Posts Tagged ‘Apokalypse’

Comic-Kritik: Pacific Rim – Geschichten aus dem Jahr Null

20. Juli 2026

Bein Aufräumen entdeckte ich als Godzilla-Fan den Comic Pacific Rim – Geschichten aus dem Jahre Null, der 2013 erschienen ist. Ich hatte ihn mir damals gekauft und ungelesen ins Archiv gestellt, fragt nicht warum. Jetzt fiel er mir wieder in die Hände und kopfschüttelnd über meine Vergesslichkeit freute ich mich auf eine monstermäßige Lektüre. Leider ist der Comic ausverkauft, aber vielleicht findet ihr ihn noch auf Flohmärkten oder Börsen.

Ich sag es gleich: Ich mag die Monsterfilme, die Comics und die Scores – allen voran die Godzilla-Filme. Als die Pacific Rim-Filme ins Kino kamen, genoss ich das Pop Corn-Kino mit viel Action. Der vorliegende Comic ist eine Geschichte aus dem Jahre Null, also die offizielle Vorgeschichte zum damaligen Filmevent.

Guillermo del Toros Pacific Rim war nie nur ein Film über riesige Roboter und gigantische Monster. Hinter den spektakulären Kämpfen gegen die Kaiju steckte eine überraschend ernsthafte Geschichte über Opferbereitschaft, Zusammenarbeit und den Überlebenswillen der Menschheit. Genau dort setzt der Comic Pacific Rim – Geschichten aus dem Jahr Null an. Anstatt lediglich bekannte Actionszenen nachzuerzählen, erweitert die offizielle Vorgeschichte das Universum sinnvoll und verleiht vielen Figuren und Ereignissen zusätzliche Tiefe. Der Band wurde von Drehbuchautor Travis Beacham gemeinsam mit Guillermo del Toro entwickelt und erzählt die Entstehung des Jaeger-Programms sowie die ersten Jahre des Kampfes gegen die Kaiju.

Besonders gelungen ist die erzählerische Struktur. Die Handlung folgt nicht einer klassischen Actiongeschichte, sondern nutzt Interviews und Rückblicke verschiedener Figuren, um den Beginn der Kaiju-Invasion aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten. Dadurch entsteht fast der Eindruck einer dokumentarischen Chronik der Apokalypse. Die politischen Diskussionen um den Bau der Jaeger, die technischen Probleme der ersten Maschinen und die psychologischen Belastungen der Piloten erhalten deutlich mehr Raum als im Film. Gerade diese ruhigeren Momente machen den Comic überraschend stark, weil sie den gigantischen Materialschlachten ein menschliches Fundament verleihen.

Die Zeichnungen stammen von mehreren Künstlern, darunter Sean Chen, Yvel Guichet und Pericles Junior. Trotz der unterschiedlichen Handschriften wirkt der Band erstaunlich homogen. Die Kaiju besitzen eine beeindruckende Wucht und Größe, während die Jaeger glaubwürdig als tonnenschwere Maschinen inszeniert werden. Die Farbgebung unterstützt den oft düsteren Grundton, ohne die Übersichtlichkeit der Action zu beeinträchtigen. Besonders in den großformatigen Panels wird deutlich, wie gut sich das monumentale Design des Films in das Medium Comic übertragen lässt.

Erfreulich ist zudem, dass sich Geschichten aus dem Jahr Null nicht allein auf spektakuläre Kämpfe verlässt. Die eigentlichen Gegner sind häufig Angst, Zweifel und persönliche Traumata. Der Comic zeigt eindrucksvoll, dass die Menschheit nicht nur gegen die Kaiju kämpfen muss, sondern auch gegen politische Trägheit, technische Rückschläge und menschliche Schwächen. Dadurch gewinnt die Geschichte eine emotionale Dimension, die vielen Filmadaptionen als Comic fehlt.

Kleinere Schwächen ergeben sich aus der episodischen Erzählweise. Manche Figuren bleiben trotz der zusätzlichen Hintergrundinformationen etwas blass, und durch die wechselnden Zeichner verändert sich der visuelle Stil gelegentlich spürbar. Wer ausschließlich pausenlose Monsterkämpfe erwartet, dürfte zudem überrascht sein, wie viel Platz Dialogen und Charakterentwicklung eingeräumt wird.

Gerade darin liegt jedoch die größte Stärke des Bandes. Pacific Rim – Geschichten aus dem Jahr Null versteht sich nicht als bloße Ergänzung zum Film, sondern als eigenständige Science-Fiction-Geschichte über den Beginn einer globalen Katastrophe. Der Comic erweitert die Mythologie sinnvoll, macht bekannte Figuren greifbarer und vertieft die Welt von Pacific Rim erheblich. Für Fans des Films gehört er nahezu zur Pflichtlektüre – und selbst Leser, die den Film nicht kennen, erhalten eine spannende Mischung aus Militär-Science-Fiction, Katastrophendrama und klassischem Kaiju-Abenteuer.

