Tribute to Karl – Handschuhe von Roeckl zu Ehren von Karl Lagerfeld

6. März 2020

Mein Gott, der Karl ist jetzt über ein Jahr tot und wenn ich die Welt der Mode ansehe, merke ich, wie sehr König Karl fehlt. Ich vermisse die Ikone Karl Lagerfeld und schaue noch immer gerne Fotobücher seiner Shows an. Vor kurzem gönnte ich mir einen Bildband zu Chanel. Chanel. Ein Name – Ein Stil von Jérôme Gautier. Chanel: The Vocabulary of Style

Coco Chanel erfand die Damenmode neu: Sie schuf einen zeitlosen Stil, der bis heute nichts an Einzigartigkeit verloren hat, und zählt ohne Zweifel zu den einflussreichsten Modedesignerinnen des 20. Jahrhunderts. Dieser Band ist eine Reminiszenz an ihr Schaffen: Glamouröses Fotomaterial aus Coco Chanels Zeit wird zeitgenössischen Fashionshoots gegenübergestellt und macht eindrucksvoll erkennbar, dass Chanels Linie auch nach Jahrzehnten nichts von ihrer Stringenz verloren hat. Die typischen Materialien Jersey und Tweed, strenge Schnitte und Klassiker wie das „Kleine Schwarze“ bestechen bis heute mit zeitloser Eleganz und dem gewissen Etwas. Die zahlreichen und opulenten Aufnahmen von hochkarätigen Fotografen wie Horst P. Horst, Cecil Beaton, Richard Avedon, Mario Testino, Annie Leibovitz und Karl Lagerfeld sind eindrucksvoll. Ich mag den fotografischen Stil von Lagerfeld.

Besonders gefreut hat mich, dass zum ersten Todestag von Lagerfeld meine Lieblingshandschuhfirma Roeckl eine Hommage an König Karl herausgebracht hat. Roeckl hat den limitierten Lederhandschuh Tribute to Karl kreiert. Die kurzen Halbfinger-Handschuhe sind aus extra weichem Haarschaf Nappaleder gefertigt und erzeugen einen exklusiven Glam Rock Look. Ich war sofort verliebt in die Handschuhe und bestellte mir ein paar der auf 40 Stück limitierten Auflage für Herren.

Mein Modell für Herren wird durch ein sehr feines Leder-Lacing mit einer Gunmetal Panzerkette mit dem Lochnietensaum der Handschuhe verbunden. Dieses Dekorelement wird auch an den offenen Fingern weitergeführt. Durch die halbkugelförmige Öffnung an der Oberhand kommt der opulente Kettensaum besonders gut zur Geltung. Eine Vollsteppnaht sorgt für maximalen Tragekomfort und Sportlichkeit.
So begeistert ich von den Handschuhen war, so entsetzt war ich über die Verpackung. Ich bestellte online und die Lieferung erfolgte prompt. Allerdings kamen die hochwertigen Designerhandschuhe in einem simplen Pappumschlag daher. Die Handschuhe waren in einer Plastiktüte verpackt. Roeckl, was soll das? Ihr seit ein Design-Unternehmen, ihr habt Stil und Geschmack und dann bekomme ich so eine langweilige Verpackung. Keine Schachtel, kein Etui für Handschuhe dieser Preisklasse. Schämt euch und Karl Lagerfeld dreht sich im Grab um.

 

Riga: Warum wird Heinz Erhardt kein Denkmal gesetzt?

5. März 2020
Für mich einer der ganz Großen: Heinz Erhardt

Für mich einer der ganz Großen: Heinz Erhardt

Als der beliebteste deutsche Humorist nach Loriot gilt Heinz Erhardt. Der Wortakrobat verkörperte für mich die Zeiten des Wirtschaftswunders pur. Ich kenne Heinz Erhardt nur von Schallplatten und Filmen. Als ich vor kurzem in Riga weilte, machte ich mich auf die Suche nach Spuren von Heinz Erhardt.
In Riga wurde Heinz Erhardt am 20. Februar 1909 geboren. Riga gehörte damals zum russischen Kaiserreich, war aber komplett deutsch geprägt. Mein Vorwurf an Riga: Warum habt ihr Heinz Erhardt komplett vergessen? Die Stadtoberen verweisen an allen Ecken auf Richard Wagner, der ein paar Jahre in Riga gewirkt hatte, aber keine Spur eines Denkmals von Heinz Erhardt. Wagner-Büsten und -Plaketten überall, aber kein Erhardt – das ist eine Schande und hier vergibt sich Riga allerhand Tourismuswerbung, denn Heinz Erhardt hat noch immer treue Fans.

