Archive for the ‘Film’ Category

Die Ferien des Monsieur Hulot – Matinee am Sonntag, 31. August im Scala FFB

29. August 2025

Die Ferien des Monsieur Hulot (Originaltitel: Les Vacances de Monsieur Hulot) ist eine französische Filmkomödie von Jacques Tati aus dem Jahr 1953 und gilt als einer der großen Klassiker des europäischen Nachkriegskinos. Der Film markierte Tatis internationalen Durchbruch und begründete seinen Ruf als Meister der visuellen Komödie. Ich bespreche und zeige diese Komödie am Sonntag 31. August im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Im Mittelpunkt steht der charmant unbeholfene Monsieur Hulot, gespielt von Tati selbst, der seinen Sommerurlaub in einem kleinen Badeort an der französischen Atlantikküste verbringt. Mit seinem markanten Auftreten, seiner Pfeife und dem leicht schlurfenden Gang wird Hulot schnell zur auffälligsten Figur in der ansonsten ruhigen Ferienidylle. Sein gutmütiges, aber oft unbedachtes Verhalten führt immer wieder zu kleinen Katastrophen und unerwartet komischen Situationen: Türen klemmen, Boote kentern, Tennisspiele laufen aus dem Ruder, und das Hotelpersonal gerät mehr als einmal an seine Grenzen.

Die Handlung selbst ist bewusst minimalistisch und episodisch angelegt. Statt einer durchgehenden Geschichte entfaltet der Film eine lose Abfolge von Alltagsbeobachtungen und humorvollen Vignetten, die das Ferienleben in der französischen Gesellschaft der frühen 1950er-Jahre widerspiegeln. Dabei richtet Tati den Blick gleichermaßen auf die kleinen Eitelkeiten der Urlaubsgäste wie auf die sozialen Unterschiede zwischen ihnen. Die scharf gezeichneten Charaktere – vom versnobten Großstädter über die Familie aus der Mittelschicht bis hin zum Einzelgänger Hulot – dienen Tati als Spiegel einer Gesellschaft im Umbruch.

Charakteristisch für den Film ist Tatis fast vollständiger Verzicht auf klassische Dialogführung. Gesprochen wird zwar, aber die Gespräche stehen nie im Mittelpunkt. Stattdessen arbeitet der Regisseur mit Körpersprache, Mimik, präzisem Timing und Geräuschkulissen. Die Klanggestaltung ist dabei von entscheidender Bedeutung: Das leise Schlagen von Türen, das Knarzen von Böden oder das Rauschen des Meeres werden zu dramaturgischen Elementen, die die Komik verstärken und den Film zu einem audiovisuellen Erlebnis machen.

Im Gegensatz zu amerikanischem Slapstick ist Tatis Humor subtiler und zurückhaltender. Er lebt von der Beobachtung kleiner Absurditäten des Alltags, von Missverständnissen und dem Kontrast zwischen individueller Eigenwilligkeit und gesellschaftlichen Erwartungen. Gerade dieser Ansatz macht den Film bis heute zeitlos und universell verständlich.

Die Ferien des Monsieur Hulot wurde nicht nur beim Publikum, sondern auch bei der Kritik begeistert aufgenommen. Der Film gewann unter anderem den Internationalen Preis bei den Filmfestspielen von Cannes 1953 und erhielt 1956 eine Oscar-Nominierung für das beste Drehbuch. Zudem etablierte er die Figur des Monsieur Hulot, die Tati in späteren Filmen wie Mein Onkel (1958) oder Playtime (1967) weiterentwickelte.

Heute gilt der Film als Meilenstein des französischen Kinos und als Paradebeispiel für die Kunst, mit minimalistischen Mitteln große Wirkung zu erzielen. Tatis feinfühlige Beobachtungsgabe, sein Sinn für Rhythmus und sein Gespür für leise Komik machen Die Ferien des Monsieur Hulot zu einem Werk, das weit über seine Entstehungszeit hinaus relevant geblieben ist – eine poetische Momentaufnahme des französischen Gesellschaftslebens, verpackt in sanften Humor und charmante Leichtigkeit. Ich bespreche und zeige diese Komödie am Sonntag 31. August im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Von Bambi bis Bettgeflüster – Filmlegenden, die Generationen bewegt haben als Filmprogramm

28. August 2025

Von einer guten Bekannten habe ich eine Kiste mit Filmprogrammen aus den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts geschenkt bekommen. Ich habe mich sehr darüber gefreut und nun beginnt das Sichten. Es handelt sich u.a. um die Illustrierte Filmbühne, deren Nachfolger ich in den achtziger Jahren gesammelt habe. Ich habe in einem Video ein paar Programme herausgezogen, die mir persönlich etwa bedeuten und stelle sie vor.

Illustrierte Filmbühne
Die „Illustrierte Filmbühne“ war eine deutsche Filmprogrammreihe, die von 1946 bis 1969 erschien und heute zu den begehrten Sammlerstücken der Filmgeschichte zählt. Es handelte sich um kleine, handliche Hefte im Taschenformat, die vor allem in Kinos verkauft wurden. Ihr Zweck war es, die jeweils aktuellen Filme zu bewerben und dem Publikum zusätzliche Hintergrundinformationen an die Hand zu geben.

Die Hefte zeichneten sich durch ihre liebevolle Gestaltung aus: Auf dem Titelblatt prangte meist ein auffälliges Foto oder ein Plakatmotiv des Films, während im Inneren kurze Inhaltsangaben, Szenenfotos und Porträts der Hauptdarsteller zu finden waren. Häufig gab es außerdem Hintergrundinformationen über Regisseure, Schauspieler oder die Entstehungsgeschichte des Films. Mit einem Umfang von meist nur vier bis acht Seiten waren die Hefte kompakt, aber reich bebildert und boten Kinogängern eine bleibende Erinnerung an ihren Besuch.

In der Nachkriegszeit war die „Illustrierte Filmbühne“ eines der wichtigsten Filmwerbemittel in Westdeutschland. Während große Filmmagazine allgemeine Trends beleuchteten, begleiteten diese kleinen Programme konkret den jeweiligen Kinofilm. Für viele Zuschauer waren sie die einzige Möglichkeit, Szenenbilder und Produktionsinformationen mit nach Hause zu nehmen. Die Hefte deckten ein breites Spektrum ab: von deutschen Produktionen bis zu großen Hollywood-Klassikern wie Casablanca, Vom Winde verweht oder 12 Uhr mittags.

