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Wirtshaustipp: Schwarzer Adler in Großholzleute

23. November 2021

Bei einem Arbeitsausflug ins Allgäu schaute ich wieder einmal beim Schwarzen Adler in Großholzleute vorbei. Es ist wahrlich ein historisches Haus, das mich seit meinem ersten Besuch faszinierte.

Der Gasthof Adler ist ein um das Jahr 1500 errichteter denkmalgeschützter historischer Landgasthof in Großholzleute, einer Teilgemeinde von Isny im Allgäu, im Landkreis Ravensburg. Ich konnte nur zum Essen bleiben, gerne hätte ich in diesen historischen Gemäuer genächtigt. Es gab für mich Käsesuppe und Zwiebelrostbraten, blutig.

Die Karte umfasst deftige, gut bürgerliche Speisen aus Produkten der Region Allgäu-Bodensee-Oberschwaben. Die Wirtsleute sind freundlich und wenn das Wetter passt, kann der Gast auch vor der Türe im Biergarten sitzen. Aber genau dies will ich nicht: Ich will die historische Atmosphäre des rustikalen Gastraums genießen. Ich sitze an einem Tisch. Prinzessin Anne schaut mir von der Wand gegenüber auf meinen Teller. 1987 weilte die britische Prinzessin Anne als Schirmherrin der englischen Nationalmannschaft bei den Lowland-Skimeisterschaften in Isny und nächtigte im Gasthof Adler. Anne sieht wie immer ein wenig streng aus, aber so ist es wohl im britischen Königshaus.

Und weil wir gerade bei der Geschichte des Hauses sind: Um das Jahr 1400 errichtete Syrg von Syrgenstein ein Steinhaus als eine von der Argen umflossene Wasserburg, den heutigen Gasthof zum Adler.
1409 wird es das Amtshaus genannt. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges befand sich in dem Gebäude von 1683 bis 1813 eine Posthalterei, der von den Thurn und Taxis betriebenen Kaiserlichen Reichspost. Das Metallschild des Adlers, ein österreichischer Adler, stammt aus seiner Zeit als Thurn-und-Taxische Posthalterei.

Im Jahre 1768 nächtigte die österreichische Erzherzogin Maria Theresia von Österreich mit ihrem Gefolge im Adler auf der Fahrt nach dem damaligen österreichischen Freiburg. Zwei Jahre später, im Jahre 1770, kehrte dort ihre jüngste Tochter Marie Antoinette, die spätere Königin von Frankreich, auf ihrer Brautfahrt von Wien nach Versailles ein. Ob sie Kuchen gegessen hat, entzieht sich meiner Kenntnis.
All die adeligen Herrschaften sind interessant, für mich ist ein anderer Besuch der jüngeren Gegenwart interessanter: Vom 31. Oktober bis zum 2. November 1958 tagte die Schriftstellervereinigung „Gruppe 47“ in dem historischen Gasthof. Nachdem die Betreiber im Februar 2013 über die Schließung des Gasthofes informierten, setzte sich Literaturnobelpreisträger Günter Grass für den Erhalt des Hauses ein, in dem er berühmt wurde.

Im Wirtshaus „Adler“ von Großholzleute, las Günter Grass im Oktober 1958 seinen Schriftstellerkollegen von der „Gruppe 47“ zwei Kapitel aus seiner noch unvollendeten „Blechtrommel“ vor. Die Literaten waren hellauf begeistert. „Schon nach wenigen Sätzen ist der Saal wie elektrisiert“, schilderte Gruppe-47-Initiator Hans Werner Richter die Szene in dem Wirtshaussaal mit dem damals erst 31-jährigen, noch völlig unbekannten Grass. Das Werk „Die Blechtrommel“ zählt bis heute zur Weltliteratur. Da wäre ich gerne Mäuschen gewesen.
Vielleicht klappt es 2022, dass ich endlich mal im Schwarzen Adler übernachte. Keine Ahnung wie die Zimmer sind, aber ich weiß: Es sind Zimmer mit Geschichte.

Steaks im Landgasthof Stöckacher Mühle

11. März 2016

Der Wilde Westen in Franken im Landgasthof Stöckacher Mühle.

