Friedhöfe sind schon interessante Orte. Auf Schritt und Tritt begegnet einem die Vergänglichkeit. Friedhöfe sind ein Ort der Ruhe, ein Ort des Nachdenkens, ein Ort der Erinnerung und für manche auch ein Ort des Sportes, wenn ein Jogger samt AirPods an einem vorbei läuft.
Als ich den Alten Südlichen Friedhof in München betrat, staunte ich nicht schlecht über die gewaltigen Grabmäler der Vergangenheit. Eindrucksvolle Statuten der Erinnerung, Büsten der Verstorbenen, Engel und Sarkophage – und oft ein Hauch der Vergänglichkeit. Manche der Gräber werden offentsichtlich nicht mehr gepflegt, vielleicht weil die Nachkommen auch schon nicht mehr leben. Heute wird auf dem Südfriedhof niemand mehr begraben.
Ich betrat den denkmalgeschützten Alten Südfriedhof bei Tauwetter. Der Schnee der vergangenen Tage schmolz und schuf eine interessante Atmosphäre auf dem ältesten Zentralfriedhof in München. Wenn es nicht so kalt ist, dann komme ich wieder um einen Überblick über Personen aus der Münchner Kultur- und Wirtschaftsgeschichte des 19. Jahrhunderts zu erhalten. Zwischen 1788 und 1886 war er die einzige Begräbnisstätte Münchens. Das knapp 7 Hektar große Gelände beherbergt 18000 Gräber. Hier sind viele berühmte Münchner begraben. Im Frühjahr werde ich mich auf eine Fotosafari machen und Gräber fotografieren, wenn das Grün erwacht.
Das Grab von Carl Spitzweg nahm ich näher in Augenschein. Das Grab des Malers Carl Spitzweg ist in München im Südfriedhof zu finden. Franz Carl Spitzweg (veraltet auch: Karl Spitzweg; * 5. Februar 1808 in München; † 23. September 1885 ebenda) war ein deutscher Maler und Zeichner der Spätromantik und des Biedermeiers. Kurz nach dem Tod seines jüngeren Bruders starb Carl Spitzweg am 23. September 1885 im Alter von 77 Jahren an einem Schlaganfall, man fand ihn zurückgelehnt in seinem Stuhl in seiner Münchner Wohnung. In München wurde er auch begraben. Die Grabstätte von Spitzweg befindet sich auf dem Alten Südlichen Friedhof in München (Gräberfeld 5 – Reihe 17 – Platz 10/11). Der Grabstein symbolisiert eine Apothekerflasche. Es ist ein Ersatz für den nicht mehr vorhandenen Originalgrabstein. Die GPS-Koordinaten sind 48.129361°, 11.566056°
Digitalisierung im Einzelhandel muss nicht automatisch ein Online-Shop sein, es geht auch anders. Bei einem komplett umgebauten REWE-Markt in Geiselbullach im Landkreis Fürstenfeldbruck hatte ich erstmals die Gelegenheit das System REWE Scan & Go auszuprobieren. Das System beschleunigt den Wochenendeinkauf radikal, aber nicht ohne Folgen.
Am Eingangsbereich des REWE-Marktes ist ein Regal mit Scannern. Sie sehen ein wenig aus wie die Phaser aus Raumschiff Enterprise, dienen aber weniger dem Paralysieren von Aliens als vielmehr den Erfassen von Strichcodes auf den Waren des Supermarktes. Es wird zunächst die Payback-Karte des Kunden gescannt. Das Ganze ist ein exklusives Angebot für Kunden dieser Kundenkarte.
Es ist auch möglich sein eigenes Smartphone als Scanner zu verwenden, dazu muss aber die REWE Scan & Go-App installiert sein. Auf jeden Fall steht fest: Der Betreiber verfügt über das komplette Einkaufsverhalten des Kunden. Da das System mit der eineindeutigen Karte des Kunden gekoppelt ist, wandern die Daten automatisch in die Big Data-Analyse: Welcher Kunde leistet sich welche Waren zu welcher Zeit zu welchem Preis – ein wahrer Schatz für Datenfreaks und Unternehmen, die genau wissen wollen, wie ihre Kunden ticken.
Der Scanner wird am Einkaufswagen eingesteckt, damit der Kunde die Hand frei hat. Hat er sich für ein Produkt entschieden, dann scannt der den Strichcode und der interne Rechner zählt die Preise zusammen, so dass der Kunde immer weiß, wie teuer sein Einkauf gerade ist. Natürlich kann man ein Produkt auch zurücklegen und den Einkauf löschen bzw die Mengenanzahl erhöhen oder reduzieren. Das ist sehr bequem und als Kunde habe ich jederzeit den Überblick.
