Ein ganzer Tag Jury-Sitzung kann anstrengend sein.
Ganz so einfach, wie man es sich vorstellt, ist eine Jury-Sitzung dann doch nicht. Vor kurzem wurde ich von der Hanns Seidel Stiftung zur Teilnahme an einer Jurysitzung eingeladen, um die beste Schülerzeitung Deutschlands zu küren. Der Preis heißt Raute. Das Ergebnis verrate ich natürlich nicht, aber verraten kann ich, dass wir es uns nicht leicht gemacht haben. Wir haben ganz schön miteinander gerungen, abgewägt und auch mal gestritten.
Wer gewonnen hat, das wird am 7. November verkündet. Dann findet ein Festakt in der Zentrale der HSS in München statt. Eingeladen hat die Vorsitzende der Stiftung, Ursula Männle. Die Festansprache hält dieses Mal der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle. Spaenle ist selbst Journalist und wird den jungen Kollegen sicher Mut zusprechen. Ich hoffe, dass wenig Politik in seiner Rede vorkommt und vielmehr viel, viel Motivation für die Nachwuchsjournalisten.
Die eintägige Jury-Sitzung zur Raute hat Spaß gemacht. Ich wurde als Jurymitglied aus zwei Gründen nominiert. Zum einen, sicher der wichtigere Grund, ich mache seit über 20 Jahren Trainings für Schülerzeitungen. Ich betreue mehrere Zeitungen und ganze Redaktionen sind schon durch meine Schulungen gegangen. So mancher Schülerzeitungsredakteur ist später selbst Journalist geworden, was mich besonders freut. Ab und zu besteht der Kontakt noch immer. Zudem habe ich mehrere Bücher zum Thema veröffentlicht. Hier gibt es eines zum kostenlosen Download. Wer gedruckte Exemplare braucht, bitte eine Mail an mich.
Zum anderen bin ich vor kurzem zum Vorsitzenden des Bloggerclubs gewählt worden. Zusammen mit vielen Gleichgesinnten haben wir den Verein gegründet, um Bloggern eine Unterstützung zu geben und auch um eine Interessenvertretung für Blogger zu sein. Und ich sehe, so manche Schülerzeitung hat als Marketinginstrument neben der Print-Schülerzeitung einen Blog am Start. Das passt ideal zusammen.
Die eingesandten Schülerzeitungen aus ganz Deutschland wurde in Schularten eingeteilt. Grund-/Mittelschulen, Förderschulen, Realschulen sowie FOB/BOS und Gymnasien. Es wurde von Mitarbeitern der HSS eine Auswahl getroffen und dann trat die Jury zusammen. Ich bewertete die Grund-/Mittelschulen und Förderschulen.
Bei unserer Arbeit waren wir sehr überrascht von der Qualität der Beiträge. Wir – das waren meine Blogger-Kollegin Miriam Zöllisch und der HSS-Praktikant Jan-Philipp Grande und ich. Bewertet wurde in den Kategorien Gesamtbild, journalistischer Einzelbeitrag und journalistische Vielfalt. Wir machten uns die Sache nicht leicht und rangen um die beste Entscheidung und die beste Begründung. Beim Durchlesen und Blättern ist mir wieder aufgefallen, wie kreativ die jungen Blattmacher sind. So hat eine Förderschule beispielsweise alle Beiträge als Audiodatei auf eine CD abgelegt, damit die sehbehinderten Mitschüler auch in den Genuss der Artikel kommen. Eine andere Zeitung hat beispielsweise auf einem Jahreskalender die Geburtstage der Lehrer veröffentlicht – freilich nicht ohne Hintergedanken. Bei Geburtstag muss der Lehrer einen Kuchen für die Klasse springen lassen. Schönes Thema war auch die Haustiere der Lehrer in der Grundschule.
Für mich als Blogger auch interessant, war der Einsatz von QR-Codes in den Heften. Hier wird auf eine Langfassung des Artikels gelinkt. Und was natürlich auch passiert und wo viele Profizeitungen lernen können, ist eine Verlinkungen auf Fotogalerien.
Ich habe gleich mal ein 360 Grad Video mit Stefanie von Winning vom Institut für politische Bildung der HSS gedreht. Sie ist die zuständige Referentin, wenn es um Schülerzeitungen geht. Viel Spaß mit dem Video.
Natürlich interessierten sich die Besucher der gamescom2016 in Köln für die neuesten Spieleattraktionen. Höher, schneller, weiter – lautete das Motto der Hersteller und Publisher. Aber es gab auch eine andere Bewegung. Der Blick zurück. Die Retrogamer in Köln gaben sich ein Stelldichein und ich war mitten drin.
Der klassische Retrogamer ist ein ganz besonderer Typ, ein Geek. Das meine ich durchaus als Anerkennung. Meist ist er älteren Semesters und hat die Retrospiele damals gespielt, als sie neu auf dem Markt waren. Rückblickend ist das viele Jahre her. Der Retrogamer hat eine gewisse Obzession für Details. Oberfächlichkeiten in Bezug auf Games schätzt er gar nicht, akzeptiert es auch nicht nicht. Die Sache ist schließlich ein ernsthaftes Hobby. Auf der anderen Seite liebt der Retrogamer das Fachsimpeln über Rechner, Geschichten, Spiele, Stimmungen.
Hach, meine Jugend.
Ich habe mich in Köln unter den Retrogamern wohl gefühlt. Meine Retro-Leidenschaften sind der Atari 2600, der Commodore C64 und Atari Lynx. Als wunderbar empfand ich es, mich an eine alte Möhre zu setzen und Donkey Kong am C64 zu spielen. Verschiedene Vereine und Verbände hatten ihre Rechner und Röhrenmonitore aufgebaut. Ich hatte nie am Atari Jaguar gespielt und hatte in Köln erstmals die Gelegenheit – danke dafür. Verlage boten ihre Retromagazine an, viele waren vertreten, leider nicht alle.
