Posts Tagged ‘München’

Mode von Rudolph Moshammer

28. Februar 2014

Ich weiß nicht, welcher Teufel mich geritten hat. Aber im Moment interessiere ich mich für die Mode von Rudolph Moshammer. Dieser PR-Mann in eigener Sache war Teil der Münchner Schickeria bis er 2005 umgebracht wurde. Der Mord an ihn und sein Privatleben füllten damals allerhand Seiten der Yellow Press und immer wieder verkaufen heute Holzmedien Überschriften mit seinem Namen.

Die BILD verkauft mit dem Namen Mooshammer in München immer noch gut.

Die BILD verkauft mit dem Namen Moshammer in München immer noch gut.

Als modeinteressierter Mensch, wollte ich mehr über die Arbeit des Modeschöpfers Rudolph Moshammer wissen. Zu seinen Lebzeiten war ich einmal zu Gast in den Verkaufsräumen an der Maximilianstraße 14 in München. Ich schaute mir damals die Krawatten an. Diese begannen preislich bei rund 100 Währungseinheiten. Sie waren der letzte modische Schrei in München. Moshammer war auch im Laden, warf einen kritischen Blick auf mich und widmete sich seiner finanziell deutlich potenteren Kundschaft.

An einem Wochenende habe ich mir zwei Bücher über das Phänomen Moshammer reingezogen, um mir über seine Modewelt zu erfahren. Leider wurde ich enttäuscht. Beide Bücher geben in Sachen Mode nur bedingt etwas her. Also eigentlich ein Fehlkauf in Sachen Mode.

Mooshammer2

Die schreckliche Biografie Rudolph Moshammer, Der einsame König ist ein ist grausam geschrieben, in einem reißerischen Stil und so ganz bin ich mir nicht sicher, ob alle Fakten stimmen. In diesem Buch geht es weniger um das Werk von Rudolf Moshammer, als vielmehr um seine sexuellen Ausschweifungen. Doch das interessierte mich nicht. Das sollte Privatsache sein. Ich muss als Autor nicht in unter dem Bett liegen und die Verführungskünste von Rudolph Moshammer wiedergeben. Autor des Schundbuches war Claudio Carra, ein Pseudonym. Über Mode war in diesem Buch nichts zu finden und es war ein kompletter Fehlkauf.

Beim zweiten Buch Mama und ich handelt es sich um eine Autobiografie des Modemachers. Der Moshammer war kein begnadeter Schreiber und sein Deutsch ist keine große Literatur. Im Grunde ist es Verklärung der Mutter. Wir erfahren etwas über das Leben aus der eigenen Perspektive. Das Buch ist von beiden Büchern aber das lesenswertere. Hier zeigt sich das Verkaufstalent von Rudolph Moshammer. Interessant ist die Episode, wie er den US-amerikanischen Schauspieler George Hamiliton (Dracula) und dessen Gattin eine Kollektion verkaufte. Kurzerhand baute er sein Heim zum Catwalk um, verzichtete aus Geldnöten auf teure Scheinwerfer und zelebrierte stattdessen die Modenschau bei Kerzenlicht.

In einem Kapitel öffnet sich Moshammer. Er schreibt über seine noble Kundschaft: “Wenn ein solcher Kunde mein Geschäft betritt und meine Beratung sucht, so ist es immer von einem besonderen Reiz, mizuerleben, wie dieser Mensch sich durch meine Garderobe innerlich und äußerlich verjüngt, wie er das Gefühl hat, verlorene Jahre nachzuholen und mit der Kleidung, die ich ihm auf die Seele zu schneidern versuche, ein neues, ungekanntes Lebensgefühl gewinnt.” Stilistisch grausam geschrieben, inhaltlich vollkommen richtig.

Auch erfahren wir von ungeheuren Neid der Kollegen. Die Modebranche ist ein extrem hartes Pflaster. Moshammer musste dies lernen. Als ja einmal seinem Ausbilder als Lehrling ein paar hervorragende Modenideen zeigte, reagierte dieser mit Ablehnung. Er witterte sofort die Konkurrenz, weil er das Talent des jungen Schneiders erkannte.

