Wir stehen vor der WWDC und meine Spannung steigt. Um mich abzulenken, habe ich mir die die DVD-Veröffentlichung des jüngsten Steve Jobs Films jOBS – Die Erfolgsstory von Steve Jobsbesorgt und angeschaut. Als Mac-Jünger der frühen Stunde könnte ich jetzt stundenlang über die großen und kleinen Fehler des Film XXX herziehen, aber ich werde es aber nicht machen. Es ist ein Film, keine Dokumentation. Es ist einfache Unterhaltung, nicht ein Gottesdienst oder eine Bühnenweihespiel.
Das Problem des Apple-Fan Boy wie ich einer bin, ist, dass wir alles kritisieren müssen, was dem Heiligtum Apple widerspricht. Ich meine nicht die Bubis, die mir von ihrem ersten iMac erzählen, sondern die Hardcore-Fanatiker. Es ist zu erwarten, wir besserwisserisch den Zeigefinger erheben und auf die Schwachstellen hier, hier und hier hinweisen müssen nach dem Motto “Herr Lehrer, ich weiß was!” So erging es mir natürlich auch, als ich mir den Film um ersten Mal ansah: Wo ist Pixar? Warum nur kurz Next? Warum, warum, warum ist die Banane krumm?
Beim zweiten Ansehen fand ich den Film aber gar nicht so schlecht. Es will unterhalten und das tut er zweifellos – bei all seinen Fehlern für uns Apple Jünger. Ashton Kutcher als Steve ist nett anzusehen und obwohl mir der Gang zu übertrieben erschien, liefert er eine reife Leistung. Dermot Mulroney spielt Mike Markkula sehr gut und besonders hat mir Josh Gad als Steve Woz Wozniak gefallen. Dennoch floppte der Film in den US-Kinos und kam bei uns in synchronisierte Fassung am 27. März 2014 auf DVD/Blu ray heraus.
Steve und Steve
Der Film handelt von Steve Jobs bei seinen Anfängen bei Apple in der Garage seiner Adoptivelterm, seinem Rauswurf bei Apple und seine Wiederkehr. Ein wenig schnell geschnitten für meinen Geschmack, aber das ist wohl dem Zeitgeschmack geschuldet. Wer es langsamer mag, kann ja die Verfilmung Die Silicon Valley Story aus den neunziger Jahren ansehen, Streit gibt es gerade um die Neuverfilmung durch Sony. David Fincher, der schon Zuckerberg wunderbar auf die große Leinwand gebracht hat, bekam sich wegen der Bezahlung mit Sony in die Haare und hat erst einmal hingeworfen.Gerne hätte ich erlebt, was David Fincher aus dem Sony-Stoff gemacht hätte, aber das werden wir wohl nie sehen.
Im Moment heißt es warten. Vielleicht schau ich mir jOBS – Die Erfolgsstory von Steve Jobs noch ein drittes Mal an, um die Wartezeit zur WWDC zu verkürzen.
Im Kong Kong-Fieber habe ich aus meinem Archiv einen meiner Lieblingscomic herausgesucht, den ich als Kind verschlungen habe. Es ist die deutsche Fassung des 1968 erschienenen Gold Key Comics King Kong – die spannendste Abenteuergeschichte aller Zeiten.
Der Comic wurde gezeichnet von Alberto Giolitti. Er verstarb bereits 1993 und war ein extrem produktiver Comic-Zeichner. In Rom gibt es noch heute eine Zeichnerschule, die Giolitti Studio heißt. Hier gibt es ein paar Infos über diesen großartigen Künstler.
Sein Stil ist hart und realistisch und das gefiel mir als Kind sehr. King Kong war kein Schmuseaffe, sondern eine reißende Bestie. Wer der italienischen Sprache mächtig ist, kann sich hier den kompletten King Kong-Comic herunterladen.
Selbst nach 40 Jahren konnte ich beim Lesen mir einige Dialoge in das Gedächtnis zurückrufen. Scheinbar hat das Comicheftchen bei mir gewirkt und ist in Erinnerung geblieben. Ich war wohl auch vom orangefarbenden Cover fasziniert. Kong auf der Spitze des Empire State Buildings im Kampf gegen Doppeldecker. Gezeichnet wurde das Cover von George Wilson.
Die Geschichte basiert auf dem Original von Merian C. Cooper und der Grafikfassung von Delos W. Lovelace. Die erste deutsche Ausgabe kam im Juni 1970 auf den Markt und kostete 2 Mark. Meine Ausgabe erschien wohl 1976 zum Start der Neuverfilmung von King Kong. Der Preis war schon auf 2,50 Mark geklettert und leider hat das Cover etwas gelitten.
Irgendwann habe ich in einer DVD-Ramschkiste die Doppel-DVD King Kong – Produktionstagebücher mitgenommen und jetzt wieder im Rahmen meines King Kong-Fiebers ausführlich angeschaut.
