Filmkritik: Le Mans 66

18. November 2019

Ich habe mich geschämt. Ich habe mich wirklich geschämt, als ich aus dem Scala-Kino in Fürstenfeldbruck gegangen bin, weil mir der Film gefallen hat. Ich habe Le Mans 66 gesehen und genossen.
Ja, ich weiß: PS-Boliden sind im Zeitalters des Klimawandels nicht mehr zeitgemäß, ja komplett unvernünftig und dennoch hab ich die GT-40, die Mustangs, die Shelbys, die Ferraris und die Porsches genossen, die mit Bleifuß und Vollgas den Asphalt herunter brettern. Ich bin ein großer Fan von Le Mans und die Verfilmung mit Steve McQueen ist für mich einer der Rennfilme schlechthin. Da war ich ein wenig nervös als ich den Trailer zu Le Mans 66 sah. Da tritt jemand gegen einen Kultfilm an und muss doch zwangsläufig scheitern: Steve McQueen gegen Christian Bale.
Der Film Le Mans 66 tut es nicht, weil er eine ganz solide Geschichte in packenden Bildern erzählt. Es ist die Geschichte der Rennfahrer Carroll Shelby (Matt Damon) und Ken Miles (Christian Bale). Ford will gegen Ferrari antreten und Carroll Shelby soll die Fahrzeuge bauen. Beim Le Mans Rennen des Jahres 1966 schaffte es Ford bekanntlich und ließ Ferrari dann jahrelang hinter sich. Gewichts-Chamäleon Christian Bale musste für die Rolle in Le Mans 66 rund 30 Kilogramm verlieren, nachdem er zuvor für Vice – Der zweite Mann (2018) stark an Körpermasse zugelegt hatte – wir können bald Brando zu ihm sagen.


Der Film basiert auf der wahren Geschichte des visionären amerikanischen Sportwagenherstellers Carroll Shelby (Matt Damon) und des furchtlosen, in Großbritannien geborenen Rennfahrers Ken Miles (Christian Bale). Gemeinsam kämpfen sie gegen die Intervention ihres Auftraggebers, die Gesetze der Physik und ihre eigenen inneren Dämonen, um einen revolutionären Sportwagen für die Ford Motor Company zu bauen. Damit wollen sie die dominierenden Rennwagen von Enzo Ferrari beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1966 in Frankreich besiegen. Im Original heißt der Film schließlich auch Ford v Ferrari.


Das hätte eine schöne Erfolgs- und Siegerstory im Kino sein können. Ein wenig Patriotismus, ein bisschen amerikanisches Draufgegängertum und fertig wäre perfektes US-Popcorn-Kino. Doch Regisseur James Mangold hat viel mehr aus dem Film gemacht als ich erwartet, nein befürchtet habe. Er zeigte, wie schwer es aufrechte Typen haben und wie mächtig Lobbyismus und Intrigen sind.
Die Luft da oben ist dünn. Enzo Ferrari ist zwar ein durchtriebener Fuchs, doch Henry Ford II und sein gelecktes Management spielen noch falscher und sind die wirklichen Unsympathen. Ich empfang die Person von Il Commendatore Enzo Ferrari sehr gut in Szene gesetzt. Das war ein Firmenchef, der seine Wagen geliebt hatte, der mit Rennen verbunden war. Er lebte für seine Marke. Ferrari hatte den Respekt seiner Mannschaft, seiner Fahrer und seiner gegnerischen Fahrer. Das wird an einer kleinen Szene gegen Ende des Films deutlich als sich die Blicke von Enzo Ferrari und Ken Miles treffen. Es zeigt sich aber auch als sich il Drago über Henry Ford II lustig macht, weil der Automobilhersteller per Hubschrauber zum Essen fliegt, während die 24 Stunden von Le Mans laufen.
Im Jahre 1960 wurde Robert McNamara Präsident und Lee Iacocca Vizepräsident der Ford Motor Company. Henry Ford II bekleidete im Unternehmen die Posten des CEO und Aufsichtsratsvorsitzenden. Lee Iacocca wird interessant gezeichnet. Auf der einen Seite ist er Teil von Ford, aber der anderen Seite hat er Sympathie für die Rebellen Carroll Shelby und Ken Miles. Lee Iacocca schuf ja auch den Typ des Pony-Cars mit dem Ford Mustang.


