Archive for the ‘Aufgelesen’ Category

Tipps eines passionierten Bahnfahrers

26. März 2018

Als Bahnfahrer kann ich euch nur raten: Der erste freie Platz ist der richtige Platz. Es klingt komisch, ist aber absolut richtig und ein wichtiger Rat.
Ich fahre sehr viel mit der Deutschen Bahn. In der Regel reise zu meinen Seminaren mit der Bahn an. Das hat verschiedene Gründe: Gesundheit, Stress, Kosten, Umwelt – aber ich kann euch sagen: Bahnfahren ist kein Zuckerschlecken.
Es beginnt schon beim Einsteigen. Wenn ein ICE neu eingesetzt wird, dann werden die Abteile zunächst gereinigt. Fleißige Bienchen von der Bahn räumen den Dreck weg, den Bahngäste liegen gelassen haben. Interessant ist, dass kein Gast den ich zuhause habe, seinen Müll bei mir liegen lässt. Bei der Bahn lassen die so genannten Gäste ihren Müll zurück. In den dafür vorgesehenen Behältern wäre es kein Problem, aber so manche hinterlassenen Sitze sehen schon interessant aus.
Der Spaß Bahnfahren beginnt also vor der Reise. Während das Schild „Wir reinigen“ am Eingang steht, drücken so manche Reisende wie wild auf den grünen Öffnungsknopf am Wagon. Es passiert nichts, außer dass die Reisenden nervös werden und zur nächsten Türe rennen. Gleiches Spiel.

Beim Reinigen ist der Einstieg blockiert.

Beim Reinigen ist der Einstieg blockiert.

Wenn sich die Türen öffnen, bitte sofortigen Blick auf das Display über den Sitzen. Wenn die Bahn fit ist, werden vor Reisebeginn die Reservierungen dort angezeigt. Und wenn ein Platz nicht reserviert ist, dann gilt mein Eingangsrat: Der erste freie Platz ist der richtige Platz.

Der erste Platz ist der richtige Platz.

Der erste Platz ist der richtige Platz.

In meiner Jugend war dies noch anders. Als ich mit meiner Mutter als kleiner Bub mit der Deutschen Bundesbahn gereist bin, haben wir erst geschaut, welcher Platz uns am besten gefällt: Ist der Blick aus dem Fenster schön? Sitze ich in Fahrtrichtung? Dies spielt heute keine Rolle mehr. Der erste freie Platz ist der richtige Platz. Die Bahn ist zu Stoßzeiten rappelvoll. Die freien Plätze sind begrenzt. Eine Reservierung für 4,50 Euro sehe ich oft nicht ein – außer bei Langstrecken. Bahnfahren kann zum Stress werden. Obwohl ich den Bahncomfort-Status habe, ist es nur mit Androhung von Gewalt möglich, Leute von den BC-Plätzen zu vertreiben. Da kann ich ein wirklicher Assi sein.
Wenn man dann Platz genommen hat, gilt es einen USB-Strom-Verteiler in die Steckdose zu packen und seinem Sitznachbar Strom zu Verfügung stellen. Strom im Zug ist wichtig und wer einen Verteiler hat, sollte ihn benutzen – so will es das Gesetz unter digitalen Nomaden.

Ich liebe die Bahn.

Ich liebe die Bahn.

Und soll ich euch sagen, auf wen ich aggressiv reagiere? Auf diese Rücksackträger, die in den engen Gängen der zweiten Klasse (dort findet ihr mich) sich hin und her bewegen. Immer wieder habe ich den Rucksack in der Fresse, weil sich diese Grobholze umdrehen müssen, ob ihr Kompanion noch hinter ihnen ist. Wo soll er denn sein? Oder man wendet sich um mit den Sätzen wie „heute ist aber voll“ oder „wo ist denn Platz 67?“ Diese Typen nerven. Mit ihren Rucksäcken reißen sie mein iPad herunter, dass ich auf den Klapptischen aufgebaut habe oder ich bekomme den Rucksack ins Gesicht und meine Brille fliegt durch die Weltgeschichte. Ich gehe also in Deckung, wenn ein Rucksackträger den Wagon betritt.

München, ich komme.

München, ich komme.

Bayreuth: Beste Bratwurst in der Stadt im Bratwursthäuschen

25. März 2018
Wenn ich in Bayreuth bin, muss ich zum Bratwursthäuschen.

Wenn ich in Bayreuth bin, muss ich zum Bratwursthäuschen.

Franken ist für mich auch gleichbedeutend mit deftiger Kost und als ich jetzt eine halbe Woche aufgrund von zahlreichen Seminaren in Bayreuth weilte, probierte ich sie wieder: Die fränkische Bratwurst. Lecker kann ich euch sagen.
Im Moment warte ich auf den Internet-Metzger Claus Böbel, der in Rittersbach in Mittelfranken eine eigene Bratwursterlebniswelt neben seinen Bratwurstseminaren auf die Beine stellt mit Bratwursthotel (Schlafen unter dem Bratwursthimmel), Im September 2018 soll das die Genusswelt eröffnet werden. Derweil habe ich im oberfränkischen Bayreuth ein paar Bratwürste verköstigt.

Auf den Weg zu Haus Wahnfried überkam mich der Bratwursthunger. Ich ging an zahlreichen roten Buden vorbei, aber ich bliebt wie immer beim roten Bratwursthäuschen stehen. Es befindet sich in der Richard Wagner Straße 8. Die Semmeln oder Brötchen (wie auch immer) waren frisch und die Wurst hat super geschmeckt. Ich probierte erst eine Wurst im Brötchen, dann nahm ich als Nachschlag zwei Würste im Brötchen. Vor dem Bratwursthäuschen bildete sich immer eine Schlange. Diese Schlange bestand nicht nur aus Touristen wie mir, sondern es waren viele Bayreuther darunter, die die Qualität des Bratwursthäuschens schätzen.