Heute sind die Ausgaben der „Illustrierten Filmbühne“ bei Sammlern sehr beliebt. Ihr Wert hängt stark von der Seltenheit, dem Zustand und dem Filmklassiker-Status ab. Besonders begehrt sind Ausgaben mit ikonischen Covern oder Filmen, die Filmgeschichte geschrieben haben. Für Filmfreunde sind diese Hefte nicht nur nostalgische Erinnerungsstücke, sondern auch wertvolle Zeugnisse der deutschen Kino- und Kulturgeschichte.

Und hier die Programme aus meinem Video, chronologisch geordnet. Am Schluss sogar ein wirklicher Hammer.

Vom Teufel gejagt 1950
Der Film ist ein Kriminaldrama. Hans Albers spielt den ehemaligen Meisterdetektiv Rolf Bernt, der sich eigentlich aus dem aktiven Dienst zurückgezogen hat. Doch als eine Serie mysteriöser Verbrechen die Stadt erschüttert, wird er erneut in die Ermittlungen hineingezogen.

Bambi 1942
Der Disney-Zeichentrickfilm „Bambi“ aus dem Jahr 1942 ist ein berührendes Tier- und Naturdrama, basierend auf dem Roman von Felix Salten. Der Film war ursprünglich 1942 in den USA uraufgeführt worden, kam aber wegen des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegsjahre erst acht Jahre also 1950 später in die deutschen Kinos. Das junge Rehkitz Bambi wird im Wald geboren und wächst behütet von seiner Mutter auf. Gemeinsam mit seinen Freunden, dem Hasen Klopfer und dem Stinktier Blume, entdeckt er spielerisch die Wunder der Natur. Doch das idyllische Leben wird jäh unterbrochen, als Bambis Mutter von einem Jäger erschossen wird.

Rampenlicht 1952
Der gealterte Clown und Komiker Calvero (Charlie Chaplin) hat seine besten Jahre hinter sich und kämpft mit dem Bedeutungsverlust seiner Karriere. Eines Tages rettet er die junge Ballerina Terry (Claire Bloom) vor einem Selbstmordversuch. Zwischen den beiden entwickelt sich eine tiefe Freundschaft. Calvero hilft Terry, neues Selbstvertrauen zu gewinnen und ihre Karriere als Tänzerin wieder aufzubauen. Während sie Erfolg hat, sinkt Calvero immer weiter in Vergessenheit.

Don Camillo und Peppone 1952
Der Film „Don Camillo und Peppone“ (Don Camillo, 1952) ist eine italienisch-französische Komödie.
In einem kleinen Dorf in der Po-Ebene der Nachkriegszeit stehen sich zwei Gegensätze gegenüber Don Camillo (Fernandel), der temperamentvolle katholische Pfarrer Peppone (Gino Cervi), der kommunistische Bürgermeister. Beide vertreten leidenschaftlich ihre Überzeugungen und geraten ständig in Streit – ob es um Politik, Glauben oder Dorffragen geht. Ihre Auseinandersetzungen führen zu vielen humorvollen, aber auch rührenden Situationen. Trotz aller Rivalität verbindet die beiden jedoch eine heimliche Freundschaft und gegenseitiger Respekt.

Die Wüste lebt 1953
Der Film „Die Wüste lebt“ (The Living Desert) aus dem Jahr 1953 ist ein Dokumentarfilm von Walt Disney aus der Reihe True-Life Adventures. Der Film zeigt das faszinierende Leben in der nordamerikanischen Wüste und kombiniert beeindruckende Naturaufnahmen mit erzählerischem Witz. Gezeigt werden verschiedene Tiere wie Skorpione, Schlangen, Echsen, Schildkröten, Vögel und Insekten, die sich an die extremen Bedingungen der Wüste angepasst haben. Besonders bekannt ist die Szene eines „Tanzes“ der Skorpione, die mit Musik unterlegt ist. Der Film erklärt auf unterhaltsame Weise das Zusammenspiel von Überlebensstrategien, Nahrungsketten und Naturkreisläufen in dieser rauen Umgebung.

Desirée 1954
Der Film „Desirée“ aus dem Jahr 1954 ist ein historisches Liebesdrama mit Marlon Brando als Napoleon Bonaparte und Jean Simmons als Désirée Clary. Die junge Kaufmannstochter Désirée Clary aus Marseille verliebt sich in den ehrgeizigen Offizier Napoleon Bonaparte. Die beiden verloben sich, doch Napoleon verlässt sie bald, um seine militärische und politische Karriere voranzutreiben, und heiratet schließlich Joséphine. Désirée ist tief verletzt, findet aber später ihr Glück an der Seite eines französischen Generals, der später König von Schweden wird. Der Film verwebt Liebesgeschichte und Weltgeschichte und zeigt, wie persönliche Schicksale und große historische Ereignisse miteinander verbunden sind.

Sauerbruch 1954
Der Film „Sauerbruch – Das war mein Leben“ aus dem Jahr 1954 ist ein biografisches Drama über den berühmten deutschen Chirurgen Prof. Dr. Ferdinand Sauerbruch, gespielt von Ewald Balser. Er entwickelt bahnbrechende chirurgische Methoden, insbesondere im Bereich der Brustkorbenchirurgie, und kämpft unermüdlich für den medizinischen Fortschritt.

Ladykillers“ (1955)
Die exzentrische ältere Dame Mrs. Wilberforce (Katie Johnson) vermietet ein Zimmer an den geheimnisvollen Professor Marcus (Alec Guinness). Er gibt vor, mit seinen vier Begleitern ein Streichquartett zu sein. In Wirklichkeit plant die Bande einen Überfall auf einen Geldtransporter.

Susi und Strolch 1955
Der Disney-Zeichentrickfilm „Susi und Strolch“ (Lady and the Tramp) aus dem Jahr 1955 ist ein romantisches Abenteuer für die ganze Familie. Die wohlerzogene Cocker-Spaniel-Hündin Susi lebt behütet bei einer wohlhabenden Familie. Ihr ruhiges Leben ändert sich, als ein Baby ins Haus kommt und sie weniger Beachtung findet. Zufällig trifft sie den streunenden Mischlingsrüden Strolch, der frei und ungebunden auf der Straße lebt.

Der Prinz und die Tänzerin 1957
Der Film „Der Prinz und die Tänzerin“ (The Prince and the Showgirl) aus dem Jahr 1957 ist eine romantische Komödie mit Marilyn Monroe und Laurence Olivier, der auch Regie führte.
Im Jahr 1911 kommt der steife und pflichtbewusste Prinz-Regent von Karpathien (Laurence Olivier) nach London zur Krönung von König George V. Dort trifft er auf die lebenslustige amerikanische Tänzerin Elsie Marina (Marilyn Monroe). Der Prinz lädt sie in seine Residenz ein, zunächst mit eindeutigen Absichten, doch Elsie überrascht ihn mit Witz, Charme und Schlagfertigkeit.

