Torii – Die roten Tore zwischen Himmel und Erde

13. Mai 2025

Wer Japan bereist, wird ihnen immer wieder begegnen: schlichte, elegante Strukturen aus leuchtendem Rot, die wie ein stiller Willkommensgruß über Wegen, in Wäldern oder vor alten Schreinen stehen. Diese sogenannten Torii sind weit mehr als bloße Bauwerke. Sie sind spirituelle Schwellen, magische Pforten, durch die man nicht nur physisch, sondern auch seelisch einen Übergang vollzieht – von der weltlichen Wirklichkeit hin zu einer unsichtbaren, heiligen Dimension. Ich war zwar noch nie in Japan, doch kenne ich durch Fotos und Filme diese faszinierenden Tore.

Ich wollte als Inspiration ein solches Tor besitzen und wurde nach langem Suchen endlich fündig. In Augsburg gibt es das La Maison des Theieres – Das Teekannenkabinett und der Besitzer Christoph Kienle ist ein hervorragender Japanexperte. Lange war er auf der Suche nach dem richtigen Rotton und hat ihn schließlich gefunden. In seinem kleinen Laden in der Weiße Gasse 7 vertreibt er die Tore neben authentischen Teekannen aus Japan. Entdeckt eine feine Auswahl kunstvoll gearbeiteter Teekannen, handgefertigter Teeschalen, erlesener japanischer Teesorten und stilvoller Accessoires rund um den Teegenuss. Darüber hinaus bietet das Geschäft exklusive japanische Küchenmesser, edle Keramikstücke und besondere Geschenkideen – ein Hauch von Japan im Herzen der Augsburger Altstadt.

Aber zurück zu den faszinierenden Toren. Im Shintōismus, der ältesten Religion Japans, markieren Torii die Grenze zwischen der „profanen Welt“ und dem heiligen Raum eines Schreins. Das einfache Durchschreiten eines Torii ist ein symbolischer Akt: Wer unter ihm hindurchgeht, zeigt Respekt, verlässt die Alltagswelt und betritt den Bereich der Kami – der Shintō-Gottheiten, die in Bergen, Bäumen, Flüssen oder eben in Schreinen wohnen. Es ist ein stiller Moment der Hingabe, ein Übergang, der nicht laut verkündet, sondern achtsam vollzogen wird.

Dabei ist die auffällige rote Farbe der Tore nicht zufällig gewählt. Sie trägt tiefe spirituelle Bedeutung – und auch ganz praktische Funktionen. Rot steht im Shintōismus für die Sonne, das Licht, die Lebenskraft. Diese Assoziation ist eng verknüpft mit der Sonnengöttin Amaterasu, einer der zentralen Gottheiten im japanischen Glauben, die als Ahnherrin des japanischen Kaiserhauses verehrt wird. Ihre Energie, ihr Licht, ihr Leben spiegeln sich in der Farbe der Torii wider. Doch Rot ist auch eine schützende Farbe: In der japanischen Volksreligion gilt sie als Abwehr gegen böse Geister, Krankheiten und Unglück. Es ist die Farbe des Lebens, der Kraft, des Glücks – eine Farbe, die nicht nur sichtbar, sondern auch spürbar wirkt.

Der besondere Rotton, der bei vielen Torii verwendet wird – das sogenannte Zinnoberrot oder Vermillion – hat zudem eine konservierende Wirkung. Das darin enthaltene Quecksilbersulfit schützt das Holz vor Verwitterung, vor Pilzbefall und Insekten. So verbindet sich in den Torii das Heilige mit dem Praktischen, das Spirituelle mit dem Handwerklichen – ein Ausdruck jener japanischen Ästhetik, in der Funktion und Bedeutung nahtlos ineinanderfließen.

Doch Torii ist nicht gleich Torii. Ihre Vielfalt ist beeindruckend und spiegelt die religiöse Tiefe sowie die kulturelle Bandbreite Japans wider. Grundsätzlich unterscheidet man zwei Haupttypen:

Shinmei-Torii – schlicht, gerade, fast minimalistisch. Diese Form kommt ohne geschwungene Elemente aus, besteht meist aus zwei senkrechten Pfosten und einem geraden Querbalken. Besonders bekannt ist das Ise-Torii, das am heiligsten Schrein Japans, dem Ise-jingū, steht. Es verkörpert Reinheit, Ursprünglichkeit, Konzentration auf das Wesentliche.

Myōjin-Torii – etwas verspielter, eleganter, mit geschwungenen Querbalken, die leicht nach oben zeigen. Diese Form begegnet einem besonders häufig an Schreinen, die dem Reis-, Wohlstands- oder Fuchsgott Inari geweiht sind. Die berühmteste Darstellung ist wohl die endlose Reihe von Tausenden roten Torii am Fushimi Inari-Taisha in Kyōto – ein weltberühmtes Bild, das Pilger und Fotografen gleichermaßen in seinen Bann zieht.

Neben diesen beiden Hauptkategorien gibt es zahllose Varianten: manche mit doppelten Querbalken, mit zusätzlichen Verstärkungen, mit kunstvollen Inschriften oder aus verschiedenen Materialien – von schlichtem unbehandeltem Holz über massiven Stein bis hin zu Beton oder Bronze. Jede Region, jeder Schrein, jede Geschichte bringt ihre eigene Variante hervor. So sind Torii nicht nur spirituelle Markierungen, sondern auch kulturelle Ausdrucksformen, eingebettet in eine lange Tradition von Handwerk, Glaube und Ästhetik.

Und dennoch – bei aller Vielfalt und Unterschiedlichkeit haben alle Torii eines gemeinsam: Sie bewahren einen Raum des Heiligen. Sie sind Schwellen zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren. Und sie erinnern uns – leise, aber deutlich – daran, dass es im Leben Orte gibt, an denen man stillstehen, innehalten und sich verbinden darf. Mit der Natur. Mit dem Göttlichen. Mit sich selbst.

