Posts Tagged ‘Jean Michel Jarre’

Mein persönlicher Jahresrückblick 2025

31. Dezember 2025

Das Jahr 2025 war ein Jahr der drastischen Veränderung. In diesem Jahr verstarb meine geliebte Mutter überraschend. Ich konnte sie in ihren letzten Momenten nicht begleiten, weil ich an der Ostsee weilte. Zehn Stunden Rückfahrt waren lang. Ich konnte nicht bei ihr sein. Jetzt bin ich nach dem Tod meines Vaters zur Corona-Zeit wirklich das Familienoberhaupt und ich trage schwer an dieser Bürde. Die Bürokratie bei einer Erbschaft frustete mich gewaltig. Aber ganz herzlichen Dank an meine Frau und meine Kinder, die hier immer zur Seite standen.

Monster Bürokratie
Aufgelöst haben wir einen Verein BEST, den meine Kollegin Maria Filina und ich mit Unterstützung der Landtagsabgeordneten Barbara Becker gegründet hatte. Er sollte russischsprachigen Menschen eine Eingliederung in das deutsche Gesundheitswesen ermöglichen. Meine persönliche Erkenntnis: Das bürokratische Gesundheitswesen in Deutschland ist oftmals an keiner Lösung interessiert. Den engagierten Leuten werden Hürden in den Weg gelegt. Das frustrierte mich, obwohl wir mit BEST natürlich auch Erfolge hatten. Danke an alle, die sich engagiert haben.

15 Jahre redaktion42
Aber es ging auch aufwärts im vergangenen Jahr. Ich feierte im März den 15. Geburtstag meines Unternehmens redaktion42. Eigentlich ist es schon älter, weil ich es neben meiner damaligen Festanstellung mein Unternehmen parallel dazu aufgebaut habe. Aber seit 15 Jahren bin ich wirklich selbstständig.

Es gelang 2025 mir neue Kunden zu gewinnen, nachdem bestehenden Kunden unter massiver Finanznot zu leiden haben. Für politische Bildung ist trotz finsterer Zeiten immer weniger Geld vorhanden. Die Bäume wachsen nicht mehr in den Himmel. „Du musst den Gürtel enger schnallen“ habe ich immer wieder gehört von Leute in einer soliden Festanstellung. Aber zurücklehnen und zu jammern ist nicht mein Ding, sondern ich versuche aktiv den Markt zu bearbeiten.

BistroTalk nimmt Fahrt auf
Dazu gehört auch eine gewisse Investitionsbereitschaft, die sich nicht sofort in bare Münze auszahlt. So hieß es 2025 experimentieren, zu lernen und Erfahrungen zu sammeln. Eines der Experimente war das Live-Streaming BistroTalk in YouTube aus meinem zweiten Wohnzimmer, der Bar Sixtyfour in Maisach. Gastronom Uwe Flügel und seine Frau Ruby stellten mir ihr Bistro als Streamingstudio zur Verfügung. Ganz herzlichen Dank und auch Dank für eure Freundschaft.

Ich lud lokale Prominenz aus meinem Wohnort Maisach zu diesem Videopodcast ein, sprach mit ihnen vor Publikum und streamte die Veranstaltung live ins Netz mit drei Kameras und einem ATEM-Mischer. Dieses Experiment, das 2026 fortgesetzt wird, brachte dem Bistro und mir neue Kunden und den Gästen lokale Aufmerksamkeit. Also eine Win-Win-Win-Situation für alle. Vielleicht gibt es 2026 die Möglichkeit für den BistroTalk einen lokalen Sponsor zu finden.

Fortbildung zum Digitalbegleiter
Als ich vor Jahren Pressereferent der Handwerkskammer in München und Oberbayern war, schrieb ich in die Reden meines Präsidenten zum Thema Weiterbildung den bekannten Ausspruch von Laozi: „Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Hört man damit auf, treibt man zurück.“ Das hab ich mir gemerkt und immer Augen und Ohren offen gehalten, um Bildung zu erhalten. Dieses Jahr stand vor allem das Thema KI an, denn aus meiner Sicht verändert Künstliche Intelligenz unsere Welt drastisch und nachhaltig. Ich saugte Wissen auf, transformierte es in Vorträge und Seminare, um dieses Wissen weiterzugeben. Das habe ich als Journalist gelernt: Komplizierte Sachverhalte zu recherchieren, zu bewerten und weiterzugeben. So oft habe ich erlebt, dass so genannte Experten unfähig sind, ihr Wissen zu vermitteln.

Und ich habe dieses Jahr einen Fortbildung zum Digitalbegleiter gemacht. Im Hinblick auf eine älter werdende Gesellschaft ist es wichtig, dass Senioren den Anschluss an die digitale Welt nicht verpassen. Und so habe ich auch neue Kunden durch diese Fortbildung gewinnen können.

52 Newsletter verschickt
Jeden Sonntag morgen verschicke ich zuverlässig meinen Newsletter. Der dient in erster Linie dazu, meine Seminare und Veranstaltungen zu bewerben. Aber er liefert zudem Informationen aus den Bereichen Internet, KI, Social Media und unterhaltende Elemente wie Film-, Buch- und Musiktipps wobei Links zu meinen Blogposts der vergangenen Woche. Der Newsletter macht ziemlich Arbeit und das gewünschte Ziel, Leute für Seminare zu begeistern, gelingt.

Rund 1000 Interessierte haben den kostenlosen Newsletter abonniert. Sie können gerne auch dabei sein. Vielleicht gelingt es mir 2026 sogar einen Sponsorpartner dafür zu finden, denn das Newsletter-System geht ziemlich ins Geld. Aber ich mache auch 2026 mit meinem wöchentlichen Newsletter weiter. Das Abo gibt es hier.

Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck
Etabliert hat sich auch meine Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Regelmäßig bespreche ich Filmklassiker vor Publikum. Die Fangemeinde wächst und wächst. Zusammen mit dem Geschäftsführer des Scalas Markus Schmölz haben wir mit phantastischen Filmen gestartet und die Matineen um Komödien und Western erweitert.

