Archive for the ‘Film’ Category

The Breakfast Club – Matinee am 12. Juli im Scala Fürstenfeldbruck

10. Juli 2026

Ein Samstag in der Schule. Fünf Jugendliche, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben wollen. Ein Streber, ein Rebell, eine Prinzessin, ein Sportler und eine Außenseiterin. Sie alle müssen nachsitzen – und glauben zunächst, genau zu wissen, wer die anderen sind. Doch im Laufe dieses einen Tages bröckeln die Fassaden. Aus Vorurteilen werden Gespräche, aus Abwehr wird Nähe, aus Rollenbildern werden Menschen. Ich bespreche und zeige den Teenie-Klassiker The Breakfast Club in meiner Matinee am 12. Juli im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

„The Breakfast Club“ ist weit mehr als ein Jugendfilm der 80er-Jahre. Es ist ein Film über das Erwachsenwerden, über den Druck von Eltern, Schule und Gesellschaft, über Einsamkeit, Unsicherheit und den Wunsch, endlich gesehen zu werden. Regisseur John Hughes schafft es, mit wenigen Räumen und einer scheinbar einfachen Ausgangssituation ein zeitloses Kammerspiel über Jugend, Identität und Verletzlichkeit zu erzählen.

Der Film lebt von seinen Figuren. Jede und jeder von ihnen scheint zunächst ein Klischee zu sein: Brian, der pflichtbewusste Musterschüler; Bender, der aufmüpfige Provokateur; Claire, das beliebte Mädchen aus gutem Haus; Andrew, der erfolgreiche Sportler; und Allison, die stille Außenseiterin. Doch je länger sie miteinander eingeschlossen sind, desto klarer wird: Hinter jeder Maske steckt Angst. Angst, nicht zu genügen. Angst, enttäuscht zu werden. Angst, nicht dazuzugehören.

Gerade deshalb wirkt „The Breakfast Club“ bis heute so stark. Der Film nimmt junge Menschen ernst. Er belächelt ihre Probleme nicht, sondern zeigt, wie schwer es sein kann, in eine Rolle gedrängt zu werden – und wie befreiend es ist, diese Rolle für einen Moment abzulegen. Dabei ist der Film mal witzig, mal bitter, mal rebellisch und immer überraschend ehrlich.

Unvergessen ist auch die Musik: „Don’t You (Forget About Me)“ von Simple Minds wurde zur Hymne einer ganzen Generation. Der Song fasst perfekt zusammen, worum es in diesem Film geht: um den Wunsch, nicht vergessen, nicht übersehen, nicht auf ein Etikett reduziert zu werden.

„The Breakfast Club“ ist Kult, weil er eine einfache Wahrheit erzählt: Niemand ist nur das, was andere in ihm sehen. Dieser Film ist ein Plädoyer für Offenheit, Empathie und den Mut, hinter die Oberfläche zu blicken. Ein Klassiker, der Jugendliche berührt, Erwachsene an ihre eigene Schulzeit erinnert und bis heute zeigt, wie viel Kraft in einem echten Gespräch liegen kann.

Ein Film für alle, die wissen wollen, warum manche Geschichten nicht altern – sondern mit jeder Generation neu verstanden werden. Ich bespreche und zeige den Teenie-Klassiker The Breakfast Club in meiner Matinee am 12. Juli im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Rückblick auf meine Matinee: Die Glücksritter (Trading Places, 1983)

3. Juli 2026

John Landis’ Die Glücksritter ist auf den ersten Blick eine temporeiche Verwechslungskomödie mit Eddie Murphy und Dan Aykroyd. Bei genauerem Hinsehen ist der Film aber eine ziemlich bissige Satire auf Klassendenken, Rassismus, Geldgier und den Glauben, der soziale Status eines Menschen sei entweder angeboren oder allein durch Leistung verdient. Der Originaltitel Trading Places bringt das genauer auf den Punkt als der deutsche Titel: Es geht um das Tauschen von Plätzen – sozial, wirtschaftlich und moralisch. Ich hatte den Film bei meiner Matinee im Scala. Die nächste Matinee ist ein wunderbarer Film der 80er Jahre: The Breakfast Club am Sonntag, 12. Juli. Karten gibt es hier.

Der Film erschien 1983, wurde von John Landis inszeniert und von Timothy Harris und Herschel Weingrod geschrieben. Die Hauptrollen spielen Dan Aykroyd als Louis Winthorpe III, Eddie Murphy als Billy Ray Valentine, Jamie Lee Curtis als Ophelia, Denholm Elliott als Butler Coleman sowie Don Ameche und Ralph Bellamy als die Duke-Brüder. Die Geschichte dreht sich um zwei alte, reiche Börsenmakler, die aus einer Laune heraus eine Wette abschließen: Was passiert, wenn man einem privilegierten Mann alles nimmt und einem mittellosen Außenseiter plötzlich Reichtum, Ansehen und Einfluss gibt? Hier der Vortrag auf meiner Matinee zum Anschauen.

Die Handlung ist bewusst einfach konstruiert. Louis Winthorpe III ist ein wohlhabender, kultivierter, eingebildeter Mann der oberen Gesellschaft. Billy Ray Valentine ist ein armer Trickbetrüger, der sich auf der Straße durchschlägt. Randolph und Mortimer Duke manipulieren beide Leben: Winthorpe wird verleumdet, verliert Beruf, Verlobte, Wohnung und Vermögen; Valentine wird in die Firma der Dukes geholt und erhält genau jene Chancen, die Winthorpe zuvor selbstverständlich besaß. Aus dieser Versuchsanordnung entwickelt der Film seine zentrale Frage: Sind Menschen „von Natur aus“ erfolgreich oder werden sie durch Umstände, Bildung, Netzwerke und Geld geformt?

Gerade darin liegt die politische Schärfe des Films. Die Duke-Brüder betrachten Menschen wie Versuchstiere. Für sie sind Winthorpe und Valentine keine Persönlichkeiten, sondern Spielmaterial. Ihre Wette ist der eigentliche Skandal: Zwei Männer, die durch Kapital fast unbegrenzte Macht besitzen, zerstören Leben aus Langeweile. Der Film zeigt damit eine Gesellschaft, in der Reichtum nicht nur Besitz bedeutet, sondern Zugriff auf Institutionen, Polizei, Justiz, Arbeitsmarkt und soziale Reputation.

Louis Winthorpe ist anfangs keineswegs ein sympathischer Held. Er ist höflich, aber arrogant; gebildet, aber blind für seine eigenen Privilegien. Erst als ihm alle Sicherheiten entzogen werden, begreift er, wie dünn die Fassade von Ansehen und Würde ist. Sein sozialer Absturz ist komisch inszeniert, aber bitter gemeint. Der Film macht deutlich: Gesellschaftlicher Status kann erstaunlich schnell verschwinden, wenn Geld, Wohnung, Arbeit und soziale Anerkennung wegfallen.

Billy Ray Valentine wiederum ist nicht deshalb erfolgreich, weil er plötzlich „veredelt“ wird, sondern weil er Fähigkeiten besitzt, die im alten Umfeld nur kriminalisiert oder missachtet wurden: Beobachtungsgabe, Schlagfertigkeit, Menschenkenntnis, Improvisation. Sobald diese Fähigkeiten in einem anderen sozialen Rahmen eingesetzt werden, gelten sie plötzlich als geschäftstüchtig. Das ist einer der klügsten Punkte des Films: Talent ist nicht gleichmäßig sichtbar, weil Gesellschaften entscheiden, welche Talente belohnt und welche bestraft werden.

Der Film arbeitet stark mit Elementen der klassischen Screwball-Komödie. Reiche werden lächerlich gemacht, soziale Rollen werden vertauscht, Liebes- und Betrugshandlungen laufen ineinander, und am Ende werden die Mächtigen durch ihre eigene Gier geschlagen. Kritiker haben Trading Places deshalb häufig mit sozial bewussten Komödien der 1930er- und 1940er-Jahre verglichen, etwa mit Filmen von Preston Sturges oder Frank Capra. 

