Archive for Februar 2026

Meine Vinyl-Käufe im Januar

1. Februar 2026

Vinyl zu lieben heißt, Musik nicht nur zu hören, sondern sie zu berühren, zu sehen und zu riechen. Man zieht die Platte vorsichtig aus der Hülle, spürt das Gewicht in den Händen, betrachtet das große Cover wie ein kleines Kunstwerk und legt sie behutsam auf den Teller. Dann senkt sich die Nadel, ein leises Knistern erfüllt den Raum – und genau in diesem Moment fühlt es sich an, als würde die Zeit kurz langsamer werden. Jede Rille trägt nicht nur Klänge, sondern Erinnerungen: an Nächte mit Freunden, an einsame Stunden im Halbdunkel, an das Suchen und Finden einer lang gesuchten Scheibe auf dem Flohmarkt. Vinyl ist mehr als ein Tonträger – es ist ein bewusstes Ritual in einer Welt, in der Musik oft nur im Hintergrund läuft; ein kleines Versprechen, sich hinzusetzen, zuzuhören und der Musik wieder den Platz zu geben, den sie verdient.

Dracula und Frankenstein von James Bernard
James Bernard hat mit seinen Soundtracks zu Dracula (1958) und Frankenstein (ab The Curse of Frankenstein, 1957) die musikalische Identität des klassischen britischen Horrorfilms entscheidend geprägt. Seine Kompositionen für die Hammer-Studios sind weit mehr als bloße Begleitmusik – sie sind dramatische Triebkräfte, emotionale Kommentatoren und psychologische Verstärker des Grauens.

Besonders berühmt ist Bernards Dracula-Thema, das seinen eigenen Namen musikalisch buchstabiert („DRA-CU-LA“). Mit scharf akzentuierten, aufsteigenden und abfallenden Intervallen und aggressiven Blechbläsern schafft Bernard eine Musik, die den Vampir nicht mystifiziert, sondern frontal angreift: bedrohlich, unerbittlich und von archaischer Gewalt. Das Orchester wirkt wie ein zusätzlicher Antagonist, der den Zuschauer in einen Zustand permanenter Anspannung versetzt. Bernards Musik gibt Dracula eine klangliche Körperlichkeit – sie lässt ihn schon erscheinen, bevor er überhaupt im Bild ist.

Im Frankenstein-Zyklus wählt Bernard einen anderen, subtileren Ansatz. Hier dominiert weniger das eruptive Grauen als vielmehr eine tragische Grundhaltung. Die Musik spiegelt das zentrale Motiv der Reihe wider: Hybris, Schuld und das Leiden der Kreatur. Bernard arbeitet mit düsteren Streicherflächen, schweren Harmonien und einer fast elegischen Melancholie, die Frankensteins Monster nicht als bloße Bedrohung, sondern als Opfer menschlicher Überheblichkeit erscheinen lässt. Die Musik verleiht der Figur Würde – und dem Schrecken eine zutiefst menschliche Dimension.

Charakteristisch für Bernard ist sein kompromissloser Stil: keine Zurückhaltung, kein atmosphärisches „Hintergrundrauschen“, sondern klare Themen, harte Kontraste und eine fast opernhafte Dramatik. Er nimmt den Horror ernst – und erhebt ihn durch Musik zur Tragödie. Damit unterscheidet er sich deutlich von vielen zeitgenössischen Filmmusiken, die Angst eher andeuten als ausformulieren.

James Bernards Soundtracks zu Dracula und Frankenstein sind bis heute Referenzwerke des Horror-Genres. Sie haben den Klang des filmischen Grauens neu definiert und Generationen von Komponisten beeinflusst. Ohne Bernards Musik wären diese Filme nicht nur weniger furchteinflößend – sie wären auch weniger bedeutend.

