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Meine Käufe von Vinyl-Schallplatten im Dezember

29. Dezember 2025

Vinyl ist für mich mehr als nur Musik. Es ist das leise Knistern vor dem ersten Ton, das schwere Cover in den Händen, das bewusste Auflegen der Nadel. Schallplatten zwingen mich zum Innehalten – kein Skippen, kein Nebenbei. Jede Platte erzählt eine Geschichte, nicht nur durch die Musik, sondern durch ihren Klang, ihre Patina, ihre Zeit. Vinyl ist für mich Nähe, Wärme und ein kleines Stück Entschleunigung in einer lauten Welt. Hier meine Käufe von Vinyl-Schallplatten im Dezember.

Akira von Shoji Yamashiro
Der Soundtrack zu Akira wurde komponiert von Shoji Yamashiro – Pseudonym von Tsutomu Ōhashi – und eingespielt vom musikalischen Kollektiv Geinoh Yamashirogumi. Schon bei der Planung des Films legten Regisseur und Komponist besonderen Wert auf Musik: Bevor auch nur ein einziger Frame animiert war, sollte der Klang „stehen“ – Musik war nicht nur Begleitung, sondern Teil der erzählerischen Architektur.
Was diesen Soundtrack so radikal machte, war seine Mischung aus scheinbar unvereinbaren Klangwelten. Yamashiro und Geinoh Yamashirogumi verbanden Elemente traditioneller indonesischer Gamelan-Musik, japanischer Nō-Musik, buddhistischer Choräle und westlicher, orchestraler Ansätze mit modernen elektronischen Synthesizern und experimentellen Klangformen. Heraus kam ein Sound, der ebenso archaisch wie futuristisch, ebenso spirituell wie apokalyptisch wirkt — perfekt für die dystopische Welt von Neo-Tokio, in der Akira spielt.
Wenn man den Film hört — etwa beim ikonischen Stück Kaneda — spürt man sofort den Herzschlag aus Stahl und Staub: donnernde Percussion, virile Bambus-Rhythmen und ein Chor, der zwischen Verwüstung und ekstatischem Aufruhr schwankt. Szenen anarchischer Jugend, rasender Motorräder und entfesselter Gewalt erhalten durch diese Musik eine monumentale Wucht. Sie sind nicht nur Bilder und Handlung — sie sind ein Klangereignis, ein Inferno aus Rhythmus, Körper und Klang.
Doch der Soundtrack kann auch andere Seiten – er schafft düstere Intensität, seelische Unruhe, apokalyptische Bewusstheit. Stücke wie Dolls’ Polyphony oder Requiem spielen mit menschlicher Stimme, Minimalismus und bedrohlicher Leere. Die Musik wird Orgasmus und Katastrophe zugleich, Gebet und Kriegsgeschrei. In Momenten großer Tragik, städtischer Verfallsvisionen oder existenzieller Wendepunkte wird der Score zu einem eigenständigen Charakter — laut, rätselhaft, grausam schön.
So verstärkt der Soundtrack die Themen des Films: Jugendgewalt, soziale Zerstörung, mentale Überlastung und die Zerbrechlichkeit der Menschheit — aber auch Energie, Aufruhr, Rebellion und entfesselte Kraft. Musik und Bild verschmelzen so vollständig, dass man kaum irgendwann den Anfangspunkt unterscheiden kann: Der Klang treibt den Film, der Film die Musik.
Auch außerhalb des Films bewirkte dieses Klangexperiment einiges: Der Score von Akira gilt bis heute als Meilenstein der Filmmusik, als Paradebeispiel dafür, wie ein Soundtrack zur Seele eines Films werden kann – nicht nur untermalt, sondern gestaltet. Die Kombination aus traditionellen, globalen Musikstilen und moderner Elektronik, das Spiel mit Klangtexturen und Stimme, all das wirkte damals neu, schockierend und zugleich magisch — und inspirierte unzählige Musiker*innen und Filme danach.
Kurz gesagt: Der Soundtrack von Akira ist ein Klangmonolith. Er lässt Neo-Tokio vibrieren, er lässt Chaos atmen, er lässt Angst hörbar werden. Aber er erzählt auch von Widerstand, Sehnsucht und apokalyptischer Schönheit. Ohne diese Musik wäre Akira nicht das, was er ist — ein filmisches Manifest, ein Schrei gegen Verfall, ein Rausch der Sinne. Die Musik allein reicht, um dich mitten hinein in die Ruinen der Zukunft und zugleich in die inneren Dämonen der Menschheit zu katapultieren.

Greatest Hits I II von Billy Joel
Billy Joel zählt zu den prägendsten Persönlichkeiten der modernen Musikgeschichte. Seit den 1970er-Jahren hat er mit seinen zeitlosen Kompositionen, seiner unverwechselbaren Stimme und seinem außergewöhnlichen Gespür für Melodien ein Werk geschaffen, das Generationen von Hörerinnen und Hörern berührt. Kaum ein anderer Künstler versteht es so meisterhaft, Geschichten des Alltags, persönliche Erfahrungen und gesellschaftliche Beobachtungen in eingängige Popsongs zu verwandeln, die zugleich künstlerischen Anspruch besitzen. Seine Hymnen wie Piano Man, New York State of Mind oder Just the Way You Are haben längst den Sprung von Radiohits zu kulturellen Fixpunkten geschafft und sind fester Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses.

Dabei ist Billy Joel nicht nur ein brillanter Songwriter und Pianist, sondern auch ein außergewöhnlicher Live-Künstler, dessen Konzerte weltweit legendären Ruf genießen. Mit Empathie, Humor und handwerklicher Perfektion schafft er Momente, die weit über das Musikalische hinausreichen und Menschen unterschiedlichster Herkunft verbinden. Seine Karriere ist geprägt von künstlerischer Integrität, Respekt vor musikalischen Traditionen und dem Mut, immer wieder neue Wege zu gehen. Billy Joel hat nicht nur die Popmusik bereichert – er hat ihr emotionale Tiefe und erzählerische Größe verliehen. Seine Bedeutung reicht weit über seine zahlreichen Auszeichnungen hinaus: Er ist ein musikalischer Chronist menschlicher Gefühle, ein Botschafter des Alltäglichen und zugleich ein Ausnahmekünstler, dessen Werk auch in Zukunft nichts von seiner Strahlkraft verlieren wird. Ich höre dieses Doppelalbum sehr gerne.

Vixen von Bill Loose
Der Soundtrack zu Vixen! — komponiert von Bill Loose — ist ein eigenwilliges, ambivalentes Musikzeugnis aus der Zeit des 60er-Jahre Sexploitation-Films und funktioniert gleichermaßen als stimmungsvolles Sound-Setting wie als klangliches Zeitdokument mit deutlichem Trash- und Cult-Charakter.

Bereits der erste Höreindruck offenbart: Loose mischt Rock ’n’ Roll, bump-and-grind-Jazz, jazzige „Library Music“-Momente und streicherlastige „Widescreen“-Passagen — eine Mischung, die gleichzeitig provokativ und atmosphärisch dicht wirkt.  Die Musik unterstreicht mit ihrem Wechsel zwischen Schmelz und grobem Groove die wechselnden Tonlagen des Films – zwischen Verführung, Exzess und unterschwelliger Verstörung. 

