Die Ausstellung „HAAR – MACHT – LUST“ in der Kunsthalle München ist ein herausragendes kulturelles Highlight, das die tiefgreifende gesellschaftliche und politische Bedeutung von Haaren beleuchtet. Bis zum 4. Oktober 2026 lädt die Schau zu einem fesselnden Streifzug durch drei Jahrtausende Kunst- und Kulturgeschichte ein. Als Pressebeauftragter des Landesinnungsverbandes Friseure und Kosmetiker Bayern besuchte ich die Ausstellung und war schwer begeistert.
Eine universelle Sprache Haare sind weit mehr als ein bloßes modisches Accessoire oder eine Frage des persönlichen Stils. Sie fungieren seit Jahrtausenden als kraftvolles Ausdrucksmittel, um Zugehörigkeit zu demonstrieren, soziale Rollen zu definieren oder Rebellion und Widerstand zu artikulieren. Die Ausstellung zeigt auf faszinierende Weise, wie das scheinbar Alltägliche von Schönheit und Begehren, aber auch von spürbaren Machtgefällen und Ohnmacht erzählt.
Meisterhafte Kuration Unter der Leitung von Kuratorin Juliane Au und Direktor Roger Diederen wurden rund 200 hochkarätige Exponate von der Antike bis zur Gegenwart raffiniert und tiefgründig in Szene gesetzt. Die beeindruckende Bandbreite reicht von klassischen Gemälden und Skulpturen über Videoarbeiten bis hin zu skurrilen Alltagsgegenständen wie historischen Barttassen aus dem 19. Jahrhundert. Leihgaben aus weltberühmten Häusern wie dem Louvre, dem Prado und dem Rijksmuseum unterstreichen den internationalen und kulturübergreifenden Anspruch dieser hervorragend gegliederten Schau.
Historie und moderner Protest Jeder Ausstellungsraum widmet sich einem spezifischen Aspekt und verwebt historische Kontexte nahtlos mit hochaktuellen Themen. So wird dokumentiert, wie im Militär vergangener Epochen die Länge des Bartes den sozialen Rang spiegelte, oder wie historische Herrscher ihre Macht über Frauen durch deren Haartracht inszenierten. Im direkten Kontrast dazu stehen moderne Werke, welche die iranischen „Frau, Leben, Freiheit“-Proteste von 2024 aufgreifen und eindrucksvoll zeigen, wie das Abschneiden der Haare zum ultimativen Symbol der Selbstbestimmung wird.
Die Ausstellung überzeugt nicht nur durch ihre schiere Vielfalt, sondern setzt mit ausgewählten Exponaten wie filmischen Arbeiten, popkulturellen Ikonen und mythologischen Figuren brillante Akzente.
Multimediale Videoarbeiten Die Schau besticht durch einen integrativen Ansatz, der klassische Kunstwerke fließend mit modernen Videoarbeiten verknüpft. Diese filmischen Darstellungen machen das Motiv greifbar, indem sie die Dynamik, Sinnlichkeit und Wandelbarkeit von Kopf- und Körperhaar auf eine Weise einfangen, die statische Medien kaum leisten können. Durch die bewegten Bilder wird das faszinierende Zusammenspiel von Identität, Schönheit und Körperlichkeit für die Besucher auf einer sehr direkten, modernen Ebene erlebbar gemacht. Besonders habe ich mich über Charlie Chaplins-Film der große Diktator gefreut, eine Satire über Hitler, bei dem Chaplin einen jüdischen Friseur spielt.
Friedensprotest von John Lennon Ein absolutes Highlight für mich als Popkultur-Fan ist die ikonische Fotografie „Hair Peace, Bed Peace“ von Nico Koster aus dem Jahr 1969. Das Bild zeigt John Lennon und Yoko Ono bei ihrem weltberühmten „Bed-in“-Protest und demonstriert eindrucksvoll, wie Haare als bewusstes politisches Statement eingesetzt wurden. In diesem historischen Kontext wird die wachsende Haarpracht zum ultimativen Symbol für Rebellion, Gewaltlosigkeit und den gesellschaftlichen Aufbruch einer ganzen Generation.
Die Schlangen der Medusa Auch die fesselnde Kraft der Mythologie findet ihren verdienten Platz in der Ausstellung, was besonders an den Darstellungen der Medusa deutlich wird. Ihre legendären, furchteinflößenden Schlangenhaare dienen in der Kunstgeschichte als eindringliches Symbol für unbändige Stärke, Gefahr und weibliche Urgewalt. Diese klassischen Interpretationen belegen auf faszinierende Weise, dass den Haaren schon in der Antike eine mystische und zutiefst Respekt einflößende Macht zugeschrieben wurde.
Die Ausstellung beweist enorme kuratorische Stärke, indem sie die untrennbare Verbindung von Haaren und menschlicher Würde auch in ihren dunkelsten, schmerzhaftesten historischen Dimensionen schonungslos beleuchtet. Im Spannungsfeld von Macht und Ohnmacht wird das Haar hier vom ästhetischen Objekt zum Zeugen tiefster menschlicher Abgründe und systematischer Unterwerfung.
Instrument der öffentlichen Demütigung Ein historisch erschütterndes Beispiel für die gewaltvolle Instrumentalisierung von Haaren ist die Behandlung französischer Kollaborateurinnen nach der Befreiung am Ende des Zweiten Weltkriegs. Frauen, denen eine sogenannte „horizontale Kollaboration“ mit deutschen Besatzern vorgeworfen wurde, wurden auf den Straßen öffentlich und systematisch kahlgeschoren, um sie gesellschaftlich zu brandmarken und vor der Masse maximal zu demütigen. Die Thematik der Ausstellung verdeutlicht hier auf schmerzhafte Weise, wie der erzwungene Verlust der Haare als direktes Instrument der politischen Machtausübung, der Rache und der gezielten Identitätsberaubung fungiert.