Das Wirtshaus im Spessart“ 1958
Der Film „Das Wirtshaus im Spessart“ aus dem Jahr 1958 ist eine deutsche Musikkomödie mit Liselotte Pulver in der Hauptrolle, basierend auf der Novelle von Wilhelm Hauff. Die junge Gräfin Franziska (Liselotte Pulver) reist mit ihrem Verlobten und dessen Diener durch den Spessart. Als sie in einem abgelegenen Wirtshaus übernachten, werden sie von einer Bande Straßenräuber entführt, die Lösegeld erpressen wollen. Doch Franziska erweist sich als clever und mutig: Sie verkleidet sich, überlistet die Räuber und versucht, ihre Begleiter zu befreien.

Bettgeflüster 1959
Der Film „Bettgeflüster“ (Pillow Talk) aus dem Jahr 1959 ist eine romantische Komödie mit Doris Day und Rock Hudson in den Hauptrollen. Die erfolgreiche Innenarchitektin Jan Morrow (Doris Day) und der charmante Komponist Brad Allen (Rock Hudson) müssen sich in New York eine Telefonleitung teilen. Brad nutzt die Leitung ständig für seine Flirts, was Jan wahnsinnig macht.

Vom Winde verweht (1939/1953)
Die Deutschlandpremiere des Films „Vom Winde verweht“ fand am 15. Januar 1953 in München statt. Der Film wurde bereits 1939 in den USA uraufgeführt, konnte aber während der NS-Zeit in Deutschland nicht regulär starten. Zum einen galt der Roman von Margaret Mitchell als „kulturfremd“, außerdem waren US-Filme generell nur eingeschränkt oder gar nicht zugelassen. Nach dem Zweiten Weltkrieg verzögerte sich die Auswertung zusätzlich wegen der Rechtefragen und der Neuordnung der Filmwirtschaft in Deutschland. Für die deutsche Erstaufführung 1953 wurde der Film komplett synchronisiert.
Die erste Synchronfassung war recht frei in der Übersetzung und trug stark den Ton der 1950er-Jahre.
1977 wurde der Film noch einmal neu synchronisiert, um ihn näher am Originaldialog zu halten.

Mein Ticket zum Shining Party im Overloock

24. August 2025

Wer zur Party zum Overloock Hotel Ball gehen möchte, der braucht eine Eintrittskarte. Diese hab ich mir jetzt besorgt und daher kann ich den Geisterball besuchen.

Jetzt traf das 24 Karat Gold-Ticket bei mir ein. Es ist auf 1980 Exemplare nummeriert, klar in diesem Jahr entstand einer der schrecklichsten Horrorfilme überhaupt: The Shining von Meisterregisseur Stanley Kubrick.

Als Kubrick-Fan musste ich diese Eintrittskarte unbedingt haben. Ich habe die Nummer 0011, bin also ein Frühbucher für den Gold Room am 4. Juli. Der Dress Code ist Black Tie, steht auf dem Ticket und auf der Verpackung sind die Grady-Zwillinge. Vielleicht bekomm ich sogar das Zimmer 237.

Also nur 1980 Exemplare, dafür aber pures Kino-Gold: das limitierte „The Shining – Gold Ticket“ besteht aus 24 Karat Gold, und dieses Sammlerstück glänzt so hell wie Jack Nicholsons Grinsen hinter der Tür. Mit ihm öffnen sich zwar keine Hotelzimmer im Overlook, aber dafür die Herzen echter Kubrick-Fans.

Ein Hinweis: Wer glaubt, er könne mit dem Ticket den Aufzug rufen – bitte nicht wundern, wenn statt des Barkeepers Lloyd nur der Hausmeister auftaucht. Und falls jemand versucht, damit im Labyrinth den Ausgang zu finden – viel Glück.

Zwölf Uhr mittags – Western Matinee am Sonntag, 24. August im Scala FFB

22. August 2025

Zwölf Uhr mittags gilt nicht ohne Grund als Klassiker des Westerngenres und als filmisches Meisterwerk. Durch die besondere Verknüpfung formaler Mittel – Regie, Kamera, Schnitt, Musik und Schauspiel greifen ineinander – entfaltet der Film eine zeitlose Wirkung. In unserer Western-Matinee im Scala Fürstenfeldbruck zeigen wir diesen Klassiker am Sonntag, 24. August um 10:45 Uhr zusammen mit einer Einführung. Karten gibt es hier.

Fred Zinnemanns reduzierte Inszenierung und Crosbys prägnante Schwarzweiß-Bilder schaffen eine dichte Atmosphäre zwischen flirrender Hitze und eiskalter Angst. Die nahezu in Echtzeit erzählte Handlung baut eine unerträgliche Spannung auf, unterstützt vom taktgebenden Tick der Uhren und Tiomkins eindringlicher Musik.

Dabei bleibt der Film immer mehr als ein Thriller: In seinem Kern ist es eine moralische Fabel über Mut und Verantwortung. Der einsame Held, der im Stich gelassen wird, spricht universelle Gefühle an – sei es in Bezug auf politische Verfolgung im Kalten Krieg oder ganz allgemein auf die Einsamkeit desjenigen, der gegen den Strom schwimmt.

Trotz (oder gerade wegen) seiner Einfachheit erlaubt High Noon vielfältige Deutungen und behält eine aktuelle Relevanz: Themen wie Zivilcourage, Loyalität und Angst vor sozialer Ächtung sind zeitlos. Formal besticht der Film durch seinen konsequenten Bruch mit Western-Konventionen und die Konzentration auf Spannung durch Zeitdruck und Charakterzeichnung statt durch Action. Diese stilistische und inhaltliche Stringenz macht Zwölf Uhr mittags zu einem Paradebeispiel dafür, wie filmische Stilmittel – von der Bildkomposition über die Montage bis zur musikalischen Untermalung – gezielt eingesetzt werden können, um Spannung zu erzeugen und eine Aussage zu transportieren.

Nicht zuletzt dank der herausragenden schauspielerischen Darstellung Gary Coopers und seiner Kollegen wird der Zuschauer emotional mitgerissen und zum Nachdenken angeregt. Zwölf Uhr mittags ist somit weit mehr als ein Western: ein Stück Filmgeschichte, das Unterhaltung mit Tiefgang verbindet, und ein filmisches Lehrstück darüber, wie Form und Inhalt sich perfekt ergänzen können. Wir freuen uns, diesen Klassiker am Sonntag, 24. August um 10:45 Uhr zeigen zu können. Karten gibt es hier.