Das Programm für das erste Halbjahr 2026 steht fest und ich bin davon überzeugt, dass es angenommen wird. Die Kombination Film und Populärkultur ist meine Leidenschaft. Danke an das Scala für den Mut und die Bereitschaft neue Wege zu gehen.

Persönlich: Mein Buch-Tipp 2025
Mein Buch des Jahres war Ikigai von Ken Mogi. Ken Mogis Ikigai. Die japanische Lebenskunst ist ein schmales, leicht zugängliches Sachbuch, das den japanischen Begriff „Ikigai“ – sinngemäß das, wofür es sich zu leben lohnt – einem westlichen Publikum näherbringen möchte. Mogi, selbst Neurowissenschaftler, verbindet dabei persönliche Beobachtungen, kulturelle Einordnungen und einfache Lebensweisheiten zu einer Art philosophischem Essay über Sinn, Achtsamkeit und Lebensfreude.

Im Zentrum stehen fünf Grundpfeiler des Ikigai: klein anfangen, sich selbst loslassen, Harmonie und Nachhaltigkeit leben, die Freude an kleinen Dingen entdecken und ganz im Hier und Jetzt sein. Diese Prinzipien werden nicht systematisch wissenschaftlich hergeleitet, sondern eher erzählerisch entfaltet. Mogi greift auf Beispiele aus dem japanischen Alltag zurück – von Sushi-Meistern über Handwerker bis hin zu alltäglichen Routinen – und zeigt, wie Sinnstiftung weniger aus großen Lebensentwürfen als aus beständiger Hingabe an das eigene Tun entsteht.

Die Stärke des Buches liegt für mich in seiner ruhigen, unaufgeregten Tonalität. Ikigai lädt zur Entschleunigung ein und wirkt gerade durch seine Einfachheit. Der Autor vermeidet dogmatische Ratschläge und vermittelt stattdessen eine Haltung: Aufmerksamkeit für das Kleine, Respekt vor Prozessen und Geduld mit sich selbst. Ich bekam sogar von einer netten Kollegin ein entsprechendes T-Shirt geschenkt. Vielen Dank Anita.

Persönlich: Mein Album-Tipp 2025
Ich hatte neulich schon über mein Album 2025 ausführlich gebloggt. Nebraska von Bruce Springsteen in der Extended Version. Mit Nebraska zeigte Bruce Springsteen 1982 eine radikale, bis heute verstörend wirkungsvolle Seite seines Schaffens. In der Extended Version entfaltet sich dieses Album noch deutlicher als karges Gegenstück zum Pathos späterer Stadionhymnen. Die Songs, ursprünglich als rohe Heim-Demos aufgenommen, erzählen von Verlierern, Außenseitern und moralischer Leere im amerikanischen Alltag. Springsteens Stimme klingt brüchig, fast dokumentarisch, begleitet nur von Akustikgitarre, Mundharmonika und gelegentlichen düsteren Klangflächen.

Gerade in der erweiterten Fassung wird Nebraska weniger als Sammlung einzelner Lieder, sondern als geschlossenes Stimmungsbild erfahrbar: ein Amerika der leisen Verzweiflung, fern von Glanz und Erlösung. Die zusätzliche Laufzeit verstärkt den Eindruck von Trostlosigkeit und Konsequenz, ohne das Album zu verwässern. Nebraska bleibt damit eines der mutigsten und nachhaltigsten Werke Springsteens – unbequem, reduziert und gerade deshalb von zeitloser Kraft.

Persönlich: Meine Konzerte 2025
Durch den überraschenden Tod meiner Mutter hatte ich eine neue Freiheit gewonnen, die mir durch Pflege meiner Mutter verwehrt gewesen blieb. Nun konnte ich mit meiner Frau wieder reisen und auf Konzerte gehen, in einem Ausmaß, das ich früher nicht machen konnte.

Ich besuchte zahlreiche Privatkonzerte in München mit beispielsweise Dominik Plangger, reiste u.a. zu Neil Young nach Berlin, hörte Kruger und Dorfmeister und auch Karl Bartos, aber die wichtigsten Konzerte für mich im Jahre 2025 waren auf den Stuttgarter Jazz-Festival als ich Kraftwerk, Jean-Michel Jarre und Martin Kohlstedt lauschen durfte. Über all die Konzerte habe ich gebloggt. Kraftwerk bleibt für mich die wichtigste deutsche Band. JMJ begleitet mich seit meiner Jugend und ich wollte diesen einstigen Vertreter der Musique Concrete unbedingt mal live sehen: Überwältigend.

Martin Kohlstedt gehört für mich zu den eigenständigsten Stimmen der zeitgenössischen Instrumentalmusik. Seine Kompositionen bewegen sich zwischen Minimal Music, Neoklassik und elektronischer Offenheit und entwickeln eine große emotionale Tiefe, ohne je pathetisch zu wirken. Besonders charakteristisch ist sein modulares Konzept: Stücke sind keine abgeschlossenen Werke, sondern lebendige Systeme, die sich in Konzerten immer wieder neu formen.

Und ich traf wieder den großartigen Schriftsteller Tim Pröse bei einer seiner emotionalen Buchvorstellungen.

Persönlich: Meine Reisen
Ich genoss dieses Jahr meine Reise nach Schottland , nach Bayreuth oder auch ins wunderschöne Lübeck. Dieses Jahr war aber meine wichtigste Reise nach Estland. Mitten im Winter zeigte sich dieser baltische Staat von einer Schönheit, die ich so nie erwartet hatte. Und ich habe die Angst der Esten vor einer drohenden russischen Invasion kennengelernt. Die Esten waren mehrmals von Deutschen und Sowjets besetzt und litten darunter. Sie mussten den ersten Cyberkrieg der Russen erleben und sind achtsam. Ich bewundere zudem die weitreichende Digitalisierung. „Die Deutschen denken zuerst nach und handeln dann – nicht!“ Dieser Satz ist mir hängen geblieben. Ich habe die Reise ausführlich mit schwarzweiß Fotos dokumentiert. Dabei habe ich festgestellt, wie stark SW wirkt.