Mein deutscher Reiseführer und Erhardt-Experte Maik Habermann zeigte mir die Stätten des berühmten Mannes. Ich stand vor der ehemaligen Musikalienhandlung im Zentrum von Riga. Hier betrieb der Großvater Paul Neldner ein erfolgreiches Musikhaus. Über 120 Klaviere und Flügel wurden zum Kauf angeboten. Hier lernte der kleine Heinz auch das Klavierspiel. Es gibt Kompositionen von Erhardt aus den Jahren 1925 bis 1929, die ihn als extrem begabten Klavierspieler und Komponisten zeigen. Sie wurden erst nach dem Tod des Komikers entdeckt und veröffentlicht Heinz Erhardt, mal klassisch: 24 Klavierkompositionen. Heinz Vater war Kapellmeister und so liegt die Musik im Blut der Familie. Der Großvater war in seiner Zeit ein angesehener Mann. Er veranlasste, dass das Libretto zu Wagners Tristan ins Russische übersetzt und in St. Petersburg aufgeführt wurde. Der Großvater bekam als Dank dafür vom Zaren Manschettenknöpfe mit dem russischen Doppeladler aus Brillanten.

Die Musikalienhandlung von Heinz Erhardts Vater in Riga.

Die Musikalienhandlung von Heinz Erhardts Großvater in Riga.

Der Schüler Heinz Erhardt, der 14 Mal die Schule wechseln musste, war kein großes Notenvorbild. Da der Vater in Europa verschiedenste Anstellungen hatte, musste der kleine Heinz mit. Ohne Abschluss verließ er das Gymnasium 1926 und ging ans Konservatorium nach Leipzig und wieder zurück nach Riga, um in der Musikalienhandlung seines Opas eine kaufmännische Lehre zu beginnen. Aber die Welt der Zahlen war für Heinz nichts.

Heinz Erhardt-Experte Maik Habermann.

Heinz Erhardt-Experte Maik Habermann.

Er wollte auf die Bühne. Der erste nachweisliche Auftritt war 1928 bei der Weihnachtsfeier der Pfadfinder in Riga als Pausenfüller. Seine humoristischen Lieder zur Laute kamen extrem gut an. Später war im Zweiten Weltrieg in der deutschen Truppenbetreuung tätig und nach dem Krieg begann seine Rundfunk-, später seine Filmkarriere.
Als Jugendlicher sah ich im linearen Fernsehen die Klassiker: Natürlich die Autofahrer, Immer die Radfahrer, Witwer mit fünf Töchtern, Drillinge an Bord – später kamen Pennäler- und Beamtenfilme dazu, die ich eher schwach fand.
Ich hatte mehrere Schallplatten von Telefunken wie diese 100 Jahre Heinz Erhardt – Die kompletten Telefunken-Aufnahmen, die ich gerne hörte und las als Schüler auch seine Gedichtbände und versuchte mich am zitieren – mit mäßigen Erfolg. Erhardt hatte einen Humor, der mir lag, und in Riga zitierte mein Reiseleiter Maik Habermann immer wieder aus dem Reimwerk von Heinz Erhardt Das große Heinz Erhardt Buch. Und ich bleibe bei meiner Forderung: Setzt Heinz Erhardt ein Denkmal in Riga.

Buchtipp: Social Media Marketing von Corina Pahrmann und Katja Kupka

4. März 2020
Klare Empfehlung

Klare Empfehlung

Zwar weiß ich viel, doch will ich alles wissen. Ich mach ja viel in Sachen Social Media, doch stoße ich auch das eine und andere Mal an meine Grenzen. Was mache ich dann? Entweder rufe ich meinen Kollegen Gero Pflüger an oder ich greife zum Buch Social Media Marketing von Corina Pahrmann und Katja Kupka. Letzteres ist soeben in der fünften Auflage erschienen und wurde von den Herausgeberinnen aktualisiert.
Das ist natürlich immer ein Balanceakt, ein gedrucktes Buch zu einem elektronischen Thema auf den Markt zu bringen. Gerade hier können Informationen über Nacht schon veraltet sein, wenn Facebook, Twitter und Co mal schnell ihren Algorithmus ändern oder neue Features integrieren.
Aber dieses 626-seitige Kompendium, erschienen beim renommierten O’Reilly-Verlag, bringt Theorie und Praxis zusammen. Das Buch selbst versteht sich als Praxishandbuch. Nach dem Lesen ist es bei mir nicht im Schrank verschwunden, sondern es liegt griffbereit in der Nähe meines Schreibtisches und ich empfehle es ausdrücklich in meinen Seminaren für Social Media. Dabei geht es nicht nur um klassische Netzwerke der alten Art, sondern die Autoren kümmern sich auch um TikTok und Co. Weiterhin lesenswert sind die Ausführungen über Content Marketing und Storytelling, wobei ich lachen musste, als dies als neuer Trend verkauft wird. Storytelling mache ich als gelernter Journalist vom ersten Tag an, aber jetzt entdecken es die Marketingfuzzis und machen ein Fass auf. Da in der Branche weniger das Bauchgefühl zählt als vielmehr die nackten Zahlen, geht es auch um Monitoring und Analyse, was ich grundsätzlich gut finde, wenn man es nicht übertreibt.
Wichtig sind auch die Ausführungen zum Employer Branding und Social Recruiting. Da ich sehr viel für mittelständische Unternehmen mache, waren diese Ausführungen sehr wertvoll. Ich empfehle es auch den Kandidatinnen und Kandidaten aus der bayerischen Politik, die sich bis 15. März im Social Media-Wahlkampf wegen der Kommunalwahl befinden und vieles falsch machen.
Rundum: Das Buch Social Media Marketing ist sehr empfehlenswert und ich hoffe für O‘Reilly, dass Facebook und Co nicht morgen ihre Algorithmen ändern und das Buch ins Altpapier wandert.