Die absolute Dehumanisierung im KZ Auschwitz Den unfassbaren Tiefpunkt der historischen Ohnmacht markiert die beispiellose Entwürdigung von Menschen durch die Nationalsozialisten in Vernichtungslagern wie dem KZ Auschwitz. Das dortige systematische Scheren der Opfer unmittelbar nach ihrer Ankunft besiegelte den ultimativen Akt der Entmenschlichung und den endgültigen Raub jeglicher persönlicher Identität. Die verabscheuungswürdige, geradezu industrielle Verwertung dieses menschlichen Haares als bloßes Rohmaterial für die Kriegsindustrie offenbart eine absolute Grausamkeit, die dem Ausstellungsaspekt der „Ohnmacht“ eine zutiefst bedrückende und historisch notwendige Dimension verleiht. Auch das gehört zu dieser Ausstellung dazu.
Die Geschichte der sogenannten Madonna im „Göring-Zug“ ist ein eindrückliches Beispiel für den systematischen Kunstraub des Nationalsozialismus und für die persönliche Bereicherung führender NS-Funktionäre in den letzten Kriegsjahren. Im Zentrum steht der Sonderzug von Hermann Göring, der gegen Ende des Zweiten Weltkriegs nicht nur als mobiles Hauptquartier, sondern auch als Transportmittel für geraubte Kunstwerke diente. Die Madonna ist im hervorragenden Dokumentationszentrum Obersalzberg zu sehen.
Göring war einer der skrupellosesten Kunstsammler des NS-Regimes. In den von Deutschland besetzten Gebieten, vor allem in Frankreich, Belgien und den Niederlanden, ließ er gezielt Museen, Kirchen und private Sammlungen plündern. Besonders sakrale Kunstwerke, darunter Darstellungen der Madonna, galten als kulturell wie symbolisch wertvoll. Eine dieser Madonnen – in zeitgenössischen Berichten oft nur verkürzt als „die Madonna im Göring-Zug“ bezeichnet – wurde aus einem kirchlichen oder musealen Zusammenhang entwendet und dem persönlichen Kunstbesitz Görings zugerechnet.
In einem Eisenbahnwaggon auf freiem Feld nahe Berchtesgaden stießen US-Soldaten auf diese „Madonna auf der Mondsichel“. Sie befand sich in einem Zug voller Kunstwerke, mit dem Göring seine Kunstsammlung in Sicherheit bringen wollte. Wohl schon bei diesem Transport war sie beschädigt worden. Die Madonna hatte in Görings Landsitz bei Berlin gestanden. Sie war ein Geschenk des Gauleiters von Essen zur Taufe von Görings Tochter Edda und stammte aus dem Auktionshaus Julius Böhler. Die Amerikaner dokumentierten den Fund mit der Filmkamera und registrierten in Schönau den Inhalt des Zuges. Ehe die Kunstwerke nach München transportiert wurden, improvisierten die US-Soldaten eine Ausstellung: „Hermann Goering’s Art Collection“ zeigte die Sammlung, deren Stücke größtenteils in ganz Europa geraubt worden waren.
Als sich 1944 und 1945 die militärische Niederlage des Deutschen Reiches abzeichnete, begann Göring, seine Kunstschätze in Sicherheit zu bringen. Sein luxuriös ausgestatteter Sonderzug wurde dabei zu einem fahrenden Tresor. In Waggons, die äußerlich kaum von regulären Salonwagen zu unterscheiden waren, lagerten Gemälde, Skulpturen und kirchliche Kunstobjekte, darunter auch die Madonna. Der Zug bewegte sich quer durch Süddeutschland und Österreich, stets auf der Suche nach einem sicheren Ort, fernab der heranrückenden Alliierten.
Die Madonna erhielt in dieser Geschichte eine besondere symbolische Bedeutung. Während das Regime nach außen noch Durchhalteparolen verbreitete, wurde im Inneren bereits geplündert, verschoben und versteckt. Ein religiöses Kunstwerk, das ursprünglich der Andacht und dem Gemeinwohl diente, wurde so zum Bestandteil einer privaten Flucht- und Bereicherungsstrategie. Die Madonna im Göring-Zug steht damit sinnbildlich für den moralischen Bankrott der NS-Elite in den letzten Kriegsmonaten.
Nach Kriegsende fiel der Sonderzug den Alliierten in die Hände. Die Kunstwerke wurden beschlagnahmt, katalogisiert und – soweit möglich – an ihre Herkunftsorte zurückgegeben. Auch die Madonna wurde restituiert. Ihre Rückkehr markiert nicht nur die Wiederherstellung rechtmäßigen Besitzes, sondern auch das Scheitern eines Systems, das Kunst, Religion und Geschichte gleichermaßen instrumentalisierte.
Historisch interessant ist die Episode weniger wegen des einzelnen Kunstwerks als wegen dessen Weges. Die Madonna im Göring-Zug macht sichtbar, wie eng Macht, Raub, Ideologie und persönlicher Luxus im Nationalsozialismus miteinander verknüpft waren – und wie selbst religiöse Symbole nicht vor politischem Missbrauch geschützt blieben.
