Archive for the ‘Medien’ Category

CSU-Netzkongress setzt klare Zeichen

18. März 2012
Dorothee „Doro“ Bär und Prof.  Dr. Dirk Heckmann präsentieren das Positionspapier des CSU-Netzrates.

Dorothee „Doro“ Bär und Prof. Dr. Dirk Heckmann präsentieren das Positionspapier des CSU-Netzrates.

Der zweite Netzkongress der CSU war ein Erfolg – nach innen und nach außen. Das zweite Positionspapier des CSU-Netzrates wurde von der Bundestagsabgeordneten Dorothee „Doro“ Bär und Prof.  Dr. Dirk Heckmann nach außen dem Publikum und der Presse vorgestellt. Die Thesen dieses Papiers sind sehr interessant und verlocken zur Diskussion über Netzthemen. Sie regen an, fordern ein Bekenntnis zum Netz ein, sie wollen die digitale Spaltung in unserem Land überwinden.

So fordern die schwarzen Netzpolitiker einen Internet-Minister auf Bundesebene (erinnert mich irgendwie an den Atomminister FJS). Dieser Minister soll als Schnittstelle zwischen den verschiedenen politischen Ressorts fungieren, auf gut deutsch: Wahrscheinlich soll jedem reinreden, denn das Netz ist nicht ein eigenes Ressort, denn allgegenwärtig.

Aber die Initiatoren des CSU-Netzkongresses haben recht: Das Internet ist schon lange mitten in der Gesellschaft angekommen, auch wenn es Teile der analogen Gesellschaft nicht wahrhaben wollen. Ich kann es nicht mehr hören, wenn Leute sagen, sie gehen jetzt ins Internet – das klingt so, was würden sie einen virtuellen Raum betreten. Quatsch, das Netz ist Alltag.

Ich musste bei dem Kongress in den Räumen der Hanns-Seidel-Stiftung schon zweimal hinschauen. Steht da wirklich CSU außen auf dem Positionspapier? Viele der Forderungen müssen etablierte Parteialtvorderen ziemlich auf die Palme bringen: Gegen Netzsperren, gegen ACTA.

Gut besucht war die Veranstaltung in der Hanns-Seidel-Stiftung.

Gut besucht war die Veranstaltung in der Hanns-Seidel-Stiftung.

Dass die Veranstaltung ein Erfolg war, zeigte sich nach der großen Resonanz. Der Hastag #csunk2 war am Ende des Konferenztages Trending Topic bei Twitter. Darüber sorgten sicherlich nicht nur die zahlreichen CSU-Mitglieder und -Sympathisanten, sondern auch die zahlenmäßig gut angereisten Piraten.

Die Veranstaltung war aber vor allem ein Erfolg nach innen. Dafür sorgte Dorothee Bär und ihr Team mit einem genialen Schachzug. Es war ein klarer Wink mit dem Zaunpfahl in die eigene Partei. Leute, wacht auf. Denn die Organisatoren des Netzkongresses hatten eine hervorragende Idee: Sie holten den ehemaligen CSU-Chef Dr. Edmund Stoiber auf die Bühne. Stoiber erreicht die Konservativen in der Partei und sogar die Betonköpfe und die Hardliner. Wenn ein Stoiber sagt, das Internet sei eine gute Sache, dann bewegt sich auch innerhalb der CSU etwas. Für meine Begriffe war die Stoiber-Rede viel zu lang, aber dennoch war es ein richtiges Zeichen. Obwohl ich es nicht mehr hören kann, welch Visionär dieser FJS war. Strauß ist seit 1988 tot und viele der Netzkongressbesucher waren noch nicht einmal geboren, als Strauß starb. Wäre FJS heute am Leben, würde er bei seinen Geschäften aus dem Amt getrieben. Die Zeiten ändern sich.

Ein wichtiges Zeichen: Ex-CSU-Chef Stoiber wirbt für das Netz.

Ein wichtiges Zeichen: Ex-CSU-Chef Stoiber wirbt für das Netz.