Im Mittelpunkt steht das Rennen. Davon lebt schließlich ein Rennfilm. Packend, dramatisch, ein bisschen Cars von Pixar – so wird die Hölle von Le Mans gezeigt. Die Action ist so intensiv, dass es den Zuschauer in den Kinosessel drückt. Mit ähnlichem Druck überzeugt Carroll Shelby den Firmenchef Henry Ford II, in dem er in einen GT-40 packt und das Gaspedal durchdrückt. Hier war der einzige Moment in dem Henry Ford II sich erinnert, das er einen Automobilkonzern leitet. Mit Tränen in den Augen fleht er darum, dass sein Großvater Henry Ford ihn so sehen könnte. Sein fast 80-jähriger Großvater und Firmengründer Henry Ford war nicht von den Fähigkeiten seines Enkels überzeugt und übernahm noch einmal die offizielle Leitung seines Unternehmens, die er erst im September 1945 und nicht ganz freiwillig wieder abgab.
Der Film Le Mans 66 ist vielschichtig. Natürlich kommt er nicht an Le Mans von früher heran, aber er ist unbedingt sehenswert.
Aber richtig frustriert war ich nach dem Ende des Films, als die Credits über die Leinwand des Scalas in Fürstenfeldbruck gelaufen sind. Ich stieg nicht in einen unvernünftigen GT-40, sondern in meinen vernünftigen Lexus Hybrid und fuhr nach Hause.

 

Die Godzilla-Filme und Godzilla II: King of the Monsters

17. November 2019

Ich liebe Monsterfilme. Ich liebe King Kong, ich liebe die Kaijūs aus Pacific Rim und ich liebe Godzilla. Den jüngsten Godzilla hab ich mir gleich zweimal im Kino angesehen und freue mich auf die Veröffentlichung der 4K-Version für zuhause. Godzilla II: King of the Monsters hat mir ausgesprochen gut gefallen. Es gibt Godzilla II: King of the Monsters auch auf Bluray.

Die Monster haben auf der Leinwand Tradition. Nach den Erfolgen „Godzilla“ und „Kong: Skull Island“ präsentierten Warner Bros. Pictures und Legendary Pictures vor kurzem das jüngste Kapitel in ihrem filmischen Monster-Universum: In „Godzilla II: King of the Monsters“ tritt Godzilla gegen einige der beliebtesten Monster der japanischen Filmgeschichte an und es war ein richtiges Bombast-Kino.
Als Monster-Fan musste ich grinsen, denn der Filmtitel ist eine Homage an einen frühen Godzilla-Film von 1956. Beim 1956 erschienenen Film Godzilla – König der Monster (Original: Godzilla, King of the Monsters!) handelt es sich um die US-amerikanische Version des ersten Godzilla-Films von 1954 Godzilla. Aber natürlich bringt Hollywood nicht den alten Streifen wieder auf die Leinwand, sondern hat tief in die Monsterkiste gegriffen. Beim neuen Film handelt sich um eine Fortsetzung von Gareth Edwards’ Godzilla aus dem Jahr 2014 und basiert auf dem gleichnamigen japanischen Filmmonster der Toho-Studios.
Zum Inhalt: Die Mitglieder der Regierungsorganisation Monarch (kennen wir bereits aus „Kong: Skull Island“) müssen sich einer Horde von Monstern, den Titanen, stellen, darunter der mächtige Godzilla, die legendäre Mothra, das fliegende Ungeheuer Rodan und deren ultimativer Erzfeind King Ghidorah. Sie alle wetteifern um ihre Vorherrschaft und bedrohen dabei die Menschheit in ihrer Existenz. Und das geht nicht ohne richtig Action.
Wer an Godzilla denkt, dem kommt als Erstes das Brüllen des Monsters in den Sinn. Der Schrei von Godzilla geht dem Zuschauer durch Mark und Bein. Und eben dieses Brüllen gibt es im neuen Film auch wieder zu hören. Bei Godzilla aus dem Jahre 1954 wurde vom Filmkomponisten Akira Ifukube zunächst mit Tierstimmen experimentiert. Die Ergebnisse waren aber nicht überzeugend. Es wurde schließlich ein Kontrabass gewählt, über dessen Saiten ein mit Kiefernharz bestrichener Lederhandschuh der Länge nach gestrichen wurde. Und schon war der typische Klang von Godzilla geboren. Was mich sehr freut, dass im neuen Score zu „Godzilla II: King of the Monsters“ der Score von Akira Ifukube wieder Eingang gefunden hat.

Die Musik von Godzilla
Das Thema von Godzilla hat in Japan einen ähnlichen Stellenwert wie das Star Wars-Thema von John Williams bei uns.
Den Soundtrack zu Godzilla :King of the Monsters hat jetzt Bear McCreary komponiert. Den ersten Teil komponierte noch der Franzose Alexandre Desplat zu Godzilla. Viele werden Bear McCreary noch von seinen Filmmusiken zu den TV-Serien Battlestar Galactica und The Walking Dead kennen.
Ich hab mir den Score gekauft und finde ihn prima. Im April kam Old Rivals von McCreary und was mich als Fan der Siebziger Jahre freute, das Blue Öyster Cult Cover Godzilla, interpretiert von Serj Tankian. Die Doppel-CD läuft bei mir rauf und runter und nervt die ganze Familie.


Die Soundtracks der alten Godzilla-Filme haben eine große Tradition und erfreuen sich großer Nachfrage. Die japanischen Pressungen erzielen bei den Börsen Höchstpreise. Nach zahlreichen japanischen Künstlern komponierte auch Keith Emerson die Musik zu Godzilla: Final Wars. Emerson war einstmals Mitglied der britischen Supergroup Emerson, Lake & Palmer. Ich habe mir einige zusammengekauft und mach immer wieder den Godzilla-Soundtrack-Tag.