Zum Leidwesen meiner Frau habe ich auch wieder angefangen analog zu fotografieren. Und zwar mit einer SX-70 von Polaroid von 1974. Ja, ganz richtig: Ich habe wieder mit Sofortbilder begonnen. Das war noch Fotografie, wie ich sie liebe.

Eine große Freude und Inspiration war es, den Sohn der großartigen Fotografin Lee Miller Antony Penrose und den renommierten Leica-Fotografen Herbert Piel zu treffen und zu sprechen.

Persönlich: Meine Anschaffung
Ich habe dieses Jahr investiert und mir eine Apple Vision Pro zugelegt. Die Apple Vision Pro ist mehr als ein technisches Wunder – sie ist für mich ein Tor zu einer Welt, in der Arbeit nicht länger an starre Grenzen gebunden ist, sondern sich wie ein lebendiger Strom um den Menschen herum entfaltet. Allerdings habe ich nun eine Lösung für Probleme, die ich bisher nicht hatte.

Ich taste mich Zug um Zug in diese faszinierende virtuelle Welt vor. Hilfe und Unterstützung gibt mir ein virtueller Stammtisch der Facebook-Gruppe VR Familie – Meta Quest, Steam Frame, Apple Vision Pro, PSVR, Galaxy XR. Im Moment schreibe ich diesen Text über die Vision Pro und es ist eine ganz neue Erfahrung. Ich bin gespannt, wohin mich meine Reise bringt.

Persönlich: Meine Ehrenämter
Ich habe mehrere Ehrenämter, die mich ganz schon in Anspruch genommen haben. Da wäre zum einen die Aktion PiT Togohilfe um die Familie Kopp. Dort gehöre ich dem Vorstand an und bringe mich in Sachen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ein.

Zum anderen bin ich Mitglied des historischen Arbeitskreises meiner Wohnortgemeinde Maisach. Dort geben wir einmal pro Jahr das Heft Meisaha heraus, bei dem ich Artikel schreibe und die ganzen Artikel layouten sowie die Öffentlichkeitsarbeit mache. Das Heft wird in zahlreichen Geschäften in der Gemeinde und im Rathaus verkauft. Ich darf die Facebook-Seite betreuen, nehme unsere Veranstaltungen und Lesungen auf Video auf.

Und was soll 2026 kommen?
Im kommenden Jahr soll noch ein Online-Shop und die Website für mein Meisaha-Heft hinzukommen. Die Arbeit werde ich nicht aufschieben, denn ich weiß ja nicht, was das Jahr 2026 noch so bringen wird.
Die Erfahrungen mit dem Online-Shop kann ich gleich nutzen, um Teile meines Archivs aufzulösen und Platz zu schaffen. Die Keller sind voll, übervoll und ich werde mich von einigen Sammlungen trennen. Da wäre so ein Online-Shop ganz nützlich.

Audiotipp: Amazonia von Jean-Michel Jarre

10. April 2021

Wenn andere den Ruhestand genießen, ist Jean-Michel Jarre weiterhin produktiv tätig. Seine beiden jüngsten VR Konzerte hauten mich vom Hocker. Jetzt legt der 72jährige einen Soundtrack zu einer Fotoausstellung vor: Amazônia nach den Fotografien von Sebastião Salgado. Der Meister der Schwarzweiß-Fotografie war in Südamerika unterwegs und hat Eindrücke vom Amazonas eingefangen, Jarre liefert jetzt den Sound dazu. Ich schreibe bewusst nicht, dass er die Musik dazu liefert, denn es ist weitaus mehr. Es ist die Atmosphäre des Amazonas in Klang gepackt. Stimmen, Sprachsamples, Geräusche, Klänge, Wörter, Husten, Kreischen, das Prasseln des Feuers als wiederkehrendes Element, verknüpft mit Rhythmen, Schläge, Ambient-Klängen – eine elektronische Weltmusik, die inspiriert und provoziert.

Wie schon bei Zoolook 1984, also vor Jahrzehnten, geht Jarre weit über die klassische elektronische Musik hinaus. Er, der eigentlich auch für Bombastik bekannt ist, reduziert in Amazonia und durchbricht als 72 etablierter Musiker wieder Grenzen. Jarre lässt sich nicht einengen. Er macht keinen gefälligen Sound und stößt mit diesem Album die Tanzbären des Techno vor den Kopf. Amazônia ist ein Album für den Kopf und ich habe mir einen älteren Fotoband von Salgado mit dem wegweisenden Titel GENESIS herausgeholt. Amazonia erscheint erst im Mai 2021 bei meinem Lieblingsverlag Taschen. Sebastião Salgado bereiste sechs Jahre lang das brasilianische Amazonasgebiet und fotografierte die unvergleichliche Schönheit dieser einzigartigen Region: den Regenwald, die Flüsse, die Berge, die Menschen, die dort leben – ein unersetzlicher Schatz der Menschheit, in dem die ungeheure Kraft der Natur wie nirgendwo sonst auf der Erde zu spüren ist. 200 Bilder umfasst die Ausstellung, die seit dem 7. April 2021 in der Pariser Philharmonie zu sehen ist. Mal sehen, ob und wann die Ausstellung nach Deutschland kommt.

Seite für Seite habe ich den Band Genesis durchgeblättert und mich in den teils meditativen Sound von Jean-Michel Jarre vertief und verloren. Ja, der Sound ist gewöhnungsbedürftig und ich möchte das Album nicht als Musiktipp, sondern eher als Audiotipp bezeichnen. Es ist der Klang eines Ökosystems. Ich habe es mir genau zum Erscheinungstag bei Apple Music geladen und am selben Tag traf die CD bei mir ein.

