Lebensbedingungen zu gewinnen, so Judith Gerlach. Mit Hilfe gleichzeitig erhobener Wetterdaten sollen künftig auch Umweltereignisse wie beispielsweise Unwetter oder Trockenperioden prognostiziert werden können.

Das zeigt einmal mehr: Digitalisierung ist eine große Chance für den Klima- und Umweltschutz.“ Es sei eine schöne Verbindung zwischen dem Umweltgedanken und den Gedanken der Digitalisierung. „Ich versuche immer das Technikthema in die Diskussion mitreinzunehmen“, so die Ministerin, die Werbung für die HighTech-Agenda machte. Sie sieht die die Chance durch Innovation den Klimaschutz vorantreiben und dadurch Wertschöpfung für die Wirtschaft zu genieren. „Da ist sehr viel Potenzial, das wir noch nicht abschöpfen.“
„Im Digitalbereich machen wir uns oft nicht Gedanken über Nachhaltigkeit und Energieverbrauch“, so Schwirz. „Wir haben einen Ressourcenverbrauch“ bei seltenen Erden und einen hohen Energieverbrauch von Rechenzentren. „Aber wir dürfen es nicht nur einseitig sehen, sondern müssen schauen, wo wir Digitalisierung nutzen können, um einen Vorteil für Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu generieren“, so die Ministerin.

Die ganze Veranstaltung gibt es auch als VR 360 Video

Virgin Galactic #Unity22 – der Weltraumflug

12. Juli 2021

Gut gemacht Sir Richard. Natürlich war ich als Raumfahrtfan dabei, als am Sonntag ein großer Schritt in Richtung kommerzieller Raumfahrt beschritten wurde. Virgin Galactic eroberte den Weltraum und ich begann zu träumen.

Die drei Milliardäre Sir Richard Branson, Jeff Bezos und Elon Musk schreiten mit ihren jeweiligen Raumfahrtfirmen voran und ich finde es großartig. Ich fühle das Feuer in mir, was ich als Jugendlicher bei den Columbia-Flügen gespürt habe. Ich habe noch Super 8 Filme von der Mondlandung und NASA-Missionen und eine kostbare Laserdisc vom ersten Columbia-Flug. Ein ähnliches Gefühl der Nervosität und Erregung spürte ich am Sonntag als ich mir die Live-Übertragung vom Flug von Virgin Galactic in YouTube ansah. Perfekte emotionale Show (a Letter to my grandchildren) und eine unglaubliche technische Leistung. Sir Richard kannte ich als Jugendlicher in erster Linie von Schallplatten – als Stichwort sei nur Mike Oldfields Tubular Bells genannt, das die Grundlage für Richard Bransons finanziellen Erfolg ausmachte.

Jeder der drei Milliardäre hat einen anderen Ansatz mit ihren Weltraumfirmen für die Raumfahrtabenteuer und mir steht es nicht zu, welcher Ansatz der richtige ist. Sie sind alle faszinierend. Ich weiß nur, dass ich unglaublich begeistert bin, von dem was ich gesehen habe. Virgin Galactic hat seinen ersten Weltraum-Flug Unity 22 mit voller Besatzung absolviert. Firmenmitgründer Sir Richard Branson war mit an Bord. Und wir waren live dabei. Es ist nicht mehr als der Startschuss für den kommerziellen Weltraumtourismus und ich war an iPhone live dabei. In welchen spannenden Zeiten leben wir eigentlich?


Das Trägerflugzeug hob am Startplatz Spaceport America im US-Staat New Mexico ab – spezielle Range Rovers brachten die Mannschaft zum Raumschiff. Das Trägerflugzeug stieg auf etwas mehr als 13 Kilometer Höhe auf. Dort klinkte der Weltraumgleiter aus und zündete sein Raketentriebwerk für 60 Sekunden. Was für ein dramatischer Moment. In dieser Minute steigt er mit mehr als dreifacher Schallgeschwindigkeit auf 90 Kilometer Höhe auf. Nach wenigen Minuten kehrte der Gleiter unbeschadet selbstständig zurück zum Spaceport America. Der Milliardenmarkt des Weltraumtourismus ist greifbarer geworden.

