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Münchner Moment: Wenn Pac Man auf Mario trifft

21. Dezember 2015
Im Werk 1 trifft sich die Gaming-Szene in München.

Im Werk 1 trifft sich die Gaming-Szene in München.

München hat Kultur – zweifellos. Oper, Theater, Konzerte, Film, Ausstellungen – das alles gibt es in der bayerischen Landeshauptstadt. Etwas versteckt gibt es aber auch eine andere Form von Kultur – die Spielekultur in Form von Videogames.
Ja, richtig: Ich bezeichne Videospiele als Kulturgut und der Verein Videospielkultur pflegt diese Form von Kulturgütern im Werk 1. Termine gibt es auf der Facebook-Seite.
Das Werk 1 befindet sich auf dem Gelände der Pfanni-Werke und war eine Zeitland als Kunstpark Ost bekannt. Einmal im Monat darf der VSK im Werk 1 einen Spieleabend veranstalten. Sobald ich die Treppen zu den Räumlichkeiten vom Werk 1 im zweiten Stock erklommen habe, erlebe ich einen dieser Münchner Momente.

Hoch gehts in Spieleparadies.

Hoch gehts in Spieleparadies.

Die Tür öffnet sich. Der Sound von verschiedenen Videospielen bricht über mich herein. Der große Raum von Werk 1 ist voll mit jungen Leuten, die miteinander spielen. Was gibt es Schöneres? Sofort werde ich eingeladen zum Mitspielen? Jetzt bin ich sicherlich nicht mehr der Jüngste. Und dennoch: Wir spielen zusammen und das finde ich großartig.


Die Jungs mit den umgedrehten Caps haben kein Problem mit mir im Anzug und ich habe kein Problem mit ihnen. Nicht Äußerlichkeiten zählen, sondern die gemeinsame Liebe zum Spiel. So ist mein München: Leben und leben lassen, egal wer man ist, eben Münchner Momente

Das Archiv - der Himmel auf Erden.

Das Archiv – der Himmel auf Erden.

Ich laufe durch das Werk 1. Über einen großen Beamer läuft Mario Kart 8 auf der Wii U. Mein Sohn greift zu den Controllern, ich schließe mich an und sofort setzen sich zwei weitere Spieler dazu. Runde um Runde jagt mein Kart durch die Strecke und natürlich bin ich letzter. Die Auge-Hand-Koordination ist bei mir nicht so gut, wie bei meinen Mitspielern. Aufmunternd wird mir auf den Rücken geschlagen. Ich habe mich mit meiner Niederlage längst abgefunden und dennoch macht es einen riesigen Spaß.
Meine Welt ist eher die Welt der Telespiele, wie die Videogames in meiner Jugend heißen. Ich zockte in Italien in den Spielhallen an den Arcademaschinen. Ich bin eben ein Retrogamer. Pac Man, Space Invaders waren meine Spiele. Meine Eltern kauften wir damals ein Atari 2600 und ich spielte und spielte und spielte. Später kam der Commodore C 64 dazu und ich stieg ins digitale Zeitalter ein. Meinen Eltern erzählte ich, dass ich den Volkscomputer C64 für die Schule brauchte und ich glaube, ich habe auch einmal Hausaufgaben darauf gemacht. Vor allem habe ich gespielt und mich wohl gefühlt. 8 Bit Sound und Pixelgrafik waren meine Welt.


Und diese Welt finde ich im Werk 1 bei der monatlichen Gameslounge vom VSK wieder. Es sind einige Konsolen der alten Zeit aufgebaut. Mein Sohn und ich probieren die Spiele durch. Er ist begeistert, ich auch. Wir sind so begeistert, dass wir ein altes Atari 2600 gebraucht kaufen und auf dem 55 Zoll TFT zu Hause die alten Heuler zocken. Pixelig ist gar kein Ausdruck auf dem hochauflösenden TV. Mein Vater hat deshalb zum Zocken noch eine alte Röhre besorgt. Wir haben zwar die PS2, PS3, PS4 und Wii U im Einsatz, aber die alten Games haben bei uns ihre Berechtigung. Sie gehören zu unserer Kultur unserer Familie, wie auch der jährliche Besuch der Wagnerfestspiele in Bayreuth mit meiner Frau. Videospiele werden in unserer Gesellschaft noch immer zu wenig als das wahrgenommen, was sie sind: Eine junge künstlerische Ausdrucksform, die eine Fusion aus Musik, Film und Literatur bildet, ergänzt um interaktive Elemente. Damit gebührt Videospielen der Platz als gleichberechtigte Säule im kulturellen Kanon unserer Gesellschaft. Für die politische, akademische und gesellschaftliche Anerkennung von Videospielen als wertvolles Kulturgut setzt sich Videospielkultur e. V. ein.