In ruhigeren Momenten, etwa bei Tracks wie „Conversation Piece“ oder „Janet’s Theme“, erinnert der Sound an subtile Jazz- oder Lounge-Stimmungen — fast nostalgisch, aber immer mit einem Hauch von Unbehagen.  Hier zeigt Loose, dass er nicht nur für schockierende Wirkung zuständig ist, sondern durchaus musikalisch nuanciert und atmosphärisch differenziert arbeiten kann.

Gleichzeitig lebt der Score aber stark von seinem Kontext — er funktioniert als Teil des Films, weniger als eigenständige Musik. Wird man sich der Bilder und der filmischen Stimmung entledigt, wirkt der Soundtrack mitunter fragmentarisch, überzeichnet oder sogar ein wenig skurril. 

In seiner Gesamtheit ist der Soundtrack ein gelungenes Beispiel dafür, wie Musik in einem solchen Film nicht nur ergänzen, sondern bewusst übersteigern und provozieren kann — mit all der schillernden, verruchten, unkonventionellen Ästhetik, die Russ Meyer’s Kino auszeichnet. Für Fans des Kult-, B-Movie- und Exploitation-Kinos ist er daher ein lohnender akustischer Einstieg — als eigenständiges Hörerlebnis bleibt er dagegen deutlich ambivalent, reizt eher durch Stimmung als durch melodische oder kompositorische Meisterschaft.

Led Zeppelin – Houses of the Holy
Mit Houses of the Holy wagten Led Zeppelin 1973 einen stilistischen Befreiungsschlag. Das Album sprengt den reinen Hardrock-Rahmen und verbindet hymnische Gitarrenwände, psychedelische Klangräume und mutige Genre-Experimente zu einem facettenreichen Werk. Songs wie The Rain Song und No Quarter zeigen eine unerwartete Eleganz und Tiefe, während D’yer Mak’er und The Crunge mit Reggae- und Funk-Anleihen provozieren. Nicht jeder Stilbruch zündet sofort, doch genau dieser Mut macht das Album zu einem Meilenstein. Houses of the Holy ist weniger brachial als seine Vorgänger, aber reifer, fantasievoller und klanglich visionär – ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Rock-Ikone.

Star Wars: Episode III – Revenge of the Sith von John Williams
Star Wars: Episode III – Revenge of the Sith (Original Motion Picture Soundtrack) ist der Soundtrack zum Film Star Wars: Episode III – Revenge of the Sith und wurde von John Williams komponiert und dirigiert. Er erschien am 3. Mai 2005 unter dem Label Sony Classical – also rund anderthalb Wochen vor dem Kinostart des Films. Die Aufnahmen entstanden im Februar 2005 in den berühmten Abbey Road Studios in London und wurden von Williams’ langjährigem Ensemble, dem London Symphony Orchestra, sowie dem Chor London Voices eingespielt.

Musikalisch ist das Album typisch für Williams’ filmische Tonsprache: Es verbindet heroische, epische Themen mit tragischen, düsteren Motiven – passend zur dramatischen Geschichte von Anakin Skywalkers Fall und der Umwandlung der Republik zur galaktischen Diktatur. Klassiker ihrer Art sind der neu geschriebene, äußerst expressive Titel Battle of the Heroes, der das finale Duell zwischen Anakin und Obi-Wan musikalisch untermalt, sowie Stücke wie Anakin’s Betrayal oder The Immolation Scene, die die Tragik und den Verrat in diesem Kapitel der Saga hörbar machen.
Das Album umfasst 15 ausgewählte Musikstücke (nicht die gesamte Filmmusik), in einer dramaturgisch gestalteten Reihenfolge – also nicht exakt chronologisch zum Film. Mit einer Spieldauer von knapp über 70 Minuten bietet es einen konzentrierten, intensiven Eindruck der musikalischen Themen dieses Kapitels der Saga.
Kritisch wie lobend wurde das Album aufgenommen: Viele Rezensenten sehen es als würdiges und kraftvolles Finale der Prequel-Trilogie, mit einigen der stärksten musikalischen Momente, die Williams je schrieb. Besonders „Battle of the Heroes“ wird oft als Höhepunkt hervorgehoben. Allerdings wird – wie bei manchen anderen Alben der Saga – auch bemängelt, dass die Auswahl der Stücke vergleichsweise begrenzt sei und der Score als Ganzes im Vergleich zu früheren Werken etwas weniger frisch wirke.

Billy Joel: Live at Yankee Stadium
Live at Yankee Stadium zeigt Billy Joel auf dem Höhepunkt seiner Live-Stärke. Vor der monumentalen Kulisse des Yankee Stadiums verbindet er musikalische Präzision mit spürbarer Spielfreude und großer Nähe zum Publikum. Klassiker wie „Piano Man“, „New York State of Mind“ oder „Only the Good Die Young“ entfalten hier eine besondere Wucht und gewinnen durch die Stadionatmosphäre zusätzliche emotionale Tiefe. Joel beweist eindrucksvoll, warum er nicht nur ein herausragender Songwriter, sondern auch ein charismatischer Entertainer ist. Das Album ist weniger intime Konzertaufnahme als vielmehr ein kraftvolles Zeitdokument – ein Fest für Fans und ein überzeugender Einstieg für Neulinge.

Mein Album des Jahres 2025: Nebraska von Bruce Springsteen

25. Dezember 2025

Zurückblickend auf das Jahr 2025 machte ich mir Gedanken, was für mich das wichtigste Album des Jahres war. Ich schwanke zwischen zwei Veröffentlichungen: John Lennon One to One und Bruce Springsteen Nebraska.


Ich habe nach langen Hören und Nachdenken mich für Nebraska entschieden. Nebraska von Bruce Springsteen gehört für mich zu den stillsten und zugleich radikalsten Alben der Rockgeschichte. Als es 1982 erschien, wirkte es wie ein Bruch mit allem, wofür Springsteen bis dahin stand: kein E-Street-Band-Sound, kein Pathos, keine großen Refrains. Als Schüler war ich von der Dunkelheit des Albums gebannt. Ich kaufte mir damals das Album und war von der Radikalität fasziniert.


Stattdessen eine raue Stimme, akustische Gitarre, Mundharmonika – aufgenommen als Heimdemos auf einem Vierspurgerät. Gerade diese Reduktion machte Nebraska zu einem Werk von außergewöhnlicher Kraft. Es ist ein Album über Verlorene, Täter und Opfer, über Schuld, Einsamkeit und das Scheitern des amerikanischen Traums. Die Figuren in Songs wie „Atlantic City“, „Johnny 99“ oder „Highway Patrolman“ stehen am Rand der Gesellschaft, und Springsteen begegnet ihnen ohne Urteil, aber mit großer Empathie.

Die 2025 erschienene Box würdigt dieses Album nicht als kuriose Randnotiz im Werk Springsteens, sondern als zentrales Schlüsselwerk. Sie macht deutlich, wie bewusst diese künstlerische Entscheidung war und wie tief Nebraska im Innersten seines Schöpfers verwurzelt ist. Das neu aufbereitete Originalalbum bewahrt die spröde Intimität der Aufnahmen, ohne ihre Verletzlichkeit zu glätten. Jeder Atemzug, jedes Nebengeräusch bleibt Teil der Erzählung – Nebraska lebt davon, dass es sich anfühlt wie ein heimliches Geständnis. Es ist kein Album, das ich beim Autofahren höre, sondern ich ziehe mich zurück, igle mich ein und höre es mit Kopfhörer.

