Mein Besuch bei FOCUS Online

27. August 2014

Bei den Print-Magazinen geht es wieder rund. Der Spiegel ist mit sich selbst beschäftigt und die Print-Garde mag kein Online. Beim Stern und beim Focus – beide Print – müssen die Chefredakteure gehen. Der Medienwandel wird auch durch einen Wechsel der Chefredaktion nicht aufgehalten.
Daher blicke ich einmal auf den Reichweitenprimus FOCUS Online. Im Rahmen meines Lehrauftrags bei der Macromedia Akademie organisierte ich für meine Studenten einen Besuch bei FOCUS Online. Angesiedelt bei TOMORROW Focus, einem Burda-Unternehmen, bekam ich als langjähriger Zeitungs- und Zeitschriftenjournalist einen kleinen Eindruck von der Arbeit eines Online-Journalisten. Vielen Dank dafür.

Chefredakteur Daniel Steil und seinem Stellvertreter Florian Fest

Chefredakteur Daniel Steil und seinem Stellvertreter Florian Fest

Selbst bezeichnet sich FOCUS Online als Portal für Qualitätsjournalismus, dies wurde von Chefredakteur Daniel Steil und seinem Stellvertreter Florian Festl in den Gesprächen immer wieder betont. Die Reichweite von FOCUS Online sei enorm. Im Moment steht die Newsportal an der Spitze vor Spiegel online und der Absatz zwischen München und Hamburg wird größer. Kein Wunder, wenn sich Hamburg nur um sich selbst dreht. Schnelligkeit ist eine absolute Stärke des Mediums.

Der erste Action Room bei der Besichtigung.

Der erste Action Room bei der Besichtigung.

Bei meinem Besuch in München hatte ich das Gefühl, dass in der Online-Welt nur der Schnellste auch gewinnt. Klicks zählen, Reichweite zählt, dann fließt das Werbebudget. Und diese Klicks werden mit unterschiedlichen Zielen erreicht, sei es durch klassische Bilderklickstrecken, sei es aber auch durch unterschiedliche Aufmachungen eines und des selben Themas. Bei meinem Besuch konnte ich feststellen, dass einzelne Themen unterschiedlich angepackt und immer wieder neu aufgemacht und verpackt werden. Kein großer Artikel, lieber viele kleine zum Thema mit unterschiedlichen Ansprachen. Überschriften gewechselt, Einstiege und Leads geändert, doch der Nachrichtenwert hat sich kaum verändert – nur die Perspektive auf die Nachricht selbst. Das habe ich in Print noch anders gelernt, aber ich bin ja lernfähig.

Der Action Room der Redaktion.

Der Action Room der Redaktion.

Als ich die beiden Redaktionsräume besuchte, die bei FOCUS Online als Action-Rooms bezeichnet werden, erreichte gerade eine Eilmeldung die Redaktion. Der mutmaßliche Dieb der Schumacher-Krankenakte habe sich in der Schweiz erhängt. Diese News-Meldung musste für ein führendes Nachrichtenmedium natürlich so schnell als möglich online gehen. Ich stand hinter dem Desk des CvD (Chef vom Dienst) und sah ihn bei seiner Arbeit zu.

Über die Schulter geschaut: Die Arbeit des CvD

Über die Schulter geschaut: Die Arbeit des CvD

Gleichzeitig verfolgte ich über das iPhone die relevanten Websites wie Bild, Spiegel und Kollegen. Twitter hatte die Nachricht als erstes – und dann folgte FOCUS Online. Ob die Meldung gegengecheckt wurde, kann ich nicht sagen. Als Quelle wurde die Schweizer Boulevardzeitung Blick genannt. Ob der Blick.ch eine seriöse Quelle ist, muss jeder für sich selbst beurteilen. Reicht es für ein Portal des Qualitätsjournalismus nur eine Quelle zu nennen und diese ist noch eine reißerische dazu? Ob mit der Staatsanwaltschaft in der Schweiz gesprochen wurde, bevor die Meldung in München online ging, weiß ich nicht. Gesehen habe ich keinen bei der Gegenrecherche, so dass mein Eindruck rein subjektiv ist.
Eindrucksvoll war auf alle Fälle das Monitoring in der Redaktion. So etwas hätte ich mir als Print-Redakteur auch gerne gewünscht. Als Papiermann musste ich auf die Scannerkassen und später auf die IVW-Zahlen warten, um zu wissen, ob eine Geschichte beim Leser ankommt oder nicht. Mein persönliches Monitoring damals war meine langjährige Erfahrung, oftmals mein Bauchgefühl. Heute sind es harte Zahlen im Online-Geschäft.