Godzilla am Samstag nachmittag
Als Kind waren die Godzilla-Filme aus Japan meine Samstag-Nachmittagsunterhaltung. In den Fürstenfeldbrucker Kinos lief oft die Jugendvorstellung von japanischen Monsterfilmen. Die Filme waren bei uns Jugendlichen Kult. Ein Darsteller schlüpfte in ein G.-Suit, ein anderer in einen anderen Monsteranzug aus Gummi und in einer Pappwelt kam es zur großen Schlägerei. Die Titel der Monsterfilme hatten es in sich – die deutsche Synchro ließ richtig die Sau raus. Frankenstein – Der Schrecken mit dem Affengesicht (1965), Frankenstein – Zweikampf der Giganten (1966), Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer (1966), Frankensteins Monster jagen Godzillas Sohn (1967), Frankenstein und die Monster aus dem All (1968), Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster (1971) oder Frankensteins Höllenbrut (1972).
Interessant, dass in Deutschland Godzilla einfach mal mit Frankenstein übersetzt wurde. Das Schema der Filme war immer gleich. Die Menschheit wurde von einem übernatürlichen oder außerirdischen Wesen bedroht und ist verzweifelt. Und dann taucht Godzilla (manches Mal mit Godzillas Baby) aus den Fluten des Ozeans auf und macht die Bösen platt. Die Menschen ballern ihr Waffenarsenal auf die Monster und Godzilla ab, was natürlich vergeblich ist. Godzilla macht klar Schiff, zerlegt in der Regel Tokyo und versinkt dann wieder im Meer. Ein alter Japaner sagt noch einen weisen Spruch und Ende bis zur nächsten Fortsetzung. Wie gesagt, ich habe die Godzilla-Filme genossen und war auch vom Revival Mitte der Achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts sehr angetan. Nach dem Besuch von Godzilla II: King of the Monsters kaufte ich mir auf Blu-ray eine Sammlung von neueren Godzilla-Filmen. Im Archiv hatte ich noch eine Sammlung von DVD der alten Filme gefunden.

Und dann kam Roland Emmerich
Als ich 1998 hörte, dass sich der deutsche Bombast-Regisseur Roland Emmerich des Godzilla-Themas annahm, wurde ich neugierig. Ich war gespannt, wie der Schwabe mit Hollywood-Geldern sich des japanischen Mythos in Godzilla annehmen würde. Heraus kam nicht Godzilla, sondern eine Echse, die sich durch Manhattan bewegte und ihre Eier im Madison Square Garden ablegte. Das Ende war natürlich offen für eine Fortsetzung, die aber gottlob nie eintrat. Der Film lief international erfolgreich in den Kinos. Er spielte weltweit über 370 Millionen Dollar ein. Dem standen Produktionskosten von ca. 125 Millionen Dollar gegenüber. Und dennoch mochte ich den Film nicht. Es lag wahrscheinlich daran, dass es der erste Godzilla-Film war, der außerhalb Japans produziert wurde und nicht die japanische Seele traf. Godzilla heißt im Film Godzilla übrigens nicht Godzilla, sondern wird nur GINO genannt.
Wer Lust hat, sollte sich den Film Godzilla: Final Wars anschauen. Dort taucht die Echse von Emmerich unter dem Namen Zilla auf, zerstört Sydney und bekommt von dem richtigen japanischen Godzilla richtig eins auf die Mütze. Balsam für meine Seele. Das wirklich einzig Gute an Emmerichs Version ist der Score von David Arnold, den es in einer limitierten Auflage als Doppel-CD gibt.
Wer die alten Monster-Filme mit den Gummi-Anzügen nicht so mag, dem sei der Streifen Shin Godzilla aus dem Jahr 2016 empfohlen. Es war der erste japanische Godzilla-Film seit 2004 und ein wahrer Hochgenuss für Fans.

Der US-Neuanfang
Regisseurs Gareth Edwards schaffte mit Godzilla aus dem Jahr 2014 eine hervorragende US-Version des Themas. Edwards hatte mit seinem preisgünstigen Spielfilmdebüt „Monsters“ bewiesen, dass er mit wenig Geld viel Atmosphäre schaffen kann. Das Reboot ging vorsichtig mit dem japanischen Original um und Godzilla-Fans auf der ganzen Welt dankten es dem Regisseur. Das Monster blieb aber meist im Dunkel. Die Tricks kamen von den Spezialisten von Weta, die ihr Handwerk verstehen. Teile des Special Effect-Teams von Herr der Ringe schufen unter der Leitung von Jim Rygiel eine hervorragende Arbeit. Und auch das Münchner Unternehmen Scanline durfte seine Arbeit zeigen. Drehbuch, Stimmung, Sound, Effekte – bei diesem Film passte alles zusammen. Godzilla war wieder im Herzen der Fans.