Mein Rat: Lasst euch auf den Meister und seine Interpretation von Amazônia ein.

Jean-Michel Jarre: VR-Konzert Alone together – so geht Innovation

22. Juni 2020

Durch Corona leidet die Veranstaltungsbranche massiv. Konzerte fallen aus. Ich bin als Referent auch ein Opfer von Corona, aber auch als Konzertbesucher leide ich. Zwei Events wurden verschoben. Aufgrund der Ansteckungsgefahr halte ich aber die Maßnahmen für richtig.
Neue Wege gehe ich durch verstärkte Webinare. Und ich sehe auch, dass Künstler neue Wege beschreiten (müssen). Einen radikalen Weg eines Live-Konzerts ging der französische Elektronikkünstler Jean-Michel Jarre ein. Er übertrug am Sonntag abend live ein VR-Konzert ins Netz. Es war schlichtweg der Hammer, was der 71jährige da mit seinem Team auf die Beine gestellt hat. Unter dem Titel „Alone together“ wurde im VRChat ein Konzert vor Avataren gegeben, bei dem JMJ live spielte. Es war eine Weltpremiere, die in VR und 2D ausgestrahlt wurde, in Kooperation mit VRrOOm. Eine komplette virtuelle visualisiere Performance mit starker elektronischer Musik, obwohl ich als Purist natürlich gerne etwas von seinem Frühwerken gehört hätte. Aber es gab kein Equinoxe oder Oxygene – oder ich habe es in dem Techno-Gewitter der beiden Alben Electronica 1: The Time Machine und Electronica 2: the Heart of Noisenicht herausgehört.
JMJ zeigte mit dem Konzert, dass Musiker durch VR, augmented reality und künstlicher Intelligenz neue Wege gehen können – und wir sind noch lange nicht am Ende. Natürlich werden Puristen jetzt sofort schreien, dass Musiker auf die Bühne in einer Halle gehören vor Live-Publikum, aber so eine Haltung verweigert sich der Weiterentwicklung von Performance.

Ich war beim Konzert sprachlos. Die Avatare wie Frankenstein, Hamster oder Fuchs tanzten vor der virtuellen Bühne. Vielleicht gewöhnungsbedürftig, aber durchaus nett anzusehen und eine Einladung zum Mittanzen. Die Musik dazu passte jedenfalls. JMJ betrat die Bühne, spielte an seinen Synthesizer und hinter ihm, um ihm veränderte sich die virtuelle Welt in Farben, Formen, Bewegungen. Ein LSD-Tripp ohne Drogen.
Zum Ansehen in VR brauchte das Publikum VR Headsets wie Oculus Rift, HTC Vive, Valve Index, Samsung Odyssey oder Windows MR. Leider war die Sony VR nicht kompatibel. Am Rechner konnte man es im VRChat ansehen, aber auch ganz konventionell in 2D in Facebook Live oder YouTube. Nach einer knappen Stunde war alles vorbei – es gab noch einen Chat mit den Avataren, aber ich war erst einmal geschafft.
Hier das Konzert bei Youtube – es beginnt bei Minute 25:40

Warum Pink Floyd wirklich Space Music macht

15. Januar 2019

Dark Side of the Moon ist für mich eines der wichtigsten Alben überhaupt.

Dark Side of the Moon ist für mich eines der wichtigsten Alben überhaupt.

Wenn ich Leute über Pink Floyd reden höre, vernehme ich oft den Ausdruck Space Music? Was soll diese Art von Weltraummusik darstellen? Es liegt wohl den psychedelischen Sound, den Pink Floyd zu Beginn ihrer Karriere gemacht haben. Als Stammband des UFO-Clubs in London war die Band 1967/68 für ihre langen Improvisationen und Soundexperiemente bekannt geworden. Das sollte sich in den späteren Jahren nicht ändern. 

Improvisationen bei Pink Floyd im Londoner UFO-Club.

Improvisationen bei Pink Floyd im Londoner UFO-Club.

Als 1969 Neil Armstrong den Mond betrat, sorgte Pink Floyd im britischen Fernsehen für die Live Musik. Die Musik dazu findet sich übrigens auf der Doppel-CD The Early Years 1967 – 1972 Cre/ation mit anderen Schätzen. Ich kaufte mir bei Erscheinen damals die komplette Box für teuer Geld und hab es nie bereut.

Kommen wir zurück zur Space Music. Im Laufe der Jahre kommen auch andere Musiker zu der Ehre solche Musik zu machen: Jean-Michel Jarre, Tangerine Dream, Klaus Schulze und mehr. Dennoch hat Pink Floyd sicherlich eine außergewöhnliche Stellung. 

In der Pink Floyd-Ausstellung in Dortmund gibt es zwei Hinweise auf diese besondere Stellung. Bis 15. Februar 2019 läuft die multimediale. Erlebnis-Ausstellung: „The Pink Floyd Exhibition: Their Mortal Remains“ noch in Dortmund und ich musste sie mir einfach ansehen. 

Dedicate Sound of Thunder im Weltall

Zum einen war das Live-Album Delicate Sound of Thunder im Jahr 1988 bei einem russischen Kosmonauten auf der Sojus MT-7 mit dabei. Die Band Pink Floyd ohne Roger Waters verfolgte damals den Start der Rakete. Der Kosmonaut hatte die Kassette im Gepäck, die Hülle blieb auf der Erde zurück, um Gewicht zu sparen. Damit war Dedicate Sound of Thunder wohl das erste Rockalbum im Weltall in der Geschichte, also wahre Space Music.