Ich spreche Alexander Krause vom VSK an. Bei ihm werde ich Mitglied in dem Verein, denn so etwas unterstütze ich gerne. Er zeigt mir das Archiv und ich könnte heulen. Heulen vor Glück. Regalmeter um Regalmeter sind dort alte und neue Videospiele aufgereiht – nach Gameplattformen geordnet. Schätze sehe ich, die als Kind spielte. Hier liegen sie. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf PC-Spiele. Ich hatte nie einen Windows-Rechner – ich ging vom Atari 520 ST direkt auf den Mac und bin seitdem bei dem Apple-System geblieben. Das Mac OS war nie so richtig eine Gamingplattform, aber einige Sachen gab es. Bei einem der nächsten Besuche im Werk 1 spendete ich einige meiner Mac-Spiele dem Verein. Immer wenn ich die Gaming Lounge besuche, erlebe ich einen meiner Münchner Momente.
Die Landeshauptstadt München veranstaltet eine Blogparade „Münchner Momente“ – Geschichten aus meiner Lieblingsstadt. Als gebürtiger Münchner ist es für mich eine Selbstverständlichkeit dort als Blogger mitzumachen.

Buchtipp: Extraleben III – Endboss von Constantin Gillies

15. November 2015

„Weißt du, was der Unterschied zwischen dem Reisen heute und dem früher ist?“ – „Der Unterschied ist: Früher warst du echt weg.“ – dies sind für mich die wichtigsten Sätze des Romans Extraleben 3. Diese Roman-Reihe ist genau die Reihe für mich und gerade höre ich verzückt, dass am 16. Dezember der nächste Teil IV von Extraleben erscheinen wird. Freilich bin ich wieder mit dabei.

Ein klares Hoch auf Extraleben Band 3.

Ein klares Hoch auf Extraleben Band 3.

Extraleben handeln von Menschen, die in den 80er Jahren des vergangenen Jahrtausends mit IT sozialisiert wurden. Leute wie ich eben, die auf dem ZX81 begonnen hatten, dann auf den C64 umstiegen und beim Atari 520 ST landeten. Es ist für Leute wie mich, die als Jugendliche in eine digitale Welt abgerutscht und in dieser versunken sind. Es ist für Leute wie mich, die sich trotz Playstation 4 und Next Gen-Konsolen noch für Retro-Gaming begeistern können, die eine Arcade-Maschine als höchstes Glück bezeichnen und stundenlang schräge 8 Bit Musik lauschen können.
Also Jungvolk, lasst die Finger weg von den Büchern von Constantin Gillies, es ist nichts für euch. Ihr werdet diesen Humor, den Witz und die Anspielungen nicht verstehen. Ihr werdet es nicht verstehen, was damals passiert ist und ihr werdet euch von den Zeilen von Constantin Gillies kopfschüttelnd abwenden.
Ja, die Bücher Extraleben sind alte Sack Bücher und daher liebe ich sie so. Es war so wie bei dem Kinofilm Pixels. Trotz enttäuschender Umsetzung mochte ich die alten Videospiele.

Pixels war zwar kein toller Film, hatte aber ein paar gute Retro-Lacher.

Pixels war zwar kein toller Film, hatte aber ein paar gute Retro-Lacher.

2008 lernte ich auf einer Tagung Enno Coners vom CSW-Verlag kennen und er sprach mit mir über den Roman Extraleben, den er soeben veröffentlich hatte. Ich war Feuer und Flamme – ein Roman über die Generation C64 sollte es werden und wurde es. Die Story um zwei Geeks war humorvoll erzählt, voller Insider-Witze und immer wenn ich Bücher an einen gewissen Personenkreis verschenke, dann sind die Romane aus dem Extraleben-Universum darunter. Den ersten Band von Extraleben habe ich hier besprochen, den zweiten Band Der Bug wurde hier besprochen und wie geschrieben, ich freue mich wahnsinnig auf den vierten Band von Extraleben mit dem Namen Retroland. Das wird meine Lektüre unter dem Christbaum sein.
Vielleicht gewinne ich den Autor Constantin Gillies für eine Lesung bei uns in München. Im Werk 1 veranstaltet der Verein Video Spiel Kultur immer wieder Retro-Abende, da treffen sich gleichgesinnte alte Säcke.