Ich habe von Christoph Kienle die Aussage gehört, die mir gut gefällt:
„Ein Torii ist mehr als ein Bauwerk. Es ist eine Einladung. Eine Geste. Ein Übergang. Und vielleicht – ein Versprechen.“

Geschichte(n) zum Leben erweckt – die jährliche Lesung des Arbeitskreises Geschichte in der Gemeindebücherei Maisach

12. Mai 2025

Einmal im Jahr verwandelt sich die Gemeindebücherei Maisach in einen lebendigen Erinnerungsraum: Der Arbeitskreis Geschichte der Gemeinde lädt zur Lesung aus den „Meisaha“-Heften ein, der jährlich erscheinenden Publikation, die sich mit der Vergangenheit und den Geschichten der Gemeinde und ihrer Ortsteile befasst. Die Veranstaltung ist mehr als eine Vortragsreihe – sie ist ein atmosphärisches Zeitfenster, das die Vergangenheit eindrucksvoll gegenwärtig macht.

Die jüngste Lesung bot ein besonders breites Spektrum an Themen und Schicksalen, die allesamt tief mit Maisach und Umgebung verbunden sind. Sie zeigte auf eindrucksvolle Weise, wie reich, bewegend und manchmal auch kurios die lokale Geschichte ist. Hier die komplette Lesung in einem Stück.

Von Ziegeln und Schicksalen: Die Ziegelei in Rottbach
Den Auftakt machte Stefan Pfannes mit einem detaillierten und lebendig erzählten Beitrag zur Geschichte der Ziegelei in Rottbach. Die Wurzeln der Ziegelherstellung in der Region reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück. Besonders im Fokus stand das Lebenswerk des Landwirts und späteren Bürgermeisters Michael Pschor, der Anfang des 20. Jahrhunderts eine moderne Ziegelei mit Ringofen errichtete. Trotz großer Investitionen und anfänglicher Erfolge endete das Unterfangen tragisch – mit einem Großbrand, wirtschaftlichem Niedergang und dem vollständigen Verlust des Familienbesitzes.

Die Erzählung wurde ergänzt durch Anekdoten, persönliche Erinnerungen und sogar einen Einblick in das damalige Personalwesen: Maria Riesenberger, eine ledige Bauerntochter, fuhr als erste Frau die Elektrolok der Ziegelei – eine Leistung, die ihr männliches Umfeld laut ihren Worten schlicht nicht zustande brachte. Hier der Vortrag von Stefan Pfannes.

Der Einmarsch der Amerikaner: Kriegsende in Maisach
Helga Rueskäfer zeichnete anhand zeitgenössischer Pfarrberichte und kommunaler Dokumente das Kriegsende 1945 nach. Sie las aus den Aufzeichnungen des Pfarrers von Maisach, der den Einmarsch der amerikanischen Truppen als Befreiung beschrieb.

Neben Sachberichten über Plünderungen, Beschlagnahmungen und provisorische Verwaltungsstrukturen fanden auch persönliche Schicksale Erwähnung – etwa der eines russischen Wachmanns, der auf der Flucht erschossen wurde. Der Bericht verdeutlichte, wie abrupt der Zusammenbruch der alten Ordnung kam – und wie schwierig der Weg in eine neue, friedliche Zeit war. Hier der Vortrag von Helga Rueskäfer.

Kindheit im Exil: Ein Flüchtlingsmädchen in Gernlinden
Cornelia Schader gewährte mit ihrem Beitrag einen sehr persönlichen Einblick in das Leben ihrer Mutter Brigitte Mann, die 1945 als sechsjähriges Kind mit ihrer Familie aus Ostpreußen nach Gernlinden kam. Die detaillierte Schilderung der Flucht, der ersten Wohnsituation, der Integration in Schule und Alltag rührte das Publikum spürbar.

Mit plastischen Bildern – wie einer aus Fallschirmseide selbstgenähten roten Bluse – wurde deutlich, wie knapp und zugleich hoffnungsvoll das Leben nach der Flucht war. Besonders bewegend: die Erinnerung an die Schulspeisung mit Rosinengrütze und an die Freundlichkeit der amerikanischen Besatzungssoldaten, die Donuts und Schokolade an die Kinder verteilten.
Hier der Vortrag von Cornelia Schader.

Bahnunfälle und der Ruf nach Sicherheit
Karl Muth las mehrere Abschnitte aus seinem Artikel zu dramatischen Zugunglücken in Maisach und Gernlinden. Besonders eindrücklich war die Geschichte eines tragischen Unfalls im Jahr 1969, bei dem eine junge Frau auf einem ungesicherten Bahnübergang ums Leben kam.

Der ehemalige Bahnbeamte Ludwig Paternoster berichtete aus erster Hand über die Ereignisse, was dem Beitrag emotionale Tiefe verlieh. Die Schilderungen machten zugleich deutlich, wie lange in Maisach für die ersehnte Bahnunterführung gekämpft wurde – ein Mahnmal für die Bedeutung von Verkehrssicherheit. Hier der Vortrag von Karl Muth.

Industrielle Spuren: Das Kalksandsteinwerk in Überacker
Stefan Schader präsentierte seinen Text über das heute fast vergessene Kalksandsteinwerk in Überacker. Die Geschichte begann 1960 mit dem Abbau eines Sandhügels, der sich als wirtschaftlicher Rohstoff erwies. Die Fabrik bot neue Arbeitsplätze, lockte Gastarbeiter aus Spanien und Marokko an und veränderte die Sozialstruktur des Dorfes.

Nach der Wirtschaftskrise Mitte der 1970er Jahre wurde das Werk stillgelegt. Heute erinnert nur noch eine Halle an diesen Abschnitt Industriegeschichte. Mit viel Detailreichtum erzählte Schader von Technik, Alltag und Wandel in einem kleinen Ort. Hier der Vortrag von Stefan Schader.