Besonders interessant ist die Verbindung zu Mozarts Le nozze di Figaro. John Landis nutzte Motive aus dieser Oper bewusst als musikalischen Bezugspunkt. In Figaro setzt sich ein Diener gegen die Anmaßungen seines adeligen Herrn zur Wehr; in Die Glücksritter wehren sich Winthorpe, Valentine, Ophelia und Coleman gegen die Macht der Duke-Brüder. Auch hier wird eine hierarchische Ordnung nicht frontal revolutioniert, aber listig unterlaufen. 

Die Inszenierung lebt stark von den Gegensätzen: Philadelphia im Winter, elegante Clubs, Börsenräume, Luxushäuser, Obdachlosigkeit, Gefängniszellen, Weihnachtsdekoration und soziale Kälte. Landis nutzt die Weihnachtszeit nicht als gemütliche Kulisse, sondern als ironischen Kontrast. Während überall Nächstenliebe behauptet wird, handeln fast alle Figuren zunächst aus Eigennutz. Das macht den Film auch zu einer zynischen Weihnachtskomödie.

Eddie Murphy ist der große Motor des Films. Seine Energie, sein Timing und seine Fähigkeit, Rollen innerhalb der Rolle zu spielen, geben Die Glücksritter enorme Lebendigkeit. Billy Ray Valentine ist Trickster, Überlebenskünstler und später Mitverschwörer gegen das System. Dan Aykroyd spielt dagegen hervorragend den Zusammenbruch eines Mannes, der sein ganzes Leben für naturgegeben hielt. Seine Komik entsteht aus dem Verlust der Kontrolle. Jamie Lee Curtis als Ophelia ist ebenfalls wichtig: Sie ist nicht nur romantische Nebenfigur, sondern eine pragmatische Frau, die die Spielregeln des Geldes besser versteht als viele Männer im Film.

Trotzdem ist Die Glücksritter nicht frei von Problemen. Manche Witze über Rasse, Geschlecht und soziale Milieus sind deutlich im Ton der frühen achtziger Jahre verankert und wirken heute stellenweise unangenehm oder grob. Besonders der Umgang mit Stereotypen zeigt, dass der Film zwar Rassismus kritisiert, aber selbst nicht immer frei von klischeehaften Darstellungen ist. Auch Ophelia wird einerseits als kluge, selbstbestimmte Figur gezeichnet, andererseits stark sexualisiert. Diese Ambivalenz gehört zur heutigen Neubewertung des Films.

Das Finale an der Warenterminbörse ist mehr als nur ein komödiantischer Coup. Die Helden besiegen die Dukes mit deren eigenen Waffen: Insiderwissen, Spekulation, Marktmanipulation und Timing. Moralisch ist das interessant, weil der Film das System nicht abschafft. Winthorpe und Valentine werden nicht zu Revolutionären, sondern schlagen die Kapitalisten, indem sie bessere Kapitalisten werden. Genau darin steckt eine gewisse Begrenzung der Satire: Der Film kritisiert Gier, aber am Ende besteht der Sieg darin, selbst reich zu werden.

Dennoch funktioniert der Schluss dramaturgisch hervorragend. Die Duke-Brüder, die Menschen wie Waren behandelt haben, werden selbst vom Markt vernichtet. Das ist die poetische Gerechtigkeit des Films. Aus der sozialen Versuchsanordnung wird eine Rachekomödie: Die Figuren, die benutzt wurden, übernehmen die Kontrolle über das Spiel.

Filmgeschichtlich gehört Die Glücksritter zu den prägenden amerikanischen Komödien der achtziger Jahre. Der Film war ein großer Publikumserfolg und spielte laut den verfügbaren Produktionsdaten weltweit rund 120 Millionen Dollar ein. Außerdem erhielt er mehrere Auszeichnungen und Nominierungen, unter anderem eine Oscar-Nominierung für Elmer Bernsteins Filmmusik sowie BAFTA-Auszeichnungen für Jamie Lee Curtis und Denholm Elliott. 

Die Glücksritter ist bis heute unterhaltsam, weil der Film seine Gesellschaftskritik nicht trocken formuliert, sondern in Tempo, Dialogwitz und Situationskomik verpackt. Seine zentrale Beobachtung bleibt aktuell: Wer oben steht, hält Erfolg gern für Charakter; wer unten steht, wird schnell für sein Scheitern verantwortlich gemacht. Landis’ Film dreht diese Behauptung um und zeigt, wie stark Herkunft, Geld, Zufall und Macht darüber entscheiden, wer als Gewinner und wer als Verlierer gilt.

Als Komödie ist Die Glücksritter schnell, laut und stellenweise derb. Als Satire ist er nicht perfekt, aber erstaunlich treffsicher. Der Film lacht über Reiche, über Börsenrituale, über Standesdünkel und über die Vorstellung, dass gesellschaftlicher Erfolg etwas Naturgegebenes sei. Sein Humor ist manchmal gealtert, seine Grundidee aber nicht: Menschen sind mehr als ihr Kontostand, und eine Gesellschaft, die alles zur Wette macht, ist selbst der eigentliche Witz.
Die nächste Matinee ist ein wunderbarer Film der 80er Jahre: The Breakfast Club am Sonntag, 12. Juli. Karten gibt es hier.

Filmkritik: „The Furious“: Wenn Wut zur letzten Hoffnung wird

18. Juni 2026

Der Film „The Furious“ ist ein knochenharter, atemlos choreografierter Martial-Arts-Rachethriller, der seine dünne Story mit roher Wucht, Tempo und beeindruckend brutalen Kampfszenen fast völlig überrollt.

Mit „The Furious“ legt Regisseur Kenji Tanigaki einen Martial-Arts-Actionfilm vor, der seine Existenzberechtigung nicht aus erzählerischer Raffinesse, sondern aus körperlicher Wucht bezieht: Ein Vater, dessen Tochter entführt wird, kämpft sich durch ein kriminelles Netzwerk, unterstützt von einem Journalisten, der selbst einen persönlichen Verlust aufklären will. Der Film feierte seine Weltpremiere am 6. September 2025 beim Toronto International Film Festival und ist als englischsprachiger Hongkong-Actionfilm mit einem panasiatischen Ensemble um Mo Tse/Xie Miao, Joe Taslim, Jeeja Yanin, Brian Le, Joey Iwanaga und Yayan Ruhian angelegt. 

Schon die Prämisse zeigt die größte Schwäche des Films: „The Furious“ erzählt im Grunde nichts Neues. Der verzweifelte Vater, die korrupte Polizei, die entführte Tochter, das kriminelle Syndikat, der unfreiwillige Verbündete — all das wirkt wie ein Destillat bekannter Rache- und Rettungsthriller. Die Figuren sind weniger psychologisch ausgearbeitete Menschen als funktionale Kampfmaschinen mit emotionalem Auslöser. Der Schmerz des Vaters ist nachvollziehbar, aber selten nuanciert; die Handlung dient vor allem dazu, die nächste Eskalationsstufe vorzubereiten. Wer von einem Actionfilm erzählerische Überraschungen, moralische Zwischentöne oder glaubwürdige Dialoge erwartet, wird hier nur bedingt fündig.

Gerade deshalb funktioniert der Film dort am besten, wo er aufhört, so zu tun, als ginge es ihm um komplexes Drama. Die Stärke von „The Furious“ liegt kompromisslos in der Inszenierung von Körpern in Bewegung. Tanigaki, der als Action- und Stunt-Spezialist einen entsprechenden Ruf hat, begreift Kampf nicht als bloße Unterbrechung der Handlung, sondern als deren eigentliche Sprache. Die Auseinandersetzungen sind hart, schnell, präzise und auffallend physisch; Schläge haben Gewicht, Stürze tun weh, Räume werden zu Waffen. Die Action ist brutal, dynamisch und außergewöhnlich eindrucksvoll, während zugleich Dialoge und Plot als deutlich schwächer ist. 