Vierzig Wagen westwärts – Rückblick auf meine Western-Matinee

16. August 2025

Vierzig Wagen westwärts („The Hallelujah Trail“, 1965) ist eine Westernkomödie, die den Wilden Westen gehörig auf die Schippe nimmt. Im Frühsommer besprach ich ihn bei meine Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Am 24. August geht es weiter mit dem Klassiker High Noon – 12 Uhr mittags. Karten gibt es hier.

Statt heldenhafter Revolverduelle oder epischer Indianerschlachten dreht sich alles um ein hochbrisantes Thema: den Transport von 40 Wagenladungen Whisky durch die staubige Prärie. Zwischen hitzigen Temperenzlerinnen, durstigen Siedlern, strategisch überforderten Militärs und cleveren Indianern entwickelt sich ein turbulentes Chaos, das zeigt: Im Westen ging es nicht immer nur um Gold oder Ruhm – manchmal schlicht ums nächste Glas. Mit satirischem Witz, überzeichneter Action und einem Augenzwinkern macht der Film klar, dass die Mythen des Westerns auch wunderbar komisch erzählt werden können. Hier ist mein Vortrag zum Film.

Regisseur John Sturges („Die glorreichen Sieben“) bleibt seinem Ruf als Action-Spezialist treu, setzt aber diesmal auf augenzwinkernde Ironie und Parodie. Der Film nimmt die klassischen Westernmotive – den Treck durch die Wildnis, den Kampf um Ressourcen, Indianerüberfälle und den ewigen Konflikt zwischen Männern und Frauen – und überzeichnet sie genüsslich. Statt um Gold oder Land geht es hier um das „Recht auf Rausch“, und der Film macht daraus keinen Hehl: Der Whiskey ist der eigentliche Star der Geschichte.

Die Gagdichte ist aus heutiger Sicht eher niedrig, doch die meisten Pointen sitzen. Es handelt sich um eine altmodische Komödie, bei der nicht jeder Gag ein Brüller sein muss, aber der Humor ist beständig und sorgt für viele Schmunzler. Besonders gelungen sind die großen Actionszenen, etwa die „Schlacht an den Whiskeybergen“ im Sandsturm und das Finale mit Dutzenden von Wagen und Stuntmen – auch wenn letzteres von einem tragischen Unfall während der Dreharbeiten überschattet wurde. Sturges inszeniert in Ultra Panavision 70, was dem Film einen epischen Look verleiht. Die Ausstattung, Kostüme und Landschaftsaufnahmen sind opulent und tragen zum nostalgischen Western-Feeling bei. Die Musik von Elmer Bernstein unterstreicht den augenzwinkernden Ton und sorgt für zusätzliche Atmosphäre.

Am 24. August geht es weiter mit dem Klassiker High Noon – 12 Uhr mittags. Karten gibt es hier.

Filmklassiker neu erleben – große Gefühle am Sonntagmorgen im Scala – August bis Dezember

15. August 2025

Meine Kino-Matineen im Scala-Kino Fürstenfeldbruck gehen weiter. Die Planungen bis zum Jahresende 2025 sind abgeschlossen und ich bin davon überzeugt, ein spannendes Vortrags- und Filmprogramm zusammengestellt zu haben. Zusammen mit Markus Schmölz, dem Geschäftsführer des Scalas, habe ich ein abwechslungsreiches Paket geschnürt und zahlreiche Wünsche der Zuschauer berücksichtigt. Alle Vorführungen starten am Sonntag um 10:45 Uhr mit einem Vortrag und anschließend der Film.

Am Sonntag, 24. August bespreche ich High Noon – 12 Uhr mittags. „12 Uhr mittags“ (Originaltitel: High Noon, 1952) gilt als einer der stilbildenden Klassiker des Western-Genres. Regisseur Fred Zinnemann inszenierte mit Gary Cooper in der Hauptrolle einen Film, der weit über den Western hinausweist: eine Parabel über Pflicht, Moral und Zivilcourage. Die Geschichte – ein Sheriff, der kurz vor seinem Ruhestand allein gegen eine Bande von Gangstern steht, während die Stadtbewohner ihn im Stich lassen – entfaltet sich in nahezu „Echtzeit“. Das stetige Näherkommen von 12 Uhr, symbolisiert durch die immer wieder eingeblendete Uhr, erzeugt eine fast unerträgliche Spannung. Karten gibt es hier.

Am Sonntag 31. August geht es weiter mit dem Komödienklassiker Die Ferien des
Monsieur Hulot
. „Die Ferien des Monsieur Hulot“ (1953, Regie: Jacques Tati) ist ein Meilenstein der Filmkomödie und zugleich eine liebevolle Satire auf die bürgerliche Feriengesellschaft der Nachkriegszeit. In episodischen Szenen zeigt Tati, wie sein unbeholfener, doch herzensguter Monsieur Hulot mit kleinen Missgeschicken und absurden Zufällen das Leben eines Badeortes durcheinanderbringt. Statt lauter Pointen setzt der Film auf feine Beobachtungen, subtile Gesten und das Spiel mit Geräuschen. Dialoge treten in den Hintergrund, wodurch Tatis einzigartiger Sinn für visuelle Komik zur Geltung kommt. Karten gibt es hier.

Wieder eine Komödie am 14. September mit dem Film Eins, zwei, drei. „Eins, zwei, drei“ (1961, Regie: Billy Wilder) ist eine rasante Politkomödie, die mit atemberaubendem Tempo den Kalten Krieg auf die Schippe nimmt. James Cagney brilliert als Coca-Cola-Manager in West-Berlin, der zwischen amerikanischem Kapitalismus, sowjetischem Kommunismus und deutscher Bürokratie jonglieren muss. Der Film lebt von seinem Wortwitz, dem gnadenlosen Rhythmus und Wilders Gespür, politische Gegensätze in pure Komödie zu verwandeln. „Eins, zwei, drei“ ist bissige Satire, temporeiches Screwball-Kino und zugleich ein Zeitdokument des geteilten Berlins – bis heute frisch und hochkomisch. Karten gibt es hier.

