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Buchtipp für Dylan-Fans: Als sich die Zeiten zu ändern begannen von Suze Rotolo

22. August 2013

cover

In zwei Tagen habe ich die Autobiografie der ehemaligen Freundin von Bob Dylan Suze Rotolo gelesen. Das Buch erschien bereits im Jahre 2008, aber ich durch einen Zufall bekam ich es jetzt erst in die Finger. Als sich die Zeiten zu ändern begannen lautet die Erinnerungen an Greenwich Village in den Sechzigern. Rotolo ist bereits 2011 verstorben. Das Buch ist sicherlich nur etwas für Dylan-Fans, die etwas vom Meister erfahren wollten. Kaum ein Buch wurde von den Fans so erwartet wie dieses. Ich bin zwiegespalten nach Ende der Lektüre. Ja, zum einen habe ich wirklich etwas Neues erfahren: So wusste ich nicht, dass die Autorin von Dylan geschwängert wurde und abgetrieben hatte. Diese Information war mir neu. Aber zum anderen: was geht es mich an?

Es gab interessante Anekdoten aus der früheren Zeit das Künstlerviertel, über den Umgang der Folkies miteinander und den musikalischen Aufbruch an dessen Spitze dass sich Dylan gestellt hat. Am meisten haben mich die Episoden über das Leben im Greenwich Village beeindruckt. Wer heute das ehemalige Künstlerviertel besucht, der findet Kommerz oder Leute, die immer noch am Sixtys Tropf hängen. Dies hielt mich freilich nicht davon ab, durch die Straßen das berühmten Viertels zu ziehen. Schade, dass ich das Buch von Suze Rotolo nicht dabei hatte. Es wäre ein schöner Reiseführer in längst vergangene Zeiten gewesen. Bei deinem nächsten USA-Besuch nehme ich es mit und suche die Orte aus der Dylans Vergangenheit.

Einen Besuch im Gaslight durfte ich mir nicht entgehen lassen.

Einen Besuch im Gaslight durfte ich mir nicht entgehen lassen.

Und ich muss auch zugeben, dass mich die Biografie von Suze Rotolo nicht interessiert hätte, wenn sie nicht zufällig auf dem Cover vom The Freewheelin‘ abgebildet und Robert Zimmermans erste offizielle Freunde als Bob Dylan gewesen wäre. So jedoch, habe ich das Buch an zwei Tagen gelesen und weiß wieder ein paar Details über das Leben von Bob Dylan mehr. Interessant fand ich vor allem die Ausführungen über Dylans Manager Albert Grossmann, der von vielen als Tyrann bezeichnet wurde. Frau Rotolo beschreibt ihn eher mitfühlend. Mir wurde bestätigt, welches musikalische Genie er ist, aber wie schwierig auch einen Zusammenleben mit diesem Herrn wohl auch ist. Also Dylan-Freunden sei dieses Buch durchaus ans Herz gelegt, der Rest wird es sowieso im Regal liegen lassen.

Blockstöckchen – Bloggen? So mache ich das

4. August 2013

Mein Blogger-Freund Ludger Freese hat mir ein Blockstöckchen zugeworfen und ich hab es gerne angenommen. Er stellte mir ein paar Fragen, die ich hier beantworten. Viel Spaß beim Lesen.

Welcher Blogger-Typ bis du?

Als gelernter Journalist, der früher für Tageszeitungen und Fachzeitschriften tätig war, sind Blogs für mich eine klare Fortführung meiner journalistischen Arbeit. Wie kam es zu meinem Blog redaktion42.com? Ich gebe ja seit mehreren Jahren erfolgreich Seminare, unter anderem auch zum Thema Web 2.0. Dort zeige ich, wie sich die Welt verändert. Mit meinem Freund und Kollegen Thomas Gerlach saß ich vor fünf Jahren zusammen und wir kamen auch auf das Thema Blogosphäre zu sprechen. Uns war klar, dass wir nicht über Blogs referieren können, ohne wirklich dabei zu sein. Es gibt schon genügend Schwätzer, die über Sachen abstrakt philosophieren, ohne es zu praktizieren. Also – gesagt, getan. Wir beide gingen ans Bloggen. Doch was sollte der Inhalt sein? Wir beide verfolgten unterschiedliche Konzepte. Während der Kollege Gerlach zweimal die Woche zu speziellen Themen aus der Medien- und Internetbranche schreibt, versuche ich jeden Tag einen bunten Blogpost zu schreiben. Während seine Zielgruppe spitz und elitär ist, sollte mein Blog breit aufgestellt sein, er sollte vor allem Spaß machen. Daher wählte ich als Untertitel auch: Der Blog des digitalen Nomaden Matthias J. Lange. Wie ursprünglich Blog als grass-roots movement schreibe ich eine Art Tagebuch: Ich schreibe über die Dinge, die mich bewegen, die mir auffallen, die ich erfahre. Nach fünf Jahren können wir feststellen: Mein Blog ist der erfolgreichere, hat eine deutlich höhere Reichweite. Es stellt sich heraus, dass sich die User gerne mit den alltäglichen Dingen im Netz beschäftigen, sich überraschen und unterhalten lassen und da sind sie bei mir an der richtigen Adresse.

Gerätschaften digital:

Seit 1984 ist es sind Apple-Geräte. Die aktuellen sind im ganzen Haus verteilt, der Rest im Museum. Momentan sind es MacBook Pro, zwei MacBook Air, Mac Pro, iMac und mehrere Mac minis. Zudem nutze ich iPhone 5 und iPad 4 als mobile Geräte. Als professionelles Fotoequipment nutze ich Nikon D3x und Fuji X100s, im Videobereich die großen Canon- und JVC-HD-Kameras. Ein neues Hobby von mir ist die GoPro Hero3 mit einer wahnsinniger 4k-Auflösung. Und ich habe Akkus wie den tizi Kraftprotz und Ladekabel dabei, weil ohne Strom geht es nicht. Zur Unterhaltung und Entspannung darf der Kindle nicht fehlen.

Gerätschaften analog:

Mein Lieblingsfüller, den ich nur zum Unterschreiben dabei habe. führe ich so dann und wann mit mir. Aber so viele Unterschriften muss ich dann noch nicht leisten. Aber im Ernst: Die Welt ist nicht schwarz oder weiß – nicht anlaog oder digital. Meine Welt ist grau oder im besten Fall bunt.

