Es juckte mich in den Finger und ich wollte meinen Senf bei den Ereignissen der Kommunalwahl in meiner Wohnortgemeinde Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck dazugeben. Und auch ein bisschen Wahlparty-Stimmung schnuppern. Also auf ins Landratsamt und im Foyer auf die Politprofis meiner Gemeinde und des Landkreises sowie Landtag und Bundestag gewartet.
Dabei habe ich die alten Kollegen der Lokalpresse getroffen, die deutlich unter dem Druck der Aktualität gearbeitet haben. Schnell stellte sich heraus, dass es bei der Wahl um dem Landrat zur Stichwahl zwischen Amtsinhaber Thomas Karmasin (CSU) und der Grünen-Herausforderin Ronja von Wurmb-Seibel kommen wird. Der ehemalige Olchinger SPD-Bürgermeister Andreas Magg zog den Kürzeren. Stichwahl ist dann in zwei Wochen.
Auch bei der Landratswahl folgte Maisach dem allgemeinen Trend im Landkreis: In Maisach erhielt Amtsinhaber Thomas Karmasin 46,1 Prozent, Ronja von Wurmb-Seibel erhielt 20,1 Prozent. Sie war die einzige Frau unter den Kandidaten.
Mich interessierte aber das Maisacher Bürgermeisterergebnis, das relativ lange auf sich Warten ließ. Um 20:26 Uhr kamen dann die Zahlen, nachdem es zuvor immer wieder Wasserstandsmeldungen aus den Wahllokalen aufs Smartphone kamen. Die Website der Gemeinde schmierte wohl unter der hohen Last der Zugriffe ab, aber die Server des Landratsamtes informierten stabil.
Bei der Kommunalwahl in der Gemeinde Maisach ist Amtsinhaber Hans Seidl deutlich im Amt bestätigt worden. Da es keinen Gegenkandidaten gab, entfielen 74,5 Prozent der Stimmen auf den CSU-Bürgermeister. Insgesamt wurden 6.543 gültige Stimmen abgegeben. Die Wahlbeteiligung lag mit 73,6 Prozent auf einem sehr hohen Niveau und zeigt das große Interesse der Bürgerinnen und Bürger an der lokalen Politik. Mit dem klaren Ergebnis kann Hans Seidl seine Arbeit als Bürgermeister der Gemeinde Maisach fortsetzen.
In der Nacht wurden dann Gemeinderat und später Kreistag ausgezählt.
Mein jüngster BistroTalk ist ein Beitrag zur Demokratie-Stärkung in meiner Wohnortgemeinde Maisach. Im BistroTalk aus der Bar SixtyFour in Maisach sprach ich mit Florian Wiesent, Amtsleiter für Öffentliche Sicherheit und Ordnung der Gemeinde Maisach, über die anstehenden Kommunalwahlen – und damit über ein Thema, das unmittelbar den Kern demokratischer Selbstverwaltung berührt. Gleich zu Beginn wurde deutlich, dass es nicht um parteipolitische Werbung geht, sondern um Aufklärung: Wie funktioniert die Wahl konkret, welche Regeln gelten, welche Verantwortung trägt die Verwaltung – und welche Rolle haben Bürgerinnen und Bürger, damit Demokratie vor Ort lebendig bleibt. Hier die Aufzeichnung:
Organisatorische Vorbereitung Florian Wiesent beschrieb die Gemeinde bereits mitten in der organisatorischen Vorbereitung. Die Wahlbenachrichtigungen seien verschickt, aktuell laufe vor allem die Abwicklung der Briefwahl auf Hochtouren. Dahinter stecke echte Handarbeit: Antrag, Wahlschein, Stimmzettel, mehrere Umschläge, Merkblatt – alles müsse korrekt zusammengestellt, kuvertiert und versandfertig gemacht werden. Der Versand starte dann; die Gemeinde übergibt diese Aufgabe nicht einfach vollständig an Dienstleister, sondern organisiert wesentliche Schritte selbst. Wiesent betonte den Aufwand, machte aber ebenso klar, dass die Verwaltung als Team arbeite, um die Abläufe zuverlässig zu stemmen. Die Wahl sei eine logistische Großaufgabe, aber vor allem eine Aufgabe, die Vertrauen verdient – und dafür brauche es Sorgfalt.
Die Arbeit der Wahlhelfer Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war das Thema Wahlhelferinnen und Wahlhelfer als tragende Säule demokratischer Praxis. Wiesent nannte konkrete Zahlen: In Maisach gebe es einen Pool von rund 320 Wahlhelfern, benötigt würden für die Kommunalwahl 244 Personen in den Wahllokalen sowie zusätzlich etwa 15 Mitarbeitende in der Verwaltung für Annahme, Prüfung und Weitergabe der Schnellmeldungen. Das Werben um genügend Unterstützung sei nicht ganz einfach gewesen, doch alle Positionen seien derzeit besetzt. Zugleich ermutigte er zur Beteiligung: Wer sich für künftige Wahlen engagieren wolle, könne sich weiterhin melden und in den Pool aufnehmen lassen. Damit wurde ein Grundgedanke des Abends greifbar: Demokratie findet nicht nur am Stimmzettel statt, sondern auch durch Mitarbeit und Verantwortung im Ablauf.