Eine Mischung aus Komödie und Horror gibt es am 21. September mit Shaun of the Dead. „Shaun of the Dead“ (2004, Regie: Edgar Wright) ist eine kongeniale Mischung aus Zombie-Horror und britischer Komödie. Mit scharfem Witz, perfektem Timing und unerschütterlicher Alltäglichkeit erzählt der Film, wie der träge Shaun (Simon Pegg) beim Versuch, sein Leben zu ordnen, mitten in einer Zombie-Apokalypse landet. Wrights detailverliebte Inszenierung, die popkulturellen Anspielungen und der Balanceakt zwischen Slapstick, Gesellschaftssatire und echtem Horror machen den Film zum modernen Kultklassiker. „Shaun of the Dead“ ist zugleich Parodie und Liebeserklärung an das Zombie-Genre – clever, rasant und unvergesslich komisch. Karten gibt es hier.

Heftig komisch und eine Provokation ist am 5. Oktober der Film Die Ritter der
Kokosnuss.
„Die Ritter der Kokosnuss“ (1975, Monty Python) ist eine anarchische Parodie auf die Artus-Sage und einer der einflussreichsten Kultfilme der Comedy-Geschichte. Mit absurdem Humor, legendären Sketchen – vom Killerkaninchen bis zum „Ni“-Ritter – und respektloser Spielfreude zerlegt das britische Ensemble alle Konventionen des Historien- und Abenteuerfilms. Der Film ist bis heute ein Paradebeispiel für Monty Pythons einzigartigen Stil: intelligent, albern, subversiv und zeitlos komisch.

Am 26. Oktober kommt wieder ein Western auf die Leinwand: Django. „Django“ (1966, Regie: Sergio Corbucci) ist einer der prägenden Italowestern und gilt als düstere Antwort auf Sergio Leones Klassiker. Franco Nero verkörpert den wortkargen Revolvermann, der mit einem geheimnisvollen Sarg durch trostlose Landschaften zieht und zwischen rivalisierenden Banden aufreibt.
Brutalität, Zynismus und die ikonische Titelfigur machten Django zum Kultfilm und zum Symbol des Spaghettiwesterns – ein Werk, das zahllose Nachfolger inspirierte und bis heute Genregeschichte schreibt.

Am 9. November wird es politisch unkorrekt mit Der Partyschreck. „Der Partyschreck“ (1968, Regie: Blake Edwards) ist eine zeitlose Slapstick-Komödie mit Peter Sellers in einer seiner größten Rollen. Als unbeholfener indischer Schauspieler Hrundi V. Bakshi sorgt er auf einer mondänen Hollywood-Party für ein Chaos, das sich von einer kleinen Panne zum kompletten Desaster steigert.
Mit perfektem Timing, minimalem Dialog und meisterhaft choreographierter Situationskomik entfaltet der Film eine fast musikalische Abfolge von Gags. Der Partyschreck ist eine Glanzstunde des visuellen Humors – elegant, pointiert und bis heute von ungebrochener Komik.

Für mich einer der wichtigsten Horrorfilme überhaupt ist The Shining, den ich am 16. November bespreche. „The Shining“ (1980, Regie: Stanley Kubrick) ist ein Meisterwerk des psychologischen Horrors und eine der einflussreichsten Stephen-King-Verfilmungen. Mit der klaustrophobischen Enge des Overlook-Hotels, Jack Nicholsons ikonischer Performance und Kubricks perfekter Bildsprache entsteht ein beklemmender Albtraum aus Wahnsinn, Isolation und Gewalt.
Der Film verbindet subtile Schreckmomente mit unvergesslichen Bildern und hat das Horror-Genre nachhaltig geprägt – ein Klassiker, der seine unheimliche Wirkung bis heute nicht verloren hat.

Am 21. Dezember geht es auf Weihnachten zu und da darf der Klassiker Schöne Bescherung nicht fehlen. „Schöne Bescherung“ (Originaltitel: National Lampoon’s Christmas Vacation, 1989) ist eine der beliebtesten Weihnachtskomödien überhaupt. Chevy Chase glänzt als ewiger Pechvogel Clark Griswold, der alles für das perfekte Familienfest tun will – und dabei in einer Kette herrlich chaotischer Missgeschicke versinkt.
Mit viel Slapstick, pointiertem Wortwitz und liebevollem Familienchaos verbindet der Film bissige Satire mit herzerwärmender Weihnachtsstimmung. Schöne Bescherung ist längst ein Kultklassiker für die ganze Familie und gehört fest zur alljährlichen Adventstradition.

Das Jahr schließt mit einem Western. Erbarmungslos kommt am 28. Dezember. „Erbarmungslos“ (Originaltitel: Unforgiven, 1992, Regie: Clint Eastwood) ist ein Spätwestern, der den Mythos des Genres schonungslos dekonstruiert. Eastwood spielt den gealterten Revolvermann William Munny, der widerwillig für einen letzten Auftrag zur Waffe greift – und dabei mit seiner eigenen Vergangenheit und der Gewalt des Westens konfrontiert wird.
Mit rauer Bildsprache, leisen Zwischentönen und großartigen Darstellern wie Gene Hackman und Morgan Freeman zeigt der Film den Western nicht als Heldensaga, sondern als moralisch ambivalentes Drama. Erbarmungslos wurde mit vier Oscars ausgezeichnet und gilt als einer der bedeutendsten Western der Filmgeschichte.

Ich danke allen, die mitgeholfen haben, dass diese Reihe ein Erfolg wird.

Zwischen Kanu, Kult und Kinozitaten – Bully Herbig paddelt wieder mitten ins Herz der Filmgeschichte mit Das Kanu des Manitu

14. August 2025

Schon in den ersten Minuten von Das Kanu des Manitu wird klar: Hier reitet niemand in einen ernsthaften Western, sondern in eine liebevoll überdrehte Persiflage. Michael Bully Herbig bleibt seiner Mischung aus schrägem Humor, Western-Parodie und deutschem Wortwitz treu – garniert mit popkulturellen Anspielungen, bewusst absurden Situationen und einer gehörigen Portion Selbstironie.

Abahachi (Herbig) und sein Blutsbruder Ranger (Christian Tramitz) sind wieder da – Karikaturen alter Filmhelden, deren Augenzwinkern sofort beim Publikum ankommt. Sonnenüberflutete Landschaften, bunte Kostüme und Kulissen, die an Westernsets erinnern, aber nie zu perfekt wirken, unterstreichen den Comedy-Charakter. Die Gags wechseln zwischen schnell, flach, clever – stets mit dem Ziel, Spaß zu machen, nicht Logik zu beweisen.

Dass der Film ein Publikum findet, steht außer Frage. Doch an den Überraschungserfolg von Der Schuh des Manitu mit 11,7 Millionen Zuschauern vor 25 Jahren wird er wohl nicht heranreichen – die Erwartungen des Verleihs sind dennoch hoch. Herbig wollte sich in der Pressekonferenz im Münchner Mathäserkino nicht auf Zahlen festlegen. Muss er auch nicht: In einem Kinojahr ohne viele finanzielle Volltreffer trägt er den Hoffnungstitel.

