Posts Tagged ‘Medienkompetenz’

Hast du eine Affäre mit deinem Smartphone?

2. Oktober 2014
Dieser junge Mann hat sein iPhone immer am Mann.

Dieser junge Mann hat sein iPhone immer am Mann.

Wenn Fred Feuerstein ein Smartphone gehabt hätte, wäre er dann auch so ungeschützt im Internet unterwegs, wie wir heute? Vermutlich. Denn die Verhaltensmuster aus der Frühzeit unseres Gehirns, vor etwa 1,8 Millionen Jahren geprägt, beeinflussen nachhaltig unser Verhalten gegenüber modernen Geräten wie Computer, Smartphones und Tablets. Scheinbar irrationales Verhalten erscheint jedoch im Licht der Evolution ganz folgerichtig. Cyberpsychologen erforschen aktuell neue Formen der „Media Equation“ und IT-Sicherheitsexperten unterstützen Anwender beim einfachen Schutz ihrer Techniklieblinge – beispielsweise vor den 315.000 neuen Schadprogrammen, die täglich von Kaspersky Lab entdeckt werden.
Vor allem zum jüngsten digitalen Produkt entwickeln Konsumenten eine sehr starke emotionale Bindung. Der beste Freund des Amerikaners ist das Smartphone, so postuliert dies eine Studie der IDC von 2013. Das Smartphone befand sich immer in Griffweite der 7.446 befragten US-Amerikaner, von morgens bis abends. Etwa 80 Prozent der Befragten prüften ihr Smartphone alle 15 Minuten auf Meldungen. Das geht soweit, dass Anwender denken, das Telefon hätte geklingelt – obwohl dies nicht der Fall war. Ich kann dies bestätigen. Wenn ich mein Samrtphone vergesse, dann fühle ich mich irgendwie nackt, mir fehlt mein täglicher Begleiter.
Das Institut Aris hat für den Branchenverband Bitkom den Effekt des Phantomklingelns festgestellt. Dazu wurden Anwender im Jahr 2011 und 2013 zum Phantomklingeln befragt. Innerhalb der zwei Jahre stieg der Anteil der Nutzer, die vermeintlich ihr Telefon klingeln hörten, von 25 auf 39 Prozent. Hinter allem steckt die Erkenntnis, dass das Smartphone den eigenen sozialen Raum erweitert, zu Freunden und Bekannten, die nicht physisch in der Nähe sind. Entsprechend nervös wurden die deutschen Anwender, wenn sie keine Signale vom Smartphone erhielten: 29 Prozent fanden es merkwürdig, wenn einmal einen Tag lang keine Anrufe oder SMS kamen. Ok, das passiert mir nicht. Ich bin froh, wenn das Ding ruhig ist und wenn ich arbeite, dann gibt es ja die Einstellung am iPhone, dass nur bestimmte Anrufe durchkommen. Auch so eine Einstellung gehört zur Medienkompetenz. Ich muss nicht immer für jeden erreichbar sein.

Der Mann, der seinen Laptop belog
Mit dem PC hat der Mensch bereits eine längere Affäre zwischen Liebe und Hass. Welcher Anwender hat nicht schon seinen Computer verflucht und womöglich die Tastatur mit Fäusten bearbeitet, als das Gerät die Mühen von stundenlanger Arbeit mit einem Absturz im digitalen Nirvana verschwinden ließ? Aber das ist nur eine Seite der Medaille. Viele Leute geben ihren Rechner Namen. Eine Zeitlang habe ich mein Netzwerk bei mir im Büro nach den Gefährten aus Herr der Ringe benannt. Wobei der Server seltsamerweise Mordor hieß. Dann hatten die Geräte Namen wie Pac Man. Die Time Machine heißt übrigens Gorleben, ich denke, der Name sagt viel aus.
„Wir Forscher nennen das Media Equation“, erklärt dazu Frank Schwab, Professor für Medienpsychologie an der Universität Würzburg. „Sobald etwas – wie ein Computer – mit einem Menschen scheinbar interagiert, laufen in unserem Hirn uralte Programme ab. Nahezu instinktiv behandeln wir das Gegenüber wie ein absichtlich handelndes Wesen, obwohl das – objektiv betrachtet – keinen Sinn macht. Diese Gleichsetzung zwischen einem medialen Objekt und dem wirklichen Leben nennen wir deshalb Media Equation“. Deshalb kann man Computer hassen, obwohl jeder sich ebenso darüber im Klaren ist, dass es sich nur um eine Maschine handelt. Naja, was passiert, wenn ich mit Siri spreche. Ich nenne meine Siri insgeheim HAL, damit sie es nicht mitbekommt, wenn ich von ihr spreche. Und nein, ich bin nicht verrückt.
„Das Gerät muss nicht einmal besonders cool sein, damit dieser Effekt eintritt. Erste Forschungen wurden mit PCs Anfang der Achtziger Jahre im vergangenen Jahrhundert durchgeführt“, führt Schwab weiter aus. „Interessant daran ist, dass wir den Effekt kaum kontrollieren können. Besonders Menschen, die im Umgang mit Computern sehr kompetent sind, neigen zu Media Equation.“
Wenn ein Computer uns für ein Testergebnis lobt, dann hebt das unser Selbstwertgefühl und unseren Leistungswillen. Überdies wollen wir mit diesem Computer gerne weiter arbeiten und denken, dass er besonders gut ist. Auch, wenn wir vom selben Computer nach seiner Leistung befragt werden, bewerten wir ihn positiver, als wenn wir die Beurteilung an einem anderen Gerät abgeben. Und natürlich nehmen wir den Computer als Mann oder als Frau wahr – besonders, wenn er oder sie mit der entsprechenden Stimme zu uns spricht.