Während ich meine erste Wurst genoss, betrachtete ich die Plakate, die aufgehängt waren. Darunter waren die Bratwurst-Schildkröte, die Sensation in der Tierwelt: Die Bratwurst-Schnecke und immer wieder „Guten Appetit“ und „Mund auf“. Und immer wieder fränkisch: „Unsa Bratworscht löscht kann Dorscht! Dess iss worscht. Sie zergeht auf der Zunga und beseitigt jeden Hunga!“ – Impressionen nach dem Motto „Reim dich oder ich fress dich“
Und was ich feststellen könnte: Die Bratwürste im Bayreuther Raum sind individuell. Jeder bereitet sie auf seine Art zu. Ich war in Leupoldsgrün im Gasthaus Löhner, dort genoss ich sie auf ausgezeichnetem Kraut.

In Leupoldgrün wurden sie so serviert ...

In Leupoldgrün wurden sie so serviert …

Richtig gut hat sie auch in Creußen im Landgasthof „Im Gärtlein“ geschmeckt, hier war sie ein wenig dunkler und ein Kraut – zum Reinlegen.

... und in Creußen so.

… und in Creußen so.

Also Franken, ich komm wieder.

Richard Wagners Hund Russ

18. März 2018
Wagners Hund Russ am Eingang des Hotels Lindenmühle in Bad Berneck.

Wagners Hund Russ am Eingang des Hotels Lindenmühle in Bad Berneck.

Ich bin auf den Hund gekommen, auf Wagners Hund Russ. Ich bin ihn in jüngster Zeit gleich zweimal begegnet. Einmal in Bayreuth, als ich das Grab von Richard Wagner besuchte. Dort steht neben der Marmorplatte unter der Wagner liegt ein Grabstein mit der Aufschrift „Hier ruht und wacht Wagners Hund Russ“.

Das Grabschild für Russ im Garten der Villa Wahnfried in Bayreuth.

Das Grabschild für Russ im Garten der Villa Wahnfried in Bayreuth.

Ob der Hund wirklich dort liegt, weiß ich nicht, aber ich finde die Geste schön, den besten Freund des Menschen in der Nähe seines Herrchens zu begraben. Ich war früher schon mal da und habe darüber geschrieben.

Neben Wagner liegt auch Russ begraben.

Neben Wagner liegt auch Russ begraben.

Dann traf ich Russ wieder – auf einer Veranstaltung des Ministerialbeauftragten für Oberfranken in Bad Berneck. Dort hielt ich in dem Hotel Lindenmühle einen Vortrag und im Foyer traf ich Russ wieder. Hier tauchte der Hund auf in Form einer Skulptur von Ottmar Hörl. Ich mag den Nürnberger Künstler sehr und habe ich auch einige seiner Kunstwerke, viele davon vom Künstler signiert.
Die Skulptur von Richard Wagners Hund Russ war im Jahre 2004 als Kunstobjekt ausgestellt. Die rund 80 Zentimeter große Figur des Neufundländers ist wesentlicher Bestandteil des Kunstobjekt Wagners Hund. Während des Festspielsommers wurden 800 Hunde neben Parkbänken in Bayreuths Innenstadt installiert. „Der Hund soll die menschliche Seite Wagners darstellen und zugleich ein Versuch sein, den Komponisten von seinem musikalischen Olymp zu holen“, erläuterte Künstler Ottmar Hörl bei der Vorstellung seines Hundes. Ich hab mir schon überlegt, ob so ein Hund nicht zu uns an den Eingangstür passen würde, aber meine Gattin zeigte mir die rote Karte. Wir haben genügend Hörls hier herumstehen. Klare Worte.

Ottmar Hörl schuf diesen Russ - ich finde in sehr schön.

Ottmar Hörl schuf diesen Russ – ich finde in sehr schön.

Persönliche Erinnerungen an Stephen Hawking

14. März 2018

Gott hat seinen Beraterstab um ein Genie erweitert. Aber Stephen Hawking wird Gott gehörig auf die Finger schauen und seine Entscheidungen hinterfragen. Mit 76 Jahren verstarb mit Stephen Hawking eines der Wissenschaftsgenies unserer Zeit. Seine Erkenntnisse über Schwarze Löcher oder die Relativitätstheorie waren wohl bahnbrechend. Ich selbst bin ein zu kleines Licht, um seine wissenschaftlichen Leistungen komplett zu würdigen, aber ich glaube, er hat viele Menschen beeinflusst und viele Leute vor den Kopf gestoßen. Er war faszinierend, wenn er mit seinen Sprachcomputer die Welt beschrieb. Von seinen 76 Jahren war er über 50 Jahre an den Rollstuhl gefesselt aufgrund der schrecklichen ALS-Krankheit, die mit 21 Jahren bei ihm diagnostiziert wurde.