QR-Code Fehlanzeige – Tourismus in Münchner Frauenkirche

4. Februar 2013
Wunderbarer Bau: Die Münchner Frauenkirche

Wunderbarer Bau: Die Münchner Frauenkirche

Wieder einmal den Anschluss an die Zukunft verpasst hat der Tourismus in München. Vor kurzem besuche ich einmal wieder die Frauenkirche in München. Dort waren etliche Touristen aus aller Welt anzutreffen, die etwas über den sakralen Bau erfahren wollten. Und alle hatten sie ein Smartphone dabei.

Am Eingang der Frauenkirche entdeckte ich einen Hinweis, dass es einen Kunstführer für die Frauenkirche gibt. Man könne sich die entsprechende App bei iTunes laden. Kostenpreis 3,99 Euro. Nicht gerade ein Schnäppchen, tut aber auch nicht weh. Aber wo ist der QR-Code für die App? Soll ich jetzt im Gotteshaus stehen und in iTunes suchen, bis ich den Kunstführer gefunden habe? Was ist denn das Problem, einen QR-Code aufs Plakat zu drucken, Link dahinter und zack habe ich die entsprechende App geladen? Das kann doch wirklich nicht so schwer sein, oder? In der Frauenkirche ist übrigens volle LTE-Geschwindigkeit, so dass das Laden auch kein Problem darstellt.

Kunstführer als App - eigentlich eine gute Idee

Kunstführer als App – eigentlich eine gute Idee

Auf der Rückseite des Plakats wird ausführlich mit vielen Schaubildern erklärt, wie man eine App aus dem Store lädt. Für wie doof halten die eigentlich die User? Wer einmal eine App geladen hat, der weiß, wie so etwas geht.

Es handelt sich um die App von artguide. Beim Kauf stelle ich fest, dass der Führer der Frauenkirche nicht wie auf dem Plakat angegeben 3,99 Euro kostet, sondern 3,59 Euro und das auch schon seit längerem. Also ist das Plakat wohl hoffnungslos veraltet. Wahrscheinlich stammt es noch aus dem Jahre 2011 als artguide mit dem Innovationspreis „Sprungbrett 2011“ ausgezeichnet wurde. Mir ist es als iOS-Fan ja egal, aber gibt es den artguide eigentlich auch für Android?

Eine schöne Anregung wäre es, wenn man für die Touristen im München einen Reiseführer in Englisch anbietet. Deutsch ist eine schöne Sprache, aber die ausländischen Besucher der Frauenkirche können nicht alle kunstgeschichtlichen Feinheiten in Deutsch verstehen. Ja, wir haben mal wieder den Anschluss verpasst.

Die Frauenkirche als Modell.

Die Frauenkirche als Modell.

 

Schwanensee – Bolschoi Staatsballett in München

22. Januar 2013
So gut wie ausverkauft ist die Philharmonie im Gasteig, wenn Schwanensee gegeben wurde.

So gut wie ausverkauft ist die Philharmonie im Gasteig, wenn Schwanensee gegeben wurde.

Wenn das Bolschoi Staatsballett Belarus in München gastiert, dann kommen sie, die Ballettfreunde aus nah und fern. Bei nahezu ausverkauften Auftritten konnten die Ballettfreunde den Schwanensee mit der Musik von Peter I. Tschaikowsky genießen. Zu sehen bekamen das Publikum in der Philharmonie im Gasteig an zwei Aufführungen routinierte Klasse.

Wer den Schwanensee in der Aufführung des Bolschoi Staatsballetts besucht, der erwartet keine Neuinterpretation des Stücks. Er bekommt eine konservativ inszenierte Tanzschöpfung auf Weltniveau. Das Libretto hält sich an die Märchenvorlage von Wladimir Begitschew und Wassili Geltzer. Die wunderschöne Choreografie stammt von Marius Petipa, Lew Iwanow und Alexander Gorsky.

