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Postwertzeichen von Loriot – genial

11. Januar 2011

Die Sache mit den Briefmarkenalben hat bei mir nie geklappt. Briefmarken sind für mich, wie Woody Allen es einmal ausdrückte, nichts anderes als bedrucktes Papier. Zwei Mal in meinem Leben bin extra zur Post, damals noch zur Bundespost marschiert, und habe bewusst nach Marken verlangt. Es handelte sich einmal um Sondermarken zu Elvis Presley, Jim Morrison und Buddy Holly und ein anderes Mal um Marken zum Deutschen Film mit Metropolis als Motiv.
Jetzt bin ich ein drittes Mal bewusst zu unserer Dorfpost gelaufen, die mittlerweile in einem Getränkemarkt gastiert. Grund: Es gibt seit 1. Januar vier Wohlfahrtsmarken meines Lieblingshumoristen Loriot: Es handel sich um die bekannten Motive: „Herren im Bad“, „Auf der Rennbahn“, „Der sprechende Hund“ und „Das Frühstücksei“.
Die Dialoge sind bekannt und in den allgemeinen Wortschatz meiner Generation übergegangen: „Wo laufen sie denn?“ oder „Nehmen Sie die Ente aus meiner Wanne!“ gehören heute zu jeder gepflegten Konversation. Herrlich.
Völlig absurd ist dagegen der sprechende Hund. Ich kann mich noch heute kugeln über die Szene. Und seit dem ich verheiratet bin, weiß ich, welche Kämpfe sich beim „Frühstücksei“ abspielen. „Irgendwann bring ich sie um!“
Also Leute, kauft die Wohlfahrtsmarken bei eurem örtlichen Briefmarkendealer. Parallel zu den Briefmarken mit dem Thema „Motive von Loriot“ aus der Serie „Für die Wohlfahrtspflege“ erscheint auch dieses Mal ein Markenset mit zehn selbstklebenden Postwertzeichen (geiles Wort) zu je 55 ct + 25 ct Zuschlag. Aus dem Verkaufserlös dieses Markensets fließen 2,50 € in soziale Projekte der Wohlfahrtsverbände: Vom Kindergarten und Jugendclub über die Betreuung alter, kranker und behinderter Menschen bis hin zu Hilfen für Opfer von Krieg und Naturkatastrophen.
Und immer daran denken: Mein Hund kann sprechen – Prust.

Teil 4: Die Restauration von Metropolis

24. April 2010
Einen gänzlich anderen Weg der Auseinandersetzung mit den Bildern von Metropolis schlug 1984 der Komponist Giorgio Moroder ein. Anstatt eine weitere historische oder kritische Perspektive zu eröffnen, interpretierte Moroder Fritz Langs Vision bewusst als 80-minütiges Bild- und Musikerlebnis. Er kombinierte Standfotos der verschollenen Szenen mit den überlieferten Szenen, so dass die Fehlstellen möglichst verschleiert wurden. Ganze Sequenzen ließ er entsprechend der jeweiligen Atmosphäre einfärben und unterlegte sie mit Synthesizermusik; Songs von Bonnie Tyler, Queen und Jon Anderson unterstreichen die Dramatik der Handlung.
Diese Form der zeitgenössischen Auseinandersetzung mit historischem Filmmaterial erschloss Fritz Langs Filmklassiker weltweit erstmals einem breiten und vor allem jungen Publikum. Von Archivaren und Historikern kritisch aufgefasst, gab diese Neumontage Film- und Kulturwissenschaftlern gleichzeitig Anlass, über Praktiken historischer Filmaneignung nachzudenken. Filmrestaurierung dokumentiert nicht nur den jeweiligen technischen Stand der fotochemischen oder digitalen Restaurierungstechnik, sondern anhand des Umgangs mit den Lücken der Überlieferung auch die Entwicklung einer Ethik der Restaurierung.