Besonders eindrucksvoll ist der Blick hinter die Kulissen, den die Box eröffnet. Alternative Fassungen, frühe Versionen und Arbeitsaufnahmen zeigen Springsteen als Suchenden, der mit Sprache, Perspektive und Tonfall ringt. Man hört, wie Geschichten entstehen, wie Figuren Konturen gewinnen und wieder verworfen werden. Deutlich wird auch, dass Nebraska kein Zufallsprodukt war, sondern das Ergebnis einer bewussten ästhetischen Haltung: weniger als Möglichkeit, näher an eine Wahrheit heranzukommen, die mit voller Band und großem Sound nicht zu erreichen gewesen wäre.

In der Gesamtschau wird Nebraska in dieser Edition zu dem, was es immer war: ein Album im Ausnahmezustand. Es erzählt nicht von Heldentum, sondern von Konsequenzen. Nicht von Erlösung, sondern von dem Versuch, mit dem eigenen Leben zurechtzukommen. Die Box von 2025 verstärkt diese Wirkung, weil sie das Album nicht historisiert, sondern lebendig hält. Sie zeigt, wie zeitlos diese Lieder sind – gerade in ihrer Dunkelheit.

Nebraska bleibt für mich ein Gegenentwurf zum lauten Rock, ein Werk der Konzentration und des Weglassens. Die Box macht spürbar, warum dieses Album bis heute als eines der mutigsten und bedeutendsten in Springsteens Karriere gilt: weil es den Mut hatte, leise zu sein, wo andere laut geworden wären, und weil es Geschichten erzählt, die man nicht vergisst, sobald der letzte Ton verklungen ist. Einst wurde Springsteen als Antwort auf Dylan gefeiert. Mit diesem Album tritt er in die Fußstapfen.

Musikkritik: „The Bootleg Series Vol. 18: Through The Open Window, 1956-1963“ von Bob Dylan

5. November 2025

Diese Veröffentlichung ist ausschließlich für Fans geeignet und als solcher möchte ich mich bezeichnen. Die neue Veröffentlichung von Bob Dylan liegt vor und geht weit, ganz weit zurück. Neueinsteiger in Sachen Dylan seien gewarnt.

„The Bootleg Series Vol. 18: Through The Open Window, 1956-1963“ ist für mich eine monumentale Veröffentlichung, die Bob Dylans frühe Jahre als Musiker bis ins kleinste Detail archäologisch freilegt und musikalisch dokumentiert. Die acht CDs des Deluxe-Sets bieten insgesamt 139 Titel, darunter 48 bislang unveröffentlichte Songs sowie 38 weitere, bisher nur selten zugängliche Aufnahmen – ein wahres Schatzkästchen für Dylanologen und historisch Interessierte gleichermaßen. Natürlich haben Fans viele der Aufnahmen auf Bootlegs, nun als offizielle Version des Meisters.

Die Sammlung beginnt an Heiligabend 1956 mit „Let The Good Times Roll“, aufgenommen im zarten Alter von 15 Jahren im Terlinde Music Shop, St. Paul: Dort träumt der junge Robert Zimmerman noch von Rock’n’Roll, bevor sich die entscheidende Wendung zum Folk anbahnt. Es ist schon interessant, welche Karriere dieser junge Bursche genommen hat.

Authentizität und Unmittelbarkeit
Was dieses Boxset so außergewöhnlich macht, ist die Authentizität und Unmittelbarkeit der Aufnahmen. Man erlebt Dylans Wandlung vom begeisterten R’n’B-Liebhaber zum ernsthaften Songwriter, dessen Vorbilder – Woody Guthrie und Pete Seeger – anfangs unüberhörbar sind. Der Weg führt von informellen Mitschnitten und Aufnahmen in Wohnzimmern und kleinen Clubs in Minnesota über Sessions in East Orange und ersten Bühnenmomenten in New York direkt in die legendäre Carnegie Hall, deren vollständiges Konzert von 1963 erstmals veröffentlicht wird – ein Höhepunkt der Edition, der musikalische Reife und Gespür für gesellschaftspolitische Themen eindrucksvoll dokumentiert.

Dabei darf man keine audiophilen Maßstäbe anlegen: Viele Tracks stammen aus privaten Umgebungen oder von Live-Auftritten und spiegeln gerade durch ihren rohen Sound die Unmittelbarkeit und Energie jener Zeit wider. Trotzdem gelingt es der Edition durch sorgfältige Restaurierung, die Entwicklung vom suchenden Teenager zur pointierten Stimme der Folk-Bewegung nachvollziehbar zu machen – von Coverversionen klassischer Folksongs über erste eigene Stücke wie „Talkin’ Bear Mountain Picnic Massacre Blues“ bis zu den wegweisenden Outtakes und Livesongs der „Freewheelin’“-Zeit, in denen Dylan seinen eigenen, unverkennbaren Stil entwickelt.

Das Booklet der Deluxe-Variante ordnet die Reise kenntnisreich ein, bebildert sie mit Fotos und zeitgenössischen Dokumenten und beleuchtet den Einfluss des Umfelds auf Dylans Songwriting. Wer den Künstler nicht nur als Ikone, sondern als Suchenden und Experimentierenden kennenlernen will, der fühlt sich durch diese Auswahl an seltenen und neuen Aufnahmen zurückversetzt in eine Zeit, in der jedem Anfang tatsächlich ein Zauber innewohnt.

Insgesamt ist „Through The Open Window“ ein zwingender Blick in die Ursprünge eines Musikers, dessen späterer Einfluss die Folk- und Songkultur unwiderruflich prägen sollte. Die Edition ist weit mehr als nur ein Prequel – sie zeigt, dass Dylans Weg zum Künstler und Weltveränderer in zahllosen Schritten und Experimenten begann und öffnet klanglich wie historisch ein Fenster zu einer Ära des Aufbruchs und der Verwandlung.

Meine Vinyl des Monats: Bruce Springsteen, Kate Bush, John Lennon, The Yardbirds, Jean-Michel Jarre, Led Zeppelin, King Crimson, Howard Shore, Bernard Herrmann, Richard Wagner, Chuck Berry

29. Oktober 2025

Vinyl-Schallplatten üben bis heute eine besondere Faszination aus. Ihr warmer, voller Klang unterscheidet sich deutlich von der glatten Perfektion digitaler Formate und vermittelt ein Gefühl von Echtheit und Nähe zur Musik. Auch das haptische Erlebnis spielt eine große Rolle: Das Auflegen der Platte, das leise Knistern der Rille und das große, oft kunstvoll gestaltete Cover machen das Musikhören zu einem bewussten, beinahe rituellen Vorgang. Viele Liebhaber schätzen zudem den nostalgischen Charakter und die Handwerkskunst vergangener Jahrzehnte. In einer Zeit, in der Musik meist nur noch gestreamt wird, steht die Schallplatte für Entschleunigung, Wertschätzung und den besonderen Moment, wenn Musik wirklich greifbar wird. Und hier sind meine Anschaffungen im Monat Oktober.