Besonders reizvoll ist, dass „The Furious“ nicht nur auf Geschwindigkeit setzt, sondern auf choreografierte Unübersichtlichkeit: Der Film vermittelt Chaos, ohne selbst völlig chaotisch gefilmt zu sein. In den besten Sequenzen entsteht ein Sog, der an die rohe Energie von „The Raid“ erinnert, ohne dessen klaustrophobische Geschlossenheit ganz zu erreichen. Die Kamera hält oft lange genug drauf, um Können sichtbar zu machen; der Schnitt beschleunigt, ohne jeden Treffer zu verschleiern. Dadurch entsteht jener seltene Actionfilm-Effekt, bei dem man nicht nur die Gewalt sieht, sondern die Arbeit dahinter spürt.

Problematisch ist allerdings, dass der Film diese Intensität kaum moduliert. „The Furious“ ist so dauerhaft auf Anschlag, dass seine Höhepunkte mit der Zeit an Wirkung verlieren. Wenn fast jede Szene eine Eskalation sein will, fehlt irgendwann der Kontrast. Die Brutalität ist beeindruckend, aber sie droht sich selbst zu überbieten, ohne emotional immer mehr zu erzählen. Das macht den Film für Fans harter Martial-Arts-Action aufregend, für ein breiteres Publikum aber möglicherweise ermüdend. Seine Energie ist enorm, seine Dramaturgie dagegen eher monoton.

Auch tonal bleibt „The Furious“ nicht immer sicher. Die düstere Geschichte um Entführung, Menschenhandel und korrupte Strukturen verlangt eigentlich nach Schwere, doch der Film interessiert sich stärker für kinetische Überwältigung als für die Konsequenzen seiner Gewalt. Das ist legitim, aber es erzeugt eine gewisse Kälte: Leid wird zum Motor, selten zum Thema. Die Tochter ist erzählerisch vor allem Auslöser, der Vater vor allem Instrument der Vergeltung. Dadurch bleibt die emotionale Fallhöhe begrenzt, obwohl der Film ununterbrochen behauptet, es gehe um alles.

Schauspielerisch überzeugt der Film vor allem über Präsenz, nicht über Dialogführung. Joe Taslim bringt Härte und Gravitas mit, Mo Tse/Xie Miao trägt die Vaterfigur mit stoischer Verbissenheit, und Darsteller wie Yayan Ruhian oder Jeeja Yanin stehen ohnehin für ein körperliches Actionkino, das Glaubwürdigkeit aus Bewegung gewinnt.  Sobald gesprochen wird, wirkt „The Furious“ deutlich gewöhnlicher; sobald gekämpft wird, bekommt der Film eine eigene Stimme.

Unterm Strich ist „The Furious“ ein Film mit klarem Profil und ebenso klaren Grenzen. Als Drama ist er dünn, als Thriller vorhersehbar, als Charakterstudie kaum vorhanden. Als Martial-Arts-Brett aber ist er bemerkenswert: roh, schmerzhaft, präzise und mit einer Wucht inszeniert, die im gegenwärtigen Actionkino selten geworden ist. Seine besten Momente rechtfertigen die Schwächen nicht vollständig, aber sie überrollen sie mit solcher Entschlossenheit, dass man sich ihnen schwer entziehen kann.

„The Furious“ ist kein eleganter, tiefgründiger oder besonders origineller Film, aber ein kompromissloser, technisch beeindruckender Martial-Arts-Rachethriller, der erzählerisch stolpert und körperlich explodiert. Für Actionfans ist das ein Ereignis; für alle anderen eher ein schweißtreibender Härtetest.

Maisacher Gespräche zur Popkultur: Die dunkle Poesie der Filmmonster

16. Juni 2026

Filmungeheuer begleiten das Kino seit seinen Anfängen. Ob Golem, Nosferatu, Dracula, Frankensteins Kreatur, die Mumie oder moderne Kaiju wie Godzilla – hinter den Gestalten des Schreckens verbergen sich Projektionen unserer Ängste, Wünsche und gesellschaftlichen Konflikte. In meinem Maisacher Gesprächen zur Popkultur werde ich am Mittwoch von 18-20 Uhr in der Maisacher Gemeindebücherei über die dunkle Poesie der Filmmonster sprechen. Der Eintritt ist kostenlos.

In frühen Stummfilmen wie Paul Wegeners „Der Golem, wie er in die Welt kam“ (1920) wurde ein jüdischer Mythos auf die Leinwand übertragen, in dem ein Wesen aus Lehm das Ghetto vor der Vertreibung schützt und damit eine Emanzipations‑Fantasie gegen jahrhundertelange Unterdrückung verkörpert . Murnaus „Nosferatu“ (1922) interpretierte Bram Stokers Roman ohne Genehmigung, doch die düstere Gestalt des Grafen Orlok prägte das Bild des Vampirs bis heute. Monster erwiesen sich damals schon als „schaurig‑schöner Gegenentwurf zum Menschen“; sie verkörpern Angst, können aber auch reizend oder komisch sein.
Die Faszination des Monströsen beruht auf einem doppelten Gefühl: Angst vor dem Zusammenbruch der eigenen Ordnung und zugleich Neugier auf das Andere. Monster brechen in die vernünftige Ordnung des Menschen ein und werden deshalb als Bedrohung empfunden; gleichzeitig reizt das Andere, weil es gegen den Zwang zur Vernunft rebelliert und menschliche Anteile ausdrückt. Klassische Figuren lassen sich anhand ihrer Abweichungen erkennen:

Dracula kann an Wänden kriechen, erneuert sich durch Blut und bewohnt einen Sarg in einem marginalisierten Schloss; Frankenstein erschafft ein Wesen aus Leichenteilen, dessen Gestalt erschreckt und fasziniert, weil es trotz hässlicher Erscheinung sprechen kann und Leidensfähigkeit zeigt. King Kong, das erste eigens für den Film erfundene Monster, ist zu groß und zu stark für einen normalen Gorilla. In diesen körperlichen Abweichungen spiegelt sich die Angst vor dem Verstoß gegen natürliche Grenzen – zugleich aber auch eine Verlockung, die Norm zu verlassen.
In meinem Vortrag werde ich zahlreiche Klassiker der Filmgeschichte vorstellen und nehme die Zuschauer mit auf eine unterhaltsame Reise durch die Welt der Filmmonster.

Johnny Depps Bilder in Kloster Banz: Ein Weltstar zeigt sein Inneres

9. Juni 2026

Die Ausstellung „Introducing Johnny Depp“ in der Kunsthalle Kloster Banz war schon durch ihren Ort ein ungewöhnliches Ereignis: In den historischen Räumen des ehemaligen Benediktinerklosters, das heute als Bildungs- und Begegnungszentrum der Hanns-Seidel-Stiftung genutzt wird, traf oberfränkische Klosterkultur auf internationale Pop- und Kunstwelt. Wo sonst politische Bildung, Tagungen und Begegnungen stattfinden, öffnete sich ein Raum für eine andere Seite eines weltbekannten Schauspielers. Johnny Depp ist den meisten Menschen als Filmstar, Musiker und exzentrische Künstlerpersönlichkeit vertraut; in Kloster Banz aber stand nicht der Hollywood-Mythos im Vordergrund, sondern der bildende Künstler Depp. Die Kunsthalle zeigte unter dem Titel „Introducing Johnny Depp“ originale Arbeiten und signierte Editionen. Depp war leider nicht vor Ort, obwohl er im August mit den Hollywood Vampires in Nürnberg weilt.

Gerade diese Spannung macht den Reiz der Ausstellung aus. Johnny Depp kommt nicht als Schauspielerfigur nach Oberfranken, sondern über seine Bilder. Viele Jahre lang soll er seine künstlerischen Arbeiten nur im privaten Umfeld gezeigt haben, bevor er sich 2022 mit der Kollektion „Friends & Heroes“ erstmals öffentlich als bildender Künstler präsentierte. Darin setzte er sich mit Menschen auseinander, die ihn geprägt haben, mit kulturellen Ikonen ebenso wie mit persönlichen Bezugspunkten. In Kloster Banz wird diese künstlerische Seite nun einem bayerischen Publikum zugänglich gemacht. Nach Angaben zur Ausstellung bietet sich dort erstmals in Bayern die Möglichkeit, originale signierte Arbeiten von Johnny Depp zu sehen und auch zu erwerben. 