An der Kasse muss ich meine Waren nicht wieder aufs Kassenband legen, sondern checke bei der Expresskasse aus. Das spart enorm Zeit und dauert nur ein paar Sekunden. Das lästige „Storno an Kasse 3“ entfällt. Bezahlt wird mit Electronic Cash, also Plastikkarte oder mobiles Zahlen mit beispielsweise der AppleWatch. Die Waren bleiben im Einkaufswagen und müssen nicht wieder vom Wagen aufs Band und dann wieder in den Wagen gelegt werden.
Für den Supermarkt bedeutet es ein gewisses Risiko. Sind alle Kunden ehrlich? Haben alle die Produkte wirklich gescannt? Bei unserem Einkauf gab es Stichproben durch eine Aufsichtsperson. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist ab und zu besser. Der Betreiber erhält anhand seines Warenwirtschaftssystems die wirklichen Zahlen von Umsatz und Bestand. Auch klar ist, dass durch so ein System weniger Kassenkräfte benötigt werden. Es bedeutet eine deutliche Reduzierung der Kosten, wenn weniger Personal benötigt wird. Im Gespräch mit einer Verkäuferin wurde gesagt, dass noch genügend zu tun sei. Zudem sei es immer schwieriger geneigtes Personal zu finden.
Ich finde es eine spannende Entwicklung. Amazon hat es mir seinen Stores und einem eigenen System vorgemacht. REWE und Payback ziehen hier nach. Ich bin gespannt, welche Ideen die anderen Supermarktketten in diesem Land haben. Ich stelle fest: Die Digitalisierung schreitet voran.
Meine Kinder kannten nie eine andere Bundeskanzlerin als Angela Merkel. Die Kindergeneration davor nie einen anderen als Helmut Kohl bis Basta-Schröder kam. Nun, ich bin schon älter, dass ich mich noch an andere Bundeskanzler erinnern kann. Nun ist es klar: Nach roten Rosen und vergessenen Farbfilm nimmt die Geschichte ihren Lauf. Der Abschnitt Angela Merkel geht jetzt zu Ende.
In meinem Blog äußere ich mich kaum zu den Themen Religion und Politik (bis auf Netzpolitik), obwohl ich zu beiden eine klare Meinung habe. Rückblickend bin ich dankbar, dass wir eine Naturwissenschaftlerin als Bundeskanzlerin hatten. Jemand, der Fakten einschätzen und bewerten kann – und seine politischen Schlüsse daraus gezogen hat. Klar, es lässt sich Angela Merkel viel vorwerfen, aber für mich noch klarer: Wir haben dieser Frau viel zu verdanken.
Für mich ist die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel ein guter Mensch. Das ist eigentlich das höchste Lob, was ich über jemanden sagen kann. Und ich will nicht die politischen Leistungen aufzählen, derer es sicher genug gibt. Ich kenne Merkel nicht privat, ich kenne sie nur aus den Medien. Ich habe sie bei Besuchen im Bundestag von der Besuchertribüne live gesehen – näher kam ich ihr nicht. Ihren Podcast habe ich gehört, auch Steffen Seibert, dem scheidenden hoch professionellen Regierungssprecher, habe ich in Twitter gelauscht, was er über seine Chefin zu berichten weiß. Ich denke, sie ist als Mensch in Ordnung, aber ich weiß es nicht. Als Politikerin sind wir gut mit ihr gefahren.
Ich habe daher eine Politikerin, die ich privat und beruflich etwas besser kenne, gebeten, mir ein Autogramm von Merkel zu besorgen. Ich sprach die Bundestagsabgeordnete und Staatsministerin im Bundeskanzleramt Doro Bär von der CSU an. Sie koordinierte mit ganz kleinem Team in der Regierung Merkel die Digitalpolitik, mein Steckenpferd. Ich bat Doro Bär um ein Autogramm mit Widmung von der Kanzlerin. Doro Bär sagte zu und sie hat Wort gehalten.
Die (Noch)-Kanzlerin hat mir ein Autogramm gegeneben – vielen Dank.
Heute kam mit der Post eine signierte Autogrammkarte der noch Bundeskanzlerin Angela Merkel – eine der letzten, die sie wohl als Kanzlerin unterschrieben hat. „Für Matthias“ steht darauf zu lesen. Nun, Frau Merkel kennt mich nicht (glaube ich zumindest) und ich weiß nicht, wie eine solche Autogrammvergabe erfolgt. Ich stell es mir romantisch vor, dass Doro Bär einfach mal zu ihrer Chefin hingegangen ist und gesagt hat „ich kenne da so einen Typen, der hätte gerne ein Autogramm“ und die Kanzlerin hat den Kugelschreiber genommen und unterschrieben. Aber vielleicht lief es auch ganz bürokratisch als Verwaltungsakt ab, wenn Merkel in den Pausen die Autogrammwünsche abarbeitet und die Karten in ministeriale Umlaufmappen packt.
