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Kommentar: Fußballvereine sollten für Polizeieinsätze mitzahlen

25. Februar 2018
Polizei musste im Münchner Hauptbahnhof einziehen, um unter Fußballfans keine Eskalation zuzulassen.

Polizei musste im Münchner Hauptbahnhof einziehen, um unter Fußballfans keine Eskalation zuzulassen.

Zugegeben: Ich interessiere mich nicht besonders für Fußball. Es ist schön, wenn sich andere an diesem Sport erfreuen können. Es ist nicht schön, wenn ich dafür als Steuerzahler zahlen darf. Ich bin dafür, dass die Polizei eine Sicherungsaufgabe bei Fußballspielen hat. Das Gewaltmonopol liegt eindeutig beim Staat.
Aber ich habe ein Problem damit, wenn so genannte Fans sich betrinken, grölend durch die Straßen marschieren und von Polizisten begleitet werden müssen. Und noch mehr Probleme habe ich damit, wenn die Polizei aufeinandertreffende Fußballexperten aufwändig trennen muss und ich mir den schauderhaften Fangesang mit allerhand Beleidigungen anhören darf. Fußball ist ein fettes Geschäft und die Clubs und Vereine sollten für den Aufwand durch Polizei und Ordnungshüter zur Kasse gebeten werden. Ich habe kein Problem, wenn der Staat die Kosten für Polizeieinsätze auf diese Geschäftsunternehmen Fußballverein umlegt bzw daran beteiligt. Jetzt kommt mir nicht mit dem Argument, dass dann auch jeder Weihnachts- oder Christkindlmarkt an die Kosten für die Sicherheit beteiligen muss. Das ist kein Argument. Der klassische Besucher eines Weihnachtsmarktes prollt in der Regel nicht aggressiv durch die Innenstadt.

Fanbeobachtungen
Als ich gestern beruflich von München nach Regensburg musste, war der RegionalExpress voll mit Fans des TSV 1860 München. Die Löwen haben kistenweise Alkohol in den Zug geschleppt und konsumiert. Gegenüber saß mir ein junger Mann, der sich lautstark über das Fußballgeschehen unterhalten musste und dabei eine Flasche Wodka köpfte. An Arbeiten war bei diesem Frohsinn im Zug meinerseits nicht zu denken. Also Kopfhörer auf und abgeschaltet. Als ich in Regensburg aus dem Zug ausstieg, traf ich auf eine Touristengruppe, die sichtlich erschüttert und verunsichert war über das lautstarke und alkoholisierte Fantreiben. Meinen Respekt an die Mitarbeiter der Deutschen Bahn, die sich durch den Zug kämpfen und sie dumme Sprüche anhören mussten.

Fangesänge mit Polizei
Als ich abends nach einer erfolgreichen Veranstaltung von Regensburg nach München zurückfuhr, traf ich auf einen alkoholisierten Fanpulk im Münchner Hauptbahnhof. Wieder waren es Löwen-Fans, die die Fans des FC Bayern verhöhnten. Bayern hatte gegen Herta Hertha Unentschieden gespielt und der Siegeszug des FC Bayern war gebrochen. Das erfreute die nicht gerade erfolgsverwöhnten Fans des TSV 1860 und man überzog die Bayernfans mit Beschimpfungen und Gesängen.

Die Fangesänge waren beleidigend. Wer bezahlt eigentlich den Polizeieinsatz?

Die Fangesänge waren beleidigend. Wer bezahlt eigentlich den Polizeieinsatz?

Nochmal: Ich finde es okay, wenn man sich für Fußball begeistern kann. Ich bin früher mit meinem Vater auch ins Stadion gegangen, aber irgendwie hatte ich den Eindruck, dass es da grundsätzlich zivilisierter abging.
Nicht okay finde ich den lautstarken Affenzirkus, der von den so genannten Fans aufgeführt wurde. Fußballfans hatten mir erklärt, dies sei ja gar nichts. Und ich hatte mich kurz mit einem Beamten unterhalten, der meinte, dass es hier vergleichsweise noch gesittet zuging. Mir hat es gereicht. Die Polizei traf ein und auch der Sicherheitstrupp der Deutschen Bahn war da, um mögliche Ausschreitungen einzudämmen. Ich habe keine solche Ausschreitungen gesehen, es blieb beim verbalen Geschrei. Das Aufgebot an Polizei fand ich enorm und ich danke den Verantwortlichen für diese Polizeipräsenz. Gleichzeitig weiß ich aber, dass gerade die Polizei enorme Überstunden anhäuft und dass die Beamten zu wenig sind und eigentlich wichtigere Aufgaben zu erledigen haben. Und ich weiß, dass das ich als Steuerzahler für diese so genannten Fans zur Kasse gebeten werde. Das gefällt mir absolut nicht. Zudem kann ich nicht über die Verrohung der Sprache aufreden und auf der anderen Seite höre ich beleidigende Fangesänge, aber das ist eine andere Geschichte aus dem Land der Dichter und Denker.

Fußball ist ein Geschäft
Fußball ist heute ein Millionengeschäft geworden – und ich bezahle Fußball durch meine Rundfunkgebühren und durch meine Steuern aufgrund solcher Polizeieinsätze. Warum zahlen eigentliche die Clubs und Vereine nicht für die Einsätze?
Geht die Politik das Problem an? Nun, wer gegen Fußball ist, der verliert in Deutschland Wahlen. Gerade lese ich, dass in Bremen künftig die Deutsche Fußball Liga (DFL) die Kosten der Polizeieinsätze bei Werder-Partien mittragen soll. Damit kann ich durchaus leben und ich begrüße diesen Schritt. Die Bremer Landesregierung will die DFL noch in diesem Jahr an den Kosten für Polizeieinsätze bei Bundesligaspielen des SV Werder im Weserstadion beteiligen.
Dagegen wird argumentiert, dass Fußballvereine und -verbände keinesfalls Verursacher oder Veranlasser von Gewalt sind. Nun, aber sie verdienen prächtig an dem Geschäft Fußball. Ich selbst habe keine salomonische Lösung, ich merke nur, dass mich der Zustand ärgert.
Ach ja: Ich habe am Hauptbahnhof München eine andere Touristengruppe getroffen, wie auch stark irritiert war, was da abging. Freunde des Fußballs, es ist ein tolles Bild, was unser Land da abgibt (Ironie aus).

Update: Gerade lese ich auf einer Fan-Seite des TSV 1860 München, dass der Regionalzug von Nürnberg nach München beschädigt wurde. Ich kann nur den Kopf schütteln und danken, dass ich nicht in dem Zug gefahren bin. Hier der Link.