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Zwischen Glauben, Reform und Livestream: Zeitfragengottesdienst mit Rainer Maria Schießler in Aufkirchen

7. Juni 2026

Beim Zeitfragengottesdienst in der Kirche St. Georg in Aufkirchen stand eine Frage im Mittelpunkt, die viele katholische Gemeinden derzeit beschäftigt: Wie kann Glaube in der Moderne gelebt werden, ohne sich in alten Strukturen, lähmenden Gewohnheiten oder bloßem Warten auf Entscheidungen „von oben“ zu verlieren? Im Auftrag der Katholischen Landvolk Bewegung in Kooperation mit dem Brucker Forum durfte ich den Gottesdienst via Zoom streamen, das Material nachbearbeiten und den Kunden zur Verfügung stellen. Hier das Video

Beim Streaming eines Gottesdienstes in Aufkirchen zeigte sich, wie viel Technik, Planung und Improvisation nötig sind, damit eine kirchliche Feier nicht nur vor Ort, sondern auch digital gut miterlebt werden kann. Der Gottesdienst wurde über Zoom übertragen und mit insgesamt vier Kameras produziert. Damit konnten unterschiedliche Perspektiven eingefangen werden: der Pfarrer am Altar, die liturgischen Handlungen, der Kirchenraum sowie weitere Einstellungen, die den Online-Zuschauerinnen und -Zuschauern einen möglichst lebendigen Eindruck des Gottesdienstes vermitteln sollten.

Es kamen zahlreiche Gläubige nach Aufkirchen, um Pfarrer Rainer Maria Schießler zu hören. Der Münchner Geistliche zählt seit Jahren zu den bekanntesten katholischen Pfarrern Bayerns. Er ist Pfarrer von St. Maximilian in München, Autor mehrerer erfolgreicher Bücher und gilt als Seelsorger, der mit klarer Sprache, volksnaher Art und oft unkonventionellen Positionen weit über seine Gemeinde hinaus wahrgenommen wird.

Das Herzstück meiner Produktion war ein ATEM ISO-Mischer, über den die verschiedenen HDMI-Kamerasignale zusammengeführt und live ausgewählt wurden. Dadurch war es möglich, während des Gottesdienstes zwischen den einzelnen Kameraperspektiven zu wechseln und die Übertragung abwechslungsreicher zu gestalten als mit einer einzigen statischen Kamera. Gerade bei Gottesdiensten ist dies wichtig, weil viele Handlungen räumlich verteilt stattfinden: am Altar, am Ambo, im Kirchenschiff oder bei besonderen Momenten innerhalb der Liturgie.

Für den Ton wurde zunächst ein DJI-Mikrofon eingesetzt, das direkt an der Albe des Pfarrers befestigt war. Die Albe ist ein langes, weißes, knöchellanges Grundgewand, das an das weiße Taufkleid erinnert. Sie heben ihn aus dem Alltag heraus und symbolisieren, dass er in der Messe nicht als Privatperson, sondern in Vertretung Jesu Christi handelt.

Dadurch war die Stimme des Geistlichen klar und gut verständlich zu hören. Diese Lösung erwies sich besonders für die Predigt, die Gebete und die liturgischen Texte des Pfarrers als sinnvoll. Allerdings zeigte sich während der Produktion auch eine typische Herausforderung bei der Übertragung von Gottesdiensten: Wenn nur der Pfarrer mikrofoniert ist, fehlen die übrigen akustischen Elemente der Feier. Gesänge, Antworten der Gemeinde, Musik, Lektorinnen und Lektoren oder andere Mitwirkende werden dann nur unzureichend erfasst.

Um dieses Problem auszugleichen, wurde zusätzlich ein Tascam-Recorder eingesetzt. Dieser nahm den Ton des restlichen Gottesdienstes im Kirchenraum auf. Die so aufgezeichnete Atmosphäre, die Gemeindeteile und die weiteren liturgischen Elemente konnten ergänzend zum Signal des Pfarrermikrofons dazugemischt werden. Dadurch entstand ein deutlich vollständigeres Klangbild. Die Online-Teilnehmenden hörten nicht nur die Stimme des Pfarrers, sondern bekamen auch einen Eindruck vom Raum, von der Musik und von der Beteiligung der Gemeinde.