Was wird gewählt? Inhaltlich ordnete das Gespräch die Kommunalwahl als besonders vielschichtig ein. Gewählt werden nicht nur Gemeinderat und Bürgermeister, sondern auch Landrat und Kreistag. Gerade diese Vielfalt, kombiniert mit den komplexen Stimmzetteln, mache die Kommunalwahl organisatorisch anspruchsvoll. Wiesent erklärte, dass es diesmal vier Stimmzettel gebe, wobei insbesondere der Kreistagsstimmzettel durch die große Zahl an möglichen Stimmen herausrage: Bis zu 70 Stimmen können dort vergeben werden. Beim Gemeinderat in Maisach sind es 24 Stimmen, passend zur Anzahl der Sitze. Damit wird sichtbar, wie stark kommunale Wahlen auf Personen und konkrete örtliche Vertretung ausgerichtet sind – und wie sehr sie Bürgerinnen und Bürgern Gestaltungsspielraum geben.
Auszählen mit Barcodes Zur Bewältigung dieser Komplexität setzt die Gemeinde bei der Auszählung auf EDV-Unterstützung. Wiesent erläuterte das System mit Barcodes neben den Kandidatennamen und Barcode-Lesestiften: Die Stimmen werden gemäß Markierung erfasst, das Programm prüft im Hintergrund die Gültigkeit des Stimmzettels. Zugleich betonte er die Kontrollmechanismen: Es werde nicht „automatisch“ im Sinne eines Wahlautomaten entschieden, sondern die Technik unterstütze die Arbeit, während Menschen weiterhin prüfen und kontrollieren. Der Umgang mit Technik werde zudem geschult; die Geräte seien dauerhaft angeschlossen, um Ausfälle zu vermeiden. Damit wurde ein demokratischer Kernpunkt angesprochen: Moderne Verfahren können helfen, Transparenz und Verlässlichkeit zu sichern – aber Vertrauen entsteht durch nachvollziehbare Prozesse, klare Regeln und menschliche Kontrolle.
Kumulieren und Panaschieren Sehr ausführlich ging es um die Wahlmöglichkeiten selbst, insbesondere um Kumulieren und Panaschieren. Wiesent erklärte die Begriffe pragmatisch: Kumulieren bedeutet, einer Person bis zu drei Stimmen geben zu können; Panaschieren heißt, Stimmen über verschiedene Listen hinweg zu verteilen. Auch das Streichen einzelner Kandidaten trotz Listenkreuz sei möglich. Gleichzeitig wurde deutlich, wo typische Fehler entstehen: Der häufigste Fehler sei das Vergeben zu vieler Stimmen. Korrekturen seien jedoch möglich, wenn sie eindeutig vorgenommen werden – etwa durch sauberes Durchstreichen und klare Neumarkierung. Das Gespräch blieb dabei bewusst auf der Ebene der Regeln und Abläufe und machte klar: Die Verwaltung bewertet nicht politische Inhalte, sondern allein die formale Gültigkeit.
Wahl des Bürgermeisters Ein besonders demokratierelevanter Punkt war die Frage nach Kandidaturen und Alternativen. Im Gespräch wurde angesprochen, dass es bei der Bürgermeisterwahl nur einen offiziellen Vorschlag gibt – und dass Demokratie dennoch Wahlmöglichkeiten kennt. Wiesent erläuterte, dass Bürgerinnen und Bürger beim Bürgermeister in der vorgesehenen Zeile eine andere wählbare Person aus dem Gemeindegebiet handschriftlich eintragen können. Das zeige: Selbst wenn das Bewerberfeld klein ist, bleibt das Wahlrecht in seinem Grundprinzip offen. Gleichzeitig wurde realistisch eingeordnet, dass eine solche Wahl in der Praxis selten vorkommt und dass eine gewählte Person die Wahl auch annehmen muss. Das Gespräch streifte damit eine Herausforderung vieler Kommunen: demokratische Auswahl lebt von Beteiligung – und Beteiligung setzt Menschen voraus, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
Die Wahllokale Auch die Wahllokale und deren Einteilung wurden thematisiert – inklusive des Spannungsfelds zwischen organisatorischer Effizienz und lokalem Selbstverständnis. Wiesent nannte die konkrete Struktur: vier Wahllokale im Hauptort Maisach, drei in Gernlinden (darunter eines im Pflegeheim), sowie je ein Wahllokal in Überacker, Rottbach und Malching. Besonders Rottbach wurde als Beispiel genannt: Aus verwaltungstechnischer Sicht hätte eine Zusammenlegung wegen der Wählerzahlen und des Personalbedarfs Sinn ergeben, politisch und im Ort bestand jedoch der Wunsch nach einem eigenen Wahllokal. Der Gemeinderat habe 2024 beschlossen, der Verwaltung nahezulegen, das Wahllokal beizubehalten – und die Verwaltung sei dem gefolgt. In dieser Passage wurde ein Demokratieprinzip im Kleinen sichtbar: Verwaltung handelt nach Regeln und Zweckmäßigkeit, demokratisch legitimierte Gremien artikulieren den politischen Willen, und am Ende wird ein Ausgleich gesucht, der nachvollziehbar bleibt.
