Archive for the ‘Aufgelesen’ Category

Böllerverbot jetzt und Bildung, Bildung, Bildung

3. Januar 2023

Ich habe die wahren Klimaterroristen gesehen und vor allem gehört: Die Böllerschützen, die unsere Umwelt versauen und ihre Mitmenschen mit Sprengstoff bewerfen. Es gibt kein sachliches Argumente für Böller (hört mir bloß auf mit Tradition), aber die Argumente gegen Böller sind unbestreitbar und mannigfaltig. Für mich seid ihr nichts anderes als rücksichtslose Tierquäler. Und ich lese erschreckt von massiven Verletzten um die Silvesterballerei und sehe die Bilder im Web. Gezielt werden Rettungskräfte angegriffen.

Natürlich werde ich jetzt als Spaßbremse beleidigt, wenn ich ein Verbot der Böllerei fordere. Entsprechende Meldungen der Gewerkschaften der Polizei und Feuerwehr können wir alle verfolgen und dürfen nicht die Augen davor verschließen. Allein in Berlin sind laut Medienberichterstattung in der Neujahrsnacht 33 Feuerwehrleute und Polizisten verletzt worden, als sie mit Böllern und Raketen beschossen wurden. Aber auch in anderen Großstädten herrschte Krieg.

Rettungskräfte werden mit Böller beworfen, ja wo sind wir denn? Gleichzeitig fordere ich, die Übeltäter zu bestrafen, die entsprechenden Gesetze haben wir ja bereits. Jetzt wendet sie endlich einmal an! Und ich fordere Bildung, Bildung und Bildung sowie Erziehung. Wo ist die Vorbildfunktion der Erwachsenen?
Und ich bin jetzt auf die Politik gespannt. An ein Verbot von Böllern wird man sich bei den Volksparteien nicht heranwagen, denn das könnte ja Wählerstimmen kosten. Wer böllert, der wählt auch und bloß nicht diese Klientel verschrecken. Die vielbeschworene Eigenverantwortung, die die Politik bei Corona immer gerne ins Spiel bringt, ist bei den Böllerterroristen komplett gescheitert. Und Silvesterböllern hat schon lange nichts mehr mit dem Austreiben von bösen Geistern zu tun.
Die Umwelt und vor allem die Tierwelt leidet massiv unter der nutzlosen Schießerei. Wer Tiere zu Hause hat, kann von dem Leid der großen und kleinen Tiere ein Lied singen. Wer schießen und andere Menschen gefährden will, dem stehen in Europa im Moment andere Möglichkeiten offen.

Und dann lässt man natürlich seinen Müll liegen, andere werden sich ja um den Dreck kümmern. Man selbst hatte ja seinen Bombenspaß, den andere dann wegräumen sollen. Und die Allgemeinheit soll dieses Aufräumen dann noch von ihren Steuergeldern bezahlen. Was habt ihr für eine Erziehung genossen – wenn überhaupt?

Wenn dann noch von den gleichen Leuten gejammert wird, dass die Energiepreise zu hoch sind, aber dann für viel Euro überflüssiges Feuerwerk gekauft wird, dann stimmt etwas in diesem Land nicht. Der Auftakt zu 2023 lässt mich an der Vernunft der Menschen zweifeln. Da ist es natürlich einfacher, ein paar Wirrköpfe, die sich festkleben, populistisch als Klimaterroristen zu bezeichnen, als vielmehr gegen Böllerterroristen etwas zu tun. Veränderung ist schwer, vor allem wenn sie bei einem selbst beginnt. Ich bin mal gespannt, ob wir es schaffen, zum Jahreswechsel 2023/24 etwas zu ändern.

Ein paar persönliche Gedanken zu Benedikt XVI.

1. Januar 2023

Benedikt XVI. ist im Alter von 95 Jahren verstorben und keine Angst, es wird keine geschichtliche oder gar theologische Würdigung dieses Mannes, der scheinbar das Amt des Papstes nie angestrebt habt. Das überlasse ich anderen, gelehrteren Menschen.

