Archive for the ‘Aufgelesen’ Category
24. August 2009

˙Der Entzug kam heftig, brutal und gnadenlos. Meine Frau wollte den Urlaub ihrer Jugend wiederholten und hat zwei Wochen Burgeis in Südtirol gebucht. Sie schwärmte von wundervollen Wanderwegen, hohen Bergen, schneeverhangenen Gipfeln und Gaumengenüssen. „Es ist wie in meiner Jugend“, warb sie und wir zogen auch in die Pension ihrer Jugendurlaube ein. Allerdings: Kein Internet, kein WLAN. Diese Erkenntnis traf mich hart und unvermittelt. Im ganzen Haus kein Zugang zum weltweiten Datennetz. Damit kein Twitter, keine Mails, kein Blogging, kein Skype oder AIM – die moderne Welt ist hier nicht angekommen. Ich konnte es nicht fassen: Die Abende verbrachte ich damit, durch die Ortschaft zu irren. Das iPhone in der Hand und den WLAN-Detektor aktiviert, der alle zehn Sekunden einen neuen Scan durchführt. Doch das hätte ich mir sparen können. Der Ort ist WLAN-freie Zone. Es gibt nix, nix, nix. Ich bin voll auf Cold Digital Turky.
Doch auch meine Frau traf der Entzug, obwohl sie es nicht zugeben würde. Sie sammelte im Urlaub alle möglichen gedruckten Touri-Informationen über Wanderwege, Ausflugsziele und Routen. Bisher hatte sie diese Infos aus dem Netz gezogen, doch hier ist eben Fehlanzeige. Datenroaming war uns natürlich zu teuer. Meine Frau ist Schwäbin und ich bin von Natur aus geizig. Ich gestehe hiermit vor der Öffentlichkeit: Ich betrat zum ersten Mal in meinem Leben eine Touristeninformation.
Normalerweise sollte ich am Ende dieses Blogeintrags sagen: Die zwei Wochen Urlaub ohne Internet haben mir nichts ausgemacht. Ich habe mich nach ein, zwei Tagen an ein Leben ohne Internet gewöhnt. Aber ich bin ein Lügner.
Schlagwörter:AIM, Ausflugsziele, Burgeis, Entzug vom Internet, Internet, iPhone, Mail, Route, Südtirol, Skype, Touristeninformation, Twitter, Urlaub, Wanderwege, WLAN
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12. August 2009

Bei uns zu Hause ist Guitar Hero auf der PS3 spielbereit, aber ich bin kein Gitarrenheld. Meine Frau ist viel besser und zockt mich hier ab. Aber die Schmach hat am 9. September ein Ende. Dann erscheint The Beatles: Rock Band. Dann wird die ganze Familie Beatles-Songs trällern.
Für mich gehören die Beatles zu den absoluten Helden. Zwar war ich zu klein, um Beatlemania mitzubekommen, doch waren und sind die Pilzköpfe in meinem Leben präsent. Sie tauchen immer wieder auf und nicht nur als CD. So hat meine Frau noch alle Schallplatten, repräsentativ im blauen Sammelschuber. Ich weiß noch, als John Lennon feige ermordet wurde, alle Mädchen in der Schule heulten. Gerne sehe ich das Video in dem Dylan und Lennon total bekifft in einem Taxi fahren. Ich habe getrauert, als George Harrison verstarb und Apple seine Website daraufhin änderte – Steve Jobs ist eben ein wahrer Fan. Ich glaube aber auch, dass Ringo Starr der Glückpilz des Jahrtausends ist. Ein durchschnittlicher Drummer wie Ringo wurde weltberühmt, nur weil er Teil der Tab Four war. Als es vor kurzem auf der E3 zur Premiere von The Beatles: Rock Band kam, waren Paul und Ringo und die Witwen von Lennon und Harrison dabei.