Ich habe zum ersten Mal am Jaguar gespielt.
Sehr schön war der Eingang des Retrobereiches. Dort wurde ein Delorean DMC-12 aufgebaut im Look von Back to the Future. Für eine Spende von 5 Euro für einen guten Zweck konnte man sich ins Automobil setzen und ein Foto machen. Mir reichte ein Foto von außen, sonst komme ich noch auf dumme Gedanken und muss so ein Auto haben.
Groß und klein, jung und alt konnte nach Herzenslust zocken und sich austauschen. Ich habe Papas gesehen, die ihren Kindern Retrogames näher gebracht haben. Meine K1/2 spielen zu Hause die Sachen und haben sich mehr für die Ausstellungen interessiert: Auf der einen Seite die Handhelds, auf der anderen Seite Pikaschu in all seinen Erscheinungen.
Schade, schade, schade war der Autor Constantin Gillies nicht vor Ort – er musste in die USA für einen Auftrag. Seine Retroland-Romane sind genau meine Kragenweite. Gerne hätte ich seine Hand geschüttelt.
Ausruhen, bevor der nächste YouTuber auf Sendung ist.
Die gamescom2016 in Köln war auch das Stelldichein von Stars und Sternchen. Es gab viel Prominenz aus dem Spielumfeld auf dem Messegelände zu treffen. Auch die YouTube-Stars unter den Gamern zeigten Flagge und trafen sich mit ihren Fans zum Gespräch, Autogramme geben und Hof halten. Es ist eindrucksvoll zu sehen, welche Starwirkung diese jungen Menschen enthalten. Interessant ist auch, dass die Erwachsenenwelt die Namen dieser YouTube gar nicht mehr kennt.
Amazon Twitch bekommt Konkurrenz.
Am Stand von Amazon Twtich kam ich mit ein paar eSportlern ins Gespräch. Auf der gamescom wurden ja zahlreiche Wettbewerbe ausgetragen. Aber der Streamingdienst Twich bekam zur gamescom eine neue ernstzunehmende Konkurrenz. Google launchte YouTube Gaming. YouTube Gaming ist ein eigenes Portal für Spieler. Es ist nun sehr einfach, den Lieblings-Let’s Playern zu folgen und auch selbst live zu streamen. Laut YouTube haben sich mehr als 25.000 Spieler hier eingefunden.
Dieser Launch wurde durch Treffen von YouTubern unterstützt. Noch bevor einer dieser Stars auf die Bühne kam, bildeten sich lange, lange Warteschlangen. Paluten trat von 14-16 Uhr am Donnerstag auf und um 12 Uhr war die Schlange riesig. 1,6 Millionen Abonnenten sind auch eine eindrucksvolle Zahl. Ich habe übrigens auf meinen YouTube-Kanal 466 Abonnenten, es gibt also bei mir noch etwas Entwicklungsmöglichkeiten nach oben.
Tyraphine hält Hof
Sehr geschickt bediente tyraphine ihre Zielgruppe. Die 24jährige Berlinerin twitterte, wo sie sich gerade auf der Messe aufhielt und ihre Fans kamen zusammen. Das Ritual war dann immer das Gleiche: In Arm nehmen, ganz fest drücken, Freundlichkeiten austauschen und Selfie mit dem Star schießen. Manches Mal gab es noch ein Autogramm oder ein Kuscheltier. Auch ich stellte mich mit K2 in die Reihe, verzichtete aber auf das in den Arm nehmen und drücken und gab der empathisch veranlagten Gamerin Katharina einfach nur die Hand. Die Frau macht es richtig und weiß, was Kundenbindung innerhalb YouTube bedeutet. Mit 153000 Abonnenten in ihrem YouTube-Kanal ist sie auf dem richtigen Weg.
Die Spielemesse in Köln konnte seine Besucherzahlen von 2015 dieses Jahr halten. 345000 Gamer strömten nach Köln, um die neuesten Hightlights zu erkunden und anzuspielen. Für mich war der Gewinner der gamescom2016 auf Anbieterseite ganz klar Nintendo.
Der Messebesucher als Markenträger für Nintendo – wie genial ist das denn?
Die großen und kleinen Hersteller waren mit Ständen und ganzen Arenen vertreten. EA hatte eine halbe Halle gebucht, Ubisoft macht Stimmung und rockte die Hütte. Es gab T-Shirts und so manche Spiele zu gewinnen. Bei all den Neuerscheinungen der Messe zählte Nintendo für mich als klarer Gewinner der gamescom. Zwar gab es bei dem japanischen Hersteller keine neue Hardware zu bestaunen und auch Spiele wie das neue Zelda ließen noch auf sich warten. Und dennoch war Nintendo auf der gesamten Messe und darüber hinaus präsent. Das Zauberwort hieß PokémonGo.
Warum? Ganz einfach: Vor allen Ständen gab es umfangreiche Schlangen und was gibt es Besseres, als die Warterei mit einem kleinen Spielchen zu vertreiben. Ich sah viele Gamer, die ein Nintendo DS aus der Tasche zogen, Freunde sammelten und beispielsweise Mario Kart gegeneinander fuhren. Und dann gab es noch die Fraktion, die sich mit ihrem Smartphone die Wartezeit vergnügte. Oft lief darauf PokémonGo – auch bei mir. Leider habe ich außer Rattfratz, Evoli oder Taubsi nichts erjagt.
Am Stand von Nintendo bildetet sich lange Schlangen, denn es wurden unter den Wartenden Pokemon-Codes verteilt. „Erhalte ein schillerndes Xerneas und ein schillerndes Yveltal“ und schon war die Meute da. Auch K1 war mit von der Partie, wartete und staubte drei Karten ab. Das Jäger- und Sammlerherz war begeistert – die gamescom2016 hat sich gelohnt.