Und dem Münchner Publikum hat es gefallen. Die zahlreichen Höhepunkte, zu denen auch die Charaktertänze, Solo-Variationen, die Pas de deux des Prinzen Siegfrieds mit dem weißen Schwan im 1. Akt und mit dem schwarzen Schwan im 2. Akt mit der Serie von 32 Fouttés, der Tanz der vier kleinen Schwäne und die Variationen der großen Schwäne gehören, alle wurden mit Applaus bedacht. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass die Freude über den Applaus bei den Tänzern nicht ankam. Professionell bedankten sie sich artig, das Feuer und die Leidenschaft der Tänze zeigten die Tänzer gegenüber ihrem Publikum weniger

Wunderbar die Choreografie bei Schwanensee.

Wunderbar die Choreografie bei Schwanensee.

Vielleicht lag diese Distanz zum Publikum auch an den aktuellen Vorkommnissen in der Heimat: Der Ballettchef des Bolschoi Theaters, Sergej Filin, erlitt vor kurzem bei einem Säureattentat schwere Verätzungen an Kopf und Hals. Der 42jährige droht blind zu werden. Ein Unbekannter hatte Filin vor seiner Wohnung angegriffen und ihm Säure ins Gesicht geschüttet. Der Täter entkam. Vom Staatsballett auf der Bühne in München gab es zu den Vorfällen in Moskau kein Statement. Dabei hätten die Münchner Ballettfreunde sicher die besten Genesungswünsche mit einem donnernden Applaus in die russische Heimat geschickt.

Ballettleistung auf hohem Niveau beim Bolschoi Staatsballett.

Ballettleistung auf hohem Niveau beim Bolschoi Staatsballett.

Joan Baez live in Concert in München

13. Juni 2012

Diese Frau ist ein Phänomen. Mit ihren 71 Jahren füllt die US-amerikanische Folksängerin Joan Baez immer noch große Konzertsäle und dies obwohl sie sich seit Jahrzehnten nicht weiterentwickelt. Mit einem Repertoire eines gewöhnlichen Lagerfeuer-Entertainers schafft sie es ihr Publikum zu verzaubern. Ihr Publikum sind für mich Leute, die noch am Tropf der sechziger Jahre hängen. Nach dem Motto „Weißt du noch, wie wir damals dagegen waren …“ versammeln sich die Jünger um die Hohepriesterin des Folks, obwohl ihr Einfluss kaum noch vorhanden ist und ihre Bewegung längst verstummt ist. Wie in der Münchner Philharmonie gilt es zusammenzurücken und gegen die Ungerechtigkeit in der Welt anzusingen und dann in den Mercedes SLK einzusteigen und nach Hause zu fahren. Ok, ich übertreibe.

Stimmlich ist Joan Baez ihrem Alter noch sehr gut auf der Höhe. Natürlich klappen die hohem Tremolos nicht mehr so ganz wie früher, und auch eine Erkältung in München sorgte nicht immer für astreine Töne, aber was soll es. Die Frau ist 71 Jahre alt und macht ihren Job, so gut sie ihn kann. Und das ist das Dilemma von Joan Baez. Sie hatte immer etwas zu sagen, aber sie musste meist die Werke anderer bemühen, um ihrer Meinung Ausdruck zu verleihen. Joan Baez war eine begnadete Sängerin, aber sie war leider nie eine begnadete Songwriterin. Ihre selbst geschriebenen guten Songs lassen sich an zwei Händen abzählen.

Und sie ist es wohl leid, dass sie immer wieder auf ihre Beziehung zu Bob Dylan angesprochen wird. Sie hat den jungen Mann entdeckt, holte ihn auf die Bühne, verliebte sich in ihn und er ließ sie fallen und machte Karriere. Aber noch immer singt sie seine Songs, voller Inbrunst. Und sie äfft ihn nach bei „Love ist just a four letter Word“. Es muss nach all den Jahren noch weh tun. Aber sie wehrt sich. In ihrem eigenen Song „Diamond & Rust“ änderte sie in München eine Textzeile: Aus „Er schoss direkt in mein Herz“ machte sie einfach „er schoss mir direkt in die Augen“. Auf ihren anderen berühmten Lover Steve Jobs geht sie nicht ein, obwohl zeitgleich während ihres Konzertabends in München die WWDC von Apple in San Francisco läuft, aber ohne Jobs, der im Oktober verstarb.