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Dark Side im Space Shuttle

Zum anderen wird in der Pink Floyd-Ausstellung ein Dankesschreiben des britischen Astronauten Piers Sellers (1955-2016) ausgestellt. Er hatte zum 30. Geburtstag von Dark Side Of The Moon die SCAD-Version des Albums im Weltraum mit dabei. Es war der NASA-Shuttle Flug STS-132 im Jahr 2010. Sellers flog dreimal zur ISS und machte sechs Weltraumspaziergänge. Im Weltraum hörte er seine Space Music von Pink Floyd. In der Ausstellung ist das Schreiben und die Original-CD und eine Fotografie von Piers Sellers samt CD im Weltraum zu sehen.

Dankschreiben der NASA für Dark Side of the Moon.

Dankschreiben der NASA für Dark Side of the Moon.

Also jetzt verstehe ich den Begriff Space Music in Zusammenhang mit Pink Floyd. 

 

Musikkritik: Equinoxe Infinity von Jean Michel Jarre

19. November 2018

Lange habe ich auf dieses Album von Jean Michel Jarre gewartet.

Lange habe ich auf dieses Album von Jean Michel Jarre gewartet.

Da ist es also: Equinoxe Infinity von Altmeister Jean-Michael Jarre. Nervös packe ich die CD aus dem Cover – ich habe die feurige Version bekommen. Die CD ab in den Player, Kopfhörer auf und full Power. Mann oh Mann, wie habe ich dieses Album erwartet, was habe ich in dieses Album an Hoffnungen gesetzt. Und ich kann nach dem vier-/fünfmaligem Hören nicht sagen, ob es die Erwartungen erfüllen kann. Wir sprechen ja von der direkten Fortsetzung, nein den Abschluss von Equinoxe, also einem legendären Album der elektronischen Musik. 40 Jahre hat Jean-Michel Jarre für diesen Abschluss gebraucht.
Zug um Zug hatte Jean Michel Jarre einige Stücke in sozialen Netzwerken im Vorfeld gepostet, nun höre ich das Gesamtwerk am Stück. The Watcher begeistert mich, dann tu ich mich schwer. Es blubbert und wummert zwar schön, doch wo ist die Eleganz der Space-Musik von damals? Der Rhythmus der Neuzeit macht vieles kaputt. Jarre ist mit der Zeit gegangen und hat sich weiterentwickelt, doch dieses Entwicklungen ist mir manches Mal zu Nahe am Mainstream. Ich erinnere mich, wie Tangerine Dream einstmals Mainstream wurde und ich mich abgewendet hatte. Droht jetzt Jarre dieses Schicksal ebenso? Seine Konzerte habe ich geliebt und immer besucht, wann es für mich möglich ist. Doch jetzt Equinoxe Infinity?
Stück Nummer drei, Robots don‘t cry, mag ich einfach nicht. Mir fehlt einfach die Tiefe. Und ewig dieses Rhythmus-Generve, auch bei All that you leave behind, dem vierten Stück.
Mal was Positives? Das Album ist hervorragend produziert. Jarre versteht sein Handwerk und das Genie kommt immer wieder durch, es bricht durch den Rhythmusteppich, aber es beherrscht leider nie komplett die Szene. If the Wind Could speak ist großartig, aber leider mit 1,32 Minuten das kürzeste Stück.
Dann geht das Geholze mit Infinity wieder los. Schrecklicher Pop, aufgemotzt und es wird auf der Melodie herumgetrampelt. Und auch bei Don‘t Look back sehe ich keine großen Ideen, so leid es mir tut.
Mit The Opening (Track 8) und dem Titelstück Equinoxe Infinity (Track 10) gelingt es Jean-Michel Jarre sich nochmal zur alten Größe aufzuschwingen. Immer wieder hört der Fan große Alben der Vergangenheit durchscheinen, vielleicht als Verbeugung vor sich selbst hat Jarre sich immer wieder selbst zitiert. Der Schluss des Albums versöhnt mich als langjährigen Fan. Ein würdiger Abschluss von Equinoxe ist Equinoxe Infinity nicht geworden. Es ist ein gutes Album, aber den Namen Equinoxe muss es nicht tragen. Da hätte ich mir mehr erwartet.

 

Gemeinsame Zukunftsmusik von Kraftwerk und Alexander Gerst

6. August 2018

Die beste deutsche Band für mich ist Kraftwerk. Das habe ich schon immer gesagt und werde es auch immer wieder sagen. Und die jüngste Aktion der Elektronikband hat mir wieder gezeigt, welchen Stellenwert Kraftwerk in der Musikszene hat. Bei einem Konzert in Stuttgart am 20. Juli 2018 gelang es mit Hilfe der ESA, der europäischen Weltraumorganisation, den deutschen Astronauten der ISS Alexander Gerst ins Konzert dazu zuschalten. Gemeinsam musizierten Kraftwerk und Gerst – für mich eine Sternstunde der Musik. 

Aufgrund von Arbeitsüberlastung habe ich das Video jetzt erst entdeckt und bin komplett begeistert. Ich habe Alexander Gerst vor Jahren auf einem Vortrag auf der re:publica gehört und bin seitdem ein Fan von ihm. Ich folge seinen Twitter-Account und denke, dass er – wie zuvor Chris Hadfield – die Funktionsweise und Wirkung von sozialen Netzwerken versteht. Beim Kraftwerk Konzert in Stuttgart stimmten die Musiker gerade ihr Lied Spacelab an, drehten sich dann um und blickten auf eine Leinwand. „Wir rufen Alexander Gerst auf der internationalen Raumstation ISS!“ Und es erschien Astronaut Gerst in Kolumbus-Labor voller Technik. Er hat ein weißes T-Shirt mit Captain Future an – schon alleine dafür gehört ihm mein Respekt und Verehrung. In den Händen hält er ein Pad mit dem er Musik macht. 