Als Journalist sah ich Benedikt XVI. immer wieder Mittelpunkt von Geschichten, ganz abseits von Theologie. Mein Eindruck war, dass er bessere Berater verdient hätte. Das Amt des Papstes ist schließlich auch ein politisches Amt. Er war Staatsoberhaupt und Leiter einer Verwaltung und scheinbar war und ist der Vatikan auch eine politische Schlangengrube. Johannes Paul II. war ein politischer Medienpapst, der den Kommunismus stürzte. Sein Nachfolger war ein Professor aus Regensburg, der Bücher schreiben wollte. Das ist der große Unterschied. In dieser Welt der Medien und der Politik ist Benedikt XVI. wohl gescheitert. Er hatte seinen Laden nicht im Griff, reagierte zögerlich und im Fall des Holocaust-Leugner Richard Williamson, den britischen Bischof der Piusbruderschaft, meines Erachtens auch falsch, als er diesen Mann wieder in die katholische Kirche aufnahm. Auch bei den Diskussionen um die elenden Missbrauchsvorfälle zeigte er keine Führungsstärke, die ich hier von einem Kirchenoberhaupt einer Weltreligion erwartet hätte.

Getroffen habe ich ihn, als er Erzbischof in München und Freising war, kam aber nie ins Gespräch mit ihm. Ich war schließlich noch ein Kind. Als Johannes Paul II. in München war, da war Ratzinger an seiner Seite – so sah ich es im Fernsehen. Anfang der 80er Jahre wurde Ratzinger dann nach Rom als Chef der Glaubenskongregation berufen.

Der Papst ist aber ein Medienstar und ich glaube, das war absolut nicht seine Welt. Er war wohl eher ein Mann der Gedanken. Aber ich freute mich als Deutscher, dass nach rund 500 Jahren wieder ein Landsmann auf den Thorn Petris saß. Als Joseph Ratzinger am 19. April 2005 zum Papst gewählt Papst wurde, lachte ich mich über zwei geniale Zeitungsschlagzeilen: Die BILD titelte genial „Wir sind Papst“ und die taz aus Berlin schrieb „Oh mein Gott“.

Als es Jahre später zum Rücktritt kam, wollten beide Publikationen an die Papstwahl optisch anknüpfen. Dabei war die BILD-Schlagzeile eher schwach, die taz titelte „Gott sei Dank“.

Als Papst kam Benedikt XVI. ja nach Bayern und inzwischen hatte ich Interesse als Journalist an seiner Person. Ich bemühte mich um eine Eintrittskarte zur Regensburger Rede am 12. September 2006 und bekam keine Akkreditierung. Ich war wohl den Verantwortlichen nicht wichtig genug. So hörte ich mir diese Rede im Radio und später im Netz an. Der Originaltitel der Rede lautet: „Glaube, Vernunft und Universität. Erinnerungen und Reflexionen.“ Und natürlich wurde ein Zitat aus der Vorlesung „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, daß er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten.“ aus dem Zusammenhang gerissen. Ich habe mir die Rede jetzt wieder angehört und ich finde es eine kluge Rede. Macht euch selbst ein Bild.

Irgendwann kaufte ich mir aus Neugierde den ersten Teil seines Jesus von Nazareth-Buches. Es liest sich gut. Allerdings werden darin Fragen beantwortet, an deren Formulierung ich gescheitert wäre, weil ich die Probleme gar nicht sah. Ja, ich denke, der Herr Ratzinger war ein sehr kluger Mann und theologisch beurteilen kann ich seine Gedanken absolut nicht. Dazu bin ich einfach zu ungebildet.

Jetzt beobachte ich, wie sein Begräbnis abläuft und wie seine geschichtliche Würdigung aussieht. Einfach und bescheiden soll sie werden, ganz so wie er wohl auch als Person war.

Telegramm ist am Ende

29. Dezember 2022

Telegramm wird zum Jahresende eingestellt. Nicht der Messengerdienst Telegram mit einem m, sondern der Telegramm-Dienst der Deutschen Post mit zwei m. Und damit geht wieder eine Ära der alten Kommunikation zu Ende. Vor kurzem das Münztelefon, jetzt das Telegramm und bald das Kartentelefon.
Aber seien wir mal ehrlich: Wann haben Sie das letzte Mal ein Telegramm verschickt oder erhalten? Eben, das ist das Problem. Warum einen Dienst aufrecht erhalten, den keiner mehr nutzt. Meine Frau erzählte mir, dass sie zum 18. Geburtstag ein Telegramm erhalten habe. Das ist ein paar Tage her, wobei ich nicht sagen will, dass meine Frau alt ist. Ich kann mich noch erinnern an ein Telegramm an unsere Familie erinnern, weiß aber den Anlass nicht mehr.

