Buchkritik: Der neue King Kong von Bruce Bahrenburg

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Ich gebs zu, ich mag die King Kong-Verfilmung von 1976 nicht. Ich saß damals als Kind im Kino und wollte “das aufregendste Kino-Erlebnis aller Zeiten” genießen und es war eine große Enttäuschung. Auch als ich mir den Film Jahre später auf DVD wieder angeschaut habe, konnte ich den Film nicht genießen. Ich war einfach nur genervt. Am meisten nervten mich die Darsteller Jessica Lange und Jeff Bridges. Es war wie viele Produktionen von Dino De Laurentis, die groß angekündigt waren, sich aber am Ende nicht als Knaller, vielmehr als Knallerbse entpuppten.

Heute habe ich mir den Film wieder angesehen und muss zugeben, die kurzen Robotertricks waren nicht von schlechten Eltern und vor allem die Musik von John Barry war fabelhaft. Ich werde über den Soundtrack wohl einen gesonderten Blogpost schreiben. Dennoch bleibe ich dabei: Für mich ist der Film eine Enttäuschung, anders als sein Nachfolger King Kong von Peter Jackson.

Kong in Action.

Kong in Action.

In meinem Archiv entdeckte ich aber ein wunderbares Filmbuch von Bruce Bahrenburg: Der neue King Kong. Es war das damals einzig autorisierte Buch zur Neuverfilmung und bei aller Kritik an dem Film: Das Buch macht Spaß. Anders als die heutigen Filmbücher, die im Grunde eine Art opulentes Bilderbuch mit etwas längeren Bildunterschriften sind, ist dieses Buch ein umfangreiches  Lesebuch. Es ist sehr flüssig geschrieben und Fans können es an einem Nachmittag lesen. Natürlich wird der Film durch eine rosarote Brille gesehen, aber wer zwischen den Zeilen lesen kann, erfährt eine Menge über den Hintergrund des neuen King Kongs und wie Produktion ablief. Groß wollte Dino De Laurentis einsteigen, musste aber dann sparen, sparen, sparen. Es gibt von dem Film eine deutlich längere TV-Fassung, die ich allerdings nie gesehen habe und meines Wissens bisher nur im US-Fernsehen lief. Vielleicht würde mich diese Fassung versöhnlicher machen, die Kinofassung von rund 134 Minuten mag ich einfach nicht. Und die Fortsetzung ein paar Jahre später ist ebenso schrecklich.

Wir erfahren viele, viele Details, darunter dass Roman Polański und Sam Peckinpah die Regie des Filmes ablehnten. Nicht im Buch steht die Geschichte, dass Meryl Streep vorsprach, aber von De Laurentis in italienischer Sprache abgelehnt wurde, was aber Meryl Streep wiederum verstand und sauer abzog. Ob die Geschichte wirklich stimmt, weiß ich nicht, aber sie passt zur Arbeitsweise von De Laurentis, der zahlreiche Flops ablieferte, aber auch enorm wichtige Filme wie La Strada produzierte.

Ich mochte den Roboterarm von Kong, aber ich mochte nicht die schreiende Jessica Lange.

Ich mochte den Roboterarm von Kong, aber ich mochte nicht die schreiende Jessica Lange.

Das Buch von Bruce Bahrenburg bringt neben einigen schwarzweiß Filmfotos auch eine paar Blicke hinter die Kulissen. Am meisten hat mich natürlich die Robotertechnik von King Kong interessiert. Leider ist der Robo-Kong nur ein paar Sekunden im fertigen Film zu sehen, denn ein Darsteller im Affenkostüm wirkte einfach glaubwürdiger. Aber über den Roboter wurde damals richtig Wirbel gemacht, so dass ich Kino über eine Stunde auf King Kong warten musste, um die Bestie dann auf der Leinwand zu erleben. Carlo Rambaldi konstruierte den Roboter. Rambaldi ist Mitglied der Akademie der Schönen Künste, Maler und Bildhauer und arbeite zuvor 24 Jahre für VFX in italienischen Filmen. King Kong war sein größtes Projekt bis dahin und er scheiterte. In dem Buch wird der Produktionsprozess des Roboters schön beschrieben. Vielen Filmzuschauern wird vor allem die Roboterhand in Erinnerung sein, in der Jessica Lange Platz nehmen und schreien durfte. Im Grunde war der Roboter aus heutiger Sicht nicht mehr als eine bewegliche Figur aus der Geisterbahn. Die Tricktechnik der damaligen Zeit war eben nicht soweit und der Meister der mechanischen Objekte bliebt nun einmal für mich Stan Wilson.

Aber das Buch Der neue King Kong macht Spaß und ich kann es allen Filmfans ans Herz legen. Ich hätte gerne die bildgewaltigen Filmbücher von heute mit dem langen und ausführlichen Text von früher. Ich hoffe, es muss kein Traum bleiben.

Es gab unterschiedliche Plakate - hier mit Flugzeug, obwohl Hubschrauber den Kong angriffen.

Es gab unterschiedliche Plakate – hier mit Flugzeug, obwohl Hubschrauber den Kong angriffen.

 

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