Aber Stoiber bekannte sich zum Netz, warb bei den Netzbefürwortern um mehr Toleranz – ggf sollte er auch bei seinen analogen Anhängern für mehr Toleranz werben. Aber es ist ein ganz wichtiges Zeichen für die CSU. Die Netzpolitiker werden nach dem Auftritt von Stoiber ernster genommen – nach innen und nach außen. Das war für mich das wichtigste Zeichen dieses zweiten CSU-Netzkongresses.

Buchkritik: Lego Star Wars: Lexikon der Minifiguren

15. März 2012

Lego Star Wars ist schon so eine Sucht. In schöner Regelmäßigkeit bringt der Plastiksteinhersteller aus Dänemark neue Versionen von Raumschiffen, Panzern, Racern, Fahrzeugen aus dem Star Wars-Universum auf den Markt. Mit dabei sind die kleinen Minifiguren. Es gibt Hunderte von diesen Figuren und oftmals eine Person in mehreren Varianten. Da verliert selbst der treue Star Wars-Fan den Überblick.

Da kommt das Buch LEGO Star Wars Lexikon der Minifiguren: Mit über 300 Minifiguren! aus dem Haus Dorling Kindersley gerade recht. Das Buch dokumentiert über 300 Minifiguren und ist natürlich bei Erscheinen schon wieder überholt, denn die Lego Star Wars-Maschinerie läuft auf vollen Hochtouren.

Das Buch ist nach Episoden gegliedert. Begonnen bei Episode I hin zu den Clone Wars und dem erweiterten Universum. Es sind zwar nur kleine Figuren, doch für uns Star Wars-Fans sind es wahre Sammlerstücke, die zum Fachsimpeln herausfordern. Wussten Sie zum Beispiel, das einige Roboter der Marke C3-PO aus echten 14-karätigen Gold bestehen? Im Jahr 2007 wurde der Goldschatz zum 30. Geburtstag von Lego Star Wars fünf Mal zufällig in 10.000 Sets beigelegt. Und es gab im März 2010 eine durchsichtige Sturmtruppe in einem Werbeset von Toys‘R‘ Us, die heute unter Sammlern einigen Wert hat.

Das Buch zeigt auch die Fehler in Lego Star Wars. So erschien 2007 beispielsweise Qui-Gon mit einem falschen Kopf. Er trug fälschlicherweise den Kopf von Obi-Wan Kenobi. Er wurde später durch den richtigen Kopf ersetzt.

Wozu braucht man eigentlich dieses Buch? Es zeigt, in welchen Sets welche Figuren beinhaltet sind. So liegen beim Raumschiff LEGO Star Wars 8097 – Slave I, dem Raumschiff von Boba Fett, als Figuren der Eigentümer Boba Fett, der Geschäftskollege Alien-Kopfgeldjäger Bossk und Han Solo in Karbonit bei. Bossks Reptilienkopf mit den stumpfen Hörnern und scharfen Zähnen wurde extra für diese Minifigur geschaffen.

Wie schnell dieses Buch veraltet, zeigt allerdings das Beispiel von Padawan Barriss Offee. Im Buch wird behauptet, dass der Nachwuchs-Jedi nur im Set Lego Star Wars 8091 – Republic Swamp Speeder vorhanden sei. Denkste. Vor kurzem erschien das Lego Set LEGO Star Wars 9491 – Geonosian Cannon mit eben dieser Barriss Offee, dem Klonkommandanten Gree, einen geonosianischen Krieger sowie einen geonosianischen Zombie. So schnell veraltet Papier.

Und dennoch: Das Buch hat eine absolute Besonderheit. Es beinhaltet eine Spezialausgabe von Han Solo als Held. Es zeigt den Kapitän des Rasenden Falken in der Festbekleidung von Episode IV als der Todesstern besiegt wurde. Diese Figur liegt exklusiv diesem Buch bei und das ist eigentlich schon alleine ein Kaufgrund für das LEGO Star Wars Lexikon der Minifiguren: Mit über 300 Minifiguren! .