Fleißig Telegramme verschickt
Dabei war ich als Kind ein eifriger Telegramm-Schreiber. Ich verschickte Dutzende Versionen dieses Mediums an Freunde, bei denen die Texte in Typewriter gesetzt waren und immer mit +++ begannen. Das +++ war mir persönlich sehr wichtig. Der Grund für das hohe Telegrammaufkommen bei mir war das heimische Postamt in meinem Kinderzimmer. Meine Eltern schenkten mir eine Kinderpost. Hier faszinierte mich natürlich das Stempelkissen. All das Papier im heimischen Haushalt wurde von mir fachgerecht gestempelt. Eine Karriere als Beamter schien eigentlich vorprogrammiert. In Sachen Stempel konnte mir keiner etwas vormachen.

Aber noch wichtiger war das Telegramm. Mein Papa schrieb auf seiner Schreibmaschine dann Formblätter für das Telegramm, freilich in Typewriter-Typo. Das Spiel lief so ab: Ich nahm das Telegramm von meinen Eltern, Verwandten oder Nachbarn an, kassierte Pfennigbeträge als Bearbeitungsgebühr. Eine Quittung gab es auf Verlangen auch, natürlich mit Stempel – ich war ja auf einem Amt. Dann setzte sich mich an Papas Schreibmaschine und tippte im Adlerkreissuchsystem mit einem Finger das Telegramm auf ein weißes Blatt Papier, was so einige Zeit dauerte, denn ich konnte als Knirps nicht Schreibmaschineschreiben. Wichtig war, dass immer +++ drei Pluszeichen zwischen den Sätzen standen. Dann wurde der Text mit der Schere ausgeschnitten und auf das vorbereitete Formblatt mit Tesafilm aufgeklebt. Fertig war mein Telegramm, das nun ausgeliefert werden konnte. So schrieb meine Mutter Telegramme an meinen Vater, die Nachbarn an andere Nachbarn. Ich hatte richtig viel zu tun in meinem Postamt.
Nun, meine Kinderpost gibt es heute nicht mehr, Beamter bin auch keiner geworden und nun zieht die Deutsche Post nach. Der Telegramm-Dienst wird zum 31.12.2022 eingestellt.

bei mir ein paar Pfennige Bearbeitungsgebühr gekostet hat, ist heute ziemlich teuer. Die Preise des Telegramms sind abhängig von der Zeichenzahl sowie den gewünschten Zusatzeigenschaften und verstehen sich immer inklusive Mehrwertsteuer:
Minitelegramm (bis 160 Zeichen) 12,90 €
Maxitelegramm (bis 480 Zeichen) 18,35 €
Minitelegramm plus Schmuckblatt 17,10 €
Maxitelegramm plus Schmuckblatt 22,55 €
je weitere 200 Zusatzzeichen (max. 1.280) je + 5,25 €

Ich muss nicht mehr zur Post, um ein Telegramm aufzugeben. Bei der Beauftragung per Internet haben wir die Möglichkeit, alle zur Verfügung gestellten Zahlverfahren des Shops zu nutzen. Eine Registrierung ist hierzu nicht erforderlich.
Möchten man das Telegramm per Telefon aufgeben, erfolgt die Bezahlung per Lastschrift (Bankeinzug). Dazu ist die Abfrage der Bankverbindung erforderlich. Aber bitte bedenken: Zum Jahresende ist Schluss mit dem Telegramm.

Alien für das Atari 2600

24. Dezember 2022

Für mich gehört der Film Alien von 1979 zu den wichtigsten Werken der modernen Filmgeschichte überhaupt. Im Weltraum hört dich niemand schreien – so lautete der Slogan des Science Fiction-Films, der durch das von HR Giger geschaffene Monster Filmgeschichte schuf.

Aufgrund des Film entstanden zahlreiche Videospiele in der Folgezeit. Jetzt erhielt ich das erste Alien-Spiel überhaupt – und zwar – hipp hipp hurra – in der Originalverpackung. Es handelt sich um die Cartridge von 1982 für das Atari 2600 – meine Lieblingsretrokonsole. Es ist das erste offiziell lizenzierte Spiel von und wurde von 20th Century Fox veröffentlicht. Es handelt sich um ein Labyrinth-Videospiel, das von Doug Neubauer geschrieben wurde und ziemlich nah an Pac Man ist. Der Spieler steuert ein Mitglied der menschlichen Crew, das von drei Aliens in den Gängen eines Schiffes verfolgt wird. Das Ziel ist es, die in den Gängen abgelegten Alien-Eier zu zerstören (wie die Punkte in Pac-Man). Der Spieler ist mit einem Flammenwerfer bewaffnet, der die Außerirdischen vorübergehend lahm legen kann. Außerdem erscheinen gelegentlich „Pulsare“ (wie die Power-Pillen in Pac-Man), die den Spieß umdrehen und es dem Menschen ermöglichen, die Aliens zu überwältigen. Sobald der Spieler alle Eier gesammelt hat, gelangt er in eine Bonusrunde, in der er ein Extra-Punkte-Power-Up finden muss, während er (wieder) Dutzenden von Aliens ausweicht.