Eine weitere große Herausforderung war die Internetverbindung in der Kirche. Gerade ältere Kirchengebäude sind für Livestreaming oft schwierig: dicke Mauern, schwacher Mobilfunkempfang und fehlende Netzwerkinfrastruktur können eine stabile Übertragung erheblich erschweren. In Aufkirchen wurde dieses Problem durch einen Elektriker aus dem Dorf gelöst. Er sorgte dafür, dass vor Ort eine verlässliche Verbindung eingerichtet werden konnte. Das WLAN wurde über einen Huawei-Router bereitgestellt, der die technische Grundlage für die Zoom-Übertragung lieferte.

Die Erfahrung zeigte, dass ein erfolgreicher Gottesdienst-Stream nicht allein von Kameras und Software abhängt. Entscheidend ist das Zusammenspiel aller Komponenten: Bild, Ton, Internetverbindung, Bedienung des Mischers und ein Verständnis für den Ablauf der Liturgie. Besonders beim Ton wurde deutlich, dass eine gute Verständlichkeit des Pfarrers zwar wichtig ist, aber nicht ausreicht. Ein Gottesdienst lebt auch von Musik, Stille, Raumklang und den Stimmen der Gemeinde. Erst durch die zusätzliche Aufnahme mit dem Tascam-Recorder konnte dieser Charakter besser eingefangen werden.

Der Stream aus Aufkirchen machte deutlich, dass auch mit vergleichsweise kompakter Technik eine ansprechende digitale Gottesdienstübertragung möglich ist. Vier Kameras, ein ATEM-ISO-Mischer, ein DJI-Mikrofon, ein zusätzlicher Tascam-Recorder und eine stabile WLAN-Verbindung über einen Huawei-Router bildeten die technische Grundlage. Gleichzeitig zeigte das Projekt, dass bei Liveproduktionen in Kirchen immer mit unvorhergesehenen Herausforderungen gerechnet werden muss. Entscheidend ist dann, flexibel zu reagieren und Lösungen zu finden, die zur Situation vor Ort passen.

Am Ende stand eine Übertragung, die nicht nur technisch funktionierte, sondern auch zeigte, wie wertvoll lokale Unterstützung sein kann. Ohne die Lösung der Internetfrage durch den Elektriker aus Aufkirchen wäre der Zoom-Stream kaum zuverlässig möglich gewesen. Und ohne die zusätzliche Tonaufnahme wäre der Gottesdienst akustisch deutlich einseitiger geblieben. So wurde aus der Aufgabe, einen Gottesdienst digital zugänglich zu machen, ein gelungenes Zusammenspiel von kirchlichem Leben, moderner Medientechnik und praktischer Hilfe aus dem Dorf. 

Der Gottesdienst stand unter dem Motto „Glaube und Moderne – Kraft aus dem Evangelium“. Schon dieses Thema machte deutlich, dass es nicht nur um eine feierliche Messe, sondern um eine Standortbestimmung ging. Die katholische Kirche steht seit Jahren unter Druck: Kirchenaustritte, Vertrauensverlust, Diskussionen um Machtstrukturen, die Rolle der Frau, den Umgang mit Homosexualität und die Frage, wie Gemeinden vor Ort handlungsfähig bleiben, prägen die Debatten. Schießler griff diese Themen in seiner Predigt direkt auf. Er machte dabei keine einfachen Versprechungen und präsentierte auch kein Patentrezept gegen Kirchenaustritte. Vielmehr stellte er die Verantwortung der einzelnen Gemeinde in den Mittelpunkt. Der Pfarrer betonte, dass er keine „Zaubermittel“ habe, um Austritte zu verhindern, wohl aber helfen könne, den Blick zu schärfen und Mut zu machen. 