Wenn ich die Gelegenheit habe, dann werde ich Doro Bär einfach fragen. Mal hören, welche Geschichte sie mir zu MEINEM Autogramm erzählen kann. Ich danke Doro Bär: Du hast versprochen, du hast geliefert – dafür ganz herzlichen Dank und ganz herzlichen Dank an Angela Merkel für das Autogramm und vor allem für 16 Jahre Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland.
Reisen in die USA sind grundsätzlich wieder möglich. Aufgrund von Corona war dies eine Zeitlang ja untersagt. Nun: Corona ist nicht besiegt, aber die Grenzen sind wieder offen. Ich habe für mich persönlich allerdings entschieden, mich mit dem Reisen erst noch zurückzuhalten. Aber ich schaue mir Übertragungen aus meiner Lieblingsstadt New York im Netz an und ich habe das Buch New York: Porträt einer Stadt von Reuel Golden zum Träumen gelesen. Gleich vorweg: Dieses Buch ist kein Reiseführer, sondern wirklich ein Porträt.
Und es ist schönes Storytelling. Es ist keine Bleiwüste an Geschichten, sondern die Geschichten werden anhand von Fotos eindrucksvoll erzählt. Ein Foto sagt eben mehr als 1000 Worte – so sagt das Sprichwort. Es bezieht sich darauf, dass komplizierte Sachverhalte oft mit einem Bild oder einer Darstellung sehr einfach erklärt werden können und ein Bild meist einen stärkeren Eindruck auf den Betrachter ausübt als ein umfangreicher Text. In der deutschen Sprache hat Kurt Tucholsky den Ausspruch 1926 als Überschrift zu einem fotoillustrierten Artikel in der Zeitschrift Uhu verwendet.
Und das weiß natürlich mein Lieblingsverlag: Der Taschen Verlag, der mir das Buch zur Verfügung gestellt hat. Auf insgesamt fast 600 Seiten voller bewegender, atmosphärischer Bilder von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute präsentiert dieses Buch die Geschichte von New York. Die Bilder sind nach Dekaden geordnet und zeigen damit die Entwicklung dieser großartigen Zeit: Von blühenden Zeiten über zu Zeiten der Depression und des Niedergangs bis zum Aufblühen in der Gegenwart.
Hunderte von Zitaten und Zeugnissen aus einschlägigen Büchern, Kinofilmen, Shows und Songtexten ergänzen diesen Bilderschatz. Alle guten und schlechten Zeiten werden behandelt, von den wilden Nächten der Jazz-Ära und der hedonistischen Discozeit bis zu den bitteren Tagen der Wirtschaftskrise und dem Unglück vom 11. September und seinen Folgen. Und neben einer bebilderten Stadtgeschichte ist das Buch auch eine Reise durch das Who-is-who der Fotografenszene. Einige meiner Lieblingsfotografen sind hier vertreten wie Andreas Feininger, James Nachtwey und vielen anderen. Also wer auf Reisen zum Big Apple geht oder zu Hause an New York denkt, der greife zu New York: Porträt einer Stadt.
Bei einem Arbeitsausflug ins Allgäu schaute ich wieder einmal beim Schwarzen Adler in Großholzleute vorbei. Es ist wahrlich ein historisches Haus, das mich seit meinem ersten Besuch faszinierte.
Der Gasthof Adler ist ein um das Jahr 1500 errichteter denkmalgeschützter historischer Landgasthof in Großholzleute, einer Teilgemeinde von Isny im Allgäu, im Landkreis Ravensburg. Ich konnte nur zum Essen bleiben, gerne hätte ich in diesen historischen Gemäuer genächtigt. Es gab für mich Käsesuppe und Zwiebelrostbraten, blutig.
Die Karte umfasst deftige, gut bürgerliche Speisen aus Produkten der Region Allgäu-Bodensee-Oberschwaben. Die Wirtsleute sind freundlich und wenn das Wetter passt, kann der Gast auch vor der Türe im Biergarten sitzen. Aber genau dies will ich nicht: Ich will die historische Atmosphäre des rustikalen Gastraums genießen. Ich sitze an einem Tisch. Prinzessin Anne schaut mir von der Wand gegenüber auf meinen Teller. 1987 weilte die britische Prinzessin Anne als Schirmherrin der englischen Nationalmannschaft bei den Lowland-Skimeisterschaften in Isny und nächtigte im Gasthof Adler. Anne sieht wie immer ein wenig streng aus, aber so ist es wohl im britischen Königshaus.