Zu sehen sind laut Berichten rund 30 Werke des 62-Jährigen, darunter Selbstporträts und Arbeiten aus verschiedenen Werkzusammenhängen. Besonders die unter dem Motto „Reflections“ stehenden Selbstporträts geben der Ausstellung eine sehr persönliche Note. Sie zeigen Depp nicht als glatt inszenierten Star, sondern als jemanden, der sich mit dem eigenen Bild, dem eigenen Zustand und der eigenen Veränderung auseinandersetzt. Seine Porträts wirken dabei weniger wie klassische Prominentenkunst, die nur vom bekannten Namen lebt, sondern wie Versuche, über Farbe, Gesicht, Blick und Geste einen inneren Zustand sichtbar zu machen. Depp nutzt die Porträtmalerei, wie es in der Ausstellungseinordnung heißt, als Mittel, um die menschliche Natur zu beobachten; seine Selbstporträts seien oft in mehreren Anläufen entstanden, um einen sich wandelnden Zustand festzuhalten. Als Dylan-Fan interessierte mich natürlich das Porträt des Musikers, aber rund 10.000 Euro hatte ich dann doch nicht dabei. 

Interessant ist auch, wie gut diese Arbeiten in die Atmosphäre von Kloster Banz passen. Der Ort liegt nicht neutral und anonym im Raum, sondern bringt Geschichte, Würde und eine gewisse Stille mit. Die barocke Klosteranlage über dem Maintal ist kein weißer Großstadt-Kubus, sondern ein historisch aufgeladener Ort. Dadurch entsteht ein besonderer Kontrast: Auf der einen Seite steht der weltberühmte Schauspieler, der durch Filmfiguren wie Captain Jack Sparrow, Edward mit den Scherenhänden oder den verrückten Hutmacher längst Teil der Popkultur geworden ist. Auf der anderen Seite stehen die Klostermauern, die Bildungsarbeit der Hanns-Seidel-Stiftung und eine Umgebung, die eher Konzentration als Starkult nahelegt. Genau daraus gewinnt die Ausstellung ihre besondere Wirkung. Sie entschleunigt den Blick auf Johnny Depp und zwingt den Besucher, hinter die bekannte Maske des Stars zu schauen.

Die Ausstellung ist dabei auch ein Ereignis für die Region. Dass ein Hollywood-Star mit seinen Kunstwerken in Oberfranken präsent ist, sorgt verständlicherweise für Aufmerksamkeit. Berichte sprechen von großem Interesse und Andrang rund um die Präsentation. Für die noch junge Kunsthalle Kloster Banz ist „Introducing Johnny Depp“ damit ein deutlicher Schritt in Richtung überregionaler Wahrnehmung. Hinter der Ausstellung stehen die Queens Kunstgalerien; das Kloster selbst befindet sich seit 1978 im Eigentum der Hanns-Seidel-Stiftung und wird als Tagungsstätte genutzt. 

Neben den Arbeiten von Johnny Depp verdienen auch die dort gezeigten Bilder von SAXA besondere Aufmerksamkeit. SAXA, mit bürgerlichem Namen Dr. Sascha Lehmann, ist für seine besondere Form der Wortmalerei bekannt. Ich habe mir ein signierten Druck mit der Nummer 42 von Captain Jack Sparrow gekauft. SAXA malt seine Bilder nicht im klassischen Sinn, sondern „schreibt“ sie: Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort entstehen Porträts und Bildflächen, in denen Text und Bild untrennbar miteinander verbunden sind. Die Queens Kunstgalerien beschreiben diese Kunst als Wechselverhältnis von Bild und Text, das eine besondere Spannung erzeugt. 

Gerade im Umfeld einer Johnny-Depp-Ausstellung sind SAXAs Werke mehr als nur eine Ergänzung. Sie öffnen einen zweiten Zugang zum Thema Persönlichkeit, Porträt und öffentlicher Mythos. Während Depp in seinen eigenen Bildern mit Farbe, Gestus und Selbstbeobachtung arbeitet, nähert sich SAXA seinen Motiven über Sprache. Seine Kunst fordert den zweiten Blick: Aus der Entfernung erkennt man ein Bild, aus der Nähe erschließt sich die Schrift. Dadurch entsteht ein reizvoller Dialog zwischen Sehen und Lesen, zwischen Oberfläche und Bedeutung. Bei einem Künstler wie Johnny Depp, dessen öffentliches Bild stark von Rollen, Zitaten, Schlagzeilen und Erzählungen geprägt ist, passt diese Form der Wortmalerei besonders gut. SAXA zeigt, dass ein Porträt nicht nur aus Linien, Farben und Schatten bestehen muss, sondern auch aus Sprache, Erinnerung und Interpretation.

So gewinnt die Ausstellung in Kloster Banz eine zusätzliche Ebene. Sie ist nicht nur eine Schau über einen berühmten Schauspieler, der malt. Sie ist auch eine Begegnung mit der Frage, wie Bilder von Menschen entstehen: durch Selbstbetrachtung, durch Fremdwahrnehmung, durch Medien, durch Texte, durch Fans, durch Rollen und durch die Geschichten, die sich um eine Person legen. Johnny Depp ist dafür ein besonders spannendes Beispiel, weil sein öffentliches Bild über Jahrzehnte gewachsen ist und immer wieder zwischen Faszination, Exzentrik, Verletzlichkeit und Kontroverse schwankte. Die Kunstwerke in Kloster Banz erlauben einen ruhigeren Blick darauf. Sie laden nicht zum schnellen Urteil ein, sondern zur Betrachtung.

Gerade deshalb war „Introducing Johnny Depp“ eine Ausstellung, die über den bloßen Promi-Faktor hinausgeht. Natürlich zieht der Name Johnny Depp Besucher an. Natürlich ist die Neugier groß, wenn ein Weltstar seine Bilder in Oberfranken zeigt. Aber wer sich auf die Werke einlässt, entdeckt mehr als eine Randnotiz aus der Karriere eines Schauspielers. Man sieht einen Künstler, der sich mit Porträt, Identität und Erinnerung beschäftigt; man erlebt einen historischen Ort, der diese Arbeiten aus dem Lärm der Popkultur herausholt; und man begegnet mit SAXA einem Künstler, der auf ganz eigene Weise zeigt, wie eng Bild und Sprache miteinander verbunden sein können. So wurde Kloster Banz für die Dauer der Ausstellung zu einem Ort, an dem Hollywood, Kunstmarkt, regionale Kultur und persönliche Ausdrucksformen auf bemerkenswerte Weise zusammenkommen.

Über dem Jenseits (1980) – Matinee am 7. Juni im Scala Fürstenfeldbruck

6. Juni 2026

Es gibt Filme, die sieht man nicht einfach. Man betritt sie. Lucio Fulcis „Über dem Jenseits“, in Deutschland lange auch als „Geisterstadt der Zombies“ bekannt, ist so ein Film: ein fiebriger Albtraum aus verfallenen Hotels, okkulten Geheimnissen, untoten Körpern und einer Hölle, die nicht laut aufbricht, sondern langsam in die Wirklichkeit sickert. Ich bespreche und zeige diesen Film am Sonntag, 7 Juni um 10:45 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Über viele Jahre war der Film in Deutschland indiziert und sogar beschlagnahmt. Das allein macht ihn noch nicht bedeutend – aber es erzählt viel über seine Wirkung. Fulcis Werk galt als zu drastisch, zu verstörend, zu kompromisslos. Inzwischen ist die Beschlagnahmung aufgehoben, der Film kann neu betrachtet werden: nicht nur als berüchtigter Splatterklassiker, sondern als eigenwilliges, surreales Stück italienischer Horrorgeschichte.

„The Beyond“ ist kein Horrorfilm, der brav einer logischen Handlung folgt. Er funktioniert wie ein Alptraum: Bilder, Musik und Atmosphäre sind wichtiger als Erklärungen. Fabio Frizzis düsterer, fast sakraler Score legt sich wie ein Trauergesang über die Szenen. Die Kamera zeigt eine Welt, in der Augen nicht mehr sehen wollen, Körper zerfallen und Räume ihre eigene böse Erinnerung besitzen.