Der Wilde Westen in Franken im Landgasthof Stöckacher Mühle.

Wer nach Neustadt an der Aisch reist, der kommt wegen des Karpfens. Die Gegend westlich von Nürnberg ist das Zentrum des Karpfens. Fisch frisch auf den Tisch. Ich kam nach Neustadt an der Aisch aber wegen der Steaks.
Freunde empfahlen mir den Besuch des Landgasthofs Stöckacher Mühle. Zwar gibt es dort auch Karpfen, aber es gibt dort vor allem Steaks. Also für eine Nacht in dem Gasthof eingemietet und gleich ein neu errichtetes Hotelzimmer bekommen. Der Landgasthofs liegt etwas abseits, vom Bahnhof Neustadt ist es ein strammer Fußmarsch von 3 Kilometer. Vor allem bei wärmeren Temperaturen sollte man der Lokalität einen Besuch abstatten, denn dann hat der wunderbare Biergarten auch geöffnet.


Mein erster Eindruck war: Ich bin im Wilden Westen. Als ich auf den Gasthof zugehe, höre ich Countrymusik. Und ich höre Kommandos? Der Hotelbetreiber hat eine Vorliebe für Countrymusik und Linedance. Und nicht nur er. Der gesamte Parkplatz ist voller Autos. Und der Saloon, wie der große Stadel der ehemaligen Mühle heißt, ist voller Linedancer. So etwas kenne ich von den USA, aber im tiefsten Franken? Der countrybegeisterte Franke, sonst eher von zurückhaltender Natur, geht beim Linedancing voll aus sich heraus. Aber ich wahr nicht wegen des Linedancings gekommen, sondern wegen der Steaks.


Also betrete ich den Landgasthof, der von Küchenchef Jürgen Kresser seit nunmehr zehn Jahren geführt wird. Auch hier empfängt mich Country-Atmosphäre. Zunächst will ich unter einen skelettierten Stierschädel Platz nehmen, aber der Kopf irritiert mich beim Essen. Ich weiche in die Mitte des Gastraumes aus, um die Atmosphäre genießen zu können. Banjo an der einen Wand, Westernbilder an der anderen, Boots, Stetsons, Felle, Reitutensilien, Trompete – so stelle ich mir einen Country-Treff vor. Mir gegenüber sitzt auch ein Fan der Musik, dem wohl das Linedancing hungrig gemacht hat. Mit großen Stetsons auf dem Kopf (der fränkische Cowboy lässt den Hut beim Essen auf) beugt er sich über sein Steak. Dazu gibt es fränkisches Bier von der Brauerei Hofmann – sieht beides lecker aus. Am Nebentisch planen Jungmanager eine Festivität, denn man kann die Stöckacker Mühle auch für Events mieten. Die Herrschaften mit weißen Hemden, Businessanzügen und iPad sprechen gerade generalstabsmäßig eine Hochzeit durch – warum haben die eigentlich kein Cowboy-Outfit an? Ich komme zumindest im englischen Landhausstil daher – aber egal.


Der Pächter und Küchenchef Jürgen Kresser hat die Sache voll im Griff. Er arbeitete lange Zeit in Erlangen als Küchenchef und ergriff die Chance der Selbstständigkeit in der Stöckacher Mühle. Sein Konzept der regionalen Küche überzeugt mich – und nicht nur mich. Die Stöckacher Mühle ist gut besucht, vor allem wenn es wieder wärmer wird und der Biergarten geöffnet wird. Die Speisekarte hat freilich fränkische Spezialitäten und auch die Stöckacher Mühle besitzt einen Karpfenteich. Das Fleisch kommt aus der Gegend, Jürgen Kresser kennt seine Lieferanten und vertraut ihnen.

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Das schmeckt man. Das Fleisch ist wunderbar – hier kocht der Chef aus Leidenschaft. In den nächsten Wochen wird Jürgen Kresser noch Unterstützung durch eine Köchin bekommen, die er vor Jahren in Erlangen kennengelernt hat. Sie wollte unbedingt mit Kresser zusammenarbeiten – nun bekommt sie die Chance.

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Also, wer in der Gegend ist, sollte ruhig mal vorbeischauen und ein Steak essen – oder einen Karpfen, wenn es denn sein muss.