Also allzu kompliziert ist Alien auf dem Atari 2600 in seiner 8 Bit Grafik nicht. Aber wem Pac Man gefällt, dem wird Alien auch gefallen.

Mit onemate-Rucksäcken auf Reisen

23. Dezember 2022

Im Jahr 2022 waren bei mir weniger Reisen angesagt, aber so dann und wann packte ich meine sieben Sachen und fuhr zu Seminare. Lustreisen sparte ich mir mir 2022 wegen Corona komplett. Bisher war ich mit meinen Rimowa-Koffern oder Ledertaschen unterwegs. Aber ich wollte mal Rucksäcke ausprobieren, obwohl ich kein Rucksacktyp bin, denn Hemden und Anzüge zu transportieren erschien mir schwierig.

Aufgrund von nerviger, aber bei mir effektiver Facebook-Werbung probierte ich im Sommer von dem deutschen Unternehmen Onemate aus Pforzheim den Rucksack discovery aus. Er überzeugte mich aufgrund seiner interessanten Fächeraufteilung. Der discovery ist ein funktionaler Rucksack mit 4-in-1 Vielseitigkeit: Er verbindet die minimalistische Eleganz von einem Business Rucksack mit der hohen technischen Funktionalität eines Reisekoffers und dem Style eines Alltagsrucksack.

Er sollte laut Hersteller Platz für bis zu drei Tage bieten, was bei mir allerdings nicht gelang. Von 22 Liter auf 30 Liter ist der Rucksack erweiterbar, aber er reicht bei mir allerdings nur für zwei Tage Business-Klamotte samt Schuhe. Dennoch: Mich überzeugte vor allem das bequeme Packen durch seitliches Öffnen des Kofferfachs. Bei den meisten meiner bisherigen Rucksäcke stopfte ich die Klamotte oben hinein, das ist okay für Freizeit, aber nicht für Business-Reisen. Zudem verwende ich gerne Packwürfel oder neudeutsch packing cubes fürs Packen, damit alles seine Ordnung hat. Als Farbe des Rucksacks wählte ich Grau-Beige, weil Schwarz mir zu langweilig war. Grün war mir zu militärisch und Blau als Farbe mag ich nicht. Grau-Beige schmutzte nicht und der discovery erfüllte seinen Zweck.


Aber es sollte mehr Volumen sein und so orderte ich nach einem halben Jahr den Reiserucksack mit 40 Liter. Er soll als Handgepäckrucksack durchgehen, was ich mangels Flüge nicht überprüfen konnte – ich bin leidgeprüfter Bahnfahrer. Er hat ein großes Schuhfach und ist formstabil. Seine neun Fächer zum Organisieren sind etwas anders konzipiert als beim discovery, aber ich fand mich schnell zurecht. Das Packen durch seitliches Öffnen des Kofferfachs war wieder dabei – was mir sicherlich das Wichtigste an diesem Reiserucksack war. Schmerzlich vermisste ich allerdings die beiden seitlichen Taschen des discoverys für Schirm und Flasche. Es ist nur ein Seitenfach vorhanden, dafür gibt es Ösen für Karabiner an den Tragegurte. Hier befestigte ich Flasche und Kopfhörer. Damit seh ich zwar aus wie ein Fallschirmspringer, aber Opfer müssen gebracht werden.

Das gesamte Material der beiden Rucksäcke ist laut Hersteller aus recycelten Plastikflaschen hergestellt und gibt ihnen somit ein zweites Leben (klingt schön, wenn man von Plastik spricht). Die Plastikflaschen stammen aus einem Land ohne Pfandsystem, damit sie nicht in den Meeren landen. Also hab ich auch ein gutes Gefühl. Lediglich die Reißverschlüsse, Accessoires und Paddings sind aktuell noch nicht recycelt. Ich kann die beiden Rucksäcke von Onemate empfehlen.

Die zwölf wichtigsten Wörter des Jahres 2022

7. Dezember 2022

Es geht Richtung Jahresende und es folgen die üblichen Jahresüberblicke en masse. Ich habe eine Meldung von Babbel, der Online-Sprachlernplattform, aufgegriffen, die mir gefällt. Hier wurden die wichtigsten Wörter der vergangenen zwölf Monate aufgelistet und analysiert. Natürlich sind die klassischen Aufreger dabei, damit wir alle etwas davon haben.