Gerade auf der großen Leinwand entfaltet dieser Film seine volle Kraft. Was im Heimkino vielleicht nur als blutiger Kultfilm erscheint, wird im Kinosaal zu einer Erfahrung: unheimlich, hypnotisch, abgründig und seltsam schön. Fulci führt sein Publikum nicht einfach durch eine Geschichte, sondern an einen Ort, an dem die Grenze zwischen Leben, Tod und Jenseits zusammenbricht.

In der Matinee wollen wir diesen besonderen Film gemeinsam neu entdecken: als umstrittenes Werk, als Beispiel für die Radikalität des italienischen Horrorkinos und als Film, der noch immer Fragen auslöst. Warum schockieren uns solche Bilder? Was macht ihren Reiz aus? Und weshalb übt ein Film, der lange als Skandal galt, bis heute eine solche Faszination aus?

Wer Horror nur als Schock versteht, wird überrascht sein. Wer Kino als Reise in dunkle, fremde Welten liebt, sollte diese Matinee nicht verpassen. „Geisterstadt der Zombies“ ist mehr als ein reißerischer deutscher Titel. Dahinter verbirgt sich ein verstörendes, bildgewaltiges und einzigartiges Kinoerlebnis – ein Blick über die Schwelle, dorthin, wo das Grauen beginnt.
Ich bespreche und zeige diesen Film am Sonntag, 7 Juni um 10:45 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Bei der Macht der Erinnerung: He-Man kehrt auf die große Leinwand zurück

5. Juni 2026

Der neue „Masters of the Universe“-Film ist vor allem dann am stärksten, wenn man ihn nicht als nüchterne Neuinterpretation eines alten Stoffes betrachtet, sondern als liebevolle Rückkehr in ein Kinderzimmer-Universum, das für viele Fans nie ganz verschwunden ist. Regisseur Travis Knight bringt He-Man, Skeletor, Teela, Man-At-Arms und die Welt von Eternia wieder als großes, buntes Kinoereignis auf die Leinwand. Ich habe den Film in meinem Lieblingskino Scala in Fürstenfeldbruck mit der Familie gesehen. Mein Sohn und ich waren begeistert, meine Frau schüttelte den Kopf.

In Deutschland ist der Film am 4. Juni 2026 gestartet, in den USA folgt der Kinostart am 5. Juni 2026; in den Hauptrollen sind unter anderem Nicholas Galitzine als Prince Adam/He-Man, Jared Leto als Skeletor, Camila Mendes als Teela, Idris Elba als Man-At-Arms und Alison Brie als Evil-Lyn zu sehen. 

Die große Stärke des Films liegt in seiner Haltung: Er weiß sehr genau, dass „Masters of the Universe“ nie nur klassische Fantasy war. Dieses Franchise war immer ein wilder Mix aus Rittermythos, Science-Fiction, Muskelhelden, Magie, Monstern, Laserwaffen, Totenkopf-Ikonografie und Spielzeugregal-Fantasie. Genau darin liegt der Reiz. Wer als Kind die Zeichentrickserie gesehen, die Comics gelesen oder vor allem die Actionfiguren gesammelt hat, erinnert sich nicht nur an Geschichten, sondern an ein ganzes Gefühl: an Castle Grayskull im Kinderzimmer, an Battle Cat, an Skeletors höhnisches Grinsen, an Figuren mit übergroßen Waffen und an die Vorstellung, dass ein einziger Satz — „Bei der Macht von Grayskull!“ — aus einem jungen Prinzen den mächtigsten Mann des Universums machen kann. Der neue Film nimmt diese Nostalgie ernst, ohne sie museal einzufrieren. Er spielt mit ihr, er überhöht sie, und er erlaubt sich zugleich, die Absurdität dieses Kosmos mit Humor anzunehmen.
Und es gibt natürlich einen erwarteten Camo-Auftritt. Im Fitnessstudio wird Adam (Nicholas Galitzine) von einem Mann ermahnt, weil er ihm im Weg – oder besser gesagt: an seinem Platz – stehe. Anschließend gibt ihm der durchtrainierte Unbekannte noch einen guten Rat mit auf den Weg. Und eben dieser Mann wird gespielt von Dolph Lundgren, dem He-Man-Darsteller aus der ersten Realverfilmung von „Masters of the Universe“ aus dem Jahr 1987. Das Kino-Publikum lachte.

Gerade im Vergleich zur ersten Realverfilmung von 1987 wird deutlich, wie sehr sich die Möglichkeiten des Fantasy-Kinos verändert haben. Der alte Film mit Dolph Lundgren als He-Man und Frank Langella als Skeletor hatte unbestreitbar seinen eigenen Charme, litt aber sichtbar unter den Begrenzungen seiner Zeit. Statt Eternia wirklich groß auszubreiten, verlagerte die Handlung große Teile auf die Erde; vieles wirkte aus heutiger Sicht eher wie ein improvisierter Mix aus Endzeitkulisse, 80er-Jahre-Science-Fiction und B-Movie-Fantasy. Trotzdem hat gerade diese Version bei Fans Kultstatus erreicht. Langellas Skeletor war theatralisch, bedrohlich und erstaunlich präsent, Lundgren brachte die körperliche Ikone mit, und die Atmosphäre hatte trotz aller Schwächen etwas Eigenwilliges. Der Film von 1987 war vielleicht keine perfekte Umsetzung der Vorlage, aber er war für viele Kinder der erste Moment, in dem die Plastikfiguren aus dem Regal plötzlich „wirklich“ wurden.

Der neue Film hat es deshalb leichter und schwerer zugleich. Leichter, weil moderne Technik endlich erlaubt, Eternia so opulent, farbenprächtig und überlebensgroß darzustellen, wie es die Fantasie der Fans schon immer getan hat. Schwerer, weil die Erwartungen inzwischen viel höher sind. Wer mit den Figuren aufgewachsen ist, bringt nicht nur Nostalgie mit ins Kino, sondern auch Besitzansprüche: He-Man muss heroisch sein, aber nicht lächerlich; Skeletor muss böse sein, aber nicht eindimensional; Teela darf nicht bloß Begleitfigur sein; und Castle Grayskull muss sich nach Mythos anfühlen, nicht nach beliebiger Fantasy-Kulisse. Der neue Film scheint diese Fan-Erwartung bewusst zu kennen. Er will nicht bloß ein altes Produkt verwerten, sondern eine emotionale Brücke schlagen zwischen den Kindern von damals und einem heutigen Publikum, das Superhelden, Fantasy-Franchises und ironische Popkultur längst gewohnt ist.
Es sind die kleinen Lacher, die den Film sympathisch machen: Der erste unfreiwillige Comedy-Moment geht an Skeletor. Der selbsternannte Schrecken von Eternia hält eine hochdramatische Rede über seine finsteren Pläne und setzt zum krönenden Abschluss das obligatorische manische Bösewicht-Lachen obendrauf – vermutlich direkt aus dem Standardwerk „Schurke werden leicht gemacht“. Je länger er lacht, desto mehr sehen seine Handlanger allerdings aus, als würden sie innerlich kündigen und sich fragen, ob es noch zu spät ist, zu He-Man überzulaufen. Als auf das große Finale seiner Showeinlage niemand reagiert, ist He-Mans Knochengesicht-Erzrivale hörbar beleidigt und versucht umständlich zu erklären, welche überwältigende Wirkung sein Auftritt doch eigentlich haben sollte – was die Szene endgültig zur Slapstick-Nummer macht.

Nicholas Galitzine ist dabei eine interessante Wahl für He-Man, weil er nicht einfach nur als muskelbepackte Lundgren-Kopie angelegt ist. Natürlich gehört die körperliche Verwandlung zur Rolle — Galitzine berichtete selbst von einem extremen Training und einer massiven Gewichtszunahme für die Figur.  Aber entscheidender ist, dass diese Version von Prince Adam stärker als Figur mit einem Weg erzählt wird. He-Man ist nicht nur das fertige Symbol von Stärke, sondern jemand, der erst in seine Bestimmung hineinfinden muss. Das passt zu einer modernen Lesart, ohne den Kern der alten Figur zu verraten. Denn auch in der Zeichentrickserie war He-Man letztlich nie nur Muskelkraft. Die Figur stand für Verantwortung, Mut, Schutz der Schwächeren und eine sehr klare, fast kindlich reine Vorstellung von Gut und Böse.