Es beginnt mit John Williams Motiv des Steven Spielbergs Film Unheimliche Begegnung. Die Klangfolge mit der Außerirdische begrüßt werden. Dann spricht Gerst: „Guten Abend Kraftwerk, guten Abend Stuttgart.“

Mir läuft es in diesem Moment kalt den Rücken herunter. Ton und Bild sind glasklar. Was für eine Leistung! Danke esa, tolle Aktion. Gerst ist von sechs Menschen, die auf dem Außenposten der Menschheit in 400 Kilometer Höhe ihren Dienst tun. Der Nachfolger des Spaclabs ist das Kolumbus-Labor und Gerst nannte es eine Mensch-Maschine. In seinem Grußwort appelliert er an die Gemeinschaft und Menschlichkeit und sagt dann: „Lasst uns zusammen Zukunftsmusik machen!“ Und dann spielen Kraftwerk und Alexander Gerst zusammen – ein intensives Erlebnis.

Ich erinnere mich an ein ähnliches Vorhaben, was dann aber tragischerweise nicht geklappt hat. Der französische Elektronikmusiker Jean-Michel Jarre wollte am 28. Januar 1986 ein ähnliches Experiment starten. An Bord des Space Shuttes Challenger befand sich der Ronald McNair. Der Astronaut spielte Saxophon und er sollte aus dem All bei einem Konzert des französischen Musikers Jean-Michel Jarre musizieren. Die Challenger explodierte beim Start und mit dem Tod von Ronald McNair zerplatze auch die Idee eines Stücks aus dem All. Jarre wollte das geplante Konzert zum 150jährigen Jubiläums der Stadt Houston und des 25jährigen Jubiläums des Lyndon B. Johnson Space Centers der NASA absagen, wurde aber von den Astronauten der NASA überzeugt.

Nach über 30 Jahren ist diese Musik aus dem Weltraum dank esa Wirklichkeit geworden. Ich danke Kraftwerk und ich danke Alexander Gerst sowie der esa für diese Aktion. Ich bin gespannt, was noch kommt. 

32 Jahre Challenger-Katastrophe und was Jean-Michel Jarre damit zu tun hatte

28. Januar 2018

Die Explosion der Challenger vor 25 Jahren schockierte mich.

Die Explosion der Challenger vor 25 Jahren schockierte mich.

Als jugendlicher Raumfahrtfan traf es mich damals wie ein Schock. Heute vor 32 Jahren zerbrach das Space Shuttle Challenger beim Start. Alle sieben Astronauten starben. Daher höre ich den ganzen Tag in Gedenken an dieses Unglück die Jean-Michel Jarre Aufnahme Rendez-vous und es hat einen besonderen Grund.
Die Flüge ins Weltall mit dem Space Shuttle waren zur Routine geworden. Wir hatten uns daran gewöhnt. Ich saß am 28. Januar 1986 bei meinem Kumpel Thomas Schmelzer und wir diskutierten wohl über Film, vielleicht sogar über Moonraker. Da kam plötzlich sein Vaters ins Wohnzimmer und berichtete uns, dass die Challenger beim Start explodiert sei. Thomas und ich waren beide Raumfahrt-Enthusiasten und von der Nachricht geschockt. CNN oder Breaking News im Fernsehen gab es für uns damals 1986 noch nicht, geschweige denn das Internet, daher warteten wir auf eine Nachrichtensendung im deutschen Fernsehen. Es zeigte die schrecklichen Bilder. 73 Sekunden nach dem Start explodierte das Shuttle und damit auch unser Traum von Flügen ins All.

Das Medieninteresse galt den Absturzursachen und den Astronauten, besonders der Lehrerin Christa McAuliffe. Sie war an Bord der Raumfähre und sollte zwei Unterrichtsstunden aus dem Weltall für US-Schüler halten. Es hätte eine ungeheure PR-Wirkung gehabt. Daher wurde der Start der Raumfähre in vielen US-Schulen gezeigt und auch der überraschende Tod, der live übertragen wurde.
Mein Kumpel Thomas und ich sprachen dagegen über den Tod des Astronauten Ronald McNair. Der Astronaut spielte Saxophon und er sollte aus dem All bei einem Konzert des französischen Musikers Jean-Michel Jarre musizieren. Jarre ist einer der großen Elektronikpioniere in der Musikszene. Seine Alben faszinierten mich als Jugendlicher und sie tun es noch heute.
Mit dem Tod von Ronald McNair zerplatze auch die Idee eines Stücks aus dem All. Jarre wollte das geplante Konzert zum 150jährigen Jubiläums der Stadt Houston und des 25jährigen Jubiläums des Lyndon B. Johnson Space Centers der NASA absagen, wurde aber von den Astronauten der NASA überzeugt.
Zudem wurde von Jean-Michel Jarre das Album Rendez-Vous veröffentlicht. Die Musik stammt aus unterschiedlichen Phasen von Jarre und zählt eigentlich eher zu seinen schwächeren Alben. Wäre da nicht das letzte Stück Ron‘s Peace. Das ist das Stück, das Ronald McNair aus dem Weltraum spielten sollte. Heute höre ich das über sechsminütige Stück wieder und immer wieder. Ich denke dabei an die Challenger-Katastrophe vor 25 Jahren, die jahrelang die Raumfahrt lähmte.
Erst Chris Hatfield mit Major Tom löste bei mir den Knoten und weckte mein Interesse für Raumfahrt wieder. Und es passiert ja wirklich viel durch SpaceX und Co.

Das Album Rendez-vous von Jean-Michel Jarre hat eine große Bedeutung für mich.

Das Album Rendez-vous von Jean-Michel Jarre hat eine große Bedeutung für mich.

Musiktipp: Qxygene 3 von Jean-Michel Jarre

7. Dezember 2016

40 Jahre nach Oxygene kommt nun Oxygene 3.

40 Jahre nach Oxygene kommt nun Oxygene 3.

Mir war nicht ganz wohl, als ich die CD auspackte und in den Player legte, den Kopfhörer aufsetzte und Play drückte. Nach den ersten Takten, nach den ersten Stücken war ich allerdings versöhnt. 40 Jahre nach dem Erscheinen von Qxygene veröffentlichte Elektronikpionier Jean-Michel Jarre vor kurzem seinen dritten Teil. Nach zwei Alben der jüngsten Zeit, die mir eher durchschnittlich gefallen haben, kommt jetzt Oxygene 3 auf den Markt. Es ist eine solide Weiterentwicklung des Konzepts und das Album macht mir einen riesigen Spaß. Ich vermisse zwar das Blummbern und Zischen der alten Tage, aber Jean-Michel Jarre hat seine Ideen weiterentwickelt und ins 21. Jahrhundert gerettet. Qxygene 3 ist moderner geworden ohne seine Ursrpünge zu verleugnen.