Ich muss schon sagen: Peter Jackson hat es einfach begriffen. Er sammelte bei der Produktion mit Herr der Ringe wichtige Erfahrungen, wie ein Film schon während der Produktion zu vermarkten ist und legte eine Fanseite im Netz an. Bei King Kong ging er einen Schritt weiter und veröffentliche auf einer speziellen Website und in YouTube umfangreiche Making of-Berichte und ließ die Fans während der Produktion einen Blick hinter die Kulissen werfen. Trotz aller Geheimniskrämerei bei solchen Großproduktionen war das Webteam von Peter Jackson bei den Dreharbeiten und der Postproduktion mit dabei und dokumentierte das Geschehen. Das gesamte Material wurde als Produktionstagebücher im Web veröffentlicht und es gab es auch als Doppel-DVD. Ingesamt gibt es 237 Minuten Humorvolles und Interessantes über die Produktion von King Kong zu erfahren.
Es ist im Grunde genial. Der Filmfan Peter Jackson veröffentlicht ein Making of mit den Mitteln des Films. So sollten im Grunde Making of-Inhalte von Filmen dargebracht werden. In der Regel werden Filmbücher veröffentlicht, die auch ihre Berechtigung haben. Aber Hintergrundmaterial in solcher Hülle live im Netz zu einem Blockbuster ist eher eine Seltenheit. Ich finde den Schritt sehr mutig und zeigt, welches Gespür hier Jackson hat.
In der Zeit von September 2004 bis April 2005 kann der Zuschauer zwischen den Drehtagen zu King Kong wählen, die entweder nach Datum oder Drehort sortiert anwählbar sind. Jackson oder Teile seiner Crew berichten, an was sie gerade arbeiten, wie die Umstände der Produktion ablaufen. So erfahren wir aus erster Hand die Infos über eine Großproduktion.
Interessant auch, wie die Darsteller reagieren, als sie die Kamera der Tagebücher-Crew das erste Mal sehen. Sofort kommen die Fragen wie “dürfen die das überhaupt?” Und auch Peter Jackson war im ersten Spot zunächst kurz angebunden und er kannte aber später das riesige Potential der Produktionstagebücher im Web.
Ich gebs zu, ich mag die King Kong-Verfilmung von 1976 nicht. Ich saß damals als Kind im Kino und wollte “das aufregendste Kino-Erlebnis aller Zeiten” genießen und es war eine große Enttäuschung. Auch als ich mir den Film Jahre später auf DVD wieder angeschaut habe, konnte ich den Film nicht genießen. Ich war einfach nur genervt. Am meisten nervten mich die Darsteller Jessica Lange und Jeff Bridges. Es war wie viele Produktionen von Dino De Laurentis, die groß angekündigt waren, sich aber am Ende nicht als Knaller, vielmehr als Knallerbse entpuppten.
Heute habe ich mir den Film wieder angesehen und muss zugeben, die kurzen Robotertricks waren nicht von schlechten Eltern und vor allem die Musik von John Barry war fabelhaft. Ich werde über den Soundtrack wohl einen gesonderten Blogpost schreiben. Dennoch bleibe ich dabei: Für mich ist der Film eine Enttäuschung, anders als sein Nachfolger King Kong von Peter Jackson.
Kong in Action.
In meinem Archiv entdeckte ich aber ein wunderbares Filmbuch von Bruce Bahrenburg: Der neue King Kong. Es war das damals einzig autorisierte Buch zur Neuverfilmung und bei aller Kritik an dem Film: Das Buch macht Spaß. Anders als die heutigen Filmbücher, die im Grunde eine Art opulentes Bilderbuch mit etwas längeren Bildunterschriften sind, ist dieses Buch ein umfangreiches Lesebuch. Es ist sehr flüssig geschrieben und Fans können es an einem Nachmittag lesen. Natürlich wird der Film durch eine rosarote Brille gesehen, aber wer zwischen den Zeilen lesen kann, erfährt eine Menge über den Hintergrund des neuen King Kongs und wie Produktion ablief. Groß wollte Dino De Laurentis einsteigen, musste aber dann sparen, sparen, sparen. Es gibt von dem Film eine deutlich längere TV-Fassung, die ich allerdings nie gesehen habe und meines Wissens bisher nur im US-Fernsehen lief. Vielleicht würde mich diese Fassung versöhnlicher machen, die Kinofassung von rund 134 Minuten mag ich einfach nicht. Und die Fortsetzung ein paar Jahre später ist ebenso schrecklich.
