Filmkritik: Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn

„Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“ hat mich ratlos hinterlassen. Auf dem ersten Blick besitzt der Film aus dem DC-Universum keinerlei Sympathie-Figuren. Alle Figuren sind ordinär, brutal, gewalttätig, gewissenlos – es ist Trash pur, was uns Regisseurin Cathy Yan und der Drehbuchautorin Christina Hodson da präsentieren. Der Spaß, Familien die Haut von den Gesichtern zu ziehen, erschließt sich mir einfach nicht.
Ich hatte eine Einladung zum Kinobesuch von meinem Kollegen Markus von Filmreport bekommen, der wiederum zwei Eintrittskarten und Cocktails von der 35mm Bar im Münchner Mathäser gewonnen hatte – vielen Dank dafür.
Ich hatte den Vorgänger „ Suicide Squad“ von 2016 kaum etwas Unterhaltendes abgewinnen können, so war ich auf die Fortsetzung „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“ gespannt. Wie wird entwickelt sich die Figur der wahnsinnigen Harley Quinn weiter? Nachdem der Joker seine Freundin fallen ließ, dreht die Dame nun völlig ab und mordet sich durchs Leben. Aber es gibt noch schlimmerer Halunken in dem Film, was das Morden der schrillen Dame relativieren soll.
Schrill, bunt, obszön ist ihre Welt der Fäkalsprache. Natürlich müssen Comicverfilmungen überzogen sind, aber so richtig gezündet hat die bunte Welt der Bilder bei mir nicht. Und das ging anderen wohl auch so. In den USA wurde kurzerhand der Titel des Films geändert, damit die Zuschauer ins Kino kommen. Harley Quinn Wurde im Titel vorangestellt, um eine Google-Optimierung zu erreichen. Am Startwochenende hatte Warner mit 50 Millionen US-Dollar in den USA gerechnet, es kamen aber 33 Millionen US-Dollar in die Kassen. Als Grund wurden der seltsame Humor und die Erzählstruktur genannt.
Interessant fand ich an dem Film dagegen wirklich die Erzählweise. Immer wieder wird der Zuschauer durch Rückblenden und Zeitsprünge aus dem Erzählfluss gerissen. Der Film springt zurück, setzt neu an und zeigt dadurch andere Sichtweise. Vielleicht hat das den einen oder anderen Zuschauer verwirrt, mir hat diese ungewöhnliche Erzählweise in einem Blockbuster gefallen.
Und als Filmfan habe ich die Anspielungen genossen. Da wird wunderbar zitiert aus Tope Hoopers „ Das Kabinett des Schreckens“ von 1981 zitiert, es scheint ein wenig Kubricks Der Tiger von New York durch und auch Bösewicht Scaramanga aus dem Bond-Film „der Mann mit goldenem Colt“ von 1974 lässt grüßen.
Wie geschrieben fand ich „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“ auf den ersten Blick einen belanglosen und unnötigen Trash. Einen Tag später drehen sich meine Gedanken um die Emanzipation der Figuren. Auf einer tieferen Ebene ist „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“ ein wirklich ein emanzipatorischer Kampf gegen Unterdrückung, ein Auflehnen gegen die Macho-Kultur, wie sie oft auch in Comic-Verfilmungen zu finden ist. Weibliche Superhelden hatten bisher eng sitzende Kostüme, vielleicht mit ein ein bisschen Leder und knappen Stoff. Das ist hier nicht der Fall.
Die Macherinnen des Films, die handelnden Charaktere sind weiblich und haben unter Männern in ihrem Umfeld gelitten. Es ist keine Drei Engel für Charlie-Variante, sondern eher Thelma & Louise. Dr. Harleen Quinzel/Harley Quinn (Margot Robbie) hatte sich in den Joker verliebt und wurde von ihm abserviert. Zuvor bestand ihr Leben aus Schläge und Ablehnung. Sie biss sich durch, erlangte den Doktortitel und fiel nach ihrer Trennung in den white Trash zurück. Die Polizistin Renee Montoya (Rosie Perez) wird im Revier von Männern übergangen. Ihr Boss ist korrupt, die anderen Polizisten ebenso. Die kleine Taschendiebin wächst bei gewalttätigen Pflegeeltern auf der weibliche Robin Hood mit Armbrust hat gar die ganze Familie verloren. Ach ja, die Sänger – vergessen wir es. Die Figuren sind eindimensional und trotz interessanter Ansätze werde ich mir ein weiteres Sequel nicht mehr antun.
Bemerkenswert ist höchstens der Score von Daniel Pemberton – das Musikalbum mit Bum-Bum-Sängern kann mir gestohlen bleiben.

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