Archive for the ‘Film’ Category

Steven Spielbergs Indy Jones geht in die fünfte Runde: Indiana Jones und der Ruf des Schicksals

2. Dezember 2022

Das erste Mal, dass ich von Steven Spielberg gehört hatte, war 1975. Meine Eltern gingen ins Kino und ich übernachtete als Sechsjähriger bei einem Nachbarskind. Es war etwas Besonderes, dass meine Eltern ins Kino gehen, denn sie waren damals schon sehr bequem. Aber den weißen Hai wollten sie sehen und waren total aus dem Häuschen. Der Film machte Eindruck auf sie und wir änderten unsere Urlaube. Strandurlaub am Meer war ab diesem Zeitpunkt passé – Familienurlaube fanden ab sofort am Gardasee in Italien statt. Der weiße Hai machte Eindruck, wahrscheinlich ebenso wie Hitchcocks Psycho bei einer Generation zuvor. Nach Psycho änderte sich das Bad unter der Dusche.

Bald wird Steven Spielberg am 18. Dezember 76. Jahre alt – mein Gott, wie die Zeit vergeht. In den siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war der Name Steven Spielberg mit dem jungen Hollywood verbunden. Und wenn ich so zurückblicke, dann hat dieser Spielberg die Filmwelt enorm beeinflusst und verändert. Seine Filme prägten meine Generation. Bei der Lektüre des Buches Steven Spielberg – Zwischen Arthouse und Effektkino von Thomas Koebner, das mir die Pressestelle vom Reclam Verlag zur Verfügung stellte, dachte ich mir immer wieder, dass Spielberg ganz klar dem Regie-Olymp angehört. Leider habe ich ihn bisher noch nie getroffen, aber durch seine Filme habe ich das Gefühl, dass ich ihn kenne und dennoch überrascht er mich mit seinen filmischen Wendungen. Die Art, wie Spielberg auf der Klaviatur der Emotionen spielt, ist einmalig. Dies wurde mir immer wieder bewusst. Am eindrucksvollsten war es sicherlich bei der Wiederaufführung von ET der Außerirdische. Spielberg nahm die Sicht von Kindern ein und er schaffte es, dass ein ganzes Kino voller Kinder weinte. Dies hat bei mir zuvor nur Walt Disney bei Bambi geschafft.

Heute wurde der neue Trailer eines Spielberg-Films veröffentlicht, der im Sommer 2023 in die Kinos kommen soll: Indiana Jones und der Ruf des Schicksals, dieses Mal von Disney, nachdem Lucas sein Imperium versilbert hat. Ich weiß, es ist kein Spielberg-Film im eigentlichen Sinne, denn Regie führt James Mangold, der mit Le Mans 66 einen Top-Film abgeliefert hat. Der erste Trailer ist jetzt da.

Spielberg ist Produzent und wird ähnlich wie bei Poltergeist in die Regie hineinsprechen. Mit dabei ist auch ein Held meiner Jugend: Harrison Ford. Der heutige 80jährige soll den Draufgänger spielen – ich bin gespannt. Ich mag die Indy-Jones-Filme ganz gerne und bin gespannt auf das Action-Spektakel. Am meisten freue ich mich aber über die Musik. John Williams, der seit dem Original Jäger des verlorenen Schatzes von 1981 jedes Indy-Abenteuer vertont hat, komponiert auch diesmal die Musik. Vielleicht gelingt der umgekehrte Star Trek-Fluch. Die geraden Fortsetzungen von Star Trek kamen bei den Fans immer gut an. Bei Indy Jones ist es umgekehrt. Teil 1 und 3 empfand ich als sensationell, also hab ich hohe Erwartungen an Teil 5 – Indiana Jones und der Ruf des Schicksals.

Dracula im Film (30) Blacula

23. November 2022

Ich war vorgewarnt. Die Mitglieder der Facebookgruppe Erdbeben 1974 hatten mich bemitleidet, als ich die Disc des 1972 gedrehten Vampirfilm Blacula in den Player legte. Blacula ist eine Wortschöpfung aus Black und Dracula – der Film eine Blaxploitation-Interpretation der Bram Stoker-Geschichte.