Wir erfahren viele, viele Details, darunter dass Roman Polański und Sam Peckinpah die Regie des Filmes ablehnten. Nicht im Buch steht die Geschichte, dass Meryl Streep vorsprach, aber von De Laurentis in italienischer Sprache abgelehnt wurde, was aber Meryl Streep wiederum verstand und sauer abzog. Ob die Geschichte wirklich stimmt, weiß ich nicht, aber sie passt zur Arbeitsweise von De Laurentis, der zahlreiche Flops ablieferte, aber auch enorm wichtige Filme wie La Strada produzierte.
Ich mochte den Roboterarm von Kong, aber ich mochte nicht die schreiende Jessica Lange.
Das Buch von Bruce Bahrenburg bringt neben einigen schwarzweiß Filmfotos auch eine paar Blicke hinter die Kulissen. Am meisten hat mich natürlich die Robotertechnik von King Kong interessiert. Leider ist der Robo-Kong nur ein paar Sekunden im fertigen Film zu sehen, denn ein Darsteller im Affenkostüm wirkte einfach glaubwürdiger. Aber über den Roboter wurde damals richtig Wirbel gemacht, so dass ich Kino über eine Stunde auf King Kong warten musste, um die Bestie dann auf der Leinwand zu erleben. Carlo Rambaldi konstruierte den Roboter. Rambaldi ist Mitglied der Akademie der Schönen Künste, Maler und Bildhauer und arbeite zuvor 24 Jahre für VFX in italienischen Filmen. King Kong war sein größtes Projekt bis dahin und er scheiterte. In dem Buch wird der Produktionsprozess des Roboters schön beschrieben. Vielen Filmzuschauern wird vor allem die Roboterhand in Erinnerung sein, in der Jessica Lange Platz nehmen und schreien durfte. Im Grunde war der Roboter aus heutiger Sicht nicht mehr als eine bewegliche Figur aus der Geisterbahn. Die Tricktechnik der damaligen Zeit war eben nicht soweit und der Meister der mechanischen Objekte bliebt nun einmal für mich Stan Wilson.
Aber das Buch Der neue King Kong macht Spaß und ich kann es allen Filmfans ans Herz legen. Ich hätte gerne die bildgewaltigen Filmbücher von heute mit dem langen und ausführlichen Text von früher. Ich hoffe, es muss kein Traum bleiben.
Es gab unterschiedliche Plakate – hier mit Flugzeug, obwohl Hubschrauber den Kong angriffen.
Während die Welt und ich auf die Neuverfilmung von Godzilla warten, hab ich mir mal wieder den King Kong von Peter Jackson reingezogen. Der Affe verkörpert für mich den klassischen Abenteuerfilm pur. Jackson hat viel Prügel für den Film kassiert, doch ich mag ihn. Er hat seine ganz eigene Stimmung und ist eine Erinnerung von die alte Verfilmung. Den Mist aus den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts lassen wir lieber unter den Tisch fallen. Die Idee zu King Kong stammte übrigens von Edgar Wallace, was die wenigsten wohl wissen.
Nachdem ich bereits ein King Kong-Buch vorgestellt habe, kommt hier The Making of King Kong. Es ist der offizielle Guide zum Film. Geschrieben wurde das Buch von Jenny Wake. Es führt einen zurück in die Ära der dreißiger Jahre als Art Deco noch Stilgebend war. 200 Fotos darunter einiges an Concept Arts, digitale Storyboards und einige hinter den Kulissen-Schnappschüssen liefert dieses Buch. Aber wie bereits bei anderen Making of-Büchern bleibt es an der Oberfläche. Zuviel Content in einem Buch, obwohl Material für eine ganze Reihe von Filmbüchern dagewesen wäre. Für den klassischen Filmfan mag es ausreichen, für den Spezialisten ist The Making of King Kong im Grunde eine Enttäuschung. Oberflächlich werden Motion Capture oder die Agents von Massive abgehandelt. Gerne hätte ich einmal ein wirkliches Making of aus diesem Bereich gelesen.
Am meisten interessiert hat mich natürlich der Affe selbst, also Meister King Kong. Leider kommt er erst in der zweiten Buchhäfte in Erscheinung. Und hier kommt natürlich der großartige Andy Serkis ins Spiel. Serkis ist der Star der Branche. Peter Jackson arbeitete bereits mit Andy Serkis bei seiner Darstellung als Gollum in Herr der Ringe und auch im ersten Teil des Hobbits. Andy Serkis hat aktuell bei der neuen Verfilmung von Planet der Affen: Revolution mitgewirkt und wird hier seine Leistungen im Bereich Motion Capture einbringen. Wir dürfen auf die Affenfolge gespannt sein.