Vor wenigen Tagen war das Jubiläum von Abbey Road, dem letzten Album der Beatles. Natürlich war ich auch als Jugendlicher auf dem Zebrastreifen vor den berühmten Studio. Ich muss gestehen, dass ich mein Beweisfoto von damals nicht mehr finde. Auf der Recherche habe ich stattdessen eine Webcam der Abbey Roads Studios gefunden. Die Kamera ist 24 Stunden online auf auf dem Zebrastreifen gerichtet. Also jeder ist damit ein Star für ein paar Sekunden. Vorschlag: Das nächste Mal, wenn ich an der Abbey Road bin, laufe ich über den berühmtesten Zebrastreifen der Welt und mach gleichzeitig mit dem iPhone ein Bild von der Website mit Webcam. Überbrigens, den Link zur Webcam gibt es hier.
Schlagwörter:Abbey Road, Beatles, Dylan, George, Glückpilz, Guitar Hero, John, Paul, Pilzköpfe, PS3, Ringo, Rock Band, Steve Jobs, Webcam, Zebrastreifen
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11. August 2009

Die Städte der USA sind mit Musik verbunden. Bei uns zulande fällt mir bei München nur der Disco-Sound der 80er und Berlin mit seiner Elektronikszene ein. Wer kennt nicht Nashville mit seinem Country-Sound, Chicago mit seinem typischen Blues oder natürlich New Orleans. Der populärste Musikant der Stadt ist für mich der Namensgeber des örtlichen Flughafens: Louis Armstrong. Satchmo ist in seiner Geburtstadt omipräsent. Aus den Kneipen sind noch immer „We have all the Time in the World““ (aus dem Bond-Film) oder „West End Blues“, „Potato Head Blues“, „Wild Man Blues“, „Fireworks“ und „Heebie Jeebies“ zu hören.
Bei uns bekannt ist New Orleans sicherlich durch den Arlo Guthrie Song „City Of New Orleans“. Es war der einzige Hit des Musikers 1972 zu seinem Film „Arlos Restaurant“. Der Song wurde 1970 von Steve Goodman aufgenommen, ist aber bei mir nicht weiter bekannt. Ich kenn die Guthrie-Interpretation seit Jahren aus dem Radio, besitze eine Single und sing immer wieder gerne mit.
Für mich der lebendigste Vertreter der Musikszene aus New Orleans ist Dr. John. Mit bürgerlichen Namen heißt er Malcolm (Mac) John Rebennack Jr. Ich habe mir in New Orleans einige seiner CDs gekauft und seinen New Orleans-Sound stehts im Ohr. Das erste Mal begegnete ich musikalisch Dr. John auf dem Abschiedskonzert von The Band „The Last Walz“. Seine Stimme war fantastisch. Im Laufe der Zeit kaufte ich mehr und mehr Aufnahme. Seine Songs sind damals und heute eine faszinierende Mischung aus Voodoo-Sprüchen, Rhythm and Blues und kreolischer Soul-Musik. Wer mal reinhören will, sollte sich bei Amazon oder iTunes die Alben „Gris Gris“ (1968), abgedreht „N’Awlinz Dis Dat Or D’Udda“ (2004) und „City That Care Forgot“ (2008) mit bitterer Kritik an den Hurrikan-Folgen.
Manchmal ist aber auch zuviel Musik in der Stadt. Wenn gegen 23 Uhr eine Band neben dem Hotel anfängt zu jammen, dann ist es gewöhnungsbedürftig. Und sie hatten nicht Blockflöten und Triangel dabei, sondern Pauke und Tuba. Und auch in New Orleans gilt: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Dies muss auch die Straßenmusikantin denken, die mit ihrem schauerhaften Gesang im French Quarter vor sich hin trällert. Schnell weg oder Kopfhörer auf.
Schlagwörter:Amazon, Arlo Guthrie, Blockflöte, Dr. John, French Quarter, Gris Gris, Hurrikan, iTunes, James Bond, Louis Armstrong, Malcolm John Rebennack Jr., New Orleans, Potato Head Blues, Satchmo, Steve Goodman, Straßenmusiker, The Band, the last walz, Triangel, Voodoo, Woody Guthrie
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10. August 2009

Magie und Zauber ist überall. Vor allem im French Quarter ist das ganze Jahr Mardi Gras, der lokale Fasching/Karneval. Hier werden vor allem Ketten, die so genannten Beads verteilt. Zu Mardi Gras werden von den Wägen diese Plastikketten geworfen. Unter dem Jahr haben die Perlenketten unterschiedliche Bedeutung. Die einen sehen in ihnen nur Spaß. Bei dem pubertieren und alkoholisierten Volk bekommt die Dame eine Kette zugeworfen, wenn sie ihr T-Shirt hebt – eine Frage des Geschmacks im prüden Amerika. Die anderen sehen in den Ketten einfach nur kleine Aufmerksamkeiten.
