Buchtipp: Digitale Notizen mit GoodNotes

13. September 2022

Heute beginnt in Bayern wieder die Schule und einige Klassen sind so genannte Tablet-Klassen, was ich durchaus begrüße. In der Corona-Zeit haben meine Kinder auf die klassischen Schulhefte verzichtet und mit dem iPad gearbeitet. Siehe da, es hat tadellos funktioniert.

Aber in der Familie haben wir eine kleine Diskussion: GoodNotes oder Notability? Während die Tochter K2 des Hauses auf GoodNotes am iPad und Mac schwört, bin ich ein Freund von Notability am iPad und Mac. K2 hat während des Homeschooling sich für diese Software-Lösung entschieden und auf Paperhefte in der Schule vollkommen verzichtet.

Nun wollte ich GoodNotes auch mal testen und habe dazu vom mitp-Verlag das Buch Digitale Notizen mit GoodNotes von Andrea Rawanschad erhalten. Es ist das erste deutsche Buch zu GoodNotes 5 und erklärt alle Funktionen Schritt für Schritt für den praktischen und produktiven Einsatz auf 264 Seiten. Das sind ziemlich viele Seiten für eine Software, die K2 intuitiv und durch YouTube erlernt hat. Wer will denn schon Anleitungsbücher lesen, wenn es YouTube gibt, hat K2 gefragt.
Ich hab es trotzdem gemacht und habe mich aber nicht von Seite 1 bis Seite 264 durchgehangelt, sondern habe mir verschiedene Probleme überlegt und nach Lösungen in GoodNotes gesucht. Und siehe da: Andrea Rawanschad hat an vieles gedacht. Ihr Stil ist sachlich, nicht belehrend. Das Buch ist versehen mit zahlreichen Abbildungen, die die Lehrinhalte besser im Kopf verankern. Und ich habe das iPad neben das Buch gelegt und nachgeklickt.

Grundsätzlich ist das Buch mit Grafiken und Skizzen gut illustriert. Manches Mal ist allerdings zu viel auf einer Seite – da hätte mir ein Wechsel von Text und Grafik besser gefallen. Auch die Empfehlungen mit Linienstärken und Vorlagen aus dem Netz sind sehr praxisnah. Das Buch eignet sich als Nachschlagewerk und muss nicht von vorne bis hinten gelesen werden.

Aber teilweise ist das Buch Digitale Notizen mit GoodNotes mit unnötig Content aufgebläht. Die Diskussion, welches iPad der Leser braucht und wo die jeweiligen Vor- und Nachteile sind, hätte man sich sparen können. In der Regel habe ich ein iPad und kaufe dann die Anwendung – und nicht andersherum. Auch die Diskussion digitale Welt vs Papierwelt ist unnötig, denn wenn ich GoodNotes und Co nutzen will, dann habe ich mich schon längst für eine der Welten entschieden. Da frage ich mich schon als Leser, für wen ist dieses Buch eigentlich geschrieben?

Wirklich fehlen tat mir die Diskussion um die Cloud. Wenn GoodNotes konsequent genutzt wird, wie im Schulalltag von K2, dann kommt eine Menge an Fotos, Zeichnungen usw in GoodNotes hinein. Da reicht der klassische Speicher von Apple in der synchronisierten iCloud nicht aus. Gibt es andere Möglichkeiten der Cloud-Synchronisation oder Tipps in dieser Richtung? Bei einer zweiten Auflage heißt es für mich: Abspecken des geschwätzigen Contents und mehr Nutzwert für die Praxis im Schul- und Arbeitsalltag.
Kleine Anmerkung zum Layout durch den Verlag. Es geht in diesen Bücher um Struktur und Übersichtlichkeit – also genau das Gegenteil, was die Rückseite des Buches darstellt. Typografischer Wildwuchs, der nicht gerade zum Lesen einlädt, sondern eher nach Schweinebauch-Anzeige aussieht.

Meine Kino-Matinee zu Dracula (1958)

12. September 2022

Ich habe eine Passion für den Grafen und stelle in loser Folge in meinem Blog Dracula- und Vampirverfilmungen vor. Nun hatte ich die Gelegenheit diese Passion mit einem Live-Publikum im Kinosaal zu teilen.