Arbeitsweise:

Als Tageszeitungsjournalist habe ich gelernt, allzeit bereit zu sein und in jeder Situation schreiben zu können. Aber um genügend Platz für die Familie zu haben, schreibe ich in der Regel für meinen Blog am frühen Morgen oder in der späten Nacht. Ich habe keine Angst vor dem Schreiben. Ich arbeite ich an verschiedenen Blogbeiträgen gleichzeitig. Mein Ziel ist es, jeden Tag einen Blogbeitrag zu veröffentlichen. Viele Beiträge sind geplant und auf den Tag abgestimmt. Natürlich kommen tagesaktuelle Ereignisse hinzu und werfen die ganze Planung über den Haufen. Aber das macht das Ganze wieder spannend.

Welche Tools nutzt du zum Bloggen, Recherchieren und Bookmark-Verwaltung?

Als Blog-Plattform nutze ich WordPress, unterwegs auf der WordPress App. Texte schreibe ich in Google Drive und mehr und mehr ging ich zum Diktieren über aufgrund einer ausgeheilten Augenkrankheit. Die Textdateien sind für meine Frau freigegeben, die meine erste Kritikerin ist.

Ich nutzte früher auch Posterous als Plattform, aber dieser Dienst wurde ja eingestellt und meine Daten zu WordPress migriert. Ich versuche für meine Blogs in der Regel eigene Fotos oder Videos zu nehmen. Dazu ist für mich YouTube eine hervorragende Plattform. Mein Kanal heißt dort redaktion42. Die Bildbearbeitung erfolgt klassisch über Photoshop am Rechner oder entsprechende Tools am iPad. Die Verbreitung geschiet über Twitter, Facebook, Xing, Linkedin, Pinterest und Google+. Die Twitterfeeds werden mehrmals am Tage in unterschiedlichen Varianten wiederholt. Um Kommunikation zu fördern kommentiere ich bei meinen Freunden und erweitere so meine Reichweite.

Wo sammelst du deine Blogideen?

Meine Unterzeile des Blogs redaktion42.com lautet, das Blog des digitalen Nomaden Matthias J. Lange, ich bin ein Reisender. Ich bekomme meine Idee aus dem Web, viel aus den sozialen Netzwerken und dem RL, einige Hinweise kommen über klassische PR-Mitteilungen und vieles kommt aus Gesprächen mit echten Menschen. Wenn ich auf Reisen gehe, vergeht keine Stunde und ich habe neue Themen, aber auch ein kleiner Spaziergang reicht aus. Ich empfehle allen Bloggern die Lektüre von Sigi Sommer.

Was ist dein bester Zeitspar-Trick / Shortcut fürs Bloggen / im Internet?

Augen auf – die Themen liegen auf der Straße. Ich muss sie nur aufnehmen und daher ich muss mich trainieren, die Themen zu erkennen. Und das kenne ich noch aus der Zeit als ich mit der Schreibmaschine gearbeitet habe: Der Artikel ist im Kopf komplett geschrieben, bevor ich den ersten Buchstaben in die Tastatur tippe.

Aber ich musste auch feststellen, das Schreiben für einen Blog etwas anderes ist, als Schreiben für Papier. Ich liebe es früher für meine Leser zu schreiben. Aber: Ich will nicht über SEO-Maßnahmen philosophieren, aber natürlich ist Google heute einer meiner Hauptleser. Kurz und gut: ich musste meine Scheibe ändern und zwar komplett.

Das beginnt ganz einfach mit den Überschriften. Ich beherzige hier einfach mal die Tarzan Regel der Mainpost. Die Regel besagt: wenn der Text über Tarzan geht, muss Tarzan in die Überschrift. Als Printjournalist war ich es gewohnt, blumige Überschriften zu schreiben, die den Leser neugierig machen. Als Onliner, der auch für Google schreibt, muss ich klar schreiben, um was es in dem Post geht. Jeden Tag muss ich also die Gretchenfrage stellen. Schreibe ich schöne Texte für Menschen oder schreibe ich schöne Texte, die von Google gefunden werden? Am Ende ist das Leben wie immer ein Kompromiss.

Dann musste ich lernen, verstärkt auf visuelle Elemente zu setzen: also Bilder und vor allem Videos. Ging früher im Blogpost ohne Bild online, so sollte heute mindestens ein Bild und ab und zu ein Video dabei sein. Visuelle Elemente erhöhen die Aufmerksamkeit beim User und dann wird der Text auch gelesen

Benutzt du eine To-Do-List-App?

Ich habe mich von meiner Zettelwirtschaft verabschiedet. Früher hatte ich mehrere Zettel und Blöcke auf denen ich meine Notizen machte, um nichts zu vergessen. Ich führte lange To do-Listen und kam nicht zurecht. Ich verlor den Überblick.

Seit längerem habe ich damit aufgehört und führe nur noch eine einzige Liste. Damit behalte ich die Übersicht und weise das Chaos in die Schranken. Ich nutze toodledo, gekoppelt mit der Cloud, um auf jeden Endgerät die Daten snychron zu halten. Eines musste ich trotz der Technik lernen: Pack nicht zuviel in deinen Tag. Ich habe oft meine To do-Liste zu voll gepackt, so dass ich abends enttäuscht war, dass ich mein Pensum nicht geschafft habe. Das frustrierte und machte keinen Spaß. Das Übertragen von Aufgaben auf den nächsten Tag sollte nicht unbedingt zur Tagesordnung werden.

Also ganz wichtiger Tipp: Bleiben Sie realistisch. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut und daher mute ich mir nicht mehr zuviel zu. Durch diese Listen kenne ich mein Leistungspensum. Das hat mich auch gelehrt, einmal nein zu sagen, wenn von außen mehr und mehr auf mich abgeladen wurde.

Außerdem musste ich meine persönliche Art von Projektmanagement erlernen. Oft standen früher in meiner Agenda ganz große Brocken, deren Bewältigung nicht an einem Tag zu schaffen war. Hier lernte ich ein großes Projekt in viele kleine Projektchen aufzuteilen, um tägliche Erfolgserlebnisse zu haben. Also klarer Tipp: Großer Brocken in kleinere Bröckchen aufteilen und schon läuft es besser.

