Keine Kinderwägen mehr auf Rolltreppen

Ich trete für Europa ein und doch immer wieder flackert der Bürokratie-Irrsinn aus Brüssel auf, der es schwer macht für Europa einzutreten. Jüngstes Beispiel sind die Rolltreppen. Sie dürfen seit 1. Januar nicht mehr mit Kinderwägen benutzt werden. Ich halte dies für einen ausgemachten Schwachsinn. Damit kam die EU Forderungen der Rolltreppen-Industrie-Lobby nach.
Ein Twitter-Kollege @Nachrichten_muc verbreitete in seinem Dienst ein schönes Zitat von MVG-Chef Herbert König: „Wir wurden von dieser neuen Norm genauso überrascht, wir haben sie nicht gewollt und ich halte sie für ausgemachten Blödsinn.“ Die ganze lesenswerte Meldung gibt es hier.
München hat derzeit 761 Rolltreppen und als zweifacher Papa habe ich natürlich die Rolltreppen mit den Kinderwägen benutzt. Gut, meine Kinder sind aus dem Alter raus und können selbst laufen, doch natürlich habe ich als treusorgender Papa aufgepasst, dass kein Kind aus dem Wagen fällt. Genauso wie bei Drehtüren sich kein Zwerg die Finger einklemmt oder die Hände vom heißen Herd nimmt. Ich glaube, das nennt sich Verantwortung. Hallo EU: Wie wäre es, wenn man Menschen mit Kindern den Einstieg in den Zug verbietet? Denn das kleine Baby könnte ja zwischen Zug und Bahnsteig geraten? Also verbieten, verbieten, verbieten.
Ein Trost gibt es: Die neue Norm gilt zunächst nur für ab 1. Januar 2010 neu zugelassene Rolltreppen. Allerdings wollen die Rolltreppen-Hersteller das Verbot auch auf bisher zugelassene Rolltreppen ausdehnen.
Da fällt mir ein: Wollte sich nicht mein ehemaliger Ministerpräsident Edmund Stoiber um den Bürokratieabbau in Brüssel kümmern?

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5 Antworten to “Keine Kinderwägen mehr auf Rolltreppen”

  1. Frank Blome Says:

    Guter Artikel. Man kann zu der Benutzung von Rolltreppen und Kinderwagen stehen wie man will. Was ich an der ganzen Sache aber viel bedenklicher finde, hast Du nur zum Ende kurz angedeutet. Bis heute ist die EU in meiner Wahrnehmung nur ein loser Haufen von Staaten mit diversen Absichtserklärungen. Alles was wirklich wichtig ist, bekommen sie in Brüssel nicht auf die Reihe. Warum beschäftigen sie sich dann mit so Nebenkriegsschauplätzen wie Rolltreppen und anderem Müll.

  2. Franz Neumeier Says:

    Das Thema läßt befürchten, dass wir uns in Richtung USA bewegen – man verpflichtet die Menschen nicht mehr zu Eigenverantwortung und eigenem Denken sondern versucht sie auf höchst absurde Weise vor sich selbst zu schützen. Die verantwortungsbewußten und denkenden Menschen leiden darunter (schon weil ihre persönliche Freiheit unnötigerweise eingeschränkt wird) und den Deppen ist ohnehin nicht zu helfen. Aber ausgemachte Dummheit (oder, schlimmer, Absicht, weil man ja Schadenersatz herausschinden kann) auch noch zu belohnen, das ist einfach haarsträubend. Zu einer freiheitlichen Gesellschaft gehört auch, freiwillig Dummheiten zu begehen. Nur ist jeder halt selbst verantwortlich dafür, und das muss auch so bleiben.

    @Frank: Ich bin ja wie Matthias ein Verfechter der EU – schon weil ich glaube, dass die Kleinstaaterei uns einfach heutzutage nicht mehr weiterbringt. Was mich immer wieder ärgert ist, dass die durchaus gute Arbeit der EU völlig unter den Tisch gekehrt wird, wenn es um EU-Berichterstattung geht. Die Medien warten nur auf nebsächliche Außreißer wie den Kinderwagen-Schmarrn oder die Normierung von Traktor-Sitzen, ohne im Ausgleich auch zu zeigen, wie viel uns die EU insgesamt bringt. Keine Frage: Der Kinderwagen-Quatsch muss öffentlich gemacht werden, um Verfehlungen aufzuzeigen, gar keine Frage. Aber sich bei der EU-Berichterstattung NUR auf solche Dinge zu konzentrieren, ist absolut verantwortungslos.

  3. Frank Blome Says:

    @Franz:

    Ich habe nichts gegen die EU. Weder als EWG, noch als Staatenverbund! Ganz im Gegenteil – als GF einer kleinen, international operierenden Softwareschmiede lebe ich sehr gut mit der Globalisierung. Ich glaube nur – und bekomme das aus erster Hand immer wieder bestätigt – dass das Thema Europa falsch „angepackt“ wird. Das beginnt schon mit der Auswahl der zuständigen Politiker und Mitarbeiter für Führungsaufgaben. Sehr oft ist das die zweite oder dritte Garde und in vielen Fällen sogar ein „Altersruhesitz mit Bezahlung als Belohnung“! Das darf nicht wahr sein!

    Was wir in der EU-Verwaltung viel mehr brauchen, sind Vollblut-Profis! In fast keinem Organ oder Referat sind echte Profis in der Leitung beschäftigt. Nur in der zweiten und dritten Ebene gibt einzelne herausragende Personen, die aber vor lauter Politik nicht voll zum Zuge kommen. Diese Informationen habe ich direkt aus Brüssel.

    Ich wünsche mir ein gut funktionierendes Europa. So lange es aber keine Leistungsentlohung in der Politik gibt, wird das von mir wohl nur ein Traum bleiben.

    P.S: Dein Blog gefällt mir sehr gut!

  4. Sabine Says:

    … und noch ein bisschen EU-Senf …

    Die liebe EU – ein Wasserkopf eben, der sich scließlich auch legitimieren muss. Habt doch ein bisschen Mitgefühl. Dort verdienen Menschen viel Geld, geben viel Geld aus. Da kann man nicht nur herumsitzen und das Däumchen drehen.
    Und IHR, ihr unmündigen dummen Eltern …EUCH will die EU einfach nur helfen. Ihr dürft froh sein, dass sie so viel zum Schutz eurer Sprößlinge unternimmt. lol

    Sie will übrigens allen helfen. Die EU – ein moderner Robin Hood …?

    Als die EU noch als EG firmierte sorgte diese auch schon gut für uns und für tolle Erörterungs-Themen in der Schulzeit…Stichwort: Butterberge und Milchseen. Na? Hab Dank Zeus und all den Rechtsnachfolgern, wir brauchen ein unite,unite und insieme im Euroland. Na soviel sollte man nicht mit dem Pfund wuchern ;D

    Herrlich, gut dass wir dich haben, du bist unser neues Evangelium, du BRUSSEl-Parlament und Volksvertretern. sabineschreier@gmx.de

  5. Tamar Says:

    Wir Schweizer sind ja nicht in der EU, was aber noch lange nicht heisst, dass man uns mehr Eigenverantwortung zutraut. Auch uns glaubt man nicht, dass wir selber darauf aufpassen können, dass unsere Kinder nicht in Lebensgefahr geraten. Aber dabei helfen, den Kinderwagen die Treppe hochschleppen, weil man damit nicht mehr auf die Rolltreppe darf, tut ja auch keiner…

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