Gerade diese Klarheit ist heute fast schon wieder erfrischend. Viele moderne Blockbuster versuchen, ihre Helden möglichst gebrochen, zynisch oder moralisch ambivalent zu machen. „Masters of the Universe“ darf dagegen wieder an das große, einfache Abenteuer glauben. Das ist nicht naiv, sondern konsequent. He-Man war nie als düsterer Antiheld gedacht. Er ist eine Projektionsfläche für Stärke ohne Grausamkeit, Macht ohne Missbrauch und Heldentum ohne Ironiepanzer. Wenn der neue Film diese Haltung mit einem Augenzwinkern versieht, funktioniert er am besten: Er lacht nicht über die Vorlage, sondern mit ihr.

Besonders spannend ist auch der Umgang mit Skeletor. Die Figur ist seit jeher eine der großen Popkultur-Schurkenmasken der 80er-Jahre: halb Dämon, halb Zauberer, halb Comic-Bösewicht — und natürlich mathematisch unmöglich, weil er aus zu vielen Hälften besteht. Genau das macht ihn so reizvoll. Jared Leto tritt hier in große Fußstapfen, denn Frank Langellas Skeletor aus dem 1987er-Film ist für viele Fans bis heute der heimliche Höhepunkt dieser alten Realverfilmung. Der neue Skeletor muss also nicht nur bedrohlich wirken, sondern auch diese herrlich überlebensgroße Theatralik bedienen, die zu „Masters of the Universe“ gehört. Wenn der Film Skeletor als selbstbewussten, leicht überdrehten, aber ernstzunehmenden Gegenspieler inszeniert, trifft er einen wichtigen Nerv: Dieser Schurke darf nicht realistisch sein. Er muss aussehen und klingen, als käme er direkt aus einem Albtraum, einem Comicpanel und einer Spielzeugverpackung zugleich.

Die Nostalgie der Fans ist dabei mehr als bloße Erinnerung. Viele, die heute ins Kino gehen, haben damals nicht nur eine Serie geschaut. Sie haben eine Welt gesammelt. Jede Figur hatte eine eigene Form, eine Funktion, ein Gimmick, einen Geruch von Kunststoff, eine Mini-Biografie auf der Verpackung. Die Comics, die oft den Figuren beilagen, öffneten kleine Fenster in einen größeren Mythos. Die Zeichentrickserie machte daraus ein ritualisiertes Nachmittagsabenteuer. Für eine ganze Generation war „Masters of the Universe“ weniger eine lineare Geschichte als ein Baukasten der Fantasie. Man konnte die Abenteuer selbst weitererzählen, Figuren gegeneinander antreten lassen, Allianzen erfinden und Eternia auf dem Teppichboden neu erschaffen. Ein neuer Film muss deshalb nicht nur eine Handlung erzählen, sondern dieses alte Gefühl von Möglichkeit zurückbringen.

Genau hier liegt der wohlwollendste Blick auf den aktuellen Film: Er ist dann gelungen, wenn er die Fans nicht nur an früher erinnert, sondern ihnen erlaubt, für zwei Stunden wieder zu fühlen, warum sie dieses Universum überhaupt geliebt haben. Nicht alles an „Masters of the Universe“ muss elegant, subtil oder psychologisch ausgefeilt sein. Manches darf groß, bunt, albern und pathetisch sein. Der Satz „Bei der Macht von Grayskull“ funktioniert nicht, wenn man sich für ihn schämt. Er funktioniert nur, wenn der Film den Mut hat, ihn mit voller Brust auszusprechen.

Natürlich kann man einem solchen Film leicht vorwerfen, dass er letztlich auch ein Stück Markenpflege ist. He-Man war immer eng mit Spielzeug, Vermarktung und Popkulturindustrie verbunden. Aber gerade bei diesem Franchise wäre es fast unehrlich, so zu tun, als ließe sich Kunst und Kommerz sauber trennen. Die Figuren waren Spielzeuge, bevor sie für viele zu Helden wurden. Die Serie war Werbung, aber sie war eben auch Mythologie im Kinderzimmerformat. Der neue Film bewegt sich genau in diesem Spannungsfeld. Er verkauft Nostalgie, ja — aber im besten Fall schenkt er ihr auch etwas zurück: Größe, Bildgewalt, Musik, Tempo und eine neue Bühne.

Im Vergleich zur Realverfilmung von 1987 wirkt der neue „Masters of the Universe“ deshalb wie eine späte Wiedergutmachung und zugleich wie ein respektvoller Nachfolger. Der alte Film bleibt ein kurioses Kultstück seiner Zeit, mit Ecken, Schwächen und einer ganz eigenen Faszination. Der neue Film darf nun endlich stärker das liefern, was sich viele Fans damals schon gewünscht hatten: mehr Eternia, mehr Mythos, mehr Figuren, mehr visuelle Opulenz und ein stärkeres Bewusstsein dafür, dass He-Man nicht nur eine Muskelpose ist, sondern ein Symbol. Kein kompliziertes Symbol, aber ein wirksames.

So betrachtet ist „Masters of the Universe“ vor allem ein Film für Menschen, die sich noch daran erinnern, wie es war, eine Actionfigur in die Hand zu nehmen und sofort eine ganze Welt vor Augen zu haben. Er spricht die Kinder von damals an, ohne die Erwachsenen von heute völlig auszublenden. Er lebt von Nostalgie, aber er muss sich nicht allein auf sie verlassen. Wenn man bereit ist, sich auf Pathos, Farbe, Fantasy und ein bisschen 80er-Jahre-Wahnsinn einzulassen, dann ist dieser neue He-Man-Film ein sympathisches, liebevoll gemachtes Abenteuerkino — nicht unbedingt, weil es das Rad neu erfindet, sondern weil es versteht, warum dieses Rad für so viele Fans überhaupt einmal geglänzt hat.
Ein Wort noch zum empfehlenswerten Score. Der Score des neuen „Masters of the Universe“ tritt sehr präsent in den Vordergrund und hilft entscheidend dabei, den Ton des Films zu setzen. Komponist Daniel Pemberton, der schon mit modernen, rhythmusbetonten Soundtracks aufgefallen ist, kombiniert hier ein kraftvolles Orchester mit elektronischen Elementen und deutlichen Retro‑Vibes, die an die 80er‑Herkunft des Stoffes erinnern. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die Mitarbeit von Brian May, dessen markante Gitarrenparts einigen Stücken eine fast rockige, Queen‑eske Wucht geben. Besonders einprägsam ist ein zentrales „Eternia“-Thema, das in einer eher chorlastigen Filmscore‑Version und in einer Endcredit‑Variante mit Gitarrenaufbau existiert und sich zu einem bombastischen Sci‑Fi‑Fantasy‑Track steigert. Insgesamt vermittelt die Musik eine bunte, energetische Science‑Fantasy‑Atmosphäre, die stilistisch in Richtung eines verspielten, aber sehr epischen Blockbuster‑Scores geht und dem Film ein klares eigenes Profil verleiht.

Buchtipp: Wenn Film zur Couture wird: Eine schillernde Liebeserklärung an Mode und Kino

1. Juni 2026

Das großformatige Bildband „Mode im Kino“ von Véronique Le Bris (Edel Books, 2014) ist eine opulente Liebeserklärung an das Wechselspiel zwischen Film und Mode. Die Autorin, Journalistin und Gründerin des Frauen-Filmmagazins Cine‑Woman, vereint auf 368 Seiten rund 250 Fotografien und Illustrationen, die meist ganzseitig sind und den Leser durch fast 100 Jahre Film- und Kostümgeschichte führen. Dazu kommen biografische Skizzen und Filmografien von 46 berühmten Schauspielerinnen – von Gloria Swanson über Audrey Hepburn, Marlene Dietrich und Catherine Deneuve bis zu Nicole Kidman – und Porträts der sie ausstattenden Designer wie Hubert de Givenchy, Christian Dior, Jean Paul Gaultier oder Adrian. So entsteht eine chronologisch aufgebaute Reise vom Schwarz‑Weiß‑Film bis in die Gegenwart, die zeigt, wie stark Mode das Kino geprägt hat und umgekehrt.