Eilmeldung - der Online-Dienst hat gewonnen.

Eilmeldung – der Online-Dienst hat gewonnen.

Im Online-Zeitalter ist es schließlich anders: Die Klickzahlen und andere KPIs werden laufend erfasst und in die Redaktion gegeben. So kann jeder sehen, wie sein Artikel läuft und ob er erfolgreich ist. Und erfolgreich heiß, wenn er geklickt wird. Wahrscheinlich haben die festangestellten Mitarbeiter auch vereinbarte KPI-Ziele, um Unternehmensprämien zu erhalten. Nur so kommt die enorme Reichweite zustande.

Die Kommando-Brücke - die KPI-Zahlen links habe ich unkenntlich gemacht.

Die Kommando-Brücke – die KPI-Zahlen links habe ich unkenntlich gemacht.

Traffic kommt auch über die zahlreichen Social Media Kanäle und die Push-Meldungen auf Smartphones. Hier muss im Fall einer Einmeldung, die Technik stimmen und die Server nicht in die Knie gehen. Zudem werden zahlreiche Artikel mit PDFs verknüpft, um ein Zusatzgeschäft zu generieren. Das kommt mir in vielen Fällen sinnvoll vor, aber manches Mal ist es nur krampfhaft, eine Meldung mit einem kostenpflichtigen PDF zu verbinden. Aber der Erfolg gibt dem Unternehmen recht. So werden als den digitalen Pennys wieder analoge Dollars, in Anlehnung an Hubert Burdas berühmten Ausspruch.
Mit den arbeitenden Online-Journalisten konnte ich mich nicht unterhalten. Ich wollte nicht bei der Arbeit stören. Mir fiel nur auf, dass die Mannschaft sehr jung ist und wahrscheinlich dadurch auch sehr preiswert. Alte Zeitschriftenhasen (und damit teuer) habe ich nicht entdeckt. Daniel Steil, Chefredakteur FOCUS Online, erklärte, dass er freilich auch auf die Kostenstruktur achten müsse. Obwohl man Teil von Burda sei, fühle man sich bei TOMORROW Focus als junges Start-up, ergänzte der stellvertretende Chefredakteur Florian Festl.
Was aber auch klar ist: FOCUS Online setzt klar auf mobile Kommunikation. Smartphones sind die neuen Klickbringer und natürlich müssten die Journalisten für einen künftigen Smartphone-Journalismus anders schreiben als für klassischen Desktop-Journalismus am Rechner. Diesen Trend haben die beiden Chefredakteure klar erkannt und sie werden darauf reagieren. Dies sei sicher, versicherten sie mir. Ich bin also gespannt, wohin sich der Journalismus weiter entwickelt. Bei den Klicks scheint FOCUS Online die Nase vorn zu haben. Ich regte an, What’s App-Redakteure einzustellen und über diesen Kanal auch Klicks zu generieren. Und Roboterjournalismus für Sport und Wirtschaft seien auch nicht ausgeschlossen.
Nachdenklich verließ ich die Redaktion. Der Einblick war faszinierend und ich weiß nicht, ob er mir gefallen hat. Ich bin in der Tradition der Geschichtenerzähler groß geworden. Aber Geschichten zu erzählen, ist wohl in einem Newsportal nicht so wichtig. Ich werde die Sache weiter beobachten.

Sonnenbad in Aladins Zelt – Wellness pur

26. August 2014
Panorama von dem Sonnenzelt.

Panorama von dem Sonnenzelt.

Wellnesshotels gibt es viele und Einrichtungen wie Sauna, Whirlpool, Schwimmbad gehören eigentlich zum Standard wie auch das Solarium. In meinem Urlaubshotel Prinz Luitpold Bad in Bad Hindelang habe ich ein besonderes Solarium entdeckt, das mich wirklich fasziniert hat. Es nennt sich Aladins Sonnenzelt.
Was verbirgt sich nun hinter Aladins Sonnenzelt? In der Wellnessoase des Hotels gibt es am Ende einen Eingang zu einer künstlichen Grotte. Ganz in weißen Stein gehalten geht man durch ein Felsöffnung und kommt in einen blauen Ruheraum. Geht man weiter, betritt man Aladins Sonnenzelt.