Am bundesweiten Kinotag durfte ich Scala-Kino in Fürstenfeldbruck im Rahmen einer Matinee den Terence Fisher-Film Dracula von 1958 besprechen und die umgeschnittene Version zeigen. Vielen Dank dafür an Geschäftsführer Markus Schmölz.

Die Hammer-Produktion veränderte den Horrorfilm wesentlich. Die Kombination von Farbe, Gewalt/Blut, Tempo/Musik und Sex schlug bei dem jugendlichen Zielpublikum von 1958 ein und verfehlt auch heute nicht seine Wirkung. Während in den USA Bela Lugosi in der Tod Browning-Version 1930 als der Dracula-Darsteller schlechthin gilt, ist es in Europa auf jeden Fall der damalige Hammer-Star Christopher Lee – am besten noch im Gespann mit dem asketischen Vampirjäger Peter Cushing.
Hier ist mein Vortrag als Einführung zum Film:

Das Scala ist ein Blockbuster-Kino, aber ich möchte Kino zum Event verändern und meinen Beitrag dazu leisten. Ideen habe ich einige und mit meiner kleinen Matinee auch einen Anstoß geben. Im Frühjahr durfte ich den Stummfilm Nosferatu von 1922 besprechen und ich habe schon ein paar weitere Vampirfilme im Kopf. Da wären beispielsweise Carl-Theodor Dreyers Vamypr von 1930, oder Geißendörfers Jonathan von 1969 oder Werner Herzogs Nosferatu-Version von 1978. Ich werde mich in den nächsten Wochen mit dem Scala-Geschäftsführer zusammensetzen und beraten und so versuchen, meinen Beitrag zur Veränderung von Kino zu leisten. Ich bin mir sicher, es wird dafür Filmfreunde geben.

9/11 – die erste Seite

11. September 2022

Heute jähren sich die feigen Attentate zum 11. September 2001. Sie haben die Welt verändert und neue Konflikte und Kriege sind heraufgezogen, nachdem Zivilflugzeuge als Waffe eingesetzt wurden. Die Welt ist nicht friedlicher geworden.

Als Journalist arbeitete ich damals nicht bei einer Tageszeitung, sondern bei einem Computermagazin als Textchef. Dennoch war ich ein News-Junkie und verschlag alles an den wenigen Informationen, die zur Verfügung standen. Das Internet brach damals zusammen, weil die Server den Anstieg an Traffic nicht bewältigen konnten. Daher griff ich auf klassische Holzmedien zurück.

Und ich kaufte mir nach kurzer Zeit eine Dokumentation aus dem Karl Müller Verlag aus Köln: Die erste Seite. Internationale Schlagzeilen nach dem 11. September 2001. Das großformatige Buch im Format 37 x 20 cm war schnell und einfach produziert. Es zeigte neben deutschen auch internationale Titelseiten von bekannten und mir unbekannten Tageszeitungen samt Übersetzung Keine Ahnung, wie der Müller-Verkag an die Rechte der Zeitungen damals gekommen ist.

Das Buch ist für mich ein Lehrbuch zum Thema Journalismus. Kaum ein Buch erklärt besser, was die Nachrichtenschwelle in meinem Beruf ist. Die Berichterstattung zum 11. September verdrängte alle anderen Meldungen. Die Nachrichtenschwelle oder Nachrichtenhürde hing sehr hoch, denn keine andere Meldung aus der Welt war so enorm wichtig wie die Attentate, Presse, Funk und Fernsehen berichteten über nichts anderes, weil es uns als Rezipienten absolut interessierte.

Natürlich wurde die Information im Stile der jeweiligen Zeitung dargebracht: Seriös oder Boulevard, sachlich oder reißerisch – je nach Ausrichtung. Gemeinsam war aber: Die Welt hat sich an diesem Tage geändert.