Stimmabgabe Zu den Wahlzeiten stellte Wiesent klar: Am Wahlsonntag ist die Stimmabgabe von 8 bis 18 Uhr möglich. Nach 18 Uhr wird niemand mehr eingelassen, aber wer rechtzeitig im Wahllokal ist, darf auch dann noch wählen. Für Menschen, die es zeitlich nicht schaffen, ist die Briefwahl die Alternative. Briefwahlunterlagen müssen spätestens bis 18 Uhr am Wahlsonntag im Rathausbriefkasten eingegangen sein – später eintreffende Wahlbriefe werden nicht mehr berücksichtigt, ungeöffnet als verspätet gekennzeichnet und entsprechend aufbewahrt, bis die gesetzliche Frist zur Vernichtung abläuft. Die Formulierung „ungeöffnet“ war hier zentral: Die Verwaltung schützt das Wahlgeheimnis konsequent, auch wenn Neugier menschlich sein mag.
Enorme Interesse an Briefwahl Breiten Raum nahm die Briefwahl ein, weil sie in Maisach voraussichtlich den größten Anteil ausmacht. Wiesent sprach von einer erwarteten Briefwahlquote von rund 70 Prozent. Ein Grund sei die Größe der Stimmzettel: Viele Wählerinnen und Wähler möchten die umfangreichen Listen in Ruhe zu Hause durchgehen, statt in der Wahlkabine mit begrenztem Platz zu entscheiden. Briefwahl kann online beantragt werden – über einen QR-Code auf der Wahlbenachrichtigung – oder persönlich im Rathaus. Online gelte eine frühere Frist, damit der rechtzeitige Postlauf gewährleistet bleibt; persönlich ist der Antrag bis zum Freitag vor der Wahl, 6. März, 15 Uhr möglich. Zudem wies Wiesent darauf hin, dass Briefwahl heute ohne Begründung beantragt werden kann – ein Beispiel dafür, wie Verfahren bürgerfreundlicher geworden sind, ohne den rechtlichen Rahmen aufzugeben.
Das Auszählen Auch die Auszählung der Briefwahl wurde transparent erklärt: Ab 16 Uhr dürfen die roten Wahlbriefe geöffnet und formal geprüft werden (Wahlschein vorhanden, unterschrieben, Stimmzettelumschlag vorhanden). Der eigentliche Stimmzettelumschlag wandert danach wieder in die Urne, die bis 18 Uhr verschlossen bleibt. Erst ab 18 Uhr dürfen die weißen Umschläge geöffnet und die Stimmen ausgezählt werden. Diese zeitliche Trennung schützt das Wahlgeheimnis und verhindert, dass Ergebnisse vor Schließung der Wahllokale entstehen. Damit wurde ein wichtiger Aspekt demokratischer Fairness betont: alle sollen unter gleichen Bedingungen wählen können, ohne Einfluss durch vorzeitige Trends.
Das Auszählen Die Reihenfolge der Auszählung erläuterte Wiesent ebenfalls: Zuerst Bürgermeister, dann Landrat, anschließend Gemeinderat und zuletzt Kreistag. Erste Ergebnisse beim Bürgermeister seien möglicherweise schon gegen 18.20 Uhr sichtbar, weitere Ergebnisse folgten gestaffelt. Gleichzeitig machte er deutlich, dass Geschwindigkeit nie auf Kosten der Richtigkeit gehen dürfe. Gerade weil Wahlhelfer auch „Feierabend“ möchten, brauche es im Rathaus und in den Wahllokalen klare Abläufe und Ruhe, um Fehler zu vermeiden. Als Anerkennung für den Einsatz gibt es weiterhin Erfrischungsgeld sowie Verpflegung – Brotzeit, Obst und „Nervennahrung“ – ausdrücklich nicht als Luxus, sondern als Zeichen, dass demokratisches Engagement wertgeschätzt wird. Ein zentrales Demokratieelement des Gesprächs war die Öffentlichkeit der Auszählung. Wiesent stellte klar: Wahlbeobachtung ist erlaubt, die Auszählung ist öffentlich, jede und jeder darf zuschauen – solange der Ablauf nicht gestört wird. Diese Transparenz ist ein Grundpfeiler des Vertrauens: Demokratie braucht nicht nur korrekte Ergebnisse, sondern auch nachvollziehbare Verfahren. Ergänzend erklärte Wiesent, dass die Verwaltung am Wahltag erreichbar ist, bei Streitfällen berät und im Zweifel auch vor Ort unterstützt. Entscheidungen trifft der Wahlvorstand, bei Bedarf mit Rückkopplung an die Verwaltung – auch hier wieder das Prinzip: Regeln, Verantwortung und Kontrolle greifen ineinander.