Jetzt folgt am 20. Juli Jeff Bezos, der mit seiner Rakete von Blue Origin ebenfalls in den Weltraum zu fliegen will. Auch ich bin wieder dabei und hoffe auf eine Übertragung.

Ach ja: Ich würde gerne mal bei einem solchen Start und Landung dabei sein – nicht als Astronaut oder Tourist, sondern als Zuschauer und Blogger vor Ort. Also, wenn dies einer der Verantwortlichen ließt: Ich bin bereit für die Zukunft.

Digitalpremiere des Streamingformats #HSStag

6. Juli 2021

Neue Zeiten verlangen nach neuen Formaten. Corona hat die Digitalisierung vorangebracht und für mich gilt es weitere Erfahrungen in den digitalen Welten zu sammeln und an Kunden weiterzugeben. Aus diesem Grund arbeitete ich zusammen mit meinen Kollegen Christian Jakubetz und Thomas Gerlach an einem neuen Live-Format für Karl-Heinz Keil von der Hanns-Seidel-Stiftung. Das Format nennt sich #HSStag

Es ist politisches Plauderformat zum Thema Digitalisierung im freundlichen Ton. Gestern hatte dieses Format Premiere und es lief wie am Schnürchen. Ich bin zufrieden und hab viel gelernt.
Wir drei Digitalexperten diskutierten mit einem Gast über das Thema digitaler Wahlkampf. Unser Gast war die Bürgermeisterin der oberbayerischen Gemeinde Anzing Kathrin Alte. Kathrin Alte sammelte Digitalerfahrung in verschiedenen Funktionen wie im Bayerischen Landtag, der CSU-Fraktion des Landtags, des Bayerischen Bauministeriums und mehr.

Unser Fazit der Veranstaltung: Der Wahlkampf wird digitaler und auch die Bürgerbeteiligung auf kommunaler Ebene muss digitaler werden durch Streaming von Gemeinde- und Stadtratssitzungen, Bürgerversammlungen oder Bürgersprechstunden. Auf kommunaler Ebene geht noch mehr. Und obwohl die analoge Seniorengeneration im anstehenden Bundestagswahlkampf wohl wahlentscheidend sein wird, müssen die richtigen Weichen in den Wahlkampfteams und Rathäusern gestellt werden.

Die Veranstaltung wurde in Webex durchgeführt und auf den Youtube-Seminarkanal der Hanns-Seidel-Stiftung zudem gestreamt. Den Stream gibt es hier zum Anschauen.

Die Vorbereitung und Abstimmung für das neue Format waren nicht ohne. In zahlreichen Online-Meetings wurde an dem Konzept gefeilt. Die Rollenverteilung musste ebenso geklärt werden, wie die technische Betreuung während der Veranstaltung. Webex kann eine verflucht komplizierte Sache sein. Hier sprang der Kollege Ronald Kaiser ein. Das OnAir-Design wurde von Thomas Gerlach konzipiert und die verschiedenen Einspieler wurden von Christian Jakubetz produziert, nachdem unser Trio die Videoeinspieler vor Greenscreen aufgesagt hatte. Die Kollaborationsplattform im Hintergrund unseres Trios war Google Drive um Sendepläne und Konzepte abzulegen. Cloud-Computing funktioniert. Und natürlich musste alles vom Kunden Karl-Heinz Keil von der HSS abgenommen und abgestimmt werden.

Gelernt habe ich sehr viel über Abläufe, Technik, Organisation. Mit der ersten Sendung bin ich zufrieden. Und nach der ersten Sendung kommt die zweite. Die Planungen für die nächste #hsstag laufen bereits. Sendetermin ist Donnerstag, 29. Juli um 18 Uhr. Wir haben das Thema: Die großen Vier im Internet: Amazon, Apple, Facebook und Google.