Diese Diashow benötigt JavaScript.


Es ist ein Solarium, das in einem historischen orientalischen Zelt untergebracht ist. Und es ist nicht irgendein Kitsch. Nein, das Zelt stammt wirklich aus dem Orient und ist über 150 Jahre alt.


Nun, wie kommt ein orientalisches Zelt ins Allgäu ins Prinz Luitpold Bad in Bad Hindelang? Das ist eine längere Geschichte. Wer das Hotel betritt, ist fasziniert von seinem Wandverkleidungen. Das Holz stammt aus dem schottische Lanrick Castle und wurde in Bad Hindelang im Schlosszimmer, der Halle, dem Restaurant und der Ritterstube aufwendig eingebaut. Dadurch erhält das Hotel Prinz Luitpold Bad ein ganz besonderes Flair Britanniens. Als Fan von Downton Abbey und habe die Halle sofort lieben gelernt. Wobei ich die Halle sofort in Salon umtaufte. Jeden Abend saß meine Familie in „unserem“ Salon. Bei einem Buch oder Kindle genoss ich den schottischen Hochprozentigen und hing meinen Gedanken nach. Viele Blogideen kommen von diesem Ort. Eine optimale Entspannung nach einem Wandertag mit viel, sehr viel Atmosphäre.

Halle2
Bei dem Kauf der Wandverkleidungen Lanrick Castle war auch ein prächtiges Nomadenzelt aus dem 19. Jahrhundert dabei. Der schottische Lord hatte es wohl auf seinen Reisen in den Orient erstanden und mit nach Schottland genommen. Dort war es wohl unter anderem für die Gartenparty der feinen Gesellschaft eine Attraktion. Ich kann mir gut vorstellen, wie die Dienerschaft bemüht war, das Zelt aufzustellen, damit Lord und Lady ihren Tee darin genießen konnten.

Diese Diashow benötigt JavaScript.


Auf jeden Fall kam so das Zelt ins Allgäu. Dort wurde diskutiert, was mit dem Zelt zu tun ist. Für eine Gartenparty im Hotel wäre es zu schade und auch zu wertvoll. Vielleicht sollte man dort feinen Tee ausschenken, aber im Winter 1992 kamen die Hoteliers Gross zu einer besseren Idee. In das Zelt wurde ein Solarium eingebaut und das ganze Ensemble erhielt den Namen Aladins Sonnenzelt.
Im Zelt können zwei Sonnenbadende nahtlos braun werden. Ich geriet bei meinem Solariumsaufenthalt ins Träumen und malte mir aus, welche Geschichten das Zelt zu erzählen hat. Leider habe ich keine Ahnung über orientalische Symbole und weiß nicht, ob oder welche Bedeutung die Muster im Zelt haben. Mir hat das Zelt aber außerordentlich gefallen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

#ALS – Meine Ice Bucket Challenge

25. August 2014

Die Amyotrophe Lateralsklerose (Abkürzung: ALS) ist eine degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems. Das ist eine ernste Sache und ich habe mir lange überlegt, ob ich bei der Ice Bucket Challenge mitmachen soll. Nachdem ich ja massiv als Spielverderber bei der Social Beer Challenge im Frühjahr beschimpft wurde, bin ich bei solchen Hypes sehr skeptisch. Ich stehe weiterhin zu meiner ablegenden Haltung zur Beer Challenge. Bei der Ice Bucket Challenge sehe ich es anders. Es geht um ein ernstes Anliegen und wenn die Ice Bucket Challenge zu Spenden führt und die Krankheit ins Bewusstsein rückt, dann halte ich es für eine gute Sache.
Ich selbst habe kein Familienmitglied, das an ALS erkrankt ist. Mein einziger wirklicher Kontakt war vor Jahren bei einer schweren Krankheit meines Sohnes. Es stand auf Messers Schneide und Gott sei Dank ist alles gut für meinen Sohn verlaufen. Während der bangen Stunden lernte ich im Krankenhaus eine Familie kennen, deren Tochter an ALS erkrankt war. Das arme Kind wurde schwächer und schwächer. Ich sah, wie Kind und Eltern litten und keinen Ausweg wussten. Das schmerzte mich sehr. Und ich werde natürlich spenden.
Zurück zur Challenge: Ich wurde von Fleischermeister Ludger Freese nominiert und habe die Herausforderung mit Lego Star Wars-Figuren angenommen. Aber seht selbst in dem kleinen Video:

Und nachdem es so Sitte ist, habe ich auch drei Kollegen nominiert. Wie immer gilt, haben die 24 Stunden Zeit um zu spenden oder sich einen Kübel Eiswasser über den Kopf zu schütten – oder einfach beides.
Thomas Gerlach – er ist ein langjähriger Freund und Arbeitskollege. Mit ihm arbeite ich seit Jahren zusammen.
Armin Gross – er ist Hotelier des Allgäuer Hotels Prinz Luitpold Bad in Bad Hindelang. Ich habe vor kurzem in dem fabelhaften Hotel Urlaub gemacht.
Claus Böbel – er ist Metzger in Franken und verkauft seine Waren über seinen Webshop. Ich bin gerne Kunde bei ihm.

Social Media im Tourismus

24. August 2014

„Noch nie zuvor war Qualität so transparent wie heute“ erklärte Stefan Winners von Burda auf einer Veranstaltung des Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw). Gemeint hatte Winners den zunehmenden Erfolg von Bewertungsplattformen im Internet – vor allem im Tourismus. Und er hat recht: Seien es Holydaycheck, Tripadvisor, Yelp, Google Places, Foursquare und Facebook Locations – überall wird im Tourismus bewertet. Wir müssen im Rahmen von Medienkompetenz lernen, diese Bewertungen richtig zu lesen. Wir müssen lernen Fake-Bewertungen von echten Bewertungen zu unterscheiden. Dazu gehört eine gewisse Übung.

Stefan Winners, Ministerin  Ilse Aigner und vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt

Stefan Winners, Ministerin Ilse Aigner und vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt

An meinem Urlaubsort in Bad Hindelang im Allgäu, den habe ich übrigens auch bewertet, durfte ich zum Thema Social Media im Tourismus meinem Gastgeber Armin Gross, dem Hotelier des vorzüglichen Hotels Prinz Luitpold Bades, ein Videointerview geben. Armin Gross hat es für seinen Hotel-Blog aufgezeichnet und ich habe mein iPhone für meinen Blog mitlaufen lassen. Hier der direkte Link auf den Beitrag mit mir samt Kommentare. Anbei die beiden – inhaltlich identischen – Versionen:

 

Aufgenommen wurde das Interview übrigens im Regentenzimmer des Hotels Prinz Luitpold Bad. Ich hatte die große Ehre in dem Schreibtischstuhl des bayerischen Prinzregenten Luitpold von Bayern Platz zu nehmen. Der Stuhl stand bis 1911 im ehemaligen Jagdhaus in Hinterstein. Seitdem steht er im Hotel Prinz Luitpold Bad. Ich muss sagen, der Prinzregent hatte Geschmack und an den Stuhl kann ich mich gewöhnen. Man sitzt echt gut. Interessant sind die Verzierungen an den Stuhllehnen. Irgendein Vogelgetier und bitte keine Kommentare über die Backen der Vögel.

Dracula im Film 4: Dan Curtis Dracula 1973

23. August 2014
Jack Palance beißt zu.

Jack Palance beißt zu.

In einem Wühltisch im Supermarkt entdeckte eine wunderbare Verfilmung des Bram Stoker Stoffs aus dem Jahr 1973. Es handelt sich um eine TV-Version fürs britische Fernsehen. Sie wurde von Dan Curtis inszeniert und der blutsaugende Graf wurde von Jack Palance gespielt. Inzwischen ist auch eine restaurierte Blu ray des Films Dracula zum 40. Jubiläum erschienen, die ich mir auch gekauft habe. Es lohnt sich: Der Film wurde neu abgetastet und restauriert. Besonders bei diesem Film lohnt sich das Verfahren – aber dazu später mehr. Dan Curtis verfilmte zuvor Dr. Jekyll und hat Horror-Erfahrung durch die TV-Serie Dark Shadows.