Viele Dialoge des Originals sind längst geflügelte Worte geworden – eine Wiederholung dieses Phänomens wird schwer. Kritiker belächeln bisweilen Herbigs Humor, doch wer genau hinsieht, entdeckt eine Fülle an Filmzitaten. Herbig ist ein leidenschaftlicher Kinokenner, der in Das Kanu des Manitu zu einem Ritt durch die Filmgeschichte einlädt: von Karl-May-Anspielungen über Louis-de-Funès-Zitate („Nein! Doch! Oh!“ aus Hasch mich, ich bin der Mörder) bis zu Referenzen an Buster Keaton (Der General), Der rote Korsar (1952), Der Hofnarr (1955), Apollo 13/14 oder Der mit dem Wolf tanzt. Auch das Wasserballett verneigt sich vor Esther Williams’ Aqua-Musicals, während Slapstick-Momente augenzwinkernd auf Star Wars oder Indiana Jones anspielen. Karl May, nicht in der kopflastigen Version von Hans Jürgen Syberberg, sondern in einer lockeren Version als Sky du Mont zum Buch Der Ölprinz greift. Über allem schwebt der Schatz im Silbersee.

Ein Idol von Herbig ist natürlich Louis de Funès und im Kanu des Manitu zitieren drei französische Musketiere, dargestellt von drei Spaniern, den berühmten Dialog „Nein! Doch! Oh!“. Diese Phrase „Nein! Doch! Oh!“ stammt aus dem Film „Hasch mich, ich bin der Mörder“ und hat sich zu einem festen Bestandteil der Popkultur entwickelt. Das haben wir schon im Trailer gesehen, das macht Spaß.

Und dann kommt immer wieder ein Feuerwerk an Filmzitaten – am liebsten hat mir Buster Keatons Zugszene aus „der General“ (1926) gefallen, dann die Anita Ekberg-Szene aus Bond. In „Liebesgrüße aus Moskau“ (1963) ist ein Filmplakat von ihr, auf dem sie für den Film „Bob auf Safari“ (1963) zu sehen ist, an einer Hauswand klebt. Dort dient ihre Mundpartie als Fluchtfenster für einen Bösewicht. In Kanu des Manitu wird aus der langen Nase geschossen.

An das Spiel auf einem Klavier am Boden wird an Tom Hanks in Big von 1988 erinnert wobei sich Bully hier mit Superperforator selbst zitiert. Richtig lachen musste ich an die Anspielung bei der Kanu-Szene unter Wasser an Der rote Korsar von 1952 von Robert Siodmak. Der Hofnarr von 1955 mit Danny Kaye wird mit der Narrenkappe – dieses Mal am Fuß – zitiert. The Ballad of Buster Scruggs (2018) der Coen-Brüder wird mit dem Running-Gag des Komparsen Wolfgang ins Bild gerückt.

Der Adler ist gelandet ist zum einen ein Kriegsfilm von 1976 von John Sturges, zum anderen das berühmte Zitat des Astronauten Neil Armstrong nach der Landung der „Apollo 11 Eagle“ auf dem Mond. Der Esel von Gastronom Dimitri heißt nun Apollo 14, während der Vorgänger in Schuh des Manitu noch Apollo 13 hieß. Der Film nutzte den Namen Apollo 13 für einen Esel, um einen komischen Kontrast zwischen dem technologischen Fortschritt der Raumfahrt und der einfachen, ländlichen Umgebung des Wilden Westens zu schaffen. Es ist eine humorvolle Anspielung, die die Absurdität der Situation unterstreicht. Dimitri muss mit seiner Taverne neu beginnen, daher wird aus Apollo 13 nun Apollo 14. Ach ja Western und Zivilisationskonflikt: Kevin Kostner wird mit seinem Tanz mit dem Wolf zitiert, auf sehr unterhaltsame Art.

Das Namensgebung der Verbrecherbande mit dem Spiel der Zahl sieben ist humorvoll durch Filmgeschichte angereichert: Glorreichen Sieben, Sieben Samurai, Sieben Zwerge und schlussendlich Sieben Geißlein – wunderbare Wortspiele der deutschen Sprache.

Viel Spaß hatte ich auch bei der Schwimmszene und dem Wasserballett. Esther Williams und ihrem Aqua-Musicals, vor allem „Badende Venus“ von 1944 wird von Herbig zitiert, ohne dass es ein Großteil des heutigen Publikums dies bemerken wird. Sie können sich aber an genügend gelungenen Slapstick-Aufnahmen erfreuen, wie das Aufhaben der Tür mit einen Fuß, vielleicht eine Anspielung auf A new Hope in der Müllpresse.

Und natürlich müssen Lucas und Spielberg herhalten. „Ich habe ein ganz mieses Gefühl“ muss einfach genannt werden, wie Anleihen auch Spielbergs Indiana Jones Filmen. So ist es der Balance-Akt auf dem fahrenden Zug oder die Suche nach dem geheimnisvollen Kanu. Am augenfälligsten ist es bei einem Zitat aus dem letzten Kreuzzug, wo nur ein busfertiger Mann die Prüfung bestehen kann. Hier ist es halt ein echter/wahrer Apache. Als der Heilige Gral übrigens zur Sprache kommt, meint Santa Maria lapidar, dass er den Kelch Jesu bereits besitze.

Vielleicht doch eine Heilsgeschichte
Eine feine Beobachtung steckt in einer scheinbar nebensächlichen Szene: In einer Kirche plant die Verbrecherbande ihren Coup. Im Hintergrund sind Liednummern aus dem katholischen Gotteslob zu sehen: 275 („Selig, wem Christus auf dem Weg begegnet“), 431 („Herr, du bist ein Schild für mich“) und 809 („Meine Seele ist stille in dir“). Zusammengelesen entsteht eine kleine Heilsgeschichte – ob beabsichtigt oder nicht: Begegnung, Vertrauen, Geborgenheit.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei einem Pedant und Perfektionist wie Herbig diese Lieder aus dem Gotteslob nur nur Zufall sind. Wenn man die drei Gotteslob-Lieder inhaltlich betrachtet, lässt sich durchaus ein roter Faden erkennen. GL 275 – „Selig, wem Christus auf dem Weg begegnet“ ist ein meditatives Lied über die Erfahrung, dass Christus im Alltag und besonders in schwierigen Momenten mitgeht. Das Leitmotiv ist Begegnung, Wandlung, Trost. Die Bildsprache ist Unterwegssein, Emmaus-Motiv, Hoffnung.