Teil 3: Die Restauration von Metropolis

25. März 2010
In Filmarchiven auf der ganzen Welt sind unter dem Titel Metropolis unterschiedlichste Materialien eingelagert. Es existieren einige Rollen 35-mm-Originalnegativ auf brennbarem Nitromaterial, des Weiteren Nitro-Dup-Negative und zeitgenössische Positive, außerdem zahlreiche Kopien auf Sicherheitsfilm –– alle in unterschiedlichstem technischen Zustand, gezeichnet vom Verlust der fotografischen Qualität durch vielmaliges Projizieren oder Duplizieren. Das überlieferte Material unterscheidet sich jedoch nicht allein im Grad der Abstammung oder in der Abnutzung von dem ursprünglich von der Ufa hergestellten.
Zur Entstehungszeit von Metropolis gab es noch keine hochwertigen Duplikatmaterialien. Deswegen wurden damals parallel mehrere Originalnegative hergestellt, um die große Anzahl von Kopien für den Verleih und den Export ziehen zu können. Diese Negative stammten aus mehreren Kameras, die man beim Drehen nebeneinander platzierte, oder sie wurden aus verschiedenen, im besten Fall schauspielerisch gleichwertigen, aber natürlich niemals ganz identischen Aufnahmen derselben Einstellung montiert. Die Arbeit der Filmarchive besteht also nicht allein darin, die überlieferten Materialien unter klimatisch optimalen Bedingungen zu konservieren und ihren Verfall möglichst aufzuhalten, sondern auch darin, die unterschiedlichen Versionen miteinander zu vergleichen und zu Schlüssen darüber zu kommen, welche von ihnen die „„richtige““ sein könnte.
Von zahlreichen Filmarchiven wurden Versuche initiiert, Metropolis in der Premierenfassung zu rekonstruieren. Nach ersten Bemühungen in Moskau fand ein wichtiger Schritt in Richtung auf eine vollständigere Fassung des Films zwischen 1969 und 1972 im Staatlichen Filmarchiv der DDR statt. Aus verschiedenen Materialien, die internationale Archive zur Verfügung stellten, entstand die so genannte FIAF-Fassung. Viele der im Material verborgenen Rätsel konnten damals jedoch noch nicht gelöst werden. Auch fotografisch war diese Fassung unbefriedigend, da statt des verfügbaren guten Paramount-Negativs für den amerikanischen Markt andere Bildquellen genutzt wurden. Dafür verantwortlich war vermutlich ein Brief des Regisseurs Fritz Lang selbst, in dem er 1971 die amerikanische Paramount-Version als „„gedankenlos und diktatorisch gekürzt““ bezeichnet, sich allerdings auch nicht daran erinnerte, dass sein Film ursprünglich einmal eine halbe Stunde länger gewesen war.
In den 1980er Jahren startete der Münchner Filmhistoriker Enno Patalas den für lange Zeit am weitesten gehenden Rekonstruktionsversuch, bei dem er inzwischen aufgefundene Quellen wie Zensurkarte, Drehbuch und Partitur aus dem Archiv der Deutschen Kinemathek nutzen konnte. Neu war, dass dank der wiedergefundenen Zensurkarte die Zwischentitel textgetreu wiedergegeben werden konnte. Drehbuch und Musik lieferten wertvolle Hinweise zur Szenenabfolge und auch zu den immer noch verbleibenden Fehlstellen. Diese wurden, sofern zum Verständnis der Handlung notwendig, durch Texttafeln ergänzt. Die so entstandene Fassung des Filmmuseum München zeigte den Film so zum ersten Mal in einer Annäherung an die Premierenfassung und wurde selbst zur Quelle für alle folgenden Bearbeitungen.

Teil 2: Die Restauration von Metropolis

15. März 2010
Wie kam es überhaupt dazu, dass Metropolis unlängst restauriert werden konnte? In Argentinien kam es zu einem spektakulären Fund einer vergessenen Kopie.
Der argentinische Filmverleiher Adolfo Z. Wilson sah Metropolis im Januar 1927 in Berlin und beschloss, den Film in Buenos Aires ins Kino zu bringen. Dort gab es zu dieser Zeit bereits etwa 200 Kinos und ein filmbegeistertes Publikum. Nach der kommerziellen Auswertung gelangte die Kopie in die Hände des privaten Filmsammlers Manuel Peña Rodríguez. Bis in die 1960er Jahre wurde sie in Filmclubs vorgeführt, aber niemandem fiel auf, dass diese Version besonders lang war und sich von den Kopien, die in Europa und den USA kursierten, unterschied. In den 1970er Jahren überließ der Sammler seine Filme dem Nationalen Filmfonds, 1992 ging das Material an das Museo del Cine Pablo C. Ducrós Hicken in Buenos Aires. Der Gedanke, dass diese Fassung des Films länger als die allgemein bekannte Version sein könnte, kam dem argentinischen Filmhistoriker Fernando Martín Pena zum ersten Mal Mitte der 1980er Jahre, als die von Giorgio Moroder mit Popmusik unterlegte Fassung von Metropolis weltweit in den Kinos zu sehen war. Peña hatte gehört, dass ein Kollege und Filmvorführer immer davon sprach, dass er beim Vorführen von Metropolis über zwei Stunden lang mit dem Finger auf den Filmstreifen im Projektor hatte drücken müssen, damit die abgenutzte Kopie möglichst ruhig lief. Wie sich herausstellte, besaß das Museum nicht mehr die in den 1920er Jahren aus Deutschland importierte 35-mm-Kopie; der Film war in der Zwischenzeit auf Sicherheitsfilm umkopiert worden, allerdings –– wohl aus Kostengründen –– in verkleinerter Form auf 16-mm-Dupnegativ. Damit wurden bei der Umkopierung sämtliche Fehler und Schrammen mitkopiert und das Ausgangsformat beschnitten. Nach mehreren Umzügen des Filmarchivs ergab sich 2008 endlich die Gelegenheit, Peñas Vermutung nachzugehen und die Rollen, die seit der Umkopierung nicht mehr benutzt worden waren, anzusehen.

