Kommentar: Fußballvereine sollten für Polizeieinsätze mitzahlen

Polizei musste im Münchner Hauptbahnhof einziehen, um unter Fußballfans keine Eskalation zuzulassen.

Polizei musste im Münchner Hauptbahnhof einziehen, um unter Fußballfans keine Eskalation zuzulassen.

Zugegeben: Ich interessiere mich nicht besonders für Fußball. Es ist schön, wenn sich andere an diesem Sport erfreuen können. Es ist nicht schön, wenn ich dafür als Steuerzahler zahlen darf. Ich bin dafür, dass die Polizei eine Sicherungsaufgabe bei Fußballspielen hat. Das Gewaltmonopol liegt eindeutig beim Staat.
Aber ich habe ein Problem damit, wenn so genannte Fans sich betrinken, grölend durch die Straßen marschieren und von Polizisten begleitet werden müssen. Und noch mehr Probleme habe ich damit, wenn die Polizei aufeinandertreffende Fußballexperten aufwändig trennen muss und ich mir den schauderhaften Fangesang mit allerhand Beleidigungen anhören darf. Fußball ist ein fettes Geschäft und die Clubs und Vereine sollten für den Aufwand durch Polizei und Ordnungshüter zur Kasse gebeten werden. Ich habe kein Problem, wenn der Staat die Kosten für Polizeieinsätze auf diese Geschäftsunternehmen Fußballverein umlegt bzw daran beteiligt. Jetzt kommt mir nicht mit dem Argument, dass dann auch jeder Weihnachts- oder Christkindlmarkt an die Kosten für die Sicherheit beteiligen muss. Das ist kein Argument. Der klassische Besucher eines Weihnachtsmarktes prollt in der Regel nicht aggressiv durch die Innenstadt.

Fanbeobachtungen
Als ich gestern beruflich von München nach Regensburg musste, war der RegionalExpress voll mit Fans des TSV 1860 München. Die Löwen haben kistenweise Alkohol in den Zug geschleppt und konsumiert. Gegenüber saß mir ein junger Mann, der sich lautstark über das Fußballgeschehen unterhalten musste und dabei eine Flasche Wodka köpfte. An Arbeiten war bei diesem Frohsinn im Zug meinerseits nicht zu denken. Also Kopfhörer auf und abgeschaltet. Als ich in Regensburg aus dem Zug ausstieg, traf ich auf eine Touristengruppe, die sichtlich erschüttert und verunsichert war über das lautstarke und alkoholisierte Fantreiben. Meinen Respekt an die Mitarbeiter der Deutschen Bahn, die sich durch den Zug kämpfen und sie dumme Sprüche anhören mussten.

Fangesänge mit Polizei
Als ich abends nach einer erfolgreichen Veranstaltung von Regensburg nach München zurückfuhr, traf ich auf einen alkoholisierten Fanpulk im Münchner Hauptbahnhof. Wieder waren es Löwen-Fans, die die Fans des FC Bayern verhöhnten. Bayern hatte gegen Herta Hertha Unentschieden gespielt und der Siegeszug des FC Bayern war gebrochen. Das erfreute die nicht gerade erfolgsverwöhnten Fans des TSV 1860 und man überzog die Bayernfans mit Beschimpfungen und Gesängen.

Die Fangesänge waren beleidigend. Wer bezahlt eigentlich den Polizeieinsatz?

Die Fangesänge waren beleidigend. Wer bezahlt eigentlich den Polizeieinsatz?

