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Kein Anschluss unter dieser Nummer – Telefonzellen sind Geschichte – persönliche Gedanken

22. November 2022

Telefonzellen gehören nunmehr der Vergangenheit an. Zunächst die gelben geschlossenen Häuschen, dann waren sie violett und dann waren es nur noch Ständer – aber nun ist es vorbei. Die letzten öffentlichen Fernsprecher werden nun von der Telekom abgeschaltet und gehen in die Geschichte ein. Kein Anschluss unter dieser Nummer.

Die 12.000 verbliebenen Telefon­zellen in Deutschland schlucken kein Klein­geld mehr. Die Telekom deaktiviert die Münz­zahlung an den Telefon­säulen und -häuschen, Ende Januar funktionieren dann auch keine Telefon­karten mehr. Damit endet nach 142 Jahren die Ära des öffentlichen Fern­sprechers.

Im Zeitalter des Mobiltelefons sind Telefonzellen ein Anachronismus. Die letzten Telefonzellen, die ich gesehen habe, waren Kunstobjekte wie Death of a Phone Booth bei Banksy. Die Transformation der Telefonzelle zum WLAN-Hotspot sah ich zum ersten Mal in New York als die Zellen abgebaut und dafür an gleicher Stelle WLAN-Hotspots errichtet wurden.

Mit WLAN hat man es in Deutschland, dem Land der Dichter und Denker nicht so. Statt Hotspots mögen wir lieber bedrucktes Papier. Ich habe öfters zu Bücherschränken umgewidmete Telefonzellen gesehen, auch eine gute Idee.

Das letzte Telefonat an einem öffentlichen Münzfernsprecher führte ich übrigens in New York. Ich war begeistert, dass man einen Fernsprecher anrufen an – so wie in den Ami-Filmen.

Ein Erlebnis mit einer Telefonzelle bleibt mir in Erinnerung. Es war die Zeit des Akustikkopplers. Man musste den Telefonhörer auf den Akustikkoppler fest auflegen und diesen mit dem Rechner verbinden. So konnte ich mich in Mailboxen einwählen und erste Schritte im Datennetz machen. Weil meine Eltern genervt waren, dass ich zu Hause die Leitung blockierte und zudem enorm Gebühren verursachten, suchte ich einen Ausweg. In meiner Heimatstadt Fürstenfeldbruck gab es das Kaufhaus X und davor eine gelbe Telefonzelle. Ich versorgte mich mit Unmengen von 10 und 50 Pfennig-Münzen, packte eine Kabeltrommel, mein Macintosh PowerBook und meinen Akustikkoppler ein und radelte zu dieser Telefonzelle. Da der Akku des PowerBooks nicht lange hielt, fragte ich im Laden, ob ich Strom bekommen könnte und schloss mein System in der Telefonzelle an. In den 1980er-Jahren war der Betrieb von selbst gebauten Akustikkopplern im Telefonnetz der Deutschen Bundespost illegal und mit hohen Geldstrafen belegt, aber ich wurde nie erwischt. Den illegalen Akustikkoppler besorgte mir ein Schulfreund, der in der IT-Szene deutlich tiefer verwurzelt war als ich. Der Akustikkoppler der Deutschen Bundespost kostete ein Vermögen, das ich aber bereits für Apple Hardware ausgegeben hatte.

So saß ich an manchen Wochenenden in dieser Telefonzelle. Andere Leute, die telefonieren wollten, hatten keine Chance. Sie mussten sich ein anderes Häuschen suchen. Ich sah auch irgendwie offiziell in meiner Telefonzelle aus mit den ganzen Kabel und der Kabeltrommel.

Ende Januar 2023 werden dann die Telefonkarten abgeschaltet. Ich hatte mir mal überlegt, ob ich Telefonkarten sammeln sollte. Dieser Kelch ist an mir vorüber gegangen. Ich habe Karten aufgehoben, aber nicht professionell gesammelt. Ob ich etwas von Wert habe, weiß ich nicht.

Das Sterben von Redakteursarbeitsplätzen

12. Dezember 2010

Als ich Ende der 80er Jahre des vergangenen Jahrtausends als Schüler erste Zeitungsjobs bekommen hatte, war die meine berufliche Ausgangsposition gut. „Medien zu machen“ waren in, Zeitung lag voll im Trend. Das Internet war noch für uns Sterbliche weit entfernt. Erste Erfahrungen mit Mailboxen, Akustikkoppler und Terminalprogrammen hatte ich und war gut gerüstet. Der Computer zog in die Redaktionen ein. Doch sie killte die Belegschaft der Druckvorstufe. Das böse XPress ersetzte die Monteure. DTP begann den Siegeszug und Redaktionen waren gut besetzt. Zeitungen waren florierende Wirtschaftsobjekte und große Anzeigenschlachten von Mannesmann und Vodafone brachten gutes Geld in die (Verleger-)Kassen. Ich habe erlebt, wie man Anzeigen ablehnte mit den Worten „Verzeihung, wir sind voll, aber nächste Woche haben wir noch Platz.“ Den Redaktionen ging es gut. Natürlich hatten wir immer was zu meckern, aber rückblickend war es eine gute Zeit. Ich hatte im Lokalen Zeit mich um meine Geschichten zu kümmern, während ein Kollege meine Seite übernahm. Qualität stand im Vordergrund und die Kollegialität war aus meiner Sicht ideal.