Das Buch ist kein nüchterner Katalog, sondern ein üppig bebilderter Chronik starker Frauen – „provokant, anziehend, modisch“ –, wie es der Kulturblog kulturMATERIAL treffend zusammenfasst. Auf großen, teils ikonischen Aufnahmen sieht man etwa den klassischen Chic von Audrey Hepburn in „Frühstück bei Tiffany’s“, Catherine Deneuve in Luis Buñuels „Belle de Jour“ oder die erotischen Spitzen-Dessous von Nicole Kidman in „Eyes Wide Shut“. Diese Fotografien werden durch Zeichnungen renommierter Modedesigner ergänzt, die Einblicke in die Entstehung der Kostüme geben und die Ära der großen Hollywood-Studios bis heute beleuchten. Jede Schauspielerin erhält nicht nur eine Bilderstrecke, sondern auch kurze Begleittexte zu ihrer Karriere und ihrem Stil; zudem dokumentiert Le Bris die Kooperation mit den jeweiligen Couturiers.

Die Aufmachung ist luxuriös: 24 × 31 cm großes Hardcover mit Spotlack, hochwertiges Fotopapier und eine Fülle großformatiger Bilder. Der Preis von knapp 50  Euro unterstreicht den Anspruch als hochwertiges Coffeetable-Buch. Die Eingangsseiten enthalten eine Vorbemerkung des französischen Filmkritikers Philippe Azoury, der anmerkt, dass der Film ohne Eleganz nicht auskommt und die Mode stets von einer großen Bühne geträumt hat; dieses Zitat dient als Leitmotiv für das gesamte Werk.

Le Bris’ Konzept, Modegeschichte anhand ikonischer Filmrollen zu erzählen, funktioniert hervorragend. Die Porträts großer Stilikonen und ihrer Designer „sprechen Bände“, urteilt das Branchenmagazin imSalon; der Bildband sei eine „Entdeckungsreise in das historische Wechselspiel zwischen Film und Mode“. Viele Kritiker loben die Auswahl von 250 zumeist ganzseitigen Fotografien und Illustrationen, die „wunderschöne Einblicke“ in die Dreiecksbeziehung zwischen Frau, Kino und Mode geben. Gerade die Kombination aus hinter‑den‑Kulissen‑Fotos, Filmstills und Entwurfszeichnungen veranschaulicht die kreative Zusammenarbeit zwischen Kostümbildnern und Couture‑Designern; sie zeigt, wie ein Kleidungsstück nicht nur die Figur einer Schauspielerin definiert, sondern ganze Trends lostritt – etwa der Bubikopf-Look von Louise Brooks oder der androgyne Smoking, den Dietrich populär machte. Ich muss sagen, ich bin ein extremer Fan von Louise Brooks und war über den Artikel über sie begeistert.

Auch die kurzen biografischen Texte bereichern die Bildstrecken um historische Kontexte und Anekdoten. Sie erinnern daran, dass viele dieser Frauen mit ihren Rollen gesellschaftliche Erwartungen sprengten: Brigitte Bardot befreite die Weiblichkeit von starren Konventionen, Jane Fonda prägte Sci-Fi‑Look und Sportmode, Madonna brachte Streetwear auf die Leinwand. Durch diese Vielfalt wird das Buch zu einer Hommage an Frauen als Mode-Ikonen und an die Designer, die ihre Leinwandbilder schufen.

Wer eine wissenschaftliche Analyse der Mode- und Filmgeschichte erwartet, wird allerdings nicht ganz zufrieden sein. „Mode im Kino“ ist in erster Linie ein Bildband, der auf visuelle Opulenz und Nostalgie setzt. Die Texte sind bewusst knapp gehalten, Hintergründe zu Produktionsbedingungen oder gesellschaftspolitischen Aspekten werden nur angedeutet. Das Buch eignet sich deshalb weniger als akademische Studie, sondern vielmehr als Inspirationsquelle für Mode‑ und Filmfans oder als repräsentativer Blickfang in Salons und Wartebereichen – genau dafür empfiehlt es imSalon als „Must‑Have“. Wer tiefergehende Analysen sucht, muss zu ergänzender Literatur greifen.

Insgesamt ist „Mode im Kino“ ein visuelles Schmuckstück, das die Faszination des Kinos für Mode in eindrucksvollen Bildern dokumentiert. Es ehrt die großen Schauspielerinnen des 20. und 21. Jahrhunderts und zeigt, wie sie gemeinsam mit ihren Kostümdesignern stilprägende Figuren erschaffen haben. Trotz seiner begrenzten Texttiefe liefert das Buch durch seine sorgfältige Auswahl an Fotografien, Skizzen und kurzen Begleittexten ein lebendiges Panorama der Modegeschichte im Film. Für Liebhaber klassischer Eleganz, für Modebegeisterte und für alle, die sich von glamourösen Bildern inspirieren lassen, ist dieser Band eine sinnliche Entdeckungsreise – und ein Dank an die Designer und Kostümbildner, die dafür gesorgt haben, dass Filmstars nicht nur spielen, sondern auch strahlen.

Rückblick auf meine Matinee: Dressed to Kill (USA 1980)

30. Mai 2026

Brian De Palmas „Dressed to Kill“ ist kein Thriller, der sein Publikum einfach nur durch eine Geschichte führt. Er zieht es hinein in ein Spiel aus Blicken, Täuschungen, Verlangen und Angst. Von Beginn an entsteht eine Atmosphäre, in der Traum und Realität, Erotik und Bedrohung, Eleganz und Gewalt gefährlich nah beieinanderliegen. Ich besprach den Film in meiner Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Die nächste Matinee am 7 Juni dreht sich um Über dem Jenseits von 1981, der auch unter dem Titel Die Geisterstadt der Zombies bekannt ist Karten gibt es hier.

De Palma inszeniert in „Dressed to Kill“ ein Kino der Beobachtung. Figuren sehen einander an, verfolgen einander, deuten Zeichen und geraten dabei immer tiefer in Unsicherheit. Was ist wirklich? Was ist Fantasie? Wer blickt – und wer wird selbst zum Objekt eines fremden Blicks? Aus dieser Spannung entwickelt „Dressed to Kill“ seine besondere Kraft. Der Film ist weniger ein geradliniger Krimi als ein nervöser, hoch stilisierter Albtraum über Begehren, Schuldgefühle und die dunklen Winkel der menschlichen Psyche. Hier die Aufzeichnung meines Vortrags.

Zu Beginn steht Kate Miller im Zentrum, eine Frau, die in einem geordneten, aber innerlich leeren Leben festzustecken scheint. Sie sehnt sich nach Nähe, nach Leidenschaft, nach einem Ausbruch aus der Routine. Diese Sehnsucht führt sie in eine der berühmtesten Szenen des Films: eine fast stumme Begegnung in einem Museum. Ohne viele Worte erzählt De Palma hier von Anziehung, Unsicherheit, Verführung und Kontrollverlust. Die Kamera folgt Blicken und Bewegungen, lässt Räume zu Labyrinthen werden und verwandelt das Museum in einen Ort der Versuchung. Doch was zunächst wie ein Moment möglicher Befreiung wirkt, kippt plötzlich ins Grauen. Aus Verlangen wird Gefahr, aus Schönheit wird Schock, aus einem Spiel der Blicke eine Katastrophe.

Unübersehbar steht „Dressed to Kill“ in der Tradition Alfred Hitchcocks, besonders von „Psycho“. De Palma greift Motive auf, spiegelt sie, überhöht sie und treibt sie in ein bewusst künstliches, fast opernhaftes Kino. Der abrupte Perspektivwechsel, die Unsicherheit über Identität, der Psychiater als erklärende Instanz, die Verbindung von Sexualität und Gewalt – all das erinnert an Hitchcock. Doch De Palma macht daraus keinen bloßen Nachbau. Er formt ein eigenes Werk, das mit Split Screens, Spiegeln, langen Kamerafahrten und raffinierten Bildkompositionen arbeitet. Die Kamera wird zum Komplizen des Voyeurismus. Wir schauen hin, obwohl wir spüren, dass dieses Schauen selbst Teil des Problems ist.