Streaming: Musik direkt auf die Ohren

29. Juli 2014

Ich bin ein-, zweimal pro Woche an bayerischen Schulen aller Schularten unterwegs und darf Vorträge zum Thema Medienkompetenz vor Schülern, Lehrern und Eltern halten. Zu Beginn frage ich in der Regel nach der Verbreitung von Handys und Smartphones sowie dem Nutzungsverhalten. Und siehe da, Smartphones sind bei der Schülergruppe absolut führend. Es gibt kaum noch klassische Mobiltelefone und kaum ein Schüler ab der fünften Klasse besitzt kein Mobiltelefon.
Und ich komme auch auf die Nutzung von Musik zu sprechen. Es freut mich, dass es bei den Schülern noch ein paar Verfechter des klassischen Vinyls gibt. Zumeist sind dies Schüler, die entweder die Schallplattensammlung von den Eltern samt Schallplattenspieler geerbt haben, oder die jungen Menschen sind finanziell potent, um sich dieses Hobby leisten zu können.

spotify
In der Regel wird Musik heute aber digital konsumiert. Und dabei fällt mir bei meinen Vorträgen weiter auf, dass die CDs auf absteigendem Ast sind. Downloadportale wie Amazon und iTunes sind führend, wenn Musik legal gekauft wird. Und es kommen mehr und mehr Streaming-Dienste bei den Jugendlichen an. Sie treffen ihren Geschmack. Der Typus Jäger und Sammler (wie ich ganz klar einer bin), wird weniger. Ich will Musik besitzen, doch damit gehöre ich zu einem Auslaufmodell in der Medienwelt.
Musik wird nicht mehr besessen, sondern gemietet. Und dieses Mieten von Inhalten lässt sich überall feststellen. Es beginnt bei Cloud-Software (Software as a Service SaaS) wie Adobe oder Microsoft. Die Online-Videotheken mit ihren Streaming-Angeboten sind an der Tagesordnung: Die Mediatheken der TV-Sender, Amazon Instant Video, iTunes, Watchever und ab Herbst Netfix verdrängen klassische Datenträger. Amazon setzt in den USA zudem auf eine Bücherflatrate.
Und bei uns in Deutschland sind inzwischen die Musikflatrates voll angekommen und gewinnen Marktanteil um Marktanteil. Bei den Schülern oft nicht mehr via Rechner, sondern via Smartphone. Seit rund zwei Jahren bietet die Deutsche Telekom als einziger Mobilfunk-Provider in Deutschland eine Kooperation mit dem Musikstreamingdienst Spotify an. Was die Jugendlichen besonders freuen wird, wenn sie den Dienst mit ihrem Smartphone nutzen: Die Telekom will künftig das gesamte durch Spotify anfallende Datenvolumen auf null setzen. Das bedeutet, die Datennutzung durch Spotify wird nicht auf das Datenvolumen des Smartphone-Nutzers angerechnet.

Jimmy Iovine (l), Tim Cook (m) und Andre Romelle Young, auch bekannt als Dr. Dre (r). Foto: Apple

Jimmy Iovine (l), Tim Cook (m) und Andre Romelle Young, auch bekannt als Dr. Dre (r). Foto: Apple

Wie wichtig diese Dienste sind, zeigt ein 3-Milliarden-US-Dollar-Kauf von Apple. Cupertino reagierte auf den Trend und kaufte mit Beat nicht nur einen Kopfhörerhersteller, sondern auch ein Streaming-Portal für Musik. Streaming ist im Moment die Zukunft. Einen idealen Überblick über die verschiedenen Anbieter wie Spotify und Co gibt diese Webseite.
Streaming ist natürlich abhängig von der Gegend, in der man wohnt. Im ländlichen Raum ohne schnelles oder ausreichendes Internet ist die Streaming-Nutzung nur theoretisch möglich. Es macht ohne vernünftige Anbindung einfach keinen Spaß. Aber sobald ausreichende Bandbreite verfügbar ist, fahren die Jugendlichen voll auf die Streamingdienste ab. Die Dienste setzen derzeit noch auf Masse, dann und wann fehlt die musikalische Qualität. Und auch an der audiophilen Qualität lässt sich noch einiges verbessern. Hier wird sicher der Pono-Player von Neil Young und seine Musikplattform Pono Music Ende des Jahres noch mehr Druck ausüben. Aber wir stehen vor interessanten Zeiten.

Persönlicher Nachruf James Garner – wie Detektiv Rockford mir den Anrufbeantworter brachte

20. Juli 2014

Woher rührt meine Technikbegeisterung? Es gibt sicherlich viele Einflüsse und ein Einfluss ist heute im Alter von 86 Jahren verstorben: James Garner.


Als Kind war er für mich Detektiv Rockford. Wenn meine Eltern die Serie sahen, durfte ich ab und zu mitschauen und mich interessierte vor allem der Serienvorspann. Da gab es einen Anrufbeantworter zu sehen. Für mich damals absolute Science Fiction. So etwas gab es in meiner Welt damals nicht. Damals war ich entweder zu Hause, wenn das Telefon klingelte oder eben nicht. Wenn der Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung nicht da war, dann rief ich eben später wieder an. Oder die Information war nicht wichtig und ich rief gar nicht mehr an.
Ich bin noch in der Tradition aufgewachsen, die mir meine Eltern beigebracht haben: Bei Todesstrafe ruft man niemanden zu den heute Nachrichten, zur Tagesschau, zur Sportschau oder während eines Fußball-Länderspiels an. Ja, so wurde ich damals erzogen.
Und mit dem Vorspann von Detektiv Rockford war auf einmal alles vorbei. Der Anrufbeantworter wäre eine unglaubliche Bereicherung für mein Leben als Jugendlicher. Doch meine Eltern waren dagegen. Sie hatten ein grauen Wählscheibentelefon und später ein moosgrünes Tastentelefon, weil es dort eine Wahlwiederholtaste für Anrufe in die DDR gab. Einen Anrufbeantworter – so etwas brauchten wir nach Meinung meiner Eltern nicht und zudem kostet das Teil richtig viel Geld. Ob die Deutsche Bundespost überhaupt Anrufbeantworter vermietete, weiß ich gar nicht.
Ich musste jahrelang warten bis ich mir meinen eigenen Anrufbeantworter leisten konnte. Es war einer mit Fernabfrage. Man hielt ein batteriebetriebenes Kästchen an den Hörer, das Töne von sich gab und konnte so einen AB (so hie0 der Anrufbeantworter bei uns coolen Jungs) von unterwegs abfragen. Ob der Infowert der Nachricht hoch war, sei dahingestellt. Viele Leute trauten sich nicht aufs Band (so hieß es damals) zu sprechen. Und dann hasste ich die Leute, die Sprüche wie so etwas hinterließen: „Hallo hier ist Thomas, ruf doch zurück, es ist wichtig!“ Die habe ich garantiert nicht zurückgerufen, denn wenn es wichtig gewesen wäre, hätten sie es ja aufs Band sprechen können. Umgang mit dem AB war eine frühe Vermittlung von Medienkompetenz – das, was ich heute in meinen Vorträgen so mache.
Detektiv Rockford hatte nur einen coolen Spruch auf seine Ansage. Es gab aber Leute, die hatten so Promi- oder Spaßansagen. Auf die bin ich dann und wann auch reingefallen. Bis heute habe ich mich solchen Spaßansagen verweigert. Ich bleib lieber so nüchtern wie Detektiv Rockford alias James Garner. Danke lieber James Garner, dass du mir den AB ins Haus geholt hast.