Das ist vorbei. Heute sterben Zeitungen. Die US-Blätter machen den Anfang, die deutschen werden sicher folgen. Doch bevor die Zeitungen sterben, kommen die Controller zum Einsatz. Sie setzen den Rotstift an und sparen ein. So mancher spart sein Objekt kaputt. Immer kleinere Redaktionen müssen den Overhead eines Verlages tragen. Festangestellte Redakteure werden entlassen. Der Druck auf die Redaktionen wird größer und größer. Einerseits müssen schrumpfende Anzeigenerlöse durch neue Ideen aufgefangen werden, anderseits sind die vorhandenen Vertriebserlöse nicht gerade rosig, wenn sie mit früheren Umsätzen verglichen werden. Und dann will der Leser noch Qualität für sein Geld. Reduzierung der Fixkosten lautet das Programm, also Entlassungen in der Redaktion und Verlagerung auf freie Strukturen – freilich mit weniger Kosten. ich habe eine eindrucksvolle US-Grafik gefunden. Sie zeigt das dramatische Reduzieren der festangestellten Verlagsmitarbeiter.

Natürlich hinkt die Grafik, denn neue Jobs wurden geschaffen. Online-Redaktionen wurden aufgebaut, können aber den Verlust an Arbeitsplätzen in Print oder gar den Rückgang an Anzeigen nicht kompensieren. Der Umbau geht voran.

 

25 Jahre Mac, vielen Dank

26. Januar 2009

sparta

Am 25. Januar ist der Mac 25. Jahre alt geworden. Herzlichen Glückwunsch zu solch einer Maschine. Die Foren im Web haben diesen Geburtstag mit Bildergalerien, Interviews und Geschichtsfakten gefeiert. Nützlich für alle Historiker ist der Blog von Christoph Dernbach von der dpa, der die Geschichte sehr schön zusammengestellt hat.

Ich möchte eine persönliche Rückschau halten. Der Mac hat sicherlich mein Leben verändert. In meiner Jugend war das Zeitalter des Home Computers. Bei mir stand die Entscheidung an, ob ich mir einen VC 20 oder gleich einen C 64 kaufen sollte. Ich entschied mich für den braunen Brotkasten, doch das Geld reichte nur noch für eine Datasette. Das Floppy-Laufwerk war aus finanziellen Gründen in weite Ferne gerückt. Einen Mac gab es in meinen Horizont nicht, ich war nur einmal auf eine Lisa von Apple gestoßen, doch der Preis war unendlich hoch. (Erst Jahre später kaufte ich mir eine Lisa aus nostalgischen Gründen). Meine Kumpels hatten auch den C 64 und dank Turbo Tape 64 hatte sich auch die Warterei auf die Datasette verkürzt. Später wurde der C 64 abgelöst durch den Atari 520 ST. Für mich revolutionierend war die grafische Benutzeroberfläche.

Meine Schulfreunde wechselten in der Regel auf eine DOS-Maschine. Für mich ein Grauen, denn ich wollte keine Soundkarte oder so Zeug einbauen. Der grüne Monochrombildschirm erzeugte mir Würdereize und Überragen, Laden, Speichern im Word war nicht benutzerfreundlich. Gegen Ende der 80iger Jahre kam ich über einen Freund, dessen Vater ein Architekturbüro hatte, zum Mac. Ich kaufte mir einen LC II mit dem StyleWriter II als Drucker und die Sucht hatte begonnen. Das Mac-Fieber ließ mich nicht mehr los. Die Modelle wechselten und ich versuchte Apple die Treue zu halten. Ich war dabei als es mit den PowerBooks losging, ich investierte in einen Newton. Ich machte den Sprung auf PowerPC und später auf Intel mit. Der Mac war Religion und zuverlässiges Arbeitsgerät zugleich. Es war etwas besonderes, einen Mac zu haben. Die Think different Kampagne traf voll ins Schwarze. Steve Jobs kam zurück und ich musste mir (Gott sei Dank) keinen Next kaufen. Im nachhinein hätte ich natürlich einen, wenn schon aus historischen Gründen.

iMac, Wallstreet, der Wegfall des Diskettenlaufwerks, FireWire und UBS – ich war mit dabei. Meine Macs ließen mich nicht im Stich. Bei meiner ersten Arbeitsstelle durfte ich am Mac arbeiten, denn der Münchner Merkur setzte auf Ganzseitenumbruch und damit auf Quark XPress. Der Mac hatte System 7.1 und ich war mit Akustikkoppler bewaffnet und versuchte mich an der Mailboxszene. Als der Merkur auf ein seltsames OS von IBM, nämlich OS2 Warp umstieß, war es Zeit zu kündigen. Die nächsten Arbeitsgeber hatten Windows-Maschinen, aber ich konnte immer mit meinem Mac arbeiten. Dafür bin ich allen meinen Arbeitgebern dankbar. Auch derzeit bei Reed habe ich eine doofe anfällige Windows-Kiste, aber daneben werkelt zuverlässig mein MacBook Air.

Was war der wichtigste Rechner für mich? Wahrscheinlich immer der, auf denen ich aktuell arbeite, ganz einfach. Dennoch: Der Rechner mit den größten Innovationen war Spartacus, der Mac zum 20. Geburtstag. Dieses Schmuckstück mit Leder war ein Leckerbissen. TV-Tuner, Soundanlage, Lederablage für Handballen. Diesen Mac liebe ich noch immer und steht bei uns als Blickfang im Wohnzimmer. Der zweite Rechner in meiner Gunst ist klar der Cube. Jonathan Ive, das war dein Meisterwerk. Der iMac sicherte dir den Eintritt in den Design-Olymp, doch der Cube ist wahrhaft ein Geniestreich.

Einen Mac zum 25. Geburtstag wird es wohl nicht geben. Steve Jobs ist krank und die Firma befasst sich mehr mit iPods, iPhones und Computer in the Clouds. Recht haben sie, denn das ist der neue Weg. Zurückblickend sage ich Dankeschön. Apple, du hast mein Leben bereichert und meinen Geldbeutel geleert.