Und leider hat sich die Welt der Verschwörungsmystiker auch nicht geändert. Ich kenne ein paar Leute in meinem Umkreis, die an die wirren Theorien von Schweizern glauben und hoffen, dass endlich mal die Wahrheit hinter den Anschlägen hervorkommt. Ich fass es nicht.

Apple würdigt die Queen und Sprechen wie die Queen

10. September 2022

Natürlich heute nochmal die Queen. Sie begegnete mir an einem Ort, an dem ich sie überhaupt nicht erwartet habe.Gestern war der Verkaufsstart der neuen iPhones, Ohrhörer und Uhren von Apple. Als Fanboy will ich neues Futter. Überraschend: Auf der Startseite von Apple waren aber nicht die neuen Produkte, die diese Woche in Cuppertino vorgestellt wurden. Nein, Apple verzichtete auf diesen enormen Werbeeffekt auf der Homepage, sondern Apple zeigte einen Nachruf auf die Queen. In Memoriam Her Majesty Queen Elisabeth II 1926-2022.

Dafür mag ich Apple. Solche Nachrufe auf der Startseite gab es nur wenige. Natürlich bei Steve Jobs und Beatle George Harrison und jetzt auch bei der Queen – und das trotz einem weltweiten Verkaufsstart der Apple Produkte. Das finde ich prima und Dank an Tim Cook und sein Team.

Die Sprache der Queen
In meinem Marketingteam bei meiner letzten Festanstellung hatte ich eine hervorragende Kollegin, die mit einem Briten liiert war. Wenn ich mit ihr auf US-Messen war, entschuldigten sich die US-Amerikaner bei mir, dass sie so ein schlechtes Englisch sprachen, wenn meine Kollegin zur Diskussion in besten noblen britischen Akzent ansetzte. Daran musste ich denken als mir eine Mitteilung der Sprachlernplattform Babbel ins Mailpostfach kam. Hier wird phonetisch erklärt, warum die Queen eben einfach cool war und auch so sprach.

Ihr nobler britischer Akzent wird in Erinnerung bleiben; wird er doch von vielen als die „richtige“ Art Englisch zu sprechen angesehen. Was macht also einen solchen Akzent aus? Claire Larkin, Kulturexpertin bei der Sprachlernplattform Babbel gibt hier Tipps, wie einem dieser britische Akzent spielend gelingt. Sie empfiehlt, auf die drei phonetischen Indikatoren der britischen Aussprache zu achten:

1) die deutliche Aussprache des Buchstabens H am Anfang von Wörtern wie ‘hat’ und ‘hamper’.

2) das unhörbare R in Wörtern wie ‘car’ und ‘heart’ – Received Pronunciation unterscheidet sich vom amerikanischen Englisch, denn ein R wird im Allgemeinen nicht ausgesprochen, es sei denn, es folgt auf einen Vokal. Das bedeutet, dass ein Received Speaker das r in ‘farm’ nicht aussprechen würde, wohl aber in Wörtern wie ‘brick’ und ‘scratch’.

3) die langen Vokale, die einen unglaublich hohen Gaumen erfordern (versuche einmal, „darling“ und „oh“ mit weit geöffnetem Mund auszusprechen, als wäre man beim Zahnarzt, oder hätte einen Apfel im Mund). Fabulous darling! (Patsy in Absolutely Fabulous). Wenn du dein Oxford-Englisch auffrischen willst, kannst du dir Wiederholungen der jährlichen Weihnachtsansprache der Queen ansehen.“

„Eine andere Möglichkeit, wie die Königin zu klingen, ist, die ‘t’s’ zu betonen. Wenn wir unsere langen Vokale betonen, können wir anfangen, diese Art des Sprechens zu üben: Wörter wie „water“ werden dann eher wie ‘wahttah’ ausgesprochen, oder ‘daughter’ wird zu ‘dahttah’. Wenn wir darauf achten, dass unsere T’s knackig und unsere Vokale lang sind, können wir auf einfache Weise den begehrten Akzent nachahmen. Da Vokalkombinationen zu den häufigsten Bestandteilen des Englischen gehören, können diese Laute beim Sprechen verwendet werden, um einen monarchischen Akzent zu erzielen:

/æ/ – Wörter, die dieses Phonem enthalten, enthalten einen ‘ah’-Laut, der mit hoher Zunge ausgesprochen wird. Das bedeutet, dass Wörter wie ‘man’, ‘bat’ und ‘tan’ eher wie ‘men’, ‘bet’ und ‘ten’ klingen sollten, wenn sie königlich ausgesprochen werden.