Teil 1: Die Restauration von Metropolis

8. März 2010
Zur jüngsten Berlinale wurde der Filmklassiker Fritz Langs Metropolis wieder in seiner ursprünglichen Länge aufgeführt. Und dies eine Ewigkeit nach seiner Premiere: Am 10. Januar 1927 wurde Metropolis mit einer Länge von 4.189 Metern und etwa 153 Minuten Laufzeit im Berliner Ufa-Palast am Zoo uraufgeführt.
Die Suche nach den verschollenen Filmszenen und die Restauration ließt sich wie ein moderner Archälogie-Krimi. Zug um Zug werde ich in diesem Blog über die Suche und die Restauration eines meiner Lieblingsfilme berichten.
Die Premierenfassung von 1927 war jedoch nur sehr kurze Zeit in den Kinos zu sehen. Die amerikanische Verleihfirma Paramount hatte bereits im Dezember 1926, noch vor der deutschen Premiere, beschlossen, den monumentalen Film auf normale Kinolänge zu kürzen. Der Theaterautor Channing Pollock nahm einschneidende Veränderungen vor: Er gab den Protagonisten amerikanische Namen, schrieb die Zwischentitel um und montierte einige Szenen neu, um die Verständlichkeit der Handlung nach der Kürzung zu erhalten.
In Deutschland legte der Ufa-Vorstand drei Monate nach der Premiere ebenfalls fest, den Film nach dem amerikanischen Vorbild zu kürzen. Fortan wurden ausschließlich die gekürzten Fassungen vertrieben, und nur dem Umstand, dass der argentinische Verleiher Adolfo Z. Wilson den Film in der langen Premierenfassung gesehen und noch vor den Kürzungen erworben hatte, ist die Wiederentdeckung der circa verloren geglaubten 25 Minuten Film zu verdanken, die in allen anderen Fassungen fehlen.
Zahlreiche Filmhistoriker und Archivare haben sich insbesondere seit den 1970er Jahren mit Recherchen nach den verlorenen Szenen beschäftigt und Überlegungen zur originalgetreuen Rekonstruktion angestellt. Immer neue Erkenntnisse über die Produktionsgeschichte des Films, über Fritz Langs Arbeitsweise und Inszenierungsmethode hielten die Erinnerung an den Film wach und gaben Aufschluss über die Spannungen zwischen den kreativen und den wirtschaftlichen Intentionen der Autoren, Produzenten und Verleiher. Zudem wurden neue Sekundärquellen wie die Zensurkarte erschlossen, die eine genauere Rekonstruktion der Szenen- und Einstellungsfolge ermöglichten.

Blick über die Stadt

19. August 2008

Ich gestehe: Ich bin ein Retro-Fan. Dies wurde mir wieder bewusst, als ich das Dach meines Hotels in Los Angeles besuchte. Mein Hotel ist „the Standard“ in Downtown. Ein Kollege hat es für mich ausgewählt: DJ in der Lobby, Pool auf dem Dach, Party-Ort von Paris Hilton – alles in allem wohl genau das Richtige für mich. Nun gut, zumindest ein kostenloses WLAN gab es. Aber zurück zum Blick über die Stadt. Ich erblickte ein faszinierendes Lichtermeer. Das erinnere mich an zwei Filme: „Metropolis“ und „Die Klapperschlange“. Ich habe gelesen, dass Regierstar Fritz Lang die Idee zu Metropolis hatte, als er das erste Mal mit dem Schiff nach New York kam. Er war von den Lichtern der Stadt fasziniert. Jahre später erging es John Carpenter ähnlich. Ihm kam die Idee zu seinem Meisterwerk „die Klapperschlange“. Ich bin weder Lang noch Carpenter und dennoch drehte ich in LA ein paar Filme von der 3D-Messe Siggraph. Die Filme sind auf der Website meines Magazins DIGITAL PRODUCTION http://www.digitalproduction.com zu sehen. Zugegeben, Lang und Carpenter sind besser.