Fiese Phishing-Mails nehmen zu – drei Beispiele

29. Mai 2014

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht eine Phishing-Mail bei einem meiner Mailaccounts eintrifft. Ich hebe sie af und verwende sie in meinem Seminaren zum Thema Medienkompetenz. Zudem schreibe ich für einen Blog, der sich um IT-Sicherheit dreht, auf den ich gerne hinweisen möchte.

Alle Mails wollen meine Daten und damit mein Geld. Phishing-Mails waren in der Anfangsphase nur Mails wie beispielsweise von der Nigeria-Connection oder Liberia-Connection. Hier hat irgendein fiktiver Sohn/Neffe/Enkel (wahlweise einsetzen) etliche Millionen von einem afrikanischen Staat gebunkert und will mir von der Kohle etwas abgeben. Diese Mails waren einfach zu erkennen und kamen im Grunde gar nicht mehr durch meinen Spam-Filter.

Die nächst geschicktere Variante waren dann Mail, die im HTML-Format geschickt wurden und sich als Bank, Finanzamt, Zahlungsdienstleister getarnt hatten. Diese erkannte man in der Regel an massiven Rechtschreibfehlern. Also gleich ab in die Tonne.

In der vergangenen Woche erhielt ich Mails von Anbietern, die schon deutlich schwieriger als Phishing-Mails zu identifizieren waren. Sie kamen vermeindlich von Amazon, Voadafone und der Telekom. Kamen die freilich nicht, aber sie sahen auf dem ersten Blick täuschend echt aus. Voadafone war auf dem zweiten Blick als Fake erkennbar, zumal ich keinen Voadafone-Vertrag habe.

Isch habe doch gar keinen Vertrag bei denen ...

Isch habe doch gar keinen Vertrag bei denen …

Die vermeindliche Telekom-Mail sieht schon authentischer aus. Hier soll ich Zahlungsrückstände beim Magenta-Riesen haben. Wer es glaubt, wer es glaubt.

Nicht schlecht gemacht, diese Phishing Mail.

Nicht schlecht gemacht, diese Phishing Mail.

Bei Amazon war es schon schwieriger. Ich stutze kurz, als ich diese Mail bekam. Aber Google brachte schnell die Antwort. Diese Mail von Amazon Sicherheit kam nicht nur bei mir, sondern bei zig Hundert anderen Usern an. Das Deutsch in der Mail ist schrecklich, Rechtschreibfehler sind weiterhin vorhanden, aber ich muss trotzdem sagen: Junge. Junge, geschickt gemacht.

Da musste ich schon zweimal hinschauen.

Da musste ich schon zweimal hinschauen.

Fährt man mit dem Mauszeiger über den Link, wird eine gekürzte URL angezeigt. Klickt man auf den Link, gelangt man auf eine Seite, die von der echten Anmelde-Seite von Amazon kaum zu unterscheiden ist. Gibt man da seine Login-Daten ein, wird das Passwort von Betrügern abgefangen. Danach werden die Zahlungsoptionen wie die Kreditkarten-Nummer abgefangen. Bei den anderen Links auf der Fake-Anmeldeseite wie „Mein Konto“, „Hilfe“, „AGB“ usw wird nur eine Fehlermeldung ausgegeben. Interessant, die Bochumer-Adresse in der Bestellinformation scheint es wirklich zu geben. Ich habe sie in meinem Screenshoot unkenntlich gemacht.

Diese Art von Phishing-Mails nehmen verstärkt zu. Es ist Teil der Medienkompetenz jedes einzelnen Web-Users diese Mails zu erkennen. In Familien, Firmen, Schule und Vereine sollten diese Art von Mails immer wieder thematisiert werden. Ich mache es oft in meinen Seminaren und weise meine Teilnehmer immer wieder auf die Gefahren hin. Das schärft die Sinne und ein gesundes Misstrauen ist auch nicht schlecht.

 

Mein TV-Auftritt zu Medienkompetenz bei doschauher.tv

20. März 2014

Schon vor ein paar Wochen hatte ich die Gelegenheit im Fernsehen aufzutreten. Es war bei Doschauher TV. Dies ist ein erfolgreicher Studentensender der Hochschule Deggendorf (THD) in Niederbayern und wer Doschauher richtig ausspricht, der versteht auch den Wortwitz. Die Sendungen sind live im hauseigenen Studio oder aber im Internet per Livestream zu sehen. Die Aufzeichnungen gibt es dann natürlich bei YouTube.

In Studio durfte ich mich den Fragen des Moderatorenteams Inka und Kevin stellen.

In Studio durfte ich mich den Fragen des Moderatorenteams Inka und Kevin stellen.