GL 431 – „Herr, du bist ein Schild für mich“ beinhaltet den biblischer Bezug: Psalm 3,4 („Du aber, Herr, bist der Schild für mich, du bist meine Ehre, du hältst mein Haupt hoch“) mit der Kernbotschaft: Gott ist Schutz, Zuflucht und Halt in Bedrohung und Anfechtung.

GL 809 – („Meine Seele ist stille in dir“) ist ein oft ein kontemplatives Lied, das Ruhe, Geborgenheit und Vertrauen in Gott ausdrückt und die Schwerpunkte Loslassen, innere Stille, Sich-Anvertrauen beinhaltet.
Die Reihenfolge bei Bully könnte symbolisch gelesen werden: 275 → Die erste Begegnung mit Christus verändert das Leben. 431 → Aus dieser Beziehung wächst das Vertrauen, dass Gott schützt und trägt. Und 809 → Am Ende kommt die innere Ruhe und Stille, wenn man sich in Gottes Hände gibt. Die Szene könnte unterschwellig eine „Mini-Heilsgeschichte“ vermitteln. Diese Frage hat Bully Herbig sichtlich überrascht. Hier der Ausschnitt aus der Pressekonferenz und hier antwortet Bully auch auf die Frage nach Scanline. Als alter Freund der Firma Scanline war mir es wichtig, seine Meinung zu hören, nachdem die VFX-Schmiede an Netflix verkauft wurde:

Das Kanu des Manitu ist kein Film für Zyniker. Wer Lust auf rund 90 Minuten leichten, verspielten Humor hat, wird bestens bedient – und kann nebenbei auf Schatzsuche nach liebevollen Zitaten und absurden Details gehen.

Großes Lob an Herbig an die geniale Wendung, wenn man im Film auf das Wort „Indianer“ zu sprechen kommen könnte. Herbig umschifft das Wort und führt den Zuschauer auf eine falsche Fährte und löst die Formulierung wunderbar auf. Am Ende gibt es noch eine Botschaft und dies obwohl sich Michael Bully Herbig nicht als „Politischer Filmemacher“ bezeichnet. Wers glaubt.

Der Weiße Hai zum Anfassen – ein Diorama, das Geschichten erzählt

7. August 2025

Der weiße Hai ist wieder in den Kinos, das freut mich. Aber noch mehr freut mich ein Geschenk von meinem Kollegen Markus von Filmreport. Er hat mir ein Diorama vom Weißen Hai geschenkt. Vielen lieben Dank für das wertvolle Geschenk.

Ein Diorama ist ein dreidimensionales Modell, oft in einem Schaukasten mit einem bemalten Hintergrund, das eine illusionistische Darstellung erzeugt. Es wird verwendet, um Geschichten zu erzählen, historische Ereignisse oder natürliche Lebensräume darzustellen und ist sowohl für Bildungs- als auch für Unterhaltungszwecke geeignet. Hier wird das bekannte Plakat des Weißen Hais dreidimensional dargestellt.

Das wunderbare Diorama stammt aus dem Jahr 2006 und wurde von McFarlane herausgegeben. Die Firma McFarlane Toys ist ein US-amerikanischer Hersteller von hochrealistischen Sammler‑Actionfiguren, gegründet 1994 von Todd McFarlane, dem bekannten Comic-Schöpfer von Spawn.

Ursprünglich hieß das Unternehmen Todd Toys, wurde aber 1995 wegen eines Markenkonflikts mit Mattel in McFarlane Toys umbenannt. Die Firma setzt Standards im Bereich präziser Sculpting-Techniken, Comic-Realismus und hochwertiger Sammlerartikel. McFarlane Toys steht für ein kreatives Zusammenspiel von Comic-Kunst, Popkultur und Sammlerleidenschaft. Die Marke zeichnet sich durch detailreiche Figuren für Erwachsene aus berühmten Franchises und Sportlern aus, ist über Jahrzehnte kontinuierlich gewachsen und hat in Sammlerkreisen ein hohes Renommee erlangt.

Für den Weißen Hai sind nach dem Erfolg des Films von 1975 verschiedene McFarlane-Modelle erschienen. Das Wichtigste ist aber natürlich der Spielberg-Film – immer ein Genuss.

Ich habe mal einen Vortrag über den Weißen Hai im Rahmen meiner phantastischen Matinee gehalten. Hier das Video.

Und hier noch ein Video über einen Buchtipp zum Film.

Zwischen Parsecs und Poesie – Star Wars auf schottisch

31. Juli 2025

Ich mag ja den besonderen Humor der Schotten. Er ist etwas eigen, wenn man sich darauf einlässt. Und als Star Wars-Fan hab ich diesen Humor im Botanischen Garten entdeckt.

Als wir eine Brücke überquerten und uns orientieren wollte, entdeckte ich Wegweiser und musste lachen. Dort stand Kessel → 20 parsecs / 12 parsecs, einmal für den X-Wing, einmal für den Rasenden Falken. Dann gab es noch Tatooine mit Cantina in der Stadt Mos Eisley 52 parsecs / 30 parsecs, Endor → 64 parsecs / 48 parsecs und dann noch Dagobah → 200 parsecs / 140 parsecs. Köstlich, ich hab mich prächtig amüsiert.

Zeichnungen von Robert Bailey
Und in der Castle Fine Art fand ich wirkliche Star Wars-Schätze. Es waren Zeichnungen von Robert Bailey. Robert Bailey ist ein renommierter Künstler, der eine besondere Rolle im erweiterten Star-Wars-Universum spielt – nicht als Schauspieler oder Filmschaffender, sondern als offiziell von Lucasfilm autorisierter Illustrator.

Seine präzisen, von Hand gezeichneten Werke zeigen Szenen und Charaktere aus der klassischen Star-Wars-Trilogie in beeindruckender Detailtiefe. Besonders markant ist sein Stil: Bailey arbeitet fast ausschließlich mit Bleistift und feinen Schraffuren, wodurch seine Bilder eine besondere Tiefe und Textur erhalten. Beim nächsten Besuch werde ich zuschlagen.

Seine Verbindung zur Star-Wars-Welt reicht bis in das Projekt „Star Wars: Visions“ zurück, bei dem verschiedene Künstler ihre persönliche Interpretation des Franchise präsentierten. Seine Arbeiten überzeugten auch George Lucas persönlich, der mehrere Originale von Bailey erwarb. Auch Schauspieler wie Harrison Ford, Carrie Fisher und John Travolta zählen zu den Besitzern seiner Kunst.