Naja, aber Joan Baez ist eine Überlebende. Sie war zwar Teil der Gegenkultur, aber immer auf der braven Seite zu finden. Sie wagte viel, aber bleib immer noch im Rahmen. Keine Revolution wie Hendrix, Morrison oder Joplin, dafür lebt sie noch und sieht hervorragend aus. Sie sang immer Lieder, die sich um den Tod drehen. Sie erinnerte an den Ehemann ihrer 2001 verstorbenen Schwester Mimi: Der Schriftsteller und Sänger/Songwriter Richard Fariña kam 1966 bei einem Motorradunfall ums Leben.

Ihre Karriere begann mit Folk-Standards, die sie auch in München wieder darbot. Und der Tod zog sich durch den Abend: Robbie Robertson und auch John Lennon und das Publikum sang brav mit. Und genau das ist das Langweilige, Vorhersehbare. Sie singt Jahr ein, Jahr aus die gleichen Lieder. Ob ich 1984 Joan Baez gesehen habe, oder 2012 – es ist von der Interpretation und der Auswahl der meisten Songs egal. Und das ist eigentlich das Tragische. Immer wieder holt sie Nachwuchsleute wie einstmals Dylan auf die Bühne und gibt ihnen ein Forum. In München war es die französische Sängerin Marianne Aya Omac. Freilich muss die Dame barfuß die Bühne betreten – wir erinnern uns: Joan Baez gab früher auch ihre Konzerte ohne Schuhe und fuhr dann in ihren Rolls Royce davon. Marianne Aya Omac brachte auch Stimmung in den Kulturtempel Gasteig. Gypsi-Klänge, lateinamerikanische Musik, ja das mag das Münchner Publikum, das brav mitklatschte und sich auf seine Art richtig gehen ließ. Immer brav die Gegenkultur vorantreiben.

Die Setliste zeigt Standards: Setlist God Is God | Be Not Too Hard | Lily Of The West | Railroad Boy | Scarlet Tide | Hard Times | Jerusalem | Catch The Wind | Swing Low, Sweet Chariot | [3 spanische Songs mit Marianne Aya Omac] | The House Of The Rising Sun | Long Black Veil | Suzanne | Gracias A La Vida | Diamonds & Rust | The Night They Drove Old Dixie Down | Imagine | Sag mir wo die Blumen sind | Donna Donna

Zu Beginn und am Ende des Konzerts bedankte sich Joan Baez mit den Worten: „Sie machen es mir leicht.“ Das ist richtig. München liegt der Grand Dame des Folkssongs zu Füßen, obwohl es eigentlich nichts neues gab.

Keine Kinderwägen mehr auf Rolltreppen

8. Januar 2010
Ich trete für Europa ein und doch immer wieder flackert der Bürokratie-Irrsinn aus Brüssel auf, der es schwer macht für Europa einzutreten. Jüngstes Beispiel sind die Rolltreppen. Sie dürfen seit 1. Januar nicht mehr mit Kinderwägen benutzt werden. Ich halte dies für einen ausgemachten Schwachsinn. Damit kam die EU Forderungen der Rolltreppen-Industrie-Lobby nach.
Ein Twitter-Kollege @Nachrichten_muc verbreitete in seinem Dienst ein schönes Zitat von MVG-Chef Herbert König: „Wir wurden von dieser neuen Norm genauso überrascht, wir haben sie nicht gewollt und ich halte sie für ausgemachten Blödsinn.“ Die ganze lesenswerte Meldung gibt es hier.
München hat derzeit 761 Rolltreppen und als zweifacher Papa habe ich natürlich die Rolltreppen mit den Kinderwägen benutzt. Gut, meine Kinder sind aus dem Alter raus und können selbst laufen, doch natürlich habe ich als treusorgender Papa aufgepasst, dass kein Kind aus dem Wagen fällt. Genauso wie bei Drehtüren sich kein Zwerg die Finger einklemmt oder die Hände vom heißen Herd nimmt. Ich glaube, das nennt sich Verantwortung. Hallo EU: Wie wäre es, wenn man Menschen mit Kindern den Einstieg in den Zug verbietet? Denn das kleine Baby könnte ja zwischen Zug und Bahnsteig geraten? Also verbieten, verbieten, verbieten.
Ein Trost gibt es: Die neue Norm gilt zunächst nur für ab 1. Januar 2010 neu zugelassene Rolltreppen. Allerdings wollen die Rolltreppen-Hersteller das Verbot auch auf bisher zugelassene Rolltreppen ausdehnen.
Da fällt mir ein: Wollte sich nicht mein ehemaliger Ministerpräsident Edmund Stoiber um den Bürokratieabbau in Brüssel kümmern?