Gerade deshalb bleibt der Film bis heute reizvoll und schwierig zugleich. „Dressed to Kill“ ist brillant fotografiert, elegant montiert und ungeheuer spannend. Gleichzeitig ist er ein Werk, das aus heutiger Sicht Fragen aufwirft. Seine Darstellung von Geschlecht, Sexualität und Gewalt ist problematisch und fordert Widerspruch heraus. Der Film fasziniert und irritiert, oft im selben Augenblick. Genau darin liegt seine Aktualität als Gesprächsanlass: Wie betrachten wir heute einen Thriller von 1980, der damals provozierte und heute anders gelesen wird? Wo liegt die Grenze zwischen stilistischer Meisterschaft und fragwürdiger Projektion? Warum entfalten diese Bilder trotz aller berechtigten Kritik noch immer eine solche Wirkung?

Die Matinee bietet die Möglichkeit, „Dressed to Kill“ nicht nur als spannenden Klassiker zu erleben, sondern ihn auch gemeinsam einzuordnen. Es geht um die Macht des Kinos, Angst und Lust miteinander zu verknüpfen. Um Frauenbilder im Thriller. Um Masken, Identitäten und verdrängte Wünsche. Und natürlich um Brian De Palma, einen Regisseur, der sein Publikum selten beruhigt, sondern es gezielt verunsichert.

Auf der großen Leinwand entfaltet der Film eine besondere Wirkung. Die Musik, die Farben, die gleitenden Kamerabewegungen und die plötzlichen Schocks machen „Dressed to Kill“ zu einem körperlichen Kinoerlebnis. Das ist kein Film für nebenbei, sondern ein Werk, das im dunklen Kinosaal seine ganze suggestive Kraft entwickelt. Man glaubt, die Mechanismen zu durchschauen, und merkt doch immer wieder, wie sehr man selbst in De Palmas Spiel aus Täuschung, Begierde und Angst verstrickt wird.

„Dressed to Kill“ ist ein Film wie ein Spiegel in einem dunklen Raum. Er zeigt nicht nur Täter, Opfer und Abgründe, sondern auch unsere eigene Lust am Sehen. Darum lohnt sich diese Matinee: als Wiederentdeckung eines großen, umstrittenen und sinnlichen Thrillers, als Blick auf ein prägendes Stück Suspense-Kino und als Einladung zum Gespräch über die Schattenseiten der Popkultur. Ein Film, der nicht einfach endet, wenn das Licht wieder angeht. Er bleibt haften – in Bildern, Fragen und vielleicht auch in einem leichten Schauder auf dem Heimweg.
Die nächste Matinee am 7 Juni dreht sich um Über dem Jenseits von 1981, der auch unter dem Titel Die Geisterstadt der Zombies bekannt ist. Karten gibt es hier.

Ein Nachmittag gegen die Einsamkeit: Warum das Seniorenkino im Scala so wichtig ist

25. Mai 2026

Das Seniorenkino im Scala in Fürstenfeldbruck ist weit mehr als nur ein zusätzliches Filmangebot für ältere Menschen. Mit seinen vier Vorstellungen im Jahr hat sich die Veranstaltungsreihe längst zu einem wichtigen kulturellen und sozialen Treffpunkt entwickelt, der vielen Seniorinnen und Senioren Lebensqualität, Gemeinschaft und Teilhabe ermöglicht. Gerade in einer Zeit, in der Einsamkeit im Alter zunehmend zu einem gesellschaftlichen Problem wird, erfüllt das Seniorenkino eine Aufgabe, die weit über den eigentlichen Kinofilm hinausgeht.

Rund 200 Seniorinnen und Senioren kamen ins Scala Kino, um gemeinsam den Film Sole mio anzusehen. Die Veranstaltung des Seniorenbeirats der Stadt Fürstenfeldbruck nutzte Oberbürgermeister Christian Götz zugleich, um sich vor Ort über die Arbeit des Gremiums, dessen Angebote für ältere Bürgerinnen und Bürger und die Arbeit des Scala-Kinos zu informieren.

Am Rande der Veranstaltung tauschte sich der Oberbürgermeister mit Scala-Geschäftsführer Markus Schmölz über die Bedeutung des Kinos als kulturellen Treffpunkt im Fürstenfeldbrucker Westen aus. Dabei dankte Götz dem Kinobetreiber ausdrücklich für dessen langjähriges Engagement und sicherte auch künftig Unterstützung für das Scala Kino zu. Erste Ideen wurden schon ausgetauscht. 

„Das Scala ist seit vielen Jahren weit mehr als nur ein Kino. Es ist ein wichtiger kultureller und sozialer Treffpunkt für die Menschen im Westen der Stadt“, betonte Oberbürgermeister Christian Götz.

Auch Markus Schmölz zeigte sich erfreut über den Besuch des Oberbürgermeisters und den Austausch mit dem Seniorenbeirat: „Wir freuen uns sehr über die Wertschätzung und Unterstützung durch die Stadt. Das Scala steht immer für weitere Gespräche und Kooperationen offen – gerade wenn es darum geht, Menschen zusammenzubringen und kulturelle Angebote für alle Generationen zu schaffen.“

Denn für viele Besucherinnen und Besucher ist der Nachmittag im Scala nicht einfach ein Kinobesuch. Er ist Anlass, das Haus zu verlassen, Bekannte zu treffen, gemeinsam zu lachen, Erinnerungen auszutauschen und am öffentlichen Leben teilzunehmen. Das Kino wird so zu einem Ort der Begegnung. Besonders ältere Menschen, die alleine leben oder in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, erleben solche Veranstaltungen oft als wertvolle Abwechslung im Alltag. Die vertraute Atmosphäre des Scala, die persönliche Ansprache und die bewusst ausgewählten Filme schaffen dabei ein Gefühl von Geborgenheit und Zugehörigkeit.

Hinzu kommt die kulturelle Bedeutung. Kino ist Erinnerung, Emotion und gemeinsames Erleben. Viele Seniorinnen und Senioren verbinden mit dem Kino noch die große Zeit der Lichtspielhäuser, als ein Filmabend etwas Besonderes war. Das Seniorenkino knüpft genau an dieses Lebensgefühl an. Es bewahrt ein Stück Kinokultur, die heute vielerorts verloren gegangen ist. Während Streamingdienste Filme immer stärker zum individuellen Konsum auf dem heimischen Sofa machen, bietet das Scala weiterhin das gemeinschaftliche Erlebnis im dunklen Saal – mit gemeinsamem Lachen, Mitfiebern und Nachdenken.

Die vier Vorstellungen im Jahr mögen auf den ersten Blick nicht viel erscheinen, doch gerade ihre Regelmäßigkeit macht sie wichtig. Sie setzen feste kulturelle Höhepunkte im Jahreslauf und geben vielen Besucherinnen und Besuchern Orientierung und Vorfreude. Oft entstehen daraus Gespräche, Verabredungen und soziale Kontakte, die weit über den Kinonachmittag hinausreichen.

Nicht zuletzt zeigt das Seniorenkino auch, welche Rolle ein Programmkino heute für eine Stadt wie Fürstenfeldbruck spielen kann. Das Scala ist eben nicht nur ein Ort für Blockbuster und Unterhaltung, sondern auch ein kultureller Raum mit gesellschaftlicher Verantwortung. Es schafft Angebote für Generationen, die im schnelllebigen Kulturbetrieb oft übersehen werden. Gerade deshalb ist das Seniorenkino ein wichtiges Zeichen für gelebte Teilhabe und Wertschätzung älterer Menschen.

In einer alternden Gesellschaft werden solche Angebote künftig noch bedeutender werden. Das Seniorenkino im Scala beweist schon heute, dass Kultur nicht nur Unterhaltung ist, sondern auch Nähe, Gemeinschaft und ein Stück Lebensfreude.