Es gibt auch eine Hollywood-Film zum Thema. Monuments Men – Ungewöhnliche Helden ist ein Historienfilm von und mit George Clooney, der eine besondere Seite des Zweiten Weltkriegs beleuchtet. Der Film erzählt die wahre Geschichte einer Gruppe von Kunsthistorikern, Museumsdirektoren und Architekten, die von den Alliierten beauftragt werden, von den Nationalsozialisten geraubte Kunstwerke aufzuspüren und vor der Zerstörung zu retten. Mit einer Mischung aus Kriegsdrama, Abenteuerfilm und leisem Humor zeigt der Film, dass der Kampf um Kultur und Erinnerung ebenso bedeutend sein kann wie der Kampf an der Front.
Irgendwie kennt es kaum ein Besucher meiner Geburtsstadt München, obwohl es eigentlich zentral liegt und eindrucksvoll ist.Das Kriegerdenkmal im Hofgarten in München liegt am östlichen, tiefer gelegenen Ende des Gartens direkt vor der Bayerischen Staatskanzlei und erinnert ursprünglich an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Münchner. Die Masse der Besucher strömt in den Hofgarten und besucht den Pavillon, das Denkmal wird kaum besucht.
Die Anlage wurde 1924 in Anwesenheit Kronprinz Rupprechts von Bayern eingeweiht und bis 1928 in allen Details vollendet. Gestaltet wurde sie als versunkene, rechteckige Anlage aus Muschelkalk mit einer begehbaren Gruft in ihrem Zentrum. Vier abgewinkelte Treppen führen von den Längsseiten hinab in einen Vorraum, dessen Reliefs marschierende Soldaten sowie ein Gräberfeld zeigen.
In der Mitte liegt die offene Gruft aus Travertinblöcken: Zwölf massive Steinblöcke tragen eine rund zwei Meter starke, etwa 250 Tonnen schwere Deckenplatte; an ihren Schmalseiten führen Stufen zur überlebensgroßen Figur eines gefallenen Soldaten hinab. Diese eindringliche Skulptur schuf Bernhard Bleeker; der Gesamtentwurf des Denkmals entstand in Zusammenarbeit des Bildhauers Karl Knappe mit den Architekten Thomas Wechs und Eberhard Finsterwalder.
Die Inschriften fassen Sinn und Widmung des Ortes zusammen: An der Westseite der Deckenplatte steht „Sie werden auferstehen“, an der Ostseite „Unseren Gefallenen“. Im Innenraum findet sich die Widmung des Bayerischen Kriegerbundes „den 13.000 gefallenen Heldensöhnen der Stadt München 1914–1918“. Nach Kriegsbeschädigungen im Zweiten Weltkrieg wurde das Denkmal in vereinfachter Form ohne die ursprünglich angebrachten Namen der Gefallenen wiederhergerichtet; die Namenslisten gingen verloren. Zugleich ergänzte man im Innenraum eine zusätzliche Widmung für die Opfer der Jahre 1939–1945 (Gefallene, Vermisste und Luftkriegsopfer Münchens). Damit wurde der Gedenkort in der Nachkriegszeit bewusst auf beide Weltkriege bezogen.
Ein prägnantes Detail der Rezeptionsgeschichte betrifft die Materialgeschichte der Skulptur: Bleekers Figur des toten Soldaten war ursprünglich aus rotem Marmor gearbeitet. 1972 ersetzte man sie aus konservatorischen und sicherheitlichen Gründen durch einen Bronzeabguss, das Marmoralter befindet sich seitdem im Bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt. Diese Maßnahme bewahrte das künstlerische Erscheinungsbild am Ort und schützte zugleich das empfindlichere Original.
Städtebaulich und erinnerungskulturell wirkt das Kriegerdenkmal als stiller Gegenpol zur repräsentativen Architektur ringsum: Der Besucher steigt von der offenen Gartenfläche in eine vertiefte, kühle Gedenkarchitektur hinab, die bewusst Konzentration und Innenschau fördert. Durch seine klare Formensprache und die liegende Figur fand das Münchner Denkmal in der Zwischenkriegszeit weite Beachtung; Motive wurden in zahlreichen Kriegerdenkmälern im süddeutschen Raum aufgegriffen – oft sogar mit der Münchner Inschrift „Sie werden auferstehen“. Bis heute steht die Anlage unter Denkmalschutz und bildet, unmittelbar hinter der Staatskanzlei gelegen, einen der eindrucksvollsten Gedenkorte der Stadt, an dem künstlerische Qualität, architektonische Strenge und die Mahnung gegen das Vergessen zusammenkommen.
Großbritannien und seine Kriege – voller Erstaunen bin ich auf Edinburgh Castle durch das Kriegsmuseum gelaufen und habe mir Siege und Niederlagen der schottischen und britischen Truppen angeschaut. So ein War Museum wäre wohl in Deutschland eher selten, daher habe ich dort viel Zeit verbracht und vieles näher betrachtet – natürlich auch die Zeit des Zweiten Weltkriegs als Britannien den Angriffen von Nazi-Deutschland widerstand.
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Ein Rundgang durch das National War Museum im Edinburgh Castle beginnt meist nach dem Durchqueren der imposanten Burgmauern, mitten im Herzen der historischen Festung auf dem Castle Rock. Das National War Museum befindet sich im Hospital Square innerhalb der historischen Mauern des Edinburgh Castle und wurde 1933 in einem ehemaligen Arsenal- und Lazarettgebäude aus dem 18. Jahrhundert eröffnet Es ist in einem ehemaligen Ordnance-Storehouse aus dem 18. Jahrhundert untergebracht. Ich habe einen Rundgang durch das Museum mit meiner VR 360 Grad Kamera gemacht.