Buchkritik: Das STAR WARS Kochbuch: Wookiee Cookies und andere galaktische Rezepte

13. März 2012

Bei uns zu Hause lieben wir Kochbücher. Es ist eine Entspannung für den Geist die schönen Bücher durchzublättern. Und als Star Wars-Fan der ersten Stunde legte sich die Familie gleich Das STAR WARS Kochbuch: Wookiee Cookies und andere galaktische Rezepte zu.

Natürlich darf man keine besondere Küche erwarten, aber der Spaß für kleine und große Jedi-Ritter ist garantiert. Wenn ich ehrlich bin, sind die Rezepte nicht immer überzeugend, die Idee dahinter ist es. Wir haben als Familienereignis gleich mal an den Amidala Zopf gewagt und das Rezept abgewandelt. Im Buch wird Wasser für den Hefe-Zopf vorgeschlagen und wir haben stattdessen Milch verwendet. Leider stimmten die Mengenangaben nicht. Wir mussten mehr Mehl verwenden. Geschmeckt hat es am Ende sehr gut.

Produktion des Amidala Zopfes

Produktion des Amidala Zopfes

Hier liegt der Zopf von  Amidala in der Form.

Hier liegt der Zopf von Amidala in der Form.

Ein paar Rezepte sind wahre Hingucker, andere lassen wir besser links liegen. Gut gefallen haben uns der Tatooine Toast (Brot mit Ei) sowie das machtvolle Omelett, Zofenrösti und ganz besonders die Hot TIE Fighter Dogs. Sehr schön waren auch die Getränke. Insgesamt sind in dem Panni-Buch aber nur magere 56 Rezepte abgedruckt. Und wenn ich ein Geheimnis verraten soll: Es sind Standardrezepte, die gar nicht aus dem Universum stammen, sondern eher aus dem Hauswirtschaftskurs der Großmutter (aber der Grundkurs aus den USA mit viel Zucker). Ein paar galaktische Namen aus dem Star Wars-Universum dazu fantasiert und schon ist der Nepp fertig, der uns Fans wieder 20 Euro aus den Taschen zieht. Wie immer eine geniale Merchandising-Idee aus dem Hause Lucas. Aber was soll es! Mir hat es gefallen und der Familie hat das Kochen mit dem Kochbuch Spaß gemacht. Klar, etwas mehr Star Wars-Bezug wäre schon schön gewesen außer ein paar Bildchen mit Figuren und Fantasietexte zu den Rezepten. Aber die Macht war uns beim Kochen gnädig und das ist das Wichtigste. Das Buch Das STAR WARS Kochbuch: Wookiee Cookies und andere galaktische Rezepte ist aber nur für Fans geeignet – der Rest der Welt versteht diesen Humor wohl nicht.

Der finale Amidala Zopf - guten Appetit.

Der finale Amidala Zopf - guten Appetit.

Buchkritik: Dracula – die Graphic Novel von Leah Moore/John Reppion

12. März 2012

Ich taste mich langsam in die Welt der Comics vor. Nachdem ich als Kind die Hefte verschlang, herrschte bei mir lange Jahre komplette Comic-Abstinenz. Aber jetzt bin ich wieder im Comic-Fieber und als Dracula-Fan erwarb ich den Panni-Comic Dracula: Die Graphic Novel. Nach dem Roman von Bram Stoker erzeugten Leah Moore und John Reppion sowie Zeichner Colton Worley ihre Interpretation des berühmten Vampirromans. Ich war skeptisch, sehr skeptisch – doch die Graphic Novel überzeugte mich auf der ganzen Linie. Ich war überrascht, wie dicht sich das Autorenehepaar an das Original von Stoker hielten. Es sind zahlreiche Originalzitate verwendet. Zum Glück wurde das viktorianische Englisch nicht in einer konforme Neusprache verwandelt. Natürlich wurde hier und da gekürzt, doch entfernte sich das Autorenduo nicht weit vom Original.