Vom Herzen Maisachs nach Togo
Matthias J. Lange las aus seinem Artikel über die Entstehung der „Aktion PIT – Togohilfe“. Aus einer privaten Initiative entwickelte sich in den 1980er Jahren eine der bedeutendsten Togo-Hilfsorganisationen Deutschlands – ihren Ursprung hatte sie in einem Maisacher Wohnhaus. Mit anschaulichen Geschichten von Schulranzen, Feuerwehrbussen und ehrenamtlicher Hilfe bis hin zu globalem Engagement vermittelte der Beitrag eindrucksvoll, wie eine Gemeinde über sich hinauswachsen kann. Besonders berührend war das Erinnern an Elisabeth, das erste Patenkind mit der Startnummer 100, und an die kleinen Erfolge, die in Summe große Wirkung entfalten. Hier der Vortrag von Matthias J. Lange.

Eine legendäre Rauferei
Zum Abschluss trug Stefan Schader noch eine amüsante Anekdote vor: eine legendäre Wirtshausschlägerei aus den Nachkriegsjahren, bei der Maisacher Burschen und Mitglieder des Boxclubs Fürstenfeldbruck aneinandergerieten. Der Vater der Müllersöhne rief per Telefon zum Kampf auf und versprach, alle Schäden zu bezahlen – was er später auch tat.

Die Geschichte, längst zu einer Art Dorfle­gende geworden, sorgte für Schmunzeln und erinnerte an eine Zeit, in der Konflikte oft noch mit Fäusten, aber auch mit Ehre ausgetragen wurden. Hier der Vortrag von Stefan Schader .

Die Lesung des Arbeitskreises Geschichte war ein eindrucksvolles Beispiel für gelebte Erinnerungskultur auf kommunaler Ebene. Die Beiträge reichten von bewegender Familiengeschichte über Industrie- und Verkehrsgeschichte bis hin zu humorvollen Anekdoten – stets fundiert recherchiert, persönlich erzählt und mit dem Herzen bei der Sache.

Die Meisaha-Hefte sind nicht nur eine Chronik der Vergangenheit, sondern auch ein Fenster in das kollektive Gedächtnis der Gemeinde. Die Veranstaltung in der Gemeindebücherei Maisach zeigte: Geschichte lebt, wenn man sie erzählt. Und Maisach hat viel zu erzählen.

Zwischen Kommerz und Erinnerungen: Ein Muttertag ohne meine Mutter

11. Mai 2025

Meine Mutter ist dieses Jahr verstorben und ich brauche keinen Muttertag, um ihr Danke zu sagen. Dennoch kommt man um diesen Tag nicht umher bei all dem Tamtam.

Der Muttertag hat seine Ursprünge in den Vereinigten Staaten. Er geht auf die Initiative der US-Amerikanerin Anna Jarvis zurück, die 1908 erstmals einen Gedenktag zu Ehren ihrer verstorbenen Mutter veranstaltete. Ihr Ziel war es, die Leistungen und die Bedeutung von Müttern öffentlich zu würdigen. 1914 wurde der Muttertag in den USA offiziell als nationaler Feiertag eingeführt. Von dort aus verbreitete sich die Idee weltweit. In Deutschland wurde der Muttertag 1923 erstmals gefeiert.

Rührseliger Feiertag
Vielleicht sehe ich es jetzt auch böse: Der Muttertag – ein scheinbar rührseliger Feiertag, der seinen Ursprung in den USA hat und heute vor allem von Blumenläden und Pralinenherstellern gefeiert wird. Die Idee stammt von Anna Jarvis, die 1908 ihrer verstorbenen Mutter gedenken wollte. Was ursprünglich als ehrliche Würdigung gedacht war, wurde nur wenige Jahre später zum kommerzialisierten Pflichttermin. Schon Jarvis selbst distanzierte sich später wütend von dem, was aus ihrem Anliegen geworden war. In Deutschland wurde der Tag 1923 eingeführt – nicht zuletzt mit Unterstützung der Blumenindustrie. Heute ist der Muttertag vor allem eines: ein Termin im Kalender, an dem man mit einem Strauß Rosen das ganze Jahr über unsichtbare Care-Arbeit scheinbar wiedergutmacht.

Mutterbild geändert
Ja, ich vermisse meine Mutter, aber ich brauche keinen Muttertag um ihr zu danken und um mich zu erinnern. Also bin ich einmal journalistisch an den Muttertag herangegangen. Zum Muttertag öffnet sich der Geldbeutel – doch wer gibt mehr aus: Söhne oder Töchter, Gen Z oder die Babyboomer? Der Schokoladen-Spezialist Hachez hat gemeinsam mit Civey nachgeforscht.

Die Rolle der Mutter hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert: Mütter sind längst nicht mehr nur für die Familie da, sondern meistern den Spagat zwischen Beruf, Kindererziehung und eigenen Interessen. Während sich die Lebensrealitäten von Müttern gewandelt haben, bleibt eines konstant: die Wertschätzung für ihre Rolle. Der Muttertag bietet für die Industrie die Gelegenheit, dies mit kleinen oder großen Gesten auszudrücken.

Vielleicht ist Muttertag auch nur eine Erfindung der holländischen Blumenindustrie, erzählte meine Mutter jedes Jahr spöttisch. Sie war für den Einkauf von mehreren Blumenabteilungen mehrerer Supermärkte zuständig und sie machten zum Muttertag ein fettes Geschäft. Unabhängig vom Budget bleibt seit Jahren eines konstant: Blumen sind das beliebteste Muttertagsgeschenk. Ein Viertel der befragten Männer setzt auf den klassischen Muttertagsstrauß. Platz zwei belegt der Gutschein für ein gemeinsames Erlebnis, das klassische Schokoladen-Geschenk belegt den dritten Platz – sowohl bei Männern als auch bei Frauen.