Homer und Stephen - zwei, die sich verstehen beim Bier. Foto: Fox

Homer und Stephen – zwei, die sich verstehen beim Bier. Foto: Fox

Immer wieder begegnete mir Stephen Hawking in der populären Kultur. Ich traf ihn bei den Simpsons und ich traf ich bei Pink Floyd, ich traf ihn bei Monty Pythons, ich traf ihn bei der Big Bang Theory – Stephen Hawking war allgegenwärtig, weil er etwas zu sagen hatte, weil er sich einmischte, weil er einfach ein kluger Kopf war. Sein Buch „eine Kurze Geschichte der Zeit“ habe ich gelesen, den Kinofilm über ihn „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ habe ich gerne gesehen.
Als ich diese Zeile schreibe, erinnere ich mich wieder, wo mir Stephen Hawking noch begegnet ist: In einem Spind. Es war an der TU München. Ein Schulfreund studierte dort irgendwas mit Physik und ich besuchte ihn. Die Studis mussten sich für das Labor umziehen und konnten ihre Klamotten in klassische Metallspinde ablegen, wie man sie vom Bund oder der Jugendherberge kennt. Diese Spinde waren mit den üblichen Aufkleber (ihr wisst schon) und Sprüchen versehen. Ein Spind aber hatte in seiner Tür ein Bild von Stephen Hawking. Das ist Humor, wie er mir gefällt. Und ich glaube, Stephen Hawking hätte es auch gefallen.

VR-Kirchenrundgang in 360 Grad – Kapelle Johannisthal in der Oberpfalz

8. März 2018

Mit Sicherheit bin ich kein großer Kirchenexperte, aber ich schau mir gerne Gotteshäuser an. Dort halte ich inne, mache mir meine Gedanken und komme zur Ruhe und ab und zu schieße ich ein paar Fotos. Bei einem Seminar in der Oberpfalz bin ich auf die Kapelle in Johannisthal gestoßen und ich machte einen Kirchenrundgang mit der 360 Grad-Kamera.

Zwischen Falkenberg und Windischeschenbach in der Oberpfalz liegt das Naturschutzgebiet Waldnaabtal. Dort ist die Bildungseinrichtung Haus Johannisthal. Der Gebäudekomplex war in die Jahre gekommen. Seit 1948 wird das Gebäude für das Bistum Regensburg als Bildungseinrichtung genutzt und nun war es an der Zeit zu renovieren. So beschloss das Bistum Regensburg 2007 den ganzen Bereich zu modernisieren und zu überarbeiten. Optisch ist das ganze Projekt sehr interessant geworden, im Einzelfall muss es sich zeigen, ob es sich im Alltag bewährt. Die Aufteilung zwischen Essens-Verwaltungshaus und Seminargebäude gefällt mir gut. Die strikte Trennung der Einheiten tut der ganzen Sache gut. Die vier Gebäude gruppieren sich um einen symbolischen Dorfplatz herum. Es wurde heimisches Material verwendet und die Bauweise der Oberpfalz spiegelt sich.

Neue Kapelle vermittelt Schlichtheit
Zudem wurde eine neue Kirche geschaffen, die aus dem Gelände herausragt. Nachdem ich den ganzen Tag in den modernen, klaren Tagungsräumen verbracht und meinen Vortrag gehalten hatte, wollte ich auch mal etwas anderes sehen und schaute mir die Kapelle an. Am auffälligsten ist das extrem steile Satteldach mit grauen Ziegeln, steiler als die Dächer der anderen Gebäude. Die monochrome Gestaltung des Architektenteams Brückner & Brückner aus Tirschenreuth/Würzburg wirkt.
Das Innere der Kapelle ist fast schmucklos, nahezu karg. Ich war überrascht von der Wucht der Stille. Als ich die Kirche betrat, waren meine Seminarteilnehmer beim Essen. So hatte ich den Raum für mich und meine Gedanken alleine. Dieser Ort strahlt wirklich Stille aus und die Schlichtheit des hellen Fichtenholzes zwingt zur Konzentration auf das Wesentliche. Wand, Decke und Bänke sind aus diesem Holz. Kaum etwas lenkt meine Gedanken ab. Es gibt ein schlichtes Kreuz – vielleicht am Auffälligsten ist eine historische Madonna mit Kind in dem modernen Kirchenbau.
Ich setzte mich in die erste Reihe und bemerkte ein Lichterspiel hinter dem Alter. Die Sonne scheint durch ein schmales Fenster. Je nach Sonnenstand verändert sich das Licht im Raum – bei mir war es ziemlich windig und die Wolken sorgten für ein Licht- und Schattenspiel.

Meine Reportage: S-Bahn-Chaos in München

27. Februar 2018
Nix geht mehr bei der S-Bahn München.

Nix geht mehr bei der S-Bahn München.

Eigentlich begann es ganz ausgeglichen. Es war Montag und meine Arbeitswoche sollte erst gegen 9:52 Uhr beginnen. Ich hatte gegen 13 Uhr einen Seminarstart in Waldkraiburg und wollte wie fast immer mit dem Zug zu meinem Seminar fahren, entspannt ankommen. Daraus wurde an diesem Montag nichts.
Um 7:15 Uhr K1/2 aus dem Haus gebracht, damit sie ihre S-Bahn zur Schule erwischen. Gegen 7:40 Uhr machte sich dann die Ehefrau auf dem Weg zur Münchner S-Bahn. Ich hatte also rund zwei Stunden Zeit Koffer zu packen, Kaffee zu trinken, mich über die Nachrichtenlage zu informieren.
Und dann begann es: Gattin erklärte, dass sie ihre S-Bahn erreicht hatte und scheinbar die Züge Verspätung haben. Sie schrieb von vielen Fahrgästen, die bei der Warterei auf die Züge des Münchner Verkehrsverbundes MVV froren. Sie hatte dagegen Glück gehabt und hüpfte frohen Mutes in die einfahrende S-Bahn. Doch nach wenigen Stationen begann für sie das Chaos.