Und was soll ich sagen? So schlecht wie alle behauptet haben, ist Blacula nicht, was aber nicht heißen soll, dass er im entferntesten gut ist. Er ist eine schwarze Version des alten Thema in cooler siebziger Umgebung mit siebziger Mucke und Frisuren.

Um was geht es? Nach einem Disput über den Sklavenhandel wird der afrikanische Prinz Mamuwalde (William Marshall) von Graf Dracula gebissen, selbst in einen Vampir verwandelt und in einem Sarg eingesperrt. Knapp zwei Jahrhunderte später, im Jahr 1972, befreien zwei schwule Innenarchitekten den durstigen Blacula in Los Angeles. Dieser geht fortan auf Beutezug durch die kalifornische Metropole, findet seine große Liebe und vernichtet sich selbst im Sonnenlicht.

1972 erhielt der Film den Saturn Award als Bester Horrorfilm, als ob es 1972 keine besseren Horrorfilme auf den Markt gegeben hat. Aber das Thema hat wohl damals die Juroren angesprochen. Nun, ich habe mir das auf 1000 Exemplare limitierte Media-Book für schmales Geld zugelegt und hab die Nummer 345, als ob der Film etwas Wert würde. Der Film lief mal im Privatfernsehen in der Reihe Schlechteste Filme aller Zeiten, aber damit tut man Blacula unrecht. So manche Einstellung macht wirklich Spaß und der Ehrgeiz bei der Interpretation seiner Rolle sieht man William Marshall durchaus an. Wer den Grafen Yorga mag, der mag Blacula auch, der in LA spielte. 1973 gab es sogar eine Fortsetzung – ähnlich wie bei Yorga. Der Film heißt Der Schrei des Todes unter der Regie von Bob Kelljan, allerdings hab ich ihn noch nicht gesehen. Bob Kelljan war auch der Mann, der den ersten Yorga-Film in Szene setzte. Unbedingt sollte man einen Blick auf die Vampire riskieren, die in ihrer Maske wunderbar trashig aussehen.

American International Picture war ja für preiswerte Produktionen bekannt. Ich durfte Samuel Z. Arkoff mal auf dem Filmfest München interviewen – ein großer Mann, wenn es um preiswerte Produktionen ging. Hammer holte Dracula 1972 aD ja ins Swinging London.
Und weil die Zielgruppe sich Blacula angeschaut hat, kam es auch mit Black Frankenstein zu eine Blaxploitation-Fassung von Frankenstein.

Hallo, hier spricht Edgar Wallace – die Edgar Wallace Bluray Box

14. November 2022

Als Kind habe ich mich bei den Edgar Wallace Filmen gegruselt. Heute grusel ich mich bei den Filmen auch – aber aus anderen cineastischen Gründen und dennoch habe ich mir die Rialto-Verfilmungen von Edgar Wallace auf Bluray angeschafft und werde über Weihnachten die Verfilmungen der Romane des britischen Kriminalautoren genießen.

Was viele nicht wissen, Edgar Wallace war der Ideengeber für King Kong, konnte aber die Verwirklichung des Klassikers von 1933 nicht mehr miterleben. Und nein, King Kong ist nicht in der Edgar Wallace-Box enthalten.

Ich fand bei mir noch vom Goldmann-Verlag den Band Nummer 1 mit dem Titel Der Frosch mit der Maske. Die Kindle-Ausgabe ist inzwischen kostenlos. Der Roman wurde im Jahr 1925 geschrieben und erlebte seine deutsche Verfilmung von Harald Reinl in Schwarzweiß im Jahre 1959. Ab 1961 kümmerte sich Horst Wendland um die Wallace-Filme und führte sie in Deutschland zu einem Publikumserfolg. Im Grunde finde ich die Wallace-Rialto-Filme in Schwarzweiß am reizvollsten. Ab 1966 gab es mit dem Buckligen von Soho den Edgar Wallace in Farbe. Meiner Meinung ließ aber auch damit die Qualität der sowieso seichten Filme noch mehr nach. Im Jahr 1972 wurde die Rialto-Reihe mit dem Rätsel des silbernen Halbmondes eingestellt. Wallace-Filme gab es noch von anderen Produktionsgesellschaften, aber in dieser Box sind die 32 Rialto-Filme von Horst Wendlandt enthalten. Zudem gibt es ein extrem gutes Booklet mit tollen Kinopostern.