Und weil wir gerade bei der Geschichte des Hauses sind: Um das Jahr 1400 errichtete Syrg von Syrgenstein ein Steinhaus als eine von der Argen umflossene Wasserburg, den heutigen Gasthof zum Adler. 1409 wird es das Amtshaus genannt. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges befand sich in dem Gebäude von 1683 bis 1813 eine Posthalterei, der von den Thurn und Taxis betriebenen Kaiserlichen Reichspost. Das Metallschild des Adlers, ein österreichischer Adler, stammt aus seiner Zeit als Thurn-und-Taxische Posthalterei.
Im Jahre 1768 nächtigte die österreichische Erzherzogin Maria Theresia von Österreich mit ihrem Gefolge im Adler auf der Fahrt nach dem damaligen österreichischen Freiburg. Zwei Jahre später, im Jahre 1770, kehrte dort ihre jüngste Tochter Marie Antoinette, die spätere Königin von Frankreich, auf ihrer Brautfahrt von Wien nach Versailles ein. Ob sie Kuchen gegessen hat, entzieht sich meiner Kenntnis. All die adeligen Herrschaften sind interessant, für mich ist ein anderer Besuch der jüngeren Gegenwart interessanter: Vom 31. Oktober bis zum 2. November 1958 tagte die Schriftstellervereinigung „Gruppe 47“ in dem historischen Gasthof. Nachdem die Betreiber im Februar 2013 über die Schließung des Gasthofes informierten, setzte sich Literaturnobelpreisträger Günter Grass für den Erhalt des Hauses ein, in dem er berühmt wurde.
Im Wirtshaus „Adler“ von Großholzleute, las Günter Grass im Oktober 1958 seinen Schriftstellerkollegen von der „Gruppe 47“ zwei Kapitel aus seiner noch unvollendeten „Blechtrommel“ vor. Die Literaten waren hellauf begeistert. „Schon nach wenigen Sätzen ist der Saal wie elektrisiert“, schilderte Gruppe-47-Initiator Hans Werner Richter die Szene in dem Wirtshaussaal mit dem damals erst 31-jährigen, noch völlig unbekannten Grass. Das Werk „Die Blechtrommel“ zählt bis heute zur Weltliteratur. Da wäre ich gerne Mäuschen gewesen. Vielleicht klappt es 2022, dass ich endlich mal im Schwarzen Adler übernachte. Keine Ahnung wie die Zimmer sind, aber ich weiß: Es sind Zimmer mit Geschichte.
Ich fand das Buch im örtlichen Bücherschrank und war sofort neugierig. Es ist lebendige experimentelle Archäologie. Diese widmet sich der Beantwortung archäologischer Fragestellungen mit Hilfe eines wissenschaftlichen, unter kontrollierten Bedingungen durchgeführten und vollständig dokumentierten Experimentes. Klingt komisch, ist aber super spannend, denn es werden experimentelle Praxis und die Theorie der althistorische Forschung unter einen Hut gebracht. Es galt folgendes Projekt umzusetzen: 49 Studierende der Universität Regensburg reisten auf einem Nachbau eines spätantiken römischen Flusskriegsschiffes im Sommer 2006 knapp drei Wochen auf der Donau bis nach Budapest. Das Buch samt BR-Dokumentation auf DVD in SD ist sowohl Reisebericht als auch eine praxisorientierte Dokumentation.
Schade, dass es zu dieser Zeit keine sozialen Netzwerke gegeben hat, denn dann wäre diese Wissenschaftsreise noch verbreiteter. So wählte man das Buch und das Fernsehen als Massenmedium. Heute wäre auf der Galeere ein Wissenschaftsblogger dabei und hätte die Botschaft verbreitet. Interessant zu sehen, sind die beteiligten Studis, die sich freiwillig für die Reise meldeten und sogar 150 Euro Passage bezahlten, damit sie den ganzen Tag bei Wind und Wetter rudern mussten. Die in die Rolle einer spätantiken Schiffsbesatzung geschlüpften Studenten und Wissenschaftler bewältigen zudem ein körperlich anstrengendes Testprogramm, dessen Resultate zum Verständnis der spätantiken Flottenorganisation an Rhein und Donau beitragen. 180000 Ruderschläge hatte jeder zu bewältigen.So macht Wissenschaft Spaß und bitte, bitte mehr davon und nachzulesen in Exploratio Danubiae: Ein rekonstruiertes spätantikes Flusskriegsschiff auf den Spuren Kaiser Julian Apostatas
In der Vergangenheit hatte ich immer Probleme mit der Zustellung von Amazon Logistic. Trotz Ablageerlaubnis lagen manches Mal meine Bestellungen irgendwo und ich habe mich massiv beschwert. Die Situation ist besser geworden, bzw. hat sich verändert.