The Nightmare Before Christmas Glow Edition von Danny Elfman
Huhu, die Platten leuchten im Dunkeln. Mit dem Soundtrack zu The Nightmare Before Christmas hat Danny Elfman eines der geschlossensten und eigenständigsten Werke der Filmmusikgeschichte geschaffen. Dieses Album ist weit mehr als die Begleitmusik zu einem Animationsfilm – es ist ein durchkomponiertes Gothic-Musical, ein düsteres Märchen in Tönen, das auch ohne Bilder vollständig funktioniert.

Elfman greift tief in die Trickkiste des klassischen Hollywood-Musicals, verbindet diese jedoch mit Burton’scher Morbidität, Jahrmarkt-Melodik und expressionistischer Schärfe. Bereits das eröffnende „This Is Halloween“ etabliert die ästhetische Leitlinie des Albums: scharf konturierte Bläser, marschartige Rhythmen, kinderliedhafte Motive, die jederzeit ins Bedrohliche kippen können. Die Musik tanzt auf dem schmalen Grat zwischen Grusel und Vergnügen – und macht genau daraus ihren Reiz.
Zentral ist das Thema um Jack Skellington, dessen innere Zerrissenheit Elfman mit großer melodischer Eleganz einfängt. „Jack’s Lament“ gehört zu den stärksten Charakterstudien der Filmmusik: melancholisch, selbstironisch, getragen von einer Melodie, die gleichermaßen Broadway und Gruft atmet. Elfmans Entscheidung, Jack selbst zu singen, verleiht dem Werk zusätzliche Authentizität – Komponist und Figur verschmelzen.

Orchestrierung und Arrangement sind bis ins Detail ausgearbeitet. Streicher, Blech, Orgel, Chor und Perkussion greifen präzise ineinander, ohne je überladen zu wirken. Elfman versteht es meisterhaft, Leitmotive zu variieren und wieder aufzugreifen, sodass das Album trotz seiner stilistischen Vielfalt stets geschlossen bleibt. Selbst scheinbar leichte Nummern wie „What’s This?“ tragen eine unterschwellige Unruhe in sich.

Bemerkenswert ist, wie zeitlos dieser Soundtrack wirkt. Während viele Filmmusiken ihrer Entstehungszeit verhaftet bleiben, hat The Nightmare Before Christmas eine eigene musikalische Welt geschaffen, die sich jeder Mode entzieht. Das Album funktioniert als Hörspiel, als Musical, als Pop-Statement – und als dunkles Weihnachtsalbum jenseits von Kitsch und Sentimentalität.
The Nightmare Before Christmas ist ein Ausnahmealbum: verspielt, düster, emotional und handwerklich brillant. Danny Elfman beweist hier nicht nur sein Talent als Filmkomponist, sondern als vollwertiger Musical-Autor mit unverwechselbarer Handschrift. Ein Werk, das man nicht nur zur passenden Jahreszeit hört – sondern immer dann, wenn man sich an der Grenze zwischen Licht und Schatten bewegen möchte.

fiction world von Jahrund
Die elektronische Musik von Jahrund ist von einer warmen, pulsierenden Energie geprägt, gespeist aus der Faszination für die Geheimnisse unseres Planeten und des unendlichen Weltraums. Ihre Texte verbinden astronomische Motive mit tiefen psychologischen und gesellschaftlichen Fragestellungen.

Die Stücke sind dramaturgisch sorgfältig aufgebaut, düster gefärbt und poetisch zugespitzt. Hörerinnen und Hörer tauchen mitten in diese Klangwelten ein und erleben die Geschichten aus der Perspektive der Hauptfigur. Vor allem aber ist Jahrund ein über lange Zeit gewachsenes musikalisches Mikrouniversum – ein konsequenter Ausdruck der inneren Welt, der Überzeugungen und Prinzipien der Künstler.

Kraftwerk: Random Access Memory
Kraftwerk spielten 1981 eine legendäre Konzertreihe in Paris, hauptsächlich im Club Captain Video (oft fälschlicherweise als Olympia angegeben) am 6. Juli, die zur Grundlage vieler beliebter Bootlegs wie „Random Access Memory“ wurde, und präsentierten Stücke von „Computer World“ mit Klassikern, wobei die Aufnahmen hohe Qualität und eine Mischung aus französischen und deutschen Titeln boten.