Bruce Springsteen: Nebraska ’82 Expanded Edition
Über vierzig Jahre nach der Veröffentlichung seines wohl intimsten Albums gewährt uns Bruce Springsteen tiefe Einblicke in eine Schaffensphase, die längst Musikgeschichte geschrieben hat. Mit „Nebraska ’82: Expanded Edition“ und dem begleitenden Soundtrack zum Biopic „Deliver Me From Nowhere“ erscheinen gleich zwei Veröffentlichungen, die das Vermächtnis des 1982 entstandenen Kultalbums in neuem Licht zeigen. Und ich hatte das unglaubliche Glück, die Vinyl-Box in den Händen zu halten!
Als langjähriger Springsteen-Fan war der Moment, in dem das Paket ankam, schon etwas Besonderes. Nebraska war schon immer anders – rau, ehrlich, reduziert auf das Wesentliche. Während alle Welt den bombastischen Sound von „Born in the USA“ erwartete, lieferte Bruce damals diese kargen, auf einem Vierspur-Kassettendeck aufgenommenen Lieder ab. Geschichten von Menschen am Rand der Gesellschaft, erzählt mit einer Intensität, die einem unter die Haut geht.
Die Expanded Edition ist mehr als nur eine Neuauflage. Schon die Verpackung zeigt, mit wieviel Liebe zum Detail hier gearbeitet wurde. Das schwere Box-Set öffnet sich wie eine Schatztruhe, und drinnen wartet nicht nur das remastered Original-Album, sondern auch bisher unveröffentlichte Aufnahmen, alternative Versionen und Demos, die einen noch tieferen Blick in Bruces damalige Seelenlage gewähren. Die Liner Notes, vollgepackt mit Hintergrundinformationen und Fotografien aus jener Zeit, sind ein absolutes Highlight für jeden, der verstehen möchte, wie aus diesen einsamen Sessions in Bruces Schlafzimmer ein Meisterwerk entstand.
Das Vinyl selbst klingt fantastisch – warm, direkt, unmittelbar. Man hört jedes Knacken, jedes Atmen, jede Nuance von Bruces Stimme und seiner akustischen Gitarre. Genau so sollte Nebraska klingen. Die zusätzlichen Tracks offenbaren Songs, die es nicht aufs Original geschafft haben, aber genauso kraftvoll und berührend sind. Es ist, als würde man Bruce damals über die Schulter schauen, während er mit seinen Dämonen ringt und daraus Kunst erschafft.
Der Soundtrack zu „Deliver Me From Nowhere“ ergänzt das Erlebnis perfekt und macht die gesamte Ära noch greifbarer. Für mich als Fan ist diese Veröffentlichung ein Geschenk – eine Möglichkeit, ein Album, das ich schon hunderte Male gehört habe, noch einmal ganz neu zu entdecken. Nebraska war damals mutig, kompromisslos und seiner Zeit voraus. Heute, über vier Jahrzehnte später, hat es nichts von seiner Kraft verloren. Im Gegenteil: Es fühlt sich relevanter denn je an.

Kate Bush: The Kick Inide
Kate Bushs Debütalbum The Kick Inside, erschienen 1978, ist ein außergewöhnliches Werk voller künstlerischer Eigenwilligkeit und jugendlicher Genialität. Mit nur 19 Jahren schuf Bush ein Album, das sowohl lyrisch als auch musikalisch weit über das hinausging, was man damals von einer Newcomerin erwarten konnte. Ihre unverwechselbare Stimme, die zwischen ätherischer Zartheit und dramatischer Expressivität pendelt, prägt Songs wie Wuthering Heights, The Man with the Child in His Eyes oder Moving.

Stilistisch verbindet das Album Pop, Rock und Artrock-Elemente mit literarischen und mythologischen Anspielungen – ein Konzept, das Bush später zu einer der faszinierendsten Künstlerinnen der Popgeschichte machte. The Kick Inside wirkt auch heute noch frisch und originell – ein visionäres Debüt, das die Grenzen des Pop neu definierte.

John Lennon: Gimme Some Truth
Gimme Some Truth von John Lennon ist weniger ein klassisches Album als eine pointierte Werkschau seines Schaffens, die seine kompromisslose Haltung und sein Gespür für eingängige Melodien eindrucksvoll zusammenfasst.

Die Songs zeigen Lennon als politischen Idealisten, als scharfen Gesellschaftskritiker, aber auch als verletzlichen Menschen, der nach Wahrheit und Frieden sucht. Klassiker wie Imagine, Instant Karma! oder Working Class Hero stehen dabei exemplarisch für seine Mischung aus Aufrichtigkeit, Wut und Hoffnung. Gimme Some Truth ist damit nicht nur eine Zusammenstellung bekannter Stücke, sondern ein musikalisches Manifest für Authentizität und Menschlichkeit.

The Yardbirds: Roger the Engineer
Das Album „Roger the Engineer“ der britischen Band The Yardbirds erschien 1966 und gilt als ihr einziges Studioalbum mit komplett eigenem Songmaterial. Offiziell hieß es in Großbritannien Yardbirds, bekam aber aufgrund des Cover-Designs, das eine Karikatur des Tontechnikers Roger Cameron zeigt, schnell den Spitznamen „Roger the Engineer“.

Musikalisch markiert es eine Übergangsphase: Die Band entfernte sich von reinem Rhythm & Blues und experimentierte stärker mit Psychedelic-, Bluesrock- und Hardrock-Elementen. Mit Jeff Beck als Leadgitarrist enthält das Album einige wegweisende Riffs und Sounds, die später viele Musiker beeinflussten. Heute gilt es als ein Schlüsselwerk der 60er-Jahre-Rockmusik.

Jean-Michel Jarre: Zoolook
Jean-Michel Jarres Album Zoolook aus dem Jahr 1984 gilt als eines seiner experimentellsten Werke und markiert einen deutlichen Schritt weg von reiner Synthesizer-Musik hin zu einem stärker samplingsbasierten Klangbild. Charakteristisch ist der innovative Einsatz von Sprachaufnahmen aus rund 25 verschiedenen Sprachen, die verfremdet, rhythmisch eingebunden und so zu einem eigenständigen musikalischen Element werden. Dadurch entsteht eine außergewöhnliche Textur, die dem Album eine besondere Tiefe und Identität verleiht. Stücke wie Ethnicolor oder Diva erzeugen dichte, atmosphärische Klangräume, die teilweise fast beklemmend wirken, während andere Passagen mit spielerischen Fragmenten überraschen. Kritiker heben das Album häufig als wegweisend für die Verwendung von Sprachsamples im elektronischen Popkontext hervor.

Gleichzeitig ist Zoolook kein leicht konsumierbares Werk: Der Spannungsbogen wirkt stellenweise unausgeglichen, und wer Jarres melodischere Klassiker wie Oxygène oder Équinoxe bevorzugt, könnte den Zugang zu Zoolook als sperrig empfinden. Auch manche Produktionstechniken wirken aus heutiger Sicht etwas gealtert. Dennoch bleibt Zoolook ein ambitioniertes Album, das Mut zur Innovation beweist und als wichtiger Meilenstein in der Geschichte der elektronischen Musik gilt.