Streckenagent schlägt an
Derweil empfing ich zu Hause am Smartphone Meldungen des Streckenagenten, die von einer Störung auf der Stammstrecke berichteten. Naja, nichts neues in München. Es vergeht kaum ein Tag bei dem das marode ÖPNV-System irgendeine Störung hat. Doch dann kam die Meldung: Bahnhof Pasing gesperrt. Pasing liegt im Westen von München und ist Beginn der sogenannten Stammstrecke durch die fast alle Züge des öffentlichen Personennahverkehrs müssen. Wenn Pasing gesperrt ist, dann beginnt das Chaos. Mitten im morgendlichen Berufsverkehr blieben im Westen von München zwei Züge der Linien S3 und S6 auf freier Strecke liegen. Sie mussten bei eisigen Temperaturen evakuiert werden. Die S3 wird von der Gattin benutzt und ich wollte sie später auch nutzen.
SMS an die Gattin: Die war nicht in der liegengebliebenen Bahn, sondern in einem Zug vor Pasing, der freilich auch nicht weiterkam. Sie standen und sie froren. Die Kälte an diesem Tag war besonders heftig, die Meteorologen sprachen von einer sibirischen Kälte.
Ich beobachte den Streckenagenten genau, denn mein Abfahrttermin rückte näher. Ich las in sozialen Medien, dass die beiden betroffenen S-Bahn-Züge wegen der Kälte evakuiert werden mussten. Immer wieder SMS von der Gattin, das nichts vorangeht. Irgendwann beschloss sie in Olching, wie ihre Bahn stand, den Zug zu verlassen und wieder nach Hause zu fahren, sobald ein Zug in Gegenrichtung kommt. Als Glückspilz kam sogar einer und sie war wieder zu Hause – Homeoffice war bei ihr angesagt. Eine absolut richtige Entscheidung. Telearbeitsplatz hieß das früher.

Das Chaos lag vor mir
Ich dagegen hatte den Irrsinn noch vor mir. Die Stammstrecke war zu, komplett dicht. Kurz vor dem Rosenheimer Platz blieb auf der Stammstrecke ein Zug der S7 wegen eines technischen Defekts liegen. Kurze Zeit später konnte ein Zug der S8 wegen eines Notarzteinsatzes an der Hackerbrücke nicht weiter fahren.

Dick angezogen gegen die frostigen Temperaturen.

Dick angezogen gegen die frostigen Temperaturen.

Von der Ehefrau hörte ich, dass die S2 aus Dachau die einzige Bahn sei, die noch irgendwie fahren würde. Und weil es die beste Ehefrau von allen ist, packte sie mich ins Auto und wir fuhren nach Karlsfeld, damit ich die S2 besteigen kann. Der Autoverkehr um München herum hielt sich noch in Grenzen – trotz Montag. Am Bahnhof Karlsfeld herrschte ein eisiger Wind. Die Wartenden froren sichtlich. Sie hatten Schals um den Kopf geschlungen, Mützen tief ins Gesicht gezogen. An den Händen trugen sie Handschuhe und ein eisiger Wind pfiff. Ein paar Jugendliche waren mit Sneekers und blanken Knöcheln unterwegs, Flanking eben. Flanking setzt sich zusammen aus “flashing” und “ankle”, was in etwa so viel bedeutet wie “hervorblitzender Knöchel”. Man bekommt vom Flanking selbst keine Erkältung, aber der Trend bietet Erkrankungen durchaus Vorschub, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Dies dürfte bei sibirischen Temperaturen der Fall sein.

DIe S2 kommt - hurra.

DIe S2 kommt – hurra.

Zeitpuffer schrumpft
Ich hatte T-Shirt, Hoodie, Tweed-Mantel an und war gegen die Kälte geschützt. Und es hieß Warten. Fahrgäste diskutierten über Alternativen, wie sie zur Arbeit kommen könnten. Andere beklagten sich und grantelten auf Bayerisch herum. Es gab das eine oder andere Schimpfwort gegen die Bahn, das ich nicht zitieren werde. Und dann kam eine S2 – hurra. Die Aktion Heringsdose begann. Die Wagons waren gut gefüllt und nun kamen wir vom Bahnhof Karlsfeld auch noch in den Zug. Es wurde schön kuschelig, um es freundlich zu sagen. Ich war guter Dinge, denn ich war noch im Zeitplan. Die Aktion der Ehefrau hatte mich gerettet. Der Zug fuhr los, Richtung München. Und dann kam die Durchsage. Der Zug fährt ab Obermenzing nicht durch die Stammstrecke, sondern direkt zum Ostbahnhof über den Südring. Kurzes Erschrecken, aber nach einen Blick in die Bahn-App zeigte mir, dass ich eine andere Reiseroute nach Waldkraigburg ab Ostbahnhof nehmen kann – für mich also kein Problem.

In Laim war erst einmal Schluss.

In Laim war erst einmal Schluss.

Ein Problem kam nur als wir in Laim plötzlich stoppten und es hieß: Notarzteinsatz und der Südring sei nun auch zu. Wir saßen fest. Hoffentlich ist nichts Schlimmes passiert und – ich bin hier sehr egoistisch – hoffentlich kommen wir weiter. Ich musste den Anschlusszug am Ostbahnhof erwischen und zu meinem Seminar kommen, sonst geht mein Honorar flöten.
Minute um Minute verging. Die Situation im Zug war unangenehm. Die S-Bahn-München verfügt über keine Toiletten und es kam die Kälte von außen herein. Mein Zeitpuffer schrumpfte. Irgendwann nach einer gefühlten Ewigkeit ging es weiter. Mein Zeitpuffer war zusammengeschrumpft, aber ich konnte es noch schaffen. Der Ostbahnhof war voll mit wartenden und frierenden Reisenden. Viele Touristen wollten zum Flughafen, ganze Ströme von Werktätigen gingen Richtung U-Bahn.

Das Gedränge am Ostbahnhof war groß.

Das Gedränge am Ostbahnhof war groß.