Anthology Collection (Ltd.12LP Box) von The Beatles
Die Beatles sind zurück! Die Anthology Collection handelt von der Geschichte der Beatles, erzählt von den Beatles selbst. Ab dem 21. November 2025 als 12LP Box und als 8CD Box erhältlich. Beide enthalten jeweils neue 2025er Mixes, Demos, Live Performances, Outtakes aus dem Studio und Songs, die bisher nie veröffentlicht wurden. All das als Remaster und mit Originalem Artwork sowohl als auch mit neuen Fotos der Band und besonderen Notizen.

Die vier Beatles-Anthology-Veröffentlichungen dokumentieren die Geschichte der Band aus erster Hand und geben tiefe Einblicke in ihren kreativen Prozess. Anthology 1 konzentriert sich auf die frühen Jahre von den Quarrymen bis 1964 und enthält viele rare Demos und Liveaufnahmen. Anthology 2 deckt die Phase 1965–1968 ab, in der sich die Beatles musikalisch radikal weiterentwickelten. Anthology 3 zeigt schließlich die späten Jahre bis zur Auflösung 1970 und erlaubt einen Blick hinter die Kulissen legendärer Studiosessions.

Warriors Code von Dropkick Murphys
11 Short Stories of Pain & Glory – oft auch unter dem zentralen Song Warriors Code wahrgenommen – ist ein wuchtiges, emotional aufgeladenes Album der Dropkick Murphys. Die Dropkick Murphys stammen aus Boston.Gegründet wurden sie 1996 in der stark irisch geprägten Arbeiterstadt – ein Hintergrund, der ihren Sound, ihre Texte und ihre klare Nähe zu Themen wie Zusammenhalt, Arbeiterkultur und Sport bis heute prägt. Die Band entstand aus der Bostoner Arbeiterklasse-Punkszene und wollte Punk-Rock mit irischer Folklore verbinden. Ihre Musik zeichnet sich durch energiegeladene Refrains, Dudelsack-Melodien und Chorgesang aus. Frontmann Ken Casey ist seit der Gründung die konstante kreative Kraft;

Die Band verbindet hier ihren rauen Celtic-Punk-Sound mit ungewohnt persönlichen Themen: Verlust, Stolz, Durchhaltewillen und Arbeiter-Mentalität. Warriors Code steht exemplarisch für den Ton der Platte – kämpferisch, hymnisch und zugleich melancholisch. Musikalisch bleibt vieles vertraut, doch die erzählerische Tiefe und der spürbare Ernst geben dem Album mehr Gravitas als manch früherer Veröffentlichung. Kein revolutionärer Neuanfang, aber ein kraftvolles, ehrliches Statement einer Band, die genau weiß, wofür sie steht.


Gram Parsons feat. Emmylou Harris – Live 1973
Gram Parsons gilt als eine der tragischsten und zugleich einflussreichsten Figuren der amerikanischen Musikgeschichte. Seine Songs verbinden Country, Folk und Rock zu einer emotional offenen, oft schmerzhaft ehrlichen Klangsprache. Parsons’ Stimme ist brüchig, nie perfekt, aber genau darin liegt ihre Glaubwürdigkeit. Seine Musik wirkt zeitlos, weil sie große Gefühle ohne Pathos erzählt – verletzlich, suchend und von einer melancholischen Schönheit, die bis heute nachhallt

Das Verhältnis zwischen Gram Parsons und Emmylou Harris war musikalisch außergewöhnlich eng und persönlich intensiv. Parsons entdeckte Harris 1971, förderte sie konsequent und machte sie zu seiner wichtigsten Duettpartnerin. Gemeinsam entwickelten sie einen harmonisch einzigartigen Country-Rock-Sound, geprägt von gegenseitigem Vertrauen und großer emotionaler Offenheit. Ob ihre Beziehung auch romantisch war, bleibt bewusst vage – sicher ist jedoch, dass Harris für Parsons kreative Muse und Seelenverwandte war. Nach seinem frühen Tod bewahrte sie sein musikalisches Erbe und machte es zu einem zentralen Teil ihrer eigenen Karriere.