Die Ausstellung erstreckt sich über zwei Stockwerke in einem rechteckigen Bau und bietet einen detaillierten Überblick über rund 400 Jahre schottischer Militärgeschichte ─ von der Bewaffnung der Highlands über chemischen Kriegsschutz bis hin zu persönlichen Briefen aus den Kriegsgebieten.
Bereits im Eingangsbereich fällt die eindrucksvolle Architektur der Burg ins Auge, und man verspürt sofort die lange Tradition dieses Ortes. Zu Beginn des Rundgangs erhält man einen einführenden Überblick über die Bedeutung des Krieges für Schottlands Politik, Identität und internationale Beziehungen. In mehreren dauerhaften Ausstellungen werden die wichtigsten geschichtlichen Epochen aufgegriffen: Von den kriegerischen Auseinandersetzungen im 17. und 18. Jahrhundert, als das schottische Territorium noch stark zwischen Highlands und Lowlands unterteilt war, bis hin zu den Einsatzorten schottischer Truppen in weltweiten Konflikten der Neuzeit.
Die Ausstellungsräume verteilen sich auf zwei Stockwerke und sind thematisch gegliedert. Im ersten Saal A Nation in Arms wird die strategische Bedeutung Schottlands, geprägt von Küstenlinien und Seewegen, hervorgehoben. Hier sind Uniformen, Ausrüstungsgegenstände und Karten zu sehen, die anschaulich machen, wie sehr Gelände und geographische Lage das Militärwesen beeinflusst haben.
In der Galerie A Grand Life for a Scotsman begegnet der Besucher dem Alltag der Soldaten: Rekrutierung, Ausbildung, Fronteinsatz und das Leben nach dem Militärdienst werden anhand persönlicher Briefe, Souvenirs, Uniformen und Fotos dargestellt. Besonders bewegend ist die Sammlung privater Gegenstände.
Der nächste Abschnitt Tools of the Trade ist den Waffen, Rüstungen und dem militärischen Gerät gewidmet. Beginnend mit Broadswords der Highlands, über Musketen und frühe Gewehre bis hin zu modernen Ausstattungsstücken und sogar ABC-Schutzanzügen, offenbart sich die technische Entwicklung des Kampfes. Ergänzend dazu illustrieren medizinische Sets und Transportausrüstung die logistischen Herausforderungen während der Feldzüge.
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In der Galerie Highland Soldier wird die Geschichte der Highlander behandelt – vom einstigen Rebellen zum stolzen Vorbild im britischen Heer. Historische Uniformen, Malerei und traditionelle Bagpipe-Musikinstrumente zeigen anschaulich den Wandel und die kulturellen Eigenheiten dieser Soldaten.
Mich haben die ersten Fotoapparate natürlich interessiert, die eingesetzt wurden. Besonders hervorzuheben ist eine F24-Luftkamer—ein robustes Hochleistungsgerät mit fünf Zoll Objektiv und Handgriff, das von der Royal Air Force im Zweiten Weltkrieg bei Luftaufklärungseinsätzen verwendet wurde. Dieses Gerät illustriert eindrucksvoll, wie Präzisionsfotografie zur Aufnahme von Luftbildern diente – essenziell für strategische Planungen, z. B. zur Kartenerstellung und Zielerfassung.
Eindrucksvoll für mich waren Kriegsbilder aus der Niederlage bei Gallipoli. Die Schlacht bei Gallipoli (auch Dardanellen-Kampagne genannt) war eine militärische Offensive während des Ersten Weltkriegs, die von April 1915 bis Januar 1916 dauerte. Sie fand auf der Halbinsel Gallipoli im heutigen Türkei statt und war ein Versuch der Alliierten, das Osmanische Reich, einen Verbündeten der Mittelmächte, zu besiegen und eine Seeverbindung zu Russland über die Dardanellen zu öffnen. Die Alliierten verloren rund 250.000 Soldaten, darunter viele Tote, Verwundete und Vermisste. Die Kampagne gilt als eine der größten militärischen Fehlschläge der Alliierten im Ersten Weltkrieg.
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Ein besonderer Fokus liegt auch auf den persönlichen Geschichten von Menschen im Krieg: Aktive Dienstzeiten, Medaillen und Auszeichnungen, aber auch Zeugnisse von Frauen im Krieg sind zu entdecken. Die Ausstellung In Defence beschäftigt sich schließlich mit der Frage, wer in kriegerischen Zeiten Schottland selbst verteidigte – anhand von Erinnerungsstücken und Fotografien von Heimatschutzkräften und Zivilisten.
Im Gallery-Bereich Active Service stehen die Erlebnisse außergewöhnlicher Einzelpersonen aus dreihundert Jahren Krieg im Mittelpunkt. Allgegenwärtig ist das Motiv des Verlusts und der persönlichen Opferbereitschaft, sichtbar in Briefen, Tagebucheinträgen, Fotos und Orden. Kunst spielt ebenfalls eine zentrale Rolle. Herausragend ist Robert Gibbs berühmtes Gemälde „The Thin Red Line“, das den Moment einer entscheidenden Schlacht während des Krimkriegs einfängt. Ich habe das Bild als Kopie in einem Hotel in Stirling gesehen.
Weitere plakative Kriegsdarstellungen und Rekrutierungsplakate zeugen von der Rolle des Militärs in der schottischen Gesellschaft. Für mich auch interessant, ein Bild von der Schlacht von Waterloo um den berühmten Bauernhof.