Wer in meinem Newsletter aufgenommen will und die Einladungen erhalten möchte, kann sich gerne bei mir melden – einfach in die Kommentare schreiben. Ich schalte den Kommentar nicht frei, sondern nehme die Adresse in meine Datenbank auf.

Schulung und Vernetzung für Admins russischsprachiger Facebookgruppen

5. Juli 2021

Eine Zielgruppe, die ich im klassischen Kommunalwahlkampf berücksichtigt habe, aber im Netz noch nicht so viel Aufmerksamkeit gewidmet habe, ist die Klientel der Russlanddeutschen und Migranten aus den Ländern der Ex-UdSSR. Bis jetzt: Zusammen mit meiner Kollegin Maria Fillina habe ich im Auftrag der Hanns Seidel Stiftung in Kooperation mit dem BVRE (Bundesverband der russischsprachigen Eltern) ein Wochenendseminar im Bildungszentrum Kloster Banz für Facebook-Admins russischsprachiger Facebookgruppen in Deutschland organisiert. Sie erreichen über 180000 Facebooknutzer mit ihren unterschiedlichen Gruppen. 

Die russischsprachige Community ist mit ca. 3 Millionen die größte Gruppe unter den 6,5 Millionen deutschen Wählern mit Migrationshintergrund. Zwei gesetzte Ziele haben wir erreicht: Schulung und Vernetzung.

Die Seminarteilnehmer mit dem Leiter des Bildungswerkes Banz Michael Möslein (Mitte) und Seminarleiter Artur Kolbe (r).

Wirtschaftspsychologin Maria Fillina, selbst in Moskau aufgewachsen und Altstip der HSS, ist die neue Beauftragte für Russlanddeutsche der Stiftung. Zusammen mit mir veranstaltet sie Präsenz- und Onlineseminare sowie Workshops mit großem Erfolg zu den Themen Verschwörungsmythen und Hassreden sowie Cybermobbing. Als gelernter Journalist vermittelte ich an die Admins praktische Handwerkszeug, wie Falschmeldungen im Netz enttarnt werden können. Meine Tipps, die ich ausführlich erläutert habe:

Quellen prüfen

Argumente prüfen

Vergleichen mit seriösen Nachrichtenseiten

Bilder zurückverfolgen

Metadaten auslesen

Video zurückverfolgen

Informationen bewerten auf Datum und Zusammenhang

oder ist es einfach nur Satire 

Maria Fillina erläuterte die psychologischen Hintergründe, warum ein Mensch dazu neigt, lieber Falschmeldungen und Verschwörungen im Netz zu teilen. Der Glaube an Verschwörungen kommt verschiedenen menschlichen Bedürfnissen entgegen, die mit individuellen psychischen und sozialen Dispositionen verbunden sind. Je einschneidender das auslösende Ereignis, desto stärker die Neigung, außergewöhnliche Ursachen dahinter zu vermuten. Wenn Menschen aufgrund privater Problemlagen oder gesellschaftlicher Krisen das Gefühl haben, keine Kontrolle zu haben und sich ohnmächtig fühlen, versuchen sie Strategien zu finden, um damit umzugehen – und Verschwörungserzählungen können so eine Strategie sein. Eine andere Erklärung, warum Menschen an Verschwörungen glauben, hat eher instrumentellen Charakter. „Die Wahrheit“ zu sehen, kann nicht nur Kontrolle erzeugen, sondern auch das Gefühl verstärken, „Unwissenden“ etwas voraus zu haben, besonders zu sein und damit den eigenen Selbstwert erhöhen. 

Jurij Sargelis von BVRE bei seinen Erläuterungen.

In Arbeitsgruppen tauschen sich die Admins aus und erarbeiten gemeinsame Konzepte, um in ihren Gruppen Verschwörungen, Hatespeech und Falschmeldungen einzudämmen. Dabei kamen immer wieder Probleme mit Facebook gegenüber zur Sprache. Die Bots des Social Media-Riesens erkennen Wörter in den Posts der Mitglieder, die als sensibel gewertet werden, und verwarnen oder sperren gar die jeweiligen Gruppen.