Eine zentrale Linie seiner Predigt war der Gedanke der Eigenverantwortung. Schießler verband diesen mit dem Fest Christi Himmelfahrt: Jesus habe die Menschen nicht verlassen, um sie alleinzulassen, sondern ihnen Verantwortung übertragen. Diesen Gedanken machte er anschaulich, indem er einen jungen Ministranten in seine Predigt einbezog und an die Erfahrung erinnerte, zum ersten Mal allein zu Hause gelassen zu werden. Daraus entwickelte Schießler seine Botschaft an die Gemeinde: Christinnen und Christen sollen nicht ängstlich auf fertige Lösungen warten, sondern selbst Verantwortung übernehmen. Für ihn bedeutet Glaube nicht, passiv zu bleiben, sondern im Vertrauen auf das Evangelium mutig zu handeln. Sein Appell an die Gemeinde lautete sinngemäß: Macht es so, wie ihr es für richtig haltet. 

Damit traf Schießler auch einen Kern des Selbstverständnisses der Katholischen Landvolk Bewegung. Die KLB versteht sich in Bayern als Bildungs- und Aktionsgemeinschaft für Menschen im ländlichen Raum. Sie will die Zukunft der Dörfer mitgestalten, Glauben erfahrbar machen und die Eigenverantwortung der Pfarrgemeinden stärken. Genau diese Verbindung von Glauben, Dorfleben und aktiver Verantwortung war beim Zeitfragengottesdienst in Aufkirchen spürbar. Es ging nicht um eine abstrakte Kirchenreformdebatte, sondern um die konkrete Frage, was Menschen vor Ort tun können, wenn traditionelle Sicherheiten schwinden und zugleich der Wunsch nach lebendiger Gemeinschaft bleibt. 

Schießler sprach auch kontroverse Themen offen an. Besonders deutlich wurde er bei der Rolle der Frau in der Kirche. Die sogenannte Frauenfrage müsse dringend geklärt werden, machte er deutlich. Er stellte infrage, warum Menschen, die sich berufen fühlen, aufgrund ihres Geschlechts ausgeschlossen werden sollten. In diese Linie bezog er auch den Umgang mit Homosexualität ein. Damit blieb Schießler seiner bekannten Haltung treu: Er gehört zu jenen katholischen Stimmen, die eine offenere, menschenzugewandte und weniger ausschließende Kirche fordern. Auch in früheren öffentlichen Äußerungen und Interviews hat er sich wiederholt zu Themen wie Zölibat, Rolle der Frau, Homosexualität und Kirchenaustritten geäußert. 

Bemerkenswert war dabei nicht nur, was Schießler sagte, sondern auch, wie er es sagte. Seine Predigt zielte nicht auf theoretische Kirchenkritik, sondern auf Ermutigung. Er forderte die Gläubigen auf, nicht ständig nach oben zu schauen, sondern auf die Menschen vor Ort. Damit kritisierte er indirekt eine Haltung, die Reformen allein von kirchlichen Papieren, Beschlüssen oder höheren Instanzen erwartet. Stattdessen stellte er die Gemeinde als handelndes Subjekt in den Vordergrund: Kirche beginnt dort, wo Menschen miteinander anders umgehen, voneinander lernen und einander ernst nehmen. Der Satz, dass die Kirche zwar weniger werde, deshalb aber nicht weniger wichtig sei, fasst diese Haltung prägnant zusammen. 

Der große Zuspruch in Aufkirchen zeigt, dass solche Worte auf Resonanz stoßen. Wenn Schießler kommt, füllen sich die Kirchen. Das liegt nicht nur an seiner Bekanntheit, sondern auch daran, dass er vielen Menschen eine Sprache anbietet, die religiöse Tradition mit heutiger Lebenswirklichkeit verbindet. Er spricht über Glauben nicht als abgeschlossenes System, sondern als Kraftquelle, die Menschen befähigen soll, Verantwortung zu übernehmen. Gerade in ländlichen Gemeinden, in denen Kirche oft noch stark mit Vereinsleben, Dorfstruktur, Ehrenamt und persönlicher Begegnung verbunden ist, kann diese Botschaft eine besondere Wirkung entfalten. 