Ein Klempner zum Liebhaben.
Großzügig verteilte Nintendo Pikaschu-Masken aus Pappe, die sich die Besucher auf dem Kopf zogen. So verbreitete sich Pikaschu über die gesamte Messe. Und wenn das nicht gereicht hat, dann lief ein großer Mario als Fotomotiv umher. Ein Foto mit Klempner gepostet und schon war die Marke verbreitet. Da passt es, dass zum Abschluss der Olympischen Spiele in Rio der japanische Premier Shinzo Abe in Mario-Kostüm auf die Bühne kam und für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio warb. Andere Hersteller haben auch starke Marken, aber den Markenkampf auf der gamescom hat für mich eindeutig Nintendo gewonnen.
Bändchen als Jugendschutz
Bewährt hat sich das Konzept der farbigen Bändchen auf der gamescom. Wer spielen wollte, der musste ein Band tragen. Grün bedeutet ab 12 Jahre, blau ab 16 Jahre und rot ab 18 Jahre – ich musste als alter Mann zum Altersnachweis meinen Ausweis nicht vorzeigen. Bei Kindern wurde peinlich darauf geachtet. Und auch an den Ständen durfte nur gespielt werden, wer sein Band mit der richtigen Farbe vorzeigte.
Neugierig bin ich mit der Familie zur gamescom2016 nach Köln gefahren. Es ging mir nicht darum, die neuesten Spiele auszuprobieren, sondern ich wollte wissen, wohin sich der Markt bewegt. Und er bewegt sich ganz eindeutig Richtung Virtual Reality VR. Viele Spieleschmieden setzen auf den neuen Trend und ich sage voraus, dass unter dem Christbaum 2016 die eine oder andere VR-Brille liegen wird.
Dazu passt die Meldung, die rechtzeitig zur gamescom kam: Die Oculus Rift wird am 20. September in den Handel kommen. Das Teil kostet rund 700 Euro. Obwohl ich von der Oculus Rift sehr angetan bin, bleibe ich als Mac-User außen vor. Oculus sagt eindeutig, dass die derzeitig Macs für VR zu lahm sind. „Wenn sie eines Tages einen guten Computer herausbringen, werden wir es machen“, erläutert Palmer Luckey, Oculus-Mitbegründer. Apple wird im Herbst neue Hardware vorstellen und ich hoffe, dass die Maschinen dann schnell genug sind. Tim Cook scheint von den Themen VR und AR angetan.
Ist der PC VR-fähig?
Systemvoraussetzung für die Oculus Rift ist ein PC mit mindestens einer AMD R9 290 oder einer Nvidia GTX 970. Mit dem Kompatibilitätstool können Anwender ihre PCs überprüfen und feststellen, ob die Leistung ihres Rechners für die Rift-Erfahrung ausreichend ist. Sollte ein neuer PC nötig sein, gibt es bei einigen der besten Hersteller der Welt spezielle Angebote Oculus-tauglicher PCs, die auf eine optimale VR-Erfahrung ausgelegt wurden. Vor der Demo der Rift bildeten sich lange, lange Schlangen. Viele wollten die VR-Erfahrung am eigenen Leib ausprobieren. Einige der Wartenden hatte für die Schlange Klappstühle dabei. In den Kölner Elektro-Märkten bereitet man sich auch vor. Im Media Markt Köln gab es bereits extra Counter, freilich noch ohne Hardware. Aber der VR kommt voll ins Rollen.
Dank MIFcom konnte ich in VR zocken
Ein PC kommt mir nicht ins Haus. Für zu Hause haben wir deshalb eine Sony PlayStation VR vorbestellt, die wir an die Playstation4 koppeln und wir sind bereit in eine aufgebohrte PS4 zu investieren, die ab September wohl ins Haus steht.
Ich konnte am Stand von MIFcom dank meines alten Kollegen René Grau mehrere VR-Spiele testen, darunter Autorennen und Shooter. Was für mich wichtig ist, es muss meine Brille unter die VR-Brille passen, sonst seh ich nichts. Aufgrund meines Augenleidens bin ich ohne Brille ein Blindfisch. Daher hat mir die HTC-Brille sehr gut gefallen und sie war auch mit Brille bequem zu tragen.
Lenovo bundelt mit Oculus Rift
Absolut nicht meine Welt und trotzdem sehr freundlich wurde ich am Stand von Lenovo aufgenommen. Das lag vor allem an meinen alten Kollegen Georg Albrecht, der dort die Kommunikation für den chinesischen Hersteller macht. Lenovo kannte ich durch die Übernahme von IBM Think Pads und sehe, dass sie solide Arbeitsrechner machen. Im Gaming-Bereich hatte ich Lenovo nicht auf dem Schirm. Albrecht kenne ich noch aus alten Zeiten und er gab mir ein Line-up der aktuellen Gamer-Produkte. Als Mac-User staunte ich vor allem über die vergleichsweise niedrigen Preise, die die Gaming-Maschinen kosten. Sehr eindrucksvoll sahen sie mit ihren roten und grünen Lichtern aus und es gibt auch entsprechende Bundles mit der Oculus Rift. Am Stand konnte man eine Basketball-Simulation ausprobieren, die den User sichtlich Spaß gemacht hat.
VR-Slots völlig überbucht
Bei Alternate sah ich mir verschiedene VR-Darbietungen an. Die Slots waren sofort überbucht und so blieb mir nur das Zusehen. Im grünen Licht bewegten sich die Spieler gespenstisch. Das war natürlich nur Show für uns Zuschauer, die sich köstlich über die Bewegungen der VR-Spieler amüsiertem.
Nix ging mehr. Alles ausgebucht.
Wie in einem Zookäfig standen wir außen herum und schauten zu, wie sich die Spieler verrenkten. Es wurde eine Simulation einer Bergbesteigung angeboten. Eindrucksvoll, was ich dort auf den Monitoren sah und es muss noch eindrucksvoller für die Spieler gewesen sein. Als sie die Brille abnahmen, zeigten sie sich komplett begeistert.