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Die Ausstellung wird ergänzt durch eine Forschungsbibliothek, die Interessierten die Möglichkeit bietet, weitergehende Informationen einzusehen. Am Ende des Rundgangs verlässt man das Museum mit einem umfassenden Einblick in die wechselvolle schottische Militärgeschichte, geprägt von großen politischen Umwälzungen, individuellen Schicksalen und dem steten Wandel militärischer Technik und Taktik.
Die Atmosphäre im National War Museum bleibt zurückhaltend sachlich und respektvoll – getragen von dem Wunsch, das historische Erbe Schottlands nicht nur als Ereignisfolge, sondern auch als Sammlung persönlicher Geschichten und Entwicklungen erfahrbar zu machen.
Eigentlich bin ich bei Ratgeberbüchern immer etwas skeptisch. Da werden Binsenweisheiten zur großen Philosophie aufgebauscht, dabei hilft oftmals der normale Menschenverstand. Aber nachdem Winston Churchill nicht irgendwer ist, zudem vergangenes Jahr der 150. Geburtstag war, war ich dann doch neugierig auf das Churchill-Prinzip. Die Ideen stammen aus dem vergangenen Jahrhundert und ich wollte prüfen, ob die Aussagen der Vergangenheit heute in einer anderen Welt noch Bestand haben.
Helge Hesses Buch Das Churchill-Prinzip beleuchtet die Lebensgeschichte von Winston Churchill und destilliert daraus Prinzipien für Erfolg und Führung. Churchill, sicherlich eine der prägendsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, wird als Vorbild dargestellt, insbesondere durch Eigenschaften wie Entschlossenheit, strategisches Denken, Durchhaltevermögen und seine Fähigkeit, Menschen zu motivieren. Das Buch zeigt, dass Churchill diese Fähigkeiten nicht angeboren hatte, sondern sie sich mühsam erarbeitete – vom Schulversager und Stotterer bis hin zum visionären Führer, der Hitler im Zweiten Weltkrieg trotzte.
Hesse kombiniert eine Biografie mit praktischen Lebensweisheiten, die Manager und Führungskräfte inspirieren können. Dabei bleibt er differenziert und beleuchtet auch Churchills Schwächen. Die chronologische Darstellung seines Lebensweges wird genutzt, um universelle Prinzipien für persönliche und berufliche Entwicklung abzuleiten
Die zentralen Thesen des Buches Das Churchill-Prinzip von Helge Hesse basieren auf den Führungs- und Lebensprinzipien von Winston Churchill, die als Inspiration für persönliches und berufliches Wachstum dienen. Für mich die wichtigsten Punkte sind:
Entschlossenheit und Durchhaltevermögen: Churchill zeigte außergewöhnliche Resilienz und die Fähigkeit, auch in schwierigen Zeiten standhaft zu bleiben. Sein Motto „Never give up“ wird als Schlüssel zum Erfolg betont.
Vision und strategisches Denken: Churchill war ein Meister darin, langfristige Ziele zu setzen und Strategien zu entwickeln, um diese zu erreichen. Er verstand es, Chancen zu erkennen und Risiken einzugehen. Das klingt sehr mutig, war aber manches Mal auch fast tödlich, wenn es um sein eigenes Ego ging.
Krisenmanagement: Das Buch hebt hervor, wie Churchill Krisen analysierte und entschlossen handelte. Er bewies Führungsstärke, indem er klare Entscheidungen traf und andere motivierte.
Kommunikation und Überzeugungskraft: Churchills rhetorische Fähigkeiten waren entscheidend, um Menschen zu inspirieren und hinter sich zu vereinen. Seine berühmten Reden sind Beispiele für effektive Kommunikation.
Also für mich steht fest. Das Buch verbindet diese Prinzipien mit praktischen Tipps für modernes Leadership und persönliche Weiterentwicklung. Es hat mir Spaß gemacht, aber jetzt ist auch wieder gut mit Ratgeberbüchern.
Ich bin ein Kinofan und schaue mir in aller Welt gerne Kinos und Filmtheater an. So auch in Estland. Dort gab es Multiplex-Kinos wie bei uns und auch kleine Arthouse-Kinos. Und es gibt das Sõprus in Tallinn. Das Sõprus (Estnisch für „Freundschaft“) ist das Kino der Altstadt für Filmbegeisterte und zeigt die Filme aus dem internationalen Festivalgeschehen. Die Filme werden meist in der Originalsprache mit estnischen und/oder russischen Untertiteln gezeigt. Aber es ist auch ein Ort schwieriger Vergangenheit.
Das Cinema Sõprus wurde 1955 eröffnet und spiegelt die sowjetische Architektur und Ideologie jener Zeit wider. Der Name „Sõprus“, was auf Estnisch „Freundschaft“ bedeutet, ist ein Relikt aus der sowjetischen Ära und sollte die Idee der Freundschaft zwischen den sozialistischen Staaten symbolisieren.
Das Gebäude wurde im Stil des sozialistischen Klassizismus erbaut, einer Mischung aus monumentaler Architektur und dekorativen Elementen, die die sowjetische Macht und den kulturellen Anspruch der damaligen Zeit widerspiegeln sollten. Die prächtige Fassade mit ihren Säulen und dekorativen Details zeigt, dass das Kino als kulturelles Aushängeschild der Stadt dienen sollte. Es war eines der modernsten Kinos in Tallinn und ein wichtiger Treffpunkt für Filmfreunde.
Im Inneren verfügte das Kino über einen großen, luxuriös gestalteten Saal, der sowohl für Filmvorführungen als auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt wurde. Es war ein Ort, der nicht nur Filme präsentierte, sondern auch die sowjetische Kulturpolitik förderte, indem er vor allem Filme aus dem sozialistischen Block zeigte.