Neu abgetastet und ein super Bild: Dracula von 1973

Neu abgetastet und ein super Bild: Dracula von 1973

Alles in allem ist es eine gelungene Version. Das liegt vor allem an dem Drehbuch von Altmeister Richard Matheson, der ein Profi des fanatischen Films war. Er schrieb das Buch zu Ich bin Legende, das meines Wissens dreimal verfilmt wurde (mit Vincent Price, Charlton Heston und Will Smith). Zudem schrieb Matheson die Geschichte zur seltsamen Geschichte des Mr C. Routiniert lieferte er ein atmosphärisch dichtes Drehbuch ab, das Dan Curtis seinerseits routiniert inszenierte. Für mich ist es eine der ersten Filmversionen, die Vlad Țepeș den Pfähler einführt und seine Geschichte in Rückblenden erzählt. Erst Coppola bringt diese Erzählung des rumänischen Fürsten wieder Jahre später auf die Leinwand.
Mich faszinierte vor allem die Ausstattung des Fernsehfilms. Sie ist allererste Sahne. Kulissen, Mobiliar, Bilder, das gesamte Interieur ist schlichtweg eine Meisterleistung. Es ist nicht der billige Hammer-Horror mit seinen stilistischen Entgleisungen und auch nicht die die Bühneninszenierung von Tod Browning. Für eine TV-Verfilmung ist diese Version von Dracula mit Abstand eine Augenweide.
Und ähnlich ist das Spiel von Jack Palance, der den Grafen sehr gut interpretiert. Sein Spiel ist zurückhaltend, nicht so fremdartig wie das Spiel von Lugosi und auch nicht so aristokratisch brutal wie Christopher Lee. Palance stammt aus der Ukraine und seinen Akzent hat Wolodymyr Iwanowitsch Palagnjuk nicht überwunden, so dass er natürlich in der Tradition von Lugosi steht. Seine Gesichtsverbrennungen im Zweiten Weltkrieg prägten ihn. Er spielte den Dracula zurückhaltend, aber wenn er angreift, dann fletscht er eindrucksvoll die Zähne. Für mich die eindrucksvollste Szene, als Dracula vom endgültigem Tod von Lucy erfährt und Rache schwört. Toll gespielt und für mich die beste Szene.
Da der Film kaum Sex oder Gewalt darstellt, muss die Atmosphäre durch das alleinige Spiel von Palance geschaffen werden. Das gelingt, sobald er alleine vor der Kamera steht. Leider sind die meisten der Mitschauspieler eher untere Mittelklasse. Da nutzt auch die beste Method-Actor-Schule von Jack Palance nichts, wenn die meisten anderen Schauspieler wie die Ölgötzen verharren und ihren Text herunterbeten. Schade, leider die Chance vertan.

Sehr guter Soundtrack von Dracula.

Sehr guter Soundtrack von Dracula.

Der Soundtrack von Dracula 1973 stammt übrigens von Altmeisters des TV-Sounds Robert Cobert, der schon unzählige Soundtracks zu Papier brachte. Es ist ein klassischer Score, atmosphärisch dicht inszeniert. Immer wieder höre ich die CD gerne. Und ich muss zugeben, dass ich die Dracula-Musik vor dem Film kannte und schätzen gelernt habe. Cobert hatte für den Soundtrack drei Wochen Zeit, für einen Fernsehfilm eine lange Zeit. Und er hat die Zeit gut genutzt.

Die Vernichtung Draculas

Die Vernichtung Draculas

Ausflugtipp: Skywalk bei Scheidegg im Allgäu

22. August 2014
Na, ist das ein Blick?

Na, ist das ein Blick?

Hoch über die Baumgipfel ging es bei einem Besuch des Skywalks bei Scheidegg im Allgäu. Der Skywalk Allgäu ist ein beeindruckender Baumwipfelpfad bei dem die Besucher in bis zu 30 Meter Höhe völlig ungefährlich durch Bäume spazieren können.
„Es ist wie in einem Ewoks-Dorf“, fasste K1 das Erlebnis zusammen. Wie in dem Star Wars-Film Rückkehr der Jedi Ritter kam sich K1 vor, als es möglich war, in den Bäumen zu wohnen und zwischen den Baumwipfeln spazieren zu gehen. Der 6 ha umfassende skywalk allgäu Naturerlebnispark liegt nur wenige Schritte von der österreichischen Grenze entfernt, über dem Bodensee bei Scheidegg im Allgäu 1000 m ü. M. Achtung bei der Nutzung des Mobiltelefons, die sich gerne ins österreichische Netz einwählen.