Joseph Vilsmaier – Filmseminar zum Thema Heimat mit Bayern sagenhaft

3. März 2020

Der bayerische Regisseur Joseph Vilsmaier verstarb am 12. Februar 2020 im Alter von 81 Jahren. Gestern wurde er zu Grabe getragen. Ich hatte bei einem Filmseminar der Hanns Seidel Stiftung in Passau die Gelegenheit den vorletzten Film Vilsmaisers „Bayern sagenhaft“ zu sehen und einer Diskussion zum Thema Heimat beizuwohnen.
An Vilsmaier erinnerte der langjährige HSS-Filmreferent Artur Kolbe mit persönlichen Worten. Sie waren zuvor auf der HSS-Website als Nachruf veröffentlicht worden und in Passau sprach sie Kolbe nochmals live. „Ein bezaubernder sympathischer Mensch, den jeder gern haben musste, der das Glück hatte, mit ihm reden zu können.“ Ich habe den Nachruf hier auf Video:

Joseph Vilsmaier hat deutsche Filmgeschichte geschrieben und hervorragende Werke uns Filmfreunden gebracht: Ich nenne nur Herbstmilch, Schlafes Bruder, Stalingrad oder Comedian Harmonists. Seinen letzten Film Der Boandlkramer und die ewige Liebe konnte er vor seinem Tod noch vollenden.
In Passau sah ich seine Dokumentation Bayern – sagenhaft und war furchtbar enttäuscht. Es ist für mich ein wirklich schlechter Film geworden. Eine Aneinanderreihung von Stock-Aufnahmen, Fundus-Aufnahmen und völlig uninspiriert, ohne großen roten Faden. Es tut mir leid, lieber Joseph Vilsmaier, aber das war wirklich nichts. Sein gezeigtes Bayern bestand in erster Line aus Altbayern, etwas Niederbayern und Oberpfalz, die Franken und die Schwaben kamen nur noch am Rand vor. Der Film zeigte Fremdaufnahmen von BMW und der LMU, um den Fortschritt des Freistaats zu demonstrieren, aber der Film bricht auseinander.

Hannes Burger lieferte ein Konzept des Kalenderjahres, das sich durch den Film ziehen sollte, aber Vilsmaier hielt sich nicht daran und packte zuviel rein. Sein Bayern bestand in seiner Sichtweise aus Tracht und Trinken. Das ist nicht das aufgeschlossene Bayern, das ich kenne und liebe.
Und dann kam noch eine polternde Monika Gruber dazu, die mit dem Herzblatt-Hubschrauber durch die Handlung holzt. Ich mochte einst die Gruberin, aber in den vergangenen Jahren entwickelte sie sich zur derben grobschlächtigen Farce. Der Film langweilt einfach nur und ist eine missglückte Tourismuswerbung.
Beim Filmgespräch „Heimat als politische Aufgabe Möglichkeiten des Films“ sprachen Georg Steiner, Tourismusdirektor der Stadt Linz, Stadtrat, Passau, Hannes Burger, Journalist und Autor, Hans-Jürgen Buchner (Haindling), Musiker und Komponist, Pfarrer Dr. Michael Gnan, Päpstlicher Beauftragter für die Ostkirchlichen Christen, Beauftr. f. Asyl im Bistum Passau, die überzeugte Passauerin Christine Altinger und Katharina Lechner (European Studies), Passau. Die Moderation hatte Wilhelm Mixa inne.


Ich habe die komplette Diskussionsveranstaltung mitgeschnitten. Hier das Video:

Meiner Meinung nach kamen die besten Beiträge von Katharina Lechner und Hans-Jürgen Buchner. Hannes Burger konnte ein wenig Klarheit über die Zustände der Filmproduktion bringen. Die Diskussionsbeiträge aus dem Publikum waren schon sehr bemerkenswert, zum Teil sehr rückwärtsgewandt und manches Mal verletzend, aber urteilen Sie selbst.