Edgar Wallace bedeutet aber auch immer die erste Liga von deutschen Nachkriegsschauspielern wie Joachim Fuchsberger, Siegfried Lowitz, Heinz Drache und Klausjürgen Wussow. Meine Lieblinge als Kind waren natürlich der witzige Eddi Arent, der 23 Mal in Edgar Wallace-Filmen auftrat, – und ganz klar der irre Klaus Kinski, der 16 Mal einen verschrobenen Charakter in den Filmen spielte. Und für mich als Soundtrack-Fan wichtig: Die Musik von insgesamt 18 Filmen der Serie stammt von Peter Thomas, den ich ja sehr, sehr schätze. Hier mal eine Kompilation.

Also dann ab Weihnachten heißt es bei mir: Hallo, hier spricht Edgar Wallace.

Im Westen nicht Neues – Ultimate Edition und Netflix

7. November 2022

Der Antikriegsfilm „Im Westen nicht Neues“ gehört zu den schockierendsten Filmbeiträgen des Genres. Soeben ist eine absolut empfehlenswerte Ultimate Edition mit der restaurierten Version des Klassikers von 1930 und unterschiedlichen Fassungen bei Capelight auf 6-Discs erschienen. Jeder Filminteressierte hat nun die Chance, die unterschiedlichen Schnittfassungen zu vergleichen und ich freue mich sehr auf einen cineastischen Marathon mit einem Meisterwerk der Filmgeschichte. Ich nehme mir dazu extra ein Wochenende Zeit.

Zwei Oscars bekam die 1930 erschienene Verfilmung von Lewis Milestone nach dem Roman von Erich Maria Remarque. Das Buch sollte unbedingt Pflichtschullektüre in Deutschland werden.
Der Erste Weltkrieg hat begonnen, das Deutsche Reich befindet sich im Rausch. Angestachelt von ihrem nationalchauvinistischen Lehrer beschließen Paul Bäumer und seine Mitschüler, sich freiwillig zum Kriegsdienst zu melden. Doch der Idealismus verfliegt schnell im Angesicht der harten Realität an der Westfront: ein zermürbender Stellungskrieg in den Schützengräben, permanentes Trommelfeuer und Maschinengewehrsalven. Statt Ruhm und Ehre wartet auf die jungen Kameraden ein dreckiges, sinnloses Sterben in einem mechanisierten Krieg.

Ein paar Tage zuvor veröffentlichte Netflix die deutsche Neuverfilmung des dramatischen Stoffes, der auch der deutsche Beitrag zu den Oscars sein wird. Technisch perfekt zeigt der Streifen das Schlachten und die Materialschlachten des Ersten Weltkriegs in beeindruckenden Bildern. Die Geschichte wurde vom Regisseur um historische Beiträge ergänzt, wie die Kapitulation der deutschen Gesandtschaft im Eisenbahnwagon von Compiègne stattfand. Das ist gut für die historische Einordnung der Filmzuschauer. Wir erinnern uns: Zur Unterzeichnung des Waffenstillstands zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich am 22. Juni 1940 ließ Hitler das Fahrzeug wieder auf die Waldlichtung bei Compiègne stellen. Außerdem erklärt Regisseur die Entwicklung der so genannten Dolchstoßlegende, nachdem das Deutsche Heer im Feld nach Meinung der Offiziere nicht besiegt wurde.

Der Netflix-Film von Edward Berger legt weniger Wert auf die Schulszene und die Vorgeschichte. Das wird nur am Rande erwähnt. So wird der Zuschauer schnell in das Geschehen des ersten Weltenbrandes hineingeworfen. Sehr schön erzählt ist die Maschinerie des Krieges am Beispiel einer getragenen Uniform. Ein Soldat fällt, er wird entkleidet und begraben, seine Uniform wird gewaschen und geflickt und dann dem nächsten Rekruten überreicht. Die Maschinerie des Krieges ist ein brutaler Kreislauf.

Die Kameraarbeit von James Friend ist spektakulär. James Friend verbeugt sich in seinen Schlachten vor Kubricks Wege zum Ruhm, die ebenso den Irrsinn des ersten Weltkrieges eingefangen haben. Während Kubrick auf schwarzweiß setzt, dreht James Friend in Farbe, entzieht aber durch geschicktes Colour-Grading die Farbsättigkeit und verändert so die Stimmung der Bilder. Ganz hervorragend diese Arbeit.