Die vortreffliche Studentin Rebecca Hoffmann hatte mich auf einem meiner Vorträge über Medienkompetenz gesehen und bat mich um einen Auftritt im Studio.  Ja, da hab ich doch gleich zugesagt und bin nach Deggendorf angereist.

Rebecca Hoffmann hat mich eingeladen.

Rebecca Hoffmann hat mich eingeladen.

Hochprofessionell wurde die ganze Sache organisiert, von der Kontaktaufnahme, über die Betreuung und die Sendeabwicklung. Ich darf ja ab und zu mit dem Thema Medienkompetenz vor der Kamera stehen, aber dieses Mal hat es mir besonders viel Spaß gemacht. Schließlich ist Doschauher TV Deutschlands einzige studentische Livesendung. Und sie hat Power. Hier die komplette Folge:

Und hier nur mein Auftritt:

Der ganze Ablauf zeigte mir, wie hoch professionell und praxisnah die Studenten ausgebildet werden. Und der Erfolg gibt der ganzen Idee von Prof. Ernst Jürgens recht. Chapeat Herr Professor – eine super Truppe haben Sie da herangezogen. Doschauher.tv ist der erste und bis dato einzige Internetfernsehsender, den eine Hochschule produziert und regelmäßig live im Internet sendet. Dabei werden alle Funktionen vor und hinter der Kamera, in Redaktion und Technik von Studenten des Studiengangs Medientechnik der Hochschule Deggendorf übernommen. Und mein Eindruck war, die Studenten hatten es im Griff, auch wenn ich mal mit Sonderwünschen daherkam.

Pano

Das Konzept der Hochschule geht voll auf. In zwei Semestern wird den Studenten anschaulich im Fach Film-Video-Design gezeigt, wie Film und Fernsehen gemacht wird. Das alles findet im vierten und fünften Semester bei doschauher.tv statt. Das Sendekonzept ist durchdacht. Zwei Moderatoren, Studio-Talkgäste und eine Live-Band. Als Band war in meiner Sendung die Flashbeat. Dazu Außenschaltungen via Google Hangout ins nahe Deggendorf – wenn das LTE Funknetz mitmacht.

Bei der Sendung mit mir steuerte ich wohl den seriösen Part bei. Die beiden Moderatoren befragten mich im Umgang mit Facebook und Co. Ich war etwas gemein, denn ich wollte prüfen, ob mich die Moderatoren Inka und Kevin in meinem Redefluss bremsen würden. Taten sie nicht, also nutze ich die Chance und redete, redete und redete. Ok, ich entschuldige mich an dieser Stelle für mein Verhalten. Aber auch Moderatorentraining gehört dazu und dem Labersack von einem Gast das Wort abzudrehen.

Das Online TV Projekt steht unter der Leitung von Prof. Ernst Jürgens, der die “Redaktionsgruppe” konzeptionell-redaktionell betreut. Die “Technikgruppe” von doschauher.tv wird von M.Eng. Dipl.-Ing.(FH) Oliver Bauer wissenschaftlich-technisch betreut. Durch das Konzept “doschauher.tv” bekommen die Medientechnikstudenten einen praktischen Eindruck und können ihr Wissen aus allen Teilbereichen ihres Studiums anwenden.

Dramaturgisch und technisch war die Truppe hervorragend vorbereitet. Ein Einheizer pushte das zumeist studentische Publikum vor der Sendung auf. Ich durfte die Show auf einem Sofa vor der Bühne beobachten und wurde dann auf die Bühne geholt. Da wirkte ich ein wenig wie ein Fremdkörper: mit meinem Outfit Fliege, Einstecktuch und Sakko sowie bunte Schuhe sah mich der klassische Student etwas misstrauisch an. Aber ich baute Vertrauen auf und fühlte mich richtig wohl.

Foto 1

Doschauher.tv ist inhaltlich eine unterhaltsame, unberechenbare und überraschende Webshow mit dem Schwerpunktthema “Medien”. Durch die Sendung führt ein, von Semester zu Semester wechselndes, Moderatoren-Paar. Sie unterhalten sich mit den Studiogästen, die aus den verschiedensten Bereichen stammen, interviewen die Liveband und kündigen die Einspieler (Kurzreportagen, humorvolle Clips, Parodien, journalistische Beiträge) an. Als Highlights waren die Woidboyz zu Gast. Diese Herrschaften entstammten der Hochschule und sind mittlerweile echte TV-Stars und sie sind wunderbar köstlich.

Medienkompetenz: Sprachforscher wollen Wahrheitsgehalt von Infos im Netz sichtbar machen

13. Februar 2014
Wahr oder falsch? Brennt das London eye?

Wahr oder falsch? Brennt das London eye?

Ist eine Information im Internet vertrauenswürdig? Im Moment verbringe ich einen Teil meiner Schulung mit Medienkompetenz. Zur Vorbereitung von Referaten u.a. wird in der Regel auf Wikipedia und Co gegangen und kopiert. Doch ist die Info überhaupt wahr und kann ich mich auf dem Informationsgehalt verlassen?

Damit diese Frage künftig beantwortet werden kann, arbeitet der Saarbrücker Sprachtechnologe Thierry Declerck seit Anfang des Jahres im Rahmen des Projekts „Pheme“ mit Wissenschaftlern verschiedener Fachdisziplinen aus England, Österreich, der Schweiz, Bulgarien, Spanien und Kenia zusammen. Ziel der Forscher ist es, ein automatisches Analyseverfahren zu entwickeln, das dem Internetnutzer schnell und verlässlich mitteilt, ob er einer gefundenen Information trauen kann oder eher nicht. Die Ergebnisse werden in zwei Fallstudien getestet, Testgebiete sind Medizinische Informationssysteme und digitaler Journalismus. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt, hat ein Gesamtvolumen von rund 4,3 Millionen Euro und wird von der EU mit rund drei Millionen Euro gefördert. Ich finde diese Forschung super interessant.