Wandel nach der Unabhängigkeit Nach der Wiedererlangung der estnischen Unabhängigkeit im Jahr 1991 erlebte das Cinema Sõprus, wie viele Institutionen aus der Sowjetzeit, einen Wandel. Die Nutzung des Gebäudes veränderte sich, und es wurde zunehmend ein Ort für ein breiteres Publikum. Der Fokus verlagerte sich von der Propaganda hin zur Präsentation internationaler Filme, unabhängig von politischen Agenden.
Das Kino wurde restauriert, wobei der historische Charme des Gebäudes erhalten blieb. Es entwickelte sich zu einem Zentrum für Cineasten, das besondere Filme abseits des Mainstreams zeigt, darunter Arthouse-Produktionen, Retrospektiven und internationale Festivalhits.
Geburtsort von Alfred Rosenberg Aber der Ort hat auch eine Vergangenheit des Nationalsozialismus. Der spezifische Standort des Cinema Sõprus, an der Kreuzung von Vana-Posti und Suur-Karja, war im frühen 20. Jahrhundert von Wohn- und Geschäftshäusern geprägt, die jedoch während des Zweiten Weltkriegs insbesondere durch die Bombardierungen im März 1944 stark beschädigt wurden. Viele dieser Gebäude wurden entweder im Krieg zerstört oder später während der sowjetischen Besatzung abgerissen, als Tallinns Stadtbild im Rahmen der sowjetischen Ideologie teilweise modernisiert wurde.
Dort stand auch das Geburtshaus von Alfred Rosenberg, einer der ideologischen Architekten des Nationalsozialismus. Er wuchs in der Nähe des heutigen Standorts des Cinema Sõprus in Tallinn auf. Rosenberg wurde am 12. Januar 1893 in Reval (dem heutigen Tallinn) geboren und verbrachte seine Kindheit in einem Haus in der Suur-Karja-Straße, die sich unweit des heutigen Kinos befindet.
Das Wohnhaus, in dem Rosenberg aufwuchs, stand in einem Viertel, das damals von der deutschbaltischen Oberschicht geprägt war. Tallinn (damals Reval) war ein kulturelles Zentrum der Deutschbalten, und Rosenbergs Herkunft und Erziehung in dieser Gemeinschaft prägten seine späteren Überzeugungen und Ideologien.
Das Gebäude, in dem er aufwuchs, existiert heute nicht mehr, da viele Gebäude in der Umgebung während des Zweiten Weltkriegs beschädigt oder zerstört wurden. Der heutige Standort des Cinema Sõprus wurde nach dem Krieg neu bebaut, sodass keine sichtbaren Spuren von Rosenbergs früherem Wohnhaus mehr vorhanden sind.
Die Verbindung von Alfred Rosenberg mit Tallinn ist jedoch ein historischer Aspekt, der in der Stadt wenig thematisiert wird, da seine späteren Rollen und Ideologien in der nationalsozialistischen Bewegung von großer historischer Kontroverse geprägt sind.
Ich bin es leid, sehr leid, dass die Rechtsextremisten in unserem Land mehr und mehr Boden gewinnen. Und ich habe Angst davor. Dieses rechte Gedankengut stößt auf fruchtbaren Boden und da müssen Demokraten aller demokratischen Parteien dagegen halten. Ich will dazu auch meinen Beitrag leisten und habe mit meinem Kollegen Stefan Preis eine neue Online-Reihe „NS-Filme kritisch hinterfragt“ ins Leben gerufen.
Jeden Monat diskutieren wir in einem kostenlosen Online-Seminar auf Einladung der Franken Akademie einen NS-Film. Mit dem Start der Seminarreihe am Montag 8. Januar behandeln wir von 18 bis 20 Uhr eines der markantesten Beispiele nationalsozialistischer Filmpropaganda, den NS-Film „Kolberg“ aus dem Jahr 1945. Zur Anmeldung geht es hier lang.
Kolberg wurde unter der Regie von Veit Harlan produziert und diente als Instrument der Manipulation und Propaganda während der späten Phase des Zweiten Weltkriegs. Das Seminar bietet die Gelegenheit, tiefer in die Machenschaften und Strategien des Dritten Reiches im Hinblick auf die Verbreitung ideologischer Botschaften und Beeinflussung der Bevölkerung einzutauchen. Wir werden die historischen Hintergründe beleuchten, die zur Entstehung des Films „Kolberg“ geführt haben. Hierbei werden wir auf die politische und kulturelle Situation im Dritten Reich in den letzten Kriegsjahren eingehen. Und wir werden analysieren, wie der NS-Film „Kolberg“ gezielt zur Verbreitung von NS-Ideologie und zum Schüren von Patriotismus und Opferbereitschaft in der Bevölkerung eingesetzt wurde.
In meinem Newsletter werde ich die anstehenden Termine und Filme informieren. Das nächste Online-Seminar im Rahmen der kostenlose Online-Reihe „NS-Filme kritisch hinterfragt“ ist am Montag, 5. Februar der Film Jud Süß (1940).