Die Bilder der Grabenkämpfe, der sinnlosen Angriffe und Gegenangriffe ist heftig. Sie erinnern an die ersten Minuten von Saving Private Ryan von Steven Spielberg. Hier wird geopfert, zerfetzt, erschossen, aufgespießt, vernichtet. Die Schlachtenszenen sind enorm eindrucksvoll. Vor allem der Einsatz der Panzerwaffe im Grabenkrieg und das Verbrennen des Gegners durch Flammenwerfer samt Luftunterstützung beeindrucken.

Interessant ist auch die Musik von Volker Bertelmann. Ich kenne seine Musik unter dem Künstlernamen Hauschka. Zu Beginn und am Ende wirkt das düstere, dreitönige Motiv brutal und brachial. Ich bin beim ersten Hören zusammengezuckt. Das Motiv prägt sich ein und schreibt Musikgeschichte. Entstanden ist der wuchtige Klang durch ein Harmonium von Bertelmanns Urgroßmutter, verfremdet durch einen Gitarrenverstärker. Mir als Zuschauer läuft es eiskalt den Rücken herunter und die Musik und Klangfetzen unterstreichen die brutalen Bilder, die das Auge sieht. In den friedlichen Zeiten des Films, in Zeiten der Kameradschaft wechselt die Musik zu Harmonie, ergänzt durch den Einsatz von Streichern, sehr gut gemacht. Wenn der Score jemals auf Vinyl erscheint, werde ich ihn mir sofort kaufen. Derzeit gibt es ihn ausschließlich digital bei den Streamingdiensten.

Aber leider …

Leider habe ich aber auch meine Probleme mit der Neuverfilmung. Es stört mich ausdrücklich nicht, dass Regisseur Edward Berger neue Storyelemente eingefügt hat und auch das Ende des Films im Vergleich zum Buch verändert, wobei der Titel „Im Westen nichts Neues“ so richtig nicht mehr passt. Es stört mich, dass mich die gezeigten Rollen kaum emotional berühren. Sie sind für mich als Zuschauer zu weit entfernt, so dass mich trotz der grausamen Bilder ihr Schicksal kalt lässt. Dabei ist an der Schauspielerei nichts auszusetzen, für mich passt die Charakterzeichnung einfach nicht. Ich sehe opulente Bilder, aber das Schicksal der Personen im Film berühren mich nur sehr wenig. Anders bei dem Schauspiel der Darsteller von 1930.

Auf jeden Fall drücke ich Regisseur Edward Berger die Daumen bei der Oscar-Vergabe. Im Westen nicht Neues lief ja zum Netflix-Start in ein paar ausgewählten Kinos, damit er an der Oscar-Auswahl teilnehmen kann. Gerne hätte ich den Film im Kino gesehen, aber mir blieb nur das Heimkino mit Beamer und Soundanlage.

Das Besteck von 2001: Odyssee im Weltraum

28. Oktober 2022

Sicher erinnern Sie sich an den Film 2001: Odyssee im Weltraum, ein genialer Film von Stanley Kubrick. Da gibt es eine Szene als die beiden Astronauten Frank Poole und David Bowman ein Essen einnehmen. Und es essen mit einem besonderen Besteck.

FILMBILD / T: 2001: Odyssee im Weltraum / 2001: A Space Odyssey D: Keir Dullea R: Stanley Kubrick P: GB J: 1968 PO: Szenenbild RU: Science-Fiction DA: , – Nutzung von Filmszenebildern nur bei Filmtitelnennung und/oder in Zusammenhang mit Berichterstat