Wahlwerbung Praktische Hinweise rundeten das Gespräch ab: Wahlwerbung ist am Wahltag in und unmittelbar vor Wahllokalen nicht erlaubt; Kandidaten, die als Wahlhelfer eingesetzt sind, dürfen nicht mit Parteiabzeichen oder „Wählt mich“-Symbolik auftreten. Filmen und Fotografieren im Wahllokal ist grundsätzlich untersagt, auch wenn es im Einzelfall mediale „klassische Motive“ gibt. Außerdem wurde thematisiert, dass Wahlplakate eine Woche nach der Wahl abgebaut sein müssen; Beschädigungen sind Sachbeschädigung und können angezeigt werden. In der Gemeinde gibt es Informationsmaterialien in Broschürenform am Empfang des Rathauses, außerdem auf der Gemeindehomepage einen eigenen Bereich zur Kommunalwahl. Besonders hervorgehoben wurde ein interaktiver Probestimmzettel, mit dem Bürgerinnen und Bürger das korrekte Wählen üben und prüfen können, ob ihre Stimmabgabe gültig wäre.
Auch die Frage, wer überhaupt was wählen darf, wurde erläutert – ein Punkt, der oft unterschätzt wird. Wiesent erklärte, dass für Gemeinderat und Bürgermeister bestimmte Wohnsitzfristen gelten: Wer erst kürzlich innerhalb des Landkreises zugezogen ist, kann unter Umständen Landrat und Kreistag wählen, aber noch nicht Bürgermeister und Gemeinderat. Diese Regelung sei nicht „Maisach-spezifisch“, sondern gesetzlich im Kommunalwahlrecht verankert. Damit zeigte das Gespräch, dass Demokratie immer auch aus klaren, manchmal komplexen Regeln besteht – Regeln, die Gleichheit und Zugehörigkeit definieren und deshalb erklärt werden müssen.
Der demokratische Leitgedanke zog sich bis zum Schluss durch: Wiesent wünschte sich eine möglichst hohe Wahlbeteiligung und nannte als Orientierung die letzte Kommunalwahl mit rund 65 Prozent. Die Aussage war eindeutig: Wer nicht wählt, sollte sich mit Kritik zurückhalten – nicht als moralische Keule, sondern als Erinnerung an Verantwortung. Gleichzeitig wurde der positive Gegenentwurf betont: Wer unzufrieden ist, kann sich einbringen – durch Wahl, durch Mitarbeit, durch Engagement in Parteien, Gruppierungen oder im Ehrenamt. Kommunalpolitik betrifft das unmittelbare Lebensumfeld: Infrastruktur, Finanzen, Entscheidungen über den Ort und seine Ortsteile. Gerade deshalb ist die Kommunalwahl für die Demokratie im Alltag so entscheidend.
Am Ende stand ein sachlich-optimistischer Ton: Die Organisation ist aufwendig, die Verantwortung groß, der Wahltag für alle Beteiligten anstrengend – aber das Ziel ist klar: ein Verfahren, das korrekt, transparent und vertrauenswürdig abläuft. Der BistroTalk machte damit nicht nur praktische Abläufe verständlich, sondern vermittelte vor allem, warum diese Abläufe wichtig sind: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit, sondern tägliche Arbeit – in der Verwaltung, bei den Wahlhelfern und bei allen Bürgerinnen und Bürgern, die ihre Stimme abgeben.
Vor kurzem fand im Bistro Sixtyfour in der Maisacher Zentrumspassage der erste Maisacher Bistrotalk statt – ein neues kommunalpolitisches Gesprächsformat von Matthias J. Lange, das live auf YouTube übertragen wurde. Zu Gast war der Maisacher Bürgermeister Hans Seidl, der sich in entspannter Atmosphäre den Fragen des Moderators stellte. Im Fokus standen zentrale Themen der Kommunalpolitik, die aktuelle Lage in der Gemeinde sowie persönliche Einblicke in das Leben und Wirken des Bürgermeisters.
Hier ist der komplette Live-Stream in YouTube zum Nachsehen:
Das Gespräch eröffnete Bürgermeister Seidl mit einem Rückblick auf die Motivation, warum er sich vor 17 Jahren für das Amt des Bürgermeisters beworben hat – getragen von seiner Verbundenheit zu „Land und Leuten“, wie er es formulierte, und einer tiefen Begeisterung für das Gemeinwesen. Die Resonanz aus der Bevölkerung habe ihn in seiner Entscheidung über die Jahre immer wieder bestärkt.
Ein zentrales Thema des Abends war das erste Maisacher Brauereifest, das am Pfingstwochenende stattfand und nach Einschätzung Seidls ein voller Erfolg war. Es habe eine neue Form des Miteinanders geschaffen und sei mehr als nur Repräsentationspflicht gewesen – vielmehr die Verwirklichung einer Vision, die im Vorjahr entstanden sei. Seidl sieht in dem Fest eine moderne Alternative zum früheren Volksfest, das in der bisherigen Form wohl keine Zukunft mehr in Maisach hat. Auch aus dem Kreis der Bürgermeisterkollegen habe es durchweg positives Feedback gegeben. Der Bürgermeister betonte, dass das neue Format nicht nur organisatorisch, sondern auch emotional eine neue Marke für Maisach etabliere.
In weiteren Gesprächsthemen ging es um den strukturellen Wandel und die Herausforderungen der kommunalen Arbeit. Seidl sprach über die zunehmende Komplexität seiner Aufgaben: Energie, Klimaschutz, Digitalisierung und nicht zuletzt die Vielzahl von Krisen – von Corona über die Ukraine- bis hin zur Energie- und Wirtschaftskrise – hätten die Amtsführung in den vergangenen Jahren geprägt. Dabei hob er den Zusammenhalt im Gemeinderat hervor, in dem trotz parteipolitischer Unterschiede in Krisenzeiten gemeinsam an Lösungen gearbeitet werde.