25 Jahre Mac, vielen Dank

26. Januar 2009

sparta

Am 25. Januar ist der Mac 25. Jahre alt geworden. Herzlichen Glückwunsch zu solch einer Maschine. Die Foren im Web haben diesen Geburtstag mit Bildergalerien, Interviews und Geschichtsfakten gefeiert. Nützlich für alle Historiker ist der Blog von Christoph Dernbach von der dpa, der die Geschichte sehr schön zusammengestellt hat.

Ich möchte eine persönliche Rückschau halten. Der Mac hat sicherlich mein Leben verändert. In meiner Jugend war das Zeitalter des Home Computers. Bei mir stand die Entscheidung an, ob ich mir einen VC 20 oder gleich einen C 64 kaufen sollte. Ich entschied mich für den braunen Brotkasten, doch das Geld reichte nur noch für eine Datasette. Das Floppy-Laufwerk war aus finanziellen Gründen in weite Ferne gerückt. Einen Mac gab es in meinen Horizont nicht, ich war nur einmal auf eine Lisa von Apple gestoßen, doch der Preis war unendlich hoch. (Erst Jahre später kaufte ich mir eine Lisa aus nostalgischen Gründen). Meine Kumpels hatten auch den C 64 und dank Turbo Tape 64 hatte sich auch die Warterei auf die Datasette verkürzt. Später wurde der C 64 abgelöst durch den Atari 520 ST. Für mich revolutionierend war die grafische Benutzeroberfläche.

Meine Schulfreunde wechselten in der Regel auf eine DOS-Maschine. Für mich ein Grauen, denn ich wollte keine Soundkarte oder so Zeug einbauen. Der grüne Monochrombildschirm erzeugte mir Würdereize und Überragen, Laden, Speichern im Word war nicht benutzerfreundlich. Gegen Ende der 80iger Jahre kam ich über einen Freund, dessen Vater ein Architekturbüro hatte, zum Mac. Ich kaufte mir einen LC II mit dem StyleWriter II als Drucker und die Sucht hatte begonnen. Das Mac-Fieber ließ mich nicht mehr los. Die Modelle wechselten und ich versuchte Apple die Treue zu halten. Ich war dabei als es mit den PowerBooks losging, ich investierte in einen Newton. Ich machte den Sprung auf PowerPC und später auf Intel mit. Der Mac war Religion und zuverlässiges Arbeitsgerät zugleich. Es war etwas besonderes, einen Mac zu haben. Die Think different Kampagne traf voll ins Schwarze. Steve Jobs kam zurück und ich musste mir (Gott sei Dank) keinen Next kaufen. Im nachhinein hätte ich natürlich einen, wenn schon aus historischen Gründen.

iMac, Wallstreet, der Wegfall des Diskettenlaufwerks, FireWire und UBS – ich war mit dabei. Meine Macs ließen mich nicht im Stich. Bei meiner ersten Arbeitsstelle durfte ich am Mac arbeiten, denn der Münchner Merkur setzte auf Ganzseitenumbruch und damit auf Quark XPress. Der Mac hatte System 7.1 und ich war mit Akustikkoppler bewaffnet und versuchte mich an der Mailboxszene. Als der Merkur auf ein seltsames OS von IBM, nämlich OS2 Warp umstieß, war es Zeit zu kündigen. Die nächsten Arbeitsgeber hatten Windows-Maschinen, aber ich konnte immer mit meinem Mac arbeiten. Dafür bin ich allen meinen Arbeitgebern dankbar. Auch derzeit bei Reed habe ich eine doofe anfällige Windows-Kiste, aber daneben werkelt zuverlässig mein MacBook Air.

Was war der wichtigste Rechner für mich? Wahrscheinlich immer der, auf denen ich aktuell arbeite, ganz einfach. Dennoch: Der Rechner mit den größten Innovationen war Spartacus, der Mac zum 20. Geburtstag. Dieses Schmuckstück mit Leder war ein Leckerbissen. TV-Tuner, Soundanlage, Lederablage für Handballen. Diesen Mac liebe ich noch immer und steht bei uns als Blickfang im Wohnzimmer. Der zweite Rechner in meiner Gunst ist klar der Cube. Jonathan Ive, das war dein Meisterwerk. Der iMac sicherte dir den Eintritt in den Design-Olymp, doch der Cube ist wahrhaft ein Geniestreich.

Einen Mac zum 25. Geburtstag wird es wohl nicht geben. Steve Jobs ist krank und die Firma befasst sich mehr mit iPods, iPhones und Computer in the Clouds. Recht haben sie, denn das ist der neue Weg. Zurückblickend sage ich Dankeschön. Apple, du hast mein Leben bereichert und meinen Geldbeutel geleert.