Der große Andy Serkis
Mir kommt der ganze Bereich von Andy Serkis in diesem Buch zu kurz. Andy Serkis hat das künstlerische Handwerk des Performance Capture revolutioniert. Performance Capture ist eine spezielle Art des Motion Capture, bei dem die Mimik und Gestik eines Schauspielers getracked, digital verarbeitet und im Anschluss auf einen computergenerierten Charakter übertragen werden. Serkis‘ Arbeit als Motion Capture-Darsteller und Sprecher von CG-Figuren wie Gollum brachten ihm große Bekanntheit ein. Andy Serkis gewann weltweit unzählige Fans für seine Darstellung des Gollum in Peter Jacksons Oscar-prämierter Der Herr der Ringe-Trilogie. Für diese Rolle wurde Serkis mit einem Empire Award sowie Outstanding Ensemble Cast Awards ausgezeichnet, darunter auch mit dem Screen Actors Guild Award. Bei einer erneuten Zusammenarbeit mit Jackson spielte Serkis in King Kong gleich zwei prominente Rollen. Serkis‘ Fähigkeit, die Motion Capture-Möglichkeiten so auszuschöpfen, dass ein differenzierter und glaubwürdiger Character entsteht, wurde 2014 mit einem CinemaCon Vanguard-Award gewürdigt.
Vor kurzem wurde bekannt, dass Serkis bei der Warner Bros.-Adaption von Richard Kiplings Das Dschungelbuch Regie führen wird. Er war bereits als Second-Unit-Regisseur bei Peter Jacksons Der Hobbit-Trilogie (aktuell: Der Hobbit: Smaugs Einöde) tätig und übernahm zudem die Rolle des Gollum in Der Hobbit: Eine unerwartete Reise. Im Oktober 2012 kündigte Serkis die Übernahme von zwei Projekten an, die von seinem Londoner Performance-Capture Studio The Imaginarium produziert werden; bei The Bone Season wird Serkis sowohl als Produzent als auch als Regisseur in Erscheinung treten. Zu seinen weiteren bekannten Rollen zählt die Verkörperung des Captain Haddock in Steven Spielbergs Die Abenteuer von Tim und Struppi sowie Nebenrollen in Death of a Superhero und Brighton Rock. 2010 erntete Serkis Darstellung der Punk-Rock-Legende Ian Dury in dem Film Sex & Drugs & Rock & Roll von Mat Whitecross viel Beifall und brachte ihm außerdem eine BAFTA Nominierung als bester Schauspieler ein.
Seine weitere Filmografie umfasst Filme und Serien wie Burke & Hare, die BBC Miniserie Little Dorrit, die BBC/HBO Produktion Einstein und Eddington, Oliver Twist oder Christopher Nolans The Prestige. Für seine überzeugende Darstellung des Ian Brady in der HBO Produktion Longford wurde er mit einem Golden Globe und einer BAFTA TV Award Nominierung geehrt. Als renommierter Bühnendarsteller erwarb sich Serkis für seine Arbeit in London und ganz Großbritannien großes Ansehen und debütierte darüber hinaus als Regisseur mit dem Stück The Double Bass am Londoner Southwark Playhouse. Zu seinen weiteren Regiearbeiten gehört das preisgekrönte Spiel Heavenly Sword für Playstation3 sowie Enslaved: Odyssey to the West für Namco Bandai Games. Für den Kurzfilm Snake, bei dem seine Frau Lorraine Ashbourne und Rupert Graves mitspielten, schrieb er das Drehbuch und führte außerdem Regie.
In Planet der Affen: Revolution stehen sich das neu entstandene Volk der intelligenten Affen unter der Führung von Caesar und eine Gruppe von Menschen gegenüber, die das vor zehn Jahren freigesetzte, verheerende Virus überlebt hat. Sie beschließen ein Friedensabkommen, das sich aber als so fragil erweist, dass ein letzter Kampf unausweichlich scheint – ein Kampf, der die Vorherrschaft über die Erde entscheiden wird. Planet der Affen: Revolution wird ab dem 7. August 2014 in den deutschen Kinos zu sehen sein.
Bei King Kong konnte Andy Serkis seine Erfahrungen als Affe sammeln. Ausgestattet mit einem Performance Capture-Anzug spielt er, kopiert er, limitiert er einen Affen perfekt. Aber leider auch das kommt im Buch The Making of King Kong etwas zu kurz. Ich hätte gerne ein Buch wie zu Gollum über die Leistungen von Andy Serkis gehabt. Schade.
Heute vor 24 Jahren lief Twin Peaks im US-Fernsehen an und veränderte unsere Fernsehlandschaft. TV-Serien bestanden bis dahin aus abgeschlossenen Episoden, vielleicht gab es ab und zu mal einen Mehrteiler. Serien bedeuteten für mich zunächst Rauchende Colts, Bonanza oder Waltons. Später gab es einen Colt für alle Fälle (mit Judy), die Profis und meine absolute Lieblingsserie Lou Grant. Aber mit Twin Peaks veränderte sich meine Art Serien zu sehen.