Ich habe bei Kollegen gefragt, wie sie ihre Listen führen, wenn sie denn überhaupt eine führen: Die Ergebnisse waren unterschiedlich: Einer nimmt ein Schmierblatt, der andere ein Notizbuch, ein anderer seinen alten Palm und ich nehme die Cloud. Egal, was man nimmt, Hauptsache man nimmt es. Schließlich räumt diese Art von Aufgabenagenda wichtigen Speicherplatz im Gehirn frei. So ist es zumindest bei mir. Was ich aufgeschrieben habe, daran muss ich nicht jede Nacht denken. Diese To do-Listen ordnen meine Gedanken und damit kann ich  mich besser strukturieren und – ganz entscheidend – besser arbeiten.

Und wissen Sie, was das Schönste ist: Wenn eine Aufgabe erledigt ist, dann streiche ich sie mit Genuss durch. Ich glaube, die Psychologie nennt es Erledigungsfreude. Das gibt Motivation und Kraft für neue Aufgaben. Denn eines ist gewiss: Aufgaben gehen nie aus.

Gibt es neben Telefon und Computer ein Gerät, ohne das du nicht leben kannst?

Im Grunde ist das iPad und die Cloud immer dabei und im Moment spiele ich viel mit der Fuji X100s herum, so dass sie auch ist. In hab den schicke braune Lederumhängetasche, darin sind die ganzen Geräte und Kabel, Stative untergebracht.

FujiX100s

Gibt es etwas, das du besser kannst als andere?

Nein, ich bin zwar einmalig, aber ich bin nicht irgendwo besser als andere. Ich kann gut schreiben, aber es gibt bessere Schreiber. Ich kann gut fotografieren, aber es gibt bessere Fotografen. Ich kann gut filmen, aber es gibt bessere Filmer. Aber ich kann katastrophal singen.

Was begleitet dich musikalisch beim Bloggen?

Wenn ich im Tunnel bin, nehme ich nichts wahr. Daher kann ich grundsätzlich überall arbeiten. Aber Musik ist enorm wichtig in meinem Leben. Ich liebe Bob Dylan, Beatles, Pink Floyd, ELP, Deep Purple und King Crimson. Im Moment höre ich auch wieder sehr viel Kraftwerk und Hank Williams, Johnny Cash und Towns van Zandt. Unterschätzt ist zudem immernoch der großartige Warren Zevon. Im Klassikbereich stehe ich auf Bach, Beethoven und vor allem Richard Wagner, letzteren nur musikalisch – nicht politisch.

Wie ist dein Schlafrhythmus – Eule oder Lerche?

Ich kann zu jeder Tages- und Nachtzeit schlafen. Sag mir, wenn ich schlafen kann und ich schlafe. Aber durch ein geregeltes Familienleben gehe ich in der Regel gegen 0 Uhr ins Bett und stehe um 6 Uhr wieder auf. Als Freiberufler gönne ich mir dann und wann einen Mittagsschlaf und das ist für mich total erholsam. Also weder Eule von Lerche.

Eher introvertiert oder extrovertiert?

Extrovertiert – keine Frage. Liegt vielleicht auch an meinen roten Schuhen. Aber als Journalist habe ich gelernt, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen. Das ist als Blogger schon schwieriger. Und was ich auch lernen musste, ist die Personalisierung. Waren die Texte zunächst klassisch journalistisch geschrieben, wandelte sich die Sprache im Laufe der Zeit. Während es im klassischen Journalismus eine absolute Trennung der journalistischen Darstellungsformen gibt (zumindest in der Theorie), vermischt sich in meinem Blog die berichtende und kommentierende Form. Viele meiner Artikel enthalten heute eine klare Meinung von mir.

Diese Personalisierung spiegelt sich auch im Layout des Blogs wider. Hatte ich als Hauptbild früher ein nettes Foto von der GC aus Leipzig, wechselte ich es durch einen Porträtbild von mir aus. Und siehe da, die Zugriffszahlen und die Interaktion, sprich die Kommentare, stiegen. Wenn ich heute auf Veranstaltungen gehe, erkennen mich so manche Besucher. Das beste Beispiel war die re:publica dieses Jahr in Berlin. Als Journalist früher konnte ich unerkannt Veranstaltungen besuchen – das ist durch meinen Blog heute vorbei. Damit klar extrovertiert.

Wer sollte diese Fragen auch beantworten?

Thomas Gerlach

Monika E. König

Franz Neumeier

Der beste Rat, den du je bekommen hast?

„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Kant

kant

Noch irgendwas Wichtiges?

“Macht’s gut und danke für den Fisch” Douglas Adams

Neues Dylan-Album steht in den Startlöchern

21. Juli 2013

Wie ein kleines Kind freue ich mich jedes Mal, wenn ich höre, dass Bob Dylan ein neues Album veröffentlichen wird. Dieses Mal wird es am 27. August so weit sein. Wir Fans bekommen die zehnte Ausgabe der Bootleg Serie zu hören. Und für dieses kleine Jubiläum hat sich Schlizohr Bob etwas besonderes einfallen lassen: Another Self Portrait

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Es handelt sich um Outtakes und Demos aus der Country- und Schlagerzeit des Meisters. Als 1970 das ein Doppelalbum Self Portrait auf den Markt kam, fiel es bei Fans und Kritikern komplett durch. Was sollte dieses Zeug? Abgedroschene Schlager von Dylan. Das wollten seine Fans nicht hören.

Erst Jahre später erkannte man wie wichtig dieses Album war. Es zeigte den Übergang vom Protest zu Kommerz, der sich in der Rock- und Popwelt vollzog. Der Individualismus wurde aufgegeben und der Mainstream eroberte sich seinen Platz.

Mit der Veröffentlichung von Another Self Portrait wird diese Diskussion wieder aufflammen. Noch heute ist auf Self Portrait eines der ungeliebten Dylan-Alben. Mal sehen, was die Bootleg Serie jetzt bringt.