Die billigen Plastikketten kommen aus China und werden überall in der Stadt getragen. Auch ich war fleißig am bunten Perlen sammeln: Gold, blau, rot, grün, weiß, mal dick, mal dünn. An manchen ist ein Anhänger dran, ich glaub, es soll einen Vogel darstellen, aber die chinesische Designer sieht es eher abstrakt. Manche Ketten sind dunkel, erinnern an Weihnachtsschmuck. Wahrscheinlich liegt das am Katholizismus, der hier im Süden in einen eigenen Voodoo-Stil verarbeitet wurde.
Von dem Kettenzauber wusste ich vor meiner Reise nach New Orleans nichts. Vergangenes Jahr war ich auf der Siggraph in LA und da wurde für die Messe in New Orleans geworben. Und es gab geheimnisvoll dunkelschimmernde Plastikketten, die ich mitnahm, zu Hause aber an die Tochter abzugeben hatte. Jetzt habe ich einen ganzen Sack voll bunter Plastikketten und meine Tochter wird mich noch mehr lieben. Vielleicht liegt darin der Zauber der Ketten, wenn sie ruft: „Give me beads!“
Schlagwörter:Beads, China, Ketten, Mardi Gras, New Orleans, Perlen, Siggraph
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8. August 2009

Der Schock von Katrina sitzt tief hier in New Orleans. Aber der Name wird auch immer wieder herangezogen, wenn hier etwas so nicht läuft, wie es sein sollte. Katrina war schuld. Katrinaist keine Frau, sondern ein Hurrikan, der am 9. August 2005 die Stadt in Schutt und Asche legte. Dabei wurde New Orleans von Katrina nur gestreift, doch die Folgen waren katastrophal.
Es war einer der vier schwersten Hurrikane, die in den USA jemals gemessen wurden. Wer nicht aus der Stadt floh, der rettete sich in den Superdome. Vor allem sozial Schwache fanden hier Zuflucht. Die Organisation während des Hurrikans war unmöglich. Kompetenzstreitigkeiten, Machtgehabe und Unfähigkeit gingen Hand in Hand. Das Wasser stieg auf bis zu zwei Meter. Die Stadt war nicht mehr zu retten. Rund drei Viertel der Bevölkerung war auf der Flucht. Chaos und Plünderungen waren die Folge. Am 6. September 2005 ordnete Bürgermeister Ray Nagin die Zwangsevakuierung der letzten in der Stadt verharrenden Einwohner an. Jeder, der nicht am Wiederaufbau beteiligt war, musste die Stadt verlassen, da die Gefahr von Seuchen bestand. Schusswechsel waren die Folge, klar man ist ja in den USA.
Nach der Katastrophe baute man die Stadt zum Teil wieder auf, obwohl sie eigentlich aufgegeben werden sollte. Naturkatastrophen werden hier immer heftiger. Während meines Aufenthaltes gab es Gott sei Dank keinen Hurrikan, aber heftige Gewitter. Besorgt schauten die Leute in den Himmel. Bitte keine Katrina mehr.
Vier Jahre nach Katrina ist die Stadt zum Teil wieder aufgebaut. Vor der Messe gibt es ein Denkmal, das aus Treibholz nach dem Hurrikan gefertigt wurde. Es ist eine windschiefe Hütte, das Werk heißt Scrap House und die Künstlerin Sally Heller. Dieses Denkmal liegt im Warehouse-Distrikt. Hier gibt es viele verlassene Gebäude. Eigentlich wäre das Viertel schön, doch es verfällt. Die Stadt entschied sich für eine geringere Bevölkerungsdichte vor allem in den Sozialwohnungsgebieten (Public Housing Projects). Diese Public Housing Projects wurden zum Großteil abgeriegelt und nicht mehr saniert bzw. abgerissen. Vor allem in der Innenstadt wurden diese Gebiete an Immobilienfirmen ausgeschrieben. Schwarze und sozial Schwache waren die Verlierer – auch das ist Amerika.