Ich kämpfte mich zum EC nach Graz durch und schaffte es. Der Zug hatte Verspätung und damit ideal für mich. Reingesprungen und nach Rosenheim gefahren. In der bayerischen Provinz herrschte kein Chaos, aber die Kälte war da. Mein Anschluss nach Mühldorf kam pünktlich und ich stieg in Waldkraiburg aus. Alles gut, ich kam zu meinem Seminar einigermaßen pünktlich und ich hatte Glück. Meine Kinder K1/2 hatten weniger Glück und froren am Bahnhof bis ihr Zug nach Hause kam.

Kommentar: Ich habe die Schnauze voll
Insgesamt dürften allein am Morgen 200.000 Menschen betroffen gewesen sein. Die Ursache ist noch unklar. Die Kälte sei vermutlich nicht schuld, erklärte die Bahn. Gegen 19:50 Uhr kam dann die Meldung, dass meine S-Bahn wieder im Regelweg verkehrt.
Nun mein Fazit: Ich habe die Schnauze voll vom Krisenmanagement der Verantwortlichen, verzeiht die Wortwahl. Ein Oberleitungsschaden kann passieren, aber in München vergeht keine Woche, in der nicht etwas passiert. Das ganze System wurde kaputtgespart, die Technik ist marode und eine zweite Stammstrecke würde dieses Chaos nicht lösen. Es gibt keine Ringlösung. Ich bin furchtbar enttäuscht. Der einzelne Bahnmitarbeiter kann nichts dafür, aber hier wird meiner Meinung falsch geplant. Mal sehen, was uns diese Woche vom MVV noch erwartet.

Abends sollte sich die Situation entspannt haben.

Abends sollte sich die Situation entspannt haben.

Kommentar: Fußballvereine sollten für Polizeieinsätze mitzahlen

25. Februar 2018
Polizei musste im Münchner Hauptbahnhof einziehen, um unter Fußballfans keine Eskalation zuzulassen.

Polizei musste im Münchner Hauptbahnhof einziehen, um unter Fußballfans keine Eskalation zuzulassen.

Zugegeben: Ich interessiere mich nicht besonders für Fußball. Es ist schön, wenn sich andere an diesem Sport erfreuen können. Es ist nicht schön, wenn ich dafür als Steuerzahler zahlen darf. Ich bin dafür, dass die Polizei eine Sicherungsaufgabe bei Fußballspielen hat. Das Gewaltmonopol liegt eindeutig beim Staat.
Aber ich habe ein Problem damit, wenn so genannte Fans sich betrinken, grölend durch die Straßen marschieren und von Polizisten begleitet werden müssen. Und noch mehr Probleme habe ich damit, wenn die Polizei aufeinandertreffende Fußballexperten aufwändig trennen muss und ich mir den schauderhaften Fangesang mit allerhand Beleidigungen anhören darf. Fußball ist ein fettes Geschäft und die Clubs und Vereine sollten für den Aufwand durch Polizei und Ordnungshüter zur Kasse gebeten werden. Ich habe kein Problem, wenn der Staat die Kosten für Polizeieinsätze auf diese Geschäftsunternehmen Fußballverein umlegt bzw daran beteiligt. Jetzt kommt mir nicht mit dem Argument, dass dann auch jeder Weihnachts- oder Christkindlmarkt an die Kosten für die Sicherheit beteiligen muss. Das ist kein Argument. Der klassische Besucher eines Weihnachtsmarktes prollt in der Regel nicht aggressiv durch die Innenstadt.

Fanbeobachtungen
Als ich gestern beruflich von München nach Regensburg musste, war der RegionalExpress voll mit Fans des TSV 1860 München. Die Löwen haben kistenweise Alkohol in den Zug geschleppt und konsumiert. Gegenüber saß mir ein junger Mann, der sich lautstark über das Fußballgeschehen unterhalten musste und dabei eine Flasche Wodka köpfte. An Arbeiten war bei diesem Frohsinn im Zug meinerseits nicht zu denken. Also Kopfhörer auf und abgeschaltet. Als ich in Regensburg aus dem Zug ausstieg, traf ich auf eine Touristengruppe, die sichtlich erschüttert und verunsichert war über das lautstarke und alkoholisierte Fantreiben. Meinen Respekt an die Mitarbeiter der Deutschen Bahn, die sich durch den Zug kämpfen und sie dumme Sprüche anhören mussten.

Fangesänge mit Polizei
Als ich abends nach einer erfolgreichen Veranstaltung von Regensburg nach München zurückfuhr, traf ich auf einen alkoholisierten Fanpulk im Münchner Hauptbahnhof. Wieder waren es Löwen-Fans, die die Fans des FC Bayern verhöhnten. Bayern hatte gegen Herta Hertha Unentschieden gespielt und der Siegeszug des FC Bayern war gebrochen. Das erfreute die nicht gerade erfolgsverwöhnten Fans des TSV 1860 und man überzog die Bayernfans mit Beschimpfungen und Gesängen.

Die Fangesänge waren beleidigend. Wer bezahlt eigentlich den Polizeieinsatz?

Die Fangesänge waren beleidigend. Wer bezahlt eigentlich den Polizeieinsatz?