In Abspann von „Kong: Skull Island“ wurde bereits der Nachfolger von Godzilla angedeutet. Endlich ist es mit „Godzilla II: King of the Monsters“ wieder soweit. Die japanischen Monster geben sich ein Stelldichein und es verspricht ganz großes Monsterkino jetzt auf Bluray zu werden.
Übrigens: Der Nachfolger von „Godzilla II: King of the Monsters“ steht auch schon fest. Er heißt Godzilla vs. Kong und ist für den 13. März 2020 geplant.

Merch
Godzilla und Merchandising gehören einfach zusammen. Es gibt in diesem Bereich nichts, was es nicht gibt. Als Godzilla-Fan habe ich selbstverständlich die einschlägige Literatur und die Scores zu den Filmen. Ich habe das Art of-Buch The Art of Godzilla: King of the Monsterszum neuen Godzilla gekauft. Wirklich eindrucksvoll. Wer sich für Sketches und Zeichnungen interessiert, findet hier eine wahre Fundgrube an Information.


Aber es gibt mehr: Godzilla Suits, Lutscher, Action-Figuren. Ich habe sogar eine limitierte Steiff-Ausgabe, die nur in Japan erschienen ist. Der schwäbische Kuscheltierhersteller hatte 2014 eine Sonderedition des Filmmonsters auf den Markt gebracht in einer Auflage von 1954 Exemplaren. Warum 1954 Exemplare? Ganz einfach: Der berühmte Monsterfilm startete am 3. November 1954 in den Kinos und zog seinen Siegeszug über die Welt an.
Ans Herz gewachsen ist mir allerdings eine Spardose im Godzilla-Design. Die rechteckige Büchse zeigt eine Wasserszene. Ein aufgewühltes Meer, ein Schiff und eine Art Gebirge oder Insel. Wird nun eine Geldmünze auf das Wasser gelegt und ein wenig angedrückt, kommt Godzilla zum Vorschein. Das Meer teilt sich und der Deckel hebt sich an. Godzilla schaut mit bösen Augen hervor und eine Pranke des Monsters zieht die Münze zu sich in die Tiefe. Dazu gibt es unterschiedliche Sounds, wie das Brüllen von Godzilla oder sogar Auszüge aus dem Score von Akira Ifukube von 1954.

Filmkritik: Joker von Todd Phillips

16. November 2019

Endlich hab ich es geschafft, mir den Joker im Kino anzuschauen und ich frag mich, warum ich das nicht früher gemacht habe. Ich hatte Befürchtungen, dass es eine Comicverfilmung im Sinne der schrecklichen Marvel- oder DC-Filme wird. Nix da: Joker ist großes Schauspielkino und ist absolut lohnenswert. Es hat mit Superhelden nix zu tun.
Natürlich bewegen wir uns in der Tradition der Comicwelt, aber es wird eben nur wenig auf Superhelden Bezug genommen. Im Grunde ist es nur eine Szene, in der die Eltern von Bruce Wayne erschossen wird – die Geburtsstunde von Batman wie Comicfans wissen. Aber wer das Batman-Universum nicht kennt, hat absolut keine Probleme sich den Joker anzusehen. Der Film hat sich zum Kassenschlager entwickelt. Dies liegt an der Regie von (Pokerspieler) Todd Phillips und der schauspielerischen Leistung von Joaquin Phoenix. Und so bekam dieser Film den Goldenen Löwen in Venedig und geriet so in mein Interesse.

Eskalation auf der Leinwand
Ein Joker steckt in jedem von uns. Jeder hat mit Rückschlägen und Niederlagen zu kämpfen. Doch in dem Solofilm Joker verliert der Hauptdarsteller komplett den Halt. Und der Film zeigt das Abgleiten des Jokers in den Wahnsinn. Es ist verstörend, richtig unangenehm, als Zuschauer diesen Verfall zu beobachten. Die Hänseleien, der Spott, die Kälte der Gesellschaft schnürt mir als Zuschauer die Luft ab. Und so eskaliert die blutige Schau auf der Leinwand. Zunächst fühlte ich mich an Falling Down erinnert, aber Joker befreit sich schnell aus diesem Vorbild und geht konsequent seinen eigenen Weg.

Der Verfall des Jokers
Joker, der eigentlich Arthur Fleck heißt, leidet unter eine Lachstörung in der fiktiven Stadt Gotham City des Jahres 1981. Das Setdesign ist runtergekommen und spiegelt den Verfall des Charakters. Der Müll wird nicht abgeholt, die Ratten kommen hervor. Arthur Fleck will nichts Schlechtes, kümmert sich um seine Mutter, geht einen Beruf als Clown nach, doch er scheitert an den Umständen. Er wird geschlagen, er wird hereingelegt, er wird gedemütigt, er wird von seiner eigenen Mutter betrogen. Er versucht soziale Nähe, wird aber zurückgewiesen und flüchtet sich in Traumwelten. Die geistige Situation von Arthur Fleck verschlimmert sich. Und als er erfährt, dass er als Kind missbraucht wird, ist die Grenze überschritten. Sein Auftritt als Standup-Comedian misslingt, aber er wird gefilmt und in YouTube veröffentlicht. Das Netz macht sich lustig über ihn. Er tötet, schminkt sich zur Comicfigur Joker für einen Auftritt in einer Talkshow im klassischen Fernsehen, wo er wieder das Gespött der Leute sein soll. Er plante seinen Selbstmord, erfährt in der Show nur Schadenfreude pur. Der Joker wehrt sich, bricht aus, wendet sich gegen seine Peiniger und ruft zum Terror mit einer solidarischen Maskenbewegung auf. In der letzten Szene mordet der Joker in einer psychiatrischen Anstalt – oder ist es nur Einbildung?