Das Besteck Set Arne Jacobsen aus dem dänischen Traditionshaus Georg Jensen wurde 1957 vom dänischen Arne Jacobsen entworfen. Es besteht aus mattem Edelstahl. Arne Jacobsen ist dänischer Architekt und Designer und schuf für das SAS Royal Hotel in Kopenhagen dieses interessante Besteck als Teil der stylischen europäischen Tischkultur. Regisseur Stanley Kubrick, ein Genie und Pedant, war scheinbar so angetan, dass er es sofort für seinen 1968 entstandenen Film einsetzte. Das Besteck ist ausgewogen und liegt gut in der Hand, und der matte Edelstahl verleiht der Tischdekoration Eleganz. Die Kollektion nannte man auch „Besteck ohne Schnörkel“ weil es durch elegantes Design und nicht durch Muster oder zusätzliche Verzierungen so außergewöhnlich ist. der Philosophie des Firmengründers Georg Jensen sollte das Unternehmen ein demokratisches Design schaffen, das Funktionalität und Schönheit auf sich vereint. Sein handwerkliches Können und künstlerisches Talent sowie seine Fähigkeit, Designtalente zu erkennen und unterstützen bildeten die Grundlage für die Gründung der Firma Georg Jensen 1904 in Kopenhagen.

Ich habe mir ein Set gekauft und die edlen Teile ausprobiert. Ich kann verstehen, warum Kubrick sie in seinen zeitlosen Klassiker verwendet.

Filmkritik zu Halloween Ends

17. Oktober 2022

Michael Myers hat ein Ende gefunden – zumindest in diesem Dreiteiler, der nach Halloween, Halloween Kills und nun mit Halloween Ends einen Abschluss gesetzt hat. Nach der Blutorgie des zweiten Teils, kommt in dritten Teil ein wenig mehr Story ins Kino, aber der Zuschauer bekommt im dritten Drittel gewohnt deftige Kost. Aber wenn ich ehrlich bin, hat mich der Film trotz zahlreicher Anspielungen enttäuscht. So etwas habe ich nicht erwartet, als ich mich in den Sessel meines Lieblingskinos des Scala-Kinos in Fürstenfeldbruck am Premierentag niederließ.

Halloween steht für mich als Synonym für Slasher, für psychische und physische Brutalität, für das pure Böse und für gelungene Horrorunterhaltung. Das alles erfüllt Halloween Ends nur bedingt.

Achtung Spoiler – weiterlesen auf eigene Gefahr.

Fangen wir mit dem Positiven von Halloween Ends an. Es ist vorbei. Nach drei Teilen wird Michael Myers vernichtet, klein gehäckselt, so dass nur noch die Maske übrig bleibt. Die letzten 20 Minuten des Films machten mir Spaß, lösten sie doch das Versprechen der vergangenen beiden Vorgänger ein. Hart, brutal und voller Anspielungen – gut Michael, dass du wieder da bist und deine Pflicht erfüllst.

Wunderbar ist Jamie Lee Curtis anzusehen. Diese Frau beherrscht die Szene, bringt eine Prise Ironie in den vermeintlich harten Streifen. Sie trägt den gesamten Film mit ihrem wunderbaren Schauspiel mit ein bisschen Screaming Queen. Zu den weiteren Rückkehrern aus vorherigen Filmen zählen Andi Matichak als Allyson Nelson, Will Patton als Deputy Frank Hawkins und Omar Dorsey als Sheriff Barker.

Und während des Films genoss ich die Musik der Familie Carpenter. Auch hier werde ich mir den Score auf Vinyl kaufen, denn Carpenter und Familie verstehen ihr musikalisches Handwerk. Der Score lohnt sich und Soundtrackfans werden hier zuschlagen.
Für Carpenter-Liebhaber ist der Film auch ein Genuss, denn in Halloween Ends wimmelt nur von Anspielungen an den Regisseur. Es beginnt mit Das Ding aus einer anderen Welt, der am 31. Oktober im Fernsehen läuft.

Damals im Kino ein Flop, weil er gegen ET antrat, hat der Film heute sein Publikum gefunden. Dann wird natürlich der Film Halloween selbst zitiert: Ich sag nur Stricknadel im Hals oder das Betrachten der Leiche mit schiefen Kopf, nachdem Michael den Körper an die Wand mit dem Messer gepfählt hat.

Und dann kommen wir bei den Anspielungen auch zu den schlechten Seiten von Halloween Ends. Die Hommage an Carpenter setzt sich fort, so dass immerfort die Stephen Kings Verfilmung Christine zitiert wird. Ganze Einstellungen werden von diesem Film übernommen bis hin zum Ende von Michael Myers in der Schrottpresse. Leute, ich wollte Halloween sehen und nicht Christine, der für mich den Abstieg von Carpenter bedeutet hat.