Solaris von Cliff Martinez
Der Soundtrack zu Solaris von Cliff Martinez ist eine schwebende, zutiefst introspektive Klanglandschaft. Mit minimalistischen Synthesizern, sanften Pulsationen und kaum greifbaren Melodien erschafft Martinez eine Musik, die weniger begleitet als vielmehr atmet. Die Stücke wirken entrückt, melancholisch und emotional distanziert – und genau darin liegt ihre Kraft. Der Score spiegelt Themen wie Erinnerung, Verlust und unerreichbare Nähe wider, ohne sie auszuformulieren. Statt dramatischer Akzente setzt Martinez auf Stille, Raum und Wiederholung, wodurch die Musik fast zeitlos erscheint und den Zuschauer in einen Zustand meditativer Unsicherheit versetzt.

Now Playing von Gram Parsons
Gram Parsons starb am 19. November 1973 im Alter von nur 26 Jahren an den Folgen einer Überdosis Alkohol und Drogen in einem Motel nahe des Joshua-Tree-Nationalparks. Sein Tod beendete abrupt das Leben eines Musikers, der Country, Folk und Rock nachhaltig geprägt hatte. Ebenso ungewöhnlich wie sein Leben waren die Umstände seiner Beerdigung: Parsons hatte sich gewünscht, im Joshua Tree verbrannt zu werden. Zwei Freunde entführten daraufhin seinen Leichnam vom Flughafen in Los Angeles, fuhren in die Wüste und versuchten, ihn dort auf einem Felsen zu verbrennen.

Zu einer Obduktion kam es nicht, da die Leiche, die zu seinem Stiefvater nach New Orleans überführt werden sollte, von seinem Manager Phil Kaufman auf dem Los Angeles International Airport gestohlen und am Cap Rock im Joshua-Tree-Nationalpark in der kalifornischen Mojave-Wüste verbrannt wurde. Angeblich erfüllte Kaufman damit den letzten Willen von Gram Parsons, der ein problematisches Verhältnis zu seiner Familie gehabt hatte.


Kaufman hatte unterschätzt, welche Mengen an Benzin man benötigt, um einen Leichnam zu verbrennen, sodass die Polizei nach der misslungenen Einäscherung am Cap Rock eine nur halb verbrannte Leiche vorfand und die Überreste dann nach New Orleans überführt wurden, wo sich heute das Grab von Gram Parsons findet. Da das kalifornische Recht den Diebstahl einer Leiche nicht regelte, wurde Kaufman lediglich für den Diebstahl des Sarges angeklagt.

Gram Parsons wurde schließlich – gegen seinen Willen – auf dem Friedhof in New Orleans beigesetzt. Das bizarre Ende verstärkte den Mythos um ihn und machte seine Geschichte zu einer der tragischsten und legendärsten der Rockmusik. Hier eine Best-off.

Peace von Eurythmics
Peace ist ein spätes, überraschend ruhiges Statement der Eurythmics. Annie Lennox und Dave Stewart verzichten hier weitgehend auf den kühlen Synth-Pop und die große Geste früherer Jahre und setzen stattdessen auf organischere Arrangements, Soul-, Gospel- und Rockeinflüsse. Der Sound wirkt wärmer, erwachsener und bewusst zurückgenommen.

Inhaltlich ist Peace deutlich politischer und gesellschaftskritischer als viele frühere Veröffentlichungen des Duos. Themen wie Krieg, Gewalt, Verantwortung und Menschlichkeit ziehen sich durch das Album, ohne dabei platt oder belehrend zu wirken. Annie Lennox’ Stimme steht klar im Mittelpunkt: eindringlich, kontrolliert und voller emotionaler Autorität. Songs wie die titelgebende Friedensbitte wirken eher nachdenklich als hymnisch, eher fragend als anklagend.