Led Zeppelin: III
Mit Led Zeppelin III schlug die Band 1970 neue Wege ein und überraschte Fans wie Kritiker gleichermaßen. Während die Vorgängeralben klar vom harten, elektrischen Bluesrock geprägt waren, zeigt sich hier ein deutlicher Fokus auf akustische Klänge und Folk-Einflüsse. Songs wie Gallows Pole oder Bron-Y-Aur Stomp schöpfen aus britischer und amerikanischer Folk-Tradition, während Stücke wie Immigrant Song oder Celebration Day die gewohnte Energie und Härte der Band transportieren.
Diese Mischung aus akustischer Intimität und elektrischer Wucht machte das Album zunächst zu einem Streitpunkt: Manche Hörer vermissten die durchgehende Wucht der ersten beiden Werke. Doch mit der Zeit setzte sich die Erkenntnis durch, dass Led Zeppelin III ein mutiger Entwicklungsschritt war, der die Band musikalisch breiter aufstellte und ihren Sound erheblich erweiterte.
Besonders hervorgehoben wird heute die Vielseitigkeit des Albums: von hymnischen Riffs über filigrane Gitarrenarrangements bis hin zu sensiblen Akustikpassagen. Kritiker sehen darin einen wichtigen Grundstein für Led Zeppelins Fähigkeit, Hardrock, Blues, Folk und psychedelische Elemente zu einem unverwechselbaren Stil zu verschmelzen.
Im Rückblick gilt Led Zeppelin III nicht als das eingängigste, wohl aber als eines der einflussreichsten und künstlerisch spannendsten Werke der Band – ein Album, das zeigt, dass sich Led Zeppelin nicht auf ihre Erfolgsformel beschränkten, sondern den Mut hatten, neue Klangwelten zu erschließen.

King Crimson: Beat
Beat ist das neunte Studioalbum von King Crimson und erschien am 18. Juni 1982. Es war das zweite Album der „’80er-Formation“ mit Robert Fripp, Adrian Belew, Tony Levin und Bill Bruford, und erstmals blieb die Besetzung gegenüber dem Vorgängeralbum Discipline unverändert. Unter dem Einfluss der Beat-Generation (z. B. Jack Kerouac, Allen Ginsberg) konzipierte Belew die Texte, angeregt durch Fripp, der ihm Lesestoff aus der Beat-Literatur nahelegte. Der Name Beat verweist also nicht auf Rhythmus allein, sondern auf die literarische Bewegung, deren Geist (“On the Road”, “Howl” etc.) im Album mitschwingt.

Da Discipline 1981 als Comeback-Album gefeiert wurde, lagen die Erwartungen für Beat hoch: Könnte King Crimson die musikalische Neuausrichtung stabilisieren und weiterentwickeln? Viele Fans und Kritiker hofften auf eine Weiterentwicklung statt auf Wiederholung. Eines der stärksten Merkmale von Beat liegt in seiner instrumentalen Qualität und der Präzision, mit der die Musiker – insbesondere Fripp, Bruford und Levin – ihre Parts ineinander verschachteln. Selbst wenn der Pop- und New-Wave-Einfluss deutlich herauszuhören ist, bleibt die progressive DNA present. Die Technik, das Zusammenspiel und die Dichte mancher Arrangements erinnern an die besten Momente von Discipline, auch wenn Beat insgesamt zugänglicher klingt. Beat ist ein Album, das in King Crimsons Diskografie zwischen Experiment und Zugänglichkeit steht. In den besten Momenten – etwa mit Sartori in Tangier und Requiem – erinnert es daran, dass die Band immer noch bereit war, Grenzen zu verschieben. In anderen Momenten wendet es sich bewusst dem Pop-Songwriting zu, was manche Fans als Kompromiss ansehen.
Wenn man Beat mit seinem Vorgänger Discipline vergleicht, liegt es rückblickend oft etwas darunter: wohltuend solide, aber nicht so kraftvoll und einflussreich wie das Comeback-Album. Dennoch besitzt Beat genug individuell starke Stücke, um es auch heute noch wertvoll zu hören – vor allem für jene, die den Chinesen des 80er-Crimson-Sounds nachspüren wollen.

Howard Shore: Lord of the Rings
Die Musik von Howard Shore zu Der Herr der Ringe zählt zu den bedeutendsten Filmmusikwerken überhaupt und ist weit mehr als eine bloße Begleitung der Bilder. Shore erschuf ein eigenständiges musikalisches Universum, das die Tiefe und Vielfalt von Tolkiens Welt hörbar macht. Zentral ist dabei die konsequente Verwendung der Leitmotivtechnik: Mehr als neunzig verschiedene Themen und Motive ziehen sich durch die Trilogie, die Völker, Orte, Gegenstände oder auch abstrakte Ideen verkörpern und sich im Verlauf der Handlung weiterentwickeln. So wird die Musik des Auenlands von warmen, volksliedhaften Klängen mit Geige, Flöte und Klarinette bestimmt, während Rohan durch die rauen Töne der Hardangerfiedel charakterisiert wird. Gondor klingt majestätisch und feierlich mit Blechbläsern und Chor, während Mordor und Isengard von schweren, dissonanten Klangmassen aus Blech und Schlagwerk geprägt sind.

Einen besonderen Reiz verleihen die groß angelegten Chorpassagen, die in Tolkiens Sprachen wie Sindarin, Quenya oder Khuzdul gesungen werden und der Musik eine archaische, mythische Aura verleihen. Shore gelingt es, sowohl intime, zarte Momente voller Geborgenheit als auch monumentale Schlachtszenen von überwältigender Wucht zu gestalten und so die emotionale Bandbreite der Filme auf einzigartige Weise zu verstärken. Trotz der Vielfalt an Themen und Stilen wirkt die Komposition als geschlossenes Ganzes, das wie eine Oper ohne Bühne funktioniert und die epische Dimension der Geschichte hörbar macht.

Bernard Herrmann: Vertigo
Der Soundtrack zu Alfred Hitchcocks Vertigo (1958), komponiert von Bernard Herrmann, gilt als eines der eindrucksvollsten Beispiele für die enge Verbindung von Film und Musik. Herrmanns Komposition ist von einer hypnotischen, fast unheimlichen Qualität geprägt und spiegelt die psychologische Tiefe des Films ebenso wider wie dessen traumartige Atmosphäre. Zentral sind die schwebenden, kreisenden Motive, die musikalisch das titelgebende Schwindelgefühl nachzeichnen. Durch die geschickte Verwendung von sich aufbauenden und wiederholenden Figuren, schraubenartigen Tonbewegungen und dichten Orchesterfarben entsteht ein Klangbild, das sowohl Spannung als auch Obsession vermittelt.
Die Partitur arbeitet intensiv mit Streichern, die oft in breiten, wogenden Klangflächen eingesetzt werden und ein Gefühl von Sehnsucht, aber auch von Beklemmung erzeugen. Über diesen Teppichen legen sich unheilvolle Bläserakzente, die die Bedrohung und die innere Zerrissenheit der Hauptfigur unterstreichen. Besonders hervorzuheben ist das berühmte Liebesthema, das zugleich romantisch und beunruhigend wirkt – es steigert sich immer wieder in leidenschaftliche Höhepunkte, die jedoch abrupt abbrechen oder in Dissonanzen münden, was die unerfüllte, obsessive Natur der Liebe im Film reflektiert.
Herrmanns Musik für Vertigo ist weniger auf klassische Hollywood-Melodien ausgelegt, sondern auf eine durchgängige Klangdramaturgie, die den Zuschauer unweigerlich in die psychologische Abwärtsspirale der Figuren hineinzieht. Sie ist zugleich lyrisch und bedrohlich, schön und verstörend, und verstärkt so die traumwandlerische, beklemmende Stimmung des Films auf unverwechselbare Weise.