Ein weiteres Anliegen des Bürgermeisters ist es, Wohnen und Arbeiten näher zusammenzubringen, um Lebensqualität zu erhöhen und ehrenamtliches Engagement vor Ort zu stärken. Der tägliche Pendlerstrom schade nicht nur der Umwelt, sondern auch dem sozialen Gefüge der Gemeinde. Seidl plädierte dafür, gezielt hochwertige Arbeitsplätze vor Ort zu schaffen.
Das Thema Integration von Neuzugezogenen – ein drängendes Thema angesichts des Wachstumsdrucks im Ballungsraum München – wurde ebenfalls ausführlich behandelt. Seidl warb für gegenseitigen Respekt, Offenheit und die Bereitschaft, sich in bestehende Strukturen einzubringen. Integration sei keine Einbahnstraße, sondern ein beidseitiger Prozess.
Auch zur finanziellen Lage der Gemeinde nahm Seidl Stellung: Trotz sinkender Gewerbesteuereinnahmen befinde sich Maisach im Vergleich zu anderen Kommunen noch auf solidem Niveau. Dennoch seien freiwillige Leistungen wie Vereinsförderung inzwischen auf das Nötigste reduziert. Der anstehende Umbau und die Sanierung des Bürgerzentrums Gernlinden sei dennoch gesetzt – ab 2027 soll es losgehen. Die Maßnahme sei notwendig, um langfristig kulturelle Infrastruktur zu sichern.
Kritische Themen wie die angespannte Diskussion rund um den Standort der Feuerwehr wurden nicht ausgespart. Seidl zeigte Verständnis für emotionale Reaktionen, betonte aber, dass letztlich der Gemeinderat Entscheidungen treffen müsse – auch gegen Widerstände. Die Diskussionen seien Ausdruck demokratischer Prozesse, die jedoch irgendwann in eine gemeinsame Linie münden müssten.
Im weiteren Verlauf des Gesprächs ging es auch um Herausforderungen im Ehrenamt, zunehmende Respektlosigkeit gegenüber kommunalen Amtsträgern, den Umgang mit populistischen Parteien sowie Seidls persönliche Strategien zum Energieauftanken: Spaziergänge in der Natur, ein wenig Landwirtschaft, Zeit mit der Familie und seinen Enkelkindern.
Großen Raum nahm auch das Thema Digitalisierung ein. Zwar sei Maisach im Vergleich zu anderen Gemeinden gut aufgestellt, doch insbesondere der Glasfaser- und 5G-Ausbau lasse noch zu wünschen übrig. Seidl kritisierte dabei auch die Rahmenbedingungen durch die Bundespolitik und eine verfehlte Privatisierungsstrategie im Bereich der digitalen Infrastruktur.
Ein besonderes Zukunftsprojekt ist für den Bürgermeister das Regionalwerk, das derzeit mit acht Kommunen aufgebaut wird. Ziel sei es, regionale Energieerzeugung (etwa durch Windkraft und Photovoltaik) in kommunaler Verantwortung umzusetzen. Damit soll Unabhängigkeit von Großkonzernen entstehen – eine Investition in Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit.
Zum Schluss kam das Gespräch noch auf das Tierheimprojekt und die Kastrationsverordnung für Katzen. Seidl sprach sich klar für ein neues Tierheim aus, betonte aber zugleich die finanziellen Grenzen und die Notwendigkeit, politisch klug vorzugehen. Auch bei der Integration von Geflüchteten plädierte er für realistische und humane Ansätze, die auf Integrationsfähigkeit und soziale Verträglichkeit vor Ort achten.
Den Abschluss bildete ein Blick auf die kommunale Informationspolitik. Seidl nutze soziale Medien wie Facebook und Instagram bewusst, um Bürger direkt zu erreichen. Klassische Medien und das Mitteilungsblatt verlören zunehmend an Reichweite, neue Formate wie digitale Plattformen seien die Zukunft der Bürgerkommunikation.
Mit diesem ersten Bistrogespräch wurde nicht nur ein neues Diskussionsformat in Maisach gestartet, sondern auch ein offener und persönlicher Einblick in die kommunalen Herausforderungen, Visionen und Werte vermittelt. Fortsetzung folgt: Am 30. Juli ist mit Thomas Köck der Vorsitzende der Bürgerenergie Maisacher Land zu Gast. Die Veranstaltung wird wieder in YouTube übertragen. Danke an Uwe Flügel vom Sixytfour, dass ich die Bar als Übertragungsort nutzen durfte.
Meine journalistische Laufbahn bei einer Tageszeitung begann beim Fürstenfeldbrucker Tagblatt/Münchner Merkur mit Stationen in Fürstenfeldbruck, München und Bonn. Und als unlängst mein alter Arbeitgeber den Tag des Lokaljournalismus zusammen mit der hauseigenen Boulevardzeitung tz ausrief, wollte ich dabei sein. Also auf nach München .
Im ehrwürdigen Pressehaus an der Bayerstraße in München gab es für die Leserinnen und Leser einen Blick hinter die Kulissen. Neben einer kurzen Führung gab es in der Eventarena, der ehemaligen Rotation, drei Podiumsdiskussionen.