Peace ist kein Album für den schnellen Effekt oder nostalgische Erwartungen an alte Eurythmics-Hits. Es verlangt Aufmerksamkeit und Zeit, belohnt diese aber mit Tiefe und Ernsthaftigkeit. Gerade darin liegt seine Stärke: als reifes, reflektiertes Werk einer Band, die sich nicht wiederholen wollte, sondern Haltung zeigt – leise, konsequent und erstaunlich zeitlos.

The Devil Rides Out von James Bernard
The Devil Rides Out von James Bernard ist ein Musterbeispiel für atmosphärische Horrormusik der klassischen Hammer-Ära. Die Braut des Teufels ist ein 1967 entstandener, britischer Horrorfilm aus der Hammer Films-Produktion mit Christopher Lee in der Hauptrolle. Der Film basiert auf dem 1934 veröffentlichten Roman The Devil Rides Out von Dennis Wheatley.
James Bernard verzichtet weitgehend auf eingängige Melodien und setzt stattdessen auf scharfe Dissonanzen, drängende Streicherfiguren und bedrohliche Bläser, die eine permanente Spannung erzeugen. Die Musik wirkt weniger erzählerisch als beschwörend – fast wie ein akustisches Ritual, das den okkulten Kern des Films verstärkt.

Besonders eindrucksvoll ist Bernards Gespür für Dramaturgie: Der Score arbeitet mit abrupten Dynamikwechseln, dunklen Klangflächen und aggressiven Akzenten, die das Gefühl von Gefahr und Übernatürlichem konsequent aufrechterhalten. Dabei bleibt die Musik stets funktional im besten Sinne – sie dominiert nicht, sondern verdichtet die Bilder und verleiht ihnen eine unheimliche Schwere.

Als eigenständiges Hörerlebnis ist The Devil Rides Out kein leicht zugängliches Album, sondern fordert Aufmerksamkeit und Stimmung. Wer sich jedoch auf diese düstere Klangwelt einlässt, entdeckt eine kompromisslose, handwerklich brillante Filmmusik, die zeigt, warum James Bernard zu den prägendsten Horror-Komponisten seiner Zeit zählt.

The Fabelmans von John Williams
The Fabelmans (Original Motion Picture Soundtrack) von John Williams ist ein leises, zutiefst persönliches Werk innerhalb seines monumentalen Œuvres. Statt großer Themen und orchestraler Wucht setzt Williams hier auf Zurückhaltung, Intimität und emotionale Feinzeichnung. Die Musik begleitet nicht das Spektakel des Kinos, sondern dessen Ursprung: Erinnerung, Familie, erste Liebe zur Kunst und die schmerzhaften Brüche des Erwachsenwerdens.

Der Score ist geprägt von warmen Streichern, dezenten Holzbläsern und einer fast kammermusikalischen Transparenz. Viele Motive wirken skizzenhaft, bewusst unaufdringlich, als wollten sie den Bildern Raum lassen – und genau darin liegt ihre Stärke. Williams komponiert nicht auf Effekt, sondern auf Gefühl, oft mit melancholischer Grundierung und einem sanften nostalgischen Schimmer, der die autobiografische Ebene des Films sensibel widerspiegelt.

Als Album ist The Fabelmans kein klassischer „Williams-Hitparaden“-Score, sondern eine stille Erzählung in Tönen. Die Musik entfaltet ihre Wirkung weniger im einzelnen Stück als im Gesamtfluss. Sie wirkt wie ein Rückblick aus der Distanz: wehmütig, liebevoll, manchmal schmerzlich, aber nie sentimental. Gerade diese Zurückgenommenheit macht den Soundtrack zu einem der reifsten und menschlichsten Arbeiten von John Williams – ein spätes, berührendes Bekenntnis zur Magie des Kinos und zur Kraft der Erinnerung.

Three of a Perfect Pair von King Crimson
Three of a Perfect Pair ist das vielleicht widersprüchlichste Album von King Crimson – und genau darin liegt seine Stärke. Erschienen 1984, markiert es zugleich den Abschluss der sogenannten Discipline-Ära und einen inneren Bruch, der bewusst inszeniert ist.