David Lynch nahm uns mit in eine skurrile Welt und durch die Twitterin Miriam Zissler erkannte ich, wie sehr Twin Peaks in meine heutige Welt passt. Ohne Kaffee geht nichts: Bei Agent Cooper damals, bei Twitter heute und bei mir jetzt. Während ich diesen Blogpost schreibe, habe ich einen heißen Kaffee vor mir stehen und höre die geniale Serienmusik Twin Peaksvon Lynchs Hauskomponisten Angelo Badalamenti.
Die Episoden um den Tod von Laura Palmer bauten aufeinander auf. Twin Peaks war Sucht und wurde immer irrer. Von Folge zu Folge nahm die Droge zu und endete im Irrsinn, eben typisch David Lynch. Das gelang durch ein hervorragendes Drehbuch, perfekte Regie, glaubwürdige Darsteller, eingänige Musik und viel, viel abgedreten Humor. Ich behaupte mal, ohne Twin Peaks hätte es Lost oder Game of Thrones nicht gegeben. Es wird also für mich wieder Zeit, die DVDs von Twin Peaks aus dem Archiv zu holen und mir die besten Szenen anzuschauen. Dazu gibt es natürlich einen Kaffee.
Als 300 im Jahr 2007 ins Kino kam, war ich vom Stil des Films absolut fasziniert. Ich kannte den Comic von Frank Miller und war von der Umsetzung von Zack Snyder auf die Kinoleinwand begeistert. Seit kurzem läuft 300 Rise of an Empire in den Kinos, der eine Art Parallelfilm von 300 als Seeschlacht ist.
Die Bilder sind weiterhin faszinierend, aber nichts neues. Der Film macht nichts falsch, aber bietet keine Weiterentwicklung. Wer Blut sehen will, der wird nicht enttäuscht sein. Harte Männer, schöne Frau, blutige Auseinendersetzungen und das hervorragend inszeniert. Aber ich vermisste den neuen Ansatz, den neuen Dreh. Produktionstechnisch ist alles erste Sahne, so dass ich mir das Buch The Art of 300 Rise of an Empire gekauft habe.
Das Buch bietet enorm viel Bildmaterial, aber mir zu wenig Art of-Material. Ich habe mehr Zeichnungen, Entwürfe oder Modelle sowie Details erwartet. Es ist ein schönes Filmbuch geworden, aber von allem etwas zu wenig. Zu anderen Filmen wurde das Material auf mehrere Bücher verteilt. In diesem Fall wurde alles auf einmal in ein Buch hineingepackt. Hier wurde die Chance vertan, denn es gibt geniales Material zu dem Film. Es bleibt daher viel an der Oberfläche, geht zu wenig in die Tiefe. Optisch ist das Buch ein Leckerbissen, aber eigentlich nur ein Appetithappen. Das Buch The Art of 300 Rise of an Empire macht Lust auf mehr, ist aber nach 160 eindrucksvoll layouteten Seiten schon zu Ende.
Seit zwei Tagen bin ich von einer Sucht befallen: es ist der Soundtrack zu Gravity. Der Film war ja die diesjährige Oscar-Überraschung. Der Soundtrack ist es noch viel mehr für mich. Den Score von Gravity komponierte Steven Price. Der 1977 geborene Price fiel mir das erste Mal als Musiceditor zum Soundtrack von Herr der Ringe auf.
Für die Musik zu den Film Gravity erhielt Steven Price unter anderem einen Oscar. Und hier hat die Academy richtig entschieden. Der Score ist sehr ungewöhnlich. Er basiert vor allem auf elektronischen Effekten. Dem großen Brian Eno wird im Booklet gedankt. Der klassische symphonische Score tritt etwas in den Hintergrund, ist aber vorhanden.
Ich habe den Score Gravity erstmals in voller Lautstärke über Kopfhörer gehört. Und die experimentelle Kraft des Scores mich hinweggefegt. Klangfetzen, Stimmungen, Druck, Schwingungen – dies alles hat der Zuhörer in den ersten Minuten zu verkraften oder besser einzuordnen. Meine erste Reaktion: So klingt wahre Musik aus dem Weltraum. Als Kind gab es immer nette Synthie-Spielereien, die als Space Musik bezeichnet wurde. Alles Quatsch. Steven Price hat die Musik für einen Aufenthalt im Weltenraum komponiert: Dicht und komplex ist die Soundkollage, die das Gefühl des absoluten akustischen Vakuum mehr als deutlich machen. Musik für die Space Opera des 21. Jahrhunderts.
Während sich die großen Kollegen aus Hollywood, wie der verehrte John Williams oder Howard Shore, der Motivtechnik eines Richard Wagners bedienen, verzichtet Steven Price bei Gravity fast gänzlich auf Leitmotive. Taucht ab und zu eine Motivstruktur auf, wird sie relativ schnell von den experimentellen Toneskapaden aus dem Weltraum überdeckt. Einzelne Stücke enden erprubt. Der Hörer schreckt auf.