Schlagwörter:Chaos, Hurrikan, Katrina, New Orleans, Plünderung, Public Housing Project, Ray Nagin, Sally Heller, Scrap House, USA
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7. August 2009

Um der Hitze der Stadt zu entgehen machte ich abends einen Abstecher ins National WWII Museum, das in New Orleans seinen Sitz hat. Hier wird der Zweite Weltkrieg aus amerikanischer Sicht aufgearbeitet, zum einen der Krieg in Europa, zum anderen der Krieg im Pazifik. Es werden Plakate, Waffen und Ausrüstungsgegenstände der kriegsführenden Parteien gezeigt – Videos und Multimediashows zeigen, wie die amerikanischen Truppen vorankamen und wie gekämpft wurde. Dazu gibt es Hörbeispiele von verschiedenen Truppenteilen. Das Videomaterial war hart. Hinrichtungen, Massenerschießungen, Verbrennen von Leute – alles wird in der Ausstellung gezeigt. Es gibt zwar einen Hinweis, dass das Material nicht unbedingt für Kinder geignet sei, abe anschauen kann man es trotzdem. Dieses Land hat zu Gewalt ein anderes Verhältnis.
Auf einer großen Karte wurden die Seeschlachten nachgestellt, irgendwie wie ein Videogames – Treffer versenkt. Insel eingenommen, Flugzeugträger weggefegt. Es ist für europäische Augen alles ein wenig zu viel Show und auch im Museumsshop kann ich ganze Ausrüstungsgegenstände aus dem Zweiten Weltkrieg kaufen. Wer es mag.
Entsetzt war ich aber über den Ausstellungsraum, der die Atombombenabwürfe zeigt. Es werden Bilder und Filme zu seichter, New Age Gewabbermusik präsentiert. Durch Zufall war ich am Jahrestag von Hiroshima im Museum. Vor 64 Jahren wurde die erste Bombe auf die Stadt abgeworfen. Bei dem Abwurf der ersten Atombombe vor 64 Jahren starben 140.000 Menschen sofort oder an den Spätfolgen der Bombe. Mir wurde fast schlecht als in dem Raum stand und die Ausstellungsbesucher Kaugummi kauend sah. Vielleicht sollte ich mir das nächste Mal für eine Abkühlung in New Orleans einfach eine Bar suchen und mich betrinken.
Schlagwörter:Atombombe, Flugzeugträger, Hinrichtungen, Hiroshima, Kaugummi, Massenerschießungen, National WWII Museum, New Orleans, Plakate, Waffen
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5. August 2009

Hier in New Orleans hat alles eine besondere Magie: Voodoo liegt in der schwülen Luft. Diese Stadt kokettiert mit dem Grusel aus der Karibik. An jeder Ecke werden Voodoo-Puppen oder Särge oder Totenschädel verkauft.
Es geht alles zurück auf Marie Laveau,, eine Voodoo-Priesterin des 19. Jahrhunderts. Marie Laveau soll um 1794 im French Quarter von New Orleans geboren und kreolischer Abstammung sein, als Tochter eines weißen Farmers und einer Farbigen und damit hatte sie Magie im Blut. Natürlich ist Voodoo was Böses und die Kirche war nicht begeistert. Marie Laveau mischte Voodoo mit dem Katholizismus mischte, beispielsweise mit katholischen Devotionalien, Heiligenstatuen und Kruzifixen. Sie macht es sich einfach, erklärte Voodoo-Anhänger seien Christen und veranstaltete für die bessere Gesellschaft Voodoo-Shows ohne Schlangenanbetung und Blutopfer. Ratz fatz war die Dame berühmt, Voodoo überall angesagt und noch heute ist die Magie von Voodoo zu spüren. „Gott hilft dir, die richtige Entscheidung zu treffen.“ Vielleicht sollte ich mir auch einen Sarg mit einer Voodoo-Puppe kaufen. Das Voodoo-Kit für den Einsteiger kostet nicht viel und wer weiß, vielleicht funktioniert es.