Nochmal: Ich finde es okay, wenn man sich für Fußball begeistern kann. Ich bin früher mit meinem Vater auch ins Stadion gegangen, aber irgendwie hatte ich den Eindruck, dass es da grundsätzlich zivilisierter abging.
Nicht okay finde ich den lautstarken Affenzirkus, der von den so genannten Fans aufgeführt wurde. Fußballfans hatten mir erklärt, dies sei ja gar nichts. Und ich hatte mich kurz mit einem Beamten unterhalten, der meinte, dass es hier vergleichsweise noch gesittet zuging. Mir hat es gereicht. Die Polizei traf ein und auch der Sicherheitstrupp der Deutschen Bahn war da, um mögliche Ausschreitungen einzudämmen. Ich habe keine solche Ausschreitungen gesehen, es blieb beim verbalen Geschrei. Das Aufgebot an Polizei fand ich enorm und ich danke den Verantwortlichen für diese Polizeipräsenz. Gleichzeitig weiß ich aber, dass gerade die Polizei enorme Überstunden anhäuft und dass die Beamten zu wenig sind und eigentlich wichtigere Aufgaben zu erledigen haben. Und ich weiß, dass das ich als Steuerzahler für diese so genannten Fans zur Kasse gebeten werde. Das gefällt mir absolut nicht. Zudem kann ich nicht über die Verrohung der Sprache aufreden und auf der anderen Seite höre ich beleidigende Fangesänge, aber das ist eine andere Geschichte aus dem Land der Dichter und Denker.

Fußball ist ein Geschäft
Fußball ist heute ein Millionengeschäft geworden – und ich bezahle Fußball durch meine Rundfunkgebühren und durch meine Steuern aufgrund solcher Polizeieinsätze. Warum zahlen eigentliche die Clubs und Vereine nicht für die Einsätze?
Geht die Politik das Problem an? Nun, wer gegen Fußball ist, der verliert in Deutschland Wahlen. Gerade lese ich, dass in Bremen künftig die Deutsche Fußball Liga (DFL) die Kosten der Polizeieinsätze bei Werder-Partien mittragen soll. Damit kann ich durchaus leben und ich begrüße diesen Schritt. Die Bremer Landesregierung will die DFL noch in diesem Jahr an den Kosten für Polizeieinsätze bei Bundesligaspielen des SV Werder im Weserstadion beteiligen.
Dagegen wird argumentiert, dass Fußballvereine und -verbände keinesfalls Verursacher oder Veranlasser von Gewalt sind. Nun, aber sie verdienen prächtig an dem Geschäft Fußball. Ich selbst habe keine salomonische Lösung, ich merke nur, dass mich der Zustand ärgert.
Ach ja: Ich habe am Hauptbahnhof München eine andere Touristengruppe getroffen, wie auch stark irritiert war, was da abging. Freunde des Fußballs, es ist ein tolles Bild, was unser Land da abgibt (Ironie aus).

Update: Gerade lese ich auf einer Fan-Seite des TSV 1860 München, dass der Regionalzug von Nürnberg nach München beschädigt wurde. Ich kann nur den Kopf schütteln und danken, dass ich nicht in dem Zug gefahren bin. Hier der Link.

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6 Antworten to “Kommentar: Fußballvereine sollten für Polizeieinsätze mitzahlen”

  1. Harry Lucks Says:

    Das ist wunderbar geschrieben,und es könnte auch von mir sein!!
    Was ja noch leider dazukommt ist die Angst wenn Mann auf diese Gruppen trrift,nicht nur im Bahnhof sondern auch auf dem Weg ins Stadion.
    Dem Vergleich bzw nicht Vergleich mit Weihnachtsmärkten stimme ich so komplett zu.Ein Weihnachtsmarkt wird wirklich nur selten total verwüstet zurückgelassen….
    Also ich bin auch absolut dafür das die Vereine hier ganz erheblich an den Kosten beteiligt werden bzw in die Verantwortung genommen werden.
    Zum Schluss noch einen Bemekung die mir immer wichtig ist:
    Ein ganz großer Teil der Fußball Fans sind das was sie sein wollen,Fans die sich im Stadion,Kneipe des Fußball friedlich erfreuen!!!
    Es sind die hirnverbranten nicht belehrbaren die jeden Samstag zu Ausfallerscheinungen führen.!!

  2. fneumeier Says:

    Das sehe ich exakt wie Du: Es ist ein ganz wesentlicher Unterschied, ob ein Partikular-Interesse (Fußball, wenn auch mit breitem Interesse) ganz konkrete Polizeieinsätze auslöst, also direkt ursächlich ist, oder ob ein Weihnachtsmarkt ganz allgemein vor diffusen Bedrohungen (z.B. latente Terrorgefahr) abgesichert wird. „Fan“-Ausschreitungen haben einen direkten Zusammenhang mit der Veranstaltung, Weihnachtsmärkte nicht. Deshalb halte ich es für nicht nur legitim, da deutlich abzugrenzen, sondern sogar dringend geboten, die Allgemeinheit nicht mit Kosten zu belasten, die a) mit ganz klar wirtschaftlichen Interessen (=Fußball-Liga, kommerzielle Veranstaltung) dienen, b) nur einem klar definierbaren Teil der Bevölkerung nutzen und c) gesellschaftlich nicht notwendig sind (=eine Demokratie würde auch ohne Fußball funktionieren).