Pacific Rim – Geschichten aus dem Jahr Null ist einer der gelungensten Film-Prequel-Comics der vergangenen Jahre. Statt sich in reiner Action zu verlieren, erzählt der Band von den Anfängen einer Menschheit im Ausnahmezustand und schafft es, den Mythos der Jaeger mit glaubwürdigen Figuren und einer überraschend vielschichtigen Handlung zu bereichern. Wer Guillermo del Toros Vision liebt, findet hier eine ebenso spannende wie atmosphärische Ergänzung zum Film.

Filmkritik: Cold Storage – Apokalypse auf Probe

11. Februar 2026

„Cold Storage“ ist ein herrlich altmodischer Genre-Spaß: ein Sci-Fi-Horrorfilm über einen mutierenden Pilz, der in einem Selfstorage-Komplex ausbricht – und dabei erstaunlich leichtfüßig, witzig und ansteckend kurzweilig bleibt. Für mich eine Version von Andromeda tödlicher Staub aus dem All auf Ecstasy, ohne natürlich die Tiefe des Klassikers zu erreichen.

Ausgangspunkt ist ein scheinbar banaler Nachtschicht-Job in einem Lagerhaus, das praktischerweise auf einem ehemaligen US-Militärstützpunkt errichtet wurde. Tief darunter lagert ein hochgefährlicher, mutierender Pilz, der einst als zu riskant für die Vernichtung eingestuft und einfach „eingefroren“ wurde./ Er kam mit dem Skylab auf die Erde und wütete in Australien. Als steigende Temperaturen das Sicherheitssystem aus dem Gleichgewicht bringen, entweicht der Erreger, breitet sich rasend schnell aus und verwandelt die Nacht in eine groteske Überlebensfarce.

Dabei findet der Film eine reizvolle Balance: Er ist blutig und „goopy“, scheut sich nicht vor Körperhorror à la Cronenberg, spielt das Szenario aber mit einem deutlich spürbaren Augenzwinkern als Horror-Komödie durch. Das Resultat ist weniger deprimierender Pandemiethriller als vielmehr ein spaßiges Creature-Feature, das auf gemeinsame Reaktionen im Kinosaal zielt – Schrecken, Gelächter, angewidertes Keuchen. Filmfreunde finden immer wieder kleine Anspielungen auf Genrebeiträge wie Dawn of the Dead oder Return of the Living Dead.

Im Zentrum stehen Travis „Teacake“ Meacham (Joe Keery) und Naomi Williams (Georgina Campbell), zwei eher niedere Angestellte der Anlage, deren Nacht plötzlich zur Apokalypse auf Probe wird. Keery legt seinen Teacake als charmanten Großmaul-Protagonisten an, dessen vorlaute Energie den Horror rhythmisiert und den Humor glaubwürdig aus der Figur heraus entstehen lässt. Campbell kontert ihn mit einer geerdeten, klugen Naomi, die als moralischer und emotionaler Ruhepol dient und der eskalierenden Absurdität ein menschliches Gewicht verleiht.

Liam Neeson stößt als Robert Quinn dazu, ein in den Ruhestand gedrängter Bioterror-Experte mit Rückenschmerzen, der die Vorgeschichte des Pilzes kennt und als gezeichnete, aber handfeste Autoritätsfigur den Plot in Richtung größerer Bedrohung öffnet. Um sie herum versammelt der Film ein Ensemble aus starken Nebendarstellerinnen und -darstellern – darunter Lesley Manville, Sosie Bacon, Vanessa Redgrave und weitere –, das jedem Auftritt einen Hauch von Charakter und Eigenheit gibt, selbst wenn die Screentime begrenzt ist.

Regisseur Jonny Campbell erzählt eine bewusst einfache, geradlinige Geschichte, die eher auf Tempo und Setpieces als auf komplexe Verschwörungsplots setzt. Die klaustrophobische Architektur des Selfstorage-Komplexes – Gänge, Türen, unterirdische Ebenen – wird zu einer Art Horrorspielplatz, in dem sich Suspense-Momente, slapstickhafte Eskalationen und drastische Schockbilder abwechseln. Dass der Film seine eigene Künstlichkeit kennt und lustvoll überzeichnet, macht ihn gerade reizvoll: Er will nie das ultimative Statement zum Thema Pandemie sein, sondern eine „wildeste Nachtschicht aller Zeiten“, durchgespielt bis zur Extinktion als Party-Gag.