Erinnern wir uns an Halloween III als versucht wurde, der Reihe eine neue Richtung zu geben. Ich fand die Idee gut, die Fans wandten sich dagegen von dem Film ab. Sie wollten Michael mit dem Messer und nicht einen Maskenfilm.

Und genauso werden sich die Fans von Halloween Ends abwenden, denn Michael kommt zu kurz. Stattdessen haben wir eine Love-Story, die wir schon 1000 Mal gesehen haben. Mädchen verliebt sich in den Bad Guy, gerät auf die schiefe Bahn und findet dann doch aufgrund der Liebe der Familie auf die Spur zurück. Der Bad Guy ist natürlich erst einmal schüchtern, Brillenträger versteht sich, wird gehänselt und trifft dann Michael im Abflussrohr. Da saß dieses Mal nicht der Clown Pennywise, sondern Michael hockt so seine vier Jahre herum. Die beiden werden Kumpel im Geiste, kloppen sich ein paar Mal und arbeiten dann zusammen, um ihr blutiges Handwerk zu erledigen. Geht es noch blöder?
Jetzt kann man diskutieren, was ist Traum und was ist Wirklichkeit. Wie kann das Böse schlechthin eine Allianz eingehen mit dem Lackaffen? Es ist einfach nur peinlich: Michael trifft seinen Nachfolger.

Regisseur David Gordon Green hatte mit dem Start von Halloween Ends einen guten, sehr guten Einfall, aber dann ist mir zu viel Wild One mit Brando und vor allem Christine enthalten, so sehr, dass es nervt.
Wir haben in den vergangenen Wochen mit dem Begräbnis der Queen gesehen, was eine Prozession ist. Da wirkt die Prozession der Einwohner von Haddonfield mit einem auf dem Dach angeschnallten Michael eher peinlich. Alle wollen schauen, ob Michael wirklich tot ist bzw wie er zerkleinert wird. Da hilft es auch nichts, dass wir im Schatten das Gesicht von Michael das erste Mal sehen. Ein alter Mann im blauen Arbeitsanzug, mehr nicht. Das ist nicht mein Michael Myers.

Dracula im Film (29): So finster die Nacht

11. Oktober 2022

Was für eine Offenbarung! Ich habe nicht geglaubt, dass ich nach all den schlechten oder durchschnittlichen Vampirfilmen noch so ein solches Juwel finden würde. So finster die Nacht ist für mich ein Vampirfilm der Extraklasse, der lang bei mir nachgewirkt hat.

Da ich die kanadischen Horrorfilme von David Cronenberg mit seiner Kälte mag, da schob ich die Disc von So finster die Nacht gerne in den Player. Der Film stammt aus Schweden und wurde 2008 inszeniert von Tomas Alfredson, den ich bis dato nicht kannte. Die Geschichte um die Freundschaft und Romanze eines introvertierten, gedemütigten Jungen und eines weiblichen, androgyen Vampirkindes hat mich berührt. Eine Romanze, eingebettet in Blut und Schnee – daraus resultieren starke Bilder. Kåre Hedebrant spielt Oskar und Lina Leandersson die Vampirin Eli spielen hervorragend. Der Film kann als Horrorfilm oder auch als Jugendromanze gesehen werden.

Erst im Nachhinein habe ich gelesen, dass der Name des Films auf Morrisseys Lied Let the Right One Slip In basiert, wobei ich zugeben muss, dass ich mich mit Morrissey nicht so auskenne.
Der Film strahlt eine ungewöhnliche Kühle aus, die ich sehr schätze. Hinzu kommen ungewöhnliche Kameraeinstellungen. Hier gedeiht die Angst sehr eindrucksvoll und der Film wird ein Fest für die Sinne: Romantisch, brutal, sensibel, gehaltvoll und gnadenlos. Als der Film zu Ende war, saß ich in meinem Fernsehsessel und musste das Werk erst einmal verkraften, so sehr hat der Film mich hineingezogen.

Kein Wunder, dass die Amerikaner den Stoff von So finster die Nacht begeistert aufgenommen und eine Neuverfilmung unter dem Titel Let Me In von Cloverfield-Regisseur Matt Reeves gedreht haben. Auch der ist empfehlenswert.