Den ersten Eindruck von Qxygene 3 bekam ich im November bei einem Konzert in Nürnberg. als Jean-Michel Jarre den Track 17 aus dem neuen Album live spielte. Das Konzert und auch die Musik von Qxygene 3 hat mir gefallen, wie ich auch in meinem Blog geschrieben habe.
Nun Oxygene 3 setzt die Tradition der Nummerierung fort. Dieses Mal sind die Stücke Oxygene 14 bis 20 enthalten und zudem ein Continuous Mix. Ich habe mir die Oxygene Trilogy gekauft. Zwar hatte ich das Album von 1976 auf LP und CD, das Album Oxygene 2 finde ich nicht mehr und so war der Kauf der Trilogie beschlossene Sache.
Das neue Album startet unaufgeregt, sphärisch. Als ich die ersten Takte hörte, löste sich die Spannung. Endlich, endlich bringt er mir das, was ich an Jarre mag. Allerdings sind die Melodien des ersten Albums in den 40 Jahren verloren gegangen. Jarre ist mit der Zeit gegangen. Es gibt heute viel mehr Rhythmus und weniger Melodie. Vielleicht hat er sich auch mit den Sequenzer ein paar Mal zu einfach gemacht. Das war bei der Electronica-Tour zu bemerken und ist auch hier zu bemerken. Als Fan der ersten Stunde stört mich das ein wenig, aber es ist wohl der Lauf der Dinge.
Die Begeisterung über die elektronischen Klänge wird Jarre heute nicht mehr auslösen. Was vor 40 Jahren eine Revolution war und zum Gesprächsthema war, provoziert heute keinen mehr. Elektronische Musik ist heute Bestandteil der Musikwelt geworden, aber das sind Tüftler wie Jarre, Schulze, Kraftwerk und Froese zu verdanken. Für mich war die Musik eine Zeitreise. Jarre nahm mich mit auf eine Reise durch meine Gedanken. Was früher Space-Musik war, inspiiert heute meine Gedanken. Als ich den Kopfhörer wieder absetzte, war ich wieder in meinem Musikzimmer. Für die Art der Reise bin ich Jean-Michel Jarre dankbar. Nach Luft schnappen, wie früher einmal, musste ich heute nicht mehr und auch das ist gut so. Oxygene 3 kommt auf mein iPhone und wird eine Zeitlang musikalischer Begleiter auf meinen Reisen sein.

Konzertkritik: Jean-Michel Jarre in Nürnberg 2016

20. November 2016

Ich weiß nicht, ob mir der neue Jean-Michel Jarre gefällt. Ich weiß nicht, ob es mir gefällt, was ich im Konzert in der Nürnberg Arena gesehen und gehört habe. Ich weiß es einfach nicht.
Fest steht auf jeden Fall, dass es der alte Recke mit seinen 68 Jahren noch immer kann. Auf der Bühne wirkt der Pionier der elektronischen Musik frisch, nahezu jung. Begleitet von zwei Musikern an seiner Seite lieferte er in Nürnberg eine eindrucksvolle Show im Rahmen der Electronica World Tour ab bei der richtig Stimmung aufkam.
Hart und kräftig waren die Beats, die das elektrische Trio von der Bühne ins Publikum abfeuerte. Elektronik pur und schneidende Klänge, die den Körper durchdrangen, die zum Tanzen und Bewegen aufforderten.

So etwas habe ich bei einem Jean-Michel Jarre Konzert nicht erwartet und hatte damit die erste Zeit zu kämpfen. Jarre führt auf der Bühne das fort, was er mit seinen jüngsten beiden Alben begonnen hat. Mein Problem nur: Ich mag die beiden jüngsten Alben Electronica 1 und 2 nur teilweise. Ich bin dem musikalischen Weg von Jarre jahrelang, jahrzehntelang gefolgt. Nur bei den jüngsten Alben versagte meine Gefolgschaft. Jarre kooperierte mit Musikern, die ihn und uns beeinflussten. Das klingt gut, aber die meisten der Musiker mag ich nicht.


Das schien aber nur mein Problem in Nürnberg zu sein. Das Publikum quittierte jeden Song mit donnernden Applaus. Und richtig: Jean-Michel Jarre hat seine Sache in Nürnberg wirklich gut gemacht. Die Show war großartig. Er hat die Nürnberg Arena zum Kochen gebracht.
Das lag zum einen an der harten elektronischen Musik, es lang zum anderen aber auch an einer gewaltigen Licht- und Tonanlage. Der Sound war nahezu perfekt. Und die Lightshow war absolut state of the art und hat die Zuschauer in ihren Bann gezogen. Jarre wich selbst bei vielen Stücken hinter die Light- und Lasershow zurück und trat mit seinen Keyboards und Controllern in den Hintergrund.


Absolut faszinierend war auch sein Ausflug in die Laserharfe. Direkt, wenige Meter vor dem Publikum, spielte er auf dieser grünen Lichtharfe und entlockte ihr intensive Klänge. Ich war fasziniert, begeistert und dann erstarrte ich. Jarre spielte mit seiner Laserharfe und erzeugte einen Lichtdom. Verdammt, wusste Jean-Michel Jarre nicht, wo er gerade auftritt? Hat es ihm keiner gesagt, dass er nur wenige Hundert Meter von Hitlers Aufmarschgebiet in Nürnberg spielte? Hat ihm keiner gesagt, dass Leni Riefenstahl und Albert Speer Lichtdome in Nürnberg nutzten, um den Nationalsozialismus zu feiern? Ich bekam die Bilder nicht aus den Kopf. Ich denke, ich hoffe, dass die Konzertagentur dies dem Franzosen verheimlicht haben. Mir lief es bei diesem technisch und musikalisch perfekten Auftritt der Kombination von Musik, Licht, Farbe, Sound und Effekte kalt den Rücken herunter.