Die richtige Show gehört dazu – und das Outfit als Spiderman auch.
Batman in VR-Aktion
Es kommen zum Verkaufsstart der VR-Brillen einige Spiele auf den Markt. Als für mich eines der interessantesten Spiele (das ich mir zulegen werde) ist Batman: Arkham VR. Die Rocksteady Studios bringen das Spiel für die Playstation VR auf den Markt auf Basis der Unreal Engine 4. Was gezeigt wurde, war ein düsteres Detektivspiel und weniger harte Action.
SAE denkt weiter
Bei der SAE sprach ich mit Marketingleiter Götz Hannemann über das VR-Thema. Am Stand zeigten SAE-Studenten einige Spiele. Zum Beispiel eine Pfeil und Bogen-Variante, die nett anzusehen war. Beeindruckt hatte mich die Idee, einen Crosstrainer mit der VR-Brille zu koppeln. Damit kann man auch zu Hause wirklich aktiv werden. Der Spieler läuft eine Strecke und die Bewegung wird auf das Bild in der VR-Brille übertragen. Interessant wird es werden, wie sich die VR-Brillen in den Wohnzimmern schlagen. Fuchtel ich wie wild im heimischen Wohnzimmer herum und reiße Vasen, Bücher und Bilder beim Spiel herunter, weil der Platz nicht ausreicht? Beim Autorennen, das ich spielte, rammte ich bei vollen Tempo eine Wand und viel zu Boden. Wie sehen daher die Umgebungen aus, in denen mit VR-Brillen gespielt werden kann? Das ist eine interessante Frage.
VR im Fitness-Studio
Eine sehr elegante Variante sah ich bei der Münchner Firma ICAROS. Während der Sportler in einem futuristischen Gestell liegt, gleitet er mithilfe einer Virtual-Reality-Brille durch virtuelle Welten und trainiert spielerisch den ganzen Körper. Ich finde die Idee faszinierend. ICAROS hat eher Sportstudios oder Hotels als Zielgruppe, fand aber riesiges Interesse auf der gamescom in Köln.
Durch das Zusammenspiel zwischen dem Schlitten, auf dem der Sportler liegt, und der virtuellen Realität entsteht ein äußerst reales Fluggefühl. Die Übertragung der Bewegung mittels des am Lenker angebrachten Controllers funktioniert komplett ohne Zeitverlust. „Die Vision hinter ICAROS ist der Spaß am Training. Du kannst spielen und musst kein schlechtes Gewissen haben. Dieses langweilige Eisen stemmen, das so vielen Leuten keinen Spaß macht, ist vorbei“, erklärt ICAROS-Chef Johannes Scholl.
Nach langer Zeit einmal steht wieder die gamescom bei mir auf dem Programm. Ich hab es K1 und K2 versprochen und wir schauen einen Tag auf die wichtige Spielemesse. Ich war einige Male in Leipzig und einmal in Köln als Journalist von der Partie. Dieses Mal bin ich als Privatperson auf der Messe, ohne Termine, ohne Verpflichtungen.
Ich will mich einfach mit meiner Familie durch die Messehallen treiben lassen, ein paar Gespräche führen und mich umsehen. Große Ankündigungen wird die gamescom nicht zu bieten haben. Sowohl Mircosoft als auch Sony halten keine Pressekonferenzen im großen Stil ab. Sony wird Anfang September mit Infos über den PS4-Nachfolger rüberkommen.
Fest auf dem Programm steht bei mir ein Besuch bei den Retrogamern. Als Fan der alten Maschinen will ich den Freaks einen Besuch abstatten und vielleicht treffe ich auch den legendären Chris Hülsbeck. Ich will diesem Giganten der Videospielmusik die Hand schütteln und mir ein Autogramm holen. Oder ich sehe Constantin Gillies, um ihm für deine Retroland-Romane zu danken.
Richtig fette Messe mit vielen Leuten
Eigentlich erschreckt mich die gamescom. Das Ding ist groß, riesig groß und zeigt, welchen Rahmen Games in der Gesellschaft einnehmen. Für die gamescom 2016 rechnet die Messe Köln sowohl mit Blick auf die Ausstellerzahlen als auch in puncto Internationalität mit neuen Rekordergebnissen. 850 Unternehmen aus dem Games-Bereich zeigen ihre Neuheiten. Aussteller aus 53 Ländern haben sich gemeldet, auch die Türkei ist dieses Jahr Partner der Messe – ob diese Wahl so glücklich war? Es erwarten mich in der entertainment area 137.000 Quadratmeter (fast 20 Fußballfelder) mit neuesten Hard- und Software-Releases sowie allen wichtigen Blockbuster-Titel und hunderte Premieren.
Alle jubeln über die Zahlen – und ich zucke zurück. Kommt bei einer Massenveranstaltung die Information zu kurz? Habe ich eine Chance bei dem Gedränge? Von offitizieller Seite wird alles getan, um den Hype zu befeuern. „Mehr Aussteller, mehr Spiele, mehr Besucher, mehr Vernetzungsangebote für die Branche – die gamescom scheint auch in diesem Jahr wieder alle ihre Rekorde zu brechen“, so Petra Müller, Geschäftsführerin der Film- und Medienstiftung NRW. Karten für die Veranstaltung sind schon lange so gut wie ausverkauft, ein paar Nachmittagskarten für die Publikumstage gibt es noch. Hotels sind ausgebucht und die Zimmer werden zu horrenden Preisen vermietet. Ich selbst schlafe jetzt in Bonn, meinem alten Arbeitsplatz als Journalist. Alternativen wie Airbnb blühen. Dies ist für mich ein Zeichen, dass die Stadt eine solche Messe eigentlich nicht mehr verträgt.