Nochmal: Ich finde es okay, wenn man sich für Fußball begeistern kann. Ich bin früher mit meinem Vater auch ins Stadion gegangen, aber irgendwie hatte ich den Eindruck, dass es da grundsätzlich zivilisierter abging.
Nicht okay finde ich den lautstarken Affenzirkus, der von den so genannten Fans aufgeführt wurde. Fußballfans hatten mir erklärt, dies sei ja gar nichts. Und ich hatte mich kurz mit einem Beamten unterhalten, der meinte, dass es hier vergleichsweise noch gesittet zuging. Mir hat es gereicht. Die Polizei traf ein und auch der Sicherheitstrupp der Deutschen Bahn war da, um mögliche Ausschreitungen einzudämmen. Ich habe keine solche Ausschreitungen gesehen, es blieb beim verbalen Geschrei. Das Aufgebot an Polizei fand ich enorm und ich danke den Verantwortlichen für diese Polizeipräsenz. Gleichzeitig weiß ich aber, dass gerade die Polizei enorme Überstunden anhäuft und dass die Beamten zu wenig sind und eigentlich wichtigere Aufgaben zu erledigen haben. Und ich weiß, dass das ich als Steuerzahler für diese so genannten Fans zur Kasse gebeten werde. Das gefällt mir absolut nicht. Zudem kann ich nicht über die Verrohung der Sprache aufreden und auf der anderen Seite höre ich beleidigende Fangesänge, aber das ist eine andere Geschichte aus dem Land der Dichter und Denker.

Fußball ist ein Geschäft
Fußball ist heute ein Millionengeschäft geworden – und ich bezahle Fußball durch meine Rundfunkgebühren und durch meine Steuern aufgrund solcher Polizeieinsätze. Warum zahlen eigentliche die Clubs und Vereine nicht für die Einsätze?
Geht die Politik das Problem an? Nun, wer gegen Fußball ist, der verliert in Deutschland Wahlen. Gerade lese ich, dass in Bremen künftig die Deutsche Fußball Liga (DFL) die Kosten der Polizeieinsätze bei Werder-Partien mittragen soll. Damit kann ich durchaus leben und ich begrüße diesen Schritt. Die Bremer Landesregierung will die DFL noch in diesem Jahr an den Kosten für Polizeieinsätze bei Bundesligaspielen des SV Werder im Weserstadion beteiligen.
Dagegen wird argumentiert, dass Fußballvereine und -verbände keinesfalls Verursacher oder Veranlasser von Gewalt sind. Nun, aber sie verdienen prächtig an dem Geschäft Fußball. Ich selbst habe keine salomonische Lösung, ich merke nur, dass mich der Zustand ärgert.
Ach ja: Ich habe am Hauptbahnhof München eine andere Touristengruppe getroffen, wie auch stark irritiert war, was da abging. Freunde des Fußballs, es ist ein tolles Bild, was unser Land da abgibt (Ironie aus).

Update: Gerade lese ich auf einer Fan-Seite des TSV 1860 München, dass der Regionalzug von Nürnberg nach München beschädigt wurde. Ich kann nur den Kopf schütteln und danken, dass ich nicht in dem Zug gefahren bin. Hier der Link.

42 Kanten des Triggerball lösen Verspannungen

22. Februar 2018
Ich hab einen Triggerball geschenkt bekommen und ich muss sagen: Das Ding wirkt.

Ich hab einen Triggerball geschenkt bekommen und ich muss sagen: Das Ding wirkt.

Als Ausgleich zur Bildschirm- und Seminararbeit treibe ich ein wenig Sport. Es könnte mehr sein, aber der Anfang ist gemacht. Wenn möglich schwimme ich, ich rudere am heimischen Rudergerät oder gehe spazieren. Ich habe das Prinzentraining Leben wie ein Prinz meines Freundes Armin Gross vom Hotel Prinz Luitpold Bad begonnen, der das wunderbares Buch Leben wie ein Prinz geschrieben hat. Und dennoch tut mir ab und zu der Rücken weh.
Bei einem Seminar hat mir ein Seminarteilnehmer den Triggerball geschenkt. Das ist ein kleiner Ball mit 42 Kanten gegen den Schmerz, speziell entwickelt zur Eigentherapie. Bei der Zahl 42 musste ich als redaktion42 natürlich stutzig werden und nahm das Geschenk dankend an. Der Triggerball dient der gezielten Behandlung von Verspannungen durch punktgenau Triggerpunkt-Dekompressionen und den Dehneffekt der verformbaren Oberfläche, so der Hersteller.

Ich war skeptisch, hab es aber dennoch ausprobiert und war sehr überrascht über das Resultat. Der Ball hilft bei meinen Verspannungen im Rücken und am Fuß. Auf der Website heißt es: „Wir haben den Triggerball speziell für deine Verspannungen und Triggerpunkte entwickelt. In unserem Partner-Therapiezentrum amanu – Medizinisches Gesundheitszentrum, fanden wir in jahrelanger Praxis heraus, dass ein Selbstbehandlungstool mit Kanten, einer verformbaren Außenfläche auf einem härteren Innenmantel, erwärmbar und kühlbar, die Linderung von Beschwerden in Faszien und Muskeln unterstützen kann.“

Sind zwar keine Triggerballs, machen aber auch Spaß. Foto: Tanja Kaiser

Sind zwar keine Triggerballs, machen aber auch Spaß. Foto: Tanja Kaiser

Wir haben den Ball in unserer Familie ausprobiert und das Teil wirkt wie beschrieben. Das Versprechen des Herstellers wurde eingelöst: Der ergonomisch optimierter Druckwiderstand des Triggerballs kann sich dem natürlichen Gewebedruck des menschlichen Körpers anpassen und somit kann die richtige Lage auf einer Auflagekante intuitiv gefunden werden. Klingt ein wenig kompliziert, ist es aber in der Praxis gar nicht. Ball dahin wo es weh tut und ein wenig bewegen und schon findet man automatisch den richtigen Punkt und der Schmerz löst sich. Natürlich ersetzt das Teil keinen Arzt oder einen professionellen Masseur, aber für die Verspannungen des Tages ist es ideal. Wenn der Ball richtig liegt zielt der unter den elastischen Kanten liegende, gehärtete Innenkern auf die Triggerpunkt-Dekompression ab. Damit wird der Daumendruck des Therapeuten nachgeahmt, so das Versprechen und ich muss sagen, es wirkt.
Ich bekomme immer wieder etwas von meinen Seminarteilnehmern geschenkt. Mal ist es eine Flasche Wein, mal sind es Pralinen – hier war es ein Triggerball und ich bin dankbar dafür.