Und so wurde das prüde England in die Neuzeit gerettet zusammen mit den zahlreichen sexuellen Anspielungen. Ich kann das pubertäre Gejaule von New Morning-Fans nicht mehr hören, wie sexy der Vampir doch sei. Leute, greift zum Original und wenn ihr es aufgrund der Sprache nicht mehr lesen könnt, dann nehmt diesen Comic.

Die Spannung steigt Seite für Seite, die Erotik und Angst gehen Hand in Hand. Die grafische Interpretation des einstigen Werbegrafikers ist Colton Worley gelungen. Schriftbild, Typografie, die gedeckten Farben, Linienführung – hier passt alles zusammen.

Diese Adaption Dracula: Die Graphic Novelvon Bram Stokers Stoff ist gelungen und jedem Dracula-Fan ans Herz gelegt.

Sonntag ist der beste App-Tag

2. März 2012

Wann ist eigentlich der beste Tag, um eine App zu veröffentlichen? Diese Frage ging der Software-Hersteller Quark nach und für mich ist das Ergebnis überraschend: Der Sonntag. Man könnte denken, der Sonntag sei ein eher ruhiger Tag und nicht gerade der Tag der großen Umsätze. Eine jüngst durchgeführte Untersuchung des Android Market und Apple App Store beweist jedoch das Gegenteil:

Der beste Tag, um eine neue App in einem App Store zu starten, ist der Sonntag, so lautet das Ergebnis der Analyse, die der Suchdienst Mobilewalla kürzlich in seinem Developer-Forum veröffentlicht hat. In der Studie wurden 17 Wochen lang die Veröffentlichungen im Apple App Store und im Android Market untersucht. 91.754 iOS Apps und 122.220 Android Apps wurden innerhalb des Untersuchungszeitraumes neu in die App Stores aufgenommen.

Die Analyse zeigte, dass die meisten Entwickler den Mittwoch als Launch-Termin für ihre Apps bevorzugen oder diesen Wochentag durch den Freigabe-Prozess zugewiesen bekommen. Am Sonntag ist jedoch die Chance, eine App unter den Top 240 zu platzieren, am größten. Die Top 240 sind in der Untersuchung von Mobilewalla diejenigen Apps mit dem höchsten Ranking des jeweiligen App Stores. Von den am Sonntag veröffentlichten iOS Apps schaffen es 42 Prozent in diese Gruppe. Bei Android sind es laut Studie elf Prozent.

Der Freitag ist statistisch gesehen der ungünstigste Tag für den App-Launch im Apple App Store. Am Freitag erreichen nur zehn Prozent der iOS Apps einen Platz unter den Top 240. Android Apps haben es am Donnerstag am schwersten. Im Android Market schaffen es donnerstags nur sieben Prozent der Neustarts in die Top 240.

Ähnliches kann Thomas Eisenbarth von der deutschen Android-Plattform SmartAppFinder berichten. „Scheinbar ist der User bereit am Sonntag sich mit seinem Smartphone zu beschäftigen und neues Futter auf sein Gerät zu laden.“

Social Media: Wie Dagmar Wöhrl das Netz verstanden hat und sich gegen Spiegel-Vorwürfe wehrt

28. Februar 2012

Die CSU-Bundestagsabgeordnete Dagmar Wöhrl und ihr Beraterstab haben erkannt, dass sie mit sozialen Netzwerken ein Massenmedium bedienen und sie wissen es, dieses Massenmedium eindrucksvoll zu nutzen. Das beweist die Nürnberger Abgeordnete in ihrem Streit mit dem Hamburger Spiegel.