/uː/ – Dieses Phonem erzeugt den Laut ‘oo’. Bei der Aussprache von Wörtern, die dieses Phonem enthalten (wie z. B. fruit, music und new), sollte die Zunge hoch nach hinten gelegt und die Lippen abgerundet werden, so dass das ‘oo’ eher verschluckt und im hinteren Teil der Kehle klingt. ‘Froot’, ‘Moosic’ und ‘Noo’ sollten dabei heraus kommen.

/əʊ/ – Dieses Phonem ist ein Dipthong, d. h. es handelt sich um ein Vokalphonem, das aus zwei Lauten besteht, die nahtlos ineinander übergehen. Bei der Aussprache von Wörtern, die diesen Dipthong enthalten – wie z. B. goat, road, und show – sollten wir unseren Mund unrund und offen halten. Das bedeutet, dass die O’s weniger hart ausgesprochen werden und die Wörter somit fließend erscheinen.“

So jetzt wissen wir dank Babbel das auch und bereiten uns auf das Begräbnis dieser wunderbaren Frau vor.

Meine Lieblingsbiografie zur Queen Elisabeth II.

9. September 2022

London bridge is down. Queen Elisabeth II. ist am Donnerstag Abend im Alter von 96 Jahren verstorben. Ich verneige mich vor dieser starken, pflichtbewussten Persönlichkeit. Die Königin ist tot, es lebe der König.

Kolumnisten aus aller Welt werden in dien nächsten Tagen die Leistung dieser außergewöhnlichen Frau würdigen. Und ich habe in meiner Bibliothek gesucht, welche Biografie mich am meisten berührt hat. Für mich war es das Buch Philip und Elisabeth – Porträt einer Ehe aus dem Jahre 2004. Autor war Gyles Brandreth, der für die Toires im Parlament saß, Mitglied der Regierung John Majors war und später als Kolumnist für britische Medien tätig ist.

Brandreth schrieb eine lesbare und unterhaltsame Doppelbiografie von Philip und Elisabeth, die als Paar unschlagbar waren. Sie regierte und er war ihr Halt in guten wie in schlechten Tagen. Dabei werden nicht nur die Herrscher Britanniens und des Commonwealth in ihren unterschiedlichen Arbeitsalltag gezeigt, sondern vor allem die Eheleute, die es mit ihren Kindern nicht leicht hatten. Brandreth hat Elisabeth und Philip als Mitglied der Upper Class öfters getroffen und gewährt uns Lesern einen informativen Einblick ohne in den Adelsklatsch abzugleiten. Die dargebotenen Informationen scheinen mir verlässlich, ohne dass ich sie überprüfen kann. Es klingt alles in allem plausibel und schlüssig. Ich habe am Abend des Todes der Queen wieder einige Seiten gelesen und mich erinnert, dass ich dieses Buch ehrlich geschätzt habe und ich es daher empfehlen möchte.

Queen Elisabeth II. hatte vor allem Haltung bewiesen, Stärke über all die Jahre – und das finde ich bewundernswert. Sicher, die alte Dame hat einen sturren Kopf, aber sie machte ihre Sache ausgezeichnet. Sie hatte so viel erlebt und schwere Zeiten hinter sich gebracht. Sie hatte ihre eigenen Bedürfnisse zurückgestellt und für die Monarchie und die Pflichterfüllung gelebt.
Das Buch endet lange vor Philips Tod, aber wir wissen, die Queen war durch diesen Verlust geprägt. Die authentische Dame ist nun von uns und zu ihrem Philip gegangen. Charles III ist neuer König. Die Frau auf den meisten Münzen und Geldscheinen dieser Welt ist nicht mehr. Eine Ära geht zu Ende.