Schon das Konzept ist Programm: Die Platte ist in zwei Hälften gedacht. Seite A präsentiert die „zugängliche“ Band – kantiger New Wave, nervöse Funk-Grooves, Songs mit klaren Strukturen. Stücke wie „Three of a Perfect Pair“ oder „Model Man“ wirken fast poppig, zumindest nach Crimson-Maßstäben. Adrian Belews Gesang ist emotional, manchmal verletzlich, manchmal ironisch gebrochen. Die Gitarren verzahnen sich präzise, fast mechanisch, während Tony Levins Bass (inklusive Chapman Stick) den Stücken einen elastischen Unterbau gibt.

Seite B dagegen ist sperrig, kühl und experimentell. Instrumentals wie „Industry“ oder „Dig Me“ klingen wie industrielle Skizzen: dissonant, fragmentiert, bewusst ungemütlich. Robert Fripps Gitarrenarbeit ist hier weniger melodisch als textural – Klangflächen, Reibung, kontrolliertes Chaos. Diese zweite Hälfte fordert Geduld, belohnt aber mit einer hypnotischen Konsequenz, die weit über konventionelles Rockdenken hinausgeht.

Produktionstechnisch ist das Album trocken und klar, typisch für die frühen Achtziger, ohne sich vollständig dem Zeitgeist anzubiedern. Gerade dieser leicht spröde Sound verstärkt den Eindruck von Kontrolle und Distanz – passend zur inneren Spannung der Platte.

Fazit: Three of a Perfect Pair ist kein sofortiger Klassiker wie Discipline, aber ein faszinierender Abgesang auf eine der innovativsten Phasen der Band. Es zeigt King Crimson als Gruppe, die sich selbst infrage stellt, statt sich zu wiederholen. Ein Album für Hörer, die Widersprüche aushalten – und darin Schönheit finden.

Ein Dreier-Unboxing: Luxury Liner (1977), Roses in the Snow (1980) und The Ballad of Sally Rose (1985) von Emmylou Harris
Luxury Liner (1977)

Solide Klassiker-Scheibe, die zeigt, wie Harris in den 70ern Country-Tradition und Americana-Spirit verband – zugänglich, melodisch und stimmungsvoll, wenn auch nicht so introspektiv wie spätere Werke.

Roses in the Snow (1980)
Dieses Album taucht tief in traditionellen Bluegrass und akustische Country-Formen ein. Harris interpretiert eine Mischung aus klassischen Bluegrass-Nummern, traditionellen Liedern und ausgewählten Covers (z. B. „The Boxer“ von Paul Simon) mit einer bemerkenswerten Mischung aus Authentizität, technischer Finesse und emotionaler Wärme.
Für viele Fans ein Klassiker ihrer frühen Jahre, der nicht nur ihre vokale Meisterschaft zeigt, sondern auch ihre Fähigkeit, traditionellen Americana-Stoff mit frischer Seele zu füllen – ehrlich, direkt und warm.

The Ballad of Sally Rose (1985)
Ein ungewöhnliches, sehr persönliches Werk in Harris’ Diskografie: Ein Country-Opern-Konzeptalbum, das ausnahmslos von ihr und Paul Kennerley geschrieben wurde – eine Seltenheit in ihrer Karriere und eine kreative Abkehr vom üblichen Interpretations-Album. Es erzählt lose die Geschichte einer Sängerin, deren Mentor und Liebhaber auf der Straße stirbt. Musikalisch bewegt sich das Album in klassischem Outlaw-Country mit Balladen und Up-Tempo-Nummern, und Harris’ Stimme bleibt dabei stets zutiefst ausdrucksstark.
Starkes Songwriting, hohe emotionale Dichte und musikalische Kohärenz machen dieses Album zu einer der persönlichsten und mutigsten Arbeiten Harris’ – auch wenn es kommerziell eher ein Nischenfall blieb.