Schoki-Klassiker bei allen Generationen beliebt
Wenn es um den Muttertag geht, ist Schokolade weiterhin unter den Top Geschenken bei den Deutschen – und Pralinen stehen bei allen Generationen an erster Stelle (46 %). Kein Wunder: Die edlen Schoko-Kreationen verbinden Genuss mit Wertschätzung und lassen sich perfekt als kleine Aufmerksamkeit verschenken. Während die 30- bis 39-Jährigen zudem gern zur Schokolade mit Marzipan greifen (11 %), setzen die 40- bis 49-Jährigen auf klassische Tafelschokolade (10 %). Egal ob edle Pralinen, Marzipan oder die gute alte Tafel – Schokolade bleibt das süßeste Dankeschön.

Männer greifen tiefer in die Tasche
Im Schnitt geben Männer mehr Geld für Muttertagsgeschenke aus als Frauen. Während 21 % der befragten Söhne bereit sind, mehr als 20 EUR in die Mama zu investieren, sind es bei Töchtern nur 11 %.

Gen Z ist am großzügigsten
Zwischen den Generationen gibt es deutliche Unterschiede im Ausgabeverhalten zum Muttertag. Die 18- bis 29-Jährigen planen zwar das höchste Budget: Über 10 % der Befragten möchten 50 Euro oder mehr für ein Geschenk investieren. Allerdings zeigt sich die Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen insgesamt am spendabelsten – sie geben im Schnitt bis zu 40 Euro für Muttertagsgeschenke aus. Menschen über 40 investieren hingegen etwas weniger und liegen bei circa 30 Euro.

Und was mache ich am Muttertag? Ich werde das Grab meiner Eltern besuchen und ihrer gedenken.

Ekel (1965) – Rückblick auf meine phantastische Matinee

10. Mai 2025

Roman Polanskis Film Ekel (Originaltitel: Repulsion, 1965) ist ein psychologischer Thriller, der in einer dichten, subjektiven Erzählweise den geistigen Verfall der jungen Protagonistin Carol Ledoux (Catherine Deneuve) schildert.

Die Handlung konzentriert sich fast ausschließlich auf Carols Perspektive und spielt sich überwiegend in einer Londoner Wohnung ab, die zunehmend zum Spiegelbild ihres inneren Zustands wird. Ich durfte zu dem Film eine phantastische Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck durchführen und hier ist mein Einführungsvortrag.

Die nächste phantastische Matinee ist am Sonntag, 18. Mai, um 10:45 Uhr mit dem Film Film Das Haus an der Friedhofsmauer. Karten gibt es hier.

Zurück zu Ekel: Zu Beginn wirkt Carols Leben, trotz einiger Merkwürdigkeiten, noch relativ geordnet. Sie lebt mit ihrer Schwester Hélène zusammen, ist jedoch sehr introvertiert und zeigt eine starke Abneigung gegenüber Männern, was sich in panischer Angst vor deren Nähe äußert. Als Hélène mit ihrem Liebhaber verreist, bleibt Carol alleine zurück. In ihrer Isolation beginnt sie, an Wahnvorstellungen und Halluzinationen zu leiden: Sie sieht unheimliche Männergestalten, Hände greifen aus den Wänden nach ihr, und die Wohnung selbst verändert sich auf surreale Weise – Räume dehnen sich, das Mobiliar verändert sich, Risse erscheinen in den Wänden.

Polanski nutzt diese subjektive Darstellung, um die Zuschauer in Carols psychische Welt hineinzuziehen. Die Grenzen zwischen Realität, Albtraum und Wahn verschwimmen zunehmend. Die äußere Handlung – Carols Rückzug, die Morde an Colin und dem Hausbesitzer – wird von der inneren Zerrüttung der Figur überlagert. Die Wohnung, anfangs ein Schutzraum, wird zum bedrohlichen Ort, der Carols Angst und Verfall widerspiegelt.

Die filmische Inszenierung arbeitet mit Elementen des Surrealismus und des Expressionismus: Deformierte Räume, symbolische Details wie das verwesende Kaninchen oder die wuchernden Kartoffeln, und die suggestive Kameraführung verstärken das Gefühl von Beklemmung und Wahnsinn. Polanski verzichtet weitgehend auf klassische Schockeffekte und setzt stattdessen auf eine schleichende, psychologisch fundierte Verstörung, die sich langsam entfaltet und den Zuschauer zunehmend verunsichert.

Die Ursache für Carols psychische Störung bleibt bewusst uneindeutig. Die letzte Einstellung des Films zeigt ein Familienfoto, auf dem Carol als Kind ihren Vater mit starrem Blick ansieht. Dies lässt Raum für Interpretationen, etwa einen möglichen sexuellen Missbrauch in der Kindheit, doch Polanski selbst betont, dass er weniger an einer eindeutigen Erklärung als an der Darstellung der Krankheit und der Erzeugung einer bestimmten Stimmung interessiert war.

Insgesamt ist Ekel eine meisterhafte Studie über Isolation, Wahnsinn und die Zerstörung der Wahrnehmung. Der Film besticht durch seine dichte Atmosphäre, die innovative filmische Umsetzung und das nuancierte Spiel von Catherine Deneuve, die die innere wie äußere Entfremdung ihrer Figur eindrucksvoll verkörpert.

Die nächste phantastische Matinee ist am Sonntag, 18. Mai, um 10:45 Uhr mit dem Film Film Das Haus an der Friedhofsmauer. Karten gibt es hier.

Podcast: Wie tickt der Berufsnachwuchs?

9. Mai 2025

Ich hab ja versprochen, dass ich dieses Jahr mehr im Bereich Podcast machen werde. Ich nähere mich in der Regel von der filmischen Seite dieses Thema als Videopodcast, aber Zug um Zug spiele ich auch Audio-Podcasts aus.

Als einen sehr angenehmen Gesprächspartner habe ich den stellvertretenden Landesinnungsmeister des bayerischen Friseur- und Kosmetikerhandwerks Christian Hertlein empfunden.

Ich traf ihn in der Kreishandwerkerschaft Fürth zu einem Gespräch über Berufsnachwuchs. Wie ticken eigentlich Jugendliche und wie müssen sich Friseursalons darauf einstellen. Die Aussagen gelten aber nicht nur für Friseurbetriebe, sondern im Grunde für jede Art von Ausbildungsbetrieben der neuen Generation Z. Wer Lust hat, bitte gerne mal hineinhören.