In der Print-Ausgabe des Magazins werden Vorwürfe gegen Wöhrl und ihre Auslandsreisetätigkeit erhoben. Es handelt sich um den Artikel: “Shopping mit VIP-Service” aus DER SPIEGEL 9/2012, Seite 46. In der Vergangenheit wären diese Vorwürfe im Raum gestanden und Frau Wöhrl hätte Schwierigkeiten gehabt, ihre eigene Position in den Massenmedien darzustellen. Doch die Macht von klassischen Massenmedien wird durch soziale Netzwerke eingeschränkt. Dagmar Wöhrl stellt ihre Position auf ihrer Website in verschiedenen Artikeln wie „Spiegelplag: Schuldig im Sinne des Anklägers“ oder „Die Wildsau im Blätterwald – Meine Gegendarstellung“ klar und verbreitet ihre Sichtweise via Social Media. Und auch festzustellen: Ihre Sichtweise wird von ihren Freunden und Followern aufgegriffen und weiter im Netz verbreitet. Großes Lob an Frau Wöhrl: Sie kommuniziert mit ihren Anhängern und Gegnern. Sie führt Dialoge statt nur zu senden. Sie diskutiert, argumentiert, sie zeigt in ihren Twitter-Tweets ihre menschliche Seite und demonstriert auch die Zweifel, die sie hat. Diese Gefühle sind keine Schwäche, wie es von manchen (auch ihrer eigenen) Politikkollegen gesehen wird, sondern sie nimmt den User, den Wähler und das Netz ernst. Das ist nicht der kalte, allwissende Politiker, sondern ein Mensch.

Damit erreicht Dagmar Wöhrl eine große Reichweite und ggf. auch eine größere Glaubwürdigkeit, die sie in der alten Welt der klassischen Kommunikation niemals geschafft hätte.

Natürlich wäre es wohl Dagmar Wöhrl lieber gewesen, der Spiegel hätte die Geschichte in der Print-Ausgabe nicht gebracht, bzw. besser recherchiert. Dennoch zeigt dieses Beispiel, dass sich die Welt der Kommunikation ändert. Dies begreifen noch zu wenig Politiker. Social Media ist für sie lästig nach dem Motto: Was soll ich jetzt noch alles tun, dafür habe ich doch keine Zeit. Manches Mal scheinen soziale Netzwerke für die Politiker auch eine lästige Pflicht. Meinung senden und Meinung verbreiten ist noch okay, aber mit dem Wähler in den Dialog einsteigen? Was will der Wähler denn jetzt schon wieder? Ab und zu wird ein Post abgesetzt und das war es dann gewesen. Ach war die Welt der alten Kommunikation mit den klassischen Pressemitteilungen doch so schön.

Hätte Dagmar Wöhrl nach dem alten Modell gehandelt, dann wäre sie in dieser Krisensituation angeschlagen. Die kleine Abgeordnete hätte gegen den mächtigen Spiegel große Blessuren erlitten. Nein, aber nicht heute. Frau Wöhrl und ihr Team haben über lange Zeit eine glaubwürdige Kommunikation in den sozialen Netzwerken aufgebaut. Sie haben kommuniziert und nicht nur gesendet. Sie ist auf Twitter-Treffen gegangen und hat lange an einer Strategie gearbeitet. Diese Arbeit hat sich jetzt ausgezahlt.

Ich vermag nicht zu urteilen, ob die Angriffe des Spiegels gerechtfertig sind. Durch die Argumente von Dagmar Wöhrl erscheinen die Recherchen des Spiegel als schlampig und tendenziös. Dies würde in das Bild des schwächelnden Qualitäts- und aufblühenden Meinungsjournalismus passen. Bravo Frau Wöhrl, Sie haben das Netz verstanden!

Star Wars in der U-Bahn

26. Februar 2012

Als Brillenträger bin ich neidisch auf all die Star Wars-Fans, die ein Darth Vader-Dress oder eine Sturmtruppen-Uniform tragen können. Die blöde Brille passt nicht unter die Maske und Kontaktlinsen vertrage ich nicht.

Liebend gerne würde ich sonst folgende Aktion in der Münchner S-Bahn nachspielen. Viel Spaß beim Schauen.

Weg mit den EDV-Räumen an unseren Schulen!