Gespräch mit Hannes Burger.

Gespräch mit Hannes Burger.

Musiktipp: Mike Oldfield Killing Fields – Sammlerbox

2. März 2020
Mike Oldfield, der alte Recke meiner Jugend, hat in seinem musikalischen Leben nur einen Soundtrack komponiert: Es war im Jahr 1984 zum Film The Killing Fields. Jetzt bekam ich eine ungewöhnliche Sammlerbox in die Hand.
Bevor jetzt wieder Besserwisser daherkommen. Ich weiß, Mike Oldfields Musik wurde als Score zum Filmklassiker Exorzist im Jahre 1974 verwendet – aber es waren Auszüge aus seinem Debütalbum Tubular Bells. Es war kein extra komponierter Soundtrack zu einem Film.
Nichts neues bietet die Sammlerbox von Killing Fields.

Nichts neues bietet die Sammlerbox von Killing Fields.

Das war bei Killing Fields anders. In der Sammlerbox befindet sich die CD und die englischsprachige DVD des sehenswerten Films. Zudem gibt es allerhand Pressematerial.
Der Film spielt vor dem Hintergrund des kambodschanischen Bürgerkriegs als die Roten Khmer ihren Steinzeitkommunismus in dem instabilen, asiatischen Land errichtetet und Massenmord an ihrem Volk begangen. 2,2 Millionen Tote gab es zu beklagen, viele davon auf den Killing Fields. Erstmals Regie führte 1984 der Brite Roland Joffé. Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit und ist schonungslos eindrucksvoll.
Gonzobox - das sagt alles.

Gonzobox – das sagt alles.

Die Musik steuerte Mike Oldfield bei, der im gleich Jahr eigentlich im seichten Pop versunken war. Wir erinnern uns an das Album Discovery (1984) mit dem netten Hit To France, gesungen von Maggie Reilly. Der Soundtrack zu Killing Fields konnte nicht kontrastreicher sein. Instrumentalmusik wie frühere Alben, aber keine längeren Stücke wie auf seinem Frühwerk. Das Album enthält die kürzeste Oldfield-Komposition überhaupt: The Year Zero 2 mit 37 Sekunden, gefolgt von Pran’s Theme mit 44 Sekunden. Étude, das letzte Stück des Albums, wurde als erfolglose Single ausgekoppelt und stammt als einziges Stück nicht von Oldfield, sondern von spanischen Gitarristen und Komponisten Francisco Tárrega (1852–1909).

Die Musik des zehnten Mike Oldfield-Albums wirkt auf den ersten Eindruck kräftig und disharmonisch. Der Fairlight dominiert, aber auch Schlaginstrumente aus Asien. Als sie 1984 auf den Markt kam, war ich verschreckt, aber ich habe meinen Frieden mit dem Score gemacht. Bei der Veröffentlichung in der vorliegenden Sammlerbox von Gonzobox7 hätte ich mir ein paar unveröffentlichte Sachen oder eine bessere Abmischung vorgestellt, denn eigentlich habe ich LP, CD, Single, Maxi-Single und DVD von Killing Fields – und sogar das Pressematerial liegt irgendwo im Archiv.
Hier das bisherige Material, was ich von Killing Fields besitze.

Hier das bisherige Material, was ich von Killing Fields besitze.

Aber das Material wurde nicht optimiert, sondern einfach nur zusammengetragen. Ob eine DVD das aktuelle Medium darstellt, sei zudem dahin gestellt. Daher brachte die Box nichts neues und befriedigt nur die Sammlergelüste – die große Bereicherung ist es nicht geworden. Schade.

Buchtipp Lost Places: Vergessene Welten – Produktion eingestellt von Agnes Hörter

27. Februar 2020
Schönes Buch von Agnes Hörter.

Schönes Buch von Agnes Hörter.

Ich bin fasziniert von Lost Places, von vergessenen Orten. Orte, bei denen einstmals das Leben tobte, die aber dann aufgegeben wurden, aus welchen Gründen auch immer. Ich habe eine ganze Reihe von Büchern über diese Orte aus aller Welt gesammelt und bin ich verschiedenen Facebook-Gruppen, die über ihre Exkursionen zu diesen Lost Places berichten. Ich selbst habe kaum Expeditionen in diese Orte vorgenommen – aus verschiedenen Gründen, aber die Magie dieser Orte fasziniert mich.
In einer Facebook-Gruppe stieß ich auf ein Angebot von Agnes Hörter. Sie hat im Selbstverlag ihr Buch „Vergessene Welten – Produktion eingestellt“ angeboten. Es erschien in einer Auflage von 100 Exemplaren und ich finde, solche Projekte müssen einfach unterstützt werden. Also bestellte ich das Buch mit Widmung. Dieser Tage wurde es – exzellent verpackt – geliefert.