Januar: Pushback. Das Unwort des Jahres 2021 steht für die Zurückweisung von Geflüchteten an den europäischen Grenzen. Mit diesem Euphemismus soll diese menschenverachtende Praxis verharmlost werden.

Februar: Thronjubiläum. Queen Elizabeth feierte im Februar ihr 70. Thronjubiläum und auch hierzulande wurde dieses historische Ereignis mit gesteigertem Interesse medial verfolgt. Dieses ganz normale Kompositum beschreibt einen bis dato nie da gewesenen Jahrestag – und einen solchen wird es auch so nicht mehr geben, denn die Queen verstirbt im September 2022.

März: Oscar-Ohrfeige. Will Smith ohrfeigt Komiker Chris Rock auf der Bühne während der Oscar-Verleihung, nachdem dieser einen Witz über Smiths Frau gemacht hatte. Alliterationen werden gern in Überschriften verwendet, da sie den Lesenden schneller ins Auge fallen.

April: Angriffskrieg. Insbesondere in der ersten Zeit nach Ausbruch des Krieges rangen Politiker und Reporter um Formulierungen in der Öffentlichkeit, wie man die Kampfhandlungen in der Ukraine nennen soll, bis schließlich klar definiert wurde, dass Russland die Ukraine angegriffen und einen Krieg begonnen hat. Diese Wortwahl ist ganz klar negativ konnotiert und auch beschuldigend, denn „Krieg“ alleine bezeichnet schon, was passiert. Mit „Angriffskrieg“ wird jedoch ein deutlicher politischer Standpunkt eingenommen.

Mai: Teuerungswelle. Hohe Heizkosten, teurere Lebensmittel – die Deutschen mussten dieses Jahr tiefer in die Tasche greifen. Das deutschsprachige Synonym für Inflation verdeutlicht die steigenden Preise und stellt eine analoge Wortbildung zum Begriff Coronawelle dar und hat damit eine verbindende Wirkung auf die Menschen.

Juni: 9-Euro-Ticket. Drei Monate lang ist die Nutzung des ÖPNV deutschlandweit für neun Euro pro Monat möglich, 52 Mio. Tickets wurden zusätzlich in dem Aktionszeitraum gebucht. Ich war dabei und fand die ganze Aktion großartig.

Juli: Gletschersturz. Im Juli ereignete sich der Gletschersturz an der Marmolata, dem höchsten Berg der Dolomiten. Ein riesiger Eisblock löste sich vom Gletscher und stürzte ins Tal. Elf Menschen kamen ums Leben. Experten sind sich einig, dass die Katastrophe eine Folge des Klimawandels war.

August: Rekord-Niedrigwasser. Extreme Wetterphänomene haben in diesem Jahr sichtbar zugenommen. Ausbleibende Niederschläge, starke Hitze und Trockenheit führten in diesem Sommer in Deutschland zu niedrigen Flusspegeln. So sank z.B. der Flusspegel im Rhein so tief wie noch nie zuvor.

September: Energiekrise. Die Energieversorgung wird knapp, die Menschen werden von der Politik zum Sparen angehalten, die Gaspreisbremse soll die Verbraucher schützen. Dieses eine Wort beschreibt eine komplexe politische und wirtschaftliche Problematik. Es ist eine Vereinfachung und Konzentrierung des Sachverhaltes.

Oktober: Doppelwumms. Der von Bundeskanzler Olaf Scholz ausgesprochene „Doppelwumms“ soll die Folgen der Energiekrise abmildern. Ein bildhaftes Wort, hinter dem jedoch ein Mehr von 200 Milliarden Euro Schulden stecken. Es ist eine Onomatopoetika bzw. ein lautmalerischer Ausdruck, der den Eindruck davon erzeugt, wie ein nichtmenschlicher Laut klingt. Der Doppelwumms erntete aber Kritik: Der Ausdruck sei infantil und populistisch.

November: Twitterübernahme. Tech-Tycoon Elon Musk ist ein Dauergarant für Schlagzeilen. Auch als er der neue CEO von Twitter wurde, entwickelte sich dies zu einem sehr heißen Thema in der deutschen Presse und mündete in Diskussionen über Größenwahn und die Redefreiheit an sich.

Dezember: Klimakleber. Die Aktivisten oder Öko-Terroristen, wie manche sagen, der „Letzten Generation“ kleben sich mit einem speziellen Klebstoff fest, um Abläufe im Alltag zu stören und das Bewusstsein auf den Klimawandel zu lenken. Diese Alliteration zieht sehr viel Aufmerksamkeit auf sich und drückt gleichzeitig genau aus, was passiert. Obwohl die Aktionen umstritten sind, haben die Aktivisten es geschafft, die Menschen zum Diskutieren zu bringen.