In der Vergangenheit war ich immer auch auf der gleichzeitig stattfindenen Entwicklerkonferenz. Europas größte Entwicklerkonferenz und Networking-Plattform für Spieleentwickler, die GDC Europe, bietet Einblicke in die Spieleentwicklungs- und Geschäftstrends des gesamten Kontinents und macht NRW zum Zentrum der europäischen Entwicklerszene. Die Konferenz bietet einen Business-, Marketing- und Management, Design- und Programming-Track. Da ich dieses Mal meine Kinder mit dabei habe, spare ich mir diese Konferenz, die wirklich vom Austausch etwas gebracht hatte.
Nachdem das Thema VR und AR voll im Kommen sind und ich bei Besuchen von metaio in München Blut geleckt habe in Sachen Augmented-Realit werde ich mir bei Panini die Romane zum Augmented-Reality-Game Sumerland ansehen. Sumerland gilt als anspruchsvolle und technisch innovative Unterhaltung und ist eine Verknüpfung zwischen Buch und Augmented-Realit.
VR wird durch Games erst möglich. Foto: Kölnmesse
Sicherheit wird großgeschrieben
Ich habe zahlreiche Post vom Aufbau der Messe gesehen in denen immer wieder das Thema Sicherheit vorkommt. Ich finde das richtig. Aufgrund der Attentate hat auch die Kölnmesse reagiert. Es erging der Appell: „Lasst, wenn nicht zwingend erforderlich, Taschen und Rucksäcke sowie Gegenstände aller Art, die ihr nicht zwingend für den Besuch der gamescom benötigt, bitte zu Hause, um die Wartezeiten so gering wie möglich zu halten.“ An den Eingängen werden noch vor Betreten des Messegeländes Kontrollmaßnahmen, inkl. Taschenkontrollen, durchgeführt. Die Kontrollen sind variabel angelegt und richten sich nach kurzfristigen Rücksprachen mit den Sicherheitsbehörden. Das bedeutet längere Wartezeiten. Die Sicherheitskontrollen starten ab 07:00 Uhr. Ich habe eine Tasche mit Technik dabei und werde wohl durch die Sicherheitskontrolle müssen.
Sehr nett: Gerolsteiner ist offizieller Sponsor der gamescom und wird während der Wartezeiten an den Eingängen kostenfrei für Erfrischung sorgen. Cosplayer ohne Waffen
Die gamescom lebt auch von der Kreativität der Kostüme und daher sind Cosplayer herzlich willkommen. Allerdings stellt die Köln Messe klar, dass alle Nachbildungen von Waffen oder waffenähnliche Elemente in den Kostümen der Cosplayer auf der gamescom 2016 nicht zugelassen sind. „Wir möchten euch bitten, auch in der Stadt auf das Tragen von Nachbildungen von Waffen oder waffenähnlichen Gegenständen mit Rücksicht auf die Bewohner und Besucher der Stadt Köln zu verzichten“, heißt es. „Sämtliche Nachbildungen von Waffen oder waffenähnliche Bestandteile eures Kostüms − unabhängig von Material und Größe − werden euch vor Eintritt in das Gelände abgenommen.“
Cosplayer bitte dieses Mal ohne Bewaffnung. Foto: Kölnmesse
K1 und ich spielen No Man’s Sky seit ein paar Tagen.
Nachdem der Hype um das Spiel immer stärker wurde, hat er auch die Gamer unserer Familie erfasst. Seit der Erstveröffentlichung in Deutschland spielen K1 und ich No Man’s Sky auf der PS4. Erstes Fazit: Macht Spaß, wenn man sich darauf einlässt.
Die Handlung ist einfach: Erkunde das Universum – nicht mehr, nicht weniger. Der Spieler muss auf seinem Ursprungsplaneten Bodenschätze sammeln und seine Startdüsen und Impulsantrieb reparieren. Dann startet man erst mit seiner Rostlaube von Raumschiff names Rasamama S36, in die Weiten des Weltraums. Dort landet er auf unerforschte Planeten, nimmt Kontakt zu Außerirdischen auf, handelt mit ihnen, löst Rätsel, sammelt wiederum Bodenschätze und startet tiefer und tiefer in das unendliche All. Ziel ist es, den Mittelpunkt des Universums zu finden. Insgesamt gibt es 18.446.744.073.709.551.616 Planeten zu entdecken, reicht also für ein, zwei Tage intensiven Spiels. Je weiter der furchtlose Spieler vorstößt, desto schwieriger werden die Missionen und man muss sich mit allerhand aggressiven Zeitgenossen herumschlagen.
Als Trekkie mag ich dieses Spiel von Hello Games, denn es ein Spiel für Entdecker, für Träumer, für Reisende. K1 mag das Spiel, weil es an Mindcraft und Simulationen erinnert. Das Entdecken steht im Vordergrund, da Reisen zu fremden Welten, die nie ein Mensch zuvor betreten hat – oh, das war der Star Trek-Claim. Anders als Ego-Shooter sollte der Spieler entspannt an die Sache herangehen. Hektiker werden bei No Man’s Sky nicht froh. Entdecker brauchen Zeit, sollten sich umsehen können und sollten Eindrücke sammeln – das macht den Reiz des Spiels aus. Wer Gefechte und Action will, sollte bei Doom bleiben. No Man’s Sky ist anders und genau tut gut in unserer hektischen Zeit. Das Spiel entschleunigt.