Schlagwörter:Blutopfer, Devotionalien, Heiligenstatuen, Karibik, Kreole, Kruzifixen, Magie, Marie Laveau, New Orleans, Schlangenanbetung, Totenschädel, Voodoo-Kit
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4. August 2009

Es lohnt sich auch mal abseits der großen Touristenstraßen zu gehen, um etwas ungewöhnliches zu entdecken. Diese Regel gilt auch für New Orleans. Im French Quarter ist natürlich in erster Linie die Unterhaltung zu finden. Nach all den Galerien mit Kunst und Krempel hab ich einen originellen Laden entdeckt: „The Sword and Pen – le petit soldier shop“ in der 528 Royal Street in New Orleans.
Dort gibt es Kriegsdevotionalien wie Helme, Zeitungen, Waffen von verschiedenen Kriegen an denen die Amerikaner beteiligt waren: Bürgerkrieg, Erster und Zweiter Weltkrieg, Spanisch-Amerikanischer Krieg und ein paar Kriege aus der Neuzeit.
Dazu gibt es Zinnfiguren. Es gibt große und kleine Helden der amerikanischen Geschichte. Und es gibt eine kleine Ausstellung über Deutsche. Wir sind beschränkt auf die Kaiserzeit und natürlich auf die Zeit des Nationalsozialismus. Da steht der fette Göring neben einem Ritterkreuzträger, den ich nicht erkannt habe. Der irre Adolf mit Hitlergruß steht neben Mussolini, die Arme angeberisch in die Seiten gestützt, Charles de Gaulle ist auch da und auch Winston Churchill, die Hand zum Victory-Zeichen erhoben. SS-Truppen marschieren in schwarzen Topfenkopf Uniformen.
Beim ersten Weltkrieg gibt es einen Kaiser Wilhelm II und einen Paul von Hindenburg (kennt wohl in den USA keiner). Sehr putzig auch Graf Stauffenberg, der Held vom 20. Juli. Detailreich ist der Hitlerattentäter mit Augenklappe, Aktentasche (mit Bombe) und fehlenden Arm ausgestattet.
Die Masse der Figuren machen aber verschiedene Nord- und Südstaatentruppen aus. Ganze Schlachtenszenen sind mit Zinnfiguren nachgebaut und wer selbst kämpfen will, kann ein Schachbrett mit Unions- und Konföderierten heranziehen. Dazu gibt es allerhand echte Säbel aus verschiedenen Epochen, darunter auch eine Art Samuraischwert aus dem zweiten Weltkrieg, das einem japanischen Offizier gehört hatte. Deutschland ist mit einem Stahlhelm vertreten und einer Koppel mit der Aufschrift „Gott mit uns“. Das Motto „Gott mit uns“, welches zunächst alleiniger preußischer Sinnspruch war, zierte die deutschen Koppelschlösser auch nach der Kaiserzeit noch bis 1945.
Der Eigentümer Scott Condello findet wohl nichts daran, in Deutschland wäre so ein Laden unmöglich.
Schlagwörter:Bürgerkrieg, Charles de Gaulle, Graf Stauffenberg, Hermann Göring, Hitler, Kaiser Wilhelm II, le petit soldier shop, Mussolini, New Orleans, Nordstaaten, Paul von Hindenburg, Samuraischwert, Südstaaten, Scott Condello, SS, The Sword and Pen, Winston Churchill, Zinnfiguren, Zweiter Weltkrieg
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2. August 2009

Die kreolische Küche hat es in sich. Kaum wo ist sie authentischer als in New Orleans. Nachdem ich ja in Louisiana zu Gast bin, musste ich die Küche gleich testen. Gleich um die Ecke bei mir ist Mother´s, ein typisches Restaurant. Es befindet sich in der 401 Poydras St. 1938 als Kneipe für die Marines gegründet, sind heute vor allem Einheimische dort zu finden. Vor der Tür ist erst einmal Warten angesagt bis man an der Reihe ist. Dann im Inneren wieder warten. Man reiht sich an einer Theke auf, zahlt an der Kasse sein Essen und sucht sich einen Platz. Dann wieder warten bis die Nummer aufgerufen wird. Die elende Warterei nervt, doch man hat Zeit den Trubel anzusehen. Die Bedienungen sind mit sich selbst beschäftigt und eilen laut fluchtend von Tisch zu Tisch. Ich war mehrmals „Baby“ und „Mr Nice Guy“. Mein Essen, die 0541, hatte man vergessen, so dass ein Einheimischer vom Nebentisch mir seine Krappensuppe abgab – ein feiner Zug.