Der Zeitfragengottesdienst in Aufkirchen war damit mehr als ein gut besuchter Gottesdienst mit einem prominenten Pfarrer. Er war ein Signal, dass die Fragen der Zeit auch im kirchlichen Raum offen ausgesprochen werden können: Wie gehen Gemeinden mit Rückgang und Verunsicherung um? Wie viel Mut haben sie, eigene Wege zu gehen? Wie kann Kirche glaubwürdig bleiben, wenn Menschen Ausgrenzung, Erstarrung oder mangelnde Reformbereitschaft erleben? Schießlers Antwort darauf war klar: Nicht warten, sondern anfangen. Nicht zuerst auf Strukturen schauen, sondern auf Menschen. Nicht die Bedeutung der Kirche am Maßstab der Zahlen messen, sondern daran, ob sie vor Ort Hoffnung, Gemeinschaft und Orientierung gibt.

So wurde der Gottesdienst in St. Georg zu einem Plädoyer für eine Kirche, die kleiner werden mag, aber lebendig bleiben kann, wenn sie sich ihrer Verantwortung stellt. Schießlers Botschaft war unbequem und ermutigend zugleich: Die Zukunft der Kirche entscheidet sich nicht allein in Rom, München oder auf kirchlichen Synoden, sondern auch in jeder einzelnen Gemeinde – dort, wo Menschen bereit sind, den Glauben nicht nur zu bewahren, sondern ihn in ihrer Gegenwart neu zu leben.

Mein TV-Auftritt zu Medienkompetenz bei doschauher.tv

20. März 2014

Schon vor ein paar Wochen hatte ich die Gelegenheit im Fernsehen aufzutreten. Es war bei Doschauher TV. Dies ist ein erfolgreicher Studentensender der Hochschule Deggendorf (THD) in Niederbayern und wer Doschauher richtig ausspricht, der versteht auch den Wortwitz. Die Sendungen sind live im hauseigenen Studio oder aber im Internet per Livestream zu sehen. Die Aufzeichnungen gibt es dann natürlich bei YouTube.

In Studio durfte ich mich den Fragen des Moderatorenteams Inka und Kevin stellen.

In Studio durfte ich mich den Fragen des Moderatorenteams Inka und Kevin stellen.

Die vortreffliche Studentin Rebecca Hoffmann hatte mich auf einem meiner Vorträge über Medienkompetenz gesehen und bat mich um einen Auftritt im Studio.  Ja, da hab ich doch gleich zugesagt und bin nach Deggendorf angereist.

Rebecca Hoffmann hat mich eingeladen.

Rebecca Hoffmann hat mich eingeladen.

Hochprofessionell wurde die ganze Sache organisiert, von der Kontaktaufnahme, über die Betreuung und die Sendeabwicklung. Ich darf ja ab und zu mit dem Thema Medienkompetenz vor der Kamera stehen, aber dieses Mal hat es mir besonders viel Spaß gemacht. Schließlich ist Doschauher TV Deutschlands einzige studentische Livesendung. Und sie hat Power. Hier die komplette Folge:

Und hier nur mein Auftritt:

Der ganze Ablauf zeigte mir, wie hoch professionell und praxisnah die Studenten ausgebildet werden. Und der Erfolg gibt der ganzen Idee von Prof. Ernst Jürgens recht. Chapeat Herr Professor – eine super Truppe haben Sie da herangezogen. Doschauher.tv ist der erste und bis dato einzige Internetfernsehsender, den eine Hochschule produziert und regelmäßig live im Internet sendet. Dabei werden alle Funktionen vor und hinter der Kamera, in Redaktion und Technik von Studenten des Studiengangs Medientechnik der Hochschule Deggendorf übernommen. Und mein Eindruck war, die Studenten hatten es im Griff, auch wenn ich mal mit Sonderwünschen daherkam.