Leipziger Gesichter

30. November 2022

Als ich durch das wunderschöne Leipzig spazierte, war ich von der Stadt begeistert. Die Messestadt hat eine interessante Geschichte und interessante Menschen. Und als Geschichtenerzähler wie ich es als Journalist bin, interessieren mich vor allem die Menschen.

Nachdem Streetfotos in Deutschland durch Persönlichkeitsrechte massiv eingeschränkt sind, wollte ich aber dennoch Gesichter der Stadt fotografieren. Und ich entschied mich für Gesichter aus Stein, die in der ganzen Stadt zu finden sind. Viel Spaß beim Gesichterschauen.

Besuch im Auerbachs Keller, Leipzig

29. November 2022

Wenn ich schon mal in Leipzig bin, muss ich auch zum Touristenhotspot Auerbachs Keller. Das zweitälteste Leipziger Gasthaus hat sich auf die Touri-Massen und Neugierige eingestellt, ähnlich wie das Hofbräuhaus in meiner Geburtstag München. Entsprechend einer amerikanischen Studie rangiert Auerbachs Keller unter den zehn bekanntesten Gaststätten der Welt derzeit auf Rang 5 nach Münchner Hofbräuhaus (hurra), Caesar´s Palace in Las Vegas, Café Sacher in Wien und Hard Rock Café, L.A.

Ich glaube nicht, dass die Massen, die ich in Auerbachs Keller angetroffen habe, alle eingefleischte Goethe-Fans sind, aber Faust war jedenfalls allgegenwärtig. Goethe ist eine tolle Werbefigur. An den Adventswochenenden sind ca. 2000 Gäste pro Tag zu Gast.

Am Eingang zum Keller unter der Mädler-Passage finden sich die verzauberten Studenten, eine Bronzegruppe von Mathieu Molitor und das bekannte dynamische Duo Mephisto und Faust. Und natürlich gibt es das legendäre Fass: Mephisto und Faust reiten auf einem fliegendem Weinfass im großen Keller. Bitte die Geschichte nachlesen in der kostenlosen Kindle-Version von Faust. Der Weinausschank wurde übrigens schon 1438 erwähnt und auch Herr Goethe war ein trinkfreudiger Gast in dem Keller.
Ihren heutigen Namen erhielt die Gaststätte nach dem ehemaligen Erbauer und Eigentümer, dem Leipziger Stadtrat, Arzt und Hochschullehrer Heinrich Stromer, der nach seinem Geburtsort Auerbach in der Oberpfalz nur „Dr. Auerbach“ genannt wurde und 1508 auch als Rektor der Universität wirkte.
Im „Großen Keller“, der 1912 zusammen mit der Mädler-Passage erbaut worden ist, werden vorrangig Gerichte der klassischen, sächsischen Küche serviert. Das Essen war okay, aber nichts berauschendes. 8.500 Teller stehen bereit, um die kulinarischen Köstlichkeiten der Küche auf die Tafel zu bringen. Seit dem Bestehen von Auerbachs Keller wurden über 100 Millionen Gäste bewirtet.

Restauranttipp: C’est la vie in Leipzig

28. November 2022

Meine Gattin und ich wollten bei einem Besuch in Leipzig nicht in einer klassischen Wirtschaft speisen, sondern wir wollten etwas besonderes. Das Internet schlug uns das Französische Gourmet Restaurant C’est la vie vor. Klang gut und das probierten wir aus.

Kurzer Anruf und wir bekamen noch einen Platz, obwohl wir schon etwas knapp in der Zeit waren. Wir wurden auf die Zeiten der Küchenmitarbeiter hingewiesen, sodass das große Menü nicht mehr möglich war. Freundlich war der Service, der uns erwartete. Wir konnten aus den drei wechselnden Menüs AMÉLIE (für Frauen), GÉRARD (für Männer) und VÉGÉTARIEN wählen und zusammenstellen. Vier Gänge belaufen sich auf 80 Euro ohne Weinbegleitung. Jeder weitere Gang kostet 15 Euro, aber der war ja aufgrund der klaren Ansage sowieso nicht zu erwarten.
Wir genossen die Gaumenfreuden, die Kreativität der Speisen und stellten fest, die Sommeliere ist eine profunde Weinkennerin. Die beiden Inhaberinnen Deborah Connolly und Inga Connolly-Dahse sind bekennende Liebhaberinnen der französischen Küche und sie sind meiner Meinung nach grundsätzlich auf dem richtigen Weg zu einem Michelin-Stern. Französische Spezialitäten, traditionell und modern zubereitet, werden von ausgesuchten Weinen und Champagner begleitet.