24. Februar 2012

Schafft endlich die EDV-Räume in unseren Schulen ab. Seien wir doch mal ehrlich, dieses Experiment ist komplett gescheitert. Die Computerräume wurden errichtet in der Tradition der klassischen Lehrräume wie der Physik-Raum, das Chemie-Labor, der Kunstraum oder der Musiksaal. Im Physik-Raum wurden Strom-Experimente durchgeführt, im Chemie-Labor haben wir organische und anorganische Stoffe gemischt, im Kunstraum wurde  Kunstgeschichte gelehrt und im Musiksaal Noten gepaukt.

Und im EDV-Raum? In meiner Schulzeit programmierte ich auf den vorhandenen Commodore C64 Basic, später Pascal. Heute ist der Stoff im EDV-Unterricht anspruchsvoller.

Aber eigentlich sollte der EDV-Raum mehr sein als nur EDV-Wissensvermittlung. Die zukünftigen Programmierer, die wir dringend brauchen, werden so nicht geschaffen. Seien wir doch mal ehrlich: Es geht doch nicht um Java oder Basic, um C# oder Pascal, sondern es geht um Medienkompetenz. In den meisten Schulen steht der teuer eingerichtete Computerraum die meiste Zeit leer. Bei 45 Minuten Unterrichtszeit trabt die Klasse nicht extra in den Raum, um in Google etwas zu suchen oder in Wikipedia einen Text zu kopieren. Da kann ich jeden Lehrer verstehen, der bei dicht gedrängtem Unterrichtsstoff einen Bogen um den EDV-Raum macht. Vielleicht trifft sich die AG Schülerzeitung noch dort, um an der nächsten Ausgabe der Zeitung zu arbeiten, oder der frühere Schreibmaschinenkurs übt das Zehnfinger-System.

Arbeit mit Computer muss heute anders aussehen. Digitales Lernen muss anders aussehen. Computer und das Netz sind heute allgemeingegenwärtig, nur leider nicht in der Schule und im Unterricht.

Der Weg, den Apple geht, ist vollkommen richtig. Vergesst die Bücher, vergesst die Rechner. Stattet die Schüler mit iPads aus, holt euch die neuen Lehrbücher, installiert WLAN in der Schule und fangt an, unsere Kinder für das 21. Jahrhundert fit zu machen. Wir brauchen keine EDV-Räume, sondern wir brauchen in den Köpfen von Schülern und Lehrern Medienkompetenz.

Dem Computerraum droht das gleiche Schicksal wie dem Sprachlabor. Hier wurden wir als Schüler hineingeschickt und sollten Englisch oder Französisch erlernen. Ich habe dabei nix gelernt und der Raum wurde die meiste Zeit für Schulaufgaben genutzt.

Social Media: Live dabei beim politischen Aschermittwoch

23. Februar 2012
Live Streaming vom politischen Aschermittwoch von CSU und SPD.

Live Streaming vom politischen Aschermittwoch von CSU und SPD.

Als Journalist bin ich interessiert, was am politischen Aschermittwoch in Bayern gesagt wird. Nächstes Jahr ist bei uns Landtagswahl und es wird spannend. Herausforderer Christian Ude tritt gegen Amtsinhaber Horst Seehofer als bayerischer Ministerpräsident an. Als Unterhaltung, nicht als Information, dienen dabei die Auftritte der Spitzenpolitiker bei den jeweiligen politischen Aschermittwochsveranstaltungen in Passau (CSU) und Vilshofen (SPD). Es sind Stammtischreden, nichts weiter.

Dieses Jahr musste ich mir nicht überlegen, welche Rede ich live vor Ort verfolgen sollte. Den angriffslustigen Ude oder den wortgewaltigen Stoiber? Nix da, ich blieb einfach zu Hause. Ich saß beim Frühstück und verfolgte die Reden via Livestream am iPad und am MacBook Air. Ich checke die Meinungen, Stimmungen via Facebook und Twitter. Die Twitter-Hashtags waren #spdam12 und #csuam12. Ich sah mir die geposteten Schnappschüsse und Clips an. Ich diskutierte beim Live-Chat in Facebook. Dank Technik war ich live an meinen Devices dabei. So stelle ich mir den Einsatz von Social Media vor.