Dieser Soundtrack ist eher was für die einsamen Momente. Ich empfehle unbedingt diesen Score laut, sehr laut zu hören. Für mich steht fest: ich werde die Karriere von Steven Price weiterhin im Auge oder besser im Ohr haben. Ich bin gespannt auf seine nächsten Werke. Auf jeden Fall eine klare Kaufempfehlung für den Soundtrack von Gravity.
Erinnern wir uns an das Jahr 1983, als der (heutige) sechste Teil von Star Wars die Rückkehr der Jedi Ritter in die Kinos kam. Wir alle strömten in die Filmtheater, um das wahre Gesicht von Darth Vader zu sehen. Und wir wollten sehen, wie die Familiensaga endet.
Der Film hat großartige Elemente. Ich erinnere nur an Jabbas Palast, den Kampf auf dem Todesstern oder die Schlachten auf dem Mond Endor. Aber der Film hat auch seine ganz schlimmen Seiten: Ich denke dabei an die Ewoks.
Im Jahre 2013 erschien endlich der wunderbare Blick hinter die Kulissen des Filmes. Geschrieben wurde das Buch The Making of Star Wars: Return of the Jedivon J. W. Rinzler. Der Journalist gilt als anerkannter Experte zu Star Wars und ist Vertrauter von George Lucas. Das Vorwort schrieb Brad Bird, der einstmals für Lucas arbeitete, dann Erfolge mit Pixar hatte und beinahe mit John Carter den Disney-Konzern ruinierte. Nun heute gehört Lucasfilm zu Disney, Pixar gehört zu Disney und so findet alles ein gutes Ende.
Es macht Spaß, in diesem Buch zu lesen, in alte Zeiten einzutauchen. Schon der Vorgänger zum Imperium war gelungen, wie ich hier gebloggt habe. Das vorliegende Buch gewinnt vor allem durch seine hervorragenden Concept Art-Zeichnungen und seine zahlreichen Schnappschüsse hinter den Kulissen. Wir sehen sehr viele sympathische Schauspieler, darunter natürlich Prinzessin Leia in ihren goldenen Metallbikini Kostüm. George Lucas wusste, was wir Teenager damals wollten. Daneben gibt es auch zahlreiche Fotos von den Dreharbeiten und der Postproduktion. Leider, so ist zumindestens empfinde ich es, gibt es zu wenig Hintergrundmaterial von den Soundtrackaufnahmen. John Williams kommt zwar mit dem London Symphony Orchestra im Bild vor und auch ein paar Zeilen werden über seine Kompositionen verwendet, aber das ist mir persönlich zu wenig. Williams war 1983 für seine Star Wars-Musik mit dem Oscar nominiert.
Dennoch macht dieses Buch The Making of Star Wars: Return of the Jedi einen Heidenspaß. Wenn nicht diese Ewoks wären. Ich mag diese Pelztiere einfach nicht und sie haben der ganzen Star Wars-Saga massiv geschadet. Freilich war es ein hervorragender Verkaufserfolg für die junge Zielgruppe, die lustigen Teddybären einzusetzen. Gefallen hat es mir trotzdem nicht.
Aber diese Seiten kann ich ja einfach überblättern und mich an den hervorragenden Produktionsfotos um und über den Todesstern ergötzen. Filme wurden damals noch mit der Hand gemacht. Natürlich gab es schon digitale Effekte, aber die Masse der Zeichnungen, der Hintergründe, der Modelle, der Tricks allgemein waren noch analog. Erst bei den Teilen 1-3 der Star Wars Trilogie setzten sich digitale Effekte komplett durch. 1983 steckte dies alles noch in den Kinderschuhen. Vielleicht macht dies auch den Reiz aus.
Für mich ist Alex North einer der ganz, ganz großen Filmkomponisten. Im Anfang war Alex North, dann kamen seine Jünger wie John Williams oder Jerry Goldsmith, die ich beide auch sehr verehre. Dem breiten Publikum wurde North durch seine Komposition Unchained Melody bekannt. Wir erinnern uns an die Righteous Brothers und ihren Titelsong zu den 1990 erschienen Film Ghost – Nachricht von Sam. Schmalz pur.
North, der bei auch Aaron Coland studierte, brachte musikalische Klasse nach Hollywood. Er war für mich der erste amerikanische Filmkomponist. Davor gab es tolle Emigranten aus Europa wie Erich Wolfgang Korngold oder Max Steiner. Etliche Filme vertonte Alex North, 14 mal war er für den Oscar nominiert, bekommen hat er ihn nie. Im Jahr 1986 fiel ein Ehrenoscar für sein Lebenswerk ab – peinlich für die Academy. Alx North war der Sergej Prokoffief der Filmmusik. Mir bleibt Alex North vor allem für zwei Werke in Erinnerung: Spartacus und 2001. Zu 2001 – Odyssee im Weltraum schrieb er die Musik, die von Kubrick verworfen von North und erst Jahrzehnte später veröffentlicht wurde. Aber diese Geschichte werde ich ein anderes Mal bloggen.