Maria Filina und Barbara Becker, MdL.

Spontan erklärte sich die CSU-Landtagsabgeordnete Barbara Becker bereit, mit den Admins ins Gespräch zu kommen. Die Abgeordnete hielt sich mit ihrem Team in Banz für eine Klausurtagung auf. Sie bot den Admins einen Gesprächstermin im Landtag an und will dort eine Schnittstelle zwischen Politik und Admins schaffen. Das Statement gibt es hier als Video. 

Das Thema „Debattenkultur“ bewegt die Teilnehmer ebenfalls sehr: Wie kann in Foren eine effiziente Diskussion geführt werden, bei der einzelne Meinungen argumentiert vorgebracht werden, ohne dass dabei Emotionen hochkochen oder gar in Hass umschlagen! Zu diesem Thema soll in naher Zukunft ein praktisch orientierter Workshop stattfinden.

50. Todestag von Jim Morrsion von The Doors – Gedanken eines Fans

2. Juli 2021

50 Jahre ist er schon tot – ich kann es kaum fassen. Am 3. Juli 1971 verstarb in Paris einer der ganz Großen des Rock‘n Roll-Geschäft: Jim Morrison. Er war ein weiteres Mitglied des legendären Club 27 und während ich diese Zeilen tippe, höre ich die Doors. The End, Riders on the Storm, Light my Fire Als Morrison starb war ich noch ein kleines Kind und habe nichts von der Rebellion des Sänger, Poeten und Filmemachers mitbekommen. Das kam erst viel, viel später.

Mein einziges Foto von Morrisons Grab Ende der Achtziger Jahre, aufgenommen mit einer Pocketkamera.

Damals in der Kollegstufe Ende der 80er Jahre bekam ich die Biografie von Jerry Hopkins No One here Gents Out Alive auf Englisch in die Hände. Ich las sie in zwei Tagen durch und wollte mehr über Morrison und den Doors wissen. Die Biografie kam 1990 bei Heyne Szene in deutscher Übersetzung unter dem Titel Keiner kommt hier lebend raus heraus und ich kaufte sie mir noch einmal. Ein Schulfreund hatte das bekannte Morrison-Plakat in seinem Zimmer hängen und wir hörten Tag ein, Tag aus die Schallplatten.

Ich hörte immer wieder von den provokanten Auftritten des Musikanten. An Konzertfilme kam ich damals nicht heran, aber Morrison ließ in meiner Vorstellung die Sau raus. Literarische Geschichten über den wilden Mann hatte ich ja allerhand gelesen. Erst später sah ich die Auftritte vom Hollywood Bowl oder Isle of Wight.

Zwei Erinnerungen an den Doors habe ich, die mir an Morrisons Todestag einfallen: Bei einer Sonderführung durch den Passauer Dom mit der großen Orgel hörten wir dem Organisten beim Spiel zu, während wir das Gotteshaus durchschritten. Der göttliche Bach rauf und runter und irgendwann spielte der Kirchenmusiker dann Light my Fire. Das Orgelspiel ist unverkennbar und zeugte von dem unglaublichen Humor des Kirchenmusikers. Morrison muss sich von oben krank gelacht haben.

Die zweite Erinnerung war meine Klassenfahrt nach Paris in der Kollegstufe. An einem freien Nachmittag machten mein Schulfreund Alexander und ich uns auf, um den Prominentenfriedhof Père Lachaise zu besuchen. Dort liegen die großen Franzosen begraben: Wir besuchten die Gräber von Balzac, Callas, Casanova, Doré und auf einmal standen wir vor dem Grab von Jim Morrison. Herrschaften in Jeans saßen auf den umliegenden Gräbern, Doors-Musik kam aus Ghettoblastern, Joints und Flaschen wurden herumgereicht. Als eine Flasche mir angeboten wurde, dachte ich, es sei Wasser und kam dann mit einem großen Schluck Wodka in Kontakt. Ich hatte leider nur meine Pocketkamera dabei und schoß nur ein Foto von den Feierlichkeiten. Film war schließlich teuer und ich hatte ja schon die großen toten Franzosen abgelichtet. So entstand nur eine Aufnahme von der Grabstätte, die beschmiert war. Flaschen standen herum, Hippies trauerten um ihr Idol.