Der Inhalt kurz: Oskar (Kare Hedebrant), ein zwölfjähriger Junge, lebt isoliert und wird von seinen Mitschülern gedemütigt. In seiner sensiblen Seele brodelt es, aber er setzte seine Rachegelüste nicht um. Mit Eli (Lina Leandersson) lernt er eine eigenartige mysteriöse Nachbarin kennen und sieht in ihr eine verwandt Seele, die allerdings nur nachts unterwegs ist.

Buch oder Film? New York 1999 oder Jahr 2022 … die überleben wollen

4. Oktober 2022

Als Fan des Films der siebziger Jahre und Mitglied in einer dazugehörigen diskussionsfreudigen Facebook-Gruppe habe ich einen Klassiker zu Gemüte geführt, zu dem ich unbedingt im Jahr 2022 meinen Senf dazugeben muss: Jahr 2022 … die überleben wollen

Buch oder Film?

Ich habe mir den Film mit Charlton Heston und Edward G. Robinson wieder auf Bluray angesehen, nachdem ich ihn gefühlt vor Jahrzehnten mal im Fernsehen gesehen hatte. Damals fand ich Soylent Green, wie der Film im Original hieß, sehr spannend und bewegend. Nach wiederholten Ansehen meine ich, dass es nach wie vor ein guter Film der siebziger Jahre ist – das Jahr der Veröffentlichung war 1973 und die grünen Kekse verfolgen mich seit dem ersten Betrachten des Films. Das dies so ist, zeigt mir, welche Wirkung dieser Film auf mich und andere gemacht hat. Allerdings ist der Film von Richard Fleischer recht konventionell inszeniert. Und dennoch gilt er als einer der ersten Filme der Ökodystopien, wie auch Lautlos im Weltraum, den ich für sehr unterschätzt halte. 2022 ist auch als Sammler-Edition erschienen.

Nachdem ich den Film aus dem Archiv gezogen habe, wollte ich auch die literarische Vorlage von Harry Harrison lesen, der unter dem Titel New York 1999 erschienen ist. Film und Buch haben nur bedingt etwas gemeinsam. Die grünen Kekse kommen nur am Rande vor und in einem anderen Zusammenhang. Soylent Green gibt es gar nicht im Buch. Nach zwei Tage Lektüre und zweimaligen Ansehen des Film ziehe ich für mich Bilanz: Der Roman ist bei weitem besser.

Die Beschreibungen von Harry Harrison aus dem Jahre 1966 halte ich für realistischer und grausamer. Die Systemkritik, vor allem die Kritik an der katholischen Kirche und ihrer Politik zur Empfängnisverhütung, ist klarer und deutlicher formuliert. Die Dystopie im Film ist nur ein Hintergrund für eine spannende Detektiv- und Enthüllungsstory. Die Dystopie im Buch geht viel tiefer, viel weiter und viel radikaler – und leider viel aussichtsloser.

Fans des Buches werden beim Betrachten des Films enttäuscht sein. Allerdings gibt es wohl weniger Menschen, die das Buch überhaupt gelesen haben und stattdessen den Film ansahen. Ich bin mal auf eure Meinung gespannt.

Dracula im Film (28): Die 7 Pranken des Satans (1971)

27. September 2022

Die 7 Pranken des Satans – oder englisch The Return of Count Yorga hatte ich bisher nur auf Super 8 gehabt und zu schätzen gelernt. Die längere Bluray-Fassung hat mich dagegen enttäuscht. Zu großen Teilen langweilte mich diese Dracula-Variante.

Es ist die Fortsetzung von Junges Blut für Dracula, den ich hier schon besprochen habe. Obwohl der Graf im ersten Teil das Zeitliche segnete, war er in den Die 7 Pranken des Satans frisch, frei, fröhlich, fromm wieder da. Dieses Mal spielt die Geschichte in San Francisco und Yorga wird wieder von Robert Quarry gespielt. Er macht seine Rolle gut, besonders seine Angriffe sind gut inszeniert und dennoch bliebt der Film bis auf die letzten 15 Minuten blutleer und spannungsarm. Der Zuschauer kann sich zumindest an ein paar Aufnahmen des alten San Francisco erfreuen, in Wohnzimmerinrichtungen der siebziger Jahre schwelgen und die eine oder andere nette optische Kameraeinstellung genießen.