Insgesamt stehen beim Skywalk 540 Meter Pfad in 15 bis 30 Meter Höhe zum Erkunden bereit. Stahlbrücken sind zwischen Masten sicher aufgehängt. Ein wenig schwindelfrei sollte der Besucher aber dennoch sein, denn die Verbindungen zwischen den Masten schwanken leicht. Aber alles in allem ist es kein Problem, so dass viele Familie mit ihren Kindern den Skywalk zum Ausflug nutzten. Wer mit einem Kinderwagen oder Rollstuhl samt Hund unterwegs ist, dem bringt ein Aufzug sicher in die Höhe.

Da hinten ist der Bodensee.

Da hinten ist der Bodensee.

Bei schönem Wetter hat der Besucher eine fantastischen Aussicht ins Allgäu und man kann bis zum Bodensee, über das Alpenvorland bis zu den Alpen blicken. Und wer gegen Abend den Skywalk bei Scheidegg besucht, kann einen wunderbaren Sonnenuntergang erleben. Bei schlechtem Wetter macht die ganze Sache keinen Spaß und man sollte wegen des hohen Eintrittspreises verzichten. Der normale Eintritt für einen Erwachsenen kostet 8,90 Euro und für Kinder ab 1 Meter bis 17 Jahre 6,70 Euro.
Wer keine Lust mehr hat, zwischen den Bäumen herumzulaufen, kann den Naturerlebnispfad erkunden oder sich auf dem Abenteuerspielplatz austoben. Bei gutem Wetter kribbelt es unter den Füßen beim Barfußpfad.

Was man zudem wissen sollte: Der Skywalk allgäu ist ein Integrationsunternehmen, das heißt, 40% der Mitarbeiter sind Menschen mit Behinderung. Das Ziel eines Integrationsunternehmnes ist es, dauerhaft Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung zu schaffen. Dies ist im Skywalk allgäu gelungen. Der skywalk allgäu ist eine 100 % Tochter der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Augsburg e.V.

skywalk5

 

Hort der Hähne im Hotel Prinz Luitpold Bad, Bad Hindelang

21. August 2014
Der Hahn aus den Allgäuer Werkstätten.

Der Hahn aus den Allgäuer Werkstätten.

Im Grunde ist dieser Blogpost meiner Frau gewidmet. Als wir im Regentenzimmer unseres Urlaubshotel Prinz Luitpold Bad in Bad Hindelang speisten, fielen uns zahlreiche Hahn-Skulpturen auf. Meine Frau sammelt Hähne und betreibt dann und wann einen Blog über ihre Sammlung unter dem Titel Hahnologie. Den Hintergrund, was dieses Hahn-Hobby bedeutet, will ich besser nicht hinterfragen. Aber warum so viele Hähne im Hotel Prinz Luitpold Bad sind, das wollten wir von Hotelier Armin Gross wissen.

Seit 50 Jahre gibt es die Hähne im Hotel. Der Großvater von Armin Gross besaß ein Bild mit zahlreichen Hähnen und das war der Auslöser für die Hahn-Sammlung im Hotel.
Armin Gross wuchs mit Hähnen auf und wurde von einem italienischen Hahn als Kind mal attackiert. „Hähne sind imposante Tiere“, sagt Armin Gross. Der Hahn ermöglicht Sicherheit. So auch in der Natur. So sei eine Freilandhaltung von Hühner nur mit Hahn möglich. Nur wenn ein Hahn vorhanden ist, trauen sich die Hühner aus dem Stall.

 

Leider musste der Hahn Federn lassen.

Leider musste der Hahn Federn lassen.

Vor 40 Jahren erschienen: Carrie von Stephen King

20. August 2014
Vor 40 Jahren erschien Stephen King Roman Carrie.

Vor 40 Jahren erschien Stephen King Roman Carrie.