Lokaljournalismus und Meinungsvielfalt – Ein Blick hinter die Kulissen beim Münchner Merkur Dirk Ippen, Verleger und Herausgeber, zeigte sich stolz und dankbar gegenüber der Redaktion, die diesen Tag der offenen Tür organisiert hatte – mit dem Ziel, Leser, Werbekunden und Mitarbeitende miteinander in den Austausch zu bringen. „Sie sind unsere wichtigsten Menschen“, sagte Ippen, „und ich finde es großartig, dass Sie heute erleben können, wie eine Zeitung wirklich funktioniert.“
Im Zentrum seiner Ausführungen stand der Lokaljournalismus – die Herzkammer des Münchner Merkur und seiner angeschlossenen Heimatzeitungen. Viele dieser Titel wie das Tölzer Kurier, das Freisinger Tagblatt oder die Schongauer Nachrichten existieren seit dem 19. Jahrhundert. Ihr Fortbestehen sei einzig und allein der Arbeit engagierter Lokaljournalistinnen und -journalisten zu verdanken. „Guter Lokaljournalismus lebt von Neugier“, so Ippen. Die Fähigkeit, auf Menschen zuzugehen und ihre Geschichten sichtbar zu machen, sei dabei wichtiger als jeder Zugang zu Bundespolitikern. „Jeder Mensch hat etwas Interessantes zu erzählen – und unsere Aufgabe ist es, das herauszufinden.“
Chefredakteur Georg Anastasiadis, ebenso wie seine Stellvertreter, blickte ebenfalls auf seine Anfänge im Lokalen zurück. Er erinnerte sich an das Jahr 1995, als durch eine vermeintliche Meteoritenexplosion in Andechs plötzlich Redaktionen weltweit – vom Wall Street Journal bis zur New York Times – anriefen. Später stellte sich heraus, dass es sich um eine illegale Sprengung handelte. Ein Beispiel dafür, wie Lokaljournalismus manchmal unverhofft ins Zentrum des Weltgeschehens rückt.
Auch Sebastian Arbinger, tz-Chefredakteur, berichtete von seinen Anfängen in der Lokalredaktion der Passauer Neuen Presse. Dort lernte er das journalistische Handwerk von Grund auf – etwa, wie man aus zwei handgeschriebenen A4-Seiten eines Vogelzuchtvereins einen spannenden Artikel macht.
Ein weiteres Thema des Gesprächs war der Unterschied zwischen Münchner Merkur und tz. Während der Merkur als überregionale Zeitung stärker auf Politik und umfassende Hintergrundberichterstattung setzt, versteht sich die tz als schnelle Stadtzeitung mit starkem Bezug zur Münchner Lebensrealität. Über 2.000 Zeitungskästen im Stadtgebiet unterstreichen diese Präsenz. Titelzeilen müssen pointiert und aktuell sein – manchmal auch provokant –, um im Alltag der Leser sichtbar zu bleiben.
Eine kritische Leserfrage griff die Rolle von Verleger Dirk Ippen als Kommentator auf. Ob es angemessen sei, dass sich ein Verleger so regelmäßig mit Meinungsbeiträgen zu Wort melde, wo dies bei anderen Häusern wie der Süddeutschen Zeitung unüblich sei? Ippen begegnete der Frage mit Offenheit: „Ich schreibe als Privatperson. Es ist meine Meinung – nicht die der Redaktion.“ Weder gebe es Druck noch Einflussnahme auf die Chefredaktion. Im Gegenteil: Die Redaktion verfüge über völlige Unabhängigkeit. Auch Georg Anastasiadis bestätigte: „Wir diskutieren durchaus leidenschaftlich. Unsere Zeitung ist nicht gleichgeschaltet.“
Anastasiadis ging auch auf die Kritik ein, die Kommentierung der Ampelregierung sei zu harsch. Rückblickend habe er die Koalition zum Start wohlwollend begleitet, doch zentrale politische Entscheidungen – etwa der Atomausstieg nach dem Ukraine-Krieg – hätten bei ihm Zweifel geweckt. „Da fehlte mir die ideologiefreie, pragmatische Herangehensweise“, so der Chefredakteur. Er betonte jedoch: „Wir wollen nicht belehren, sondern informieren. Unsere Leser sollen sich eine eigene Meinung bilden.“
Rolle der Leserbriefe Der Diskurs zeigte, wie stark Lesermeinungen geschätzt und eingebunden werden. Leserbriefe und Hinweise spielen eine wichtige Rolle in der redaktionellen Arbeit. So wurde etwa die Enthüllung über mutmaßlich korrupte Vorgänge in der Münchner KVR der Ausländerbehörde durch einen anonymen Leserhinweis ausgelöst – innerhalb weniger Stunden konnte die Redaktion mit offiziellen Stellen sprechen und am nächsten Tag berichten.
Auch die Digitalisierung war Thema: Die gedruckten Ausgaben bleiben vorerst erhalten, werden aber technisch angepasst (kleineres Format), während parallel das ePaper und Online-Angebot weiter ausgebaut werden. So können Leser Inhalte auch unterwegs oder auf Reisen aktuell verfolgen – ein Service, den auch Ippen persönlich regelmäßig nutzt.