Schade, dass nicht alle Songs, die Dylan gemeinsam mit George Harrison aufgenommen hat, jetzt veröffentlicht werden. Es gab wunderbare Nashville-Sessions, die illegal die Runde machen. Was mich aber besonders reizt, ist eine frühe Demo des Meisterwerks When I Paint My Masterpiece. Zudem wird endlich das Konzert von Bob Dylan & the Band auf der Isle of Wight vom 31. August 1969 komplett legal veröffentlicht. Hoffentlich wurde der Sound gegenüber den Bootlegs überarbeitet. Das Album enthält Songs aus der Ära Nashville Skyline, Self Portrait und New Morning. Am 27. August wissen wir mehr, das Album wird in zwei Versionen erscheinen. Als Doppel-CD Another Self Portrait 1969-1971: Bootleg Series 10 und als vierfach CD Another Self Portrait 1969-1971: Bootleg Series 10– ach ja eine Vinyl-Ausgabe Another Self Portrait 1969-1971: Bootleg Series 10 [Vinyl LP] gibt es auch. Übrigens, wenn ich mir etwas wünschten dürfte, dann die kompletten The Basement Tapes in hörbarer Aufmachung.

Hier aber schon mal die von Columbia veröffentlichte Trackliste des Albums:

CD 1

1. „Went to See the Gypsy“ (demo)
2 „In Search of Little Sadie“ (without overdubs, Self Portrait)
3. „Pretty Saro“ (unreleased, Self Portrait)
4. „Alberta #3“ (alternate version, Self Portrait)
5. „Spanish Is the Loving Tongue“ (unreleased, Self Portrait)
6. „Annie’s Going to Sing Her Song“ (unreleased, Self Portrait)
7. „Time Passes Slowly #1“ (alternate version, New Morning)
8. „Only a Hobo“ (unreleased, Greatest Hits II)
9. „Minstrel Boy“ (unreleased, The Basement Tapes)
10. „I Threw It All Away“ (alternate version, Nashville Skyline)
11. „Railroad Bill“ (unreleased, Self Portrait)
12. „Thirsty Boots“ (unreleased, Self Portrait)
13. „This Evening So Soon“ (unreleased, Self Portrait)
14. „These Hands“ (unreleased, Self Portrait)
15. „Little Sadie“ (without overdubs, Self Portrait)
16. „House Carpenter“ (unreleased, Self Portrait)
17. „All the Tired Horses“ (without overdubs, Self Portrait)

CD 2
1. „If Not For You“ (alternate version, New Morning)
2. „Wallflower“ (alternate version, 1971)
3. „Wigwam“ (original version without overdubs, Self Portrait)
4. „Days of ’49“ (original version without overdubs, Self Portrait)
5. „Working on a Guru“ (unreleased, New Morning)
6. „Country Pie“ (alternate version, Nashville Skyline)
7. „I’ll Be Your Baby Tonight“ (Live With the Band, Isle Of Wight 1969)
8. „Highway 61 Revisited“ (Live With the Band, Isle Of Wight 1969)
9. „Copper Kettle“ (without overdubs, Self Portrait)
10. „Bring Me a Little Water“ (unreleased, New Morning)
11. „Sign on the Window“ (with orchestral overdubs, New Morning)
12. „Tattle O’Day“ (unreleased, Self Portrait)
13. „If Dogs Run Free“ (alternate version, New Morning)
14. „New Morning“ (with horn section overdubs, New Morning)
15. „Went to See the Gypsy“ (alternate version, New Morning)
16. „Belle Isle“ (without overdubs, Self Portrait)
17. „Time Passes Slowly #2“ (alternate version, New Morning)
18. „When I Paint My Masterpiece“ (demo)

Die vierfach-CD enthält das Konzert und eine Version von Self Portrait samt umfangreichen Buch.

Bob Dylan & the Band at Isle of Wight – August 31st, 1969
1. „She Belongs to Me“
2. „I Threw It All Away“
3. „Maggie’s Farm“
4. „Wild Mountain Thyme“
5. „It Ain’t Me, Babe“
6. „To Ramona“/“Mr. Tambourine Man“
7. „I Dreamed I Saw St. Augustine“
8. „Lay Lady Lay“
9. „Highway 61 Revisited“
10. „One Too Many Mornings“
11. „I Pity the Poor Immigrant“
12. „Like a Rolling Stone“
13. „I’ll Be Your Baby Tonight“
14. „Quinn the Eskimo (The Mighty Quinn)“
15. „Minstrel Boy“
16. „Rainy Day Women #12 & 35“

Gibt es noch Goldene Schallplatten? – Record Store Day (3)

19. April 2013

Werden eigentlich heute noch Goldene Schallplatten verliehen? Ich meine, ist es im digitalen Zeitalter eigentlich noch sinnvoll eine Schallplatte zu verleihen? Aber wahrscheinlich hängt die Musikindustrie dem genauso noch nach, wie der Filmindustrie dem Filmband.

Im Haus habe ich eine Goldene Schallplatte hängen. Es ist freilich kein Original – glaube ich zumindest, sondern ein PR-Gag der Plattenindustrie. Es handelt sich um eine Goldene Schallplatte zum Bob Dylan Album Shot of Love, wunderbar gerahmt und hinter Glas. Das Album selbst war der Gipfel der religiösen Dylan-Phase in der die Plattenverkäufe in den Keller gingen. Es wurde im Jahr 1981 für 500.000 Exemplare der Platte verliehen.

Meine "Goldene Schallplatte" von Meister Dylan.

Meine „Goldene Schallplatte“ von Meister Dylan.

Aber es war eben das Jahr 1981 – ist es nicht an der Zeit, auf andere PR-Maßnahmen zu setzen? Wir wissen ja, Goldene Schallplatten werden für eine bestimmte Anzahl an verkauften Musikmedien (LP, CD, Videos, DVD) von der Musikindustrie vergeben. In Deutschland wechselten die Vergaberichtlinien immer wieder. Einmal waren es die klassischen Verkäufe (ohne entsprechenden Nachweis), dann lieferte die GEMA die Zahlen. Seitdem Napster die Musikindustrie ruiniert hatte, wurden die Vergabekriterien nochmals geändert, um wenigstens die PR der Goldenen Schallplatte zu nutzen.Seit 2003 müssen 100.000 Alben verkauft werden. Jazz hat weniger, Hörbücher auch.