Heimatgeschichte erlebbar gemacht: Kirchwacht-Wanderung durch Maisach

19. Februar 2018
Treffen vor dem Rathaus Maisach.

Treffen vor dem Rathaus Maisach.

Zur Hochzeit habe ich von dem damaligen Bürgermeister Gerhard Landgraf eine Chronik über meinen heutigen Wohnort Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck geschenkt bekommen. Jetzt war es an der Zeit auf Einladung des CSU Ortsverbandes eine Kirchwacht-Wanderung unter Leitung von Ortsarchivar Stefan Pfannes durch die Gemeinde mitzumachen und Teile der Chronik live zu erleben. Fazit: So muss Heimatgeschichte vermittelt werden: Authentisch, kompetent und mit unheimlich viel Engagement.
Die Idee gefällt mir und hat hoffentlich viele Nachahmer. Immer wieder wird geklagt, dass die Gemeinden im Speckgürtel um München herum nur als Schlaf- und Trabantenstädte gesehen werden. Die Identifikation mit seinem Wohnort bleibt da oftmals auf der Strecke. Daher nahm ich das Angebot gerne an, mich mit meinem Wohnort näher zu beschäftigen und Heimatgeschichte lebendig zu erleben. Den politischen Ort Maisach mit seinen zahlreichen Vereinen kannte ich aus meiner beruflichen Vergangenheit als Lokalreporter. Den historischen Ort Maisach kannte ich nur aus Büchern oder Artikeln. Es wurde also Zeit, mal die Ortsgeschichte hautnah zu erleben.

Mit Fackeln ausgestattet begann am Rathausplatz die so genannte Kirchwacht-Wanderung durch zahlreiche Plätze der Gemeinde. Ortsarchivar Stefan Pfannes erläuterte sogleich den Begriff der Kirchwacht. Während zu alten Zeiten alle braven Katholiken in der Kirche am Gottesdienst teilnahmen, mussten ein paar ausgewählte Bürger durch das Dorf patrouillieren, um mögliche Feuer zu entdecken. Im Grunde waren diese Kirchwachtgänger die Nachtwächter in einem Bauerndorf, wie es Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck nun mal war. Und so gingen wir moderne Kirchwachtgänger von Ort zu Ort und genossen die Geschichte und Geschichten von Stefan Pfannes.

Bürgermeister Hans Seidel versorgte uns mit Fackeln.

Bürgermeister Hans Seidl versorgte uns mit Fackeln.

Pfarrer Schmidhammer-Haus in Maisach
Die erste Station war das Pfarrer Schmidhammer-Haus und das benachbarte Benefiziatenhaus in der Nähe der Maisacher St. Vitus-Kirche. Matthias Schmidhammer war Anfangs des 20. Jahrhunderts ein streitbarer Pfarrer, der die Geschichte des Bauerndorfes stark geprägt hat. Schmidhammer hat es anscheinend so gut in der Gemeinde gefallen, dass er seinen Ruhestand in Maisach verbracht hat.

Teil der Pfarrkirche Maisach ist ein Schwarzbau
Ich wusste beispielsweise nicht, dass ein Teil der Pfarrkirche St. Vitus ein Schwarzbau ist. Stefan Pfannes nannte ihn den schönsten Schwarzbau Maisachs. Die Kirche wurde immer wieder während des Baus vergrößert, auch einmal ohne behördliche Genehmigung. Erst der Bischof erteilte diesem Verstoß bei der Einweihung seinen Segen. Am heutigen Kirchenparkplatz stand zudem das erste Schulhaus der Gemeinde, wie ich auf der zweiten Station unserer Kirchwachtrunde erfuhr.

Der Maisacher Friedhof und die Mär von einer Gruft
Die Maisacher waren erfindungsreich und eine kleine Notlüge hilft dem Tourismus. So ging die Mär, die Maisacher Pfarrkirche habe eine Gruft, in der Kaiser Ludwig der Bayer beigesetzt sei. Pustekuchen. Maisach hat keine Gruft und keinen Kaiser, aber es wäre doch so schön gewesen. Vielmehr ist das Grab von Pfarrer Schmidhammer und anderer lokaler Familien auf dem Friedhof zu finden.

Bayerische Gebietsreform trifft Maisach
Ich hatte bei einer früheren Reise mal Bruno Merk kennen- und schätzen gelernt. Er war damals Innenminister, der die bayerische Gebietsreform vorangetrieben hat und bei vielen Bürgerinnen und Bürgern regelrecht verhasst war. Die Gebietsreform von 1972 war meiner Meinung sinnvoll gewesen, doch war der Streit damals sehr heftig. Ortsarchivar Stefan Pfannes berichtete von der Abgrenzung der Gemeinde im Norden, die durch den Fluss Maisach begrenzt war.

Die Gebietsreform hat tiefe Wunden geschlagen.

Die Gebietsreform hat tiefe Wunden geschlagen.