Ich recherchiere gerade über einen Vortrag zu Bitcoins und hatte die Idee, Fake-Münzen bei Amazon zu bestellen, um sie an die Seminarteilnehmer als Gadget zu verteilen. Da machte mir der automatische Suchalgorithmus von Amazon Vorschläge zu Gedenkmünzen. Und ich war baff, was Amazon-Händler mir verkaufen wollten: Nazi-Andenken
Es gab Star Wars-Münzen und viel Merch. Aber im Angebot war auch eine Münze, die für mich die Grenze des guten Geschmacks übertrat. Es handelte sich um eine „Erster Weltkrieg Gedenkmünzensammlung“. Auf der Münze ist ein deutscher Soldatenkopf samt Helm aus dem Zweiten Weltkrieg abgebildet. Am Helm ist das Hakenkreuz abgebildet. Am Rand der Münze steht „Kompanie Aufklärungsabteilung 7 1939/40“, also eindeutig eine Münze, die an die nationalsozialistischen Soldaten in Deutschland erinnern soll. Die Münze mit dem Nazi-Emblem kostet 3,19 Euro zzg. Versand.
Der chinesische Händler Hotpink1 hat eine eigenartige Adresse angegeben. Drei Bewertungen mit voller Punktzahl wurden abgegeben – also volle Kundenzufriedenheit – was sind das für Geistes Kinder?
Ich bin mit dieser Art von Nazi-Verklärung nicht einverstanden und wandte mich an die Amazon-Pressestelle. Am nächsten Tag flatterte die Antwort in mein Postfach. Ein Amazon-Sprecher schrieb zurück: „Alle Amazon Verkaufspartner müssen sich an unsere Verkaufsbedingungen halten – erlangen wir Kenntnis über einen Verstoß, ergreifen wir entsprechende Maßnahmen, die die Schließung des Verkaufspartner-Kontos beinhalten können. Die entsprechenden Produkte sind nicht mehr erhältlich.”
Und siehe da: Das Angebot wurde vom Netz genommen. Gut gemacht Amazon. Gleichzeitig tauchte ein weiteres Angebot mit der gleichen Münze aber von einem anderen chinesischen Händler auf. Der Suchalgorithmus arbeitet perfekt. Und die Münze ist sogar preiswerter mit 2,93 Euro. Ich hab Amazon wieder informiert. Nazi-Propaganda darf nicht sein.
Übrigens: Hinter der Aufklärung-Abteilung 7 verbergen sich Nazi-Radlfahrer. Aufgestellt am 2. August 1939 in Bamberg für die 7. Infanterie-Division aus der II./Kavallerie-Regiment 17. Stab und Reiter-Schwadron traten am 15. Dezember 1939 zum Reiter-Regiment 21. Am 29. Juli 1940 wurde die Abteilung in Radfahr-Bataillon 7 umbenannt, dazu kamen Teile der Aufklärungs-Abteilung 253. Am 8. August 1941 wieder in
Aufklärungs-Abteilung 7 umbenannt unter Hinzuziehung des Stabes und der 1./Aufklärungs-Abteilung 239. Im Winter 1942/43 erneut in Radfahr-Abteilung 7 umbenannt, am 29. April 1943 wieder Aufklärungs-Abteilung 7 und am 2. Oktober 1943 Divisions-Füsilier-Bataillon 7.
Durch meinen Besuch in Lübeck wurde mein Interesse an der Hanse geweckt. Und wenn wir von Lübeck und Hanse sprechen, dann müssen wir auf die gewaltige Marienkirche zu sprechen kommen.
Die Marienkirche in Lübeck hat das höchste Backsteingewölbe der Welt.
Es ist ein eindrucksvolles Gotteshaus mit einer interessanten Geschichte und zeigt die Macht der Kaufmänner der Hanse. Das höchste Gebäude einst in Lübeck war der Dom des Bischofs. Im Mittelalter wuchs die Macht der Lübecker Kaufleute enorm an, dass sich die Krämer zu einem bedeutungsvollen Schritt entschlossen. Am höchsten Punkt der Stadt baute man eine Kirche, die deren Höhe den Dom des Bischofs überragte. Eine Machtdemonstration, die ihresgleichen suchte. Hier ein 360 Grad VR Video mit einem Rundgang durch die Kirche.
Die Marienkirche hat das höchste Backsteingewölbe der Welt und ist ein beeindruckender Bau. Im Westen hat die Kirche eine monumentale Doppelturmfassade. Die Türme sind, die Wetterhähne mitgerechnet, 124,95 und 124,75 Meter hoch.
Der Teufel vor der Marienkirche
Und sie hat ein hervorragendes Storytelling aus dem Mittelalter, denn der Teufel hat am Bau der Marienkirche mitgeholfen. Wie das? Der Bau der Kirche war extrem anstrengend. Die Arbeiter mussten die schweren Steine in die Höhe schleppen. Da kam einst der Teufel daher und fragte, was da gebaut wurde. Die Lübecker erzählten dem Teufel, dass hier ein großes Wirtshaus entstehen würde. Davon war der Teufel sehr angetan, dass er mithalf und die Kirche wuchs schnell in die Höhe. Als der Teufel seinen Fehler bemerkte, wollte er die Kirche mit einem großen Stein zum Einsturz bringen. Wiederum überzeugten die Lübecker den Teufel, dass nun neben der Kirche ein Wirtshaus gebaut werden soll. Der Teufel beruhigte sich, setzte sich vor die Kirche und wartete auf den Bau des neuen Wirtshauses. Noch immer sitzt der Teufel da und wartet. Derweil ist der Teufel ein beliebtes Fotomotiv für Touristen geworden.
In einem Bereich der Kirche bewahrte die Hanse ihre Verträge und die Kasse auf. Nichts war sicherer im Mittelalter als eine Kirche. Wer hier etwas stiehlt, der kommt in die Hölle. Das Weltbild im Mittelalter war klar und einfach.