Dann aber kam mein Essen: Die kreolische Küche hat Gemeinsamkeiten mit der Cajun-Küche, orientiert sich aber stärker an der klassischen französischen Küche. Eine Grundlage bildet beispielsweise die „Heilige Dreifaltigkeit“, die aus fein gehackten Zwiebeln, Gemüsepaprika und Staudensellerie besteht. Unter anderem Franzosen, Spanier und Italiener brachten dabei jeweils ihre Küchentraditionen ein, passten sie den lokal zur Verfügung stehenden Zutaten an und integrierten amerikanische und auch afrikanische Elemente, die über Sklaven aus Afrika und den karibischen Kolonien dorthin gelangten.
Das beste Beispiel für die kreolische Küche in Louisiana sind die so genannte Red Jambalaya, die im Gegensatz zur Cajun-Variante mit Tomaten zubereitet wird. Das Gericht kommt wohl von der spanischen Paella. Eine andere Theorie besagt, dass es sich um eine Kombination der Wörter jambon (Französisch für Schinken), à la (Französisch für „nach Art von“) und ya-ya (Westafrikanisch für Reis) handelt. Der Reis wird zusammen mit Gemüse und Fleisch geschmort. Die Masse wird gewürzt mit der sogenannten „Heiligen Dreifaltigkeit“. Für die Einlage wird meist geräucherte Wurst (Andouille) sowie Huhn, Schinken, Meeresfrüchte oder auch Alligator verwendet. Tabascosauce wird häufig wegen der Schärfe benutzt.
Schlagwörter:Cajun, Dreifaltigkeit, Jambalaya, Küche, kreolische Küche, Louisiana, Mother´s, New Orleans, Restaurant
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20. April 2009

Für eine Woche bin ich in Las Vegas in der Mojave-Wüste, um von der NAB zu berichten. Der Mythos dieser Stadt ist allgegenwärtig. Zockerparadies – es geht einfach nur ums Spielen. Und dazu ist jedes Mittel recht, um die Kunden an den Automaten zu locken.
Man muss in das alte und neue Las Vegas unterscheiden. Mein Kollege Maik Euscher hat es gut ausgedrückt: „Das alte Vegas ist total abgerockt.“ In die Hotels wurde seit Jahren nichts mehr investiert und waren 1965 sicher der letzte Schrei.
Neue Themenhotels sind aus dem Sandboden geschossen: The Mirage mit dem Beatles Musical von Cirque du Soleil, the Venetian mit kompletten Markusplatz und Kanälen samt Gondeln im Hotel und noble Wynn, das Treasure Island mit Piratenschiff sowie das Harrah. Jedes Hotel hat eine eigene Attraktion. Die Gäste sollen am besten gar nicht das Hotel verlassen, sondern können auf mehreren Stockwerken spielen.
Wer europäische Casinos gewohnt ist, der wird in Las Vegas schlucken. Es sind Spielhallen, Hunderte von Slot Maschines stehen Reihe an Reihe. Leute aller Schichten, Hautfarben und jedes Alters sind dem Spiel verfallen und füttern die Maschinen mit Dollars. In Las Vegas gelten andere Regeln als in den Rest der USA:
Zunächst darf in den Casinoräumen geraucht werden, Hauptsache es wird gespielt. Leicht bekleidete Mädchen versorgen die Spieler mit Alkohohl an den Tischen und Automaten. Wer zu den Zimmern will, muss durch die Casino-Räume. Auf der Straße werden Leute direkt angesprochen und mit einem Quarter angefixt, damit sie spielen.
Wer nicht spielt, weil er einfach nur eine Messe besucht, stößt auf völliges Unverständnis. Viel Zeit zum Nachdenken oder tiefere Gespräche bleibt aber nicht, denn der große Jackpot ruft. Vielleicht habe ich ja dieses Mal Glück.
Schlagwörter:Beatles, Cirque du Soleil, Harrah, Hotels in Las Vegas, Jackpot, Las Vegas, Maik Euscher, Mirage, Mojave-Wüste, Quarter, Rauchen in den USA, Sandboden, Slot Maschines, Treasure Island, Venetian
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