Kinotag: Dracula 1958 in ungekürzter Fassung

8. September 2022

Am Sonntag, 11. September ist Kinotag. Und als Kinofan bin ich da live dabei – nicht nur als Zuschauer, sondern auch aktiv. Ich darf im Rahmen einer Matinee den 1958 entstandenen Gruselstreifen Dracula in ungekürzter Fassung zeigen. Davor gibt es eine 20minütige Einführung durch mich.

Am Kinotag am 11. September darf ich eine Matinee zum Dracula 1958 in Fürstenfeldbruk im Scala anbieten.

Ort des blutigen Geschehens ist das Scala-Kino in Fürstenfeldbruck. Start ist 11 Uhr, bei einem Eintritt von 5 Euro für Vortrag und Film. Tickets gibt es hier.
Und einen kleinen Trailer hab ich auch gemacht – bitte sehr.

Im Frühjahr durfte ich schon eine Matinee zu 100 Jahre Nosferatu – eine Symphonie des Grauens im Scala durchführen, die hervorragend ankam. Daher setzen wir weiterhin auf Vampire und ich würde mich sehr freuen, wenn Sie dabei sind.

Dracula war der zweite Horror-Film von der britischen Insel von der Produktionsgesellschaft mit dem coolen Namen Hammer. Nach Frankenstein mit dem Duo Cushing/Lee kam Blood of Dracula, wie der Film in den USA hieß. An diesem Dracula stimmt einfach alles: Schauspiel, Kulissen, Ausleuchtung, Kamera und der Score von James Bernard mit dem bekannten Dracula-Motiv. Natürlich ist Hammer Trash und anders als die Universal-Filme der 30er Jahre.

Erinnert sei nur an den Vorspann von Dracula von 1958. Das Schloss wird monochromatisch gezeigt, die Kamera bewegt sich (anders als die Kameras von Karl Freund bei Tod Browning). Sie streift umher und kommt auf dem Sarg von Dracula zur Ruhe. Dann: Es tropf knallrotes Blut auf den Sarg – das Ende des Schwarzweißfilms ist eingeläutet. Schnitt auf das blutrote Tagebuch von Jonathan Harker und los gehts. Mit dieser Szene hat sich Dracula seinen Platz in der Filmgeschichte gesichert. Dann sehe ich zum ersten Mal im Film die Zähne von Dracula. Es gab zwar die Rattenzähne von Max Schreck in Nosferatu, Bela Lugosi hatte keine Vampirzähne, erst Christopher Lee trug die blutverschmierten Beißerchen und dann alle Vampire nach ihm.

Also nochmal:
Matinee am Sonntag, 11. September um 11 Uhr im Scala Kino und Lounge in Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Meine Workshops für Flüchtlingskinder

7. September 2022

Eine besondere Herausforderung galt es für mich zu bestehen. Ich dufte drei Medienkompetenz-Vorträge vor Flüchtlingskindern halten. Der Verein Hilfe von Mensch zu Mensch e.V.sprach mich auf Empfehlung einer ehemaligen Kursteilnehmerin an (Danke Gabi), ob ich bei dem Projekt zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention (gefördert durch die Regierung Oberbayern) mitmachen würde. Ja mache ich, weil es ein wichtiges Thema für unsere Gesellschaft ist.

Der Verein macht sehr viel, wie zum Beispiel das Projekt ZUSAMMEN STARK. Hier werden junge Menschen mit und ohne Flucht- und Migrationsgeschichte zusammengebracht. In den Workshops können sich Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahre begegnen, gemeinsam Neues erschaffen und sich dabei vorurteilsfrei kennenlernen. An meinem Medienkompetenz-Workshops nahmen drei Flüchtlingskinder teil, die mit ihren Eltern in einer Unterkunft in Bad Tölz leben.