Sammeln ist dabei das Stichwort. Der Spieler verfügt ein Multifunktionswerkzeug, das mal als Waffe, vor allem aber zum Ressourcen-Abbau verwendet wird. Dann gibt es noch einen Raumanzug und das Raumschiffchen. Mehr braucht es nicht, um neue Welten zu erkunden. Das geht übrigens nach dem Laden von Patch 1.03 deutlich besser. Die PC-Gamer scheinen Probleme zu haben, auf der PS4 läuft alles butterweich. Die zu erforschenden Welten erfreuen mein Herz als Space Opera-Fan, obwohl an der Grafik einiges zu meckern ist. Doch die wirklich guten Bilder entstehen im Kopf. Es gibt alle Arten von Flora und Fauna in unterschiedlichen Landschaften: Mal Wüste, mal Wald, mal Gewässer. Ich finde es beispielsweise faszinierend in Höhlen einzusteigen und sogar Stollen voranzutreiben. Immer bin ich auf der Suche nach Rohstoffen, nicht wie bei EVE um Handel zu treiben und nebenbei BWL zu studieren, sondern um voranzukommen und mehr zu forschen. Pflanzen enthalten freilich Kohlenstoff (Kohlenstoffeinheit Kirk kennen wir noch aus Enterprise), die Felsen sind aus Gold (!), Eisen, Kupfer und ab und zu gibt es auch Plutonium. Der Stoff liegt in roten Kristallsteinchen einfach so herum. Tiere, ähnlich Saurier, durchziehen die Landschaften. Wenn sie zahm sind, quietschen sie übrigens sehr nett.
Je mehr ich Kontakt mit Außerirdischen habe, desto mehr lerne ich ihre Sprache. Die einzelnen Wörter werden dann in Sätze eingebaut und im Laufe des Spiels werden die Aussagen der Außerirdischen verständlicher. Ich finde es eine nette Spielidee.
Dazu kommt ein gelungener Game-Soundtrack zu No Man’s Sky: Music for An Infinite Universe. Von der Band 65daysofstatic hatte ich noch nie etwas gehört. Im Soundtrack-Umfeld waren die Herrschaften bisher noch nicht tätig. 65daysofstatic ist eine instrumentale Math-Rock (?)- und Postrock-Band aus Sheffield, Großbritannien. Ihr Sound klingt gewaltig und passt auf jeden Fall zum Spiel No Man’s Sky. Der Soundtrack erschien als Doppel-CD. Es ist kein Vergleich zu klassischen Filmscores, aber zum Videospiel passt er allemal.
Über dem Projekt brüte ich schon eine ganze Weile. Meiner Meinung nach, brauchen wir Blogger eine Interessenvertretung. Seit gestern nimmt das Projekt konkrete Formen an. Der Bloggerclub wurde als Verein gegründet und nimmt in den nächsten Wochen seine Arbeit auf. Viele Leute haben sich über Monate Gedanken gemacht und intensiv hinter den Kulissen gearbeitet, Meetings durchgeführt, Satzungen erarbeitet und enorm viel geleistet. Großartig.
Klar ist doch, dass wir Blogger die deutsche und internationale Medienlandschaft stark prägen. Die Blogossphäre ist voll mit tollen Menschen mit tollen Ideen und tollen Blogs. Die Spanne ist enorm: Kleine private Blogs, Hobbyblogs, spitze Blogs zu allerlei Fachthemen, Wissenschaftsblogs bis hin zu Corporate Blogs, wie Unternehmensblogs heute heißen.
Während die Journalisten, Grafiker, PR-Leute alle ihre eigenen Verbände haben, hatten wir Blogger keine Interessenvertretung. Das ist seit gestern anders. Mit der Gründung des Bloggerclubs möchten wir diesen Missstand beheben.
Ein Teil des Vorstands des Bloggerclubs. Foto: Lohmeyer
Ich bin sehr dankbar, meinen alten Kollegen und Freund Franz Neumeier an meiner Seite zu haben. Foto: Goldmann
Bloggerclub nimmt Fahrt auf
Natürlich werden wir klein anfangen und nicht den zweiten Schritt vor den ersten machen. Gut Ding will Weile haben. Die nächsten Schritte nach den Gründungsformaliäten ist der Aufbau von Kommunikationskanälen. Klar im Fokus der Vereinstätigkeit ist die Aus- und Fortbildung von Bloggern. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, Blogger zu organisieren, zu schulen und weiter zu vernetzen. Mit dem PresseClub München haben wir hier einen hervorragenden Partner an der Seite.
Die ersten Gesprächsrunden für Mitglieder drehen sich um Monetarisierung, Affiliate, Google Adsense für Blogs, Newsletter für Blogs und bessere Videos für Blogger. Zudem wird sich der Bloggerclub auf weitere Städte ausbreiten – und freilich neue Mitglieder gewinnen.
Gemeinsame Basis ist dabei ein verbindlicher Bloggerkodex, zu dem sich alle Mitglieder verpflichten. Transparenz ist unser oberstes Gebot. Der Bloggerkodex regelt etwa klare Verhaltensmaßnahmen im Umgang mit Werbung, Unterstützung, Sponsoring und Verlosungen.
So wird man Mitglied im Bloggerclub
Der Verein befindet sich derzeit in der Gründung, der Mitgliedsbeitrag beträgt 60 Euro pro Jahr (ab 30. Juni 30 Euro). Seinen Sitz hat der Bloggerclub in den Geschäftsräumen des Internationalen PresseClub München e.V. (Tal 12/II, 80331 München). Hier gibt es die Satzung, Beitragsordnung und den Kodex unter bloggerclub-dokumente_08-08-2016. Und hier gibt es den Antrag auf Mitgliedschaft bloggerclub-mitgliedschafts-antrag. Gerne stehe ich für Fragen zur Verfügung.
Ich war und bin voll des Lobes über die Krisenkommunikation der Polizei München in den vergangenen Jahren. Bereits früher hab ich die Leistungen herausgestellt, wie bei den Ereignissen zu Silvester 2015 oder unlängst beim Amoklauf in München. Ich stehe hinter der Polizei und unterstütze sie.
Allerdings hat die Polizei in Bayern noch einen Nachholbedarf in Sachen moderner Kommunikation, wie sich jetzt für mich bei dem Anschlag in Ansbach herausstellte. Laptop und Lederhose gibt es nicht in ganz Bayern und das wäre dringend notwendig.