Persönlich war mir die opulente Einrichtung mit ihren goldfarbenen Stühlen, fein gedeckten Tischen und rubinroten Accessoires ein bisschen zu viel, aber das ist Geschmacksache. Das Wichtigste sind natürlich die harmonischen Speisen. Die einzige, wirkliche Kritik hatte ich nur mit dem Käse-Dessert, die meiner Meinung nach nicht optimal harmonisierten, aber auch das ist Geschmacksache.
Sobald ich in Leipzig bin, werde ich auf jeden Fall wieder im C’est la vie in der Zentralstraße 7 vorbeischauen. Ich freu mich schon.

Motorworld München – Mobilität in jeder Form

24. November 2022

„Die Motorworld ist nun ein Teil von München und wir freuen uns her zu sein und durchzustarten“, so Sebastian Olsowksi, Standortleiter der Motorworld München. „Mobilität in jeder Form steht bei uns im Mittelpunkt.“ Bei Motorworld München dreht es sich augenscheinlich in erster Linie um des Deutschen liebsten Kindes: Das Automobil.

Auf dem umfangreichen Gelände des ehemaligen Ausbesserungswerkes der Deutschen Bahn ist ein eindrucksvolles Areal in München in der Nähe des Bahnhofs Freimann entstanden, das ein umfassendes und scheinbar durchdachtes Konzept beinhaltet, wie die Mitglieder des Internationalen PresseClub Münchens erfahren durften. Die Motorworld München stützt sich auf vier Säulen: Vermietung/Verkauf, Glasboxen, Tagungen/Events und Sonderprojekte. Auf den ersten Blick scheint das Millionenprojekt auf 75000 Quadratmeter aufzugehen. Alle Läden sind ausgebucht, bei den Glasboxen gibt es eine Warteschlange, das vier Sterne Hotel Ameron brummt, in den Konzerthalle wie das Zenith finden in dichter Folge Konzerte statt und beispielsweise Sotheby’s führt Auktionen durch.


Der Standort München ist der jüngste Sproß des schwäbischen Unternehmers Andreas Dünkel, dessen Familie mit Kiesabbau in Schemmerhofen in der Nähe von Biberach begann. Inzwischen ist die Motorworld Group eine nationale Holding mit eindrucksvollen Standorten in Berlin, Köln, Böblingen, Herten, Metzingen, Zürich und Rüsselsheim. Weitere Standorte wie Mallorca und Luxembourg sind begonnen, man blickt über die deutschen Grenzen hinaus.

Mobilität im Mittelpunkt
Sebastian Olsowksi und seine Kolleginnen Wiebke Deggau von der Pressestelle und Sybille Bayer von der Geschäftsleitung können eindrucksvolle Zahlen beim Rundgang mit den PresseClub-Mitgliedern vorweisen. Die unter Denkmalschutz stehende Lokhalle, in der einst Lokomotiven repariert wurden und in die nach 25 Jahren Stillstand nun neues Leben gekommen ist, hat gigantische Ausmaße: 185 Meter lang, 90 Meter breit und bis zu 18 Metern hoch – eine der größten freitragenden historischen Stahltragwerkshallen Europas. Die Halle und die zum Ensemble gehörenden Gebäude wurden in den vergangenen Jahren für einen Millionenbetrag aufwendig restauriert. Und dann kam zur Eröffnung Corona und kaum etwas ging. Motorworld überbrückte die Durststrecke und hielt durch. Heute ist viel Leben in dem Bauwerk mit seinen Shops, zahlreichen Restaurants und natürlich Autohändlern.

Im Mittelpunkt steht alles rund um das Auto. Exklusiver Handel mit Luxusautomobilen, Sportwagen, Oldtimer, Bikes und E-Mobility, Fahrzeugaufbereitung und -veredelung, Pflege- und Wartungsservice sowie Lifestyle- und Merch-Shops. Die PresseClub-Mitglieder sahen das Who-is-Who der Autobranche: Hier eine Auswahl der Luxusmarken: BMW, McLaren, Bugatti, Rolls Royce, Porsche, Ferrari, Renault Alpine, Lotus, Morgan und Donkervoort sowie Mercedes AMG. Daneben gibt es acht gastronomische Betriebe und auch Shops wie Hutkönig aus Regensburg und die Bäckerei Höflinger mit einem originellen Kiosk samt Verkauf von hochwertigen Bildbänden rund ums Auto.
Bei dem Besuch des PresseClubs wurde gerade für kurze Zeit eine Bugatti-Ausstellung eröffnet mit dem La Votiure Noire im Mittelpunkt – zahlreiche Car-Spotter mit ihren Kameras inklusive.