Amazon hat wohl Druck auf seinen Logistikdienstleister ausgeübt und es das Liefern der Pakete hat sich deutlich verbessert. Aber ich bin aufgrund von Corona auch deutlich mehr zu Hause, um meine Bestellungen in Empfang zu nehmen. Viele meine Aufträge konnte ich digitalisieren und ich arbeite vom HomeOffice aus. Jetzt war ich mal wieder auf einem Vortrag im Außeneinsatz. In Nürnberg fand auf dem Messegelände die Consozial statt und ich durfte einen Vortrag halten – vor echten Menschen. Und genau an diesem Tag lieferte Amazon ein Paket. Ich bekam die entsprechende E-Mail-Meldung aufs Smartphone, dass meine Bestellung geliefert sei, schaute aber nur auf den Header im Mail-Programm.
Zu Hause blickte ich an den vereinbarten Platz, der in meiner Ablageerlaubnis hinterlegt ist. Kein Paket. Im analogen Briefkasten lag ein Zettel mit dem handgeschrieben Hinweis Mülltonne. Doch auch im Tonnenhäuschen war nichts zu finden.
Also die Mail von Amazon herausgesucht und geöffnet. Und ich hab eine Neuerung festgestellt. Der Amazon-Fahrer hat ein Foto mitgeschickt, wo mein Paket liegt. Es lag hinter der blauen Altpapiertonne, also nicht bei der Mülltonne. Aber das sind Feinheiten des deutschen Wertstoffkreislaufsystems. Ob es jetzt die Tonne für stoffgleiche Nichtverpackungen, Papiertonne, Restmülltonne, Tonne für organische Abfälle oder anderes ist, das kann man einen Fahrer nur bedingt vermitteln.
Nun am liebsten wäre es, wenn mein Wunsch nach meinem Ablageort eingehalten wird, aber so mancher Fahrer ist der deutschen Sprache im Lesen nicht mächtig. Bevor er mein Paket irgendwo in der Prärie ablegt und ich suchen muss, da ist mir die neue Dienstleistung mit dem Foto deutlich lieber. Nicht perfekt, aber ein Fortschritt wie ich meine. Ich weiß nicht, wie lange schon Fotos geschossen werden, aber ich hab es jetzt erst bemerkt. Ach ja: Und bitte keine Diskussion an dieser Stelle, warum ich bei Amazon bestelle.
Der Kunde ist ein seltsames Wesen. Das stelle ich nach der aufschlussreichen Lektüre der neuen Adobe-Studie „Future of Marketing“ fest: Ergebnis: Ein sorgloser Umgang mit den Daten ihrer Kunden kann für Unternehmen zu großen Verlusten führen. Klingt nachvollziehbar, aber die Nutzung von Meta-Produkten wie Facebook, WA, Instagram oder des aggressiven chinesischen Netzwerkes TikTok sagt genau das Gegenteil. Komisch – und gerade kommt wieder eine unauforderte Einladung via Linkedin, wo dauernd Fuzzis es mit Kaltakquise versuchen – das nervt und trotzdem bin ich bei Linkedin.
Schauen wir uns die Studie genauer an: 72 Prozent der deutschen Konsumenten würden bei einem Unternehmen, das ihr Vertrauen in Bezug auf Daten missbraucht hat, nicht wieder einkaufen. Setzen Unternehmen jedoch auf eine bewusste Datennutzung, steigt das Vertrauen von Kunden und damit Umsatz, Loyalität und positive Empfehlungen für Marken. Zu diesen Ergebnissen kommt die Adobe-Studie „Future of Marketing“, für die Verbraucher, Marketingfachleute und Marketingentscheider in Deutschland zur Zukunft des digitalen Kundenerlebnisses befragt wurden. Im verantwortungsvollen Umgang mit Kundendaten liegt der wichtigste Faktor, um eine vertrauensvolle, langfristige Beziehung mit Kunden aufbauen zu können. Marken, die diesem Anspruch genügen, werden mit einem höheren Absatz, Weiterempfehlungen und langfristiger Kundenbindung belohnt.
Kunden zeigen ihr Vertrauen in eine Marke vor allem durch: • Mehrfache/Wiederholte Einkäufe (65 Prozent) • Weiterempfehlung an Freunde (63 Prozent) • Teilnahme an einem Treueprogramm (40 Prozent) • Veröffentlichung von positiven Bewertungen oder Kommentaren in sozialen Medien (28 Prozent).