Die Effekte setzen stark auf schleimige, mutierende Pilz-Bilder und groteske Infektionen, wobei digitale Effekte manchmal dominieren, wo man sich praktisches Make-up wünschen würde. Dennoch entfaltet das visuelle Design genug Einfälle, um die Kreatur(en) über den ganzen Film hinweg interessant zu halten, inklusive immer neuer mutierter Stadien und räumlich clever platzierten Infektionsmomenten. Musikalisch und rhythmisch schlägt der Film oft den Ton eines „Date-Night-Horrors“ an – zugänglich, mit klar gesetzten Spannungsbögen, aber immer bereit, einen Gag oder eine überraschende Reaktion einzustreuen.

„Cold Storage“ versteht sich als nostalgischer Rückgriff auf eine Ära von genrehybriden B-Movies, in denen Einfallsreichtum, Figurenchemie und ein gewisser anarchischer Humor wichtiger waren als Logik oder thematische Tiefenschärfe. Kollegen nach der Pressevorführung betonten, dass der Film zwar nicht alle Erwartungen an den großen Namen vor und hinter der Kamera erfüllt, aber genug Charme, Ekel, Spannung und Leichtigkeit mitbringt, um „lohnenswert“ zu sein. Man könnte sagen: Er erfindet das Rad nicht neu, er sprengt es, lässt es mutieren und schleudert es dem Publikum vergnügt ins Gesicht – und genau in dieser Überdrehtheit liegt seine Stärke.

Dass der Film klar als gemeinschaftliches Erlebnis gedacht ist, spürt man in der Art, wie er auf kollektive Reaktionen hin inszeniert ist: Die besten Momente leben davon, dass man sie nicht allein, sondern mit einem Publikum erlebt. „Cold Storage“ ist damit weniger ein filigranes Horror-Kleinod als ein robustes, liebevoll gröliges Genre-Vergnügen – perfekt für eine laute Vorstellung, die man mit einem Grinsen verlässt und nicht weiter darüber nachdenkt.

Neue Marketingaktion für das Handwerk

18. Januar 2010
50 Millionen Euro (!) kostet wohl eine großangelegte Werbemaßnahme für das deutsche Handwerk, die vergangene Woche an den Start ging. Als erstes wurde ein Spot ausgestrahlt. Start war Samstag abend: Um 20.14 Uhr lief der neue Imagefilm in deutschen Privatsendern. In dieser Woche startet eine Langversion des Spots in den deutschen Kinos.
Die PR-Aktion ist auf fünf Jahre angelegt und wird von den Kollegen von Scholz and Friends aus Berlin abgewickelt, die auch recht gut daran verdienen. Auftraggeber ist der Deutsche Handwerkskammertag (DHKT), der Dachverband der 53 Handwerkskammern. Vorausgegangen war eine Umfrage des Forsa-Instituts über das Image des Handwerks in der Bevölkerung. 90 Prozent sehen die Handwerker als freundlich an, und 83 Prozent bescheinigen ihnen, sorgfältig zu arbeiten.
Im Stil eines Roland Emmerich-Films werden in dem Spot die unterschiedlichen Facetten des Handwerks gezeigt. Das Motto lautet „Das Handwerk. Die Wirtschaftsmacht von nebenan!“. Natürlich freut es mich, dass auch die Friseure als wichtige deutsche Arbeitsbranche in dem Film vorkommt.
Wie es heißt, sollen alle Kanäle des Marketings genutzt werden. In Fernseh- Radio- und Kinospots, auf Plakatwänden, in Zeitungsanzeigen und im Internet sollen in den kommenden fünf Jahren die Deutschen ein positiveres Bild vom Handwerk vermittelt bekommen. Handwerk ist voll geil. Auf jeden Fall ist der Spot bereits in YouTube angekommen. Die Machart des Spots ist einfach: Was würde passieren, wenn es kein Handwerk gebe? So lösen sich Brillen, Ringe, Instrumente auf, brechen Gebäude und Autos zusammen, Straßen reißen auf und die Klamotten fallen den Menschen von den Leibern. Irgendwann schaut eine Frau sogar in einen zerbrochenen Spiegel und rauft sich die Haare – das ist wohl die Anspielung auf den Friseur. Am nettesten finde ich die Szene als ein Mann aus der U-Bahn kommt und seine Mitmenschen wie Zombie durch die Apokalypse wandern.
Das Compositing und die VFX sind durchweg gut gemacht. Mal sehen, ob wir in der DIGITAL PRODUCTION mehr darüber berichten. Und vielleicht ist der Spot auch etwas für unseren animago AWARD.
Update (19-01-2010): Soeben habe ich erfahrenerfahren, dass die Ausstrahlung des TV-Spots ausgesetzt wird.  Grund sind Reaktionen aus der Öffentlichkeit, die einen Zusammenhang zwischen den Bildern des TV-Spots und dem Erdbeben in Haiti herstellen.