Warum der Film Projekt Brainstorm für mich ein Klassiker geworden ist

8. Mai 2025

Als Filmfan genieße ich die großen Klassiker der Filmgeschichte. Die achtziger Jahre brachten für mich aber persönlich wenig erbauliches in Sachen Film hervor. Vier Filme haben mich u.a. aber immer zum Nachdenken gebracht: Blade Runner und Opfer wegen ihrer Spiritualität, Tron und Projekt Brainstorm wegen der technischen Weitsicht und auch wegen ihrer philosposphischen Gedankenexpertimente.

Vor kurzen erschien Projekt Brainstorm auf Bluray. Ich hatte bisher nur die Laserdisc und eine DVD. Jetzt konnte ich den Film in seiner vollen Pracht genießen zudem noch die Showscan-Version enthalten ist.

Ich habe Projekt Brainstorm damals bei uns im Kino gesehen und bei der mickrigen Projektion konnte der Film seine visuelle Kraft nicht enthalten. Dies holte ich später nach und auch die neue Versionen auf Bluray genoss ich am 4K-Beamer.

Als ich neulich im Apple Store in der Münchner Rosenstraße die Apple Vision Pro ausprobierte, kam mir der Film wieder in den Sinn und ich bestellte die Bluray noch im Hinausgehen. Tim Cook hat bei der Entwicklung der VR/AR-Brille diese Technik auch im Hinterkopf gehabt. Eine Maschine, die Gedanken, Erinnerungen, Erfahrungen und Gefühle aufzeichnet und auf andere überträgt. Was für eine interessante Idee.

Aber Projekt Brainstorm (1983) ist weit mehr als ein technikzentrierter Science-Fiction-Film; er entfaltet eine vielschichtige philosophische Reflexion über Bewusstsein, Tod, Empathie und die ethischen Grenzen technologischen Fortschritts. Das hat mich beschäftigt, seitdem ich Projekt Brainstorm gesehen hatte.

Ich stelle meine Themen zu den Themenkomplexen zusammen und führte sie ansatzweise aus: Bewusstsein, Tod und Transzendenz – Empathie und Kommunikation – Ethische und gesellschaftliche Implikationen – die Rolle des Individuums und der Gesellschaft und nicht zuletzt die Metaphorik des Mediums Film.

Bewusstsein, Tod und Transzendenz
Im Zentrum steht die Frage, was das menschliche Bewusstsein ausmacht und ob es möglich ist, subjektive Erfahrungen – bis hin zum Tod – technisch zu speichern und zu teilen. Die Aufzeichnung des Sterbens von Dr. Reynolds und das spätere Erleben dieser Erfahrung durch Michael konfrontieren die Figuren und das Publikum mit der Grenze zwischen Leben und Tod. Der Film stellt dabei die Frage, ob es eine Form von Existenz nach dem Tod gibt und wie sich diese mit technischen Mitteln erfahrbar machen ließe. Die Visionen von Licht, Engeln und kosmischer Einheit am Ende deuten auf eine philosophische Vorstellung von Transzendenz und einem kollektiven Bewusstseinszustand hin.

Empathie und Kommunikation
Die Technologie im Film ermöglicht es, nicht nur Sinneseindrücke, sondern auch Emotionen und Erinnerungen direkt zu übertragen. Damit eröffnet sich die Möglichkeit einer radikal neuen Form von Empathie: Menschen können buchstäblich fühlen, was andere fühlen. Der Film fragt, ob eine solche totale Kommunikation zu mehr Verständnis und Verbundenheit führt – oder ob sie auch gefährlich sein kann, wenn sie missbraucht wird.

Ethische und gesellschaftliche Implikationen
Projekt Brainstorm thematisiert die Ambivalenz technologischer Innovationen: Während die Erfindung ursprünglich als Mittel zur Erweiterung menschlicher Erfahrung gedacht ist, wird sie schnell von Militär und Industrie vereinnahmt – etwa zur Gehirnwäsche oder als Folterinstrument. Der Film stellt damit die Frage nach Verantwortung und Ethik im Umgang mit mächtigen Technologien und warnt vor deren Missbrauch.

Die Rolle des Individuums und der Gesellschaft
Die Protagonisten geraten in einen Konflikt zwischen persönlicher Integrität und gesellschaftlichem Druck. Die Technologie wird zum Prüfstein für die Frage, wie weit der Mensch gehen darf, um Wissen zu erlangen und Grenzen zu überschreiten. Der Film reflektiert damit auch über die gesellschaftlichen Folgen von Innovation und die Gefahr, dass individuelle Erfahrungen und Privatsphäre verloren gehen.

Metaphorik des Mediums Film
Schließlich verweist der Film selbstreflexiv auf das Medium Kino: Die Möglichkeit, fremde Erfahrungen zu teilen, spiegelt die Funktion des Films wider, Zuschauer in andere Leben und Welten eintauchen zu lassen. Projekt Brainstorm fragt so auch, ob und wie Medien unser Bewusstsein und unsere Wahrnehmung von Realität beeinflussen.