Am Morgen nach dem Attentat in Ansbach ging durch Twitter eine Nachricht mit folgendem Inhalt: „Videos und Bilder zum Tatgeschehen bitte an folgende Adresse senden: rba.mittelfranken@web.de #explosion #ansbach“ Der Absender war @polby_1 ein nichtverifizierter Account, der sich als Polizei Bayern ausgibt.
Ich war mir nicht sicher, ob sich dahinter wirklich die bayerische Polizei befindet.
Ich bin nicht ganz unerfahren in Sachen Social Media und das machte mich stuzig. Der Account ist nicht von Twitter verifiziert und jeder kann sich so einen Namen und Adresse anlegen. Woher soll der Bürger wissen, ob sich dahinter wirklich die Polizei aufhält? Das ist äußerst unprofessionell. Es könnte ja auch ein Depp sein, der Bilder von dem Attentat sammelt und sonst was damit macht.
Als zweites machte mich stutzig, dass zum Übertragen von Videos eine Web.de-Adresse angegeben wird. Web.de? Geht es noch unprofessioneller? Der Bürger soll ernsthaft Videos an eine Web.de-Adresse senden? Schon mal was von Datei-Upload gehört? In München wurde eine Upload-Seite eingerichtet und wir konnten die Bilder und Videos vom OEZ hochladen.
Mich hat das Ganze sehr verstört und ich habe nachgefragt. Es kam die Antwort in bestem Beamtendeutsch: „Es handelt sich dabei um eine Rückfallebene für Präsidien ohne Twitter-Kanal.“ Eine was bitte? Was ist jetzt eine Rückfallebene? Offizielle Nachrichtenseiten und später auch die Polizei München bestätigten, dass es sich bei @polby_1 um einen echten Twitter-Account der bayerischen Polizei handelt.
Die Polizei München bestätigt die Echtheit des Accounts.
Im Laufe des Vormittags will sich die Polizei um eine Verifizierung durch Twitter bemühen. Ob das so schnell geht? Beim Schreiben dieses Blogposts fehlte noch immer der blaue Haken. Von mehreren Seiten kam die Bestätigung, dass es sich wirklich um einen offiziellen Account der Polizei handelt. Es ist der Einsatzkanal der bay. Polizei. „Nur in Einsatzlagen aktiv. Keine Anzeigenaufnahme! Keine 24/7 Überwachung! In Notfällen immer die 110 wählen!“
Und dennoch: Hier muss sich der Freistaat Bayern besser aufstellen. So eine Unsicherheit bei den Bürgern darf auf keinen Fall vorkommen. Die Diskussionen um die nicht verifizierte Adresse sowie um das Web.de-Konto füllen das Netz. Wir Bürger wollen unsere Polizei unterstützen. Doch hier muss das Innenministerium auch die technischen Voraussetzungen schaffen. Social Media ist keine neue Erfindung.
Ich bin viel in der Ausbildung von Polizisten unterwegs. Immer wieder höre ich die schlechte technische Ausstattung bei den Beamten. Bitte stellt diesen Misstand schnell ab.
Ich bin seit Jahren mit dem Thema Medienkompetenz in Vorträgen vor Schülern, Lehrern und Eltern unterwegs. Nach dem Amoklauf in München setzt wieder die Debatte um die Killerspiele ein. Auf dem Rechner des Täters wurden solche Spiele gefunden. Ich höre aus dem Netz wieder Rufe nach einem Verbot solcher Spiele. Ich rufe zurück: Informiert euch und lernt Medienkompetenz.
In einem ZDF Spezial „Amoklauf in München – Eine Stadt im Ausnahmezustand“ wurde Bundesinnenminister Thomas de Maizieres vom ZDF-Moderator Matthias Fronoff interviewt. Vielen Dank an Patrick Heyer @patthemav für den Link. Der Moderator Fronoff gibt die Vorlage nach der Frage zu „gewaltlastigen Computerspielen“. Die Ursache sei nicht zu belegen, aber eine Verrohung liegt nahe. Er fragte den Minister: „Wollen Sie ran an dieses Thema?“
Bundesinnenminister Thomas de Maizieles im ZDF Interview.
Bundesinnenminister Thomas de Maizieres forderte in diesem Interview kein Verbot solcher Spiele, wie jetzt immer wieder aus dem Netz zu hören ist. Bundesinnenminister Thomas de Maizieres antwortete eindeutig. „Ich beobachte seit längerem mit Sorge die Verrohung der Gesellschaft. … Es ist eine Hasssprache eine Beleidigung eingezogen, insbesondere auch im Internet, die unserer Gesellschaft nicht gut zu Gesicht steht. So sind wir nicht und so wollen wir nicht sein. … Ich glaube, dass die extremen Gewaltspiele, die wir dort erleben, ob die nun Ursache sind oder Beschleuniger für solche Radikalisierungen und Gewaltexzesse ist mir fast schon egal. Aber wir müssen darüber reden, es ist kein gutes Spielmaterial für junge Menschen. Jetzt rufen alle nach einem Verbot. Das wird nicht gehen. Aber ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Internet, raus aus der Anonymität, den Namen sagen, unser Gesicht zeigen und mit Respekt miteinander umgehen. Das ist etwas, was uns nach solchen Tagen beschäftigen muss.“
Mit der Debatte über Medienkompetenz stimme ich mit dem Bundesinnenminister Thomas de Maizieres überein und stehe zur Verfügung. Das ist aktive Gesellschaftspolitik. In meinen Vorträgen über den Umgang mit Videospielen erkläre ich: „Videospiele sind heute ein Leitmedium der jungen Generation!“ Mit dieser Aussage konfrontierte ich beispielsweise Eltern und Schüler des Gymnasiums Münchberg. Die Regionalbeauftragte für Oberfranken der Hanns Seidel Stiftung Sabine Habla hatte in Kooperation mit dem Gymnasium zu Vorträgen geladen und über 200 Eltern und Schüler folgten der Einladung.