Die Studie zeigte auch, dass Marken das Vertrauen von Kunden auf verschiedene Weise gefährden, insbesondere durch die Art der Verwendung ihrer Daten. Drei der häufigsten Gründe, weshalb Verbraucher einer Marke in den vergangenen zwölf Monaten den Rücken zugekehrt haben, waren:
• Sie sind mir unheimlich (44 Prozent): Sie verfolgen mich online/auf meinen mobilen Geräten ohne meine Erlaubnis, senden E-Mails/Mitteilungen, obwohl ich mich nicht erinnere, ihnen meine Daten gegeben zu haben. • Sie sind nervig (43 Prozent): Sie schicken mir zu viele Mitteilungen, kommunizieren ihre Datenschutzrichtlinien nicht klar oder informieren mich nicht darüber, was sie mit meinen Daten machen. • Sie enttäuschen mich (38 Prozent): Die Produkte oder Dienstleistungen entsprechen nicht meinen Bedürfnissen – niedrige Qualität, zu teuer oder zu kompliziert.
Wenn eine Marke über das Ziel hinausschießt, sind Kunden schnell bereit abzuwandern: Knapp die Hälfte (44 Prozent) hat im vergangenen Jahr bei einer Marke, die sie enttäuscht hat, nicht noch einmal eingekauft. Besonders jüngere Menschen sind am wenigsten bereit einen Vertrauensbruch zu verzeihen: 72 Prozent der GenZ und 64 Prozent der Millennials haben in den vergangenen zwölf Monaten mindestens bei einer Marke nicht erneut eingekauft.
Wenn es darum geht, wie genau Unternehmen das Vertrauen ihrer Kunden gewinnen können, zeigt die Studie, dass die Erwartungen von Kunden an Unternehmen durchaus nachvollziehbar und umsetzbar sind, wobei vor allem die „Bitte um Erlaubnis zur Verwendung von Daten“ (42 Prozent) dazu beiträgt, dass Kunden einer Marke vertrauen. An zweiter Stelle der vertrauensfördernden Maßnahmen folgt eine „offenere und transparentere“ Nutzung von Daten (40 Prozent) neben einer „größeren Kontrolle über persönliche Daten“ (40 Prozent).
Da fällt mir ein: Ich habe auch einen Newsletter für Sie, der einmal die Woche erscheint. Inhalt ist Seminare, News und Tipps
Die gute Idee hatte die Europäische Janusz-Korczak-Akademie mit ihrer Wanderausstellung „Mit Davidstern und Lederhose – Jüdische G’schichten on Tour“. Statt auf Besucher in München zu warten, geht man mit einer Wanderausstellung durch die sieben bayerischen Bezirke und bringt der Öffentlichkeit das Thema näher. Und noch eine gute Idee hatte die Europäische Janusz-Korczak-Akademie. Anstatt drögen historischen Stoff zu verbreiten, erzählen die Ausstellungsmacher Geschichten, die die Menschen betreffen und betroffen machen. Und sie lassen Zeitzeugen auftreten, die die Besucher durch die Pop-up-Ausstellung führen. In Zeiten, in denen Antisemitismus und Verschwörungstheorien neue Hochkonjunktur haben, ist es umso wichtiger, positive Erfahrungen zu vermitteln.
Bayern ist verbunden mit der jüdischen Geschichte und Gegenwart, auch wenn es uns nicht immer bewusst ist. Ich hab mir die Ausstellung in Mering angesehen. Die Pop-up-Ausstellung „Mit Davidstern und Lederhose“ erzählte nicht nur ein Stück bayerisch-schwäbisch-jüdische Heimatgeschichte, sondern auch aus dem jüdischen Leben in Bayern heute.
Viele Details gibt es zu entdecken: Interessant, dass das Bier, das nach dem Reinheitsgebot gebraut ist, koscher ist. Und dass es auch dem aus einer jüdischen Familie stammenden Arzt Friedrich Adalbert Marcus zu verdanken ist, dass der Pockenepidemie im frühen 19. Jahrhundert ein Ende gesetzt wurde. Jüdische Jugendliche führen die Besucher durch die Ausstellung und erzählen unbekannte, überraschende, lustige und traurige Geschichten über Jüdisches in Bayern, damals und heute.
„Wir beobachten leider seit einiger Zeit, und noch verstärkt durch die Pandemie, dass sogar mittelalterliche Verschwörungstheorien wieder auftauchen und offener Antisemitismus auch in der Mitte der Gesellschaft zunimmt‘, sagt die Präsidentin des gemeinnützigen Vereins, Evi Haller. Information und Aufklärung, vor allem aber zwischenmenschliche Kontakte seien der beste Weg, Ängste abzubauen und Vorurteilen entgegenzutreten.