Der Saarbrücker Sprachtechnologe Thierry Declerck

Der Saarbrücker Sprachtechnologe Thierry Declerck

„Das Wahrzeichen Londons, das London Eye, brennt.“ Ein Satz wie dieser verbreitet sich über Facebook, Twitter und Co. explosionsartig. Aber stimmt er auch? Die Folgen solcher Falschmeldungen sind unberechenbar – je nach Brisanz des Inhalts ist von Gewaltexzessen bis hin zum Einbruch von Aktienmärkten alles möglich. Die Frage der Vertrauenswürdigkeit von Informationen im Netz stellt sich daher immer dringlicher. Auch jeder, der schon nach Krankheitssymptomen gesucht hat, kennt das Problem. Aber wie misst man den Wahrheitsgehalt von Online-Informationen? Und das schnell genug? Gemeinsam mit seinen internationalen Forschungspartnern will der Sprachtechnologe Thierry Declerck hierfür Antworten finden. Die Wissenschaftler arbeiten an einer robusten Methode, die jeweils zuverlässig angibt, wie vertrauenswürdig eine Information ist. „Wir konzentrieren uns dabei auf vier Arten problematischer Informationen: die Spekulation, die kontroverse Diskussion, die Fehlinformation und die gezielte Verbreitung falscher oder irreführender Tatsachen“, erklärt er.

Für mich klingt das alles nach Science Fiction, aber wir sind wohl nicht weit von einer Lösung entfernt. Eine der größten Herausforderungen hierbei ist die Datenflut. „Mehrere tausend Textnachrichten werden jede Sekunde neu eingestellt. Daher wenden wir Methoden an, um große Datenmengen zu verarbeiten, so genannte Big Data-Analysen“, sagt Declerck, der in der Computerlinguistik der Saar-Universität am Lehrstuhl von Professor Hans Uszkoreit und am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz forscht. „Wir verbinden statistische Methoden mit präzisen sprachwissenschaftlichen Analysen. Die Lösung liegt in der Kombination der verschiedenen Verfahren. Im Projekt arbeiten hierzu Wissenschaftler unterschiedlicher Ausrichtung zusammen“, erläutert er. Computerlinguistische Sprachanalysen werden verknüpft mit Informationen aus sozialen Netzwerken, Inhalte werden mit zuverlässigen Datenbanken abgeglichen, statistisch geprüft und mittels Grafiken ausgewertet. Die Aussage wird gleichsam durch verschiedenste Filter geschickt; am Ende steht eine bestimmte Wahrscheinlichkeit, die für oder gegen die Wahrheit spricht.

Declercks Aufgabe im Projekt ist die Sprachtechnologie. Er baut dabei auf Vorarbeiten im EU-Projekt „TrendMiner“ auf: „Wir haben Methoden entwickelt, die es möglich machen, aus der Datenflut Themen und Trends herauszufischen, die im Internet aktuell diskutiert werden. So lassen sich etwa Stimmungen erkennen.“ Mit Hilfe eines komplexen Systems aus Sprachverarbeitungs-Modulen will der Forscher jetzt die Informationen weiter auswerten, sie von ihrer Bedeutung und von Besonderheiten im Satzbau her erfassen. „Zum Beispiel wollen wir Satzstrukturen, die Zweifel am Wahrheitsgehalt einer Aussage ausdrücken, sowie bestimmte Schlüsselwörter wie ´scheinbar` oder ´nicht` automatisch erkennen“, sagt Declerck. Im Ausgangsbeispiel mit dem London Eye würde das System die Häufung von Zweifel wie „Stahl brennt doch gar nicht“ oder „Ich bin am London Eye, hier brennt nichts“ in seine Wahrheits-Analyse einbeziehen. Hierzu entwickelt Declerck derzeit mathematische Algorithmen: In Zahlen übersetzt, lassen sich Muster und Strukturen erkennen – die Informationen werden berechenbar.

Besonderer Knackpunkt für die Forscher wird die Unbeständigkeit der Wahrheit in unserer realen Welt sein. Was heute wahr ist, kann morgen schon falsch sein: „Der Faktor Zeit spielt eine große Rolle. Zum Beispiel ist eine Aussage der Form ´X ist Präsident des Landes Y` nur so lange wahr, wie der genannte Präsident auch tatsächlich amtiert. Unser System muss sich also ständig anpassen können“, erklärt er. Daher verknüpft er die zu überprüfenden Informationen mit den entsprechenden Daten in zuverlässigen Quellen, z.B. Online-Nachschlagewerken wie DBpedia. „Hinter den Texten solcher Datenbanken liegen verschlüsselte, maschinenlesbare Informationen. Wir nutzen diese derzeit sozusagen als Spielwiese, um Gesetzmäßigkeiten zu finden und neue leistungsfähige Algorithmen zu entwickeln“, sagt der Sprachtechnologe.

Die EU fördert das Projekt „Pheme“ als „Specific Targeted Research Project (STREP)“. Partner im Projekt sind in England die University of Sheffield (Koordinator), das Kings College London, sowie die University of Warwick, in Österreich die Modul Universität Wien, in der Schweiz swissinfo.ch, in Bulgarien Ontotext, in Spanien ATOS Spain SAU, in Kenia Ushahidi und in Deutschland die Universität des Saarlandes.

#socialbeergame zeigt fehlende Medienkompetenz – ich sauf mich durch die Timeline

5. Februar 2014
Bier her, Bier her oder ich fall um. Am besten gleich mehrere Kästen für meine Timeline.

Bier her, Bier her oder ich fall um. Am besten gleich mehrere Kästen für meine Timeline.

Mit Verwunderung und Begeisterung durchsuche ich derzeit meine Facebook Timeline nach seltsamem Verhalten der menschlichen Spezies. Es geht um die derzeitige Bier-Challenge, die im Netz stattfindet, auch #socialbeergame genannt.