Für mich ist klar: Projekt Brainstorm unterscheidet sich von anderen Sci-Fi-Filmen vor allem durch seinen realitätsnahen, fast dokumentarischen Ansatz zur Darstellung von Technologie, den Fokus auf Bewusstsein und subjektive Erfahrung sowie die kritische Reflexion über gesellschaftliche und ethische Folgen. Die Technologie steht nicht nur als Plot-Element im Vordergrund, sondern wird als Auslöser tiefgreifender philosophischer und sozialer Fragen inszeniert

Und alle diese Fragen wurden von Regisseur Douglas Trumbull technisch brillant umgesetzt. Trumbull war einst für die Tricks von Stanley Kubricks 2001 – Odyssee im Weltraum verantwortlich und lieferte mit Lautlos im Weltraum seinen ersten eignen Film und Flop ab. Auch Projekt Brainstorm floppte grandios, hat aber einen großen Platz in meiner persönlichen Filmgeschichte.
Projekt Brainstorm nutzte innovative Bildformate, visionäre Kameratechnik und experimentelle Spezialeffekte, um das Thema Bewusstsein und virtuelle Realität technisch wie künstlerisch überzeugend umzusetzen. Der Film war damit ein Vorreiter für spätere Entwicklungen im Bereich immersiver Medien und bleibt ein bedeutendes Beispiel für den kreativen Einsatz von Filmtechnik zur Verstärkung inhaltlicher Konzepte. Ich möchte dies begründen:

Innovative Bildgestaltung und Formatwechsel
Der Film wurde in zwei unterschiedlichen Formaten gedreht: Die Realszenen im klassischen 35-mm-Format (1,85:1), die Szenen aus der Perspektive des Gedankenübertragungsgeräts hingegen in Super Panavision 70 mm (2,20:1).

Dieser bewusste Wechsel der Bildformate erzeugte beim Kinopublikum einen spürbaren Kontrast zwischen der „realen“ Welt und den aufgezeichneten Sinneswahrnehmungen, was die Immersion und das Erleben der virtuellen Realität verstärkte. Die „Brainstorm“-Sequenzen wirkten dadurch spektakulärer, weiter und intensiver als die Alltagsszenen.

Die technische Umsetzung erforderte, dass 35-mm-Aufnahmen auf 65- bzw. 70-mm-Negative vergrößert wurden, um eine visuelle Konsistenz zu erreichen. Im Kino führte das zu einem Wechsel zwischen „Pillarbox“- und „Scope“-Darstellung, was auf Heimmedien nur eingeschränkt nachvollziehbar ist.

Visionäre Nutzung neuer Technologien
Regisseur Douglas Trumbull, bekannt für seine Pionierarbeit im Bereich visueller Effekte, wollte ursprünglich das von ihm entwickelte Showscan-Verfahren einsetzen, das mit 60 Bildern pro Sekunde ein extrem realistisches, flüssiges Bild erzeugt. Aus Kostengründen wurde dieses Verfahren jedoch nur teilweise und nicht für den gesamten Film genutzt.
Die filmische Umsetzung der Gedanken- und Gefühlserfahrungen mittels Weitwinkeloptik, Ego-Perspektive und dynamischer Kameraführung war ihrer Zeit weit voraus und nimmt spätere Entwicklungen im Bereich Virtual Reality und immersiven Kinos vorweg.

Spezialeffekte und Sounddesign
Die Darstellung der subjektiven Erlebnisse – von Achterbahnfahrten bis hin zu Nahtoderfahrungen – war technisch aufwendig und setzte Maßstäbe für die visuelle Umsetzung innerer Welten im Kino.
Auch das Sounddesign trug wesentlich zur Immersion bei, indem es die Wahrnehmung der Figuren für das Publikum unmittelbar erfahrbar machte.

Soundtrack
Der Soundtrack zu Projekt Brainstorm stammt von James Horner, der später mit Filmmusik zu Titanic und Braveheart Weltruhm erlangte. Horner schuf für den Film eine atmosphärische und vielschichtige Komposition, die elektronische Klänge mit klassischen Orchester-Elementen verbindet. Besonders in den „Brainstorm“-Sequenzen unterstreicht die Musik das Gefühl von Staunen, Gefahr und Transzendenz und verstärkt so die emotionale Wirkung der Bilder. Der Score trägt maßgeblich dazu bei, die Grenzen zwischen Realität und virtueller Erfahrung hörbar zu machen und zählt zu den frühen, innovativen Arbeiten des Komponisten. Ich hatte mir den Score 2006 als CD gekauft und höre immer wieder das „Stück Lilians Heart Attack“, eine sehr eindrucksvolle musikalische Darstellung eines Herzanfalls.
Das Album ist relativ selten und wer es mal genießen will, dann mal zu YouTube greifen.

Die Spielzeug-Magie der 70er lebt wieder auf – Als ich meine Kindheit in einer alten Schachtel fand

7. Mai 2025

Eigentlich wollte ich nur alte Toner-Kartons meines Minolta Magiccolor 2200 entsorgen, doch in einer Schachtel waren statt einer Tonerpatrone viele Schätze aus meiner Jugend. Ich fand lang gesuchtes Spielzeug aus den Jahren 1974 bis 1978 wieder.

Ich glaubte, dass ich diese Schätze schon lange auf dem Flohmarkt für billig Geld verscheuert hatte, aber ich habe mich getäuscht. Viele Lieblingsspielzeuge wanderten irgendwann in die Kiste und gingen in den Kellerräumen meines Archivs verloren. Als ich nun den alten Drucker samt Toner entsorgen wollte, hob ich den vergessenen Schatz und freue mich wie ein Schneekönig.

Es handelte sich um Science Fiction-Spielzeug meiner Jugend. Ich war und bin ein Science-Fiction-Fan und hänge nostalgisch an altem Spielzeug. Also hier die Highlights im Detail. Ich habe von der Schatzkiste ein Video gedreht.

Als nächstes werde ich in Blogbeiträgen einige meiner wiedergefundenen Spielzeuge vorstellen. Vielleicht könnt ihr meine Begeisterung teilen.

Es handelt sich um die Comet von Captain Future, ein Adler aus Mondbasis Alpha 1, drei Micronauts Time Traveler Mego 1976, einen Battle Kings K-III Missile Launcher von Matchbox, einen Matchbox Raider Command Adventure 2000 K 2001, das Liberator-Raumschiff 1979 von Corti und Corgi-Modelle von Moonraker 007.

Sag Nein zu Metas KI – bevor deine Daten zur Trainingsmasse werden

6. Mai 2025

Ja, ich bin ein Fan von KI, aber was Meta vorhat, empfinde ich persönlich als Sauerei und ich fordere euch auf, jetzt zu handeln. Bis zum 27. Mai kann man den Meta-Plänen widersprechen. Unter Trump hat sich das politische Klima gedreht. Verbraucher bleiben auf der Strecke, die Gewinner sind die Tech-Firmen um Trump.