Großartig Joaquin Phoenix als Joker
Ich war begeistert über das schauspielerische Talent von Joaquin Phoenix. Vor allem das unterschiedliche, gesteigerte Lachen ist sehr gut inszeniert. Es ist kein Lachen der Freude und zeigt dem Zuschauer die Leere von Fleck. Bisher war Heath Ledger für mich der beste Joker, doch Joaquin Phoenix kommt der Interpretation sehr nahe und gibt ihm aber mehr Raum, weil er eine Figur zeigen kann, die sich entwickelt. Heath Ledger in der Batman-Verfilmung The Dark Knight war das geniale Endprodukt dieser Entwicklung zum Schurken Joker.

Der Score zu Joker
Schwer tat ich mich mit dem Score. Die Filmmusik wurde von Hildur Guðnadóttir komponiert. Der Soundtrack, der insgesamt 17 Musikstücke mit 37 Minuten umfasst, bietet für mich keine größere Tiefe und ist eine Enttäuschung.

Koreanisches Tatar in der Goldenen Traube

15. November 2019

Gerne schlüpfe ich in die Rolle des Foodbloggers und gehe auf eigene Kosten essen. Vor einiger Zeit kehrte ich in der Goldene Traube in Coburg ein und probierte Koreanisches Tatar.
Das klingt interessant. K2 mag koreanische Küche, was sicherlich an K-POP und ähnliches liegt. Tatar ist Hackfleisch vom Rind, das aus hochwertigem, sehnenfreiem und fettarmem Muskelfleisch wie Filet hergestellt wird und feiner zerkleinert ist als einfaches Rinderhackfleisch. Als Gericht wird es meist roh als Beef- oder Hacksteak Tatar zubereitet.

Die Goldene Traube hat allerdings die koreanische Variante mit Apfel, Sojamarinade, Koriander und Reiscracker auf der Speisekarte. Es gibt das Tatar als Vorspeise (100 Gramm) für rund 15 Euro oder Hauptgericht (180 Gramm) für rund 25 Euro. Das Gericht wird frisch am Tisch zubereitet und auf Nachfrage erklärt. Ich habe ein kleines Video von der Zubereitung gedreht. Guten Appetit.

Begegnung mit dem großen Georg Stefan Troller – ein Erlebnis

14. November 2019
Vielen Dank Georg Stefan Troller

Vielen Dank Georg Stefan Troller

Ab und zu treffe ich Menschen, die mich absolut flashen. Sie beeindrucken mich von ihrer Persönlichkeit oder ihrer schöpferischen Kraft. Und so war es auch dieses Mal als ich auf Georg Stefan Troller traf. Troller ist einer der Männer, die mich bewogen, den Beruf des Journalisten zu ergreifen. Jahrelang wollte ich den großen Erzähler Georg Stefan Troller kennenlernen und jetzt ergab sich die Möglichkeit.
Auf Vermittlung von meiner Twitter-Kollegin Catharina Wilhelm besuchte ich eine Lesung des 97jährigen Trollers im jüdischen Gemeindezentrum in München. Er stellte sein neues Buch Liebe, Lust und Abenteuer: 97 Begegnungen meines Lebens vor. 97 Begegnungen weil 97 Jahre. Ich nutzte die Gelegenheit und sprach einfach mein journalistisches Vorbild an. Ein Interview war nicht möglich.

Georg Stefan Troller ist ein Journalist der alten Schule. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war ein hervorragender Fernsehjournalist, Dokumentarfilmer und ein Vorläufer eines Talkmoderators. Er erzählte perfekte Geschichten. Der Österreicher Troller ist Jude und entkam nur knapp den Nationalsozialisten, emigrierte in die USA und berichtete nach dem Krieg aus Paris. 1962 begann er Sendungen seines Pariser Journals. Er porträtierte damalige Prominente in seinen Sendungen. Ich habe noch eine Erstausgabe des Pariser Journals und ließ es mir von Troller signieren. Mir wurde das Buch von Walther von La Roche, dem großen Mann der Ausbildungsredaktion des BR, empfohlen und ich habe das Buch verschlungen. Es sind auf der einen Seite Interviews zu lesen, aber es ist vor allem zu lesen, wie Troller seine Interviews vorbereitete, wie er sie führte und wie er arbeitete.

