Mode von Rudolph Moshammer

Ich weiß nicht, welcher Teufel mich geritten hat. Aber im Moment interessiere ich mich für die Mode von Rudolph Moshammer. Dieser PR-Mann in eigener Sache war Teil der Münchner Schickeria bis er 2005 umgebracht wurde. Der Mord an ihn und sein Privatleben füllten damals allerhand Seiten der Yellow Press und immer wieder verkaufen heute Holzmedien Überschriften mit seinem Namen.

Die BILD verkauft mit dem Namen Mooshammer in München immer noch gut.

Die BILD verkauft mit dem Namen Moshammer in München immer noch gut.

Als modeinteressierter Mensch, wollte ich mehr über die Arbeit des Modeschöpfers Rudolph Moshammer wissen. Zu seinen Lebzeiten war ich einmal zu Gast in den Verkaufsräumen an der Maximilianstraße 14 in München. Ich schaute mir damals die Krawatten an. Diese begannen preislich bei rund 100 Währungseinheiten. Sie waren der letzte modische Schrei in München. Moshammer war auch im Laden, warf einen kritischen Blick auf mich und widmete sich seiner finanziell deutlich potenteren Kundschaft.

An einem Wochenende habe ich mir zwei Bücher über das Phänomen Moshammer reingezogen, um mir über seine Modewelt zu erfahren. Leider wurde ich enttäuscht. Beide Bücher geben in Sachen Mode nur bedingt etwas her. Also eigentlich ein Fehlkauf in Sachen Mode.

Mooshammer2

Die schreckliche Biografie Rudolph Moshammer, Der einsame König ist ein ist grausam geschrieben, in einem reißerischen Stil und so ganz bin ich mir nicht sicher, ob alle Fakten stimmen. In diesem Buch geht es weniger um das Werk von Rudolf Moshammer, als vielmehr um seine sexuellen Ausschweifungen. Doch das interessierte mich nicht. Das sollte Privatsache sein. Ich muss als Autor nicht in unter dem Bett liegen und die Verführungskünste von Rudolph Moshammer wiedergeben. Autor des Schundbuches war Claudio Carra, ein Pseudonym. Über Mode war in diesem Buch nichts zu finden und es war ein kompletter Fehlkauf.

Beim zweiten Buch Mama und ich handelt es sich um eine Autobiografie des Modemachers. Der Moshammer war kein begnadeter Schreiber und sein Deutsch ist keine große Literatur. Im Grunde ist es Verklärung der Mutter. Wir erfahren etwas über das Leben aus der eigenen Perspektive. Das Buch ist von beiden Büchern aber das lesenswertere. Hier zeigt sich das Verkaufstalent von Rudolph Moshammer. Interessant ist die Episode, wie er den US-amerikanischen Schauspieler George Hamiliton (Dracula) und dessen Gattin eine Kollektion verkaufte. Kurzerhand baute er sein Heim zum Catwalk um, verzichtete aus Geldnöten auf teure Scheinwerfer und zelebrierte stattdessen die Modenschau bei Kerzenlicht.

In einem Kapitel öffnet sich Moshammer. Er schreibt über seine noble Kundschaft: “Wenn ein solcher Kunde mein Geschäft betritt und meine Beratung sucht, so ist es immer von einem besonderen Reiz, mizuerleben, wie dieser Mensch sich durch meine Garderobe innerlich und äußerlich verjüngt, wie er das Gefühl hat, verlorene Jahre nachzuholen und mit der Kleidung, die ich ihm auf die Seele zu schneidern versuche, ein neues, ungekanntes Lebensgefühl gewinnt.” Stilistisch grausam geschrieben, inhaltlich vollkommen richtig.

Auch erfahren wir von ungeheuren Neid der Kollegen. Die Modebranche ist ein extrem hartes Pflaster. Moshammer musste dies lernen. Als ja einmal seinem Ausbilder als Lehrling ein paar hervorragende Modenideen zeigte, reagierte dieser mit Ablehnung. Er witterte sofort die Konkurrenz, weil er das Talent des jungen Schneiders erkannte.

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