Zur dünnen Handlung: Graf Yorga (Robert Quarry) ist wider Erwarten doch nicht tot, stattdessen hat er sich und seine vampirischen Gespielinnen in einem Palast neben einem großen Waisenhaus eingemietet und nutzt dessen Spendenveranstaltung, um sich Zugang zu einer Reihe Leckerbissen zu verschaffen. Doch während die Vampire angreifen, verliebt er sich in Cynthia (Mariette Hartley) und entführt sie, statt sie zu beißen. Doch ihrem Freund Dr. Baldwin kommt der Verdacht, dass ein Vampir am Werk ist, und so stellt er ein Grüppchen von Vampirjägern zusammen, das Cynthia retten soll.

Die Idee der hungrigen weiblichen Vampirschar ist gut, allerdings wirken sie wie wankende Zombies und haben nichts mit der Eleganz weiblicher Bluttrinker gemeinsam. Für mich ist der Versuch von American International Pictures eine Art Kontrapunkt zu Hammer aus England zu setzen, der in diesem Fall allerdings scheiterte. Im Netz kann ich Stimmen lesen, die den 7 Pranken des Satans Kultstatus attestieren, wobei ist den Begriff Kultfilm für inflationär benutzt sehe. Dankbar bin ich aber Wicked-Vision Media, dass sie diesen Film auf Bluray herausgebracht haben, um der Nachwelt zu erhalten. Dennoch: Die Super 8 Version, die auf der Bluray enthalten ist, ist völlig ausreichend für den Film. Am Ende stirbt Graf Yorga und dennoch lässt sich der Regisseur Bob Kelljan alle Türe offen, aber zu einem dritten Akt von Graf Yorga kam es aufgrund des finanziellen Misserfolgs dann doch nicht. Das Drehbuch war schon da.

Sammlerherz explodiert: Clasvius-Raumanzug von Executive Replicas aus 2001 ist eingetroffen

23. September 2022

Im Dezember 2019 hab ich das Zeug für teuer Geld bestellt und dann nichts mehr gehört. Ich hab schon die Hoffnung aufgegeben uns mich damit abgefunden, dass das Geld verloren sei. Aber vor kurzem kam dann völlig überraschend doch das Paket aus den USA, Unverhofft bezahlte ich den Zoll und packte die Sendung aus. Endlich nach 2,5 Jahren schlug mein Sammlerherz wieder höher, nein es raste vor Erregung.

Ich bin nun stolzer Besitzer eines weiteren Modells von Executive Replicas. Es handelt sich um den weißen Raumanzug, den ein nicht genannter Astronaut im Krater Clasvius trägt. Er stammt aus dem großartigen Stanley Kubrick Klassiker 2001: Odyssee im Weltraum, einen meiner Lieblingsfilme.

Und ich freu mich wie Bolle. Ich habe schon einige Figuren und Anzüge aus der Reihe und nun kann ich auch den weißen Anzug endlich mein eigen nennen. Ja, richtig gelesen. Es handelt sich nur um den weißen Raumanzug im Maßstab 1:6 ohne Figur. Der Astronaut ist im 2001-Film nicht erkennbar, also gibt es keine Figur von Executive Replicas. Es ist mein dritter Anzug nach schwarz und violett. Ich glaube, es gab auch einen grünen, aber da bin ich mir nicht ganz sicher und muss noch recherchieren. Ich hoffe allerdings nicht, denn das ist ein weiteres Groschengrab.

Zudem habe ich noch die Figuren Frank Poole mit seinem gelben Anzug und Dave Bowman im roten Anzug aus der noblen Executive Replicas-Reihe. Immer wieder bekomme ich Anfragen, ob ich das Set verkaufen möchte – nichts da. Meine Kinder können sich später ein schönes Leben davon machen.

Ich habe ein Unboxing-Video gedreht und zudem die Einzelteile des weißen Anzugs fotografiert. Dann kommt das Ding wieder in die Kiste und ab in die Kubrick-Sammlung. Das Sammlerherz klopft wie wild – es werden nur Sammler verstehen.