Auszeichnung für Shot of Love.

Auszeichnung für Shot of Love.

Im Grunde ist die Goldene Schallplatte ein Marketingrelikt aus vergangenen Zeiten. Natürlich gab es im CD-Zeitalter auch eine Goldene CD. Im Zuge des Siegs von MP3 sollte über eine Neuorientierung nachgedacht werden.

Am 20. April ist wieder einmal der Record Store Day, also der Feiertag der Schallplattenläden. Vielleicht wäre es an der Zeit, diesen PR-Tag genauso wie die Goldene Schallplatte über Bord zu werfen und nach etwas neuem Ausschau zu halten?

Kennt ihr noch Picture-Discs? Record Store Day (2)

18. April 2013

Der Record Store Day steht am 20. April vor der Tür und es ist einmal wieder Zeit in den Keller zu gehen, um mehrere Meter Langspielplatten durchzusehen. Ich habe zwar noch zwei Schallplattenspieler, aber ich nutze sie nur noch zum Digitalisieren von seltenen Scheiben. In der Regel kaufe ich mir alte Aufnahmen bei Amazon oder iTunes nach, weil ich keine Lust habe, alte Rauschescheiben zu digitalisieren und schlimmer noch, anschließend nachzuarbeiten. Ich bin einfach zu faul oder mir fehlt schlichtweg die Zeit.

Beim Durchblättern der LP-Covers denke ich an schöne Zeiten zurück. Als ich als Jugendlicher in meinem Bett lag und mir die LPs rauf und runter anhörte. Ich kannte jedes Knacken, jedes Rauschen und natürlich jeden Song. Ich lernte Texte auswenig, entdeckte die Cover-Arts von Pink Floyd oder Yes. Ich war ein LP-Fan und mochte immer gerne das Gesamtwerk eines Künstlers. Singles oder gar Maxi-Singles waren nicht so mein Fall. Ich gab viel Geld für Bootlegs aus, verbrachte meine Freizeit auf Schallplattenbörsen und Flohmärkten und reiste sogar einmal mit zwei leeren Koffern nach London, um dort in Second Hand-Läden Vinyl im großen Stil einzukaufen.

Bei meinem jüngsten Kellergang zog ich vergessene Picture-Discs hervor. Sie hatten einen schlechteren Klang als herkömmliche Schallplatten, aber waren damals in Sammlerkreisen beliebt. Zunächst hatte ich ein paar farbige und transparente LPs und sah bei meinem Schallplattenbegeisterten Onkel eine Johnny Cash Picture-Disc. Wenn ich mal Schallplatten mit dem Konterfei meines Stars gefunden hatte, kaufte ich sie.

Auswahl meiner Picture Discs: Hendrix, Elvis und Dylan.

Auswahl meiner Picture Discs: Hendrix, Elvis und Dylan.

Auf die Schnelle fischte ich bei meinem Kellergang aus meinen LP-Regalen drei Scheiben hervor: Elvis, Hendrix und Dylan. Ich habe noch andere, wie Beatles, Who und Led Zeppelin – muss aber wohl mein Ordnungssystem verbessern.

Die LP Pictures of Elvis stammt aus dem Jahr 1984 von dem dänischen Label All Round trending. Es sind die üblichen willkürlichen Hits enthalten von Heartbreak Hotel bis Hound Dog. Das Bild zeigt einen Elvis der siebziger Jahre – also insgesamt ein schrecklicher Mix. Der Verkaufswert liegt heute bei 20 Euro, also hab ich mit dem Kauf der Platte damals keine große Wertsteigerung erfahren.

Die nächste Aufnahme hörte ich gerne, weil es mich an eine Session erinnerte. Es handelt sich um die Jimi Hendrix-LP: Second Time Around aus dem Jahre 1979. Es ist eine schreckliche Bootleg-Platte. Produzent war ein Ed Chalpin und das Schweizer Label hieß Astan Music AG. Der Preis liegt heute bei 30 US-Dollar – hey ich bin reich.

Meine Lieblings-Picture Disc war aber eine Platte ohne Musik. Es handelt es sich um die legendäre Pressekonferenz von Dylan 1965. Es ist die vollständige Aufnahme der San Francisco Press Conference vom Dezember 1965. Das Teil liegt es auch auf DVD, aber ich hatte damals eine Picture-Disc aus London. Sie kostete 5 englische Pfund. Die LP mit zwei verschiedenen Bildern aus der PK stammt aus dem Jahr 1988 und kommt vom Label HIGHWAY 61. Sie bringt heute um die 60 US-Dollar.

Schallplatten werden immer seltener, trotz eines gewisser Liebhaber. Vor kurzem ist eines der letzten Schallplatten-Presswerke Europas ist bei einem Feuer fast vollständig zerstört worden. Warum der Brand in der Produktionshalle der Pallas Group im niedersächsischen Diepholz ausbrach, ist noch unklar. Dort wurden Schallplatten aus Vinyl gepresst – zum Teil mit museumsreifen Maschinen. Etwa 200 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Der Schaden geht in die Millionen. Und das Sterben der Schallplatte hat sich dadurch beschleunigt.

Vormerken: Am 20. April ist der Record Store Day (1)

17. April 2013

Am 20. April ist der Record Store Day, also der Tag der Schallplattengeschäfte. Während ich als Kind jeden Samstag im örtlichen Schallplattenladen Sound verbracht hatte, ist für mich heute die Zeit der Plattenläden vorbei. Der Record Store Day ist eine Erinnerung an vergangene Zeiten. Im Grunde wird krampfhaft versucht, etwas Sterbendes am Leben zu erhalten.

Dazu zwei Geschichten aus meiner jüngsten Vergangenheit: Als ich vergangenes Jahr in New York weilte, wollte ich den Aufenthalt mit dem Kauf der Beatles-Box in Mono krönen. Ich dachte mir, naiv wie ich bin, wenn irgendwo die Beatles zu haben sind, dann wohl in New York. Denkste. Zusammen mit meiner Frau hielt ich Ausschau nach CD-Läden, konnte aber keinen größeren Stores mehr finden. Ich wollte so was wie Tower Records oder Virgin Mega Stores. Aber nichts fanden wir.