Zusammen mit Eva Haller
Von den zahlreichen anschaulichen Beispielen habe ich nur eine Geschichte herausgepickt, weil ich sie für besonders bezeichnend finde – und sie zudem aus meiner Geburtstag München stammt. Es ist die Geschichte von Julius und Moritz Wallach
Haus für Volkskunst und Tracht Es ist das Jahr 1899. Julius Wallach ist aus seiner preußischen Heimatstadt nach München gezogen. München ist die Hauptstadt des Königreiches Bayern eines Staates, der sich durch die Bemühungen der Wittelsbacher Herrscherdynastie weltweit das einzigartige Image eines modernen, aber zugleich traditionsbewussten Teils des Deutschen Reiches verschafft hat. Ganz im Sinne von Julius: Der starke Patriotismus des späten 19. Jahrhunderts begeistert nicht nur ihn, sondern auch seinen Bruder Moritz und viele andere deutsche Juden. Es ist eine ganz besondere Art der jüdisch-deutschen Identität, aus der bei den Brüder bald eine jüdisch-bayerische werden soll.
Julius und Moritz sind in einem oberbayerischen Dorf unterwegs. Es ist eine der Lieblingsbeschäftigungen der Brüder: Im Münchner Umland sehen sie sich gerne Märkte in Dörfern und Kleinstädten an. Ihnen gefällt die ländliche Lebensweise der Bayern, doch was sie wirklich fasziniert ist der Kleidungsstil, die Tracht des bayerischen Dorfes. Jedes Dorf kleidet sich anders, und aus jedem Ort bringen die Brüder Wallach andere Stoffe, Kleidung und traditionelle Kunst mit.
Auch Julius, aktives Mitglied des Alpenvereins, trägt gerne Tracht, doch die ist in der Großstadt München nicht in Mode; die Tracht gilt als Bauernkleidung, welche von höheren Schichten der Gesellschaft abgelehnt wird. Julius beschließt das zu ändern. Im Jahr 1900 gründet er das „Haus für Volkskunst und Tracht“ im Herzen von München, sein Bruder Moritz, ein gelernter Kaufmann, steigt wenig später ins Geschäft ein. Sie beginnen, Trachten zu entwerfen, die sich an der traditionellen Kleidung ihrer Sammlung orientieren, aber zugleich stadtfein sind: Im Geschäft Wallach werden teure Stoffe verwendet und den Trachten wird ein elegantes Aussehen verliehen. Der Erfolg lässt nicht auf sich warten: Den Münchnern gefällt der neue Kleidungsstil und durch den museumshaften Charakter des Geschäftes, in dem neben den Trachten auch Möbel und andere Kunstobjekte ausgestellt sind, gilt das Volkskunsthaus Wallach als eine Hauptattraktion in München und schafft es sogar in die Reiseführer.
1910 werden die Brüder Wallach beauftragt, den Trachtenzug zum 100-jährigen Jubiläum des Oktoberfestes auszustatten – ehrenamtlich. Als Belohnung werden sie vom bayerischen Königshaus zu königlich bayerischen Hoflieferanten ernannt. Doch der Erfolg hört auch damit nicht auf: Auf einem Ball in Paris erscheint eine preußische Prinzessin in einem Seiden-Dirndl von Wallach, und 1930 entwerfen die Wallachs Kleidung für die Operette „Im weißen Rößl“. Daraufhin wird die Firma weltweit bekannt. Wallach-Trachten werden von berühmten Persönlichkeiten, darunter auch Lotte Lehmann und Marlene Dietrich, getragen. Das Volkskunsthaus – von jüdischen Deutschen gegründet – wird in der Gesellschaft zum Synonym für die bayerische Kultur. Doch 1933 kommt die NSDAP an die Macht. Im Zuge der Novemberpogrome von 1938 wird das Geschäft beschlagnahmt und die Brüder gezwungen, es zu übergeben. Julius und Moritz entkommen dem Holocaust in die USA. Dass die bayerische Tracht wie wir sie kennen von Juden gestaltet wurde, hielt die NS-Führung nicht davon ab, sie zu eigenen Zwecken zu nutzen: Das Volkskunsthaus bestand während der NS-Zeit fort, und die Tracht wurde als deutsches Kulturgut für Propagandazwecke genutzt, wobei die teils jüdische Geschichte der Kleidung gezielt verschwiegen wurde. Auf Aufnahmen aus dem Berghof in Obersalzberg sieht man Eva Braun in Dirndl, und auch im Bund Deutscher Mädel wurde es getragen.