Zwischen Gemeinderat und Kanzleramt – Einblicke in den Politikjournalismus Zwei erfahrene stellvertretende Chefredakteure Christian Deutschländer und Mike Schier erzählten offen über ihren Werdegang, den Alltag im politischen Journalismus und die Herausforderungen, die sich in Zeiten von Social Media und Künstlicher Intelligenz stellen.
Beide Journalisten starteten ihre Laufbahn über den Lokaljournalismus. Der eine begann mit 16 als Schülerpraktikant in der Lokalredaktion Wolfratshausen, der andere berichtete zunächst aus Gemeinderäten in kleinen oberbayerischen Gemeinden wie Kirchseeon und Glonn. Beide betonten, dass sie „Kinder des Merkur“ seien – geprägt von einer Redaktion, in der die Nähe zur Leserschaft und der direkte Kontakt zu kommunalen Akteuren von Anfang an eine große Rolle spielen. Diese Anfänge hätten ihnen ein tiefes Verständnis für politische Prozesse vermittelt – ein Wissen, das bis heute ihre Arbeit auf Landes- und Bundesebene prägt.
Interessant war die Reflexion darüber, wie ähnlich sich politische Berichterstattung auf kommunaler und nationaler Ebene tatsächlich gestaltet. Während sich große Politiker oft hinter Pressestäben und Protokoll verstecken, begegnet man auf kommunaler Ebene der unmittelbaren Reaktion: Ein Bürgermeister steht schon mal persönlich in der Redaktion – nicht selten mit scharfer Kritik an einem Artikel. Genau das macht Lokaljournalismus so herausfordernd und wertvoll: Er ist nah dran, spürbar, und oft emotional aufgeladen.
Beziehungsarbeit Wie aber kommt man an die großen Namen der Politik heran? Hier zählt vor allem eins: langfristige Beziehungsarbeit. Wer früh Kontakte knüpft – etwa zu jungen Abgeordneten nach einer Landtagswahl –, hat später bessere Chancen, wenn diese Karrieren machen. Wer mit einem Ministerpräsidenten seit Jahren spricht, hat dessen Handynummer und kann auf einem Vertrauensverhältnis aufbauen. Diese Nähe ist entscheidend – nicht, um parteilich zu berichten, sondern um besser einordnen zu können, was hinter Entscheidungen steckt.
Braucht es noch Politikjournalismus? Gerade in Zeiten von Social Media sehen sich viele Menschen täglich mit Informationen, Meinungen und Kommentaren überflutet. Wozu braucht es da noch den klassischen Politikjournalismus? Die Antwort der Merkur-Redakteure: mehr denn je. Ihre Aufgabe sei nicht nur, zu berichten, was gesagt wurde, sondern vor allem zu erklären, warum. Warum äußert sich ein Politiker auf eine bestimmte Weise? Welche Strategie steckt dahinter? Was bedeutet das für die politische Entwicklung? Diese Einordnung wird immer zentraler, während reine Nachrichtenschilderung an Bedeutung verliert.
Natürlich wurden auch strukturelle Fragen besprochen – etwa zur Größe der Redaktion: Die Politikredaktion zählt etwa 14 Personen, der Sportbereich ist ähnlich stark besetzt. Dabei sei die inhaltliche Gewichtung bei TZ und Merkur unterschiedlich – während bei der TZ der Sport eine größere Rolle spielt, ist es beim Merkur eher die Politik.
Ein Hoch auf die Pressefreiheit Ein weiteres Thema: Pressefreiheit. Die Redakteure betonten, dass in Deutschland niemand vorgibt, was geschrieben wird. Es gebe keine Zensur, keine Vorabgenehmigungen – wohl aber die Pflicht zur Sorgfalt und gegebenenfalls zur juristischen Auseinandersetzung, falls Berichte falsch oder beleidigend seien. Interviews würden aus Transparenzgründen autorisiert, was manchmal zu Konflikten führe, wenn Politiker Aussagen nachträglich ändern wollten. In Extremfällen – wie einst beim SPD-Politiker Olaf Scholz – habe die taz Interviews sogar mit geschwärzten Antworten gedruckt, um den Zensurversuch offenzulegen.
Unabhängigkeit auf Reisen Einen unterhaltsamen Einblick boten auch die Berichte über Reisen mit Politikern. Wenn Ministerpräsidenten oder Kanzler ins Ausland reisen, wird ein Pool an Journalisten eingeladen – allerdings auf eigene Kosten, was wiederum Unabhängigkeit garantiere. Die Plätze im Regierungsflieger sind hart umkämpft, der Zugang zu Hintergrundgesprächen wichtig. Dabei gebe es – je nach Politiker – sehr unterschiedliche Erfahrungen: Markus Söder etwa sei sehr kommunikativ, komme mit klaren Botschaften und wisse genau, was er in einem Gespräch vermitteln wolle.
Auch über das Verhältnis von Print- und Onlinejournalismus wurde gesprochen. Die Redaktionen arbeiten unabhängig, aber kooperativ. Print sei regional fokussiert, während online Reichweite über Themen mit bundesweitem Interesse erzeugt werde. Beide Seiten profitieren voneinander, agieren jedoch mit unterschiedlichen Zielsetzungen.