Das meist fotografierte Automobil ist aber sicherlich der Nissan Sykline R34/GT-R von Paul Walker aus dem Actionfilm Fast and Furious 4.

Sichtlich beeindruckt lud PresseClub-Ehrenvorsitzender Peter Schmalz das Team von Motorworld in die Räume des PresseClubs an den Marienplatz ein. „Wir haben zwar keine so große Räumlichkeiten wie Sie, aber wir können den Oberbürgermeister auf den Tisch schauen.“

Mit dem Auto ins Hotelzimmer
Das vier Sterne Hotel Ameron bietet seinen Gästen 156 Zimmer. Das Zimmer 157 ist ein Luxuswohnmobil von Carthago mit einer Belegungsrate von 70 Prozent. Durch Corona hat der Deutsche das Campen wieder lieben gelernt und das Luxuswohnmobil Carthago chic e-line mit privater Terrasse und Outdoor-Lounge zeigt, was für Geld möglich ist.

Wenn die Liebe zu Automobil so groß ist, dann kann man in drei Car-Studios neben seinem Auto im Hotelzimmer nächtigen. Wer bei McLaren einen Flitzer in der Motorword erwirbt, der kann die erste Nacht mit seinem Auto verbringen, das ins Zimmer gefahren wird und hinter Glas betrachtet werden kann. Allerdings sollte so ein Zimmer mindestens ein halbes Jahr vorher gebucht werden, denn der Andrang ist enorm. Von wegen Krise und Inflation, das Geschäft in der Motorworld brummt.
Auch die Tagungsräume muten eher wie ein Cockpit als wie ein schnöder Raum mit Tisch und Stuhl an. Alles ist durchdacht und die Themenräume bis ins Detail optimiert. So gibt es Räume zu Rennfahrer Legenden wie Hans-Joachim „Stritzel“ Stuck, Leopold „Poldi“ Prinz von Bayern und dem Gespann Walter Röhrl/Christian Geistdörfer, die in enger Zusammenarbeit mit diesen Legenden ausgestattet wurden.

Hier wirkt die Location auf die Seminarteilnehmer, die nicht nur Vortragsinput erhalten, sondern auch viel Mobilitätsemotionen. Es treffen sich hier die wahren Fans, die alles genau unter die Lupe nehmen. Die Begeisterung ist zu spüren. Findet der detailversessene Fan eine Ungenauigkeit in einem Themenraum, freuen sich die Mitarbeiter von Motorworld, wenn sie diesen Fehler korrigieren können – eben Fans unter sich. Eine Konkurrenz zur BMW Motorwelt und dem Verkehrsmuseum München sieht Standortleiter Sebastian Olsowksi nicht, „eher eine wunderbare Ergänzung.“

Blech hinter Glas
Ein Hingucker sind auf jeden Fall die 111 Glasboxen. Hier lässt sich die Leidenschaft der Deutschen für Autos spüren und vor allem sehen. Die durchsichtigen Boxen können von Liebhabern gemietet werden und dort ihr Auto unterstellen. Durch ein System wie ein Hochregal können die Glasboxen angesteuert werden und der Besitzer kann an 24 Stunden am Tag an sein Fahrzeug kommen – im Grunde eine edle Parkgarage. Hier stellen Sammler ihre kostbaren Autos ein und aus. Originell war aber auch, dass auch ein verstaubter Scheunenfund eines grauen VW-Käfers mit noch originalverpackter Stoßstange in einer Glasbox untergestellt wurde. Hier beweist Motorworld einen entsprechenden Humor.

Die Liste der Interessenten für eine Glasbox ist lang und im Zweifelsfall entscheidet der oberste Chef Andreas Dünkel welches Auto zugelassen wird. Unter der Hand war zu erfahren, dass es in München einen unausgesprochenen Aufnahmestopp von Porsche 911 gibt.

Und jetzt liegt es an uns
Für Journalisten und Blogger gibt es Hunderte von Geschichten in der Motorworld München zu entdecken. Daher kann der Rundgang mit dem PresseClub München nur ein Anfang gewesen sein. Jetzt geht die Detailarbeit und Recherchearbeit los. Interessant ist auch die Kommunikation der Motorworld selbst. Das Unternehmen ist in Instagram, Linkedin, YouTube und Facebook hauptsächlich vertreten und gibt ein kostenloses Online-Magazin heraus.