Bailey lebt heute in Kanada und ist über seine Star-Wars-Motive hinaus für seine realistischen Darstellungen historischer Kriegsflugzeuge bekannt. Innerhalb der Star-Wars-Community gilt er als einer der gefragtesten Zeichner, dessen Werke nicht nur Sammler, sondern auch langjährige Fans der Saga begeistern. Seine Arbeiten sind in ausgewählten Galerien, etwa bei Castle Fine Art, erhältlich und verbinden cineastische Erinnerung mit handwerklicher Präzision.

Filmkritik: Fantastic Four: First Steps – Retro-Charme und Familienbande im Superheldenkosmos

24. Juli 2025

Fantastic Four: First Steps versucht, das legendäre Superhelden-Quartett in einem neuen Licht zu zeigen – und das gelingt dem Film in vielerlei Hinsicht, auch wenn er nicht frei von Schwächen ist. Im Gegensatz zu früheren Verfilmungen konzentriert sich diese Version weniger auf brachiale Action oder globale Bedrohung, sondern legt den Fokus stärker auf die Anfänge, auf die zwischenmenschlichen Spannungen und die Entwicklung einer ungewöhnlichen Familie – und verleiht dem Ganzen eine überraschend emotionale Tiefe. Gleichzeitig ist der Film eine stilistische Verbeugung vor der Ära, aus der die Fantastic Four stammen: den 1960er-Jahren. Stan Lee und Jack Kirby würden diesen Film eher akzeptieren, anders als die meist unglücklichen Fantastic Four-Filme zuvor.

Retro in Stil und Ton
Bereits visuell fällt der Retro-Ansatz sofort ins Auge: die Farbpalette ist gedeckt, fast körnig, die Kameraführung bewusst klassisch, und der Score erinnert an die orchestrale Dramatik alter Science-Fiction-Filme. Danke Michael Giacchino. Ich habe mich musikalisch an die Unglaublichen erinnert gefühlt.

Die Technologie ist bewusst „old-school“ inszeniert – mit blinkenden Konsolen, analogen Schaltern und spacigem Design irgendwo zwischen Raumschiff Enterprise und Die Jetsons. Damit schafft der Film eine Atmosphäre, die sich angenehm von der glattpolierten, geistlosen Marvel-Ästhetik der vergangenen Jahre abhebt. Er ist kein lautes Effektgewitter, sondern ein Film, der sich Zeit nimmt – für Dialoge, Blickwechsel, innere Konflikte. Und ich mag die 60er Jahre Optik, die auch an das Artdesign der Unglaublichen von Pixar erinnert. Irgendwann kaufe ich mir einen runden Fernseher.

Diese Rückbesinnung auf das Ursprüngliche ist mehr als ein stilistischer Kniff. Sie ist ein Kommentar: auf die Wurzeln des Genres, auf die Zeit, in der Comics gesellschaftlich subversiv und fantasievoll zugleich waren. First Steps versteht sich als Liebeserklärung an diese Zeit – ohne in Kitsch zu verfallen. Stattdessen fühlt sich der Retro-Look wie ein ehrliches Fundament an, auf dem die Geschichte gebaut wird.

Familie statt Faustrecht
Im Zentrum des Films steht nicht der Kampf gegen das Böse – sondern der Versuch, als unfreiwillige „Familie“ zusammenzuwachsen. Die Four – Reed Richards, Sue Storm, Johnny Storm und Ben Grimm – sind durch ein wissenschaftliches Experiment miteinander verbunden, aber emotional meilenweit voneinander entfernt. Die Superkräfte sind hier eher eine Belastung als ein Geschenk: Reeds Dehnbarkeit wird zur Metapher für seine Unfähigkeit, Nähe zuzulassen. Sue kämpft mit ihrer Unsichtbarkeit nicht nur physisch, sondern auch emotional. Johnny ist der aufbrausende Teenager, der sich hinter Flammen und Arroganz versteckt. Und Ben – „The Thing“ – ist tragischer denn je, ein Mann im Körper eines Monsters, geplagt von Einsamkeit.

Der Film nimmt sich Zeit, diese Konflikte auszuspielen – leise, glaubwürdig, berührend. Besonders die Beziehung zwischen Ben und Sue entwickelt sich zu einem emotionalen Ankerpunkt. Es geht um Vergebung, um das Aushalten von Differenzen, um Verantwortung füreinander. „Familie“ wird hier nicht als Blutsbande verstanden, sondern als etwas, das entsteht – durch Entscheidungen, durch Nähe, durch Fehler. Und Gott sei Dank wird nicht mehr die Geschichte erzählt wie die vier zu den fantastischen Vier werden. Das kennen wir doch,

Schwächen: Tempo und Zielgruppenfokus
So sehr der Film in Ton und Thema überzeugt, so sehr leidet er in Teilen unter seinem langsamen Erzähltempo. Gerade jüngere Zuschauer oder Fans klassischer Superhelden-Action könnten sich schwer tun mit der gedämpften Dramaturgie. Auch die Bösewichtfigur bleibt blass – mehr Katalysator als Charakter. Doch vielleicht ist das auch bewusst so: Der wahre Konflikt liegt nicht im Außen, sondern im Inneren der vier Protagonisten. Und ich liebe die Silver Surferin.

Ich will nicht spoilern, aber im Grunde wird hier eine wirklich große Geschichte erzählt. Sie ist im Buch Genesis, Kapitel 22, zu finden und wird oft als „Bindung Isaaks“ (hebräisch: Akeda) bezeichnet. Gott stellt Abraham auf die Probe, indem er ihn auffordert, seinen Sohn Isaak, den er sehr liebt und den Gott ihm im hohen Alter geschenkt hatte, als Brandopfer darzubringen. Allerdings kratz Hollywood wieder die Kurve und löst sich von der biblischen Vorlage und geht wieder zurück in den Familienkommerz.

Fantastic Four: First Steps ist ein mutiger, eigenständiger Beitrag im Superheldengenre. Er verzichtet auf Krachbumm und Spektakel zugunsten von Tiefe, Atmosphäre und einer überraschend berührenden Auseinandersetzung mit dem, was Familie wirklich bedeutet. Wer Retro-Charme und Charakterentwicklung schätzt, wird hier viel entdecken – ein Film, der nicht laut ist, aber lange nachhallt. Kein Neuanfang mit Paukenschlag, sondern ein leiser, stilvoller Schritt zurück zu den Wurzeln. Und genau darin liegt seine Stärke. Und der Film soll die Vorbereitung auf den Eintritt der Fantastic Four in das Marvel Cinematic Universe (MCU) sein, worauf ich allerdings verzichten kann. Andeutungen gibt es bereits im Abspann.