Hab ich schon mal etwas von Amazon gehört, wurde ich in NYC gefragt.

Hab ich schon mal etwas von Amazon gehört, wurde ich in NYC gefragt.

Als wir im ehemaligen Künstlerviertel in New York spazieren gingen, dem Greenwich Village, schaute ich bei der Bleecker Street vorbei und traf auf den legendären Bleecker Street Records (39 Bleecker St. zwischen Carmine und Leroy streets). Übrigens wird der Laden im April 2013 wohl schließen, weil der Vermieter die Miete auf  27.000 US-Dollar anheben will. Naja, dem Betreiber von Bleecker Street Records schilderte ich mein Beatles-Problem und fragte nach Stores in New York. Der Typ schaute mich kurz an und ordnete dann seine Vinyl-Schallplatten weiter. Er sagte lakonisch zu mir: „Hast du schon mal was von Amazon und iTunes gehört?“

Das nächste Erlebnis mit einem Schallplattengeschäft hatte ich in Köln. Neben dem Millowitsch Theater in der Aachener Strasse 5 ist der Parallel Schallplatten. Das Sortiment umfasst Jazz, Funk, Soul, HipHop, Reggae, Soundtracks, Entertainer, Easy Listening, Country, Rock, Pop, Indie, New Wave, Industrial, Avantgarde und Klassik. Der Online-Shop ist interessant. Ich verbrachte ein paar Stunden in dem Schallplattengeschäft, fachsimpelte und quatschte – und kaufte am Schluss eine CD mit Musik vom C64. Ja, ich geb es zu, ich schäme mich dafür. Ich wollte eigentlich eine paar Singles, wurde aber nicht mehr fündig.

Blick in eine Parallel-Welt bei Parallel Schallplatten in Köln.

Blick in eine Parallel-Welt bei Parallel Schallplatten in Köln.

Vielleicht bewege ich mich am Record Store Day doch noch in ein paar Shops. In München gibt es noch welche. Schließlich gibt es an dem Tag eine neue Dylan Single, die ich brauche. Columbia Records will eine neue Dylan-Single veröffentlichen: Es handelt sich um eine Demo-Version von Wigwam und damit ein Teil der anstehenden Bootleg Series Vol. 10. Auf der B-Seite gibt es eine unveröffentlichte Version von Thirsty Boots. Insgesamt handelt sich um Aufnahmen einer von Fans ungeliebten Dylan-Phase mit abgedroschenen Schlagern. Ich bin sehr gespannt auf die Aufnahmen.

Trotz einiger Vinyl-Platten und einer gewissen Szene halte ich den Schallplattenmarkt als Massenmarkt für tot. Dennoch kann ich mich nicht überwinden, meine Vinyl-Schätze im Keller zu verkaufen. Sie werden noch einige Jahre dort verstauben. Aber ich verspreche: Neue Schallplatten werde ich keine mehr kaufen, höchstens noch ein paar Singles.

Parallel Schallplatten in Köln.

Parallel Schallplatten in Köln.

Musiktipp: The Minneapolis Party Tape von Bob Dylan

13. November 2012

Achtung, gleich vorweg: Diese Aufnahmen sind nur etwas für Hardcore-Fans des Meisters. Wieder einmal werden Bootleg-Aufnahmen von Bob Dylan im großen Stil auf CD vertrieben. Die Aufnahmen The Minneapolis Party Tape gibt es in unterschiedlichsten Ausgaben.

Aufgenommen wurden sie im Mai 1961 als Dylan bei der Arbeit an seinem ersten Album Bob Dylan war. Der junge Folkie spielte auf einer Party bei der Collage-Bekanntschaft Bonnie Beecher. Dylan war auf dem Weg nach Hause zu seinen Eltern nach Hibbing, Minnesota. Er brauchte wohl eine Pause vom Musizieren in den Clubs und Cafes von Greenwich Village.

So entstanden die Aufnahmen, die den Dylan-Fans auch als Beecher-Hotel oder Minneapolis-Hotel bekannt sind. Sie stammen von zwei, drei verschiedenen Sessions, aufgenommen von einem tragbaren Tonbandgerät. So hören sich die Aufnahmen auch an. Die Aufnahmequalität ist im besten Falle authentisch. Der Sound ist dumpf, es rauscht, aber der Zuhörer bekommt einen kraftvollen jungen Dylan zu hören, der kurz davor steht, die Musikwelt zu verändern. Hier spielt er eigentlich nur Standards und Traditionals. Diese historischen Aufnahmen sind aber ein Beweis dafür, wie schnell sich Dylan entwickelt und von seinen Vorbildern gelöst hat. Unter historischen Aspekten sind diese Aufnahmen revolutionär. Vor allem der letzte Song des Albums Bonnie Why’d You Cut My Hair? zeigt den Humor des jungen Musikanten.

Das Booklet zu dieser Ausgabe liefert informative Hintergrundinfos, erzählt von den Songs, von den Aufnahmen von Tony Glover und mehrt die Mythos Bob Dylan. Glover schrieb später übrigens ein hervorragendes Buch über die Blues-Harmonika. Vielleicht werden die Aufnahmen einmal von Dylan selbst in seiner Bootleg-Serie aufgelegt. Im Moment müssen wir Fans uns noch mit diesem Material von  The Minneapolis Party Tape  begnügen.

Der Buchladen wird sterben

10. Oktober 2012
Digitale Lesegeräte auf der Buchmesse. Foto: Bernd Hartung

Digitale Lesegeräte auf der Buchmesse. Foto: Bernd Hartung

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels betreibt Lobbyarbeit und hält an alten Zöpfen fest. Seinen Mitgliedern streut er Sand in die Augen. Anstelle seine Mitglieder auf die neue Zeit vorzubereiten, hat sich der Verband den Erhalt der bestehenden Strukturen auf seine Fahnen geschrieben. Diesen Eindruck bekam ich bei der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse. Gottfried Honnefelder, seines Zeichens Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, sagte: „Der unabhängige Buchhandel ist mehr als nur ein Vertriebsweg, denn Literatur entsteht in Wechselwirkung mit der Kultur ihrer Verbreitung“, so Honnefelder. „Eine Bildungsnation braucht den stationären Buchhandel.“

Hallo Herr Honnefelder, die Bildungsnation hat längst entschieden! Ich sage: Der Buchhandel über die Form des traditionellen Buchladens an der Ecke wird sterben. Die Bildungsnation hat auch den Schallplatten- und CD-Laden sterben lassen. Musik gehört auch zur Bildung, zur Kultur und siehe da, trotz Sterben des Schallplatten- und CD-Laden gibt es weiterhin Musik. Diese Kulturform ist ins Netz gewandert und hat sich geändert. Ich bestelle meine Musik entweder als CD bei Amazon und Co oder lade sie bei Amazon oder iTunes. Und genauso wird es den Büchern ergehen. Ich kaufe entweder die Papiervariante oder lese ein eBook über Onlineshops.

