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Buchkritik: Bob Dylan revisited

22. Februar 2012

Als Bob Dylan-Fan und angehender Comic-Interessierter kann ich die Veröffentlichung „Bob Dylan Revisited“ zu großen Teilen empfehlen. In diesem Comic des Carlsen Verlages werden 13 Songs die Meister illustriert und damit visuell interpretiert. Es war für mich ein interessantes Experiment, die 13 Songs auf einen iPod zu spielen und beim Lesen parallel abzuspielen. Das Experiment scheiterte.

Meine Interpretation und die Interpretation der Künstler gehen bei einigen Songs weit auseinander. Meine Bilder im Kopf passen nicht immer zu den Bilder in diesem Comic-Band. Für mich liegen manche zeichnerische Interpretationen zu nah auf der Hand, sie kleben zu sehr am Text und es fehlt der Blick über den Tellerrand. Bob Dylan Songs sind nicht nur einfache Geschichten, sondern auch Parabeln über das Leben. Es reichen manches Mal nur ein, zwei Zeilen des Meisters, um Bilder in meinen Kopf zu erzeugen, die weit über die zeichnerische Interpretation des vorliegenden Comic-Bandes hinausgehen.

Und ich tat mich schwer mit der Übersetzung. Was sicher ein Manko ist, die Songs wurden ins Deutsche übersetzt. Zwar ist der Übersetzer Gisbert Haefs und das bedeutet eine hervorragende Übersetzung, der auch das Standardwerk Lyrics übersetzt hat, dennoch gefällt es mir eigentlich nicht. Dylan entfaltet seine Wirkung im englischen Original – ich höre mir auch die Songs nicht in Übersetzung an.

Daher schneiden bei mir die Comic-Versionen mit reduzierten oder ohne Text wesentlich besser ab – Ausnahme ist Hurricane von Gradimir Smudja. Für mich die besten Geschichten des Comics sind daher Desolation Row von Dave McKean, Like a rolling Stone von Alfred und ganz fantastisch Blind Willie McTell von Flao.

Also, wir Dylan-Fans brauchen das Buch „Bob Dylan Revisited“ sowieso und der Rest der Ungläubigen, wird sowieso keinen Blick in einen Dylan-Comic verschwenden.