Richard Wagner: Lohengrin
Die Bayreuther Festspiele 1982 präsentierten mit Richard Wagners „Lohengrin“ eine Aufführung, die sowohl musikalisch als auch szenisch nachhaltigen Eindruck hinterließ. Im Zentrum stand der Tenor Peter Hofmann, der zu dieser Zeit bereits als charismatischer und moderner Wagner-Sänger galt. Seine Interpretation der Titelpartie zeichnete sich weniger durch ein heroisch stählernes Timbre aus, als vielmehr durch eine lyrische, fast schlanke Stimmführung, die dem geheimnisvollen Charakter des Schwanenritters eine besondere Verletzlichkeit und Menschlichkeit verlieh. Hofmanns heller Tenor, geprägt von klarem Höhenstrahl und nuancenreicher Phrasierung, traf den Ton eines „modernen Lohengrin“, der sich von den kraftvollen, manchmal schwergewichtigen Bayreuth-Traditionen unterschied. Kritiker bemerkten zwar eine gewisse vokale Fragilität in den dramatischeren Passagen, doch gerade die „Gralserzählung“ gewann durch seine fast introvertierte Gestaltung eine intime Intensität, die im Festspielhaus große Wirkung entfalten konnte.

An der Seite Hofmanns überzeugte die Sopranistin Katalin Komlósi (Elsa) mit lyrischer Innigkeit, auch wenn ihre Stimme nicht immer das durchschlagende Volumen für den großen Saal besaß. Die Gegenspieler, insbesondere Ortrud und Telramund, lieferten hingegen kraftvoll-dramatische Kontraste, die der Aufführung die nötige Spannung gaben. Dirigent Woldemar Nelsson entschied sich für ein transparentes, fließendes Klangbild, das weniger den monumentalen Wagner-Klang kultivierte, sondern eine fein austarierte Balance zwischen Orchester und Bühne herstellte. Die Bayreuther Akustik trug dazu bei, dass selbst die zarten Passagen Hofmanns klar verständlich blieben.

Auch die 1982 veröffentlichte Aufnahme dieser Produktion dokumentiert diese besondere Ära Bayreuths. Auf Schallplatte und später CD festgehalten, vermittelt das Album die Atmosphäre eines Ensembles, das nicht allein auf stimmliche Wucht setzte, sondern auf psychologische Zeichnung und klangliche Durchsichtigkeit. Hofmanns Lohengrin wirkt hier fast wie ein Gegenentwurf zum traditionellen „Helden“ – ein sensibler, geheimnisvoller Ritter, der in seiner Menschlichkeit greifbarer wird. Während manche Puristen den fehlenden „stahlblauen Heldentenor“ kritisierten, schätzten andere gerade den frischen Zugang, der Wagner näher an eine neue Generation von Opernfreunden brachte.

In der Rückschau lässt sich die Bayreuther „Lohengrin“-Produktion von 1982 als ein wichtiger Moment in der Rezeption des Werkes werten. Sie markierte eine Phase, in der die Festspiele begannen, sich von schwerfälligen Wagner-Klischees zu lösen und neue stimmliche und szenische Wege zu beschreiten. Das Album mit Peter Hofmann bleibt bis heute ein Dokument dieses Aufbruchs, das seine Hörer mit einer Mischung aus Spannung, Kontroverse und Faszination zurücklässt.

Chuck Berry: Ultimative Collection
Chuck Berry gilt als einer der entscheidenden Wegbereiter des Rock ’n’ Roll. Mit Songs wie Johnny B. Goode oder Roll Over Beethoven verband er treibende Rhythmik, eingängige Gitarrenriffs und jugendnahe Texte zu einer bis dahin unbekannten Mischung, die Generationen von Musikern beeinflusste. Berry prägte nicht nur den Sound, sondern auch die Bühnenästhetik des Rock: Seine energiegelbe Performance, der berühmte „Duckwalk“ und seine unverwechselbare Gitarrentechnik machten ihn zu einem Idol für Bands wie die Beatles, die Rolling Stones oder später auch Bruce Springsteen.

Er brachte das Lebensgefühl einer neuen, selbstbewussten Jugendkultur auf den Punkt und gilt bis heute als „Vater des Rock ’n’ Roll“, dessen musikalisches Erbe den Grundstein für nahezu alle späteren Spielarten der Rockmusik legte.

Wo der Wind Geschichten trägt – Mountain Son und die Seele des Folk – Privatkonzert in München

16. Oktober 2025

Mountain Son ist einer jener Musiker, bei denen man spürt, dass Musik kein Handwerk, sondern eine innere Stimme ist. Schon beim ersten Ton bei einem Privatkonzert in München legte sich eine warme Erdigkeit über die Klänge, als würde jemand die Seele der Landschaft greifen – Berge, Wälder, ferne Täler – und sie in Melodien verwandeln.

Seine Songs haben nichts Lautes, nichts Aufdringliches. Sie atmen vielmehr eine stille Kraft, wie ein Lagerfeuer in der Dämmerung oder der Moment, wenn Nebel vom Hang aufsteigt und das Tal langsam seine Konturen verliert.

Was Mountain Son auszeichnet, ist diese tiefe Ehrlichkeit im Ausdruck. Er spielt nicht, um zu beeindrucken – er spielt, um zu erzählen. Man hört in seinen Tönen die Spuren vergangener Wege, den Wind, der Geschichten trägt, und manchmal auch den Schmerz, der sich in leisen Gitarrenakkorden versteckt. Seine Musik verbindet Folk mit Blues und einem Hauch Country, doch sie ist mehr als ein Stilgemisch: Sie ist Bekenntnis, Meditation, Erinnerung.

Mountain Son ist ein Singer-Songwriter mit Wurzeln in den USA, der heute zwischen Nashville, Tennessee, und seiner musikalischen Heimat pendelt. Er schöpft aus dem reichen Erbe der amerikanischen Roots-, Blues- und Countrymusik und übersetzt diese Traditionen in eine sehr persönliche, zeitlose Stimme.

Seine musikalische Reise begann früh: Geboren am Fuße der Rocky Mountains, wuchs er zunächst klassisch auf – bereits mit neun Jahren spielte er Werke von Mozart, Beethoven und Brahms in Jugendorchestern. Doch ein Baseballunfall mit Verletzung am rechten Arm brachte eine Wende: Er legte die Bratsche zur Seite und entdeckte in der Zeit eine Akustikgitarre im Keller seiner Familie. Mit ihr begann seine Reise in die Welt des Songwritings.

Heute steht Mountain Son für Reduktion und Echtheit: Kein Showeffekt, kein überbordender Arrangement-Schnickschnack – seine Musik lebt von Stimme, Gitarre (oft mit Slide oder Resonator) und dem klaren Blick auf das Songwriting selbst. Im Münchner Privatkonzert spielte er auf der Resonator. Seine Einflüsse sind dabei vielfältig: Legenden wie Robert Johnson, Mississippi John Hurt, Willie Nelson, Bob Dylan oder Bonnie Raitt fließen in seinen Stil ein.

Seit 2019 hat er über 500 Konzerte in Nordamerika und Europa gegeben und Bühnen mit Künstlern wie Ramblin’ Jack Elliott und Willie Watson geteilt. Seine Tourneen führten ihn durch die USA, Kanada, Dänemark, Schweden, Belgien, die Niederlande, Deutschland, die Schweiz, Italien und Österreich. Ich habe ihn auf einem Privatkonzert in München gesehen und war begeistert.