Leute dürfen ein Glas Bier auf ex austrinken und weitere drei Freunde benennen, die dann ebenso verfahren müssen. Also eine Art Kettenbrief der Bierindustrie. Wer nicht trinkt, der muss einen Kasten Bier spendieren. Im Moment ist ein großes Besäufnis in meiner Timeline. Der Trend kommt aus Australien oder England und wurde vor zwei Jahren gestartet. Nun schwappt das Biersaufen auch in meine Timeline. Ex und hopp und ich als Spaßbremse mitten drin.

Warum Verwunderung?

Im Grunde kann es mir egal sein, was die Leute da so treiben. Aber dennoch frage ich mich, ob die Leute wissen, was sie da tun? Facebook ist ein öffentliches Massenmedium. Wenn ich etwas ins Netz poste, dann veröffentliche ich es in einem Massenmedium und nicht im privaten Kreis. Wie blöd muss man denn sein? Medienkompetenz ist gleich null vorhanden und ich bin echt entsetzt. Das Netz vergisst nichts.

Auch als Arbeitgeber würde ich mir diese Herrschaften mal zur Brust nehmen, denn viele der Suffköppe haben ihren Arbeitgeber in ihrem Facebook-Profil angegeben. Die Suche mit dem Social Graph bringt die Trinker der Firma zu Tage. Welches wunderbare Bild geben die Herrschaften ab und welche wunderbaren Rückschlüsse lassen sich auf den Arbeitgeber ziehen? Ich frage mich, muss ich denn wirklich jeden Müll im Netz mitmachen?

Ohne Namen zu nennen, gebe ich ein paar Beispiele: Da hätten wir beispielsweise eine Lehrerin, die ihr Weißbier runterkippt. Sie sagt auch noch, dass sie ja immer ein Bier im Hause hat. Klar, Bier ist in Bayern ein Grundnahrungsmittel, aber muss ich es denn so genau wissen. Diese Dame hat eine Vorbildfunktion und unterrichtet Kinder. Über die Qualifikation in Mathe oder Deutsch kann ich nichts sagen, für die Qualifikation in Medienkompetenz gebe ich eine glatte 6. Setzen, durchgefallen. Zudem ist die Dame politisch tätig und disqualifiziert sich meiner Meinung nach für öffentliche Aufgaben.

Dann habe ich einen besoffenen Jugendlichen in meiner Timeline, der in einem Kernkraftwerk arbeitet. Was er dort genau tut, weiß ich nicht. Aber es macht mich nervös, wenn solche Leute in einem grundsätzlich sensiblen Bereich arbeiten und Selfi-Videos im rotzbesoffenen Zustand von sich drehen. Dieser Herr hat zudem keinerlei Privatsphäreeinstellungen in seinem Facebook-Profil aktiviert, so dass jedermann seine Sauftiraden bewundern kann. Als Arbeitgeber würde ich mir da eine geeignete Antwort für ihn überlegen.

Saufen im Radio - oder haben Medien eine Verantwortung?

Saufen im Radio – oder haben Medien eine Verantwortung?

Oder der Radiosender Star FM Nürnberg aus Franken. Der Moderator kippt ein kühles Blondes und wird dabei gefilmt. Klar, die Quote muss stimmen und scheinbar finden es besoffene Hörer auch cool. Das schließe ich zumindest aus einigen Kommentaren unter den Posts. All die Diskussionen, die wir über die Verantwortung der Medien geführt haben, werden mit einem Schluck heruntergespült. Im Falle Radio trifft das alte Massenmedium ein neues Massenmedium und die Verbreitung ist garantiert.

Warum Begeisterung?

Ich bin begeistert, denn ich sammle viele dieser Videos für meine Vorträge über Medienkompetenz. Das sichert mir meinen Arbeitsplatz. So geht mir meine Vortragsarbeit nie aus. Es gibt derzeit genügend Beispiele, dass im Bereich Medienkompetenz noch enorm viel zu tun ist.

Allerdings muss ich auch lachen. Es gibt einige Nominierte, die beim ‪#‎socialbeergame‬ mit guten Ideen antworten. Ein Kollege ist ans Bett im Krankenhaus gefesselt, hat die zweite Kochsalzlösung intus. Ein anderer trinkt kein Bier, sondern stopft sich Salzstangen in den Mund und konterkariert den Trend im Netz. Andere wiederum fressen (sorry) Schoki

Videotagebücher – soll ich oder nicht?

2. Januar 2014

Seit Jahren bin ich von Videofilmen fasziniert. Ich begann mit Super 8, drehte auf 16 mm wechselte zu Video, investierte in Tape-Kameras und nunmehr in digitale Kameras. Im Moment experimentiere ich gerade mit Videos am iPhone.

Der Grund: Mein iPhone 5s ist mein ständiger Begleiter. Ich habe das Device immer dabei. Ich fühle mich regelrecht nackt, wenn ich es einmal zu Hause vergessen habe. Um es etwas hochtrabend zu sagen: Ich habe damit meine Videokamera in der Hosentasche. Aber es geht noch weiter. Mit dem iPhone habe ich auch mein Schnittstudio und mein komplettes Post Production-Studio in der Hosentasche. Natürlich arbeite ich für Auftragsprojekte oder große Projekte am Rechner und freue mich auch darauf auf den neuen Mac Pro. Aber für Video für unterwegs, reicht das iPhone mit seiner HD Auflösung auf jeden Fall aus. Das ist nichts weiter als eine Revolution und die Hersteller von Camcorder und Kompaktkameras spüren mit Sicherheit die Konkurrenz durch Smartphones.

Scheinbar hat der Zielgruppe meine Vorträge gefallen.

Scheinbar hat der Zielgruppe meine Vorträge gefallen.

Doch was fange ich mit dem mächtgen Werkzeug jetzt an? Ich habe beispielweise begonnen eine Art Videotagebuch zu erstellen. Bei ausgewählten Ereignissen versuche ich einen kleinen Film über meine Eindrücke und Erlebnisse zu drehen. Es waren bisher Filme über meine Vorträge zum Thema Medienkompetenz. Natürlich sind es keine klassischen Reportagen, sondern die Filme vermitteln vielmehr private Eindrücke. Eben Selfies mit Bewegtbild. Vielleicht entwickle ich sich diese Darstellungsform für mich persönlich weiter. Im Moment ist die Sache im klassischen Experimentierstadium. Ich drehe einzelne Videoclips, schneide sie am iPhone zusammen und spiele den Tagebucheintrag sobald ich WLAN habe zu YouTube in meinem Kanal hoch.