Uns wohlerzogenen Schülern gefiel die Atmosphäre und beobachteten das Ereignis. Als der Friedhof geschlossen wurde, rückte die Gendarmie an und räumte die Ruhestätte und sorgte für Ruhe. Wir verzogen uns besser, um nicht unserem Lehrer erklären zu müssen, warum er uns von einer französischen Polizeistation abholen sollte.

Und wie ich vor Ewigkeiten die Biografie Keiner kommt hier lebend raus von Jerry Hopkins verschlungen hatte, holte ich jetzt die Biografie Jim Morrison. 100 Seiten von Birgit Fuß hervor. Sie ist bei Reclam erschienen und der Verlag stellte mir ein Exemplar zur Verfügung. Das Büchlein ist vor allem lesenswert, weil es keine datengeschwängerte Biografie von Morrison ist, sondern weil es eine Heiligenverehrung voller Emotionen geworden ist. Die Daten und Fakten stimmen alle, aber ich hab das Buch vor allem wegen seiner Emotionen gerne gelesen. Was soll man anderes schreiben, wenn ich diese Zeilen von Birgit Fuß lese? „Von allen Unsterblichen ist Jim Morrison der Unsterblichste – und derjenige, bei dem sich Erwachsene immer etwas verschämt winden: Die Doors? Habe ich als Teenager geliebt.“ Muss ich mehr sagen?

HomeOffice: Wir packen unsere sieben Sachen

1. Juli 2021
Seit heute heißt es wieder: Ab ins Büro

Seit heute packen meine Nachbarn ihre sieben Sachen und kutschieren wieder ins Büro. Die HomeOffice-Pflicht für Unternehmen endet am 1. Juli und scheinbar viele Arbeitgeber bestehen darauf, dass der Mitarbeiter wieder brav im Büro sitzt. Gearbeitet wird schließlich nur, wer im Büro anwesend ist, so das Denken so mancher Abteilungsleiter und Chefs. Das zeigt, welches Menschen- und Mitarbeiterbild hier vorherrscht.

HomeOffice ist für mich als selbstständiger Kopfwerker keine Ausnahme, sondern die Regel. Daher sehe ich vieles vielleicht durch eine subjektive Brille. Ich muss nur raus, wenn ich zu Seminaren oder Beratungen vor Ort muss, die per Web nicht gewünscht sind. Aber bei meinen Gesprächen habe verschiedene Eindrücke gewinnen können: Mitarbeiter waren zu Hause ausgeglichener, wenn sie sich zum Arbeiten zurückziehen konnten. Ein Nachbar zog mit seinem Laptop ins Dach. Ein anderer zog sich in seinen Wohnwagen zurück, der vor dem Haus parkte. Viele haben es genossen, sich zu Hause nach einer Tasse Kaffee vor den Rechenknecht zu setzen und sich die zum Teil enormen Anfahrtswege zur Arbeit gespart. Die Lebensqualität hat für einige deutlich zugenommen. Ich stelle heute eine deutliche Verkehrszunahme fest, nachdem die HomeOffice-Pflicht weggefallen ist: Die Straßen und der ÖPNV sind voller.