Für mich ist KI eine Revolution und wird unser aller Leben verändern, privat und beruflich. Wir dürfen das Thema nicht auf die leichte Schulter nehmen. Ich bin seit Jahren in Sachen Medienkompetenz unterwegs und es ist wieder an der Zeit auf die Pauke zu hauen.

Was ist los?
Meta, also Facebook, Instagram, WhatsApp, plant unsere Nutzerdaten wie Texte, Kommentare, Bilder zum Training der eigenen Künstlichen Intelligenz zu verwenden. Es sei denn, wir widersprechen aktiv. Also keine Wurst fotografieren, sondern aktiv handeln und nicht jammern.

Die Politik hat hier für mich versagt, jetzt muss jeder Einzelne ran, wenn er Metas KI-Weg nicht mitgehen will. Wer nach dem 27. Mai widerspricht, der hat Pech gehabt. Da hat die KI bereits die Daten gesaugt und verarbeitet.

Was ist zu tun?
Jeder, der mit den Plänen von Mark Zuckerberg nicht einverstanden ist, muss aktiv Wiedersprechen. Es reicht den Widerspruch bei einer der Plattformen einzureichen. Der Widerspruch gilt dann im kompletten Zuckerberg-Universum.

Ich zeige den Weg mal in Facebook in der Smartphone-App auf. Unter Einstellungen • Privatsphäre-Center aufrufen. Dort steht etwa in der Mitte: „Du kannst der Verwendung deiner Informationen zu diesen Zwecken widersprechen.“ Das Wörtchen widersprechen anklicken.

Dann kommt die Bestätigung von Facebook. Es dauert ein paar Minuten, dann wird der Widerspruch auch per Mail bestätigt.
Also: Widersprich! Denn Schweigen heißt Zustimmung zu Metas KI-Agenda. Natürlich darf dieser Beitrag geteilt werden.

Kommentar: Kino ist kein Ort, Kino ist ein Gefühl“

5. Mai 2025

Ich liebe Kino. Kino ist für mich pure Leidenschaft. Wenn das Licht erlischt und der erste Ton durch den dunklen Raum hallt, schlägt mein Herz schneller. Jeder Film ist ein Versprechen: auf große Gefühle, auf Abenteuer, auf Schmerz und Glück. Im Kino wird die Welt größer, bunter, wilder – und manchmal auch wahrer. Ich verliere mich in Bildern, lebe hundert Leben, liebe, leide, träume mit jeder Szene. Kino ist nicht einfach ein Ort – es ist ein Herzschlag, ein Feuer, das niemals erlischt.

Dieses Gefühl, wenn das Licht langsam ausgeht, die Gespräche verstummen und der Vorhang sich hebt – es ist wie der Beginn einer Reise in eine andere Welt. Im dunklen Saal verschwimmen Zeit und Raum, und für zwei Stunden gibt es nur noch die große Leinwand, flimmernde Geschichten und das Rauschen der eigenen Gedanken. Kino ist mehr als Unterhaltung; es ist Trost, Aufbruch, Magie. Ein Ort, an dem Träume greifbar werden und die Wirklichkeit für einen Moment leise draußen bleibt.

Soviel meine Träume. Unlängst wurde ich wieder jäh in die Realität geholt als ich mit pubertierenden Karnickel einen Film schauen sollte. Die lästigen Störenfriede waren zwei Reihen vor mir und stolzierten Testosterongeschwängerten in den Saal, lächerlich in Jogging- und Trainingshose. Kino ist für mich ein heiliger Ort. Ein Raum, in dem man eintauchen darf, wo jede Sekunde zählt, jede Szene berührt. Und genau deshalb trifft es mich wie ein Schlag, wenn Menschen reden, den Film kommentieren, auf ihr Handy starren oder ständig aufstehen und aufs Klo rennen, um die Konfirmandenblase zu leeren oder um neue Cola zu holen. Jeder Lichtschein aus einem Display, jedes tuschelnde Gespräch, jede knarrende Sitzreihe reißt mich aus einer Welt, in die ich mit Herz und Seele eingetaucht bin. Es ist, als würde man ein Lied zerreißen, ein Gemälde beschmutzen. Kino ist Magie – und diese Achtlosigkeit zerstört sie, Szene für Szene, Moment für Moment. Und ja, es ärgert mich, weil ich glaube: Wer im Kino ist, sollte bereit sein, sich ganz auf das Wunder einzulassen – ohne Störung, ohne Flucht, einfach mit offenem Herzen. Außerdem ist es unverschämt und rücksichtslos.

Homekino ist kein Ersatz für Kino
Und natürlich schaue ich auch Filme in meinen vier Wänden, über den 4K Beamer mit fetten Sound. Ja, ich kann auch aufdrehen, aber ein Kinofeeling kommt nur bedingt auf.
So bequem ein Heimkino auch sein mag – mit weicher Couch, Snacks in Reichweite und der Lieblingsplaylist im Hintergrund – es ist kein Ersatz für das echte Kinoerlebnis. Denn Kino ist mehr als nur ein Ort, an dem ein Film abgespielt wird. Es ist ein Raum, der uns aus dem Alltag reißt, der unsere Sinne bündelt und uns mit anderen Menschen verbindet – selbst wenn wir kein Wort miteinander sprechen.

Im Kinosaal herrscht eine besondere Atmosphäre. Das Licht geht langsam aus, die Gespräche verstummen, ein kollektives Einatmen – und dann beginnt die Reise. Auf der großen Leinwand wirken Bilder intensiver, Gesichter größer, Emotionen greifbarer. Der Sound durchdringt den Körper, das Dröhnen, Flüstern oder Knistern wird nicht nur gehört, sondern gespürt. Man sitzt mitten im Film – nicht davor.