Jedes Jahr bringt Troller Bücher auf den Markt. Sein neuestes Buch ist Liebe, Lust und Abenteuer: 97 Begegnungen meines Lebens. Entstanden ist eine Mischung aus intimen Interviews, Aphorismen, Anekdoten, Bonmots, Fotografien und Geschichten, die in vielfältiger Form das Kernthema der menschlichen Existenz umkreisen: den Eros, unsere Trieb- und Antriebskraft. Die Liebe in ihrer körperlichen und geistigen Gestalt, der Sprung vom petite mort zu dessen großem Bruder, die latente Gefahr des Lebens und der Liebe selbst: Dies ist der Stoff des ewig alten aber ständig neuen Abenteuers mit seinen 97 Jahren, unwiderstehlich dargeboten von prominenten Protagonisten.
Ich habe mir auf der Veranstaltung neben dem Pariser Journal noch ein anders Buch signieren lassen. Es war Paris geheim – hier beschreibt Troller interessante Orte in Paris abseits der Touristenströme. Im Grunde ist der Pionier Troller ein moderner Reiseblogger. Gerne hätte ich mit ihm ein Interview zum Thema Blogs gemacht, doch leider hat der Verlag das Interview abgelehnt. Schade, denn ich hätte gerne eine Einschätzung von ihm gehabt. Vielen Dank an Ellen Presser vom Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde, die sich redlich bemüht hatte.
Interessant war seine Meinung über die Vergänglichkeit von Büchern. Der Buchautor, der daran zweifelt, ob Buch als Darstellungsform eine Zukunft hat. Damit haben viele Besucher der Lesung sicherlich nicht gerechnet. Schließlich ist das Schlitzohr Georg Stefan Troller ja auch langjähriger Dokumentarfilmer.

Ich habe viele seiner Werke und seiner Interviews in YouTube gefunden und sie wenden sich an eine ganz andere Generation. Es gibt ein tolles Interview mit ihm, dass ich jedem empfehlen möchte.

Troller ist ein genialer Storyteller. Ich hänge an den Lippen bei seinen Erzählungen. Und auch wenn diese Erzählungen schockierend sind. Er berichtete von der Befreiung des KZ Dachau als US-amerikanischer GI und von den Verhören der Bevölkerung.

Er erzählt noch der Nachkriegszeit und von seiner Anfangszeit als Journalist. Er machte seine ersten journalistischen Schritte in München. Berichtete von dem Vorwurf: „Ihr Juden seid am Krieg Schuld“ und wie er die Frauenkirche gerettet hat.

Tag des Bloggens

13. November 2019
Er wäre heute ein Blogger: Sigi Sommer

Er wäre heute ein Blogger: Sigi Sommer

Heute ist der 13. November – heute ist der Tag des Bloggens. So steht es zumindest im Kalender der kuriosen Feiertage aus aller Welt. Und gerne will ich diesen Feiertag begehen, denn für mich als Blogger gehören Blogs eindeutig zu den modernen Massenmedien und zur Massenkommunikation.
Ich selbst blogge seit Juni 2008 und das nahezu täglich für redaktion42.com. Ich bin hin und wieder als Corporate Blogger für Mittelständler tätig. Ich schule Interessierte zum Thema Blogs. Un ich war Gründungsmitglied und eine zeitlang Vorsitzer des Bloggerclubs und halte es für enorm wichtig, dass Blogger eine Interessenvertretung haben.
Habe ich als Blogger Vorbilder? Klar, denn ich bin gelernter Tageszeitungsjournalist und komme aus der Tradition des journalistischen Bloggens. Viele berühmte Journalisten wären Blogger gewesen, wenn es die Technik früher gegeben hätte: Heinrich Heine, Martin Luther oder auch Spaziergänger Siegfried Sigi Sommer. Sommer war Autor der Blasius-Kolumne. Sie war in meiner Heimatstadt München sehr erfolgreich, sie erschien ununterbrochen fast vierzig Jahre lang in der AZ, die letzte von ungefähr 3500 Kolumnen kam am 2. Januar 1987 heraus. Im Grunde wäre der Sigi ein Blogger gewesen.

Ich gehe immer wieder an einer lebensgroßen Bronzestatue Sommers vorbei, die vom Bildhauer Max Wagner gestaltet wurde. Sie zeigt ihn als Spaziergänger mit einer Zeitung unter dem rechten Arm. Die Statue wurde von der Verlegerfamilie R. S. Schulz gestiftete Standbild gestiftet. Sie steht in der Fußgängerzone am Roseneck in der Rosenstraße beim Apple Store und wurde am 28. Juli 1998 enthüllt.

Steiff 355448 King Kong ist da

13. November 2019
King Kong von Steiff ist eingetroffen.

King Kong von Steiff ist eingetroffen.