Apple-Store-Eröffnung fällt dieses Jahr aus

4. Dezember 2009

Am 1. Dezember um 8:38 Uhr hellte sich meine Miene auf, als von Apple die Mail kam: Der neue Apple Store Große Bockenheimer Straße öffnet am Samstag, 5. Dezember um 10.00 Uhr in Frankfurt. Ja, ja, ja – irgendwie hab ich als Jünger mit dem Gedanken gespielt, am Samstag von München nach Frankfurt zu düsen und mit dabei zu sein.

Und nun? Apple hat die Eröffnung gestern abgeblasen. Man sei mit Details nicht zufrieden. Wie bitte? Die Eröffnung sei auf unbestimmte Zeit verschoben. Es wird sicherlich 2010 werden, bis der Store in Frankfurt eröffnet.

Auf der deutschen Apple-Website heißt es lapidar dazu: „Wir geben dem letzten Schliff den letzten Schliff.“ Pah, Pustekuchen. Apple, euch entgeht fett Weihnachtsgeschäft, aber massig. Da wird Steve sauer sein und ich als Apple Aktionär kann mich nur wundern. Hey, sonst habt ihr auch immer eine perfekte Marketingmaschinerie, warum klappt eine Ladeneröffnung in Frankfurt nicht. Fragt mal bei Aldi nach, wie die über Nacht einen Laden einrichten. Oder bei Microsoft mit den komischen Windows-Stores. Ok, dass war gemein und auch so nicht gemeint. Apple wolle sicherstellen, dass sich Kunden in der Großen Bockenheimer Straße ohne Einschränkungen wohlfühlen, hieß es aus der deutschen Zentrale an der Münchner Arnulfstraße.

Was solls. So hat Gravis in Frankfurt noch eine gute Chance ein paar Euro zu verdienen. Wir warten auf Januar, bis Apple das neue Eröffnungsdatum mitteilt. Übrigens, ich bin am 31. Januar und 1. Feb. 2010 in Frankfurt auf der Friseurmesse Hair&Beauty. Da kann ich gerne bei Apple vorbeischauen.

Urlaub in Südtirol (4/10): Speck auf dem Tisch

27. August 2009

Strudelessen in Südtirol

Der richtige Südtiroler braucht zum Abendessen eine Platte mit geräucherten Speck, würzigem Bergkäse, dazu Vinschgerl und ein süffigerer Rotwein wie der Kalterersee. Dieses Klischee vom urigen Südtiroler wird heute noch gepflegt. Mir schmeckt so eine einfache Kost ein paar Tage schon. Dann will mein Gaumen aber auch Varianten von Speck am Brettl und Marende (Speck- und Käsebrotzeit). So gibt die Kalorienbomben der Vergangenheit: Speckknödelsuppe, hausgemachter Strudel, Schlutzkrapfen. Zwar treibe ich in meinem Urlaub in Burgeis in Südtirol viel Sport, doch ich hab das Gefühl, dass ich fett werde. Ich würde gerne einmal ein Salatbuffet des 21. Jahrhunderts erleben. Leider sind viele der Speisekarten hier in Burgeis noch wie in den siebziger Jahren, inklusive der Forelle blau am Freitag. Salat wird als Beilage gesehen und so auch dargeboten. Gurke, Tomate, Blatt, Karotte. Ich habe in München ein tolles Südtiroler Lokal: La Bruschetta in der Nymphenburgerstraße 53. Dort gibt es traditionelle Südtiroler Kost, aber geschickt variiert und verfeinert. Bitte liebe Südtiroler Gastwirte: Lasst euch die Speisekarte schicken und bringt eure Küche in die kulinarische Moderne.