Hier ein Video über einen Vortrag am Walter Gropius Gymnasium in Selb. Dort lud mich ein P-Seminar zu einem Vortrag ein.

Dieses Videotagebuch beschreibt ein dreitägiges Schülerzeitungsseminar in Franken. Der Mitarbeiter des Ministerialbeauftragten für Mittelfranken hatte Schülerzeitungsredakteure zum Seminar eingeladen.

Hier ein Tag der Medienkompetenz in Regen. Das örtliche Schulamt hatte mich eingeladen für zwei Vorträge

Was denkt ihr? Soll ich weitermachen? Hier bitte abstimmen.

Ich will mich bei den Aufnahmen nicht mit großer technischer Materialschlacht herumschlagen. Ein Stativ, ein externes Mikrofon, und gegebenenfalls Licht habe ich meinen meiner booq-Tasche immer dabei. Kritiker werden sagen, dass die Dramaturgie noch nicht ausgereift ist und sie haben recht. Es geht mir, wie gesagt, um das experimentieren. Ich bin selbst gespannt, wie es weitergeht. Mit meinen Kollegen Thomas Gerlach hab ich beim Frühstück mal über Bewegtbild gefachsimpelt und es natürlich auch online gestellt.

Social Media: Facebook-Messenger greift WhatsApp an

25. November 2013

In meinem Seminaren über Sozialen Netzwerken stelle ich fest, dass Schüler neben Facebook auch WhatsApp parallel nutzen. Es ist kein entweder oder, sondern ein gleichzeitiges Nutzen. Die Schüler haben sich in geheimen, geschlossenen Gruppen auf Facebook organisiert und schicken Meldungen, Fotos, Audio über WhatsApp-Gruppen. Wer den Netzwerken nicht angehört, der bleibt draußen und ist vom Informationsfluss abgeschnitten.

Datenschützer schütteln über den Leichtsinn den Kopf. Über NSA jammern und die persönlichsten Daten des Adressbuches auf einem US-Server speichern, der jede Nacht synchronisiert. Wie doof ist das denn? Aber Hauptsache ein paar Cent gespart, denn Geiz ist ja so geil. Dabei gilt der Spruch mehr denn je: Unsere Daten sind das Gold des 21. Jahrhunderts. Wer über Kundendaten verfügt, der verfügt über bares Geld – Big Data lässt grüßen.

Immer wieder bekomme ich Spam-Mails, die von WhatsApp-Nutzer herausgeballert werden, ohne dass die User es wohl mitbekommen. Meine Reaktion ist in der Regel sehr hart. Ich fordere die Absender auf, mich aus ihrem Adressbuch zu löschen und dies nicht mit freundlichen Worten.

Spam-Mails von WhatsApp

Spam-Mails von WhatsApp

Inzwischen hat WhatsApp die Nutzung der klassischen SMS überholt. Andere, sichere Messenger-Dienste wie das hervorragende Threema, haben gegen die Übermacht von WhatsApp im Moment keine Chance. In der Schule muss nur ein Option Leader den Ruf nach WhatsApp ausgeben und schon folgt die Peer Group dem Ruf. Medienkompetenz ist in der Schafherde nicht gefragt. WhatsApp plündert das Adressbuch und überspielt es in die USA. Ein Virus verbreitete sich Juli 2013 über Android-Telefonen bei alter Software – ich habe darüber gebloggt. Im Oktober wurde der Dienst bereits gehackt und einige User bekamen eine Mail über Freiheit für Palästina.

WhatsApp wurde gehackt.

WhatsApp wurde gehackt.

Interessant ist, wie Facebook auf die Herausforderung von WhatsApp reagiert. Ich bin mir sicher, dass Facebook an einer feindlichen Übernahme des Messenger-Dienstes sehr interessiert ist. Bis es soweit ist, peppt die Zuckerberg-Firma den hauseigenen Messenger-Dienst auf, zuletzt Mitte November. So findet sich im Facebook Messenger jetzt etwas versteckt auch eine Telefonie-Funktion. Es ist nun möglich, der App die eigene Telefonnummer zuzuweisen. Diese wird nicht in der persönliche Chronik angezeigt. Nach dem Motto: Wenn Facebook meine Daten hat, dann braucht sie WhatsApp nicht extra.

Was bedeutet dieses neue Feature? Facebook-Nutzer können nun auch mit jenen Kontakten über den Facebook Messenger chatten, mit denen sie nicht auf Facebook befreundet sind. Es wird nur deren Mobilfunknummer benötigt.

Wer die aktuelle Version des Messangers installiert, wird beim ersten Start gefragt, ob er auch über seine Handy-Kontakte mit der App synchronisieren möchte. Nach Drücken von OK, wird das komplette Adressbuch automatisch mit dem Facebook-Kontaktverzeichnis abgeglichen.

Anschließend wird der User gefragt, ob er über seine Telefonnummer gefunden werden will. Beim wiederum Drücken von OK wird im Facebook-Profil die Einstellung „Wer kann mich über meine Telefonnummer finden?“ auf „öffentlich“ gesetzt.

Adobe schließt Verträge zur Softwarelizenzierung für Schulen und Hochschulen

10. November 2013

Für Software-Firmen ist es wichtig, in Schulen zu gelangen. Wer als Schüler eine Software lernt, wird sie später weiter verwenden, weil er sie gewohnt ist. Adobe schloss vor kurzem bundesweite Rahmenverträge zur Softwarelizenzierung für Schulen und Hochschulen und ist damit einen Schritt weiter. Bei meinen Schülerzeitungsseminaren zeigt sich, dass viele Schulen ein Software-Problem haben. Dies könnte sich mit dem Rahmenvertrag entspannen.