Meine Seminarteilnehmer
Ich war sehr überrascht, wie gut die Kinder zwischen 9 und 13 Jahren Deutsch sprechen können. Und dennoch war es für mich eine gewisse pädagogische und didaktische Herausforderung, kompliziertes Fachwissen in einfachen Worten zu vermitteln, ohne dass der Inhalt auf der Strecke bleibt. Meine zahlreichen Vorträge in Grundschulen haben mir geholfen die Themen Social Media, Games und FakesNews zielgruppengerecht zu strukturieren und an die Zielgruppe zu bringen. Den Kindern hat es gefallen, sonst wären sie nicht freiwillig wiedergekommen. Abwechslung, Pausen, Medienwechsel – alles musste eingeplant werden.

Die Workshops dauerten in der Regel vier Stunden. Ich rückte mit Kabeltrommel, Beamer und Laptop im Jugend- und Bürgerhaus Lettenholz in Bad Tölz an.

Wichtig für mich war aber auch das gegenseitige Kennenlernen. Die Kinder kamen aus Afghanistan und Nigeria und hatten auf ihrer Flucht mit ihren Eltern viel erlebt. Das junge Mädchen aus Afghanistan berichtete von den Zuständen in ihrer Heimat, von den Taliban und von ihrer Flucht über die Türkei, Griechenland, Italien und Deutschland. Zufall: In Deutschland war sie bevor ihre Familie nach Bad Tölz in Oberbayern kam, bei mir um die Ecke im Auffanglager in Fürstenfeldbruck einquartiert. Dieser Zufall war dann gleich Gesprächsthema und schuf Vertrauen. Bewundernswert: Die junge Muslimin lernte auf ihrer Flucht die türkische und italienische Sprache und kann sich wunderbar in diesen Sprachen ausdrücken. Die sozialen Medien nutzt sie meist auf türkisch. Deutsch lernte sie und ihre Familie schnell in der Bundesrepublik, so dass ihre ältere Schwester eine Ausbildung als Zahnarzthelferin antreten konnte.

Auch interessant: Das Smartphone ist das Hauptkommunikations- und -Informationsmittel. Festnetztelefonie ist unbekannt und Zeitungen werden nicht gelesen. Der Unterschied zwischen seriösen Tageszeitungen, Anzeigenblättern und Boulevardzeitungen ist nicht bekannt, weil der kulturelle Hintergrund ein ganz anderer ist. Informationen werden über Messenger und soziale Netzwerke getauscht mit der Gefahr in die Falle von FakeNews zu gehen. TikTok ist das wichtigste Medium meiner Seminarteilnehmer.

Wie wichtig das gemeinsame Praxis ist, zeigte sich bei den praktischen Übungen und beim Gaming. Kindern lernen hervorragend beim Spielen. Wir spielten Geschicklichkeitsspiele und lernten anhand von Story Cubes Geschichten zu erzählen.

Zusammen Stark
Im Jahr 2019 begann bei dem Verein Hilfe von Mensch zu Mensch e.V. das Projekt „Zusammen Stark“. Die Berater unterstützen neu zugewanderte, dauerhaft bleibeberechtigte Menschen mit Migrationshintergrund sowie Asylbewerber, ihren Alltag in Deutschland zu bewältigen. Das Projekt zur Stärkung von Kinderrechten richtet sich an die vom Verein betreuten Gemeinschaftsunterkünften untergebrachten Kindern und Jugendlichen. Speziell wird das Programm in den Flüchtlingsunterkünften in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Weilheim-Schongau und Miesbach angeboten. Ich war bei einem Projekt zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention (gefördert durch die Regierung Oberbayern).

Somit war ich das erste Mal im Auftrag der UN unterwegs und leistete mit meinen Vorträgen meinen persönlichen Beitrag.

Olympia 1972: Buchtipp Olympia München 1972 von Harry Valérien

6. September 2022

Ihr wisst es ja, ich bin absolut kein Sportfan (außer Golf) und die Olympischen Spiele 1972 interessierten mich weniger aus sportlicher als vielmehr aus journalistischer Sicht. Aber ich dachte mir, ein klassisches Olympia-Buch muss ich dann doch mal vorstellen. Aber wer die Wahl hat, der hat die Qual.
Ich entschied mich für das Buch Olympia München 1972 von Sportreporter Harry Valérien aus dem Südwest-Verlag München. Wahrscheinlich habe ich zu diesem Buch aus meinem Archiv gegriffen, weil mir Harry Valérien in Erinnerung blieb, als er bei irgendeiner Wintersportmeisterschaft als nix passierte einen Norwegerpulli mit Elch anhatte und die Zuschauer über diese Kleidung anstatt über die sportlichen Leistungen diskutierten.