Das Freibad Maisach und das Wettern der Kirche
Zu wärmeren Zeiten besuche ich mit meiner Familie gerne das Maisacher Freibad. Es ist für mich ein Hochgenuss und gerne unterstütze ich den Betrieb des Bades mit dem Kauf einer Jahreskarte. Früher war das Maisacher Freibad ein klassisches Flussbad, das auch bei den Münchner sehr beliebt war. Sie fuhren nach Maisach mit dem Zug ins Freibad und im Süden zum Maisacher Sommerkeller. Der Sommerkeller gehört heute zu Fürstenfeldbruck und ist ein Swinger Club und hat wohl eine andere Kundschaft als damals. Interessant war, dass der beliebte Pfarrer Schmidhammer massiv gegen den Verfall der Sitten durch das Freibad wetterte. Nun, die katholische Kirche hat den Kampf verloren – das Freibad in Maisach blieb.

Der Strom für Maisach durch die Hallermühle
Die Stromversorgung in der alten Zeit wurde von der Hallermühle erledigt. Die Mühle versorgte das Bauerndorf mit elektrischem Strom. Es war die erste Stromversorgung aus dem Jahr 1910. Die Hallermühle war eine von fünf Mühlen in der Gemeinde Maisach. Interessant ist auch, nach welchem System die Hausnummerierung in der Gemeinde durchgeführt wurde. Es war schon etwas unübersichtlich, wie die Hausnummern in dem Dorf verteilt waren.

Die Schleichwege durch Maisach
Der wichtigste Weg in dem alten Bauerndorf war immer der Weg zur Kirche. Daher gab es in der Gemeinde einige Schleichwege, die wir natürlich auf unserem Kirchwachtgang benutzen mussten. Viele dieser Schleichwege gibt es allerdings heute nicht mehr.

Wein- und Schnapswirtschaften in Maisach
Die Idee einer weiteren Ortsführung wurde vor dem Kramerladen Hans Schamberger geboren: Die Führung durch die Maisacher Wirtshäuser. Die Gemeinde hatte viele Gasthäuser, die im Laufe der Zeit verschwunden sind. So gab es aufgrund eines Weinbergs in Diepoltshofen eine Weinwirtschaft, es gab eine Schnapswirtschaft und natürlich auch die Brauerei und die Traditionswirtschaft Schlammerl, früher Sturmwirt genannt.

Unter Denkmalschutz steht der Kramerladen, für mich einer der schönsten Orte der Gemeinde.

Unter Denkmalschutz steht der Kramerladen, für mich einer der schönsten Orte der Gemeinde.

Der Kramerladen Schamberger steht heute unter Denkmalschutz und verfällt aufgrund eines Streits einer Erbengemeinschaft. Für mich wäre das Haus eines der Schmuckstücke der Gemeinde, was auch Ortsarchivar Stefan Pfannes bestätigte. Ich erinnere mich als Jugendlicher noch den Laden betreten zu haben, aber das ist lange lange vorbei.

Maisachs Adolf Hitler Platz ist heute ein Kreisverkehr
Die Hauptkreuzung von Maisach ist im Osten gewesen bei der Straße, die nach Überacker führte. Durch den Bau des Fliegerhorstes wurde die Verbindung im Süden abgeschnitten. Interessant für mich war, dass der zentrale Platz im Nationalsozialismus der Adolf Hitler Platz war – heute ist ein Kreisverkehr dort zu finden.

Maisacher Brauerei als Attraktion
Die Brauerei Maisach gehört sicherlich zu den Hauptattraktionen des Ortes. Im Sommer gehe ich gerne in den örtlichen Biergarten und trinke die Maisacher Perle und das süffige Kellerbier. Bekannt ist auch das dunkle Räuber Kneissl Bier. Wir durften das Brauereimuseum besuchen und die alten MAN-Dampfmaschine von 1892 besichtigen. Ortsarchivar Stefan Pfannes berichtete humorvoll von der Geschichte der Brauerei, wie die heutigen Eigentümer wohl zu dem Anwesen gekommen seien.

Die Brauerei sei zum Verkauf gestanden und eine Notbremsung des Zuges von München nach Augsburg sorgte für den Besitzerwechsel. Im Brauereimuseum der Brauerei Maisach steht eine alte noch funktionsfähige Dampfmaschine. Brauereimitarbeiter Günther Huber erklärte die Funktionsweise der 1892 gebauten Dampfmaschine.

Zwei Tonnen Stoffe für Togo

16. Februar 2018
Über zwei Tonnen Stoffe für Togo mussten abgeladen und verstaut werden.

Über zwei Tonnen Stoffe für Togo mussten abgeladen und verstaut werden.

Den heutigen Vormittag habe ich mit einem meiner Ehrenämter verbracht. Ich habe Stoffballen bei der Aktion PiT Togohilfe Maisach abgeladen und verstaut.

Die Firma Taubert Textil aus Freising hat der Maisacher Togohilfe über zwei Tonnen Stoffe gespendet, die mit einem Lkw nach Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck geliefert wurden. Für die ehrenamtlichen Mitglieder des Vereins bedeutete dies beim Entladen des Lkw anzupacken und die Stoffballen im Lager der Aktion PiT Togohilfe Maisach zu verstauen. Insgesamt wurden sechs Paletten an Stoffballen unterschiedlicher Farben abgeladen und mit einem Hubwagen ins Lager gebracht. Dort wurden die Ballen von uns abgelagert. Im westafrikanischen Togo unterstützt die Aktion PiT Togohilfe mehrere Nähereien. Zu ihnen werden die Stoffe geliefert. Die nächste Container ist für April 2018 geplant.

Hier werden die Stoffballen mit mechanischen Nähmaschinen in den Container geladen. Das sind aber nur ein kleiner Teil der Hilfsgüter, die nach Togo verschifft werden. Als ich mithalf die Stoffballen zu stapeln wurde von einem Mitglied von einer Spende von chirurgischen Instrumenten berichtet. Ich finde es toll, wie sich die Mitglieder mit dem Verein identifizieren.