Pano

Das Konzept der Hochschule geht voll auf. In zwei Semestern wird den Studenten anschaulich im Fach Film-Video-Design gezeigt, wie Film und Fernsehen gemacht wird. Das alles findet im vierten und fünften Semester bei doschauher.tv statt. Das Sendekonzept ist durchdacht. Zwei Moderatoren, Studio-Talkgäste und eine Live-Band. Als Band war in meiner Sendung die Flashbeat. Dazu Außenschaltungen via Google Hangout ins nahe Deggendorf – wenn das LTE Funknetz mitmacht.

Bei der Sendung mit mir steuerte ich wohl den seriösen Part bei. Die beiden Moderatoren befragten mich im Umgang mit Facebook und Co. Ich war etwas gemein, denn ich wollte prüfen, ob mich die Moderatoren Inka und Kevin in meinem Redefluss bremsen würden. Taten sie nicht, also nutze ich die Chance und redete, redete und redete. Ok, ich entschuldige mich an dieser Stelle für mein Verhalten. Aber auch Moderatorentraining gehört dazu und dem Labersack von einem Gast das Wort abzudrehen.

Das Online TV Projekt steht unter der Leitung von Prof. Ernst Jürgens, der die “Redaktionsgruppe” konzeptionell-redaktionell betreut. Die “Technikgruppe” von doschauher.tv wird von M.Eng. Dipl.-Ing.(FH) Oliver Bauer wissenschaftlich-technisch betreut. Durch das Konzept “doschauher.tv” bekommen die Medientechnikstudenten einen praktischen Eindruck und können ihr Wissen aus allen Teilbereichen ihres Studiums anwenden.

Dramaturgisch und technisch war die Truppe hervorragend vorbereitet. Ein Einheizer pushte das zumeist studentische Publikum vor der Sendung auf. Ich durfte die Show auf einem Sofa vor der Bühne beobachten und wurde dann auf die Bühne geholt. Da wirkte ich ein wenig wie ein Fremdkörper: mit meinem Outfit Fliege, Einstecktuch und Sakko sowie bunte Schuhe sah mich der klassische Student etwas misstrauisch an. Aber ich baute Vertrauen auf und fühlte mich richtig wohl.

Foto 1

Doschauher.tv ist inhaltlich eine unterhaltsame, unberechenbare und überraschende Webshow mit dem Schwerpunktthema “Medien”. Durch die Sendung führt ein, von Semester zu Semester wechselndes, Moderatoren-Paar. Sie unterhalten sich mit den Studiogästen, die aus den verschiedensten Bereichen stammen, interviewen die Liveband und kündigen die Einspieler (Kurzreportagen, humorvolle Clips, Parodien, journalistische Beiträge) an. Als Highlights waren die Woidboyz zu Gast. Diese Herrschaften entstammten der Hochschule und sind mittlerweile echte TV-Stars und sie sind wunderbar köstlich.

Was kommt eigentlich nach dem Bachelor?

20. Oktober 2011

Studienvorstellung durch Thomas Gronert und Markus Kaiser. Minister Marcel Huber checkt schon mal den Blackberry.

Studienvorstellung durch Thomas Gronert und Markus Kaiser. Minister Marcel Huber checkt schon mal den Blackberry.

Im Auftrag des MedienCampus Bayern haben mein Kollege Thomas Gronert und ich eine  aktuelle Studie zum Bachelor erstellt.  Markus Kaiser vom MedienCampus Bayern hat auf den Medientagen München dieses Papier vorgestellt: Rund ein Drittel der bayerischen Journalismus-, Design-, Medientechnik-, Medienmanagement- und Games-Studierenden will sich in jedem Fall um einen Masterplatz bewerben bzw. hält dies für „sehr wahrscheinlich“. Ein weiteres gutes Drittel aller Studierenden hat sich noch nicht festgelegt. Knapp jeder Vierte aller befragten Bachelor-Studierenden aus dem Medienbereich schließt es aus, direkt nach dem Bachelor einen Master anzuschließen. Stattdessen wollen sie zunächst arbeiten oder ein längeres Praktikum absolvieren. Cool war, dass Bayerns Medienminister Marcel Huber direkt von der Elefantenrunde der Medientage beim MedienCampus vorbeischaute und die Studie interpretierte.