Web_Kreativitaetsbarrieren

Adobe Systems hat mit dem Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (FWU) sowie dem Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) bundesweit gültige Rahmenverträge zur Lizenzierung von Adobe-Software an Bildungseinrichtungen abgeschlossen. Mit den Rahmenverträgen bietet Adobe ein neues Mietlizenzmodell namens ETLA („Enterprise Term License Agreement“) an. Deutsche Schulen und Hochschulen können sich den Rahmenverträgen anschließen, was sowohl Planung, Kostenkalkulation, Beschaffung als auch die Verwaltung der Programme für Bildungseinrichtungen stark vereinfacht. Laut einer aktuellen Studie, für die im Auftrag von Adobe weltweit mehr als 4.000 Eltern und Lehrer zu Barrieren in Bildungssystemen befragt wurden, ist eine bessere Integration von Technologien zur Förderung der Kreativität auch dringend notwendig. So stellen 71 Prozent der befragten Lehrer in Deutschland fest, dass sie mehr für die wichtige Kreativitätsvermittlung im Unterricht tun könnten, ihnen jedoch schlichtweg die Mittel dafür fehlen. Das kann ich bestätigen. Obwohl alle von Bildung sprechen, ist in den Schulen kaum Geld vorhanden. Hier eine Grafik über die Kreativitaetsbarrieren zum Download.

Zwei Drittel der befragten Pädagogen aus Deutschland sind sich einig, dass Kreativität eine tragende Säule der Wirtschaft ist und die effektive Förderung die Entwicklung des Landes vorantreibt. Die überwiegende Mehrheit der befragten Eltern und Lehrer ist sich zudem einig, dass Kreativität, Innovationsvermögen und Medienkompetenz wichtige Lernfelder der Zukunft sind und Kreativität im Bildungsumfeld in den nächsten 25 Jahren sogar noch stärker an Bedeutung gewinnen wird. Dabei ist in vielen Lehrbereichen der Einsatz neuer Medien unter kreativen Aspekten bereits vorgesehen, doch allzu oft fehlen die Ressourcen. Es fehlt an Werkzeugen sowie an der Zeit für die Vermittlung und Umsetzung innovativer Ideen im Schulalltag. 81 Prozent der Lehrer besitzen derzeit nicht die richtigen Tools, um Kreativität bei Schülern und Studenten effektiv zu fördern. Eine logische Schlussfolgerung daraus ist, dass sich die befragten Lehrer für einen Wandel von Lehrplänen und Studieninhalten aussprechen und die bessere Integration von Werkzeugen zur Kreativitätsförderung in die Lehrpläne fordern.

Jetzt wissen wir auch, wie lange es braucht, bis Lehrpläne geändert werden. In Bayern haben wir 2016 neue Lehrpläne, die lange vorbereitet werden. Dennoch kann Kreativ-Software in den Schulen beitragen, dass das Schulleben spannender wird. Genannt seien nur die Schülerzeitung, der Jahresbericht, P-Seminare, Kreativseminare, Fotoseminare, Filmseminare. Und hier alle diese Seminare und Aktionen brauche ich moderne Software.

Kostenvorteile durch ETLA-Rahmenverträge mit FWU und LRZ

Um den besonderen Anforderungen von Bildungseinrichtungen gerecht zu werden, bietet Adobe Schulen und Hochschulen seit diesem Jahr ein neues Mietlizenzmodell namens ETLA („Enterprise Term License Agreement“). Über den Beitritt der Bildungseinrichtungen zu einem Rahmenvertrag werden Software-Lizenzen für Adobe Creative Cloud-Produkte gemietet, was allerhand Vorteile gegenüber Kaufverträgen bietet. Das Mietlizenzmodell erleichtert die Planbarkeit sowie die Kostenkalkulation der Softwareanschaffungen für Bildungseinrichtungen, da Kosten für die Softwarelizenzen künftig auf Basis beschäftigter Vollzeitmitarbeiter berechnet werden. Mit der Ermittlung des Lizenzbedarfs per Mitarbeiter statt per Computer entsteht ein signifikanter Preisvorteil gegenüber der traditionellen Kauflizenzierung.

Software bleibt immer auf dem aktuellsten Stand 

Kostenfreie Updates auf die jeweils aktuellsten Software-Versionen sind standardmäßig in den Mietlizenzen der Rahmenverträge enthalten. Kostenpflichtige Upgrade-Pläne gehören so der Vergangenheit an, wodurch Bildungseinrichtungen ihre EDV-Kosten senken und sie langfristig transparent sowie planbar halten. Zusätzlich haben alle teilnehmenden Einrichtungen eine „Work-at-home“-Möglichkeit, mit der sich Lehrkräfte auch zu Hause auf den Unterricht vorbereiten können. Damit auch Schüler und Studenten die Creative Cloud-Tools in ihrer Freizeit einsetzen können, besteht die Option, sie in die Lizenzstaffelung mit einzubeziehen. So können alle Schüler, Dozenten und Verwaltungsangestellte innerhalb der Einrichtung immer die aktuellsten Versionen der Creative Cloud-Werkzeuge für Lern- und Privatzwecke nutzen.

Das Angebot der Rahmenverträge senkt den Aufwand des Vertragsmanagements für alle Bildungseinrichtungen um ein Vielfaches, da bei Beitritt für alle Teilnehmer die jeweiligen Konditionen der verabschiedeten Rahmenverträge gültig sind. Der Rahmenvertrag für Schulen wurde im ersten Schritt zwischen Adobe und dem Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (FWU) abgeschlossen. Schulen können diesem Vertrag zu unterschiedlichen Zeitpunkten innerhalb eines Kalenderjahres beitreten, die Gesamtlaufzeit beträgt drei Jahre. Die gleichen zeitlichen Modalitäten bietet auch der Rahmenvertrag für Hochschulen, der zwischen Adobe und dem Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) in München vereinbart wurde, lediglich das Startdatum des Hauptvertrags unterscheidet sich.