Neben seiner Soloarbeit ist Mountain Son auch Mitbegründer der Bluegrass-Band The Muddy Souls, in der er als Sänger, Banjo-Spieler, Gitarrist, Produzent und Toningenieur mitwirkt. Sein gemeinschaftlicher Ansatz mit der Band zeigt seine Verbindung zu Roots, Gemeinschaft und musikalischer Zusammenarbeit.

Seine Diskografie umfasst mehrere Alben mit eigenem Material – stets getragen von dem Motto: drei Akkorde, Groove und Wahrheit. Er plant kontinuierlich neue Veröffentlichungen und überarbeitet ältere Werke, um sie neu aufzubereiten und noch lebendiger zu machen.

Mit seiner Musik stellt Mountain Son eine Brücke her: Zwischen Tradition und Gegenwart, zwischen Nordamerika und Europa, zwischen musikalischer Tiefe und unmittelbarer Nähe. Wer ihn live erlebt, spürt schnell, dass hier kein Künstler Konzepte ausbreitet, sondern seine eigenen Empfindungen, sein Herz und seine Geschichten einsetzt – ganz schlicht, aber mit großer Wirkung.

Kein Showman, sondern ein Songman – mein Abend mit Todd Day Wait

9. August 2025

Er ist ein wirkliches Original: Für mich eine Mischung aus Willie Nelson, Buffalo Bill und eine gehörige Mixtur aus Hank Williams und Townes van Zandt: Ich meine Todd Day Wait.

Ich habe dieses Original bei einem Privatkonzert in München genießen dürfen. Todd Day Wait ist keine Pop-Inszenierung, sondern ein echter Travelling-Singer-Songwriter: authentisch, bodenständig und mit echter Verbundenheit zur Wurzelmusik.

Seine Stücke und sein Lebensweg wirken wie eine Reminiszenz an die Ursprünge des Country – und gleichzeitig wie ein Statement für die Bedeutung von Erlebnissen. Für alle, die echten Country lieben, dessen Seele noch spürbar ist, bleibt Todd Day Wait ein lebendiges Stück Americana auf der Bühne und ich bin absolut verzaubert.

Todd Day Wait ist ein US-amerikanischer Singer‑Songwriter aus Missouri, der heute hauptsächlich in Nashville lebt und arbeitet. Er verkörpert die Tradition des amerikanischen “Freewheeling Troubadour”, der mit wenig Besitz und großer Leidenschaft durch das Land zieht. Was davon Show und was davon Realität ist, weiß ich nicht, aber es klingt zumindest gut.

Ach ja Klang: Seine Musik verwebt klassische Elemente aus Country, Blues, Folk, Early R&B und Soul – inspiriert von Legenden wie Jimmie Rodgers, Willie Nelson, Wynn Stewart und Kris Kristofferson. Mit seiner rauen Stimme und einem reduzierten, ehrlichen Sound bleibt er dem spirituellen Kern des traditionellen Country treu.

Auf Plattformen wie WesternAF oder GemsOnVHS erzielt er Millionen von Streams und zieht weltweit kleine, aber treue Fangemeinden an. Sein jüngstes Album heißt Letters from the Road (veröffentlicht 2025), das die Soundwelt seiner Tourerlebnisse einfängt – geprägt von akustischer Authentizität und Roadmovie‑Atmosphäre . In München trat er mit seiner Begleitband “Todd Day Wait & Band” live auf und hat europaweite Tourdaten bis in den Herbst 2025 hinein angekündigt. Wer die Chance hat, sollte ihn unbedingt anhören.

Privatkonzert: Paul Armfield live in München 2025

20. Juni 2025

Die Konzertatmosphäre bei einem Auftritt des britischen Sängers Paul Armfield ist intim, warmherzig und tief emotional und sie hat mich bei seinem Privatkonzert in München sofort in den Bann gezogen. Ich tauchte tief in die Musik ein. Mit seiner akustischen Gitarre schaffte er es, durch seine sanfte Stimme und seine poetischen Texte eine fast meditative Stimmung zu erzeugen. Seine Musik bewegt sich zwischen Folk, Chanson, Americana und Kammerpop, oft getragen von leisen, melancholischen Tönen.

Es war kein Konzert zum Mitklatschen, sondern sein Publikum hört aufmerksam zu und lässt sich auf die feinen Nuancen seiner Musik ein. Zwischen den Liedern erzählte Armfield oft persönliche Anekdoten oder humorvolle Geschichten, was seine Auftritte sehr menschlich und nahbar machen. Wie viele Briten hat auch Paul Armfield eine Verbindung zur Natur. Gardening ist auf der Insel weit verbreitet und gerne hätte ich ihm den Englischen Garten in München gezeigt. Er wäre begeistert gewesen. Ein Teil seiner Lieder dreht sich um Bäume und erinnerten mich an das ehemalige Genesis-Mitglied Anthony Phillips, dessen ruhige Musik ich schätze.

Bei Paul Armfield hatte ich das Gefühl, nicht nur einem Musiker, sondern auch einem Geschichtenerzähler und feinsinnigen Beobachter zuzuhören. Die Atmosphäre ist dadurch fast familiär, und am Ende des Münchner Konzerts blieb ein Gefühl von Nachdenklichkeit und innerer Ruhe zurück.
Viele Songs handelten von Zuhause („Home“), Bibliotheken, Bäumen – alles Stoff für nachdenkliches, fast meditatives Flair. Sein britischer Humor zeigte sich in Wortspielen und charmanten Kommentaren.
Paul Armfield überzeugt mit einer warmen, entspannten Bühnenpräsenz. Er wirkte erfahren und souverän, ohne dabei distanziert zu sein. Seine ruhige Ausstrahlung und die Gelassenheit, mit der er seine Songs präsentiert, schaffen eine offene und einladende Atmosphäre, in der sich das Münchner Publikum auf dem Privatkonzert wohlfühlte. Ein Künstler zum Anfassen.

Die Musik von Armfield ist geprägt von emotionaler Tiefe und Sinnlichkeit. Seine klare, warme Stimme und die literarisch anmutenden Liedtexte erzeugten eine fast schon transzendente Stimmung.
Paul Armfields Konzerte sind geprägt von Wärme, Intimität und einer tiefen emotionalen Verbindung. Seine entspannte Präsenz, die literarischen Texte und die klare Stimme schaffen eine Atmosphäre, in der sich das Publikum aufgehoben und berührt fühlt – ein Erlebnis, das lange nachklang.