Work-Life-Balance war im HomeOffice kein Fremdwort mehr. Man hatte mehr Zeit für die Familie, für seine Hobbies, war ausgeglichener und – was nicht zu unterschätzen ist – man hat ausgewogener gegessen.
Meine Nachbarn erzählten mir, dass sie auch leistungsfähiger waren und deutlich effektiver. Die Ablenkungen waren zu Hause deutlich geringer als im Büro, wenn der nervige Kollege von nebenan etwas will.
Allerdings ist auch klar: HomeOffice klappt nur, wenn die Rollen in der Familie geklärt sind und jeder seinen Beitrag leistet: Kinder, Küche und Kehrwoche darf nicht an einer Person hängen bleiben. Und HomeOffice klappt nur bei einer digitalen Infrastruktur. Auch wir zu Hause haben technisch aufgerüstet und die Bandbreite erhöht, weil zum Teil bis zu vier Personen das Netz nutzen mussten.

Subjektive Eindrücke contra Umfragen
Ich werfe mal einen Blick auf die veröffentlichte Meinung. Nach dem Auslaufen der Homeofficepflicht wollen einer DAK-Bayern-Studie zufolge 90 Prozent auch künftig mindestens ein Viertel ihrer Arbeitszeit daheim ableisten. 46 Prozent wollen höchstens zur Hälfte, zehn Prozent fast gar nicht mehr ins Büro zurück. Während der zweiten Corona-Welle waren laut DAK rund 40 Prozent der Beschäftigten in Bayern im Homeoffice – bei hoher Arbeitszufriedenheit und Produktivität.

Filmtipp: Eleonore – Horrorfilm von 1975

27. Juni 2021

Der Film Eleonore ist für mich in doppelter Hinsicht ein vergessener Film. Zum einen ist der Film in der Reihe vergessene Historienfilme auf DVD erschienen, zum anderen hatte ich diesen Film auf DVD in meinem Archiv vergessen und wurde erst wieder von meinem Filmkollegen Stefan Preis erinnert, dass der Film seit zehn Jahren in meinem Besitz ist.

Der Film Eleonore ist für mich in doppelter Hinsicht ein vergessener Film. Zum einen ist der Film in der Reihe vergessene Historienfilme auf DVD erschienen, zum anderen hatte ich diesen Film auf DVD in meinem Archiv vergessen und wurde erst wieder von meinem Filmkollegen Stefan Preis erinnert, dass der Film seit zehn Jahren in meinem Besitz ist.
Eleonore ist ein wunderbarer Schauerfilm aus dem Jahre 1975 unter der Regie von Juan Bunel, der Sohn des großen Bunel. Wie ich recherchierte, lief der Film vor Urzeiten wohl im deutschen Fernsehen und war dann in den Archiven verschwunden. Erst das Voulez vous-Label brachte den Film wieder zum Vorschein mit einer DVD-Veröffentlichung aus dem Jahre 2010. Ich habe keine Bluray-Fassung des romantischen Horrors bisher gefunden. Verdient hätte es dieser Klassiker allemal.


Als ich mir den Film damals blind gekauft hatte, ging ich fälschlicherweise von einer literarischen Vorlage von Edgar Allen Poe aus. Aber ich täuschte mich: Eleonore wurde geschrieben von Ludwig Tieck (1773 bis 1853). Die Verfilmung hat eine Besetzung, die sich sehen lassen kann. Vor der Kamera der große Michel Piccoli sowie die großartige Liv Ullmann und eine bezaubernde junge Ornella Muti. Hinter der Kamera stand Luciano Tovoli, den wir später bei Argento wieder treffen. Den Score schuf Ennio Morricone – was muss man also noch sagen?

Auf DVD erschien der Film als Historienfilm, was dem Werk aber nicht gerecht wird. Ich würde ihn als Grusel- oder Schauerfilm, wenn nicht gar als Horrorfilm, aber auf jeden Fall zum fantastischen Film einordnen. Die ersten 50 Minuten sind ein Melodram über den Verlust der großen Liebe und die Sehnsucht nach ihr und es ist große Schauspielkunst. Der Ritter Richard verliert seine Eleonore bei einem Reitunfall und begräbt sie trauernd in einer Gruft. Er kommt aber nicht los von ihr, heiratet ein junges Ding und wird Vater von zwei Jungs. Das Herz und der Verstand bleiben aber in Erinnerung an Eleonore.