Das zeigte sich auch bei den Verträgen der Kaufleute. Ein Deal wurde beschlossen und vertraglich besiegelt. Dann gingen die Parteien in die Marienkirche und blickten nach oben und bekamen Gottes Segen für das Geschäft. Ein Zeugnis vor Gott, was kann da noch passieren? Verstöße führten sofort ins Höllenfeuer. Teure Juristen konnten damit eingespart werden. Vielleicht hatte das Mittelalter hier seine guten Seiten.
Maus in der Marienkirche
Es gibt in der Marienkirche viele Sachen zu entdecken, die den Rahmen sprengt. So will ich auf eine Maus aufmerksam machen. Sie findet sich hinter dem Chor auf einem Bildnis. Es ist das Symbole dafür, dass aus einem kleinen Übel ein großes Übel entstehen kann. Im Jahr 1200 stand ein schöner Rosenbaum an der Marienkirche an der Mengstraße. So lange der Rosenbaum blüht, sollte die Stadt Lübeck frei sein. Über Nacht verblühte allerdings der Baum, weil sich eine Maus mit ihren Jungen eingenistet hatte.
Die Stadt war in Gefahr – Lübeck musste sich den feindlichen Dänen ergeben. Das Relief von 1505 wurde vom Bildhauer Heinrich Brabender geschaffen. Geht mal auf die Suche in der Kirche. Viele Besucher haben die Maus entdeckt und gestreichelt. Im Laufe der Zeit ist die kleine ursprünglich helle Sandstein-Maus durch ungezählte Hände völlig schwarz geworden. Auch ich hab hier mal gestreichelt – aber psst.
Zerborstene Glocken der Marienkirche
Für mich ein bedrückendenes Erlebnis waren die zerborstenen Glocken der Marienkirche in Lübeck als Mahnmal gegen den Krieg in der Nagelkreuzkapelle. In der Nacht zu Palmsonntag 1942 griffen britische Bomber das Stadtzentrum von Lübeck an. 300 Menschen kamen in den Bomben in der Nacht auf den 29. März 1942 um.
Auch die Marienkirche wurde getroffen und brannte aus. Die Kirche mit vielen Kostbarkeiten wurden zerstört. Die schweren Bronzeglocken fielen vom Turm zu Boden und zerschellten. Durch die Hitze schmolz die Bronze und brennte sich in den Boden ein.
Noch heute liegen die Glocken in der Kirche. Für mich ein nachdenklicher Moment als ich vor ihnen stand. Was hat Hitler diesem Land angetan?
Weitere Highlights
Persönlich gefallen hat mir außerdem die astronomische Uhr, die Totentanz-Kapelle, die Maritimen-Kapelle mit Antwerpener Altar sowie die 14 Kreuze von Günther Lecker (Verletzungen & Verbindungen)
Vor diesem Kamin wurde das Münchner Abkommen ausgehandelt.
Irgendwann wurde ich mir die Geschichte des Raums in dem ich saß schlagartig bewusst. Ich hörte auf einmal den Vortrag von Dr. Alexander Krause nicht mehr. Krause ist Kanzler der Hochschule für Musik in der Münchner Arcisstraße 12. In dem Gebäude befand sich der Führerbau, hier residierte Adolf Hitler. Mir wurde bewusst, wo ich hier war und was hier in diesem Raum geschehen ist.
Dr. Alexander Krause dozierte in einem Hörsaal im ersten Stock des Gebäudes vor Mitgliedern des Münchner PresseClubs. Im Laufe des Vortrags wurde es mir schlagartig bewusst, wo ich mich befand. Es war nicht mehr ein einfacher Hörsaal mit Stühlen, Tischen und Klavier. Es war ein Raum, der Geschichte atmet. Es war das ehemalige Arbeitszimmer von Adolf Hitler.
Das historische Foto vom Münchner Abkommen.
In diesem Raum, im so genannten Führerbau an der Arcisstraße 12 in München, unterzeichnete der britische Premier Neville Chamberlain, der französische Premierminister Edouard Daladier, der italienische Diktator und Ministerpräsident Benito Mussolini und der deutsche Diktator Adolf Hitler am 30. September 1938 das so genannte Münchner Abkommen über die unverzügliche Abtretung des Sudentengebietes an das Deutsche Reich. Die westlichen Staatsmänner glaubten, durch diese Konzession einen Krieg abgewendet zu haben. Doch schon im März 1939 brach der Gröfaz diese Vereinbarung, ließ deutsche Truppen in Prag einmarschieren und proklamierte das Protektorat Böhmen und Mähren. Dieser Gewaltakt erwies sich im Rückblick als entscheidender Schritt zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.
Nachdem die Vorlesung von Dr. Krause vorbei war, streifte ich durch diesen historischen Raum. Ich berührte Gegenstände, den Kamin und ich ging auf den Balkon des Gebäudes. Den Blick auf die Arcisstraße nahm ich nicht wahr, sondern ich sog die Atmosphäre des Raumes auf. Ich schauderte. Auf dem Balkon hatte ich die Straße im Rücken und schaute mir den Bau im Dunkel an. Der Reichsadler samt Hakenkreuz ist freilich nicht mehr da, vor meinem geistigen Auge sah ich das Symbol des Nationalsozialismus auftauchen.
Dr. Alexander Krause hatte einige historische Fotos aus seinem hervorragenden Buch Arcisstraße 12 dabei, die die historische Situation von damals zeigten. Für mich ein Lehrbeispiel von historischer Vermittlung für die ich dankbar bin. In wenigen Metern Entfernung eröffnete das NS-Dokuzentrum am Königsplatz in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Führerbau. Das werde ich mir nun ansehen.