Paul Armfield schaffte es bei seinem Konzerten eine intime Atmosphäre durch mehrere ineinandergreifende Elemente:
Seine Auftritte fühlen sich an wie ein persönliches Gespräch – nah, ehrlich und berührend. Er interagiert mit dem Publikum, erzählt Geschichten und zieht die Zuhörer aktiv in seine Welt hinein.
Armfield überzeugt mit einer warmen, entspannten Ausstrahlung, die sofort Vertrauen schafft. Diese Gelassenheit und Authentizität lassen das Publikum zur Ruhe kommen und sich auf die Musik einlassen.
Seine Lieder sind kleine Geschichten voller Poesie, Tiefe und Wärme. Die Themen reichen von Erinnerungen über Natur bis hin zur Suche nach Verbundenheit. Diese Inhalte sprechen die Zuhörer auf einer emotionalen Ebene an und schaffen eine besondere Verbindung.
Armfield setzt auf akustisches Spiel und eine klare Stimme, wodurch seine Musik unmittelbar und unverfälscht wirkt. Die Reduktion auf das Wesentliche – ohne unnötigen Schnickschnack – verstärkt das Gefühl von Intimität.
Seine Konzerte laden zum Innehalten ein. Das Motto „Slowing down Time“ beschreibt treffend, wie Armfield mit seiner Musik eine entschleunigte, konzentrierte Stimmung erzeugt, in der das Publikum die Musik bewusst erleben kann. Ich kaufte mir gleich Vinyl-Platten wie Domestic

John Lensing live in München – Musik, die Herz und Seele berührt

26. April 2025

Ich habe für mich eine außergewöhnliche musikalische Entdeckung bei einem Privatkonzert in München gemacht: John Lensing

John Lensing ist ein US-amerikanischer Singer-Songwriter, der seine musikalische Laufbahn als Straßenkünstler begann. Ursprünglich aus den USA stammend und heute in Portland lebend, schrieb er zunächst Lieder und reiste umher, um sie fremden Menschen vorzuspielen. Diese Erfahrungen prägten seinen Stil und seine Haltung: Lensing sieht Musik als Mittel, Menschen miteinander zu verbinden und sie dazu zu bewegen, sich mit sich selbst, anderen und auch mit schmerzhaften Themen auseinanderzusetzen. Seine Songs sind geprägt von emotionaler Ehrlichkeit und Verletzlichkeit, was sich in seinen intimen Auftritten widerspiegelt. Das hat mich bei seinem akustischen Privatkonzert in München direkt angesprochen.

Im Laufe der Jahre entwickelte sich seine Karriere von Straßenauftritten hin zu Shows und Festivals auf beiden Seiten des Atlantiks, so erzählte er. Lensing tourte durch Nordamerika und Europa, trat unter anderem beim Sommer in Altona Festival in Hamburg sowie beim Underground Music Showcase in Denver auf und teilte die Bühne mit Künstlern wie Matthew Fowler und Corey Kilgannon. Das Folk-Magazin No Depression bezeichnete ihn als „einen Künstler, den man im Auge behalten sollte“. Dem kann ich auf jeden Fall zustimmen.

Seine Musik wurde allein auf Spotify über 500.000 Mal gestreamt. Anfang 2024 veröffentlichte der damals 27-Jährige sein Debütalbum The Weight of the Love. Das Album thematisiert Liebe, Männlichkeit, Queerness und somatische Heilung. Produziert wurde es von Andy D. Park (Noah Gundersen) und William IV Smith (Corey Kilgannon). Die Produktion reicht von aufwendig arrangierten Songs bis hin zu reduzierten Klavier- und Gesangsstücken, wobei Lensings Ehrlichkeit und emotionale Tiefe stets im Mittelpunkt stehen.

In München erwarb ich von ihm sein Vinyl-Album „The Weight of the Love“ und ließ es mir gleich signieren. Ich hörte es am nächsten Tag sehr intensiv, auch während ich diese Zeilen schreibe.

Queerness spielt in John Lensings Liedern eine zentrale Rolle und gehört zu den Hauptthemen seines Debütalbums „The Weight of the Love“. Das Album setzt sich explizit mit Ideen von Liebe, Männlichkeit, Queerness und somatischer Heilung auseinander. Lensing nutzt seine Musik, um persönliche Erfahrungen und Identitätsfragen zu reflektieren und schafft damit einen Raum für Ehrlichkeit und emotionale Verletzlichkeit. Queerness wird dabei nicht isoliert betrachtet, sondern steht im Zusammenhang mit anderen Aspekten von Identität und zwischenmenschlichen Beziehungen, die Lensing in seinen Songs thematisiert. Die Auseinandersetzung mit queeren Perspektiven ist somit ein integraler Bestandteil seines künstlerischen Ausdrucks und trägt zur Authentizität und Tiefe seiner Musik bei.

Lensings Musik zeichnte sich in München durch einfühlsames Storytelling und eine besondere Nähe zum Publikum aus. Seine Lieder spiegeln die Kraft der Verletzlichkeit wider und laden die Zuhörer ein, sich auf persönliche und gesellschaftliche Themen einzulassen. Dabei erforscht er die Balance zwischen Leichtigkeit und Schwere, die im menschlichen Erleben liegt, und nutzt seine Texte, um intime Einblicke und persönliche Erfahrungen zu vermitteln.

Neujahr: Erinnerungen an Hank Williams und Townes Van Zand

1. Januar 2012

Neujahr bedeutet für mich auch immer Erinnerungen an Verstorbene. Private Verluste ebenso wie öffentliche Verluste. Öffentlich möchte ich an zwei Personen erinnern, die lange verstorben sind, aber in meiner musikalischen Welt immer in Erinnerung bleiben: Hank Williams und Townes Van Zandt. Beides waren starke Trinker, aber beides waren vor allem starke Ausnahmemusiker.

Country-Musik und auch modere Rockmusik wäre ohne Hank Williams nicht vorstellbar. Seine eingängigen Songs prägten die Musik. Kaum jemand, der sich ernsthaft für amerikanische Musik interessiert, der den Lovesick Blues nicht kennt, der nicht beim Long Gone Lonesome Blues mitlitt oder bei Weary Blues from Waitin den Blues fühlt. Bezeichnend ist sicher sein Titel I’ll Never Get Out of This World Alive – hier war der Song Programm. Hank Williams war einer der ersten Punks, der sich nicht an Konventionen hielt . Klar, er war hemmungsloser Alkoholiker und zudem Morphiumsüchtig, er wurde aus dem Mekka der Country-Musik, der Grand Ole Opry, wegen Suff ausgeschlossen, seine Ehe mit Miss Audrey scheiterte tragisch. Aber Hank machte weiter bis zur Nacht am 1. Januar 1963. Auf dem Weg zu einem Konzert wurde der 29jährige Tod in seinem Wagen aufgefunden. Herzinfarkt war die offizielle Todesursache. Als nächstes kaufe ich mir wohl diese neugefundenen Aufnahmen von Hiram „Hank“ King Williams: The Unreleased Recordings

Für mich kam in der verlogenen Countrymusik lange nichts mehr. Erst Johnny Cash war wieder einer der ganzen Großen in diesem Business.

Townes Van Zandt war eher ein Insidertipp. Der depressive und alkoholkranke Musiker schrieb hervorragende Lieder, die anderen versilberten. Van Zandt steht in der typischen Singer-Songwriter-Tradition. Dabei orientierte er sich klar an seinen Vorbildern Hank Williams und den frühen Dylan. Wobei sich Dylan immer wieder revanchierte und den Van Zandt-Song Pancho & Lefty live darbot. Townes Van Zandt war authenisch, seine Aufnahmen waren ehrlich, wobei er wohl privat ein schwieriger Mensch gewesen sein muss. Sein Ausspruch: „There are only two kinds of music: There’s the blues, and there’s Zip-A-Dee-Doo-Dah“ beschreibt ihn eigentlich ganz gut und dem gilt es nichts mehr hinzuzufügen. Der Musiker starb mit 52 Jahren im Jahr 1997. Mein Anspieltipp ist das großartige: Live at the Old Quarter,Houston