Das Buch Olympia München 1972 hat natürlich allerhand Tabellen und Ergebnisse zum Inhalt. Auch Gedanken zum feigen Attentat dürfen nicht fehlen. Kluge Texte und eindringliche Bilder machen den Anfang des Buches. Dann geht es fröhlich weiter in den Farben der 70er Jahren. Auch die Perspektiven der Fotos war eine Dokumentation vergangener Zeiten. Die Teleobjektive der Fotografen waren gut, die Filmemulsionen waren auch prima – es war ja eine klassische analoge Fotografie. Die Körnigkeit der Fotos, die Farben waren gelbstichtig, aber die meisten Fotos im Buch waren noch schwarzweiß.

Ulrike Meyfarth und Mark Spitz waren die Sportler, die ich kannte, aber natürlich gibt es viele, viele mehr, die der Sportsfreund natürlich kennt.
Die fröhlichen Spiele, die im Terror endeten, sind ein wichtiges Zeitdokument und so sehe ich dieses Buch auch als ein solches an. Mal sehen, welche Olympia-Bücher ich noch so finde.

Wenn mein Foto der Festwoche das Sommerloch stopft

5. September 2022

Heute muss ich mich selbst loben. Ja, ich weiß, Eigenlob stinkt. Aber heute heißt es: Eigenlob stimmt. Ich freue mich über mich selbst, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und richtig geschaltet habe, weil ich die Geschichte erkannte. Und es ist auch ein schönes Beispiel, wie gut Sozial Media heute funktioniert.

Foto: Lange
Foto: Lange

Was ist passiert? Es handelt sich um ein Foto, das ich vom Bürgermeister meines Dorfes auf der Maisacher Festwoche gemacht habe. Es war am Seniorentag, der ausgeufert ist. Aufgrund von Personalengpässen wurden einige Senioren sauer, weil wir zu lange auf Hendl und Bier warten mussten. Der Bürgermeister erkannte die Situation und packte beim Bierausschank mit an und servierte den Senioren das Festbier der Brauerei Maisach. Ich habe über diesen Vorfall gebloggt und ein Foto vom Bürgermeister veröffentlicht, als er die Maßkrüge stemmte. Ich sah den Rathauschef und ich sah vor allem die journalistische Geschichte.

Dieser Blogpost und vor allem das Bild wurde geklickt und in Social Media diskutiert. Kaum war der Blogpost online, klingelte schon das Smartphone. Mein alter Kollege Peter Loder vom Fürstenfeldbrucker Tagblatt/Münchner Merkur war dran. Eigentlich ist er Rentner, aber er hat noch den Schreibvirus und schreibt weiter für die Tageszeitung. Auch er erkannte die Geschichte und bat mich das Foto zur Veröffentlichung in der Lokalzeitung Fürstenfeldbrucker Tagblatt/Münchner Merkur. Und weil er ein Profi ist, gab er seine Geschichte mit meinem Bild gleich weiter an die tz, eine Boulevardzeitung aus dem Hause Ippen, bei dem auch der Merkur erscheint. Die Geschichte erschien in der tz online und in Print.

Dann rief die Mutter aller Boulevardzeitung bei mir an: Die BILD München aus dem Hause Springer. Auch sie wollten das Foto des Biertragenden Bürgermeisters und veröffentlichen es sowohl Print als auch online. Und dann kam noch die Süddeutsche Lokales mit der Nachfrage nach dem Foto. Ob sie es allerdings veröffentlichten, weiß ich nicht.