Buch 30 von 100. samt Widmung.

Buch 30 von 100. samt Widmung.

Ich habe den Band 30 von 100 und ich freue mich sehr über das wertige Buch. Wie der Untertitel „Produktion eingestellt …“ verrät, geht es um verlassene Industrie- und Handwerksbetriebe, die mehr oder weniger verfallen. Ich habe magische Orte gefunden, in denen die Zeit stehen geblieben ist. Agnes Hörter hervorragendes fotografisches Auge hat Töpfereien, Glasfabriken, Heizkraftwerke, Papierfabriken, Schokofabriken, Ziegeleien und allerhand Volkseigene Betriebe der ehemaligen DDR fotografiert. Die Bilder wechseln von Totalen bis hin zur Detailfotografie.
Jeder Ort bekommt eine kurze historische Einführung und natürlich wird nicht verraten, wo dieser Ort ist. Das macht man in der Lost-Place-Branche natürlich nicht.

Leider – und das ist meine einzige Kritik an diesem wunderbaren Buch – wird nicht verraten, mit welcher Technik die Fotos aufgenommen und nachbearbeitet wurden. Welche Kameras, welche Optiken wurden eingesetzt, welche Bildbearbeitung kam zum Zuge. Hier hätte ich gerne ein wenig für mich selbst gelernt. Ich vermute, die meisten Bilder entstanden im Stil der Available Light-Fotografie mit Langzeitbelichtung mit Stativ, aber ich weiß es nicht (würde es aber gerne wissen).
Der Streifzug durch die verlassenen Orte hat aber auch einen enormen historischen Wert. Einige der Gebäude wurden nach den Aufnahmen abgerissen. Vorher war Agnes Hörter noch mit ihrer Kamera da und drückte ab. Hier leistet Agnes Hörter einen wertvollen Beitrag zur Industriegeschichte unseres Landes. Es lässt sich erkennen, unter welchen Bedingungen an diesen Orten gearbeitet wurde. An vielen Orten liegen die Produktionsmittel noch herum. Die Arbeiten haben den Ort verlassen, als ob sie zur Mittagspause gegangen sind. Zurückgekehrt sind sie allerdings nicht mehr. Die Bilder dokumentieren die Arbeitsschritte vergangener Tage. Ich freue mich, dass ich das Buch erworben habe. Auf dem Cover steht klein „Band 1“. Also hoffe ich auf einen Band 2 und ich bin wieder als Käufer dabei.

Stoff für Star Wars Süchtige

21. Februar 2020

Ja, ich häng noch am Star Wars Tropf. Nachdem die Skywalker-Saga abgeschlossen ist und wir jetzt auf die Veröffentlichung der Saga auf 4K-Box warten, muss ich mich ein wenig ablenken. Die Skywalker Saga 4K wird am 30. April 2020 erscheinen und 27 Datenträger enthalten – und natürlich gehöre ich zu den Erstbestellern.

Ich hab wieder gemerkt, dass ich ein absoluter Fan der mittleren Trilogie bin. Krieg der Sterne, das Imperium schlägt zurück und die Rückkehr der Jedi-Ritter sind einfach meine Filme, weil es die Filme meiner Generation sind. Mit Luke, Leia, Vader, Han und Co wurde ich sozialisiert. Ich habe noch im Kino gesehen, dass Han zuerst geschossen hat. Und wenn die Filme, egal in welcher Version, laufen, spreche ich die Dialoge mit. Wahrscheinlich hat die jungen Generation andere Vorlieben, ich weiß es nicht.
Meine Kinder habe ich mit meiner Star Wars-Sucht angesteckt. K2 überlegt sogar, einen Podcast zum Thema zu machen – meine väterliche Unterstützung hat das Kind auf jeden Fall.


Immer wieder tauchen Erinnerungen meiner Jugend auf. Beim Aufräumen habe ich sogar ein Heft aus meiner Jugend gefunden. Was sage ich Heft! Ich habe einen Schatz gehoben. Der Schatz war in einem Ordner in meinem Archiv abgelegt und wurde vergessen. Es handelt sich um ein Perry Rhodan Sonderheft aus dem Jahr 1977 mit Krieg der Sterne als Thema. Ich habe es mir damals nach dem Kinobesuch mit meinem Papa gekauft und verschlungen. Jetzt ist es wieder aus der Vergessenheit aufgetaucht. Mit viel Liebe habe ich das Heft in seinem siebziger Jahre Layout durchgeblättert und ein Video dazu gedreht. Ich hänge am Star Wars Tropf.