An der online durchgeführten Umfrage haben sich 623 Studierende verschiedener Bachelor-Studiengänge im Medienbereich an bayerischen Hochschulen und Universitäten beteiligt. Die Befragung begann im August 2011. „Mit dieser Studie leistet der MedienCampus Bayern einen wertvollen Beitrag, um die Hochschulen und Universitäten bei ihren Planungen für neue Masterstudiengänge zu unterstützen“, sagt Bayerns Medienminister, Dr. Marcel Huber. Der Freistaat Bayern unterstützt den Dachverband für die Medienaus- und -fortbildung.

MedienCampus-Geschäftsstellenleiter Markus Kaiser fügt hinzu: „Außerdem wollen wir die Medienbranche informieren, mit wie vielen Bewerbungen von Bachelor-Absolventen sie in den nächsten Jahren rechnen kann.“ Seit das Diplom- und das Magisterstudium weitgehend ausgelaufen sind, ist das Hochschulstudium in zwei Abschlüsse gestuft: Nach dem in der Regel sechs- bzw. siebensemestrigen Bachelor können Studenten ein drei- bis viersemestriges Master-Studium belegen.

Überraschendes Ergebnis der MedienCampus-Studie: Ein knappes Drittel hält ein berufsbegleitendes Masterstudium für eine wählbare Option. Fast die Hälfte könnte es sich „vielleicht“ vorstellen. Nur jeder zehnte Bachelor-Student lehnt ein berufsbegleitendes Masterstudium ab. „Hier können die Hochschulen auf teils schon bewährte Strukturen aufbauen, denn einige – wie die Universität Erlangen-Nürnberg mit dem Weiterbildungsmaster Multimediadidaktik – haben bereits Erfahrungen gesammelt“, meint Kaiser. „An vielen Hochschulen laufen derzeit Planungen.“

Knapp jeder zehnte Student kann sich vorstellen, an eine Fernhochschule oder eine private Hochschule zu wechseln. Knapp die Hälfte aller Befragten gab als Möglichkeit an, an der eigenen Institution zu bleiben und dort den Master zu machen. Drei Viertel schließen nicht aus, die Hochschule zu wechseln. Mehrfachnennungen waren möglich. „Dies zeigt, dass die Hochschulen auch die Frage klären müssen, wer mit welchem Bachelor-Abschluss für welchen Master zugelassen werden kann“, sagt Markus Kaiser. Um dies bayernweit zu koordinieren, organisiert der MedienCampus Bayern im März 2012 ein Koordinierungstreffen an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, die selbst den Master „Management und Innovation in Journalismus und Medien“ anbietet.

Drei Viertel aller Befragten, die einen Master absolvieren möchten, versprechen sich später bessere Berufs- und Aufstiegschancen. Zwei Drittel wollen einen Master machen, um sich weiter zu qualifizieren. Jeder Vierte plant einen Master nur für den Fall, dass er nach dem Bachelorstudium keine Beschäftigung findet. Immerhin ein knappes Viertel der Befragten gab an, später eventuell noch promovieren zu wollen.

Der Hauptgrund, der gegen einen Master spricht, wäre für zwei Drittel der Befragten, wenn sie nach dem Bachelor-Abschluss eine gute Beschäftigung bekämen. 16,3 Prozent sehen keine besonderen Vorteile im Master für ihre angestrebte Beschäftigung und Karriere. 41,4 Prozent halten ihn für zu teuer. Dass dies aber nicht an den Studienbeiträgen liegt, zeigen die Antworten auf die Frage, in welchem Bundesland die Bachelor-Absolventen ihren Master machen würden: Nur 11,8 Prozent würden sich für den Master nicht in Bayern immatrikulieren.