KI in der Redaktion Künstliche Intelligenz spielt bislang nur eine untergeordnete Rolle im Politikjournalismus der Redaktion. Zwar werde sie vereinzelt zur Recherche genutzt, echte Texte schreibe aber niemand mit Hilfe von KI. Viel zu groß sei das Risiko von Fehlern und ungenauen Informationen.
Die Diskussion offenbarte auch die oft unterschätzte emotionale Komponente des Berufs: die Herausforderung, professionell zu bleiben, auch wenn man selbst eine politische Meinung hat. Viele Journalisten, so ein Redakteur, hätten im Laufe ihrer Karriere gemerkt, dass in allen Parteien kluge Köpfe wie auch Karrieristen zu finden seien – was die politische Einordnung oft komplexer, aber auch interessanter mache. Politikjournalismus ist kein Selbstzweck. Er lebt von Nähe, Vertrauen, Sorgfalt und der Bereitschaft, sich immer wieder auf neue Situationen und Menschen einzulassen. Die Podiumsdiskussion zeigte, wie engagiert, reflektiert und verantwortungsvoll Journalistinnen und Journalisten beim Münchner Merkur diesem Anspruch gerecht werden.
Sportjournalismus hautnah Für mich völlig unwichtig, aber für die Leser enorm wichtig ist der Sportjournalismus. Die Diskussionsrunde war hochkarätig besetzt: Mit dabei waren FC-Bayern-Reporterin Hannah Reif, Bayern-Reporter Manuel Bonke sowie 1860-München-Experte Marco Blanco-Ucles.
Ein zentrales Thema: Wie arbeitet eigentlich eine Sportreporterin? Hannah Reif schilderte anschaulich den Redaktionsalltag – vom morgendlichen Austausch im Team über spontane Themenänderungen durch aktuelle Ereignisse bis hin zur Arbeit am Spielfeldrand. Die Herausforderungen bei Champions-League-Spielen kamen ebenso zur Sprache. Bei Abpfiff muss der Text stehen, auch wenn man frierend im Stadion sitzt – „manchmal im Schneesturm mit der Kapuze über dem Kopf“. Fehler sollten trotzdem nicht passieren, doch das Umfeld ist oft alles andere als einfach.
Bei knappen Spielen müssen zwei Textversionen vorbereitet werden: Plan A bei Sieg, Plan B bei Niederlage – eine zusätzliche Stressquelle, wenn sich Spielverläufe in den letzten Sekunden dramatisch ändern.
Auch das Verhältnis der Reporter untereinander wurde thematisiert. Trotz aller Vereinsrivalität – zwischen Bayern und 1860 – herrscht in der Redaktion ein kollegialer Umgang. Blanco-Ucles berichtete mit einem Augenzwinkern von seiner Rolle als “Löwen-Reporter” in einem Team von Bayern-Journalisten.
Die Frage, ob man als Sportreporter Fan sein dürfe, wurde differenziert beantwortet. Natürlich gäbe es Sympathien – aber auf der Pressetribüne ist professionelle Distanz gefragt. Einblicke gab es auch in die Logistik: Bei Champions-League-Reisen reisen die Reporter gemeinsam mit dem Team – „ganz hinten, kurz vor der Bordtoilette“. Es wird überall gearbeitet: im Flugzeug, am Gate, in der S-Bahn. „Die Texte entstehen unterwegs – aber sie entstehen!“
Besonders interessant war der Blick hinter die Kulissen der sogenannten „Mixed Zone“ nach den Spielen. Dort, wo keine Kameras laufen, seien die Aussagen der Spieler oft offener und gehaltvoller. Thomas Müller, so wurde bedauert, werde der Redaktion mit seinen originellen Zitaten fehlen.
Eine nette Idee, um die Leute zur Stimmabgabe bei der anstehenden Kommunalwahl in Bayern zu motivieren, habe ich bei uns im Dorf entdeckt. An zentralen Punkten der kleinen oberbayerischen Ortschaft Maisach westlich von München liegen weiße Zettel in unterschiedlicher Größe. Sie sind an zahlreichen wichtigen Orten des Dorfes zu finden: Bahnhof, Metzger, Bäcker usw. Darauf steht in großer serifenloser Schrift „Lässt du das wohl liegen!“
Neugierig? Ich auch.
Natürlich lasse ich das Papier nicht liegen und nehme es auf. Auf der Rückseite steht: „Ich sagte doch, du sollst das liegen lassen! Aber wenn Du das schon liest, kann ich dich auch was fragen: Wie sieht für Dich die beste Zusammensetzung des Maisacher Gemeinderates aus?“
Nachdenken über die Kommunalwahl.
Wer hinter der Aktion steckt, weiß ich nicht. Ein ViSdP Verantwortlich im Sinne des Presserechts stand nicht auf dem Papier. Das wäre aber nötig, wenn es von einer bestimmten Partei kommt. Egal. Ich fand es eine coole Idee, denn ich beginne sofort an die anstehende Kommunalwahl zu denken. Ich werde Briefwahl machen und habe meine Unterlagen schon zu Hause. Das ist ein netter Einfall in Sachen virales Marketing.