Nach 50 Minuten taucht ein Fremder auf und bringt die Verstorbene zurück ins Leben. Und nun beginnt der Horror. Eine unschuldige Hexe wird verbrannt, die Pest geht um. Die Untote tötet Kinder in der Umgebung und auch die Stiefsöhne müssen daran glauben. Der Untoten ist nicht bewusst, dass sie tot war und ins Leben zurückgeholt wurde. Scheinbar wird sie nur am Leben erhalten, wenn sie Kinder tötet. Das Leben ernährt sie und daher die Anleihen vom Vampirfilm. Dennoch ist in in Eleonore kein Tropfen Blut oder spitze Zähne zu sehen. Jugend als Lebenselixier.

Im Grunde eine Mischung aus dem Vampirthema und Rebecca von Daphne du Maurier in der Hitchcock-Verfilmung. Eleonore als tragische Figur. Richard verfällt der Untoten immer mehr, will sie aber dennoch mit Zauberei bezwingen und geht aber gemeinsam in den Tod.

Dracula im Film (16): Vampire Nation

25. Juni 2021

Irgendwie hab ich Vampire Nation bei Amazon Prime Video entdeckt und als Freund der scharfen Zähne war ich gespannt, was mich da so erwartete. Ich bekam eine Mischung von Walking Dead mit Vampiren und Roadmovie zu sehen, der die Vampirfilme der Achtziger Jahre aufs Korn nimmt. Und natürlich ist der Vampirfilm ohne Dracula.

War es ein guter Film? Nein, das war Vampire Nation auf keinen Fall. Die Idee war okay, die Umsetzung überraschend gut, aber berührt hat mich der Film nicht. Er wollte zuviel in zu kurzer Zeit. Wäre Vampire Nation eine Serie, dann wäre es auch keine großartige Vampir-Serie geworden, aber die Geschichten wären besser verteilt worden und die Wirkung wäre besser gewesen. So ist der Film eine Aneinanderreihung von interessanten Geschichten, aber es ist zuviel auf einmal. Und wenn man ehrlich ist, hat man ein paar der Geschichten anderswo schon einmal gesehen.

Und dennoch mag ich die Atmosphäre von Vampire Nation. Irgendwie denke ich immer, wie sehr der legendäre Richard Matheson so viele Drehbuchautoren nach ihm beeinflusst hat. Und wahrscheinlich hat Vampire Nation-Autor und Regisseur Jim Mickle auch seinen Matheson verschlungen und wollte etwas an den Meister zurückgeben.

Vampire Nation ist aus dem Jahre 2010 und ist an mir spurlos vorbeigegangen. Er kam 2011 bei uns auf DVD heraus und ich hatte ihn komplett übersehen. Ich bin bei Amazon Prime Video auf den Film gestoßen, es gibt ihn auch für den schmalen Geldbeutel auf Bluray.
Die Vampire in diesem Film sind keine edlen Geschöpfe der Nacht, sondern brutale Killermaschinen. Sympathie oder gar Mitleid kommt für die Vampire als Geschöpfe der Nacht hier nicht auf. Sie müssen auf die übliche Weise beseitigt werden und als Trophäe bricht der unheimliche Held, Mister genannt, die Zähne aus dem Kiefer. Also der Film ist etwas für die Freunde des härteren Films, um in der Pandemie ein wenig die Zeit zu überbrücken. Nett fand ich die Erzählstimme aus dem Off, also ein bisschen Film Noir, Sam Spade und Rick Deckard aus der ersten Version von Blade Runner. So kann die Gefühlswelt der Darsteller transportiert werden, ohne dass die Schauspieler in Vampire Nation großes Talent haben müssen.

Es heißt, es soll eine Fortsetzung von Vampire Nation mit dem Namen Vampire Nation – Badlands geben. Den werde ich mir irgendwann auch ansehen. Denn es gibt einfach zu wenig Vampire au der Welt.