Was hat Edgar Wallace mit King Kong zu tun? Der berühmte Autor schuf nicht nur britische Krimis wie der Schwarze Abt, der grüne Bogenschütze und allerlei Kriminalliteratur, sondern er hatte die Grundidee zu King Kong. Als Filmfan mag in den Affen im Film: Natürlich angefangen mit King Kong und die weiße Frau von 1933, dann King Kong von 1976, später King Kong von Peter Jackson und zuletzt Kong: Skull Island. Und ich mag die japanischen Godzilla-Filme und es kommt ja 2020 auf das Zusammentreffen von Kong und Godzilla.
Von Godzilla hab ich eine seltene Steiff-Figur, die 1954 mal erschienen ist. 1954 war das Erscheinungsjahr des ersten Godzilla-Films. Jetzt erschien eine Sonderausgabe von King Kong bei Steiff und ich musste als Fan von Kong natürlich auch zuschlagen.

Der Steiff 355448 King Kong ist 42 Zentimeter groß. Die Figur besteht aus feinstem Mohair und hat Kunststoffaugen. Gefüllt ist der Affe mit synthetischem Füllmaterial. King Kong ist ein Sammlerobjekt mit Kunstlederapplikationen. Ein Gliederdraht unterstützt die machtvolle Haltung. In Grau und Rot sind Akzente mit Airbrushtechnik gesetzt. Mit vergoldetem „Knopf im Ohr“. Produziert ist der Affe durch Steiff in einer limitierten Auflage von 750 Stück. Während bei Godzilla sich die Auflage am Entstehungsjahr des Godzilla-Films orientierte, ist der King Kong meines Erachtens willkürlich auf 750 Exemplare gewählt. Ich sehe keinen Grund für die Zahl außer der künstlichen Verknappung, um den Sammlerpreis nach oben zu treiben. Im Moment liegt der Affe beim Verkaufspreis von rund 400 Euro, wird aber sicherlich bei Sammlern in den nächsten Jahren steigen.

Kritik: Bootleg Serie Vol. 15 Travelin‘ Thru von Bob Dylan

12. November 2019
Bootleg Serie Vol. 15 Travelin‘ Thru von Bob Dylan

Bootleg Serie Vol. 15 Travelin‘ Thru von Bob Dylan

His Bobness ist ein wandlungsfähiges Phänomen. Und das zeigt der Meister immer wieder auf eindrucksvolle Art. Jetzt kam aus seiner Bootleg Serie die 15. Ausgabe heraus und sie dokumentiert die interessante musikalische Zeit Dylans zwischen 1967 bis 1969.
Während die Beatles mit The Sgt.Pepper’s Lonely Hearts Club Band, die Stone mit Their Satanic Majesties Request zum technischen Overkill antraten, Pink Floyd auf Psychodelic-Music setzen, The Cream den Blues frönten, da gab Bob Dylan eine komplett andere Richtung vor. Nach seinen drei elektrischen Alben und einem Motorradunfall war die Öffentlichkeit gespannt, was der Meister abliefern würde. Dylan meldete sich aus Woodstock und Nashville und setzte auf ruhige, nahezu biblische Texte und Töne. Und dann spielte er Country.

Seine beiden Alben John Wesley Harding und dann vor allem Nashville Skyline waren das genaue Gegenteil, was sich Fans erwartet hatten. Und mit der Travelin‘ Thru,1967-1969:the Bootleg Series V.15 kommen nun die Outtakes dieser Zeit auf den Markt. Zudem erscheinen endlich offiziell die Aufnahmen mit seinem Kumpel Johnny Cash.
Dylan schaffte es im Alleingang, den liberalen Rock mit dem konservativen Country zu versöhnen.
Es kam damals nicht zum gemeinsamen Album Cash/Dylan, aber jetzt liegen die Aufnahmen vor. Ich verehre beide Musiker und die Aufnahmen zeigen, welche Basis die beiden Menschen hatten. Ich hatte bereits einige davon durch illegale Pressungen. Und es gibt die Aufnahmen der Johnny Cash-Show endlich offiziell, die wir freilich schon längst aus YouTube kannten.
Anders als bei so manchen Aufnahmen der anderen Bootleg Serie sind dieses Mal nicht die kompletten Aufnahmesessions veröffentlicht worden, sondern nur Teile daraus. Also darf der Fan nicht zig verschiedene Versionen anhören, sondern der Meister hat eine Vorauswahl getroffen, mit der wir Fans uns begnügen müssen. Ich selbst hab mir die 3-CD-Box gekauft und es nicht bereut. Das beiliegende Booklet bringt sogar ein paar neue Fotos. Es wurde verfasst von Musik-Historiker Colin Escott sowie von Johnny-Cash-Tochter und Musikerin Rosanne Cash.
Was sind die Highlights? Zum einen sicherlich der neue Song „Western Road“ aus der John Wesley Harding Zeit. Zum anderen höre ich dass erste Mal Wanted Man von Dylan selbst. Ich kannte den Song bisher nur von Cash von seinen Gefängnisauftritten. Ich war eigentlich davon überzeugt, dass Dylan diesen Song nur geschrieben, aber nie aufgenommen hat.Travelin‘ Thru,1967-1969:the Bootleg Series V.15 zeigt das Gegenteil und die Box ist es nur für diese Aufnahme wert gekauft zu werden.