Meine Frau machte mich darauf aufmerksam: Vor 40 Jahren im Jahre 1974 erschien der erste Roman von Stephen King: Carrie . Damit hatte Stephen King sein Genre gefunden und als Jugendlicher entdeckte ich für mich den Autor und verschlang jahrelang seine frühen Romane. Erst als Kind in den Fantasy-Bereich abglitt, hab ich aufgehört, seine Bücher zu lesen. Ich fang aber mit Dr. Sleep wieder an und will die Fortsetzung von Shining genießen.
Irgendwo im Archiv habe ich noch die deutsche Erstausgabe von Carrie, die 1977 in Schneekluth Verlag erschienen ist. Aber meine erste Carrie-Ausgabe erschien 1983 bei Bastei-Lübbe, noch in der Übersetzung von Elisabeth Epple. Lübbe kam 1992 mit einer Neuübersetzung von Wolfgang Neuhaus auf den Markt, die ich allerdings nicht gelesen habe.
Das Thema Telekinese interessierte mich. Und die Geschichte eines jungen Mädchens mit übersinnlichen Kräften fand ich hervorragend erzählt. Für mich war Carrie nicht böse und die spätere Verfilmung von Brian de Palma mit dem Untertitel „Die jüngste Tochter des Satans“ führt auf die falsche Fährte. Carrie ist ein schüchterner Teenager mit einer fanatischen Mutter. Das Kind wurde allein gelassen in einer modernen Welt und muss sich mit dem Heranwachsen zurechtfinden. Das Grauen bricht in den Alltag hinein und kommt nicht mehr von entstellten Monstern, wie ich sie einst kannte. Carrie änderte meine Sicht auf den Grusel- oder Horrorroman, der damals bei mir von Frankenstein, Dracula und dem Werwolf beherrscht war.


Über den Film Carrie – Des Satans jüngste Tochter von Brian de Palma habe ich bereits gebloggt. Nochmals: Ein toller Film mit viel Anspielungen auf Hitchcock. Vor knapp einer Woche habe ich mir die Neuverfilmung angeschaut und schüttle nur den Kopf. Natürlich ist der Film näher am Roman und die VFX sind besser, aber die Darsteller haben nicht die Klasse der de Palma-Verfilmung. Also besser Finger weg.
Ein kleiner Tipp zum Soundtrack Carrie von Pino Donaggio. Ich habe die Ryko-Version von Carrie und bisher nicht die auf 1500 Exemplare limitierte Kritzer-Ausgabe, die noch etwas mehr Material bietet. Aber bereits meine Version ist inzwischen selten geworden und wer sie sieht, sollte zuschlagen. Ein paar Dialoge, ein paar siebziger Jahre Songs, aber vor allem viel, viel Atmosphäre wurde in den Score gepackt. Beispielsweise der Track School in Flames ist eine Mischung zwischen natürlichen Streichinstrumenten und Elektroniksound und zeigt, was Pino Donaggio zu leisten vermag. Eigentlich hätte ich bei dem Höhepunkt des Films bei Carries blutiger Rache laute, rhythmische Musik erwartet, aber nein: Pino Donaggio bringt uns ruhige, erhabene Klänge dar, die uns zutiefst verstören. Auch der Track Mother at the top of the stairs kommt leise orchestral daher, erinnert dann an Kirchenklänge und zeigt die religiöse Welt der Carrie zwischen Glaube und Fanatismus wunderbar.

Ich habe den Teufel im Allgäu gesehen

19. August 2014
Mein Blick ins Tal vom Höllerundweg.

Mein Blick ins Tal vom Höllerundweg.

Mit meiner Familie habe ich einige Tage Urlaub im Allgäu gemacht. Entspannen, abschalten, runter kommen – das war unsere Ziele und diese Ziele kamen wir durch wandern näher. Große Touren waren aufgrund des Wetters nicht möglich und so entschieden wir uns für ein- bis zweistündige Wanderungen. Auf einer Wanderung habe ich den Teufel gesehen.

In ein bis zwei Stunden ist der Höllerundweg zu bewältigen.

In ein bis zwei Stunden ist der Höllerundweg zu bewältigen.

Wir entschieden uns für den Höllerundweg in den Allgäuer Hochalten. Der Weg führte uns von unserem Hotel Prinz Luitpold Bad in Bad Hindelang ins nahegelegene Hinterstein. Dort startet der Höllerundweg, der ein leichter Wanderweg für die ganze Familie ist. Der Aufstieg geht entlang des Eckbachs. Der Eckbach im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen zählt zu den letzten unverbauten Wildbächen im Oberallgäu. Hier haben verschiedene Tier und Pflanzenarten ihre Rückzugsgebiete gefunden.