Videospiele bestimmen das Freizeitverhalten
Videospiele bestimmen das Freizeitverhalten der Jugendlichen in einem hohen Maß.. Ich selbst begann in seiner Jugend mit dem Atari 2600 und steift heute durch die Welt der Spiele. Während früher die Welten getrennt waren, wächst heute alles zusammen. Wir haben eine Vermischung der Medien, die Konvergenz nimmt zu und dadurch auch die Mediennutzung in der Gesellschaft. Wichtigstes Device ist sicherlich das Smartphone, das die Mediennutzung revolutioniert hat. Wir haben das Smartphone immer und überall dabei – und als Zeitvertreib werden Spiele-Apps am Smartphone stark genutzt. Aber auch Streaming-Angebote wie Apple TV oder Amazon Fire TV setzen nicht nur auf das Ausstrahlen von Filmen, sondern auch auf das Laden von Spielen.
Vor allem durch YouTube als zweitwichtigstes soziales Netzwerk verbreiten sich Spiele bei der jungen Zielgruppe rasant. YouTuber wie Gronkh haben mit ihren Let’s play-Videos riesigen Erfolg. Dabei kennt kaum ein Erwachsener die Namen wie Gronkh, Dner, PietSmiet, Sarazar, ungespielt, GermanLetsPlay, ConCrafter, Rewinside, GommeHD oder Paluten. „Hier haben sich Eltern von der Mediennutzung ihrer Kinder völlig entkoppelt, „stelle ich klar und mahne Medienkompetenz bei Eltern und Schülern an.
Zudem sind Videogames heute ein offizieller Beitrag zur Kultur. „Videogames sind junge künstlerische Ausdrucksform, die eine Fusion aus Musik, Film und Literatur bilden, ergänzt um interaktive Elemente. Damit gebührt Videospielen der Platz als gleichberechtigte Säule im kulturellen Kanon unserer Gesellschaft“, so ein Leitsatz der Vereinigung Videospielkultur e.V. Videospiele haben seit 2008 einen festen Platz im Deutschen Kulturrat. Zur Begründung hieß es, die Branche sei Auftraggeber für Künstler unterschiedlicher Sparten wie Designer, Drehbuchautoren bis hin zu Komponisten. Drehbuchautoren, die früher die Grundlagen für Kino-Filme lieferten, schreiben jetzt Drehbuch für Videospiele und Filmmusiker, die früher Filmmusik für Kinoschlager produzierten, schaffen nun die Musik für Videospiele. Klar sei aber auch, nicht jedes Spiel sei ein wertvoller kultureller Beitrag, ebenso wie nicht jedes Musikstück ein Beitrag zur Hochkultur sei.
In 40 Jahren haben Videospiele die Populärkultur beeinflusst, wie kaum eine andere Kunstform des 20. Jahrhunderts. Markennamen wie Mario, GameBoy, Lara Croft oder Pokémon kennen heute viele und sind mit ihnen groß geworden. „Videospiele zählen kulturell als auch ökonomisch zu den bedeutendsten Medientrends des 21. Jahrhunderts“ zitier ich den heutigen Leiter der BLM Siegfried Schneider.
Eltern müssen hinsehen
Bei all der Eurphorie müssten aber Eltern genau hinschauen, was ihre Kinder spielen. Der Bereich der Egoshooter sei extrem populär. Counter Strike sei nach wie vor ein Klassiker und werde bei eSports-Veranstaltungen als Wettbewerbsspiel gespielt. Vor 15 Jahren war das Gymnasium Münchberg in den Medien als ein Schüler online Maps für Counter Strike vom Gymnasium bereit stellte. Hier hört für mich der Spaß auf. Ich brauche keine Maps von der Schule, um dann dort einen Ego-Shooter zu spielen. Klar ist aber auch: Nicht jeder der Counter Strike spielt, ist ein potenzieller Massenmörder.
Starken Eindruck auf die Eltern machte die nächste Generation von Spielen, die über VR Brillen gespielt werden. Brillen wie Samsung VR, Sony VR für PS4, Microsoft Hololens oder das Highend-Modell Oculus Rift werden das Spiel in eine neue Dimension tragen. Der Spieler taucht durch die Brille voll in die Spielewelt ein. Ablenkungen wie sie heute noch möglich sind, werden ausgeblendet. Das Spielerlebnis wird gesteigert und auch die Gefahr sich in der virtuellen Spielewelt zu verlieren. Es gilt jetzt mehr denn je genau hinzuschauen. Ich rufe besonders die Schüler auf, ein Auge auf Mitschüler zu achten. Spielsucht ist eine ernstzunehmende Krankheit.
Merkmale von Spielsucht
Die Merkmale von Spielsucht sind vielfältig. Die Nutzung von Spielen wird immer häufer, länger und intensiver und die realen Freundschaften brechen immer mehr weg. Die Beziehungskontakte werden ausschließlich virtuell und die Leistungsfähigkeit in Schule und Beruf nehmen rapide ab. Ein weiteres Kennzeichen: Wenn das Spielgerät nicht zur Verfügung steht, dann treten innere Unruhe, Depressionen und Aggressionen auf. Es kommt zum ständigen Streit zwischen den Angehörigen über die Nutzung des Spielgeräts und trotz negativer Konsequenzen ändert sich nichts am Verhalten.
Damit es nicht soweit kommt, empfehle ich: Sprechen Sie mit Ihrem Kind im Vorfeld. Informieren und interessieren Sie sich, was Ihr Kind spielt. Und spielen Sie doch einfach mal mit. Hinweise wie Altersfreigabe und klare Regeln sind eigentlich selbstverständlich. Aber auch: Bieten Sie Alternativen und seien Sie als Erwachsene ein Vorbild.