Nach der Befreiung Deutschlands forderte die Familie Wallach ihr Geschäft zurück, und nach langen Bemühungen war es 1949 wieder zu ihrem Besitz. Das Geschäft bestand bis 2004 in der Residenzstraße 3 fort. Was interessant ist: Das Dirndl mit tiefem Ausschnitt und kurzer Bluse wurde nicht von den Wallachs, sondern vom NS-Reichsbeauftragten für Trachtenarbeit entworfen. Es hat mit der traditionellen bayrischen Kleidung wenig gemeinsam und erinnert nur entfernt an das ländliche Dirndl. Die Kleidung der jüdischen Brüder Wallach dagegen spiegelt viel mehr die bayerische Gewandtradition wider.
Bei einem Besuch in Salzburg sollte der Besuch von St. Peter auf dem Programm stehen. Die Lokalität gilt als das älteste Restaurant Europas. Seit über 1200 Jahren werden im St. Peter Stiftskulinarium Gastlichkeit und Gaumenfreuden gelebt. Grund genug, bei meinem jüngsten Besuch in Salzburg dort vorbeizuschauen. Weil ich leider aufgrund eines Messebesuchs nicht genügend Zeit hatte, nahm ich in der ganzjährig beheizte Outdoor-Lounge Platz, inmitten des wunderbar-einzigartigen Arkadenhofes. Bei einem späteren Besuch werde ich die Fine Dining-Kochkunst in den Separées und Salons genießen.
„Zwei Restaurantlinien, 11 Räume, eine Weinkarte mit 800 Dispositionen und unzählige Geschmacksexplosionen – das ist nur ein kleiner Einblick in unser Repertoire. Seit dem Jahr 803 werden hier Gäste aus aller Welt nach allen Regeln der Kunst verwöhnt“, so die Gastgeber Veronika Kirchmair und Claus Haslauer über das St. Peter Stiftskulinarium. Mit dem Hinweis auf die Geschichte können die Gastgeber punkten, aber sie ruhen sich nicht auf der Vergangenheit aus und verkommen zum Touristenhotspot. Ein Blick in die Karte zeigt eine interessante Neuinterpretation altbewährter Gourmet-Tradition.
Während ich so in der Weinkarte schmökere, lehne ich mich zurück und beobachte den traditionsreichen Ort. Das älteste Gasthaus Europas – was gibt es hier für Geschichten zu erzählen. Hier gibt es Platz für Storytelling mit und ohne kulinarische Delikatessen. Das Stiftskulinarum befindet sich schließlich inmitten der Salzburger Altstadt in der Klosteranlage der Benediktiner-Erzabtei St. Peter. Im Jahre 803 wurde der St. Peter „Stiftskeller“ erstmals urkundlich vom Gefolgsmann Alkuin von York des Kaisers Karl des Großen erwähnt. Im 11. Jahrhundert lag der Fokus auf Weinhandel: Leopold VI. der Glorreiche nahm das Kloster St. Peter unter seinen Schutz und erlaubte die Ausfuhr von 40 Fuhren Wein aus Österreich pro Jahr. 1517 errichtete Abt Wolfgang Walcher einen Felsenkeller mit Zugang zum Stiftshof. Die ausgebrochenen Steine wurden beim Bau der Mühle der Stiftsbäckerei verwendet. Diese Stiftsbäckerei hatte ich 2014 besucht und darüber gebloggt.
1527 ließ Abt Chillian Pitricher den Weinkeller um einen zweiten Felsenkeller erweitern. Fuhrleute und Handwerker bekamen für ihre Arbeit einen „Weinpfennig“ oder „Haustrunk“. Nach und nach entstand so aus einer Buschenschank eine Gaststätte. In den ersten Jahren um 1900 begann Abt Willibald Hauthaler den Stiftskeller zu renovieren – zu dieser Zeit entstanden auch die „Willibald-Arkaden“.
Zahlreiche Auszeichnungen wie Gault-Millau 2021 würdigen die hohe Kunst des Hauses. Am 20. September 2021 hat Landeshauptmann Wilfried Haslauer (entspricht bei uns das Amt es Ministerpräsidenten) das St. Peter Stiftskulinarium mit dem Salzburger Landeswappen ausgezeichnet. „Ich führe das Stiftskulinarium nun seit fast 30 Jahren mit Herz und Seele. Das Landeswappen ist für mich ein Zeichen dafür, welch wichtige Bedeutung die gelebte Kulinarik-Kultur unseres Hauses für das Land Salzburg hat“, so Claus Haslauer.