In klassischen Massenmedien wie Fernsehen schaute ich auch kurz rein. Aber nur kurz, denn ich musste das Gequatsche der Kollegen anhören. Der Phoenix-Kommentator beim Aschermittwoch der CSU: „Es ist ja nicht ungewöhnlich in Bayern, morgens oder vormittags ein Bier zu trinken. Dementsprechend ist die Stimmung.“ Danke für diesen Beitrag in Sachen Qualitätsjournalismus.

Upps, Ministerpräsident Seehofer spricht aus einer rosa (Boxen-)Sau.

Upps, Ministerpräsident Seehofer spricht aus einer rosa (Boxen-)Sau.

Langsam, ganz langsam verstehen die politischen Parteien CSU und SPD die Macht von Social Media. Hier können Parteien selbst senden. Sie brauchen keine Journalisten als Filter, sondern sind selbst Sender. Sie nutzen durch Social Media ein neues Massenmedium. Aber noch haben es die Parteimitglieder und Mandatsträger in der Masse nicht verstanden. Funktionen wie Retweet bei Twitter oder Teilen bei Facebook werden nicht intensiv genutzt, um Botschaften zu verbreiten. Beim Fußvolk klappt es in Ansätzen. Aber ich hätte eigentlich erwartet, dass mehr Abgeordnete aus Land, Bund oder Europa die Chancen nutzen, um ein digitales Profil zu gewinnen. Es reicht nicht nur aus, in Passau oder in Vilshofen beim Stammtisch dem Nachbarn zu zuprosten. Bitte auch virtuell die digitalen Nachbarn daran teilhaben lassen. Aber wir haben ja noch den politischen Aschermittwoch 2013.

Buchkritik: Bob Dylan revisited

22. Februar 2012

Als Bob Dylan-Fan und angehender Comic-Interessierter kann ich die Veröffentlichung „Bob Dylan Revisited“ zu großen Teilen empfehlen. In diesem Comic des Carlsen Verlages werden 13 Songs die Meister illustriert und damit visuell interpretiert. Es war für mich ein interessantes Experiment, die 13 Songs auf einen iPod zu spielen und beim Lesen parallel abzuspielen. Das Experiment scheiterte.

Meine Interpretation und die Interpretation der Künstler gehen bei einigen Songs weit auseinander. Meine Bilder im Kopf passen nicht immer zu den Bilder in diesem Comic-Band. Für mich liegen manche zeichnerische Interpretationen zu nah auf der Hand, sie kleben zu sehr am Text und es fehlt der Blick über den Tellerrand. Bob Dylan Songs sind nicht nur einfache Geschichten, sondern auch Parabeln über das Leben. Es reichen manches Mal nur ein, zwei Zeilen des Meisters, um Bilder in meinen Kopf zu erzeugen, die weit über die zeichnerische Interpretation des vorliegenden Comic-Bandes hinausgehen.

Und ich tat mich schwer mit der Übersetzung. Was sicher ein Manko ist, die Songs wurden ins Deutsche übersetzt. Zwar ist der Übersetzer Gisbert Haefs und das bedeutet eine hervorragende Übersetzung, der auch das Standardwerk Lyrics übersetzt hat, dennoch gefällt es mir eigentlich nicht. Dylan entfaltet seine Wirkung im englischen Original – ich höre mir auch die Songs nicht in Übersetzung an.

Daher schneiden bei mir die Comic-Versionen mit reduzierten oder ohne Text wesentlich besser ab – Ausnahme ist Hurricane von Gradimir Smudja. Für mich die besten Geschichten des Comics sind daher Desolation Row von Dave McKean, Like a rolling Stone von Alfred und ganz fantastisch Blind Willie McTell von Flao.

Also, wir Dylan-Fans brauchen das Buch „Bob Dylan Revisited“ sowieso und der Rest der Ungläubigen, wird sowieso keinen Blick in einen Dylan-Comic verschwenden.