Und ich habe mir einen aktuellen Schatz besorgt. Es gibt ein relativ neues Bilderbuch zur mittleren Trilogie. Mein Lieblingsverlag, der Taschen Verlag, hat das sieben Kilogramm schwere Werk Das Star Wars Archiv. 1977–1983 im vergangenen Jahr veröffentlicht.

Autor ist Paul Duncan, Autor von verschiedenen Filmbücher über James Bond, Hitchcock oder Ingmar Bergman. Dieser Star Wars-Band, entstanden in enger Kooperation mit George Lucas und Lucasfilm, deckt die Entstehungsgeschichte der Originaltrilogie ab – Krieg der Sterne (= Episode IV: A New Hope), Das Imperium schlägt zurück (= Episode V: The Empire Strikes Back) und Die Rückkehr der Jedi-Ritter (= Episode VI: Return of the Jedi). Er enthält ein Exklusivinterview mit Lucas und ist vollgepackt mit selten gezeigten Dokumenten, mit Drehbuchseiten, Produktionsunterlagen, Konzeptentwürfen, Storyboards und natürlich einer Fülle an Fotos aus den Filmen und von den Dreharbeiten. Ja, natürlich habe ich viele dieser Dokumente als Fan schon gesehen, aber das Bilderbuch hat noch ein paar seltene Bilder. Und der Druck des Buches ist sagenhaft. Hier hat sich der Taschen-Verlag nicht lumpen lassen.

Leider sind bei der Übersetzung ein paar Fehler. Die Lektoren sind wohl keine Star Wars-Fans und haben sich nicht an den Originaldialogen der Filme orientiert. Das sollte bei einem Buch von 150 Euro nicht sein. Ein Beispiel: „eine elegante Waffe aus zivilisierteren Tagen.“ – heißt es im Film. Daraus wurde im Buch: „eine elegante Waffe aus einem zivilisierteren Zeitalter.“ – das ist sicherlich kein Problem, aber bei einem Buch für Fans ein gewaltiger Fehler. Da bietet es sich an, das Buch The Star Wars Archives: 1977–1983 auf Englisch zu erwerben. Dennoch ist das Werk eine Empfehlung und überbrückt die Wartezeit bis zur 4K-Box.

Werbung: Kameras im SmartHome im Griff

20. Februar 2020

Das Thema SmartHome bewegt die Gemüter. Als Referent zum Thema Digitalisierung arbeite ich sehr viel mit SmartHome-Anwendungen und berichte über meine Erfahrungen. Die Deckenlampen werden per Smartphone bedient, Alexa schaltet die Kaffeemaschine an, die Rollläden fahren morgens beim Aufstehen selbstständig hoch. Deutschlands Wohnungen und Häuser werden derzeit mit intelligenten Technologien ausgestattet. 3 von 10 Bundesbürgern (31 Prozent) nutzen mindestens eine entsprechende Anwendung in ihrer Wohnung, so eine Umfrage des Branchenverbandes Bitkom zur IFA 2019.
Mehr Komfort und Lebensqualität ist für einen Großteil das Hauptkriterium dafür, in einem intelligenten Zuhause zu leben. 64 Prozent der Besitzer von Smart-Home-Anwendungen nennen dies als Grund dafür, entsprechende Anwendungen installiert zu haben.
54 Prozent wollen ihre Wohnung sicherer machen – etwa durch intelligente Alarmsysteme, intelligente Rauchmelder oder eine intelligente Videoüberwachung. Vor allem Männern ist dieser Grund wichtig: 59 Prozent heben diesen Aspekt hervor, bei den Frauen sind es 48 Prozent.
Aber das Problem sind unterschiedliche technische Strandards. Im Dezember vergangenen Jahres wurde klar. Die großen Hersteller arbeiten an einer Lösung. Amazon, Apple und Google wollen einen gemeinsamen Smarthome-Standard entwickeln. Die Konzerne wollen die Verbindung verschiedener Geräte im vernetzten Zuhause vereinfachen. Der neue Standard soll ohne Lizenzgebühren verfügbar sein. Dieser neue Standard solle auf dem Internetprotokoll basieren. Zu den Mitgliedern der Arbeitsgruppe gehören unter anderem auch Ikea, Samsungs Heimvernetzer SmartThings, der Chipspezialist NXP sowie der Hersteller der vernetzten „Hue“-Lampen, die Philips-Abspaltung Signify. Aber bis es soweit ist, wird noch einige Zeit vergehen. Frühestens Ende 2020 sollen erste Ergebnisse vorliegen.