Der Eckbach im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen zählt zu den letzten unverbauten Wildbächen im Oberallgäu.

Der Eckbach im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen zählt zu den letzten unverbauten Wildbächen im Oberallgäu.

Am Ende des Aufstiegs überquert der Wanderer beim Höllerundweg den Eckbach über eine gut gesicherte Stahlbrücke. Auf der anderen Seite erblickt der Wanderer dann den Teufel. Das Gesicht des Teufels ist in Stein gehauen und beim Vorbeigehen übersieht man ihn leicht. Auf der gegenüberliegenden Bachseite ist das Teufelsgesicht in aller Pracht zu bewundern.

Hier ein Video:

 

Wer gut hinschaut, kann den Teufel sehen.

Wer gut hinschaut, kann den Teufel sehen.

Der Teufel höchst persönlich in Stein gehauen.

Der Teufel höchst persönlich in Stein gehauen.

Regionale Produkte auf dem Speiseplan

18. August 2014
Wenn ich unterwegs bin, lege ich Wert auf regionale Produkte, Hier eine gesottene Wildwurst aus dem Allgäu.

Wenn ich unterwegs bin, lege ich Wert auf regionale Produkte, Hier eine gesottene Wildwurst aus dem Allgäu.

Wenn ich unterwegs bin, dann möchte ich regionale Produkte genießen. Es regt mich auf, wenn ich beispielsweise in Bierfranken unterwegs bin und dann ein Becks angeboten bekomme. Freunde, ich will regionale Produkte. Ich will wissen, wie es in der Gegend schmeckt. Ich will wissen, woher mein Essen kommt und ich will auch die Gewissheit haben, dass die Speisen keine langen Transportwege hinter sich haben. Nein danke, ich brauche keine Äpfel aus Neuseeland, sondern ich nehme lieber Äpfel vom Bodensee oder Südtirol.

Hirsch aus dem Allgäu - lecker.

Hirsch aus dem Allgäu – lecker.

Diese Idee machen sich auch Hotels zu eigenen, die auf regionale Spezialitäten setzen. In meinem Urlaub im Allgäu hatte ich wieder die Gelegenheit, solche Produkte aus der Gegend zu genießen. Armin Gross, Hotelier vom Hotel Prinz Luitpold Bad in Bad Hindelang (Allgäu) hat diesen Trend erkannt und unterstützt ihn. Einmal die Woche, am Donnerstag, lädt er seine Hotelgäste zum Probieren der regionalen Produkte ein. Und die Gäste kommen und sind interessiert. Die Hotelgäste vom Hotel Prinz Luitpold Bad können zwischen zahlreichen Käse- und Wurstsorten wählen und vor allem probieren.

Armin Gross musste mir sein Konzept gleich in einem Videointerview erklären.

 


Die angebotenen Speisen habe alle etwas gemeinsam: Sie kommen aus der Region. Hotelier Armin Gross kennt seine Lieferanten und weiß, wie sie produzieren. Dass ist für mich als Gast ein unschätzbarer Vorteil, denn die Waren kommen nicht aus namenlosen Industriebetrieben von weit her. So bezieht das Hotel seine Wurstwaren unter anderem von der Metzgerei Endrass in Bad Hindelang, die ich mich freilich bei einem Spaziergang anschauen musste.

Inspiriert von der guten Wurst, schaute ich gleich beim Metzgerei Endrass in Bad Hindelang vorbei.

Inspiriert von der guten Wurst, schaute ich gleich beim Metzgerei Endrass in Bad Hindelang vorbei.

Und wenn ich noch etwas von den Geschichten über die Produktion der Waren, die Region und die Zubereitung aus dem Mund von Armin Gross erfahre, dann schmeckt es mir gleich besser.  Ich bin ein Fan der Allgäuer Küche geworden und das bedeutet nicht nur Kässpatzen (obwohl die auch nach dem Wandern gut sind). Auf der Speisekarte des Hotels finden sich diese Produkte wieder.

Ein bisschen königlich - die Tafel für eine Festlichkeit,

Ein bisschen königlich – die Tafel für eine Festlichkeit,

Meine Tafel im Hotel Prinz Luitpold Bad in Bad Hindelang war mit regionalen Produkten reich gedeckt.

Meine Tafel im Hotel Prinz Luitpold Bad in Bad Hindelang war mit regionalen Produkten reich gedeckt.