Und gleich geht das große Wehklagen los: Untergang des Abendlandes und so. Erinnern Sie sich bitte. Wenn jemand in den achtziger Jahren gesagt hätte, dass Plattenläden sterben würden, dann wäre er ausgelacht worden. Schallplatten haben Millionenumsätze generiert – Michael Jacksons Thriller war eines der meist verkauftesten Alben. Und heute? Die Musikindustrie musste sich den Gegebenheiten anpassen. Napster war eine Kriegserklärung, die legalen Geschäfte kamen mit iTunes und Amazon. Musik wird aus dem Netz geladen. Aber nicht mehr die Musikindustrie hat den Daumen drauf, sondern neue Player sind aufgetaucht.

Warum ich welches Album kaufen soll, sagt mir auch das Netz. Empfehlungsmarketing von meinen Freunden funktioniert. Wenn mir Gleichgesinnte sagen, dass neue Dylan-Album sei hervorragend, dann brauche ich keinen Musikkritiker oder einen Plattenhändler mehr. Soziale Netzwerke helfen mir den Überblick zu bewahren, was neues am Markt erschienen ist. Wie sagte ein amerikanischer Student: Wenn die Nachricht wichtig für mich ist, wird sie einen Weg zu mir finden, egal über welchen Kanal. So sieht doch die Realität aus.

Und immer höre ich: Mein Buchhändler berät mich doch so gut, dann antworte ich: Er ist Händler und seine Aufgabe ist es zu verkaufen. Wenn er 20 Minuten mir ein Buch schmackhaft macht, ist das wunderbar, als Verkäufer ist er allerdings nicht zu gebrauchen, denn der Ladenbesitzer muss Miete zahlen. Empfehlungsmarketing im Buchbereich ist noch sensibler als bei Musik. Ich muss noch mehr Vertrauen zu meinen Freunden haben, denn ich zum Lesen brauche ich deutlich mehr Zeit als zum Anhören einer CD.

Und die Buchläden vor Ort schließen schon jetzt: Gottfried Honnefelder weiß es doch genau. In Essen warf Thalia hin. Seit der Einweihung des Baedeker-Hauses vor 84 Jahren war hier nie etwas anderes als eine Buchhandlung. Am 15. Oktober ist Schluss damit. Das Stammhaus von Heinrich Hugendubel in München am Literaturhaus, das seit 1893 Bestand hatte, ist geschlossen. Die Mayersche Buchhandlung in Köln in der Schildergasse schließt und wird wohl – ironisch – einem Apple Retail Store weichen.

Der Buchvertrieb über stationäre Buchläden geht zurück und wird bis auf wenige Läden nicht mehr existieren. Ich sage voraus, dass der Siegeszug von eBooks gerade erst begonnen hat. Nach Aussage der Bitkom lesen derzeit elf Prozent aller Bundesbürger E-Books. Rund ein Viertel (23 Prozent) aller Bundesbürger lesen elektronische Publikationen (Zeitungen, Comcis, Bücher, auf Tablets, E-Readern oder Smartphones.

Ich glaube aber auch, dass es weiter Bücher geben wird, allerdings in anderen Editionen. Ich kaufe mir weiterhin schön aufgemachte Editionen, liebevoll gestaltete Exemplare. Das Taschenbuch oder das gebundene Buch mit nur Text, dies kann ich digital genauso lesen. Bei der Musik kaufe ich das Album oder den Song digital, aber Special Editions mit DVD, Booklets und Konzertkarten oder hochwertigen Drucken, erwerbe ich analog. Diese Chance sehe ich auch für Bücher. Einen edlen Bildband erwerbe ich lieber analog, aber das geht auch über Onlineshops. Also lieber Herr Gottfried Honnefelder bereiten Sie bitte die Branche auf die Zeitenwende vor.

Buchkritik: Bob Dylan – Forever young

1. August 2012

Time Life hat ein wunderbares Fotoarchiv und immer wieder werden Schätze aus diesem Archiv gehoben und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. So geschehen vor kurzem bei dem neuen Fotobuch Life in Pictures Life Bob Dylan: Forever Young (Life (Life Books)).

Es sind viele bekannte und einige mir unbekannte Dylan-Fotos darin zu finden. Daneben gibt es eine gefällige Einführung von Robert Sullivan, dem Herausgeber der Life-Bücher. Natürlich hat man die sechziger Jahre erlebt, natürlich war man bei Rolling Thunder dabei, schöne Erinnerungen derjenigen, die noch immer am 60- und 70-Jahre-Tropf hängen. Vom neuen Dylan, gar vom Jesus-Dylan gibt es nicht viel zu lesen oder zu sehen. Die 60er und 70er Jahre sind hervorragend illustriert, doch es gibt nur ein paar Fotos aus den 80ern wie den interessanten Live Aid-Auftritt, ein wenig Papst und ein wenig Ehrungen und Auszeichnungen. Im Grunde ist es Standard-Agenturmaterial, das bekannt ist. Von der Neuzeit keine tieferen Analysen, obwohl das Buch 2012 erschienen ist und Dylan mit seinem Spätwerk ungeheuere kommerzielle und künstlerische Erfolge abliefert.