Derweil hat sich die Geschichte verselbstständigt. Das Bayerische Fernsehen mit der Abendschau war in Maisach und drehte mit dem Bürgermeister, der die Personalnot der Festzeltbetrieber sachlich ansprach, der Bayerische Rundfunk und Radio Arabella sendeten Beiträge und unser Bürgermeister durfte Rede und Antwort stehen. Es sprachen mich Leute aus ganz Bayern wegen des Fotos an und die Blogpost ging durch die Decke.
Es tut dem Ego gut, wenn man eine Selbstbestätigung bekommt, dass man seinen Job wirklich gelernt hat und eine journalistische Geschichte erkennt, wenn sie auf der Straße liegt. Und ich hatte Glück, weil wir in der klassischen Sauren Gurken Zeit waren, also Sommerloch. Und es sage noch einer, dass sozial Media keine Wirkung hat.

Der servierende Bürgermeister nahm es mit Humor und wurde auf der Maisacher Festwoche zum Running Gag. An einem Abend brachte er unter Applaus der Festzeltbesucher dem Trio Schleudergang mehrere Maß Bier auf die Bühne. Dazu habe ich ein Video gemacht.

Letzte Eindrücke von der Festwoche

Und gestern nacht ging die 46. Maisacher Festwoche zu Ende. Bürgermeister und Volksfestreferent bedankten sich artig.

Und ich habe noch ein paar letzte Eindrücke von der Festwoche geschossen. Ich hab schon ein paar Ideen für 2023. Mal sehen, ob alle Beteiligten mitspielen.

Olympia 1972: Buchtipp Augenzeuge in Olympia

3. September 2022

Über den technischen Aufwand zur Übertragung der Olympischen Spiele 1972 habe ich ja bereits gebloggt. Jetzt ist mir ein Weihnachtsgeschenk des ZDF aus dem Jahre 1972 in die Hände gefallen. Das Buch heißt Augenzeuge in Olympia und beinhaltet Reflexionen über ein Fernsehereignis. Für mich als Medienfuzzi höchst interessant.

Es enthält viele Fotos von Kameramännern, Besprechungen, BTS-Fotos und auch einige Sportlerbilder – und natürlich das Attentat. Das Buch zeigt deutlich, welcher technische Aufwand damals gefahren wurde. Zum einen wurde noch klassisch auf 16mm Film gedreht, der dann schnell entwickelt und kopiert wurde, bevor er gesendet werden konnte. Zum anderen gab es Live-Übertragungen der Sportveranstaltungen, die dann im Sendestudio geschnitten wurden.

Für mich auch sehr interessant, war eine Dokumentation über die Zeitplanung. Wann wurde welche Entscheidung von wem gefällt und wer damals alles mitgeschnabelt hat.
Und wir sind ja in den siebziger Jahren. Da darf die klassische Mediendiskussion nicht fehlen. Mir hat am besten ein Beitrag von Manfred Delling gefallen, der am 17. Juni 2018 im Alter von 90 Jahren verstorben ist. Er war Dozent für den Bereich Fernsehen an der Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin, war Lektor beim Rowohlt Verlag, hatte eine Fernsehkolumne im Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt und betätigte sich als Publizist. Sein Buch „Bonanza & Co.“ war 1976 eine kritische Bestandsaufnahme des Fernsehens als Unterhaltung und Politik. 1995 erschien in der Reihe „Trouvaillen“ ein Band mit über 100 ausgewählten Fernsehkritiken aus der Zeit von 1964 bis 1993: „Engagement für ein neues Medium“. Manfred Delling hat die Veränderungen des Fernsehens über alle Jahrzehnte kritisch verfolgt und immer versucht, dagegen zu halten. Und so war es auch im Buch „Augenzeuge in Olympia“, wo Delling sich mit der Live-Berichterstattung auseinandersetzte. Kritisch hinterfragte er, wie sich Fernsehen veränderte, warum es vielleicht einfacher gewesen wäre, die Spiele mit all der Zeitlupenaufnahmen und Wiederholungen auf der Mattscheibe anzuschauen anstatt im Münchner Olympiastadion. Diskussionen, die man heute in Live-Streamings genauso führen könnte. Alles in allem ein interessantes Zeitdokument zu Olympia, das ich 50 Jahre später gerne aus dem Archiv entnommen habe.