Zum 100. Geburtstag des Komponisten erschien eine ultimative Special Editiom vom Spartacus-Soundtrack. Sechs CDs und eine Interview-DVD sind der Hammer. Sie wurden produziert von Robert Townson. Dazu gibt es ein 168seitiges Booklet. Die Box erschien in einer Auflage von 5000 Stück beim renommierten Soundtrack Label Varese Sarabande Records. Da musste ich einfach zugreifen.
Schauen wir uns die ganze Sache mal etwas genauer an: Das Booklet ist endlich mal aus Sicht eines Komponisten geschrieben. Über Kubricks Spartacus ist bereits einiges veröffentlicht worden. Jetzt liegt endliche eine musikalische Würdigung vor. Ergänzt wird das Buch durch zahlreiche Bilder, wobei die meisten schon bekannt sind. Es gibt aber auch Fotografien neueren Datums mit einem alten Alex North sowie eine Biografie und Überblick über das Werk. Es trotzt vor großen und kleinen, witzigen und tragischen Geschichten. Bei der Arbeit an Spartacus wählte Orchestrierer Maurice de Packh den Freitod. Sein Nachfolger wurde Henry Brant.
CD 1 enthält den Soundtrack in Stereo inklusive aller Titel des Orginal Soundtrack Albums – in der Reihenfolge, wie sie im Film vorkommen.
CD 2, 3 und 4 umfasst in Mono den längeren Soundtrack sowie Proben und Alternativersionen
CD 5 und 6 gibt es Interpretationen zum SPARTACUS LOVE THEME – 22 zum Teil neue Aufnahmen Bill Evans, Yusef Lateef, Carlos Santana, Lalo Schifrin, Dave Grusin, Mark Isham, Alexandre Desplat.
Die 96minütige DVD besteht aus drei Interviews zahlreicher Filmkomponisten.
Ich kann die Spartacus-Box jedem Fan von Filmmusik ans Herz legen. Diese Edition hat Klasse und würdigt einen großen, großen Komponisten.
Hier die Titel der einzelnen CDs.
CD1 – Stereo (72:40)
1. OVERTURE (4:00)
2 . MAIN TITLE* (3:17)
3. THE MINES (3:01)
4. CARAVAN (1:15)
5. FIRST PAIR (3:44)
6. GLADIATORS FIGHT TO THE DEATH* (2:20)
7. BROODING (2:20)
8. ON TO VESUVIUS* (4:52)
(a) FORWARD, GLADIATORS
(b) FOREST MEETING
9. OYSTERS AND SNAILS (Film Version) (3:07)
10. HOPEFUL PREPARATIONS / VESUVIUS CAMP* (1:59)
11. VESUVIUS MONTAGE (1:19)
12. BLUE SHADOWS AND PURPLE HILLS* (3:11)
13. HEADED FOR FREEDOM* (3:15)
14. HOMEWARD BOUND* (6:27)
(a) ON TO THE SEA
(b) BESIDE THE POOL
15. METAPONTUM TRIUMPH (1:35)
16. FESTIVAL (3:21)
17. EXPECTANT PARENTS (3:07)
18. PRELUDE TO BATTLE* (5:11)
(a) QUIET INTERLUDE
(b) THE FINAL CONFLICT
19. FORMATIONS (1:35)
20. GOODBYE, MY LIFE, MY LOVE — END TITLE* (4:16)
21. SPARTACUS LOVE THEME* (2:50)
Bonus Tracks sind:
22. ON TO THE SEA / INFANT BURIAL (3:03)
23. OYSTERS AND SNAILS / FESTIVAL* (Album Version) (3:24)
* vom Original Decca soundtrack album
CD 2 – Mono (70:40)
1. OVERTURE (3:59)
2. MAIN TITLE (3:41)
3. THE MINES (3:00)
4. CARAVAN (1:17)
5. VARINIA’S THEME (3:15)
6. TRAINING THE GLADIATORS (1:29)
7. PAINTING (1:26)
8. SPARTACUS‘ CELL (1:37)
9. KITCHEN (1:36)
10. TRAINING THE GLADIATORS #2 (:37)
11. KITCHEN #2 (:48)
12. CRASSUS (:51)
13. SOURCE MUSIC #2 (2:36)
14. SOURCE MUSIC #1 (3:30)
15. FIRST PAIR (3:38)