In Burgeis haben wir unsere Erfahrungen mit der örtlichen Küche gemacht. Hervorragendes traditionelles Essen gibt es im Gasthof Mohren der Familie Theiner. Der Vorspeisenteller hat es in sich: Käsespatzen, Spaghetti, Knödel – Kalorienbombe pur, aber mit viel Geschmack. Früher wurde der lokale Wein in Karaffen serviert. Heute steht plump die Halbliterflasche mit Schraubverschluss auf dem Tisch, das hat keinen Stil. Leider ist die Bedienung oft gestresst und überfordert. Kaum saßen wir, da war der Ober für die Getränkebestellung da. Bestellt haben wir, doch das Servieren kam erst auf Nachfrage. Als wir gegessen hatte, fragte keiner, ob es denn geschmeckt habe oder ob wir noch etwas bestellen möchten. Wir mussten aktiv auf den Ober zugehen und um einen Kaffee bitten. Schade, der Service kann besser sein, das Essen ist gut. Es ist ratsam, einen Tisch zu reservieren, denn Burgeis hat nicht so viel Lokalitäten zu bieten.

Gleich gegenüber vom Gasthof Zum Mohren ist der Gasthof Weisses Kreuz zu finden. Als wir zum Essen gehen wollten, wurden wir hinauskomplimentiert: Heute nur für Hausgäste. Leider war diese Information nirgends im Haus zu finden. Komisch, wenn man in der Urlaubssaison kein Geschäft machen will.

Absolut abzuraten vom Service ist das Gasthaus Gerda. Die Bedienung ist unfreundlich und komplett überfordert. Das Hotel wurde zwar vergrößert, das Restaurant aber nicht. Von der Bedienung wurden wir in den Speisesaal gebeten, vom Besitzer wieder herausgeschickt: „Wir haben nichts frei, wer hat Sie denn geschickt?“ So sollten wir im ungastlichen Nebenraum Platz nehmen. Nein danke. Ich kann meine Euro gerne wo anders ausgeben und nicht im Gasthaus Gerda.

Wer übrigens auf Äpfel steht, findet im Vinschgau seine Erfüllung. Es gibt so um die 15 verschiedene Sorten mit Geschmack und Färbung. Genannt seien der Golden Delicous, (süßlich, säuerlicher Geschmack, saftig und würzig), der Red Delicous (knackig, saftig und süß), der Jonagold (säuerlich. aromatisch) oder der Gala (süß, fruchtig). Die Äpfel sind wahre Powerspender von Vitamin C und B, Mineralstoffe und Spurenelemente. Und das nur bei 70 Kilokalorien pro Apfel – das ist gegen den dicken Bauch auch gut.

Schildbürgerstreich an Dönerbude

4. September 2008

Es ist schon ein genialer Schildbürgerstreich, wenn man sich folgende Situation vor Augen führt. Ich steige jeden Morgen bei der Münchner Haltestelle Donnersberger Brücke aus und laufe zur Fuß zu meiner Arbeitsstelle. Jedes Mal komme ich an einer Dönerbude vorbei. Es ist ein Anhänger. Jeden Morgen baut der Inhaber der mobilen Dönerbude seinen Stand auf, stellt Bänke auf, spritzt den Platz mit Wasser ab. Vor kurzem kündigte der Unternehmer, ein Iraner übrigens, an, dass er seinen Anhänger 100 Meter verlegen wollte. Ein Tengelmann hatte aufgemacht und er will sich den Kundenstrom zu Nutze machen. Gesagt, getan. Lizenz beantragt und genehmigt und eines Nachts begann der Umzug, samt Strom- und Wasseranschluss. Am nächsten Morgen das gleiche Spiel: Er stellt Bänke auf und spitzt dem Vorplatz mit Wasser ab. Doch am übernächsten Tag kam das böse Erwachen. Direkt vor seinem Anhänger begannen Bauarbeiten. Loch graben, irgendwelche Rohre verlegen, Gitter aufstellen und nicht mehr erscheinen. So findet sich vor der Dönerbude seit zwei Wochen ein tiefes Loch und kein Bauarbeiter weit und breit. Danke für so viel Unterstützung des privaten Unternehmertums. Nach Protest und Ärger zog der Ladenbesitzer die Konsequenz und ging erst mal zwei Wochen in Urlaub.