Kurz wird im Text auf seine zweite gescheiterte Ehe und seine Tochter aus der Beziehung eingegangen, aber nichts wirklich Neues. Nein, diesen Dylan wollen eine Fans von Life nicht sehen, sie wollen lieber die Protest- und elektrische Phase sehen und dokumentieren dies mit wunderbaren Fotos. Mir selbst gefällt die Doppelseite zum Bucheinstieg von Renaldo und Clara eigentlich am Besten. Dylan steht mit Joan Baez (in Hochzeitskleid) in einer Bar. Sam Shepard ordnet im Hintergrund Filmmaterial. Dylan und Baez schauen sich in die Augen – das alte Feuer ist da. Dylan Fans kennen den Dialog aus dem Buch von Sam Sharpard, der sich abspielte: „Warum haben wir nie geheiratet?“ fragte sie. „Ich habe die Frau geheiratet, die ich liebe“, antworte er. Die gescheiterte Liebe wird vor laufenden Kameras ausgetragen und wir sind Zeuge.

Insgesamt ist Life Bob Dylan: Forever Young (Life (Life Books)) ein nettes Buch, kein Muss, aber ein paar neue Fotos vom Meister aus den guten alten Zeiten. Eine Offenbarung ist es nicht, aber solides Fanmaterial.

Joan Baez live in Concert in München

13. Juni 2012

Diese Frau ist ein Phänomen. Mit ihren 71 Jahren füllt die US-amerikanische Folksängerin Joan Baez immer noch große Konzertsäle und dies obwohl sie sich seit Jahrzehnten nicht weiterentwickelt. Mit einem Repertoire eines gewöhnlichen Lagerfeuer-Entertainers schafft sie es ihr Publikum zu verzaubern. Ihr Publikum sind für mich Leute, die noch am Tropf der sechziger Jahre hängen. Nach dem Motto „Weißt du noch, wie wir damals dagegen waren …“ versammeln sich die Jünger um die Hohepriesterin des Folks, obwohl ihr Einfluss kaum noch vorhanden ist und ihre Bewegung längst verstummt ist. Wie in der Münchner Philharmonie gilt es zusammenzurücken und gegen die Ungerechtigkeit in der Welt anzusingen und dann in den Mercedes SLK einzusteigen und nach Hause zu fahren. Ok, ich übertreibe.

Stimmlich ist Joan Baez ihrem Alter noch sehr gut auf der Höhe. Natürlich klappen die hohem Tremolos nicht mehr so ganz wie früher, und auch eine Erkältung in München sorgte nicht immer für astreine Töne, aber was soll es. Die Frau ist 71 Jahre alt und macht ihren Job, so gut sie ihn kann. Und das ist das Dilemma von Joan Baez. Sie hatte immer etwas zu sagen, aber sie musste meist die Werke anderer bemühen, um ihrer Meinung Ausdruck zu verleihen. Joan Baez war eine begnadete Sängerin, aber sie war leider nie eine begnadete Songwriterin. Ihre selbst geschriebenen guten Songs lassen sich an zwei Händen abzählen.

Und sie ist es wohl leid, dass sie immer wieder auf ihre Beziehung zu Bob Dylan angesprochen wird. Sie hat den jungen Mann entdeckt, holte ihn auf die Bühne, verliebte sich in ihn und er ließ sie fallen und machte Karriere. Aber noch immer singt sie seine Songs, voller Inbrunst. Und sie äfft ihn nach bei „Love ist just a four letter Word“. Es muss nach all den Jahren noch weh tun. Aber sie wehrt sich. In ihrem eigenen Song „Diamond & Rust“ änderte sie in München eine Textzeile: Aus „Er schoss direkt in mein Herz“ machte sie einfach „er schoss mir direkt in die Augen“. Auf ihren anderen berühmten Lover Steve Jobs geht sie nicht ein, obwohl zeitgleich während ihres Konzertabends in München die WWDC von Apple in San Francisco läuft, aber ohne Jobs, der im Oktober verstarb.

Naja, aber Joan Baez ist eine Überlebende. Sie war zwar Teil der Gegenkultur, aber immer auf der braven Seite zu finden. Sie wagte viel, aber bleib immer noch im Rahmen. Keine Revolution wie Hendrix, Morrison oder Joplin, dafür lebt sie noch und sieht hervorragend aus. Sie sang immer Lieder, die sich um den Tod drehen. Sie erinnerte an den Ehemann ihrer 2001 verstorbenen Schwester Mimi: Der Schriftsteller und Sänger/Songwriter Richard Fariña kam 1966 bei einem Motorradunfall ums Leben.

Ihre Karriere begann mit Folk-Standards, die sie auch in München wieder darbot. Und der Tod zog sich durch den Abend: Robbie Robertson und auch John Lennon und das Publikum sang brav mit. Und genau das ist das Langweilige, Vorhersehbare. Sie singt Jahr ein, Jahr aus die gleichen Lieder. Ob ich 1984 Joan Baez gesehen habe, oder 2012 – es ist von der Interpretation und der Auswahl der meisten Songs egal. Und das ist eigentlich das Tragische. Immer wieder holt sie Nachwuchsleute wie einstmals Dylan auf die Bühne und gibt ihnen ein Forum. In München war es die französische Sängerin Marianne Aya Omac. Freilich muss die Dame barfuß die Bühne betreten – wir erinnern uns: Joan Baez gab früher auch ihre Konzerte ohne Schuhe und fuhr dann in ihren Rolls Royce davon. Marianne Aya Omac brachte auch Stimmung in den Kulturtempel Gasteig. Gypsi-Klänge, lateinamerikanische Musik, ja das mag das Münchner Publikum, das brav mitklatschte und sich auf seine Art richtig gehen ließ. Immer brav die Gegenkultur vorantreiben.

Die Setliste zeigt Standards: Setlist God Is God | Be Not Too Hard | Lily Of The West | Railroad Boy | Scarlet Tide | Hard Times | Jerusalem | Catch The Wind | Swing Low, Sweet Chariot | [3 spanische Songs mit Marianne Aya Omac] | The House Of The Rising Sun | Long Black Veil | Suzanne | Gracias A La Vida | Diamonds & Rust | The Night They Drove Old Dixie Down | Imagine | Sag mir wo die Blumen sind | Donna Donna

Zu Beginn und am Ende des Konzerts bedankte sich Joan Baez mit den Worten: „Sie machen es mir leicht.“ Das ist richtig. München liegt der Grand Dame des Folkssongs zu Füßen, obwohl es eigentlich nichts neues gab.