Foto: INNOCAM

Foto: INNOCAM

Ein NAS-System für Medien wie Fotos und Filme im SmartHome stammt oft von Synology. Synology wurde im Jahr 2000 gegründet und hat heute über sechs Millionen Installationen. Interessant sind dabei die Kamera-Steuerungen im SmartHome über Synology. Damit werden unsichere Cloudlösungen asiatischer Hersteller im SmartHome vermieden. Synology bietet über den Einzelhändler INNOCAM verschiedene Staffelungen einer Synology Surveillance Station Lizenz an, um IP-Kameras in das Synology-Überwachungssystem des SmartHomes zu integrieren. Inzwischen steht eine Auswahl von über 7400 IP-Kameras von mehr als 100 Marken, darunter auch Cloud-Kameras, zur Verfügung. Darunter sind alle ONVIF, Kameras von Axis, Mobotix, ACTi, Airlive, Arecont, AVIPC, Cisco, Compro, D-Link, Edimax, Foscam, Hikvision, iPUX, IQinVision, JVC, Levelone, Linksys, Messoa, Panasonic, Pixord, Sanyo, Siemens, Sony, Toshiba, TP-Link, Trendnet, Vivotek und Y-cam.

Foto: INNOCAM

Foto: INNOCAM

Die Surveillance Station unterstützt nun H.264, MJPEG, MPEG4, MxPEG und vereinfacht den Installationsprozess der Kameras und ermöglicht es, die Verbindung zu den Kameras über eine Web-basierte Benutzeroberfläche oder über ein mobiles Gerät jederzeit und überall herzustellen.

Standardmäßig ist eine Lizenz für zwei Kameras installiert. Wer den Lizenzschlüssel auf der Benutzeroberfläche der Überwachungsstation eingebt, kann mehr als zwei Kameras im Netzwerk einrichten und verwalten. Achtung: Ein Lizenzschlüssel kann nur auf einer Überwachungsstation von Synology aktiv sein. Die Installation der Kameras geht einfach: Gehen Sie in der Überwachungsstation zum Hauptmenü (Main Menu) > Lizenzen (Licenses) und klicken Sie auf Hinzufügen (Add). Der Installationsassistent führt durch das sichere Hinzufügen von Geräten zur Überwachungsstation.

Apple Pippin – ich bin begeistert

17. Februar 2020
Live und in Farbe - ich habe eine echte Pippin gesehen.

Live und in Farbe – ich habe eine echte Pippin gesehen.

Ich habe endlich einmal Pippin getroffen. Nein, ich meine nicht Peregrin „Pippin“ Tuk aus Herr der Ringe und auch nicht den Frankenkönig Pippin der Jüngere, genannt auch Pippin III., Pippin der Kurze und Pippin der Kleine (714-768), sondern ich meine als Apple Fanboy den unglücklichen ersten Ausflug Apples in die Gamesbranche: Apple Pippin.

Das MacOS war nie als Gamer-Betriebssystem bekannt und lange vor Apple Arcade gab es einen erfolglosen Versuch Cuppertinos im Games-Bereich mit einer eigenen Konsole Fuß zu fassen. Dieser ist grandios gescheitert und nur wenige Geräte von Pippin wurden verkauft. Bei einem Besuch des eindrucksvollen Haus der Computerspiele von René Mayer in Leipzig durfte ich endlich mal eine sagenumwobenen Apple Pippin in der Hand halten. Die Konsole wurde von Bandai lizensiert und war seiner Zeit hinterher. Sie stammt aus dem Jahre 1995 und traf auf leistungsfähige Gegner wie Sony Playstation oder Sega Saturn. Das System auf PowerPC-Basis mit einem 603e Prozessor und 66 MHz wurde zunächst nur in Japan und später in den USA verkauft. Nach Europa kamen kaum Pippin-Konsolen. Damals wollte Bandai rund 600 US-Dollar für das System haben, für das es kaum Spiele gab. 1997 wurde Pippin wieder nach 42.000 verkauften Konsolen wieder eingestampft und verschwand. Pippin hatte ein 4fach CD-ROM-Laufwerk eingebaut und war mit einem 14.4 Modem ausstattet, um im Netzwerk zu spielen. Auch die Anschlüsse für das TV-Gerät waren für mein Gefühl in Ordnung, aber es reichte einfach nicht gegen die Konkuurenz. Apples Versuch den Spielemarkt zu erobern war grandios gescheitert.

Aber Journalist, Sammler und Experte René Meyer hat in seinem Haus der Computerspiele noch eine exzellent erhaltende Pippin aus Japan samt Controller und Originalverpackung atmark – advanced Technology by Apple Computer. Ich bin neidisch, als Apple Fanboy sogar mehr als das. Ich war überwältigt und fasziniert von dem Teil. Rene hat sogar noch einige Spiele, darunter Super Marathon. Das Spiel habe ich am Mac geliebt – es war einer der wenigen Ego-Shooter für die MacOS-Plattform. Auf die Portierung auf die Pippin bin ich sehr gespannt. Aufgrund der vorgerückten Stunde hatten wir keine Zeit mehr die Pippin anzuschließen und zu zocken. Aber ich komme wieder nach Leipzig und niste mich im Haus der Computerspiele ein.