Cabriojacke Sebring von Heinz Bauer

11. November 2019
Ein Traum von Heinz Bauer.

Ein Traum von Heinz Bauer.

Jetzt kommt die Zeit des schönen deutschen Wortes Übergangsjacke. Es wird kühler und ich ziehe meine dickeren Jacken an. Im Moment trage ich gerne eine leichte Jacke von Hackett London in Kombi mit Tweed, ich liebe meine dickeren Barbour-Jacken und habe bei meinen Herrenausstatter Felbinger in Immenstadt eine wunderschöne Jacke entdeckt. Einen Traum, einen absoluten Traum. Sie stammt von Heinz Bauer und ich schmelze dahin.
Es handelt sich um Cabrio Lederjacken. Ich habe zwar kein Cabrio, finde die Jacke aber toll. Klaus Felbinger hat seit einiger Zeit eine Kooperation mit dem Porsche Zentrum Allgäu und da passen die Heinz Bauer Jacken genau ins Sortiment. Die Jacken werden komplett in Deutschland produziert. Das Design kommt aus Reutlingen. Das Leder kommt aus geprüften Gerbereien und ist gleichbleibend hoch.

Ich hab mir die Jacke Sebring näher angesehen. Diese Biker-Jacke steht für Geschwindigkeit und Lifestyle pur. Das gerade geschnittene Modell ist an den Schulterpartien und an den Armabschlüssen mit einem charakteristischen sportiven Steppmuster verziert, welches aufwändig im dynamischen Rapport genäht ist. Der Zweiwege-Reißverschluss kann bis zum Kinn hochgezogen und mit einem zusätzlichen Riegel am Kragen geschlossen werden. Das innovative Windschott ist schnell und einfach eingezippt. Wer mag, kann den Kragen einfach abnehmen und durch die Stadt bummeln. Das hat mich sehr fasziniert. So steht dem grenzenlosen Fahrvergnügen mit offenem Verdeck nichts mehr im Weg.

Das Futter übrigens ist mit Fotomotiven aus der alten Rennsportzeit versehen. Ein absoluter Hingucker.
Jetzt stellen sich mir zwei Probleme: Zum einen der Preis der Jacke mit 2200 Euro und zum anderen das Fehlen eines Cabrios. Beides ließe sich durch Geld lösen, aber genau da liegt mein Problem …

Mein ganz persönlicher Moment des Mauerfalls

10. November 2019

Gestern war 30 Jahre Mauerfall und ich erinnere mich an einen kleinen persönlichen Moment, der mir bewusst gemacht, dass etwas Großartiges passiert ist. Über meinen Moment des Mauerfalls habe ich vor 10 Jahren gebloggt.

„Bitte nicht vergessen: Sie fahren weiter durch Deutschland.“

„Bitte nicht vergessen: Sie fahren weiter durch Deutschland.“

Am Tag nach dem Mauerfall, also am 10. November, kam es zu einer spontanen Begegnung – heute vor 30 Jahren. Ich wohnte damals in Fürstenfeldbruck, eine Kreisstadt im Westen von München. Ich fuhr am Morgen mit meinen Auto durch Fürstenfeldbruck Richtung München. An einem kleinen Hügel kam es zu einer Begegnung. Mir kam ein Plastikbomber entgegen – ein Trabi.
Es war das Standardfahrzeug in der DDR. Ich kannte den Trabant durch unsere Ostverwandtschaft, die wir einmal im Jahr besuchten. Also da kam mir dieser Trabi entgegen, der wohl nach der Maueröffnung sofort losgefahren sein muss, so dass er morgens Fürstenfeldbruck in Bayern erreichte.
Ich sah das Fahrzeug und mir wurde wieder bewusst: Die Mauer ist offen. Ich hab es zwar im Fernsehen nachts verfolgt, aber eben nur auf der Mattscheibe. Jetzt war ein Trabi da und ich realisierte, was wirklich passiert ist. Ich reagierte unbewusst: Ich betätigte die Lichthupe meines Fahrzeugs und blendete meine Scheinwerfer zum Gruß auf, ein-, zweimal. Die Antwort kam prompt zurück. Der Trabi blendete auch auf. Der Trabbi hatte meinen Gruß registriert und reagierte. Der Fahrer blendete ebenfalls auf.

Der Todesstreifen der Mauer.

Der Todesstreifen der Mauer.

Dann fuhren wir mit unvermittelter Geschwindigkeit aneinander vorbei. Auf gleicher Höhe blicken wir uns in die Augen. Im Trabi sah ein junger Kerl am Steuer, daneben eine junge Frau. Wir nickten uns kurz zu. Dann war alles vorbei. Der Trabi fuhr weiter durch Fürstenfeldbruck, ich fuhr weiter Richtung München.
Wer es war, den ich da gesehen habe, weiß ich nicht. Ich habe die beiden nicht wieder gesehen, aber diese Szene hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt. Es war nur eine kleine, unbedeutende Szene, aber es war mein persönlicher Moment.