16. DRABA FIGHT (2:49)
17. KILL (1:12)
18. BROODING (2:18)
19. REVOLT (1:16)
20. THE BREAKOUT (2:08)
21. SLAVES ESCAPE (:47)
22. CRASSUS HOME (:37)
23. DESERTED SCHOOL (1:55)
24. FOREST MEETING (4:50)
25. OYSTERS AND SNAILS (3:03)
26. VESUVIUS CAMP (1:59)
27. NEW RECRUITS (1:51)
28. GLABRUS MARCH (:24)
29. VESUVIUS MONTAGE (1:19)
30. POEM (1:27)
31. LOVE SEQUENCE (3:10)
32. GLABRUS DEFEATED (3:40)
33. GLABRUS DISGRACED (1:44)
CD 3 – Mono (65:29)
1. ENTR’ACTE (2:21)
2. ON TO THE SEA (3:07)
3. LUCERIA CAMP (:42)
4. BESIDE THE POOL (2:28)
5. DUSTY MARCH (:31)
6. METAPONTUM TRIUMPH (1:33)
7. ROMAN BATHS (1:46)
8. ARRIVAL AT THE BEACH (:59)
9. FESTIVAL (3:20)
10. SOUND THE TRUMPET (:31)
11. CRASSUS LEGIONS (:41)
12. BACK FROM THE SEA (:30)
13. CRASSUS‘ CAMP (:48)
14. CAMP AT NIGHT (2:19)
15. EXPECTANT PARENTS (3:10)
16. MANEUVERS (3:14)
17. FORMATIONS (1:30)
18. THE BATTLE (4:09)
19. DESOLATION ELEGY (2:05)
20. I AM SPARTACUS (3:14)
21. RECOGNITION AND CRUCIFIXION MARCH (2:46)
22. NIGHT CRUCIFIXION (:35)
23. VARINIA AND CRASSUS (4:59)
24. FEAR OF DEATH (3:22)
25. SPARTACUS DEFIES CRASSUS (2:17)
26. THE LAST FIGHT (4:47)
27. FINAL FAREWELL AND END TITLE (4:17)
28. EXIT MUSIC (2:48)
CD 4 – Mono (43:17)
Alternate und nicht verwendete Aufnahmen
1. OVERTURE (Unused) (4:02)
2. MAIN TITLE (Alternate) (3:33)
3. GLADIATOR SELECTION (Unused) (2:31)
4. KITCHEN #1 (Alternate) (1:55)
5. ON TO THE SEA (Alternate) (2:58)
6. INFANT BURIAL (Alternate) (:47)
7. END OF ACT I (Alternate) (1:06)
8. FESTIVAL (Alternate) (1:50)
9. SOUND THE TRUMPET (Alternate) (:23)
10. SPARTACUS MARCH (:34)
11. SPARTACUS MARCH (Alternate Ending) (:18)
12. SPARTACUS FANFARE (:13)
13. FEAR OF DEATH (Alternate) (3:26)
Vorbereitende Einsätze/Proben
14. TRAINING THE GLADIATORS / PAINTING (Preliminary) (2:45)
15. TRAINING THE GLADIATORS (Preliminary) (2:37)
16. TRAINING THE GLADIATORS #2 (Preliminary) (:37)
17. BROODING (Preliminary) (3:06)
18. REVOLT (Preliminary) (:28)
19. FESTIVAL (Preliminary) (:51)
20. SPARTACUS LOVE THEME (Preliminary) (3:05)
21. DESOLATION ELEGY (Preliminary) (3:29)
22. CRUCIFIXION MARCH (Preliminary) (2:05)
CD 5 – Stereo (60:07) Spartacus: Love Theme and Variations
Spartacus Love Theme interpretiert von
1. Bill Evans (5:09)
2. Yusef Lateef (4:11)
3. Mark Isham (11:09)
4. Dave Grusin (2:53)
5. Nathan Barr und Lisbeth Scott (5:08)
6. Carlos Santana (6:48)
7. Terry Callier (4:28)
8. Patrick Doyle (5:01)
9. Joel McNeely (2:27)
10. Lalo Schifrin (5:17)
11. The Ramsey Lewis Trio (7:12)
CD 6 – Stereo (50:16)
Spartacus: Love Theme and Variations
Spartacus Love Theme interpretiert von
1. Bill Evans und Jeremy Steig (5:00)
2. Alexandre Desplat (2:36)
3. Regina Carter (6:21)
4. Diego Navarro (3:54)
5. Gábor Szabó (3:13)
6. John Debney (4:45)
7. Brian Tyler (7:08)
8. Randy Edelman (3:49)
9. Richard Stoltzman (4:49)
10. John Neufeld and Marty Krystall (4:01)
11. Eric Stern, London Symphony Orchestra (4:14)
Die CDs 5 und 6 haben zudem ein 20seitigen Booklet auf PDF.