Filmkritik: Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn

14. Februar 2020
„Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“ hat mich ratlos hinterlassen. Auf dem ersten Blick besitzt der Film aus dem DC-Universum keinerlei Sympathie-Figuren. Alle Figuren sind ordinär, brutal, gewalttätig, gewissenlos – es ist Trash pur, was uns Regisseurin Cathy Yan und der Drehbuchautorin Christina Hodson da präsentieren. Der Spaß, Familien die Haut von den Gesichtern zu ziehen, erschließt sich mir einfach nicht.
Ich hatte eine Einladung zum Kinobesuch von meinem Kollegen Markus von Filmreport bekommen, der wiederum zwei Eintrittskarten und Cocktails von der 35mm Bar im Münchner Mathäser gewonnen hatte – vielen Dank dafür.
Ich hatte den Vorgänger „ Suicide Squad“ von 2016 kaum etwas Unterhaltendes abgewinnen können, so war ich auf die Fortsetzung „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“ gespannt. Wie wird entwickelt sich die Figur der wahnsinnigen Harley Quinn weiter? Nachdem der Joker seine Freundin fallen ließ, dreht die Dame nun völlig ab und mordet sich durchs Leben. Aber es gibt noch schlimmerer Halunken in dem Film, was das Morden der schrillen Dame relativieren soll.
Schrill, bunt, obszön ist ihre Welt der Fäkalsprache. Natürlich müssen Comicverfilmungen überzogen sind, aber so richtig gezündet hat die bunte Welt der Bilder bei mir nicht. Und das ging anderen wohl auch so. In den USA wurde kurzerhand der Titel des Films geändert, damit die Zuschauer ins Kino kommen. Harley Quinn Wurde im Titel vorangestellt, um eine Google-Optimierung zu erreichen. Am Startwochenende hatte Warner mit 50 Millionen US-Dollar in den USA gerechnet, es kamen aber 33 Millionen US-Dollar in die Kassen. Als Grund wurden der seltsame Humor und die Erzählstruktur genannt.
Interessant fand ich an dem Film dagegen wirklich die Erzählweise. Immer wieder wird der Zuschauer durch Rückblenden und Zeitsprünge aus dem Erzählfluss gerissen. Der Film springt zurück, setzt neu an und zeigt dadurch andere Sichtweise. Vielleicht hat das den einen oder anderen Zuschauer verwirrt, mir hat diese ungewöhnliche Erzählweise in einem Blockbuster gefallen.
Und als Filmfan habe ich die Anspielungen genossen. Da wird wunderbar zitiert aus Tope Hoopers „ Das Kabinett des Schreckens“ von 1981 zitiert, es scheint ein wenig Kubricks Der Tiger von New York durch und auch Bösewicht Scaramanga aus dem Bond-Film „der Mann mit goldenem Colt“ von 1974 lässt grüßen.
Wie geschrieben fand ich „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“ auf den ersten Blick einen belanglosen und unnötigen Trash. Einen Tag später drehen sich meine Gedanken um die Emanzipation der Figuren. Auf einer tieferen Ebene ist „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“ ein wirklich ein emanzipatorischer Kampf gegen Unterdrückung, ein Auflehnen gegen die Macho-Kultur, wie sie oft auch in Comic-Verfilmungen zu finden ist. Weibliche Superhelden hatten bisher eng sitzende Kostüme, vielleicht mit ein ein bisschen Leder und knappen Stoff. Das ist hier nicht der Fall.
Die Macherinnen des Films, die handelnden Charaktere sind weiblich und haben unter Männern in ihrem Umfeld gelitten. Es ist keine Drei Engel für Charlie-Variante, sondern eher Thelma & Louise. Dr. Harleen Quinzel/Harley Quinn (Margot Robbie) hatte sich in den Joker verliebt und wurde von ihm abserviert. Zuvor bestand ihr Leben aus Schläge und Ablehnung. Sie biss sich durch, erlangte den Doktortitel und fiel nach ihrer Trennung in den white Trash zurück. Die Polizistin Renee Montoya (Rosie Perez) wird im Revier von Männern übergangen. Ihr Boss ist korrupt, die anderen Polizisten ebenso. Die kleine Taschendiebin wächst bei gewalttätigen Pflegeeltern auf der weibliche Robin Hood mit Armbrust hat gar die ganze Familie verloren. Ach ja, die Sänger – vergessen wir es. Die Figuren sind eindimensional und trotz interessanter Ansätze werde ich mir ein weiteres Sequel nicht mehr antun.
Bemerkenswert ist höchstens der Score von Daniel Pemberton – das Musikalbum mit Bum-Bum-Sängern kann mir gestohlen bleiben.