Und dann ist da dieses gemeinsame Erleben, das im Wohnzimmer fehlt: ein ganzes Publikum, das gleichzeitig lacht, erschrickt, den Atem anhält oder Tränen verdrückt. Fremde Menschen, die für zwei Stunden dasselbe fühlen wie man selbst – das ist Magie. Es ist ein Gefühl, das kein noch so teures Heimkino reproduzieren kann. Kino ist nicht nur Technik, es ist Kultur und Gemeinschaft.

Zu Hause lenkt so vieles ab – das Handy, die Türklingel, die Spülmaschine, bei mir die Ehefrau. Im Kino dagegen ist man da, ganz im Moment. Der Film bekommt den Raum, den er verdient, und wir schenken ihm unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Das ist ein Akt des Respekts gegenüber der Kunst – und eine Wohltat für die Seele.

Homekino ist wunderbar. Aber echtes Kino ist unersetzlich. Es ist ein Erlebnis, das berührt, verbindet und bleibt – tief im Herzen und manchmal sogar für ein Leben lang.

Möge die Macht mit unseren Erinnerungen sein – mein #MaytheFourth

4. Mai 2025

Es gab kirchliche Feiertage, es gibt gesetzliche Feiertage und es gibt Fanfeiertage. So einer ist der 4. Mai, nämlich der Feiertag um Star Wars, der unter dem Slogan MaytheFourth oder May the force be with you. Jedes Jahr stelle ich an diesem Datum etwas aus meinen Fan-Fundus vor.

Dieses Jahr sind es zwei Exponate. Zum einen das Buch Buch Die Macht mit uns – Star Wars und die Folgen von Constantin Gillies und zum anderen meinen Star Wars Vintage 1978 Kenner Die Cast X-Wing Fighter.

Constantin Gillies’ Buch Die Macht mit uns – Star Wars und die Folgen ist eine liebevolle, humorvolle und zugleich scharfsinnige Hommage an den kulturellen Einfluss von Star Wars auf die Generation der 1970er- und 1980er-Jahre. Mit einem Augenzwinkern und viel persönlichem Bezug erzählt Gillies, wie George Lucas’ Weltraumepos nicht nur die Kinoleinwand, sondern auch das Alltagsleben, die Sprache und die Denkweise einer ganzen Generation prägte. Ich mag den Schreibstil von Gillies, von dem ich bereits einige Bücher habe und auf mehr hoffe. In diesem Buch hat er sogar eine kleine Widmung geschrieben – danke Constantin.

Das Buch ist keine nüchterne Analyse der Filme, sondern vielmehr eine Sammlung von Anekdoten, Beobachtungen und Erinnerungen, die mich als Leser auf eine nostalgische Reise mitnehmen. Gillies beschreibt, wie Star Wars Einzug in Schulhöfe, Wohnzimmer und sogar in die politische Rhetorik hielt. Dabei gelingt es ihm, den Spagat zwischen persönlicher Erinnerung und gesellschaftlicher Beobachtung zu meistern.

Ein besonderes Highlight des Buches ist Gillies’ Fähigkeit, die absurde Komik und die tiefere Bedeutung von Star Wars gleichzeitig zu beleuchten. Er zeigt auf, wie die Filme sowohl als unterhaltsames Popcorn-Kino als auch als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen fungieren. Dabei spart er nicht mit ironischen Kommentaren und witzigen Seitenhieben, die das Lesen zu einem Vergnügen machen.

Fest steht: Für mich als Fan der Original-Trilogie ist Die Macht mit uns ein Muss. Aber auch Leser, die sich für Popkultur, Mediengeschichte oder die Soziologie von Fankulturen interessieren, werden in diesem Buch fündig. Ich genieße die gelungene Mischung aus persönlicher Reflexion und kultureller Analyse, die den Leser sowohl zum Lachen als auch zum Nachdenken bringt. Ein Buch, das zeigt, wie tief Star Wars in unserer kollektiven Psyche verankert ist und welche Macht Popkultur über unser Leben ausüben kann.

Das zweite Exponat ist mir heilig, denn ich habe als Kind sehr viel damit gespielt (und tue es heute noch). Der Star Wars Vintage 1978 Kenner Die Cast X-Wing Fighter ist ein Sammlerstück aus der ersten Spielzeugreihe, die nach dem Erfolg des ersten Star-Wars-Films (Krieg der Sterne, 1977) von der Firma Kenner in den USA veröffentlicht wurde. Es handelt sich hierbei um ein Die-Cast-Modell, also um ein aus Druckgussmetall gefertigtes Spielzeug, das 1978 als Teil der sogenannten „Die Cast Miniatures“-Serie erschien. Diese Reihe umfasste verschiedene Raumschiffe des Star-Wars-Universums in kleinerem Maßstab, jedoch mit hohem Detailgrad. Meine Eltern haben mir das Ding nach vielen Betteln gekauft.

Das Modell stellt den X-Wing Fighter dar, ein Jagdflugzeug der Rebellenallianz, das unter anderem von Luke Skywalker im Kampf gegen den Todesstern geflogen wurde. Die Version von 1978 misst etwa 10 cm in der Länge, verfügt über ausklappbare Flügel („S-foils“) und ein fest integriertes Fahrwerk. Auf der Rückseite des Cockpits ist eine kleine R2-D2-Figur als Astromech-Droide eingearbeitet. Der vordere Cockpitbereich ist meist durchsichtig gehalten, das restliche Modell besteht aus lackiertem Metall und Kunststoffteilen.

Sammler schätzen dieses Modell insbesondere aufgrund seines Alters, der hohen Fertigungsqualität sowie des nostalgischen Werts. Es handelt sich um ein lizenziertes Produkt der ersten Star-Wars-Spielzeuggeneration überhaupt. Das Die-Cast-Modell des X-Wing Fighters von Kenner ist somit nicht nur ein Spielzeug, sondern ein bedeutendes Zeitdokument der Popkulturgeschichte und ein geschätztes Objekt in der Star-Wars-Sammlerszene. Ich wünsche also einen schönen MaytheFourth.