    Vielleicht noch ein Vergleich, der über Weihnachtsmärkte hinausgeht, weil die Fußballiga ja in diese Richtung argumentiert: Wenn ein Pharma-Unternehmen mit gefährlichen Stoffen arbeitet, muss es ja auch selbst komplett für die Kosten aufkommen, die anfallen, um die Allgemeinheit vor Schäden schützen – obwohl das Unternehmen z.B. wichtige Medikamente o.ä. herstellt, die durchaus wichtig für die Allgemeinheit sind. Warum also soll umgekehrt der Steuerzahler für die Absicherung der Kommerz-Veranstaltung „Fußballspiel“ bezahlen, wenn das Pharma-Unternehmen das selbstverständlich alles selbst bezahlt?

    Also mein klare Meinung: Allgemeine Absicherung von Fußballspielen selbstverständlich durch die Polizei und auf Kosten der Steuerzahler, so wie sie allgemein Weihnachtsmärkte absichert und Personal bereitstellt, um bei Verkehrsunfällen zu helfen und und Einbrüche zu verhindern etc. Aber die konkreten, direkt einem Ereignis zuzuordnenden und von vorne herein abzusehenden Extreme müssen die Vereine oder die Liga selbst bezahlen. Insofern finde ich den Weg, den Bremen da geht, absolut richtig und einen fairen Kompromiss zwischen Allgemeininteresse am Fußball und Schutz der Steuerzahler vor Kosten, die rein einer kommerziellen Veranstaltung zuzuordnen sind.

  3. Daniel Says:

    Die Vereine zahlen Steuern für jedes verkaufte Bier, Wurst, Snacks, Fanartikel, auch für seine Gebäude, Fahrzeuge, Kleidung, usw.
    Genauso für die Löhne alles Fußballer und der Angestellten im Verein.
    Damit ist der „Polizeieinsatz“ mehr als abgegolten. Wobei die Polizisten auch so rund um die Uhr am Bahnhof sind, egal ob Fußball ist oder nicht.
    Nicht zu vergessen, der Wirtschaftlichen Faktor den der Fußball mit sich bringt; Bahnreisen, Kneipenaufenthalte uvvm.!
    Deswegen ist der Artikel nicht im geringsten überdacht sondern auf Stammtischniveau.

  4. Sergey Says:

    Was für ein dilettantischer Kommentar…Direkt mit dem ersten Satz im Artikel selbst disqualifiziert.

  5. TRAVELBOOK84 Says:

    Also sollten auch kurdische Demonstranten den Polizeieinsatz zahlen? Ist ebenfalls nur von partikularem Interesse.

  6. Dr. Q Says:

    Ein unglaublich dämlicher Kommentar!
    Warum sollten Vereine für etwas zu, was im öffentlichen Raum passiert?
    Wenn sich jetzt z.B. nach der Wiesn zwei Personen über, sagen wir mal den Musikgeschmack streiten, und die Polizei hinzukommt, wer zahlt dann? Die Wiesnwirte? Die jeweiligen Musiker? Innerhalb des Stadions ist es natürlich richtig, und wird ja auch so praktiziert, dass der Veranstalter für Sicherheit sorgt.
    Übrigens, wenn Sie sich nur ansatzweise mit Fußball beschäftigen würden, wäre Ihnen klar, dass das Polizeiaufgebot meist völlig übertrieben ist. Und über beleidigende Gesänge kann man glaube ich hinwegsehen, soweit sie nicht gegen einen selbst gerichtet sind.
    Ich glaube zwar nicht, dass ich Sie von meiner Meinung überzeugen kann, allerdings kann ich Ihnen so vielleicht ein wenig Sinn für Toleranz und die Realität beibringen…

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