Ich brauchte einige Zeit, bis ich mir wieder gefangen hatte und die schrecklichen Bilder der deutschen Vergangenheit an diesem Ort abschütteln konnte. Dann genoss ich allerdings das Konzert, wobei ich die früheren Stücke der Klassiker einfach besser fand. Sie wurden zwar härter auf der Bühne gespielt, aber für mich kamen schöne Erinnerungen an meine Jugend hoch, als ich die Musik von Jean-Michel Jarre entdeckte. Ich weiß noch, wie ich mir mit meinen Schulfreunden heftige Wortgefechte lieferte, ob Equinux oder Oxgene nun Fahrstuhlmusik oder ernstzunehmende Unterhaltung war. Ich war der Meinung, dass die Musik von Jarre eine besondere Art von Kunst darstellen. Durch ihn entdeckte ich die elektronische Musik. Jarre ebene die Wege für Tangerine Dream, Klaus Schulze, Kitaro, Tomita, Cluster, Autechre, Yello, Keith Emerson und immer wieder Kraftwerk. Ohne Jarre hätte ich nie Kraftwerk entdeckt und dafür bin ich ihm noch heute Dank schuldig. Kraftwerk war minimal, Jarre war maximal.
Der erste Höhepunkt des Nürnberger Konzertes war für mich eindeutig der Song Exit, bei dem Jarre den Whistleblower Edward Snowden zu Wort kommen ließ. Jarre unterstützt ausdrücklich die Arbeit von Snowden und dem schließe ich mich an. Wenn nicht wir gegen Überwachung aufstehen, wer sollte es denn sonst tun? Weise Worte.
In meinen Stuhl lehnte ich mich zurück, als Jarre Gedanken aus meiner Jugend wieder zurück in mein Bewusstein brachte. Er spielte auf der Bühne nicht nur Oxygene 8, sondern auch Souvenirs of China. Mein Gott, ist diese Musik lange her. 1987 habe ich das Stück zum ersten Mal gehört. Wirklich begeistert war ich von den alten Stücken des Meisters – und das Publikum war es ebenso.


Als Abschluss gab es noch ein Zuckerl. Es gab einen Ausblick auf das neue Album Oxygene 3. Die Musik ist eine versöhnliche Geste an die alten Fans wie mich, die mit dem Techno-Sound der vergangenen beiden Alben nicht viel anfangen konnte. Oxygene 3 wird im Dezember veröffentlicht und wir durften in Nürnberg aus der Überraschungstüte naschen. Gut hat es getan.

Musiktipp: Box 1971-1981 von Cluster

17. November 2016

cluster

Ich wurde wieder auf Cluster aufmerksam als ich mir die neue Jean-Michel Jarre kaufte und eine Kritik über das Album schrieb. Ich philosophierte herum, mit wem würde der französische Elektronik-Pionier auf eine Kooperation eingehen? Dabei dachte ich auch an den im Juli 2015 leider verstorbenen Dieter Moebuis. Moebius war Gründungsmitglied von Cluster und schon hatte ich das Bedürfnis wieder Dieter Moebius und Hans-Joachim Roedelius, die Pioniere der deutschen Elektromusik zu hören.
Cluster war und ist enorm wichtig, aber wenn ich in meinen näheren Bekanntenkreis herumfrage, hat sie kaum jemand gehört. Den Bandnamen Cluster kennt man wohl, aber richtig gehört haben die innovative Band wohl eher die wenigsten aus meinem Umfeld. Das war bei meinen amerikanischen Bekanntschaften anders, die bezeichnen Cluster als Krautrock. Naja, der Begriff passt zum Ausland und zeigt, was Anfang der Siebziger Jahre musikalisch in Deutschland passiert ist.
Man braucht auch die richtige Muse, diese Klangkollagen anzuhören. Cluster im Auto macht mich, gelinde gesagt, verrückt. Am besten, ich ziehe mich in ein verdunkeltes Zimmer zurück, Kopfhörer aufgesetzt und Musik aufgedreht. Ich empfinde die Musik als radikal, wirklich radikal. Es erfasst mich eine gewissen Trance. Ich konzentrierte mich auf Einspielungen, Rhythmen, Gepiepe und Gepfeife. Der Synthesizer als neues Instrument wurde in die Musik eingeführt. Ja ist denn das noch Musik? Ja, aber sicher eine spezielle Art von Kopfmusik. In die Beine oder zum Mitschunkeln eignet sich das Werk von Cluster nur bedingt.
Wired nannte die Cluster eine Band, die zu den 100 wichtigsten Bands der Musikgeschichte gehörte und deren Musik kaum einer je gehört habe. Passt ganz gut.
Dabei war die deutsche Band ungeheuer produktiv. Ich kaufte mir vor kurzem als Ergänzung zu den einzelnen Cluster-Alben die Box 1971-1981 mit der Musik der Jahre 1971 bis 1981. Der Inhalt ist nicht neu. Es handelt sich um die einzelnen Alben auf CD ohne Ergänzungen. Auf die Albencover der Originalalben wurde verzichtet und es gibt nur pastellfarbene Pappcover mit Titelaufdruck und auf der Rückseite die Titel des Albums. Obwohl ich schon ein paar Alben von Cluster besaß, wollte ich jetzt die Frühphase der Band komplett haben. Als einziger Bonus der Box gab es eine Live-CD mit zwei Konzerten. Das sind die wirklichen Neuveröffentlichungen. Also mal wieder reinhören.